Archiv des WHKT-Reports

Der WHKT-Report erscheint monatlich und gibt Auskunft über für das Handwerk relevante Themen aus Wirtschaft, Politik und Bildung.

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Vorwort



Liebe Leserinnen und Leser,

die vergangenen Monate waren in der Handwerksorganisation geprägt vom Corona-Krisenmanagement. Betrieben in Not zu helfen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass unsere handwerkliche Aus- und Weiterbildung auch unter Pandemie-Bedingungen funktioniert, war und ist entscheidende Aufgabe.

Doch die Corona-Krise erreicht in diesen Tagen eine neue Phase. Von Tag zu Tag wird intensiver über den Weg zurück in die Normalität und die Zeit nach der Pandemie gesprochen.

Deutlich wird: Die Krise hat den Modernisierungsdruck in Wirtschaft und Gesellschaft noch einmal deutlich erhöht. Auch und gerade das Handwerk muss sich den Herausforderungen der Zukunft stellen. Die Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Fachkräftesicherung werden dabei für uns eine überragende Bedeutung haben.

Das Handwerk braucht in all diesen Bereichen Strategien und Konzepte, damit Politik und Gesellschaft die kleinen Betriebe auf dem Weg in die Zukunft nicht übersehen. Im Gegenteil sollte unser Anspruch sein, diese Themen nicht nur zu begleiten, sondern vorne mitzuspielen. Die Zukunftsthemen nicht nur zu benennen, sondern im Sinne des Handwerks konkrete Projekte und Initiativen daraus abzuleiten, die Rahmenbedingungen für Innovation und modernes Handwerk weiter zu verbessern, darauf kommt es jetzt an.

Ich freue mich sehr, dass sich die Handwerkskammern in diesem Sinne auf ein gemeinsames digitales Arbeitsprogramm verständigt haben. Dazu gehört zum Beispiel, dass wir für die kleinen Betriebe konkrete Fördermöglichkeiten brauchen, die die betriebliche Digitalisierung unterstützen. Eine Digitalisierungsprämie für kleine Unternehmen kann ein entscheidendes Instrument sein, die Rahmenbedingungen so zu setzen, damit wir gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Dass wir gerade jetzt die Zukunft mutig anpacken sollten, hat aber vor allem auch einen weiteren wichtigen Grund: wir wollen wieder mehr junge Frauen und Männer ins Handwerk holen. Wir wollen den Nachwuchsmangel nicht beklagen, sondern unser Angebot an die junge Generation erneuern: Komm ins Handwerk, hier kannst Du Zukunft gestalten.

Es grüßt Sie herzlich

Matthias Heidmeier

Hauptgeschäftsführer
 

Würdigung des Ehrenamts im Handwerk:

Vorbereitungen zum 7. Treffpunkt Ehrenamt Handwerk in NRW gestartet

Ob in sozialen, gesellschaftlichen oder ökologischen Belangen, für mehr Sicherheit und Gesundheit – das Ehrenamt unterstützt und ist beim Handwerk in guten Händen. Um diese »guten Hände« zu würdigen und ihnen eine Bühne zu geben, findet mit finanzieller Unterstützung des Wirtschaftsministeriums NRW einmal jährlich der Treffpunkt Ehrenamt des Handwerks in NRW statt, den der Westdeutsche Handwerkskammertag organisiert. »Beim Treffpunkt Ehrenamt geht es auch darum, Geschichten zu hören, um sie weiterzutragen«, so Hans Hund, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages.

Sieben Ehrenamtliche des Handwerks – je Kammerbezirk eine ehrenamtliche Vertreterin bzw. ein ehrenamtlicher Vertreter – die sich in besonderer Weise durch ihr Engagement auszeichnen, stellen dieses an der »Tafel des Ehrenamts« im Gespräch mit Staatssekretär Dammermann vor. »Ob in sozialen Projekten, in Vereinen oder in der Verwaltung: Handwerkerinnen und Handwerker in Nordrhein-Westfalen leisten mit ihrem ehrenamtlichen Engagement einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt«, so Staatssekretär Dammermann. »Mit dem Treffpunkt Ehrenamt möchten wir auch in diesem Jahr denjenigen danken, die sich in besonderem Maße einbringen. Das ist gerade in der Pandemie von grundlegender Bedeutung.«

Der Treffpunkt Ehrenamt Handwerk in NRW ist für Freitag, den 2. Juli 2021, ab 18 Uhr, in Raesfeld geplant. Bis Ende März findet gemeinsam mit den Handwerkskammern in NRW die Suche nach diesen besonders Engagierten im Handwerk statt.

Auch Sie können sich gerne an der Suche nach ehrenamtlich Engagierten beteiligen und Ihre besondere Handwerkerin bzw. Ihren besonderen Handwerker mit einer kurzen Skizze des jeweiligen ehrenamtlichen Engagements vorstellen (per Mail an michelle.feinen@whkt.de). Eine Auswahl der eingegangenen Vorschläge findet in Abstimmung mit der für die Region jeweils zuständigen Handwerkskammer statt.

Mehr zum Treffpunkt Ehrenamt: www.ehrenamt-handwerk-nrw.de

Ehrenamtsakademie des NRW-Handwerks:

Das Handwerk. Beim Ehrenamt in guten Händen.

Das ehrenamtliche Engagement vieler Handwerkerinnen und Handwerker sichert z.B. in der Berufsbildung sowie der politischen Vertretung auf Seiten der Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden eine hohe betriebliche Nähe und damit zugleich eine hohe Qualität der Strukturen und Entscheidungsprozesse in der Selbstverwaltung des Handwerks. Praxiserfahrungen fließen unmittelbar in die Gremien, Ausschüsse und in alle weiteren Verantwortungsbereiche gewinnbringend ein. Um diese zukunftsweisende Tradition im Handwerk zu stärken, besteht eine wichtige Herausforderung darin, Handwerkerinnen und Handwerkern das Ehrenamt in seiner Vielfalt näherzubringen. Nur so lassen sich bereits heute existierende Lücken im Ehrenamtsnachwuchs identifizieren und wirkungsvoll schließen. Die Ehrenamtsakademie Handwerk in NRW (EAH) beim WHKT stellt sich dieser Herausforderung – in ihrer Aufbauphase 2021 mit finanzieller Unterstützung des Wirtschaftsministeriums NRW. Da es sich bei der EAH um eine Gemeinschaftsinitiative handelt, sind die Organisationen und Institutionen des Handwerks in NRW wichtigste Partner der EAH.

Zum Projektfortschritt: Aufbauend auf einem Ende 2020 stattgefundenen digitalen Auftaktworkshop, bereitet das EAH-Projektteam beim WHKT aktuell regionale und thematische Workshops vor. Ziel ist, dass beispielsweise junge und erfahrene Ehrenamtliche im Handwerk gemeinsam gute Ansätze in der Nachwuchsansprache, der Unterstützung und Anerkennung identifizieren, diese ausbauen und transferieren sowie mögliche Bedarfe benennen. An diese digitalen Workshops, deren Entwicklung in enger Abstimmung mit den jeweiligen Partnern vor Ort stattfindet, schließen sich weitere Formate der Zielgruppenansprache individuell an.

Damit die Ehrenamtsakademie des Handwerks in NRW nach ihrem Aufbau im Jahr 2021 eine nachhaltige Verankerung im Handwerk und beim Ehrenamt erfährt, ist eine enge Verzahnung mit der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld fester Bestandteil der EAH-Konzeption.

»Mit der Ehrenamtsakademie schaffen wir etwas mit und für die Gemeinschaft der Ehrenamtlichen des Handwerks. Ob regional oder landesweit: das Ehrenamt, der Ehrenamtsnachwuchs und die bereits vielfältigen Aktivitäten zur Unterstützung bekommen mit der Ehrenamtsakademie ein gemeinschaftliches Dach«, so Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT.

Europa:

Klimaanpassung im Aufwind

Maßnahmen zur Minderung der Treibhausgasemissionen können Klimawandelfolgen nicht gänzlich vermeiden. Deswegen sind parallel zur Minderung auch Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel erforderlich, also Maßnahmen der Vorsorge und der Gefahrenabwehr. Es geht um Schutz vor Hitze, um die Bewältigung von Starkregenereignissen, Dürren usw. Handwerksunternehmen können gerade wenn bauliche Maßnahmen erforderlich werden, mit maßgeschneiderten Schutzkonzepten einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung leisten. Unter anderem deswegen ist Klimaanpassung für das Handwerk ein zukunftsweisendes Thema.

Nachdem die Landesregierung Nordrhein-Westfalen Ende des vergangenen Jahres ein Klimaanpassungsgesetz auf den Weg gebracht hat, liegt jetzt auch die neue Anpassungsstrategie der Europäischen Kommission vor. Diese sieht eine Vielzahl von Handlungsansätzen vor. Einige davon sind für das Handwerk von erheblicher Bedeutung. Regulatorisch ist angekündigt, dass Anforderungen an die Klimaresistenz von Gebäuden und die Wassereffizienz von Produkten in die Vergabevorschriften, die Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie, die Bauproduktenverordnung und die Ökodesignrichtlinie einfließen könnten. Geprüft werden soll zudem, wie Klimawandelschäden und -verluste weitergehend über Versicherungen abgedeckt werden können.

Jenseits gesetzgeberischer Maßnahmen zeigt sich, dass praxisorientierte Lösungen spürbar an Bedeutung gewinnen. Es geht um Erprobung transferierbarer und skalierbarer Anpassungsmaßnahmen auf kommunaler und regionaler Ebene. Hier kann das Handwerk seine Erfahrungen einbringen.

Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen:

Antragstellung aus dem Ausland und Möglichkeiten zur Einreise für eine Qualifikationsanalyse

Ist es Antragstellenden aus Drittstaaten ohne vorherige Berufsanerkennung möglich, zur Durchführung einer Qualifikationsanalyse bei fehlenden schriftlichen Belegen nach Deutschland einzureisen? Welche rechtlichen Einreisebestimmungen gibt es für die verschiedenen Personengruppen je nach Herkunftsländern und welche Regelungen müssen beachtet werden?

Diese und andere Fragen zur Antragstellung aus dem Ausland und den Möglichkeiten zur Einreise für eine Qualifikationsanalyse gemäß § 14 BQFG während des Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahrens beleuchtet der jetzt erschienene Fachbeitrag des WHKT-Kompetenz-Zentrums zur Anerkennung von Qualifikationen, der unter www.whkt.de/publikationen im Bereich > Publikationen »Kompetenzzentrum Anerkennung« als Download zur Verfügung steht.

Die Veröffentlichung ist unter Mitwirkung der Projektmitarbeitenden der Projekte IQ NRW mobiles Schulungsteam und NetQA – Netzwerk Qualifikationsanalyse beim Westdeutschen Handwerkskammertag entstanden.

Aktueller WHKT-Service:

Welche Berufsschule bietet eine Fachklasse für meinen Ausbildungsberuf?

Der WHKT betreibt in Kooperation mit dem Schulministerium eine Datenbank mit den aktuellen Fachklassen im dualen System. Unter dem Link www.whkt.de/bfbkdb/index.php ist eine Datenbank zu finden, in der jeder Ausbildungsbetrieb oder Ausbildungsberater mit wenigen Angaben die Fachklassen für alle Ausbildungsberufe sowie Fachpraktikaberufe an einem Ort, zusätzlich mit Umkreissuche anhand der km-Entfernung finden kann. Insbesondere Ausbildungsbetriebe, die wissen wollen, wo für ein Beruf, den sie bislang noch nicht ausbilden, passende Berufsschulstandorte sind, finden hier sofort eine konkrete Information. Dieses Angebot ist in dieser Weise, d. h. öffentlich verfügbar im Land NRW einmalig.

Entstanden ist diese Datenbank im Kontext der Unterstützung der Beratung von Personen mit Einschränkungen, für die das Finden von passenden Berufsschulstandorten noch viel wichtiger ist. Die Datenbank, die im Passwort-geschützten Bereich zusätzlich Informationen bereit hält, inwieweit Berufsschulstandorte barrierefrei sind, ist aus Mitteln der Ausgleichsabgabe entstanden.

Grundsätzlich gibt es in NRW eine freie Berufsschulwahl und insbesondere Betriebe, deren Auszubildende weite Fahrtwege zum Ausbildungsort zurücklegen, finden möglicherweise eine Berufsschule in Nähe ihres Wohnortes. Auch Betriebe, die zwischen verschiedenen Berufsschulstandorten liegen, können sich hier einen idealen Überblick verschaffen und so besser die geeignete Berufsschule mit diesen Informationen ausloten.

Jährlich werden die Berufsschulstandorte in gewissem Maße verändert durch Zusammenlegung, Schaffung neuer Standorte, etc. Die WHKT-Datenbank wurde anhand der jüngsten Informationen aus dem Schulministerium aktualisiert.

ValiKom Transfer:

Imageclips geben Einblicke in das Validierungsverfahren

Das Validierungsverfahren – was ist das eigentlich? Um diese Frage möglichst authentisch und plastisch beantworten zu können, sollen bis zum Sommer neun kurze Imageclips entstehen. Die Kurzfilme richten sich dabei an potentielle Verfahrensteilnehmende und Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen gleichermaßen. Für beide Zielgruppen soll der Nutzen des Verfahrens deutlich werden. Die fertigen Clips werden bei Veranstaltungen und im Internet – beispielsweise auf Webseiten oder Social-Media-Seiten – eingesetzt.

Für die Clips werden drei Personen portraitiert, die am Verfahren teilgenommen haben. Ihr Weg  wird nachgezeichnet und teilweise während der Teilnahme begleitet. Wie ist das Verfahren abgelaufen? Warum kam es zur Teilnahme? An welcher Stelle hat das Unternehmen unterstützt? Denn zu Wort kommen nicht nur Teilnehmende, sondern auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Sie berichten, warum sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt haben und welchen Nutzen sie darin sehen. Darüber hinaus geben auch Berufsexpertinnen und -experten sowie Kammermitarbeitende einen Einblick in Ablauf und Struktur des Verfahrens.

Zusammen ergeben je drei Filme eine Geschichte, von der Überlegung zur Teilnahme, hin zum Nutzen sowie dem weiteren Weg nach dem Verfahren. Dabei bildet jeder Film für sich eine abgeschlossene Einheit, so dass er auch ohne die dazugehörigen Teile verstanden wird.

Diese Imageclips sind bereits das dritte Filmprojekt, das im Rahmen von ValiKom bzw. ValiKom Transfer umgesetzt wird. Es folgt auf einen Film, der anhand zweier Teilnehmenden das Prinzip des Validierungsverfahrens darstellt, sowie einen Erklärfilm, der in Comic-Form den Ablauf des Verfahrens vereinfacht zeigt. Während die beiden ersten Filme den Fokus auf das Verfahren selbst legen, macht das aktuelle Projekt deutlich, welchen Nutzen Unternehmen und Teilnehmende durch das Verfahren haben. Beide Filme sind auf der Projekt-Webseite zu finden.

Das Projekt ValiKom Transfer wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Weitere Informationen gibt es unter www.validierungsverfahren.de.

 

Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)«:

Regionale Koordinierungsstelle Fachkräfteeinwanderung im IQ Netzwerk NRW gestartet

Seit März letzten Jahres bietet das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) Betrieben und Fachkräften aus Drittstaaten zusätzliche Chancen für Beschäftigung und Einwanderung. Damit dies gelingt, haben das Land NRW sowie der Bund neue Möglichkeiten für die Beratung und Antragsstellung geschaffen. Hierzu gehören in NRW die Zentralstelle Fachkräfteeinwanderung (ZFE) für Betriebe sowie für Ratsuchende aus Drittstaaten die Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung (ZSBA) auf Bundesebene. Zudem wurde das Förderprogramm IQ um einen Handlungsschwerpunkt »Regionale Fachkräftenetzwerke – Einwanderung« erweitert. Die Umsetzung der IQ Aktivitäten findet in enger Kooperation mit der Regionaldirektion NRW der BA statt und hat die Unterstützung des Arbeitgeber-Services sowie die enge Zusammenarbeit mit ZSBA und ZFE zum Ziel.

Gestartet ist das neue IQ NRW Teilprojekt im Januar 2021 unter dem Titel »IQ NRW – Regionale Koordinierungsstelle Fachkräfteeinwanderung (RKF)« bei der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.V. (LGH) – für alle Berufe und Wirtschaftszweige. Leiter der neuen IQ Koordinierungsstelle Fachkräfteeinwanderung ist Peter Schäfer (54), der über viele Jahre Förderprojekte im Bereich Qualifizierung und Fachkräftenachwuchs im Rahmen der deutschen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit koordinierte.

Über die neue Herausforderung sagt er selbst: »Auf die Aufgabe, die Potenziale des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes für Menschen aus Drittstaaten und für Unternehmen gleichermaßen zu erschließen sowie diese gemeinsam mit den Akteuren im IQ Netzwerk NRW und weiteren Partnern aktiv zu heben und Menschen bei ihrem Ankommen als Fachkraft in NRW zu unterstützen, freue ich mich sehr und bin stolz, mitwirken zu können.«

Zur Frage, warum eine IQ Koordinierungsstelle für die Fachkräfteeinwanderung gerade mit Blick auf KMU wichtig ist, Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT, Träger der Landeskoordinierung im Förderprogramm IQ: »Die Fachkräftesicherung ist zentral für unsere Zukunft. Und wenn die akute Corona-Hürde überwunden ist, wird der Fachkräftebedarf, und damit auch der Bedarf, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, immens steigen. Damit Betriebe und ausländische Fachkräfte allerdings zusammenfinden und den Prozess der Einwanderung im Sinne eines erfolgreichen Integrationsmanagements zusammen meistern können, brauchen wir Unterstützungsstrukturen. Die neue Koordinierungsstelle in NRW wird ein wichtiger Teil davon sein. Kompetenzen sollen hier gebündelt, Zugänge geschaffen und die Chancen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes bestmöglich für Mensch und Betrieb nutzbar gemacht werden.«


Zum Hintergrund:
Fachkräfte aus Drittstaaten haben mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz die Chance, auch in nicht akademischen Berufen als Fachkraft einzureisen. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür: Die berufliche Anerkennung der im Ausland formal erworbenen Berufsqualifikation. Damit Fachkräfte (ohne Arbeitgeber) von sich aus bei den zuständigen Stellen ein berufliches Anerkennungsverfahren anstoßen können, wurde die Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung (ZSBA) bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit in Bonn eingerichtet. Finanziert wird die ZSBA für zunächst vier Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Sie dient als Lotse für Fachkräfte aus dem Ausland und begleitet diese durch das Anerkennungsverfahren bis zur Einreise nach Deutschland. Zugänge zur ZSBA sind zum Beispiel über die Plattform www.anerkennung-in-deutschland.de, ProRecognition, www.make-it-in-germany.de oder auch die »Hotline Arbeiten und Leben in Deutschland« möglich. Zudem verweisen die IQ Beratungsstellen für berufliche Anerkennung Ratsuchende aus dem Ausland an die ZSBA oder übernehmen Fälle von dort, um regionale Qualifizierungswege zu identifizieren.

Fachkräfte aus Drittstaaten, die bereits mit Unternehmen (KMU) in Kontakt stehen und daher eine konkrete Beschäftigungsperspektive in NRW besitzen, haben zusätzlich die Möglichkeit über ihren Arbeitgeber ein beschleunigtes Fachkräfteverfahren einzuleiten. Auf Basis einer schriftlichen Bevollmächtigung durch die Fachkraft geht hier der jeweilige Betrieb in NRW auf die Zentralstelle Fachkräfteeinwanderung Nordrhein-Westfalen (ZFE) zu, die dann die berufliche Anerkennung initiiert, eine gegebenenfalls notwendige Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit einholt und mit der zuständigen Auslandsvertretung im jeweiligen Land in Kontakt tritt, um über den anstehenden Visumantrag zu informieren und einen zeitnahen Termin ermöglicht.


Über die Arbeit des IQ Netzwerks NRW: www.iq-netzwerk-nrw.de oder auf Bundesebene unter www.netzwerk-iq.de

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)«:

Arbeitshilfe zum Visumhandbuch vom IQ Teilprojekt beim WHKT erstellt

Das mobile Schulungsteam NRW ist über das Angebot von Schulungen und Veranstaltungen hinaus ein gefragter Ansprechpartner für Unternehmen und Beratende rund um das Thema Anerkennung und Aufenthaltsrecht. Alle Multiplikatoren und Multiplikatorinnen, die im Bereich der Anerkennung arbeiten, werden zweckbedingt und regelmäßig mit Fragen rund um Aufenthalt und Einreisebestimmungen konfrontiert. Eine wichtige Arbeitsgrundlage bildet dabei das Visumhandbuch des Auswärtigen Amtes (Stand August 2020). Um die Komplexität und Arbeit mit dem 583-seitigem Dokument zu erleichtern, hat das mobile Schulungsteam nun ein Verzeichnis über alle Inhalte und deren zugehörigen Unterpunkte erstellt. Durch eine kompakte Übersicht ist hier nicht nur die Aufgliederung nach Themen, sondern auch eine Schlagwortsuche möglich und hilft so, die zugehörigen Stelle im Visumhandbuch über die Seitenzahl schnell zu finden. Auf diese Weise kann die Arbeit im Bereich Aufenthalts-, Einreise- und Arbeitsgenehmigungsrecht erleichtert und optimiert werden.

Darüber hinaus bietet das mobile Schulungsteam auch weiterhin gerne Beratungen und Expertise an den Schnittstellen von beruflicher Anerkennung und aufenthaltsrechtlichen Fragen an. Seit dem letzten Jahr sind besonders viele kleine und mittlere Unternehmen dazugekommen, die sich im Zuge der Fachkräfteeinwanderung und allgemeinen Anerkennung für eine Unterstützung interessieren. Neben der persönlichen Beratung und Arbeitshilfen wie das Inhaltsverzeichnis bieten weitere fachliche Angebote wie die PDF-Broschüre FAQ »Pflegekräfte aus dem Ausland für NRW« eine Grundlage für die Arbeit im Bereich der beruflichen Anerkennung.

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

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Vorwort



Liebe Leserinnen und Leser,

die Lage im Handwerk ist weiterhin gespalten. Der Mehrheit der Betriebe geht es wirtschaftlich nach wie vor gut. Wir sprechen deswegen zu Recht davon, dass das Handwerk Stabilitätsanker in dieser Krise ist – gerade auch in NRW. Das ist die gute Nachricht, auch für junge Menschen, die berufliche Chancen suchen.

Die schlechte Nachricht: Die Lage der Handwerksbetriebe, die die Corona-Krise mit voller Wucht trifft, hat sich seit dem Jahreswechsel dramatisch zugespitzt. Jene Gewerke zum Beispiel, die von Schließung unmittelbar betroffen sind, leiden darunter, nicht arbeiten zu dürfen. Sie erbringen durch ihre Schließung ein großes Solidaropfer für unsere Gesellschaft. Umgekehrt benötigen diese Betriebe jetzt allerdings auch die Solidarität der Gesellschaft. Dass Hilfsgelder schleppend ausgezahlt werden, ist im Hinblick auf dringend erforderliche Liquidität mehr als unbefriedigend. Und dass es gerade bei jenen kleinen Betrieben der körpernahen Dienstleistung, die Mitte Dezember in den Lockdown gehen mussten, immer noch eine eklatante Förderlücke gibt, ist ungerecht und verschärft zusätzlich den Existenzkampf. Die betroffenen Betriebe, gerade die Friseurinnen und Friseure, brauchen jetzt (!) Hilfe. Wenn diesen Betrieben aktuell schon keine verlässliche Öffnungsperspektive aufgezeigt werden kann, dann muss es zumindest ein klares Signal der Unterstützung geben, das lautet: Wir haben Euch nicht vergessen. Für ein solches Signal setzen wir uns auf Landesebene derzeit intensiv ein.

Die Corona-Krise erfordert nicht nur den Einsatz für Betriebe in Not, auch das kommende Ausbildungsjahr braucht jetzt schon unsere volle Aufmerksamkeit. Es zeichnet sich ab, dass viele persönliche Begegnungen weiterhin nicht möglich sein werden. Damit wird es nach wie vor schwierig sein, junge Menschen zu erreichen. Wir setzen mit den Partnern im Ausbildungskonsens auf digitale Formate und wollen das Matching intensivieren. Ohne die Schulen und ihren Einsatz für die Berufsorientierung wird es dabei aber nicht gehen.

Corona bestimmt nach wie vor die Agenda. Durchhalten ist angesagt.

Das Handwerk hält zusammen.

Bitte bleiben Sie gesund.

Mit freundlichem Gruß

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

Wege aus der Pandemie:

Politische Gespräche mit Hendrik Wüst (CDU) und Josefine Paul (Grüne) zum Jahresauftakt

Zu Beginn des Jahres ist die Pandemie weiter beherrschendes Thema. Dass die Lage in Teilen des Handwerks kritisch, mitunter – wie bei vielen Betrieben im Bereich der körpernahen Dienstleistungen – sogar existenzbedrohlich ist, war wichtiger Diskussionspunkt im Austausch mit führenden Vertretern der Landespolitik.

Den politischen Jahresauftakt markierte ein »digitales Gespräch« der Hauptgeschäftsführer der NRW-Handwerkskammern mit der neu gewählten Vorsitzenden der Grünen-Landtagsfraktion, Josefine Paul. Neben der aktuellen politischen Lage wurden die großen Zukunftsthemen, Unterschiede, aber vor allem auch Gemeinsamkeiten in den Blick genommen. Für das Anliegen des Handwerks nach Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung gab es Zustimmung und Unterstützung. Beim Zukunftsthema Nachhaltigkeit bewies die Runde, dass es auch hier zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Zusammenarbeit gibt. Nicht nur im Bereich der Gebäudesanierung ist Handwerk Teil der Lösungen, wenn es um Ressourceneffizienz und Klimaschutz geht. In den kommenden Monaten will man hier noch stärker die gemeinsamen Positionen abstecken. Ein Fachgespräch zum Thema Mobilität ist für die nächsten Wochen bereits geplant.

Kurz darauf trafen sich in einer Videokonferenz die Präsidenten der nordrhein-westfälischen Handwerkskammern mit Landesverkehrsminister Hendrik Wüst. Wüst, der wenige Tage zuvor für seine Verdienste die Floriansplakette des nordrhein-westfälischen Handwerks überreicht bekam, berichtete zunächst aus dem aktuellen Corona-Krisenmanagement der Landesregierung. Er zeigte Verständnis für die Sorgen des Handwerks mit Blick auf den fortwährenden Lockdown und nahm mehrere Bitten aus der Runde zu Hilfsgeldern und Öffnungsstrategien mit an den Kabinettstisch. Der Minister machte deutlich, dass man nur mit einer entschlossenen Wirtschaftspolitik aus der Krise finden werde. Die vergangenen Monate hätten auch Schwachstellen, zum Beispiel bei der Digitalisierung, schonungslos offen gelegt. Der Weg aus der Krise führe über mehr Innovation, mehr Digitalisierung und vor allem Wachstum. Für seine Zukunftsagenda bekam der Minister viel Unterstützung. Deutlich vorangekommen sei Nordrhein-Westfalen bei der Ertüchtigung seiner Infrastruktur. Konkrete Straßenbauprojekte rund um die auch für das Handwerk wichtigen Verkehrsachsen des Landes wurden mit den Präsidenten diskutiert. Einig war man sich zudem, dass die speziellen Herausforderungen der Mobilität von Handwerkern bei allen Zukunftskonzepten berücksichtigt werden muss.

Die Politik muss jetzt handeln:

Gemeinsame Erklärung des Westdeutschen Handwerkskammertages und des Bayerischen Handwerkstages

Unter dem Titel »Die Politik muss jetzt handeln: Betriebe in Not können nicht länger auf Hilfe warten« veröffentlichten der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) und der Bayerische Handwerkstag (BHT) am 18.01.2021 eine gemeinsame Erklärung, in der Land und Bund angesichts des Lockdowns zum Handeln aufgerufen werden.

WHKT und BHT lobten die Maßnahmen der Politik im Rahmen des ersten Lockdowns, die vielen Betrieben geholfen haben, die Situation zu überstehen. Doch die Lage, so die Erklärung, spitze sich seit dem Jahreswechsel und dem neuerlichen Lockdown bedrohlich zu, ein Großteil der betroffenen Handwerksunternehmen befände sich in einem Existenzkampf und brächte ein riesiges Solidaropfer.

Der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) und der Bayerische Handwerkstag (BHT) fordern deshalb von der Politik schnelles Handeln, um eine drohende nie da gewesene Pleitewelle zu vermeiden.

Die fünf Forderungen der beiden Verbände betreffen die Beschleunigung zugesagter Hilfsleistungen, eine mögliche »Januar-Hilfe« für Betriebe, die im Dezember schließen mussten, die Liquiditätssicherung, die Perspektive bzgl. der Öffnung des Geschäftsbetriebs und Hilfskonzepte für die kommenden Wochen.

Die gemeinsame Stellungnahme von WHKT und BHT finden Sie unter www.whkt.de/presse-aktuelles/news/die-politik-muss-jetzt-handeln-betriebe-in-not-koennen-nicht-laenger-auf-hilfe-warten.

Ausbildungskonsens NRW:

Spitzenvertreter betonen: Bestmögliche berufliche Orientierung und Vermittlung in Zeiten der Pandemie

Die duale Ausbildung hat Priorität, gerade in der Pandemie, und die Partner des Ausbildungskonsenses bereiten zusätzliche Maßnahmen vor, um den Einschränkungen durch die Pandemie gegenzusteuern. Die berufliche Orientierung und die Kontaktanbahnung zwischen Ausbildungsbetrieben und Jugendlichen darf nicht zu kurz kommen.

Im Jahr 2020 hatte das Handwerk einen Rückgang von Ausbildungsverträgen zu verzeichnen, weil die Ausbildungsbetriebe keine Chancen hatten, genügend Jugendliche zu erreichen und für eine betriebliche Ausbildung zu gewinnen. Dass sich diese Situation in 2021 nicht wiederholen darf, war die Kernbotschaft der Handwerksvertreter im Spitzengespräch.

Einen Beschluss mit diversen Maßnahmen, die geplant oder bereits realisiert worden sind, ist im Rahmen des Spitzengesprächs am 21. Januar 2021 gefasst worden. Die Inhalte des Beschlusses erhalten Handwerksvertreter unmittelbar beim WHKT per Mail (martina.scharla@whkt.de). Eine gemeinsame Pressemitteilung des Arbeitsministers gab es nach dem Spitzengespräch unter Beteiligung der Partner des Ausbildungskonsenses: www.mags.nrw/pressemitteilung/ausbildungskonsens-nrw-weitere-massnahmen-vereinbart-um-die-berufliche-ausbildung

Neuer »Aktionsplan NRW inklusiv« in Vorbereitung:

WHKT und Handwerk.NRW bringen gemeinsam konkrete Vorschläge ein

Das für Inklusionsfragen und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention federführende Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales mit seinem »Focal Point« (Begriff aus der UN-Behindertenkonvention) als Kompetenz- und Koordinierungsstelle plant eine Neuauflage des »Aktionsplan NRW inklusiv« für das Jahr 2021. Der Focal Point hat die Mitglieder des Inklusionsbeirates und der Fachbeiräte aktiviert, konkrete Vorschläge für einen neuen Aktionsplan einzubringen.

WHKT und Handwerk.NRW sind in verschiedenen Inklusionsgremien auf Landesebene vertreten und haben in einer Stellungnahme gemeinsam Vorschläge zu den Themenfeldern »Bildung und Ausbildung« und »Arbeit und materielle Lebenssituation« unterbreitet. Diese Vorschläge beziehen sich gezielt auf Themenfelder, in denen die Handwerkskammern und andere Handwerksorganisationen arbeiten. Die Anregungen betreffen u. a. die Themen Nachteilsausgleich in Prüfungen, Fachpraktika-Ausbildung und Ausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen, Barrierefreiheit in Berufsschulen, den Beschäftigungsanteil von Arbeitnehmern mit Schwerbehinderung und die Inklusionsberatung in der Wirtschaftsselbstverwaltung.

Die Stellungnahme von WHKT und Handwerk.NRW mit konkreten Vorschlägen für den neuen »Aktionsplan NRW inklusiv« ist zu finden unter www.whkt.de/positionen.

Interview im Handwerksblatt:

Zukunftsfähigkeit des Handwerks unter Beweis stellen

Die Ausbildungszahlen 2020 sind gegenüber 2019 zurückgegangen, die Lehrlingswerbung für das kommende Ausbildungsjahr gestaltet sich auch schwierig. Dabei stehen die Chancen zur Nachwuchsgewinnung gut: Mit den Zukunftsthemen Digitalisierung und Nachhaltigkeit, aber auch den Aufstiegs- und Erfolgsperspektiven hat das Handwerk gute Argumente, so WHKT-Präsident Hans Hund und WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier in einem Interview mit dem Handwerksblatt.

Das Interview ist nachzulesen unter www.handwerksblatt.de/politik/interview-zukunftsfaehigkeit-des-handwerks-unter-beweis-stellen.

WHKT-Arbeitskreis Europa:

Axel Voss MdEP berichtet über Stand des Lieferkettengesetzes

Die Einführung eines Lieferkettengesetzes wird in Deutschland seit Längerem kontrovers diskutiert. Maßgeblich auf Impuls der deutschen Ratspräsidentschaft sind Sorg- und Rechenschaftspflichten von Unternehmen aktuell auch auf europäischer Ebene ein wichtiges Thema.

Am 27.01.2021 hat der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments einen Initiativbericht angenommen. Mit diesem Bericht, der voraussichtlich im März vom Plenum verabschiedet wird, beabsichtigt das Parlament, seine Position festzulegen, bevor die Europäische Kommission in den kommenden Monaten einen Gesetzesvorschlag vorlegt. Das ist insofern von Bedeutung, als dass das Europäische Parlament Mitgesetzgeber ist.

Aus aktuellem Anlass berichtete der Europaabgeordnete Axel Voss am 22.01.2021 im WHKT-Arbeitskreis Europa über Stand und Hintergründe der Initiative. Er erläuterte, im Rechtsausschuss bestehe weitgehend Einigkeit darüber, dass sich das Vorhaben im Wesentlichen an große Unternehmen richten soll. Darüber hinaus sei beabsichtigt, börsennotierte KMU und solche in Risikosektoren zu erfassen. Letztere sollen in einer Liste festgelegt werden. Handwerksunternehmen wären damit regelmäßig nicht unmittelbar Adressaten der Initiative.

Im Ergebnis zeigte sich der Abgeordnete Voss zuversichtlich, dass zusätzliche bürokratische Lasten im Handwerk gering gehalten werden, ausschließen könne man sie nicht. Der Arbeitskreis wird das Vorhaben weiter begleiten.

Handwerk wächst, auch international:

»Koordinierungsstelle Außenwirtschaft« startet für das Handwerk in NRW

Neue Impulse für die gesamte nordrhein-westfälische Wirtschaft will die NRW-Landesregierung mit einer neuen Außenwirtschaftsstrategie setzen, die auch die enge Zusammenarbeit mit dem NRW-Handwerk vorsieht. Dazu startete nun die vom Wirtschaftsministerium unterstützte neu geschaffene »Koordinierungsstelle Außenwirtschaft« speziell für Betriebe aus dem Handwerk, mit deren Hilfe sich der handwerkliche Leistungskatalog in NRW auch international weiterentwickeln soll.

Zentrales Anliegen der neuen »Koordinierungsstelle Außenwirtschaft« bei der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) ist, Handwerksbetriebe in NRW für das zu sensibilisieren, was international möglich ist. Das soll in enger Zusammenarbeit mit den Handwerkskammern und handwerklichen Fachverbänden, die erste Ansprechpartner für Handwerksunternehmen in außenwirtschaftlichen Fragen sind, geschehen.

»Außenwirtschaft ist ein Zukunftsthema für das Handwerk. Viele Handwerksbetriebe sind jenseits der NRW-Grenzregionen im Ausland bereits aktiv. Handwerkliche Meisterleistung aus NRW ist eine internationale Marke: anerkannt und gefragt. Ein Erfolgsmodell, das mit der neu geschaffenen Koordinierungsstelle Außenwirtschaft zusätzlich an Fahrt gewinnt«, so Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer der LGH und des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT) in Düsseldorf. 

Die Leiterin der Koordinierungsstelle, Almut Schmitz, ehemalige Geschäftsführerin von NRW.International, über die anstehenden Herausforderungen: »Die Vielfalt handwerklicher Dienstleistungen erfordert passgenaue Angebote in der Außenwirtschaftsförderung. Für grenzüberschreitende Dienstleistungen finden auch in der EU länder- und branchenspezifische Regelungen Anwendung. In enger Zusammenarbeit mit den Außenwirtschaftsberatern der Handwerkskammern und handwerklichen Fachverbänden in NRW und mit NRW.Global Business werden wir diese Themen für das Handwerk bündeln, um die Unternehmen dabei zu unterstützen, auch international zu wachsen.«

Der WHKT ist Partner der Kooperationsvereinbarung, in der die Eckpunkte über die Zusammenarbeit in der Außenwirtschaftsförderung des Landes NRW festgehalten sind.

ValiKom Transfer:

Austausch der Berufsexpertinnen und -experten zur Stärkung von ValiKom

Erstmals im Projekt ValiKom Transfer hatten die Berufsexpertinnen und -experten im vergangenen Dezember die Möglichkeit, sich in größerer Runde untereinander auszutauschen. Berufsexpertinnen und -experten bewerten im Validierungsverfahren die Leistungen der Teilnehmenden in der Fremdbewertung. Die Treffen wurden auf vielfachen Wunsch hin organisiert. Aufgrund der Corona-Pandemie haben sie virtuell stattgefunden. 

Drei Termine wurden zunächst initiiert, an denen die Teilnehmenden aus ganz Deutschland Erfahrungen austauschen und über Herausforderungen sprechen konnten. Da der Beruf Kaufleute für Büromanagement im Projekt einer der am häufigsten validierten Berufe ist und es entsprechend viele Berufsexpertinnen und -experten gibt, wurden für diesen Beruf gleich zwei Termine angeboten. Der dritte Termin richtete sich an die Berufsexpertinnen und -experten des Berufes Elektroniker/in. 

Bei der Gestaltung der Fremdbewertung ging es unter anderen um die Vorgehensweise bei der Aufgabenstellung. Die Teilnehmenden tauschten sich beispielsweise darüber aus, welche ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente sie einsetzen. Für die Berufsexpertinnen und -experten war es wichtig, zu erfahren, dass ihre Kolleginnen und Kollegen vor den gleichen Herausforderungen stehen und wie sie damit umgehen. So konnte die eigene Vorgehensweise hinterfragt und gegebenenfalls neue Ansätze gefunden werden. Ein weiteres Thema, das viel diskutiert wurde, war die Dauer der Fremdbewertungen. Hier zeigten sich Unterschiede in der bisherigen Umsetzung, da einige der Expertinnen und Experten die Tätigkeitsbereiche und Aufgaben unterschiedlich miteinander kombinieren. So konnten die Anwesenden von den Erfahrungen der anderen profitieren, da ihnen neue Wege aufgezeigt wurden, die Zeit optimal zu nutzen. Auch über den Umgang mit Menschen, die Sprachdefizite haben, wurde gesprochen. Darüber hinaus beschäftigte die Anwesenden die Frage, was die zu Bewertenden können müssen, damit ihre Leistungen mindestens mit »ausreichend« bewertet werden können. Hierzu wurden Beispiele genannt und festgestellt, dass die Expertinnen und Experten dies sehr vergleichbar einschätzen. 

Zu den Treffen gab es durchweg positives Feedback der Teilnehmenden. Der Austausch kann als geeignetes Instrument verstanden werden, um die Experten zu bestärken. Die nächsten Treffen für weitere Berufe sind für Februar bzw. März 2021 in der Planung.

An dem Verbundprojekt ValiKom Transfer sind elf Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, zwei Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Weitere Informationen unter www.validierungsverfahren.de.

Projekt NetQA:

Corona-Krise beschleunigt Wissenstransfer und digitale Vernetzung

Das »Netzwerk Qualifikationsanalyse« (NetQA) blickt auf ein sehr heterogenes Projektjahr zurück: Auf der einen Seite konnten aufgrund der Lockdowns der Wirtschaft Qualifikationsanalysen im Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren nur Anfang des Jahres und zwischen Mai und November stattfinden. Auf der anderen Seite hat sich die mit der Corona-Pandemie einhergehende zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft sehr positiv auf die Projektarbeit ausgewirkt.

Das BMBF-geförderte Verbund-Projekt ist in 2019 gestartet, um ein nachhaltiges – bundesweites – Netzwerk zur Durchführung von Qualifikationsanalysen für zuständige Stellen zu schaffen. Das Projekt bietet neben finanzieller Hilfe über den Sonderfonds Qualifikationsanalysen vor allem Know-how und Vernetzung. 

Über den »NetQA«-Partner Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) konnten im vergangenen Jahr 2020 insgesamt einhundert Mitarbeitende von Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern sowie weiterer zuständiger Stellen geschult werden. Dabei gab es zwei verschiedene Module mit jeweils fünf Durchläufen für die verschiedenen Zielgruppen. Standen bei Modul I die Anwendungsfälle des § 14 BQFG, Tipps zur Expertensuche sowie die Finanzierung des Verfahrens im Fokus, so beschäftigte sich Modul II vertiefend mit der Durchführung, Bewertung und Dokumentation des Kompetenzfeststellungsverfahrens. In diesem Jahr 2021 sind spezielle Angebote für die Landwirtschaftskammern und Kammern der freien Berufe geplant sowie ein übergreifendes Modul zur Beratungskompetenz.

Neben Online-Seminaren bietet »NetQA« regelmäßige Netzwerktreffen für zuständige Stellen zum Thema Anerkennung bei fehlenden schriftlichen Belegen. Angefangen mit einem bundesweiten Erfahrungsaustausch für Industrie- und Handelskammern im Sommer fanden vergangenes Jahr kammerübergreifende digitale, Austauschtreffen in den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland sowie – noch in Präsenz – in Niedersachsen statt. Für BQFG-Sachberatende der Handwerkskammern in den übrigen Bundesländern sind regionale Austauschtreffen für 2021 geplant. Es bleibt zu hoffen, dass die Corona-Pandemie nicht nur die Digitalisierung beschleunigt hat, sondern auch dazu beiträgt, dass mit dem digitalen Netzwerken besonders ökonomische und niederschwellige Wege und Möglichkeiten des Austauschs nachhaltig bleiben. 

Informationen zum Projekt »NetQA« finden Sie unter www.whkt.de/netqa.
 

Bündnis-Tag Digital am 10.02.2021:

Miteinander vorankommen – Heute die Mobilität für morgen schaffen!

Unter dem Motto »Miteinander vorankommen ­ – Heute die Mobilität für morgen schaffen!« lädt das Bündnis für Mobilität zum Bündnis-Tag Digital am 10. Februar 2021 ein, der als rein digitale Fachkonferenz stattfindet.

Der Bündnis-Tag Digital, der von Verkehrsminister Hendrik Wüst eröffnet wird, bietet mit fünf Themenforen und rund 30 Programmpunkten, zahlreichen Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland sowie interaktiven Formaten aus drei teilweise parallel sendenden Studios ein breites Spektrum an Möglichkeiten, sich mit den aktuellen Entwicklungen im Bereich Mobilität auseinanderzusetzen. Dabei diskutieren Branchenexperten u.a. über neue Mobilitätskonzepte, die Modellregion NRW, Mobilität als Wirtschaftsfaktor sowie zukunftsweisende Lösungen für Städte und Regionen.

Das Bündnis für Mobilität des Ministeriums für Verkehr des Landes Nordrhein-​Westfalen etablierte 2019 erstmals den Bündnis-​Tag – eine Veranstaltung, die als Plattform für Projekte und Partner der Mobilität überwiegend in Nordrhein-​Westfalen dem Austausch über aktuelle Themen der Branche und als Standortbestimmung für die Mobilität in NRW dient.

Weitere Informationen zur Fachkonferenz finden Sie unter www.buendnis-tag.nrw/index.html.

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

weite Teile des Handwerks können, wollen und dürfen auch unter Pandemie-Bedingungen weiterarbeiten. Handwerkerinnen und Handwerker sorgen dafür, dass unser Land am Laufen bleibt.

Doch auch Handwerksbetriebe sind vom Lockdown betroffen. Erneut müssen nach den Kosmetikern nun auch die Frisöre schließen. Besonders betroffen sind zudem handwerkliche Mischbetriebe mit Ladengeschäften oder mit zum Beispiel Café- und Catering-Angeboten.

Für diese Handwerksunternehmen und ihre Beschäftigten, die zum Teil auf die umsatzstärksten Tage des Jahres verzichten müssen, hat der Stillstand gravierende Folgen. Sie benötigen erneut eine schnelle und unbürokratische Unterstützung, für die wir uns fortwährend einsetzen. 

Die betroffenen Betriebe wenden sich derzeit in großer Zahl an unsere Betriebsberatung. Sie wollen wissen, welche Möglichkeiten der Hilfe ihnen jetzt zur Verfügung stehen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Betriebsberaterinnen und Betriebsberater in der Handwerksorganisation für die außergewöhnliche Leistung in diesem Jahr. 

Ebenfalls von den Corona-Beschränkungen betroffen ist die Bildungsarbeit in der Handwerksorganisation. Präsenzunterricht ist grundsätzlich bis zum 10. Januar 2021 nicht möglich. Prüfungen und ihre Vorbereitung sind allerdings unter strengen Auflagen durchführbar, was wir im Interesse der Zukunftspläne junger Menschen begrüßen. Es wird in den kommenden Wochen weiterhin darauf ankommen, dass wir Schaden von der beruflichen Bildung abwenden. 

Auch für den WHKT neigt sich ein ereignisreiches Jahr dem Ende. Das Jahr war und ist geprägt vom Corona-Krisenmanagement. Wir freuen uns sehr über die partnerschaftliche Zusammenarbeit im Handwerk, die vieles für Betriebe in Not ermöglicht hat. Gleichzeitig sind wir bei den großen Zukunftsthemen des Handwerks vorangekommen und konkreter geworden: Nachhaltigkeit, Fachkräftesicherung und Digitalisierung sind wichtige Schwerpunkte auch im kommenden Jahr. 

Besonders freue ich mich über die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements, mit der wir begonnen haben. Der Aufbau der Ehrenamtsakademie ist eine große Chance für uns – auch damit wir mehr junge Menschen, mehr Frauen und mehr Menschen mit Migrationserfahrung für das Handwerk gewinnen. 

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Übergang in ein gesundes Jahr 2021.

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer

Ehrenamtsakademie des Handwerks in NRW:

Digitales Auftakttreffen erfolgreich durchgeführt

Die WHKT-Vollversammlung hat im Oktober eine Grundsatzposition für ehrenamtliches Engagement im Handwerk in NRW abgestimmt. Bestandteil dieser Vereinbarung ist die Vorbereitung einer Ehrenamtsakademie. Eine entsprechende Initiative konnte der WHKT bereits mit finanzieller Unterstützung des Wirtschaftsministeriums NRW Ende 2019 starten. Corona-bedingt hat es allerdings Verzögerungen bei der Umsetzung gegeben, so dass die maßgeblichen Schritte nunmehr 2021 stattfinden.

Der Auftaktworkshop unter Beteiligung ehrenamtlicher Entscheidungsträger aus den Kammerorganisationen und Landeshandwerksorganisationen sowie der Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt bei der Staatskanzlei NRW, Andrea Milz, hat indes am 9. Dezember 2020 dennoch stattfinden können – coronabedingt in digitaler Form und mit großer positiver Resonanz aller Beteiligten. 

In diesem Rahmen hob WHKT-Präsident Hans Hund die große Bedeutung des Ehrenamts für das Handwerk hervor: »Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Selbstverwaltung im Handwerk. Es sorgt dafür, dass wir in den Kammern und anderswo so praxisnah entscheiden und ebenso praxisnah die Aus- und Weiterbildung organisieren können. Wir brauchen mehr Zeichen der Wertschätzung für dieses Ehrenamt, damit wir auch zukünftig genug Handwerkerinnen und Handwerker haben, die sich engagieren.«

Auch Staatssekretärin Andrea Milz begrüßte die Gründung der Ehrenamtsakademie Handwerk in NRW. »Sie bietet die Chance, über die Wünsche und Anforderungen des Ehrenamtes und die spezifischen Bedarfe des Handwerks in den Austausch zu kommen und zugleich Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement auszudrücken. Auch für Qualifizierung und Unterstützung durch das Hauptamt soll gesorgt werden – beides Punkte, die zum Gelingen des Engagements wichtig sind!«

»Wir wollen erreichen, dass sich mehr junge Leute, mehr Frauen und mehr Menschen mit Migrationserfahrung für das Handwerk stark machen. Unser Motto: „Freiwillig vorn. Aus Überzeugung gut.«, resümierte WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier, der den Auftakt moderierte.

Damit die Teilnehmenden des Workshops eine erste Übersicht davon erhielten, wie Organisationen und Institutionen bereits heute Ehrenamtliche im Handwerk unterstützen, wurden neben der geplanten Konzeption für die Vorbereitung der Akademie im Jahr 2021 die Ergebnisse einer Online-Befragung vorgestellt. Diese ging gleichfalls der Fragestellung nach, mit welcher Akzeptanz zu rechnen ist. 


Blitzlichter aus der Online-Befragung:
Über 90 Prozent der Befragten werten die Etablierung einer Ehrenamtsakademie im Handwerk als positiv. In diesem Zusammenhang sei vor allem die Anknüpfung an bereits vorhandene Angebote entscheidend, so der Großteil der Befragten. Nach den Zielgruppen der Ehrenamtsakademie gefragt, wurden vor allem folgende Gruppen genannt: Vorstandsmitglieder, Obermeister/innen, Lehrlingswarte, Mitglieder von Prüfungs- und Berufsbildungsausschüssen. Ein aktuelles Defizit, so die Befragung, seien Angebote für Interessenten und Einsteiger/innen im Ehrenamt. 

Als weitere Bedarfe wurden seitens der Befragten folgende Themenbereiche mit Blick auf eine zu etablierende Ehrenamtsakademie genannt (ohne Gewichtung): Umgang mit Medien/Öffentlichkeitsarbeit/Presse/Rhetorik/Moderation und Gremienarbeit +++ Kameralistik, Satzungs- und Haushaltsrecht, Handwerksordnung +++ Selbstverwaltung des Handwerks +++ Vernetzungstreffen, Social Media und Erfahrungsaustausche +++ Kontakt und Umgang mit Vertretern aus der Politik +++ Meinungsbildung +++ Veranstaltungen und Expertenaustausche zu Zukunftsthemen +++ Informationsquellen und Recherche.

Im nächsten Schritt bereiten die Projektverantwortlichen beim WHKT nun auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse aus der Umfrage und dem Auftaktworkshop für 2021 verschiedene Pilotworkshops thematisch vor, die dann in der Akademie Schloss Raesfeld stattfinden sollen. 

Die aktuelle Phase der Vorbereitung der Ehrenamtsakademie des Handwerks in NRW soll im November 2021 abgeschlossen sein.

Internationaler Tag des Ehrenamts:

EHRENSACHE – Handwerk dankt dem Ehrenamt

Am  5. Dezember 2020 war internationaler Tag des Ehrenamts, der weltweit freiwilliges Engagement und dessen Bedeutung ehrt. Unschätzbar, im Coronajahr 2020 und aus Tradition untrennbar mit dem Handwerk verbunden. Grund genug für den Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT), auf das Ehrenamt im Handwerk und dessen immensen Wert zu schauen.

Auf beiden Seiten des Arbeitsmarktes setzen sich Handwerkerinnen und Handwerker in den Organisationen, Bildungseinrichtungen und Ausschüssen für die Qualität der beruflichen Bildung, Integration, Fairness sowie viele weitere Themen ein. Ihr Ziel: Bestmögliche Rahmen- und Arbeitsbedingungen für Handwerkerinnen und Handwerker, für Betriebe sowie für den Wirtschaftszweig Handwerk insgesamt. Ob als Lehrlingswart, Obermeister/in, Prüfer/in, Kammerpräsident/in oder Mitglied eines Ausschusses oder einer Vollversammlung, das Ehrenamt steht im Handwerk in der ersten Reihe, entscheidet, berät, hält zusammen und unterstützt. Freiwillig und aus Überzeugung.

»Das Ehrenamt trägt in der wirtschaftlichen Selbstorganisation des Handwerks eine Menge Verantwortung – für Unternehmen und deren Arbeitnehmerschaft gleichermaßen. Enorm viel Zeit, Wissen und Können bringen Ehrenamtliche ein und sorgen dafür, dass in der aktuellen Krise das Handwerk stabil bleibt, ausbildet und die Berufspraxis in politische Entscheidungsprozesse einfließt. Und zwar nicht nur für heute und morgen, gerade auch für die Zukunft: für nachhaltiges Wirtschaften, faire Beschäftigung, Digitalisierung, ein starkes Europa, einen leistungsfähigen Fachkräftenachwuchs und soziale Verantwortung. Mein Dank und Respekt ans Ehrenamt, gerade heute, am internationalen Tag des Ehrenamts. Handwerk ist stolz auf sein Ehrenamt. Und das sagen und zeigen wir gern«, so Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT.

 

So unterstützt der WHKT handwerkliches Ehrenamt:

  • Im Rahmen der WHKT-Vollversammlung verabschiedeten die Mitglieder im Oktober 2020 eine Grundsatzposition, die das Ehrenamt im Handwerk stärkt und seine Leistungen so anerkennt, dass sie sichtbarer werden | Download der Grundsatzposition > 
  • Einmal im Jahr findet der Treffpunkt Ehrenamt des Handwerks in NRW in Raesfeld statt. Im September 2020 mit dabei: Wirtschaftsminister Pinkwart, der das Format finanziell fördert und im Rahmen der Veranstaltung den jährlichen Ehrenamtspreis des Ministeriums an eine Handwerkerin oder einen Handwerker überreicht. Der Treffpunkt Ehrenamt 2021 ist bereits in Vorbereitung. | www.ehrenamt-handwerk-nrw.de 
  • Damit Ehrenamtliche im Handwerk in NRW zusätzliche Unterstützung erhalten und gerade der Einstieg ins Ehrenamt zukünftig leichter fällt, befindet sich eine Ehrenamtsakademie des Handwerks in NRW aktuell im Aufbau. 
  • Portraits, Meinungen und mehr von Ehrenamtlichen im Handwerk, ihren Erfahrungen und wie es sich anfühlt, sich für andere, für seinen Beruf und seine Leidenschaft einzusetzen. | www.ehrensache-online.de > Portraits
  • In zwei Studien hat der WHKT mit finanzieller Unterstützung des NRW Wirtschaftsministeriums die Bedeutung des Ehrenamts für das Handwerk auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite untersucht: www.ehrensache-online.de > Downloads 

Politischer Handlungsbedarf:

Individuelle Anpassungsqualifizierungen im Regelsystem ermöglichen

Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz verbunden sind auch Anpassungsqualifizierungen, um seinen jeweiligen Beruf vollständig anerkennen lassen zu können. Die Qualifizierungsbedarfe sind erfahrungsgemäß individuell unterschiedlich. Es wird keine Kursstärken geben können, um den Bedarfen gerecht zu werden und diese in Regelangeboten realisieren zu können. Deshalb ist die Individualqualifizierung ein wichtiges Instrument, das häufig durch »zieldifferentes« Ausbilden in Lerngruppen erfolgen kann. Damit gibt es diese Maßnahme dann genau einmal. 

Um dies zu realisieren, hat der WHKT ein Positionspapier unter dem Titel »Fachkräfteeinwanderung unterstützen – Handwerk stellt überbetriebliche Bildungsinfrastruktur (ÜBS-Zentren) zur notwendigen Qualifizierung bereit« erarbeitet. Kammern, Kreishandwerkerschaften, Innungen sowie Landesinnungs- und -fachverbände stehen mit ihren 115 ÜBS-Zentren als Teil der öffentlichen Bildungsinfrastruktur bereit, um Anpassungsqualifizierungen für Einwanderer anzubieten. Eine weitere Kernaussage des Positionspapiers: Um die Individualqualifizierung realisieren zu können, bedarf es zwingend einer notwendigen Lösung, und zwar entweder zur Förderung des Bildungsangebotes ohne AZAV-Zertifizierung durch die Arbeitsverwaltung oder zur Finanzierung dieses speziellen Bildungsangebotes durch einen Sonderfonds, bereitgestellt durch Bund oder Land.

Das Positionspapier ist erhältlich beim WHKT per Mail (martina.scharla@whkt.de) oder auf der Website des WHKT unter www.whkt.de/positionen/.

UN, EU und vor Ort:

Klimapolitische Stellschrauben überall

Am 11. Dezember 2020 hat sich der Europäische Rat, also die EU-Staats- und Regierungschefs, auf ein neues Emissionsminderungsziel für den Zeitraum bis 2030 geeinigt. Die Treibhausgasemissionen sollen um mindestens 55 % im Vergleich zu 1990 sinken. Die Einigung zu diesem Zeitpunkt war politisch bedeutsam, weil sich die Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens am 12. Dezember 2020 zum fünften Mal jährte und das Abkommen eine turnusmäßige Überprüfung vorsieht. Entsprechend war die EU aufgefordert, einen angepassten Beitrag für den Zeitraum bis 2030 vorzulegen.

Von diesem Prozess zu unterscheiden sind die Verhandlungen zum EU-Klimagesetz. Im Gesetzgebungsverfahren kann der Rat allein das Ambitionsniveau nicht bestimmen. Erforderlich ist eine Einigung von Rat und Europäischem Parlament. Das heißt, das Klimagesetz könnte am Ende eine andere Prozentzahl vorsehen als »mindestens 55 %«, denn das Europäische Parlament fordert eine Anhebung auf 60 %. Für Handwerksunternehmen ist das Gesetzgebungsverfahren von besonderer Bedeutung. Von seinem Ausgang hängen Folgeänderungen ab, die sich quer durch fast alle Politikbereiche ziehen.

Rechtsänderungen sind aber nicht alles, denn Gesetze allein können die wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformation nicht erreichen. Es braucht Umsetzer auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene. In Anerkennung dieses Umstands hat die Europäische Kommission am 9. Dezember 2020 die Initiative »Klimapakt« vorgestellt. Es handelt sich um eine nicht-legislative Initiative, die darauf ausgerichtet ist, an der Basis für Klimaschutz zu sensibilisieren, bestehende Initiativen sichtbar zu machen, sie europaweit zu verzahnen und zu stärken.

Der Klimapakt bietet thematisch vielfältige Anknüpfungspunkte für das Handwerk, sich als Umsetzer der Klima- und Energiewende zu positionieren, zum Beispiel in den Bereichen grüne Mobilität, grüne Gebäude und »green skills«. Gewünscht ist die Zusage von Klimaschutzbeiträgen (»pledges«) und die Vorstellung guter Beispiele. Außerdem können sich Einzelpersonen und Vertreter von Organisationen als Klimabotschafter bewerben.

Die Europäische Kommission hat eine Internetseite zum Klimapakt aufgesetzt. Nähere Informationen zur Initiative sind unter folgendem Link im Internet verfügbar unter https://europa.eu/climate-pact/index_de.

 

Ausbildung im Beruf Gold- und Silberschmied/in:

WHKT: Fachklasse(n) unbedingt in NRW erhalten

Die ortsnahe Beschulung von Auszubildenden ist in vielen Berufen ein wesentliches Kriterium dafür, ob Kleinbetriebe ausbilden. Insofern ist der Erhalt von Fachklassen des Dualen Systems von besonderer Bedeutung, um gerade quantitativ kleine Berufe, manche sprechen auch von seltenen oder von Splitter-Berufen, zu erhalten.

Aktuell sind zwei von drei Beschulungsstandorte im Beruf Gold- und Silberschmied/in in NRW gefährdet, da demographisch bedingte Rückgänge der Auszubildendenanzahl die Fachklassen schrumpfen läßt. Der WHKT-Arbeitskreis Berufsbildung hat sich mit dem Thema näher befasst und setzt sich intensiv dafür ein, dass mehrere Standorte, perspektivisch zumindest ein Standort in Nordrhein-Westfalen erhalten bleibt. Dies hat dann i. d. R. zur Folge, dass Berufsschulunterricht in Wochenblöcken angeboten werden muss, damit die Auszubildenden aus allen Landesteilen die Chance haben, am Unterricht teilzunehmen. Der sog. Flexibilisierungserlass des Landes kann bei dem Erhalt von Fachklassen mit verschiedenen Optionen helfen. Hierzu plant der WHKT im neuen Jahr gemeinsam mit dem Schulministerium konkrete Beispiele aus dem Land zusammenzustellen.

ValiKom Transfer:

Positive Jahresbilanz trotz Corona

Das aktuelle Jahr von ValiKom Transfer war geprägt vom Corona-Virus. Das Projekt hat sich schnell an die neuen Umstände angepasst. Die Digitalisierung hat dabei eine zentrale Rolle gespielt. 

Nachdem der WHKT im Januar der Enquete-Kommission »Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt« die Vorteile der Validierung von beruflichen Kompetenzen im Bundestag noch in Präsenz vorstellen konnte, wurden die meisten Veranstaltungen in den folgenden Monaten digital abgehalten. 

Viele Informationsveranstaltungen der Kammern beispielsweise, die dazu dienen, das Verfahren Unternehmen und anderen Interessenten vorzustellen, wurden in den digitalen Raum verlegt. Genau wie die internen Sitzungen der Projektgremien, die alle Beteiligten ausschließlich über den Bildschirm zusammenkommen ließen.

Der Lockdown im März hat einige Kammern dazu bewegt, Beratungsgespräche per Video-Chat durchzuführen. Eine Behelfslösung, die allerdings überhaupt erst ein Weiterführen der Validierungsverfahren möglich machte und gut funktioniert hat. Auch Berufsexperten, die für die Leistungsbewertung der Teilnehmenden zuständig sind, konnten online geschult werden. 

Neben dem vorherrschenden Corona-Thema und seinen Auswirkungen gibt es aber noch andere nennenswerte Ereignisse aus diesem Jahr. Das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH), welches das Projekt wissenschaftlich begleitet, hat erste Zwischenergebnisse seiner Evaluation vorgestellt. Dabei ging es um die Beschreibung der Teilnehmenden und den Nutzen des Verfahrens aus deren Perspektive. Erkenntnisse, die für die Etablierung des Validierungsangebots von großer Bedeutung sind. 

Auch hinsichtlich der angebotenen Berufe konnten in 2020 Fortschritte erzielt werden. Mit dem Kfz-Mechatroniker/in ist ein gefragter Beruf neu hinzugekommen. Sieben bereits bestehende Tätigkeitsprofile wurden zudem mit dem zuständigen Verband DEHOGA überarbeitet. 

Im letzten Quartal wurde verstärkt das Thema Öffentlichkeitsarbeit in den Fokus genommen. Das Projekt ValiKom Transfer ist seit November unter dem Begriff »Validierungsverfahren« mit eigenen Kanälen in den Sozialen Medien vertreten. Auf Facebook, Instagram, Xing und LinkedIn wird das Projekt in regelmäßigen Beiträgen vorgestellt und soll so noch mehr potentielle Teilnehmende erreichen. Ein Schritt, der gerade in Zeiten von Corona helfen soll, die eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten aufzufangen.

Insgesamt ist die Bilanz positiv mit 443 Verfahren, die in diesem besonderen Jahr durchgeführt werden konnten (714 abgeschlossene Verfahren seit Beginn des Projekts ValiKom Transfer). 

An dem Verbundprojekt ValiKom Transfer sind elf Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, zwei Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Weitere Informationen unter www.validierungsverfahren.de.

Anerkennung ausländischer Abschlüsse:

Zahlen an durchgeführten Qualifikationsanalysen gestiegen

Im vergangenen Jahr 2019 wurden laut amtlicher Statistik und Berechnung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) insgesamt 252 Qualifikationsanalysen gemäß § 14 BQFG in bundesrechtlich geregelten Berufen durchgeführt. Schon im Jahr 2018 war mit 264 durchgeführten »sonstigen Verfahren« im beruflichen Anerkennungsverfahren die Anzahl ähnlich hoch. 

Der überwiegende Teil an Anträgen auf Gleichwertigkeitsfeststellung mit einem deutschen Referenzberuf wird auf Basis der eingereichten Dokumente entschieden. Mit Inkrafttreten des Berufsqualifikationsfeststellungsgesetzes im Jahr 2012 hat der Gesetzgeber jedoch auch jene Fälle berücksichtigt, in denen Antragstellende unverschuldet keine oder nicht ausreichende schriftliche Belege über ihre ausländischen Berufsqualifikationen vorlegen können. In diesen Fällen ersetzt die Kompetenzfeststellung über eine Qualifikationsanalyse (QA) das schriftliche Dokument. 

Vor allem Drittstaatsangehörige haben in 2019 eine QA im Rahmen des Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahrens durchlaufen. Dabei liegen die Ausbildungsstaaten Syrien, Bosnien und Herzegowina sowie der Iran vorne. Allerdings stellen EU-Bürger/innen, Angehörige eines Staates des EWR sowie Schweizer/innen im selben Jahr rund 30 % der Teilnehmenden an Qualifikationsanalysen. Die QA findet vor allem bei Anerkennungen in Berufen des Handwerks sowie in Industrie und Handel Anwendung. Die Top 3 Berufshauptgruppen sind Mechatronik-, Energie- und Elektroberufe, Maschinen- & Fahrzeugtechnikberufe, gefolgt von nichtmedizinischen Gesundheits-, Körperpflege- & Wellnessberufen sowie Medizintechnik.

Insgesamt wurden von Anfang 2012 bis Ende 2019 1.116 Qualifikationsanalysen von zuständigen Stellen durchgeführt. Sicherlich ist in 2020 aufgrund der Corona-Pandemie mit einem – zumindest leichten – Rückgang der Zahlen zu rechnen. Die QA ist für alle dualen, nicht-reglementierten Berufe vorgesehen, so auch in den entsprechenden Agrarberufen sowie in den freien Berufen. 

Das BMBF-geförderte Verbundprojekt »Netzwerk Qualifikationsanalyse« bietet zuständigen Stellen Expertise, Vernetzung und finanzielle Förderung von Qualifikationsanalysen. »NetQA« wird fachlich über den Westdeutschen Handwerkskammertag gesteuert. Die Gesamtkoordination erfolgt über das BIBB. Informationen zum Projekt »NetQA« finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

Projekt Berufliche Bildungslotsen:

Berufsorientierung in Zeiten von Corona

Die vertiefte Berufsorientierung ist insbesondere in Pandemiezeiten mit Kontaktreduzierungen sehr wichtig. Der WHKT hat sich beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW und der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2020 intensiv dafür eingesetzt, das Projekt Bildungslotsen um mindestens ein Jahr fortzusetzen. Die Entscheidung ist positiv getroffen: Es wird um ein weiteres Jahr verlängert.

»Wie kommst du eigentlich mit deinen Kollegen klar?« oder »Was verdienst du denn in der Ausbildung?« – typische Fragen, die Ausbildungsbotschaftern gestellt werden. Ausbildungsbotschafter sind Azubis, meist im 2.oder 3. Lehrjahr, die vor Schulklassen von ihrem Ausbildungsberuf, der dualen Ausbildung und ihrem Alltag im Betrieb berichten. Für diese Schuleinsätze werden sie von Beruflichen Bildungslotsen im Vorfeld geschult. 2019 ging das Projekt »Potentiale entdecken und entwickeln« mit etwa 45 Bildungslotsen, die bei den Kammern ansässig sind, an den Start. Es wendet sich in erster Linie an Schüler/innen, die beruflich noch wenig orientiert sind und unterstützt sie dabei, konkrete berufliche Ziele zu entwickeln. Neben dem peer-to-peer-Ansatz der Ausbildungsbotschafter führen die Bildungslotsen auch persönliche Orientierungsgespräche, um auf die individuelle Situation der Schüler/innen einzugehen. 

Wie erwartet lief das Jahr 2020 sehr gut an, bis Anfang März anfangs vereinzelt, dann immer häufiger Termine von Schulen abgesagt wurden. Mit der Schulschließung Mitte März brachte die Corona-Pandemie das Projekt dann zunächst völlig zum Erliegen. Die Bildungslotsen nutzten die Zeit, um ein Konzept zur digitalen Umsetzung des Angebots zu entwickeln: Orientierungsgespräche sollten alternativ per Telefon oder Videotelefonie angeboten werden und auch die  Vorträge der Ausbildungsbotschafter könnten  per Videokonferenz-Tools stattfinden, ohne ihren interaktiven Charakter zu verlieren. Der Vorteil: Die digitalen Alternativen waren ebenso für den Homeschooling-Bereich geeignet, denn bis zu den Sommerferien war ein regulärer Unterrichtsbetrieb ausgeschlossen.

Die digitalen Angebote wurden daraufhin massiv beworben, was bis zu den Sommerferien allerdings nur zu wenigen konkreten Einsätzen führte, da der Großteil der Schulen fast ausschließlich mit der Organisation des schulischen Betriebsablaufs und des Homeschoolings sowie mit dem Nachholen von Unterrichtsstoff beschäftigt war. Teilweise scheiterten digitale Einsätze auch aufgrund der fehlenden technischen Infrastruktur an Schulen, Unsicherheiten im Umgang mit Videokonferenz-Tools oder Datenschutzfragen.

Nachdem sich in den Sommerferien, leider wie erwartet, nur wenige Schüler/innen aus eigener Motivation heraus an die Bildungslotsen wandten, nahm das Projekt nach den Ferien langsam wieder Fahrt auf. Im Rahmen der entwickelten Hygienekonzepte konnten wieder mehr und mehr Präsenzeinsätze an den Schulen stattfinden und auch die digitalen Alternativen wurden genutzt. Die starke Nachfrage bis zu Beginn der  Herbstferien zeigte deutlich, wie hoch der Bedarf an beruflicher Orientierung ist und wie sehr die Corona-Pandemie diesen Bereich getroffen hat. So hatten bspw. viele Schüler/innen keine Chance, ein Praktikum durchzuführen. Durch strenge Hygienekonzepte war Schüler/innen der Zutritt zu vielen Betrieben über lange Phasen hinweg verwehrt, gleichzeitig waren viele Unternehmen nur in Notbesetzung vor Ort. Allein das Thema Praktikum führte im Herbst zu zahlreichen – proaktiven – Anfragen von Schulen. Der dringende Wunsch: Den Schüler/innen im Nachgang zum beruflichen Orientierungsgespräch noch die Möglichkeit eines Praktikums zu verschaffen. Hier hatte das Handwerk einen leichten Vorteil, da im Bereich der IHKn viele, insbesondere große Unternehmen aufgrund sehr strikter Regelungen auf unbestimmte Zeit keinerlei Praktika anbieten.

Mit den extrem steigenden Corona-Fallzahlen nach den Herbstferien stieg auch wieder die Zahl der Terminabsagen. Dieses Mal nicht nur von Seiten der Schulen, sondern auch von Seiten der Betriebe, die ihre Azubis nicht mehr zu Schuleinsätzen schicken wollten. Dennoch gab es auch in dieser Situation Schulen, die dankbar waren, dass die Bildungslotsen weiterhin zur Verfügung standen, da sie ihren Schüler/innen unbedingt noch ein Angebot zur Berufsorientierung machen wollten, so dass letztlich noch einige Einsätze, sowohl digital als auch im Präsenzformat, stattfinden konnten. Insgesamt konnten bis Stand Ende November mehr als 16.000 Schüler/innen erreicht werden (in 2019 insgesamt 30.000), so dass das Ergebnis des zweiten Projektjahres durchwachsen, vor dem Hintergrund der zu bewältigenden Hürden dennoch positiv zu betrachten ist.

In den Gesprächen mit Schüler/innen tauchten in diesem Jahr Fragen auf, die in dieser Form noch nie gestellt wurden: »Erhalten Azubis auch Kurzarbeitergeld?« oder »Ist mein Wunschberuf eigentlich systemrelevant?« Die Berufsorientierung und das Werben für die duale Ausbildung werden 2021 weiterhin von größter Bedeutung sein und darüber hinaus um neue Fragen einer verunsicherten Generation erweitert werden – eine Herausforderung, der sich auch die Beruflichen Bildungslotsen stellen dürfen.

Das Projekt »Potenziale entdecken und entwickeln« ist Bestandteil des Landesprogramms »Kein Abschluss ohne Anschluss« und wird gefördert mit Beteiligung der Regionaldirektion NRW der Agentur für Arbeit. Am Projekt beteiligen sich die Handwerkskammern in Aachen, Bielefeld, Dortmund, Köln, Südwestfalen und Münster sowie die Industrie- und Handelskammern in Aachen, Bielefeld, Bonn, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Hagen, Köln, Siegen und Wuppertal sowie der Bauindustrieverband NRW. Die zentrale Projektkoordination liegt bei der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH).

IQ Netzwerk NRW:

Digitalisierungsschub bei Schulungen, Veranstaltungen und Beratungen

Das mobile Schulungsteam des IQ Netzwerks NRW ist ein gefragter Ansprechpartner für Schulungen, Veranstaltungen und Beratungen zu Themen der beruflichen Anerkennung und aufenthaltsrechtlichen Fragen im Kontext von Fachkräfteeinwanderung. Daher war es wichtig, auch während der Corona-Pandemie das Schulungs- und Veranstaltungsangebot aufrecht zu erhalten. Gelungen ist dies durch einen Mix aus virtuellen, hybriden und klassischen Präsenzveranstaltungen. Die 28 bereits durchgeführten Schulungen und Veranstaltungen mit rund 400 Teilnehmenden übersteigen schon jetzt die selbst gesteckten Ziele. Das Beratungsangebot, bislang ausschließlich per Telefon und Mail durchgeführt, gewann als zusätzlichen Kanal den Videochat hinzu.

Die erfolgreichen virtuellen und hybriden Angebote werden auch nach der Corona-Krise weitergeführt. Für Interessierte an Schulungen und Informationsveranstaltungen steht eine Checkliste zur Ermittlung des Bedarfs zur Verfügung, die helfen soll, ein möglichst maßgeschneidertes Angebot auf den Weg zu bringen.

Speziell die Expertise an den Schnittstellen von beruflicher Anerkennung und aufenthaltsrechtlichen Fragen führte zu bislang mehr als 140 durchgeführten Beratungen von Unternehmen und Beratenden. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen zeigten sich interessiert für die Unterstützung in diesen Sachgebieten. Für Unternehmen im Gesundheitswesen steht als zusätzliches Unterstützungsangebot bereits die PDF-Broschüre FAQ »Pflegekräfte aus dem Ausland für NRW« zur Verfügung. 

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

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Vorwort



Liebe Leserinnen und Leser,

die Pandemie wird uns leider noch länger begleiten. Diese große, nötige Kraftanstrengung ist noch nicht vorbei. Die Kranken, die besonders Gefährdeten, die Einsamen und auch diejenigen, die ihren Beruf – auch im Handwerk – derzeit nicht oder nur eingeschränkt ausüben dürfen, brauchen unser aller Hilfe und Unterstützung.

Bei allen Sorgen, gibt es auch Zeichen der Hoffnung und Grund für Optimismus. Die deutsche Wirtschaft erweist sich insgesamt immer noch als robust, trotz der im Frühjahr prognostizierten Einbrüche. Das ist zunächst einmal gut für viele Arbeitsplätze und die nötige Finanzierung aller Krisenmaßnahmen des Staates.

Das Handwerk erweist sich darüber hinaus in dieser Krise insgesamt als besonderer Stabilitätsanker. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen steht es in der Gesamtschau immer noch gut da. Das ist ein starkes Signal gerade für junge Menschen, die heute ihre berufliche Zukunft planen.

Völlig klar ist trotzdem, dass es auch im Handwerk viele Betriebe gibt, die unter dem Teil-Lockdown leiden. Für sie setzen wir uns derzeit besonders ein. Die Krisenhilfen müssen diese Betriebe jetzt schnell erreichen. Erfolgreich konnte sich die Handwerksorganisation dafür einsetzen, dass nun auch Bäckereien und Konditoreien mit angeschlossenem Café-Betrieb die sog. November-Hilfe in Anspruch nehmen können.

Auch wenn die Pandemie Deutschland in diesem Winter fest im Griff hat, ist es jetzt wichtig, die Zukunft in den Blick zu nehmen. Jetzt schon müssen wir im Handwerk das kommende Ausbildungsjahr planen. Die sich abzeichnende Corona-Lücke bei den neu abgeschlossen Ausbildungsverträgen darf sich in 2021 nicht wiederholen. Wir werden uns im Handwerk darauf vorbereiten und brauchen vor allem Unterstützung in den Schulen.

Der Wert der beruflichen Bildung im Handwerk wird gerade in dieser Krise deutlich. Das Handwerk hat für junge Menschen – egal welcher Herkunft – ein Aufstiegsversprechen parat. Damit leistet es einen entscheidenden Beitrag zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Wir arbeiten daran, dass Politik und Gesellschaft das mehr und mehr erkennen.

Bitte bleiben Sie gesund.

Mit freundlichem Gruß

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

Neu erschienen:

Herbstkonjunkturbarometer 2020: Auf das Handwerk ist in der Krise insgesamt Verlass

Die Corona-Krise hat das Handwerk seit März 2020 auf sehr unterschiedliche Weise getroffen – mit starken Einschränkungen und Belastungen bei körpernahen Dienstleistungen wie Friseuren und Kosmetikern auf der einen Seite und einer bemerkenswerten Robustheit bei anderen Betrieben, zum Beispiel im Ausbaugewerbe, auf der anderen Seite. So bestätigt das aktuell erschienene Herbstkonjunkturbarometer 2020 vor allem eines: Auf das Handwerk ist in dieser Krise insgesamt Verlass.

Das Handwerk steht nicht umsonst für eine im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen hohe Beschäftigungssicherheit – auch das zeigt die Umfrage. Zufall ist das nicht, denn die vielfach familiengeführten Unternehmen sind sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst. Dennoch, so zeigt die Umfrage, wird der derzeitige zweite Lockdown auch am Handwerk nicht spurlos vorbeigehen. Er wird vielfach wiederum jene Betriebe belasten, die schon unter dem ersten Lockdown gelitten haben. 

Die aktuelle Ausgabe des Herbstkonjunkturbarometers mit allen Ergebnissen der Umfrage bei 5.823 Betrieben steht als Download unter www.whkt.de/konjunkturbarometer/ zur Verfügung.

Aktuelles aus dem Schulministerium:

Corona und der duale Partner Berufsschule

Teile der Wirtschaft machen sich erhebliche Sorgen, dass Auszubildende nicht an den Prüfungen am Ende ihrer Ausbildung teilnehmen können, weil sie möglicherweise vorher in Quarantäne geschickt werden. Üblicherweise verlängert sich dann die Ausbildung bis zum nächsten Prüfungstermin, in der Regel um ein halbes Jahr, sofern nicht zwischenzeitlich andere Prüfungstermine ermöglicht werden. Um das Risiko, in Quarantäne geschickt zu werden, zu verringern, hat das Schulministerium mit einem Runderlass vom 03.11.2020 den Schulen die Handlungsoptionen gegeben, den Unterricht zwei Wochen vor den Prüfungen durch Verlagerung in andere Wochen ausfallen zu lassen. 

Die Berufskollegs haben ebenfalls, wie die allgemein bildenden Schulen im Land, die Information erhalten, dass am 21. sowie 22. Dezember kein Unterricht erteilt wird und Auszubildende, die üblicherweise an diesen Wochentagen die Berufsschule besuchen, im Betrieb bleiben sollen, da die Schulen geschlossen bleiben. Die Berufsschulen sind vom Ministerium gebeten worden, alle Betroffenen Ausbildungsbetriebe zu informieren. 

NRW-Handwerksrat:

Beschlüsse zur wirtschaftlichen Betätigung der Kommunen und zur Digitalisierung

Am 20.11.2020 hat der NRW-Handwerksrat als oberstes Beschlussgremium von Handwerk.NRW zwei Beschlüsse verabschiedet. Im Beschluss zur wirtschaftlichen Betätigung der Kommunen fordert der Handwerksrat klare Grenzen der Betätigung, mehr Transparenz und eine stärkere Aufsicht. Der Beschluss zum Thema Digitalisierung befasst sich u.a. mit dem erforderlichen Ausbau der Infrastruktur und der Digitalisierung von Verwaltungsabläufen.

Die Beschlüsse sind abrufbar unter Beschluss_Handwerksrat_wirtschaftliche_Betaetigung.pdf | Beschluss_NRWHandwerksrat_Digitalisierung.pdf.

Beharrlichkeit zahlt sich aus:

Europäische Kommission zieht Vorschlag zur Dienstleistungskarte zurück

Am 19. Oktober 2020 hat die Europäische Kommission ihr Arbeitsprogramm für das Jahr 2021 vorgelegt. Weit hinten, in Anhang IV des Arbeitsprogramms findet sich eine für das Handwerk positive Überraschung. Unter den Gesetzgebungsvorschlägen, die die Europäische Kommission zurück zu nehmen beabsichtigt, weil sie entweder überholt sind oder keine Einigung in Sicht ist, befindet sich die europäische Dienstleistungskarte. Das Vorhaben lag seit dem Frühjahr 2018 auf Eis, nachdem das Europäische Parlament die Vorschläge einer Richtlinie und einer Verordnung zurückgewiesen hatte.

Der Vorschlag zur Einführung einer europäischen Dienstleistungskarte war Bestandteil des am 10. Januar 2017 veröffentlichten Dienstleistungspakets. Ziel der Karte sollte es sein, Dienstleistungserbringern und Niederlassungswilligen zu erleichtern, in einem anderen EU-Mitgliedstaat tätig zu werden. Nach Durchsicht der Kommissionsvorschläge war der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) davon überzeugt, dass die Dienstleistungskarte schwerwiegende Konstruktionsfehler hat, so dass sie den beschworenen Mehrwert für Unternehmen nicht würde erbringen können. Im Gegenteil: Der WHKT befürchtete, dass Verfahren erheblich bürokratischer würden, zum Teil absehbar langwieriger samt schwerwiegender prozessualer Fallstricke. Selbst als zusätzliches Verfahren wäre das Dienstleistungskarten-Verfahren ungeeignet gewesen.

Zu den schwerwiegenden Konstruktionsfehlern gehörte die Abwicklung über zentrale nationale Koordinierungsstellen. Handwerksbetriebe führen Aufträge typischerweise mit geringem zeitlichen Vorlauf durch, das heißt, zwischen Auftrag und Leistung liegen üblicherweise Tage, nicht Wochen. Die Ausstellung der Dienstleistungskarte hätte jedoch voraussichtlich 2–4 Wochen gedauert, denn der Kommissionsvorschlag sah vor, dass der Antrag online an die zentrale deutsche Koordinierungsstelle übermittelt würde, die ihrerseits – mangels eigener Datenhoheit – Informationen bei der zuständigen Stelle einholen muss (also zur rechtmäßigen Niederlassung z.B. bei der Handwerkskammer), um den Antrag nach Prüfung (Frist: 2 Wochen) an die Koordinierungsbehörde des Ziellandes weiterzuleiten, die wiederum 2 Wochen Zeit gehabt hätte, um Einwände zu formulieren. Statt Prozesse zu beschleunigen, hätte die Zentralisierung der Entscheidungsprozesse flexible, unbürokratische Lösungen behindert.

 

IQ Netzwerk NRW:

Abstimmungen über Anpassungsqualifizierungen in der Pflege

Der WHKT koordiniert im Förderprogramm IQ das Netzwerk in NRW. Zur Realisierung von Anpassungslehrgängen für ausländische Pflegekräfte wurden zu Beginn der aktuellen IQ Förderphase (2019–2022) fünf staatlich anerkannte Pflegefachschulen in NRW per Interessenbekundungsverfahren an folgenden Standorten seitens der Landeskoordinierung identifiziert: Dortmund, Köln, Mönchengladbach, Münster, Wuppertal.

Pflegekräfte, die im Ausland eine formale Qualifikation erworben haben, können, nachdem sie ein Anerkennungsverfahren beim Landesprüfungsamt durchlaufen haben, an den genannten Standorten einen IQ Anpassungslehrgang absolvieren. Im Anschluss erhalten sie ihre berufliche Gleichwertigkeit und beantragen die Erlaubnis zur Berufsausübung. Jährlich erhalten so ca. 150 bis 200 ausländische Pflegekräfte ihre Berufszulassung und stehen als Fachkräfte zur Verfügung. Eine Anzahl, die längst nicht ausreicht, zumal die bereits existierende große Lücke in der Pflege mit steigender Anzahl an pflegebedürftigen Menschen allein aufgrund demografischer Entwicklungen weiter stark zunimmt.

Um zu gewährleisten, dass die inhaltlichen und formalen Voraussetzungen in den IQ Anpassungslehrgängen erfüllt sind, findet ein regelmäßiger Austausch zwischen dem Landesprüfungsamt, den Vertretungen der beteiligten Fachschulen, dem Gesundheitsministerium NRW und der IQ Landeskoordinierung sowie weiteren Akteuren beim WHKT statt. Corona-bedingt handelt es sich in 2020 vor allem um digitale Treffen.

Aktuell besteht eine große Herausforderung darin, das zu Beginn 2020 in Kraft getretene neue Pflegeberufegesetz in den IQ Anpassungslehrgängen für ausländische Pflegekräfte zu berücksichtigen. Dies ist notwendig, da zukünftig (voraussichtlich ab 2023) die Bescheide zur beruflichen Anerkennung ausländischer Pflegekräfte auf Basis des neuen Gesetzes erlassen werden. Das neue Gesetz sieht eine generalistische Ausbildung mit dem Abschluss Pflegefachfrau/Pflegefachmann vor. Es werden folglich Kompetenzen vermittelt, die für die Pflege von Menschen aller Altersstufen und aller Versorgungsbereiche benötigt werden. Die bisherige Spezialisierung nach Kinder- und Altenpflege sowie der herkömmlichen Pflege in verschiedene Ausbildungsgänge entfällt damit.

Info: Laut Institut der deutschen Wirtschaft in Köln könnten in Deutschland für die Sicherung der stationären Versorgung bis 2035 über 300.000 Pflegekräfte fehlen. Für NRW hieße dies, ein Mangel von knapp 65.000 Fachkräfte in den nächsten 15 Jahren. Jährlich wären demnach über 4.200 Fachkräfte in der Pflege zusätzlich in NRW zu qualifizieren, um dem Bedarf zu entsprechen.

Der Aufgabe, ausländische Fachkräfte für das deutsche Gesundheitssystem zu gewinnen, nimmt sich beispielsweise die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der BA an sowie das Bundesgesundheitsministerium über die Etablierung der Deutschen Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (DeFa). Um die Hürden der Einreise aus Drittstaaten und Beschäftigung als Fachkraft abzubauen, ist im März 2020 das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) in Kraft getreten.

Informationen und Kontakt: www.iq-netzwerk-nrw.de

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Projekt NetQA:

Sonderfonds des Netzwerkes Qualifikationsanalyse mit neuem Verfahren – Förderung auch in der Corona-Zeit

Die Qualifikationsanalyse (QA) ist eine wichtige Ausnahmeregelung im Anerkennungsverfahren. Das zeigt nicht nur die anhaltende Nachfrage nach dem Sonderfonds. Für qualifizierte Fachkräfte ohne ausreichende schriftliche Belege aus dem Ausland ist die Qualifikationsanalyse die Chance auf eine Gleichwertigkeitsfeststellung mit einem deutschen Referenzberuf – und damit perspektivisch auf die gleichwertige Teilnahme am Arbeitsmarkt.

Das Netzwerk Qualifikationsanalyse (NetQA) schafft ein regional verankertes Netzwerk zur Durchführung von Qualifikationsanalysen für zuständige Stellen auf Bundesebene. Der Sonderfonds Qualifikationsanalysen, der über das Projekt NetQA angeboten wird, wird über das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert und übernimmt die Kosten für die Qualifikationsanalysen, wenn die Antragstellerin/der Antragsteller diese nicht selbst aufbringen können und keine Förderung durch die Arbeitsverwaltung oder Dritte erhalten. Zudem darf das Fehlen der Dokumente nicht selbst verschuldet sein. Auch wenn insbesondere im Corona-Frühling und -Sommer weniger Qualifikationsanalysen stattfinden konnten als vergleichsweise im letzten Jahr, hat der Sonderfonds in 2020 mehr als zwei Dutzend Antragsteller/innen unterstützt. Insgesamt wurden damit von 2015 bis heute 174 Qualifikationsanalysen durch den Sonderfonds gefördert.

Neuer Ablauf seit Sommer
Seit dem 15. Juni 2020 gibt es einen neuen Ablauf zur Beantragung des Sonderfonds. Bundesweit können zuständige Stellen die Fördermittel des Sonderfonds für förderwürdige Antragstellende beim Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) beantragen. Nach einer Vorprüfung der Förderanzeige seitens des WHKT geht der Vorgang zur finalen Prüfung an das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Die Bewilligung und Auszahlung der Fördergelder erfolgen über das BIBB. Für Qualifikationsanalysen in der Zuständigkeit der IHK FOSA erfolgt die Beantragung der Förderung durch die IHK FOSA. Das BMBF-geförderte Verbundprojekt NetQA wird fachlich über den WHKT gesteuert. Die Gesamtkoordination erfolgt über das BIBB.

Informationen zum Projekt »NetQA« finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

Auf europäischer Ebene:

ValiKom Transfer bei der Europäischen Woche der Berufsbildung

Im November wurde das Validierungsverfahren aus dem Projekt ValiKom Transfer vom Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) während der »European Vocational Skills Week« auf europäischer Ebene vorgestellt. Die »European Vocational Skills Week« ist eine jährliche Veranstaltung, bei der lokale, regionale oder nationale Organisationen neue Entwicklungen aus der beruflichen Aus- und Weiterbildung präsentieren. Die fünfte Europäische Woche der Berufsbildung wurde von der Europäischen Kommission in enger Zusammenarbeit mit der deutschen Rats-Präsidentschaft der Europäischen Union und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) organisiert und hat aufgrund der Corona-Pandemie zum ersten Mal in rein digitaler Form stattgefunden.

In einer Reihe von virtuellen Sessions und Workshops wurden im Zeitraum vom 9. bis zum 13. November 2020 Themen rund um die berufliche Bildung beleuchtet. Auf Anfrage des BMBF hat Projektleiterin Tina Rapp ValiKom Transfer, das als Referenzprojekt zur Validierung beruflicher Kompetenzen verstanden werden kann, im Rahmen der Themen-Konferenz »Validierung von nicht formalem und informellem Lernen« als deutsche Perspektive vorgestellt. In einem 15-minütigen Vortrag erläuterte Frau Rapp, wie das Verfahren funktioniert, welche Funktionen es im Kontext der beruflichen Weiterbildung auf dem deutschen Arbeitsmarkt übernehmen kann und an wen sich das Projekt richtet.

Neben Tina Rapp vom WHKT haben drei weitere Referentinnen aus Frankreich (Anne Tangy), Portugal (Maria João Alves) und Finnland (Minna Bálint) die jeweilige Validierungsstrategie ihrer Länder präsentiert. Moderiert wurde die Videokonferenz von Anusca Ferrari, politische Beauftragte der Europäischen Kommission für soziale Angelegenheiten und Ernesto Villalba Garcia vom Europäischen Zentrum für die Förderung der Berufsbildung, einer Agentur der Europäischen Union und das Referenzzentrum der EU für Fragen der Berufsbildung.

Die Zuschauer waren während der gesamten Konferenz interaktiv miteingebunden, konnten sich an Umfragen beteiligen und Fragen stellen. Auch eine Podiumsdiskussion zu Herausforderungen bei der Implementierung von Validierungsverfahren sowie dem Nutzen von Validierung insbesondere bezüglich der Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit war Teil des zweistündigen Themenblocks.

Die komplette Session wurde aufgezeichnet und kann angeschaut werden unter: https://beyond-events.eu/index.php?eventid=23&roomid=93

Das Projekt ValiKom Transfer wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Weitere Informationen gibt es unter www.validierungsverfahren.de.

Berufsbildungspartnerschaftsprojekt:

Das Tischlerhandwerk in der Côte d’Ivoire

Seit April 2019 führt der Westdeutsche Handwerkskammertag gemeinsam mit der ivorischen Handwerkskammer (Chambre Nationale des Métiers de Côte d’Ivoire, CNMCI) ein Berufsbildungspartnerschaftsprojekt in der Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) durch. Das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderte Projekt hat zum Ziel, Tischlerinnen und Tischler in der Region Man durch die Bereitstellung einer dualen Berufsausbildung zu unterstützen, sowie die Wahrnehmung des Handwerks in der Elfenbeinküste zu verbessern. 

Doch welche Bedeutung hat das Tischlerhandwerk im Land und wie funktioniert dort die Ausbildung? Dieser Frage ging im Spätsommer dieses Jahres die Langzeitexpertin des WHKT, Elke Müller, gemeinsam mit ihren Kollegen von der CNMCI nach. Im Rahmen einer Studienreise verschaffte sie sich einen Überblick über den Ausrüstungs- und Ausbildungsstand der staatlich finanzierten Bildungszentren sowie einzelner Tischlereien.

Ihre Erkenntnis ist, dass das Tischlerhandwerk in der Elfenbeinküste im Wesentlichen durch drei Merkmale charakterisiert wird:

  1. Es werden viele Möbel aus Massivholz hergestellt;
  2. Das Holz hat sehr unterschiedliche Qualitäten. In vielen Tischlereien wird nasses Holz verwendet – entsprechend leidet oft die Qualität der Erzeugnisse;
  3. Die qualitativ interessanten Hölzer werden an die großen Sägewerke geliefert und dort für den Export weiterverarbeitet. Dieser erfolgt hauptsächlich über den Hafen in San Pedro.

Nur ein kleiner Teil der wertvollen Hölzer bleibt im Land. Die Tischlereien und Ausbildungszentren im ganzen Land haben daher Schwierigkeiten, brauchbares Material für ihre Arbeit oder Ausbildung zu finden.

Die Ausbildung im ivorischen Handwerk erfolgt in der Regel über zwei Wege: Entweder durch eine dreijährige Lehre in einem Bildungszentrum oder durch eine rein betriebliche Ausbildung.

Die Lehre im Zentrum ist schulisch organisiert. Dementsprechend liegt der Schwerpunkt in der Theorie. Es gibt lediglich 17 staatliche Bildungszentren im ganzen Land, die Tischlerinnen und Tischler ausbilden. Die Ausstattung dieser Zentren ist meist veraltet; es fehlt ebenso nicht nur an geeignetem Holz, sondern auch an Handwerkszeug und qualifizierten Ausbilderinnen und Ausbildern.

Bei der betrieblichen Ausbildung lernt der oder die Auszubildende ausschließlich in der Praxis und auf informellem Wege. Auf dem Land werden einfache Produkte nachgefragt, die oft ohne Holzverbindungen zusammengenagelt werden. Ästhetik und eine qualitativ hochwertige Bearbeitung spielen eine untergeordnete Rolle. Die Ausstattung der Werkstätten ist sehr schlicht, eine strukturierte Lehre findet nicht statt. Die Dauer einer solchen Ausbildung ist nicht geregelt und beträgt bis zu 7 Jahre. Es gibt keinen Anspruch auf eine Ausbildungsvergütung. Die meisten Jugendlichen, die in Betrieben ihre Ausbildung machen, haben eine geringe Schulbildung und können sich damit nicht für eine Ausbildung in den Bildungszentren bewerben.

Insbesondere an diese Zielgruppe richtet sich der Ansatz des geplanten Holz-Ausbildungs- und Produktionszentrums in Man. Die Ausbildung in diesem Zentrum wird einen betrieblichen Teil, einen Praxisteil im Bildungszentrum sowie einen Theorieteil beinhalten. Sie wird somit vergleichbar sein mit der dualen Berufsausbildung in Deutschland.

Die ivorische Regierung möchte das Bildungszentrum mit geeigneten Maschinen ausstatten, sodass bis zu 32 Auszubildende hier ihren Platz haben werden. Gleichzeitig werden die regionalen Handwerksbetriebe unterstützt, indem diesen die Nutzung der Maschinen im Bildungszentrum ermöglicht wird, um qualitativ hochwertigere Produkte herzustellen.

Das durchschnittliche Lebensalter in der Côte d’Ivoire liegt bei 19 Jahren – der Druck, die jungen Menschen mit Ausbildungs- und später mit Arbeitsplätzen zu versorgen, ist gewaltig. Mit der Stärkung der dualen Berufsausbildung im Tischlerhandwerk wollen der WHKT und die CNMCI den Beweis antreten, dass gutes Grundlagenwissen und eine gute praktische handwerkliche Ausbildung überall auf der Welt zur Sicherung der eigenen Existenz beitragen.

Gastbeitrag: Zukunftsbildung ist fürs Handwerk entscheidend

Dieses Interview des renomierten Politikwissenschaftlers und Soziologen Prof. Dr. Dr. Dr. Roland Benedikter ist auf das Handwerk in Südtirol bezogen. Die Aussagen von Prof. Benedikter, einem Partner des WHKT in Südtirol lassen sich in vielerlei Hinsicht auf das deutsche Handwerk übertragen und sind genauso lesenswert wie anregend. 



“Zukunftsbildung ist fürs Handwerk entscheidend“.

Interview mit Roland Benedikter von Hannelore Schwabl

Eine der grossen Zukunftsfragen ist, wie sich die Berufe entwickeln. Die Technologie verändert derzeit vieles – auch im Handwerk. In Südtirol wird diese Frage im aktuellen Interreg-Projekt „FuturCRAFT“ des Landesverbands der Handwerker (LVH) erforscht, gefördert aus EU-Mitteln. Das Projekt fragt nach den Zukunftsberufen im Handwerk und richtet sich damit grenzübergreifend auch an ein breiteres deutschsprachiges Publikum. Es wird mit Partnern aus Südtirol, Salzburg und der italienischen Provinz Veneto in den Jahren 2019-21 durchgeführt – also mitten in der Corona-Krise. Mit dabei im Forschungsprojekt ist Globalisierungs- und Zukunfts-Experte Roland Benedikter. Er sieht das Handwerk durch die Krise bestätigt. Aber auch an Herausforderungen mangelt es nicht. Als die wichtigste sieht Benedikter angesichts vermehrter „Tiefenkrisen“, in die der deutschsprachige Raum voll involviert ist, die Zukunftsbildung.

 

Schwabl: Wie steht es um das Handwerk in Zeiten von Corona?

Benedikter: Das Handwerk hat sich als einer der stabilisierenden Faktoren erwiesen. Es ist verwurzelt, erhält regionale Wirtschaftskreisläufe am Leben und interagiert mit den Menschen vor Ort. Es ist hier und jetzt in Reichweite, wenn man es braucht. Das schafft Vertrauen. Wo globale und grenzüberschreitende Verbindungen abreissen, hält das Handwerk lokal zusammen.

 

Schwabl: Das hat mit Einbettung zu tun.

Benedikter: Ja, die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig die Verankerung von Wirtschaftskreisläufen ist. Hier ist das Handwerk nach wie vor einer der wichtigsten Bausteine im deutschsprachigen Raum. Corona hat die Bedeutung des Handwerks als kapillarer Wirtschaftsfaktor in Zeiten zunehmender Tiefenkrisen deutlich gemacht – also von Krisen, die zeitweise das System ausser Kraft setzen oder sogar Grundlegendes in Frage stellen.

 

Schwabl: Sie arbeiten an der Forschungseinrichtung Eurac in Bozen an solchen Fragen – ja Ihr Zentrum wurde sogar dafür gegründet und arbeitet aktiv mit deutschen Einrichtungen zusammen?

Benedikter: Ja. Wir sind am Eurac Center for Advanced Studies mit den grossen Zukunftsfragen beschäftigt und was sie für Südtirol bedeuten. Wir versuchen die Südtiroler Zukunft im grösseren Zusammenhang und im Austausch mit dem deutschsprachigen Raum zu verstehen. Dazu bestehen enge Kontakte mit Deutschland. Eine gemeinsame Frage ist die Zukunft der Klein- und Mittelbetriebe. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass zwei Faktoren dafür besonders wichtig sein werden: die Digitalisierung und die Zukunftsbildung.

 

Schwabl: Wo liegen die Stärken und die Schwächen, die Corona ja vielleicht nur nochmals verdeutlicht oder zugespitzt hat?

Benedikter: Wir stehen sehr gut da hinsichtlich Zusammenarbeit mit und Anerkennung in der Bevölkerung, Wertschöpfung und Arbeitsproduktivität, und auch was den Anteil des Wirtschaftsaufkommens im Gesamtbild betrifft. Das Handwerk ist zum Beispiel in Südtirol volkswirtschaftlich sogar wichtiger als der Tourismus, dessen Belastungen allmählich eine Grenze für die Bevölkerung erreichen. Die Schwächen liegen weniger in der Betriebsgrösse, die mit durchschnittlich unter 4 Mitarbeitern nicht nur (relativ) angreifbar ist, sondern im Gegenzug auch Krisen besser bewältigbar macht. Das hat also Vor- und Nachteile. Probleme liegen eher in der Geschlechterfrage mit zu wenigen Frauen und in der Investition in Forschung und Entwicklung. Während wir in Südtirol in allen anderen Belangen im europäischen Spitzenfeld liegen, sind wir in Forschung und Entwicklung unter den Schlusslichtern. Deutschland investiert pro Kopf 1200 Euro, der EU-Durchschnitt 600, Italien 380, Südtirol 290. Das passt nicht zusammen. Da müssen wir mehr tun – gerade wenn wir sehen, wie wichtig die Digitalisierung und andere technologische Innovationen gerade durch die Krise geworden sind.

 

Schwabl: Was brauchen wir jetzt?

Benedikter: Meiner Meinung nach dreierlei:

  1. Zukunftssicherheit mit Stützungen und Belastungsreduktionen, sowohl bürokratisch wie steuerlich;
  2. eine breitestmögliche Ausbildungsoffensive in neuen Technologien;
  3. eine systematische Auseinandersetzung mit Zukunftschancen in den Landesprogrammen. Wir müssen ein Programm für Zukunftsbildung im Handwerk lancieren, um zu verstehen, wo sich die Berufe hin entwickeln, und was dabei auf uns zukommt – worauf wir uns vorbereiten sollten. Das betrifft nicht nur die Zukunftsbereitschaft, die im Handwerk traditionell sehr hoch ist, sondern auch die Zukunftsbildung – wo wir noch nachlegen und verbessern können, damit gerade die Jungen in unseren Betrieben sich im Kopf auf das einstellen, was alles möglich ist.

Dabei sollten wir zwischen Zukunftsdenken und Zukunftsbildung unterscheiden, obwohl die beiden zusammenhängen.

 

Schwabl: Was meinen Sie mit Zukunftsdenken?

Benedikter: Zukunftsdenken meint nicht nur Planung, sondern Vorwegnahme von Situationen, Räumen, Zeiten. Wir nennen das „foresight“. Dazu muss ich viele Informationen kombinieren. Das findet heute 3-fach statt: mittels Datenprojektionsanalyse, „Horizonterkundung“ (horizon scanning) und Delphi-Studien, also durch interdisziplinäre Expertenbefragungen. Wir sollten alle drei verbinden – und dabei davon ausgehen, dass es nicht eine Zukunft gibt, sondern viele. Dazu gibt es übrigens auch ein leicht lesbares Büchlein in Gesprächsform, das man hier kostenlos erhalten kann.

 

Schwabl: Was genau ist mit Zukunftsbildung gemeint?

Benedikter: Das Thema ist: Wie verändern sich die Berufe im Handwerk? Da kommt im Kern die sogenannte „Futures Literacy“ ins Spiel. Futures Literacy, also wörtlich: „Zukünftebildung“, ist ein Ansatz der UNESCO, also der Bildungsorganisation der Vereinten Nationen. Bis 2020 stand er unter der Führung des Franko-Kanadiers Riel Miller. Es gibt inzwischen mehr als 30 Futures Literacy Laboratorien weltweit, wo Menschen aus verschiedenen angewandten Berufsgruppen sich treffen und eigene Erfahrungen mit den Voraussagen von Experten und globalen Vordenkern konfrontieren können. Es sind Laboratorien, die einen konkreten Mehrwert für die Beteiligten bringen, weil sie mitreden und ihre Anforderungen, Probleme und Ideen einbringen können. Wir wollen mit diesem Ansatz konkret arbeiten, um die „Zukunftsflexibilität im Kopf“ zu stärken und neue Ideen auszutauschen und umzusetzen. Das Handwerk könnte das zentral ins Bildungsprogramm aufnehmen – als Bindeglied zwischen lokalen Stärken und globalen Anforderungen.

 

Schwabl: Was ist jetzt zu tun?

Benedikter: Wir sollten Futures Literacy, Futures Literacy Laboratorien, Globalisierung und „Glokalisierung“, also die wechselseitigen Bezüge zwischen lokal und global, in der Berufsbildung für das Handwerk verankern. Um seine Zukunft zu sichern. Vielleicht sogar schon vorher in der Schule. Wir müssen dabei betreffend Innovation gar nicht überall die ersten sein – sogenannte prime movers –, sondern sollten eher auf early adapters hinzielen. Das heisst wir sollten unter den ersten sein, die Innovationen bedarfsbezogen, gewinnbringend und nachhaltig einführen. Dazu wurde zum Beispiel auch der NOI Technologiepark in Bozen eingerichtet.

 

Schwabl: Ihr Ausblick?

Benedikter: Zusammenfassend bildet das Handwerk ein Rückgrat der Wirtschaft. Es ist einer der konkret eingebettetsten Wirtschaftsbereiche, in vielerlei Hinsicht auch der kreislauforientierteste und damit der „glokal“ nachhaltigste. Das Handwerk ist und bleibt deshalb ein entscheidender strategischer Zukunftsfaktor. Zugleich kämpfen viele Betriebe mit Facharbeiter-Abwerbung und Versorgungs-Engpässen, aber auch mit den Pandemie-Auswirkungen. Wir sollten durchaus im Gemeininteresse alles tun, um sie zu stärken – zum Beispiel durch Entbürokratisierung und weitere Pandemie-Hilfen, wo sie notwendig sind. Im Moment schaut es ja nicht so aus, als ob diese Pandemie schon vorbei ist.


Roland Benedikter ist Co-Leiter des Centers for Advanced Studies der Eurac Bozen. Hannelore Schwabl arbeitet beim LVH Bozen.

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Vorwort



Liebe Leserinnen und Leser,

die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie sind belastend. Auch Handwerksbetriebe sind vom aktuellen „Wellenbrecher-Lockdown“ betroffen. Insbesondere das Kosmetiker-Handwerk kann weitgehend nicht seiner Arbeit nachkommen. Wir im Handwerk sind solidarisch mit Betrieben in Not. Wir setzen uns gegenüber der Landesregierung für schnelle und unbürokratische Hilfen ein und tun das Mögliche, um Betriebe in dieser schwierigen Lage zu beraten.

Bisher ist die wirtschaftliche Situation im Gesamthandwerk aber nach wie vor stabil. Die allermeisten Betriebe stehen trotz Krise gut da. Deswegen hat sich die WHKT-Vollversammlung bei ihrer jüngsten Zusammenkunft neben dem Corona-Krisenmanagement vor allem mit der Zukunft beschäftigt. Die Themen Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden uns in den kommenden Jahren besonders beschäftigen. Handwerk bietet jungen Leuten beste Perspektiven. Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ist uns auch deswegen ein entscheidendes Anliegen.

Das Aufstiegsversprechen des Handwerks richtet sich an alle gesellschaftlichen Schichten. Die Ausbildungsleistung der Betriebe hält unsere Gesellschaft zusammen. Deswegen braucht berufliche Bildung Anerkennung, Durchlässigkeit zu weiteren Bildungschancen sowie eben Gleichwertigkeit im Verhältnis zur akademischen Bildung. Das werden wir mit Nachdruck und auch Selbstbewusstsein in den kommenden Monaten gerade vor dem Hintergrund der Erfahrung der Corona-Krise vorbringen.

Mit freundlichem Gruß

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

WHKT-Herbst-Vollversammlung am 30.10.2020:

Das Handwerk zeigt sich stark in der Krise und nimmt selbstbewusst die großen Zukunftsthemen in den Blick

Im Rahmen der Vollversammlung des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT) haben die Spitzenvertreter der Handwerkskammern in NRW insgesamt drei Grundsatzpositionen für das Handwerk in NRW vereinbart: 1. Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung, 2. Berufsorientierung im Rahmen des Systems „Kein Abschluss ohne Anschluss (KAoA)“ sowie 3. Ehrenamtliches Engagement.

Der aktuelle „Wellenbrecher-Lockdown“ stellt Wirtschaft und Gesellschaft, Politik und Kultur auf eine harte Probe. Es geht um Existenzen, um Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Präsident Hans Hund betonte in seinem Bericht zur Lage des Handwerks, dass der WHKT sich mit ganzer Kraft für Betriebe in Not engagiere. Insbesondere das erneut von weitgehender Schließung betroffene Kosmetiker-Handwerk brauche schnelle Hilfen.

Gleichzeitig betonte Hund, dass das nordrhein-westfälische Handwerk in dieser Krise entscheidende Stütze der Wirtschaft sei. „Die wirtschaftliche Lage ist in den allermeisten Betrieben nach wie vor stabil. Das Handwerk bleibt Motor für Arbeits- und Ausbildungsplätze. Nirgendwo finden junge Leute derzeit bessere und sichere Perspektiven als im Handwerk“, so Hund.

Deswegen galt der Schwerpunkt der Vollversammlung neben dem Corona-Krisenmanagement vor allem der Blick in die Zukunft. „Auf die Themen Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit kommt es in den kommenden Jahren entscheidend an. Wir müssen jetzt die Weichen stellen, damit wir gut aus der Krise und sicher in die Zukunft kommen. Das Handwerk hat dabei allen Grund, optimistisch zu sein“, erklärte Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT.

Um die Zukunft in diesen Bereichen erfolgreich zu gestalten, haben sich die Mitglieder der WHKT-Vollversammlung – die Spitzenvertreter der Handwerkskammern in NRW –  per Videokonferenz abgestimmt, drei Grundsatzpositionen für das Handwerk entwickelt und diese verabschiedet.


1. Für die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung

Junge Menschen, die sich heute für eine betriebliche Ausbildung im Handwerk entscheiden, erwerben umfangreiche berufliche Handlungs- und Problemlösungskompetenzen und können im Anschluss weitere wichtige Karrierestufen meistern, bis hin zur beruflichen Selbstständigkeit oder auch in die Führungsetage des Mittelstands. Nach wie vor ist das Berufsbildungssystem im Handwerk allerdings benachteiligt. Benachteiligt gegenüber schulischen oder hochschulischen Bildungsgängen. Diese werden finanziell und strukturell in umfangreichem Maße von Bund, Ländern und Kommunen gefördert. Damit es hier zu einem Mehr an Gleichbehandlung kommt und zwischen der beruflichen und (hoch-)schulischen Bildung die notwendige Gleichwertigkeit hergestellt wird, hat die Vollversammlung des WHKT zehn Maßnahmen verabschiedet. Von der Schaffung eines Berufsbildungspaktes, über die Förderung von Azubiwohnheimen, bis hin zur Begabtenförderung und der Gleichberechtigten Berücksichtigung der Abschlüsse.

Link zur Position: https://www.whkt.de/fileadmin/user_upload/whkt/downloads/whkt-stellungnahmen-positionen/2020-10-30_Grundsatzposition_Gleichwertigkeit_VV_download.pdf


2. Das Handwerk steht zum systematischen Übergang von der Schule in den Beruf! – „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) 

Der Übergang von dem Schul- in das Berufsbildungssystem sollte sich vor allem daran ausrichten, welche Talente Schülerinnen und Schüler mitbringen sowie welche beruflichen Wünsche oder Interessen vorliegen. Diese lassen sich allerdings nur bedingt durch gute Berufsinformationen, Beratungen oder sonstige Medien und Formate identifizieren. Letztlich sind es die persönlichen Erlebnisse in der betrieblichen Praxis, die ein echtes Empfinden darüber vermitteln, ob der Beruf passt und ob die berufliche Wirklichkeit den jeweiligen Vorstellungen entsprechen. Das KAoA-System unterstützt genau dies. Es ermöglicht Schülerinnen und Schülern frühzeitig, auch die unternehmerische Praxis kennenzulernen, persönliche Erfahrungen zu sammeln und festzustellen, was am besten passt.

Das Handwerk in NRW hat in seiner KAoA-Position unterstützende Verbesserungsvorschläge für den Übergang von der Schule in den Beruf festgehalten, vor allem aber richtet es auch einen Appell nach innen. Handwerksbetriebe und -organisationen sollen sich stärker mit Praxisangeboten beteiligen, damit KAoA seinen Erfolg stärkt.

Link zur Position: https://www.whkt.de/fileadmin/user_upload/whkt/downloads/whkt-stellungnahmen-positionen/2020-10-30_Position_KAoA_VV_download.pdf


3. Für ehrenamtliches Engagement im Handwerk

„Das Fundament sichern. Das Handwerk stärken.“ lautet das Motto der Grundsatzposition „Ehrenamt“ der WHKT-Vollversammlung. Hintergrund ist, dass die tiefe ehrenamtliche Verankerung von Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen in den Gremien und Ausschüssen der handwerklichen Selbstverwaltung Garant für praxisorientierte Entscheidungen ist. Gerade in der aktuellen Corona-Krise zeigt sich, wie schnell und direkt die ehrenamtliche Beteiligung dafür gesorgt hat, dass die betrieblichen Auswirkungen der Pandemie gegenüber Politik und Verwaltung deutlich werden. Trotzdem fällt es zunehmend schwerer, ehrenamtliche Positionen mit jungen Handwerkerinnen und Handwerkern zu besetzen. Gerade junge Frauen sowie Menschen mit Zuwanderungserfahrung sind im handwerklichen Ehrenamt deutlich unterrepräsentiert. Die WHKT-Vollversammlung hat in seiner Grundsatzposition für das handwerkliche Ehrenamt den Beschluss gefasst, Maßnahmen einzuleiten, die das Ehrenamt stärken und junge Handwerkerinnen und Handwerker an die ehrenamtlichen Aufgaben besser heranführt. Hierzu gehört die Etablierung einer Ehrenamtsakademie des Handwerks in NRW (EAH), für dessen finanzielle Förderung gleichfalls das Wirtschaftsministerium in NRW gewonnen werden konnte.

Link zur Position: https://www.whkt.de/fileadmin/user_upload/whkt/downloads/whkt-stellungnahmen-positionen/2020-10-30_Grundsatzposition_Ehrenamtliches-Engagement_VV_download.pdf

Neben der Verabschiedung der Grundsatzpositionen stand der Dialog der WHKT-Vollversammlung mit Staatssekretär Christoph Dammermann aus dem NRW-Wirtschaftsministerium im Mittelpunkt. Inhalte des Gesprächs waren die großen Themen von morgen: Digitalisierung und Außenwirtschaft, Fachkräftesicherung und selbstverständlich die gemeinsame Bewältigung der Corona-Krise. Auf eine enge Partnerschaft zwischen Wirtschaftsministerium und Handwerkskammern wird es nach Überzeugung beider Seiten weiterhin ankommen.

Fotos zur WHKT-Vollversammlung finden Sie hier: https://www.whkt.de/owncloud/index.php/s/oUkAh5bVVUIi0ZZ

Beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks NRW 2020 werden 82 Landessiegerinnen und -sieger geehrt:

In der Pandemie ist die Wertschätzung des besten Nachwuchses besonders wichtig

In über 80 Wettbewerbsberufen wird der Leistungswettbewerb im Handwerk seit fast 70 Jahren jährlich ausgetragen. Corona-bedingt musste der Ablauf des Wettbewerbs auf Landesebene in NRW in diesem Jahr zwar umgestellt werden: Die Besten wurden in erster Linie per Notenvergleich in der Gesellenprüfung ermittelt und nicht in Form eines gesonderten Wettbewerbs. Doch die tolle Leistung der jungen Leute bleibt trotzdem bemerkenswert.

Insgesamt 82 Landessiegerinnen und -sieger aus NRW wurden identifiziert. Ihnen gebührt nicht nur viel Lob und Anerkennung auf Landesebene, sie haben im nächsten Schritt auch auf Bundesebene die Chance, mit ihrem Talent zu punkten.

„Die Ehrung der besten Gesellinnen und Gesellen des Handwerks in NRW findet traditionsgemäß in einem gebührenden Festakt statt. Auch wenn diese Schlussfeier in diesem Jahr ausfällt, wollen wir diese besonders engagierten und talentierten jungen Leute würdigen,“ betont Hans Hund, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT). „Wir gratulieren allen Siegerinnen und Siegern zu ihren großartigen Leistungen. Gerade in der diesjährigen Situation sind die hervorragenden Ergebnisse unter erschwerten Bedingungen entstanden. So galt es neben den Prüfungsleistungen gleichzeitig die wichtigen Corona-Schutzmaßnahmen einzuhalten.“ Das Engagement der Ausbildungsbetriebe lobt WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier. „Wir haben großen Respekt gerade vor denjenigen, die in den Betrieben ihr Wissen weitergeben und mit dafür sorgen, dass junge Menschen ihr Handwerk in so exzellenter Weise erlernen. Auch in der Pandemie ist das Handwerk ein Garant für gute Ausbildung.“

Im Rahmen der Schlussfeier war die besondere Ehrung in diesem Jahr durch Arbeitsminister Karl-Josef Laumann geplant. Anstelle der persönlichen Gratulation spricht Minister Laumann „seinen Stolz, dass das Handwerk in Nordrhein-Westfalen Exzellenz vorweisen kann“ in einem Brief aus, den jede Siegerin und jeder Sieger von ihm erhalten hat.

Eckdaten zum Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks: findet auf vier Ebenen statt (Innungs-, Kammer-, Landes- und Bundesebene) +++ in NRW 80-85 Wettbewerbsberufe +++ jährliche Durchführung +++ aus ca. 25.000 Prüfungsabsolventen einer Ausbildung wurden in diesem Jahr 82 Siegerinnen und Sieger ermittelt +++ Teilnehmende dürfen bei ihrer Gesellen- bzw. Abschlussprüfung das 27 Lebensjahr nicht vollendet haben +++ Qualifikationsvoraussetzung ist mindestens die Gesamtnote gut in der Prüfung +++ in 2020 wurden Teilnehmende anhand ihrer Prüfungsleistungen ermittelt +++ Siegerinnen und Sieger auf Landesebene erhalten eine Urkunde sowie ein Weiterbildungsstipendium in Höhe von 8.100,00 € +++ Der Wettbewerb wird gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW

Alle Siegerinnen und Sieger in den jeweiligen Berufen sind inklusive ihres Ausbildungsbetriebs hier zu finden.

Ort und Termin der Abschlussfeier des Leistungswettbewerbs 2021 steht gleichfalls bereits fest: Bielefeld, den 30.10.2021.

Bilanz am Ausbildungsmarkt 2019/2020:

Der Ausbildungsmarkt in NRW geht in die Verlängerung – Chancen im »fünften Quartal«

Burkhard Landers, Torsten Withake, Hans Hund (v.l.n.r.)

Für viele Unternehmen und Bewerberinnen und Bewerber wird es in diesem Jahr am Ausbildungsmarkt knapp. Ende September waren noch 8.900 Bewerber/innen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, gleichzeitig gab es fast 11.000 offene Stellen. Die Corona-Virus-Pandemie hat den Ausbildungsmarkt um mehrere Monate nach hinten verschoben. Bis zum Stichtag im September wurden weniger Ausbildungsverträge eingetragen als im Vorjahr: Der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) und die Industrie- und Handelskammern in NRW (IHK NRW) verzeichnen einen Rückgang. Die Verlängerung des Ausbildungsmarktes bis in den Januar hinein sollten Bewerber/innen wie Betriebe nutzen. Die Bundesagentur für Arbeit, IHK NRW und der WHKT läuteten bei einer gemeinsamen Zwischenbilanz das »fünfte Quartal«, die Nachvermittlungszeit* auf dem Ausbildungsmarkt ein.

»Wir sind uns einig, dass wir einen Corona-Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt in NRW verhindern müssen. Der Nachwuchs, den wir heute nicht ausbilden, fehlt der Wirtschaft in NRW in wenigen Jahren«, so Torsten Withake, Chef der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit (BA) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IHK NRW und WHKT. Die Auswirkungen der Corona-Virus-Pandemie haben die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in diesem Jahr deutlich geprägt. In der Zeit des Lockdowns im April, Mai und Juni gab der Ausbildungsmarkt bei den Stellenmeldungen wie bei der Zahl der Bewerberinnen und Bewerbern gegenüber anderen Jahren deutlich nach. So meldeten Unternehmen und Betriebe bis Juni für das aktuelle Ausbildungsjahr 99.507 Ausbildungsstellen und damit 9,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Noch deutlicher ging die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber zurück: Im Juni waren 12,1 Prozent und damit 13.981 junge Menschen weniger auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz als im Vorjahresmonat.

Ab Juli kam wieder mehr Bewegung in den Ausbildungsmarkt. Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber meldeten trotz der oft herausfordernden Situation neue Ausbildungsstellen. Bis Ende September wurden insgesamt 110.568 Ausbildungsstellen bei den Agenturen für Arbeit gemeldet. Trotz der Belebung auf dem Ausbildungsmarkt im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 7,8 Prozent (9.363 Stellen). Die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber stieg bis Ende September auf 115.639 junge Menschen. Allerdings suchten ein Jahr zuvor noch 128.508 junge Frauen und Männer einen Ausbildungsplatz. Dies bedeutet einen Rückgang um 10,0 Prozent.

IHK NRW und WHKT unterstreichen, dass die Unternehmen trotz der Krise an ihrem Ausbildungsengagement festhalten. So seien in den letzten Monaten sogar mehr Ausbildungsplätze angeboten und mehr Verträge abgeschlossen worden als in den Vorjahresmonaten. Unter dem Strich stehe zum aktuellen Stichtag im Vergleich zum Vorjahr aber dennoch ein Minus bei den Ausbildungsverträgen. Bis Ende September wurden von den Industrie- und Handelskammern in NRW 58.380 Ausbildungsverträge abgeschlossen (minus 15,1 Prozent), bei den Handwerkskammern waren es 25.171 Ausbildungsverträge (minus 10,1 Prozent). IHK NRW und der WHKT sehen dafür vor allem zwei Hauptgründe: fehlende Kontaktmöglichkeiten zwischen Jugendlichen und Betrieben und drastische Geschäftseinschränkungen in manchen Branchen.

Bestehende Ausbildungsverhältnisse hingegen haben sich als sehr stabil erwiesen. Eine Umfrage der IHK-Organisation hat ergeben, dass nur 0,5 Prozent der Betriebe Ausbildungsverträge lösen mussten. »Die meisten Unternehmen haben selbst auf dem Höhepunkt der ersten Covid-Welle und danach Wege gefunden, weiter auszubilden. Ein eindrucksvoller Beweis, wie robust und zukunftssicher die duale Ausbildung in Deutschland ist. Mein Rat an alle jungen Menschen, die sich nicht sicher sind, wo sie die Reise hinführen soll: Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz stehen auch jetzt im Herbst noch sehr gut – es ist nicht zu spät!« sagte Burkhard Landers, Vize-Präsident von IHK NRW.

Jetzt komme es darauf an, die nächsten Monate für den Ausbildungsmarkt in NRW zu nutzen und Bewerberinnen und Bewerber und Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber erfolgreich zusammenzubringen. Sowohl die Industrie- und Handelskammern als auch die Handwerkskammern werden bis in den Januar hinein Ausbildungsverträge eintragen.

»Die Betriebe des Handwerks in NRW erleben trotz Corona-Pandemie in den allermeisten Geschäftsbereichen eine gute Konjunktur. Daher wird im Handwerk weiter auf hohem Niveau ausgebildet und junge Menschen erleben, wie das duale Berufsbildungssystem Talente fördert – vom ersten Tag der Ausbildung, bis hin zum Meistertitel und zur Selbstständigkeit. Die Chancen im Handwerk stehen gut, ergreifen muss man sie selbst! Unsere Betriebe helfen dabei und appellieren an alle Jugendlichen, sich auch jetzt noch um einen Ausbildungsplatz im Handwerk zu kümmern und nicht auf das nächste Jahr zu warten«, sagte Hans Hund, Präsident des WHKT.

Der Ausbildungsmarkt geht im 5. Quartal in die Verlängerung: Jugendliche in Nordrhein-Westfalen können durch die Nachvermittlungsaktionen der Bundesagentur für Arbeit und der Kammern noch später ihre Ausbildung beginnen.

»Auf dem Ausbildungsmarkt beginnt jetzt mit dem 5. Quartal die in diesem Jahr entscheidende Phase. Wir hatten in den vergangenen Jahren bereits in vielen Branchen Fachkräfteengpässe. Damit sich diese nicht durch Corona zusätzlich verschärfen, müssen wir in NRW besonders darauf achten, dass wir trotz aller schwierigen Einschränkungen den Ausbildungsmarkt auf Kurs halten und unser Ziel erreichen, dass die Zahl der Ausbildungsmöglichkeiten in NRW stabil bleibt«, sagte Withake. »So sind in den vergangenen Monaten die Beratungsmöglichkeiten der Agenturen ausgebaut und weiterentwickelt worden – digital, aber auch vor Ort, in den Agenturen für Arbeit und in den Schulen. Mir ist wichtig, dass jeder junge Erwachsene ihre und seine Chance für den Start in die berufliche Zukunft erhält.«

Die BA NRW, IHK NRW und der WHKT, sind sich einig: Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz stehen weiterhin gut und es ist noch nicht zu spät. Ende September gab es 10.958 freie Stellen und damit 8,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Außerdem gab es zum Stichtag 30.09.20 landesweit mehr freie Ausbildungsstellen als unversorgte Bewerberinnen und Bewerber. 8.900 junge Menschen waren noch auf der Suche nach einem dualen Ausbildungsplatz.

(*Das Berufsberatungsjahr beginnt im Oktober und endet im September des folgenden Jahres, da die meisten dualen Ausbildungen i.d.R. im August oder September starten. Von November bis in den Januar läuft die Nachvermittlungszeit, das sogenannte „5.Quartal“, in der noch Ausbildungen begonnen werden können.)


Weitere Informationen:

Detaillierte statistische Daten und Grafiken zum Ausbildungsmarkt finden Sie unter https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Statistiken/Fachstatistiken/Ausbildungsmarkt/Ausbildungsmarkt-Nav.html .

Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in Nordrhein-Westfalen sowie hilfreiche Links zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten finden junge Menschen und ihre Eltern unter https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/rd-nrw/zukunftklarmachen.

Kontakte für Ausbildungsplatzsuchende bei den IHKs in NRW und die IHK-Lehrstellenbörse sind hier zu finden: https://www.ihk-nrw.de/beitrag/kontakte-ausbildungsplatzsuche-nrw

Die Online-Plattform der Handwerkskammern in NRW und des Westdeutschen Handwerkskammertages unter dem Motto »Finde dein Handwerk« finden Sie unter https://www.whkt.de/findedeinhandwerk/

 

Mobilität für Azubis:

Azubi-Ticket ist Erfolg für Azubis und Unternehmen

WHKT-Präsident Hans Hund, Verkehrsminister Hendrik Wüst (r.)

Nach einem erfolgreichen Start mit direkt 5.000 verkauften Tickets sind inzwischen mehr als 15.000 Auszubildende in Nordrhein-Westfalen mit dem Monatsticket »NRWupgradeAzubi« im ÖPNV auch über die Tarifgrenzen der Verkehrsverbünde hinaus mobil.

Im August 2019 und pünktlich zum Beginn des vergangenen Ausbildungsjahres hatten die Verkehrsverbünde das Upgrade-Ticket mit maßgeblicher Beteiligung und Förderung des Verkehrsministeriums Nordrhein-Westfalen eingeführt. Rund ein Jahr später tauschten sich Verkehrsminister Hendrik Wüst, Hans Hund, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT), Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, und Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer der IHK NRW, mit Auszubildenden sowie Ausbildern über ihre Erfahrungen mit dem landesweiten Azubi-Ticket aus. Die einhellige Meinung: Das landesweite Azubi-Ticket ist ein Erfolg – für Azubis und Unternehmen. Denn günstige und unkomplizierte Mobilitätsangebote sind ein wichtiges Kriterium bei der Wahl eines Ausbildungsbetriebes.

»Mit dem Azubi-Ticket machen wir Auszubildende in ganz Nordrhein-Westfalen mobil – und zwar über Verbundgrenzen hinweg! Diese Mobilitäts-Flatrate ist gut für die Azubis und für den Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen, denn Ausbildung darf nicht an den Tarifgrenzen der Verkehrsverbünde scheitern,« so Verkehrsminister Hendrik Wüst. »Dass das landesweite Azubi-Ticket so ein Erfolg ist, freut mich persönlich und bestätigt uns in unserem Ziel.«

Im landesweiten Wettbewerb um die besten Auszubildenden ist das NRWupgradeAzubi ein Vorteil für Unternehmen. Hans Hund, Präsident des WHKT betonte: »Wir freuen uns, dass Nordrhein-Westfalen im Bereich der Mobilität, den Weg der Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung eingeschlagen hat. Das Azubi-Ticket bietet eine große Chance für Unternehmen, sich für Auszubildende noch attraktiver aufzustellen. Wir ermutigen unsere Betriebe, das Ticket zu nutzen und wissen, dass viele Unternehmen ihre Auszubildenden dabei unterstützen.«

Das landesweite NRWupgradeAzubi kann für 20 Euro als Zuschlag auf Azubi-Tickets erworben werden, die verbundweit in den Verkehrsverbünden Rhein-Ruhr (VRR), Rhein-Sieg (VRS), dem Aachener Verkehrsverbund (AVV) oder im Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) gültig sind. Diese liegen zwischen 60,70 Euro und 62 Euro im Monat. Mit den Verkehrsverbünden wurde vereinbart, dass das landesweite Zuschlagsticket bis Ende Juli 2023 nicht teurer wird. Das Land fördert das Azubi-Ticket jährlich mit insgesamt rund neun Millionen Euro. Ein verbundübergreifendes Ticket hat vor Einführung des NRWupgradeAzubi im Schnitt 160 Euro gekostet.

Der Zuschuss zum Ticket ist für die Arbeitgeber als Betriebsausgabe steuerlich absetzbar. Auszubildende müssen Zuschüsse oder die komplette Übernahme der Kosten durch die Ausbildungsbetriebe nicht als geldwerten Vorteil versteuern, wenn der Arbeitgeber den Zuschuss freiwillig leistet.

Enorm kreativ und innovativ:

DesignTalente Handwerk NRW 2020 ausgezeichnet

Am 11.10.2020 fand das spannende Finale des Wettbewerbs »DesignTalente Handwerk NRW 2020« in der Handwerkskammer Düsseldorf statt. Spannend vor allem für die anwesenden Nominierten, da die Preisträgerinnen und Preisträger erst während der Siegerehrung bekanntgegeben wurden.

Nachdem sich Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart zunächst einen Überblick über die ausgestellten Objekte verschaffte und Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, als Hausherr die Begrüßung vornahm, machte ein Talk zum Thema »Design im Handwerk« die Bedeutung der Förderung von jungen Designtalenten im NRW-Handwerk deutlich. 

»Gutes Design bedeutet für das Handwerk Anziehungskraft im doppelten Sinne: Es zieht Kunden an, es zieht aber vor allem auch junge Leute an, die die Gestaltungskraft des Handwerks und seine beruflichen Chancen entdecken«, so WHKT-Präsident Hans Hund. Minister Pinkwart betonte: »Die enorme Kreativität und Innovationsbereitschaft der Preisträgerinnen und Preisträger zeigt, dass das Handwerk junge Talente gewinnen kann. Es ist beeindruckend, mit wie viel Leidenschaft und Einsatz junge Handwerkerinnen und Handwerker ihre Gestaltungsideen verwirklichen.« Mit Blick in die Zukunft hob WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier hervor: »Die Wettbewerbsbeiträge zeigen, Handwerk passt in die Zeit und vor allem in die Zukunft. Die Arbeiten der jungen Handwerkerinnen und Handwerker sind qualitativ hochwertig, langlebig und nachhaltig in der Verarbeitung.«

Unter Beifall gaben anschließend Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart sowie WHKT-Präsident Hans Hund die Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs »DesignTalente Handwerk NRW 2020« bekannt.

Die Preisträgerinnen und Preisträger 2020 sind:
    • Kim Becker, Köln, im Themenbereich MÖBEL
    • Bastian Maiwald, Gummersbach, im Themenbereich MÖBEL
    • Felix Schloms, Alsdorf, im Themenbereich SKULPTUREN
    • Anna Katharina Wunderlich, Horstmar, im Themenbereich SCHMUCK
    • Lara Lipinski, Münster, im Themenbereich MEDIEN sowie
    • Nikolas Miranda, Münster, im Themenbereich WOHNEN & Sonderpreis

Im Anschluss an die Preisverleihung, zu der coronabedingt nur die nominierten Designtalente sowie die Vertreterinnen und Vertreter der Handwerkskammern und Jurymitglieder eingeladen waren, wurde die Ausstellung zum Wettbewerb eröffnet, die bis zum 24.10.2020 in der Handwerkskammer Düsseldorf zu sehen war.

Wer sich ein Bild vom Wettbewerb 2020 machen will, der wird fündig im Webkatalog mit den Jurytexten, allen Ausstellerinnen und Ausstellern sowie Preisträgerinnen und Preisträgern unter www.designtalente-handwerk-nrw.de/2020. Weitere Informationen zum Wettbewerb allgemein unter: www.designtalente-handwerk-nrw.de.

Mit dem Wettbewerb bietet der WHKT alle zwei Jahre jungen Handwerkerinnen und Handwerkern die Möglichkeit, ihre praxistauglichen und hochwertigen Lösungen der Öffentlichkeit zu präsentieren und ist mit einem Preisgeld von je 3.000 Euro dotiert. Der Wettbewerb steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Armin Laschet und wird gefördert vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW.

Bildmaterial unter: www.whkt.de/owncloud/index.php/s/zMdQVa8KUc2BF9t 

Preisverleihung verschoben:

Integrationspreis Handwerk in NRW

Mit dem Integrationspreis des Handwerks in NRW zeichnen die sieben Handwerkskammern in NRW alle zwei Jahre jeweils einen Handwerksbetrieb ihres Kammerbezirks für besondere Integrationsleistungen aus. Der Preis ist jeweils mit 500 € dotiert und wird vom Integrationsminister und stv. Ministerpräsidenten des Landes NRW, Dr. Joachim Stamp, überreicht. Wichtiger als die Prämie ist allerdings die öffentlichkeitswirksame Anerkennung der Integrationsleistungen auf beiden Seiten. Betriebe und Handwerkerinnen und Handwerker mit Zuwanderungserfahrung sind hochmotiviert und zeigen, wie erfolgreiches Integrationsmanagement funktioniert. Gerade im Handwerk hat die Integration ausländischer Fachkräfte eine lange Tradition und über die strukturellen Rahmenbedingungen in den eher kleinen und mittleren Unternehmen werden vielfach sehr individuelle Lösungen gemeinsam gefunden. Eine wichtige Voraussetzung für gute Integrationsleistungen.     

Die Koordinierung des Wettbewerbs im Jahr 2020 hat, wie bereits 2018, der WHKT übernommen. Für die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger haben die Handwerkskammern jeweils Aufrufe gestartet und die eingerichteten Jurys bis Ende September ihre Entscheidungen dem WHKT mitgeteilt. Im Jahr 2020 lag der besondere Fokus auf die Integration geflüchteter Frauen ins Handwerk. Gerade hier gilt es, zahlreiche Hürden zu meistern und gerade hier besteht besonderer Handlungsbedarf.

Coronabedingt wurde die für November 2020 geplante Preisverleihung verschoben. Über den neuen Termin wird der WHKT rechtzeitig informieren.

Wissenschaftliche Begleitung wertet aus:

Erkennbar hoher Nutzen für Teilnehmende an Validierungsverfahren

Seit Projektbeginn wird ValiKom Transfer vom Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) an der Universität zu Köln wissenschaftlich begleitet. Jetzt hat das FBH erste Evaluationsergebnisse präsentiert. Frau Dr. Wirtherle vom FBH stellte beispielsweise erste Erkenntnisse zu den Zielen und dem Nutzen des Validierungsverfahrens aus Sicht der Teilnehmenden vor. Für rund 2/3 der Befragungsteilnehmenden war etwa das Ziel wichtig, neue Aufgaben im Unternehmen übernehmen zu können. Knapp 80 Prozent der Teilnehmenden gaben an, dieses Ziel mit ihrer Validierung erreicht zu haben.

Das eigene Arbeitsprofil zu verändern bzw. zu erweitern, stellt aber nur einen von mehreren Gründen dar, die den Nutzen des Verfahrens für die Teilnehmenden beschreiben. Neben dem persönlichen Nutzen spielt der Aspekt der Weiterbildung, aber auch der Arbeitsplatzsicherung eine große Rolle.

Der Stichtag der Zwischenauswertung war der 29. Februar dieses Jahres. Bis zu diesem Tag hatten 1.985 Personen Kontakt mit den Projektkammern aufgenommen und sich über das Verfahren informiert. Eine anschließende Beratung hatten 1.316 Personen in Anspruch genommen. 555 Personen hatten bis Ende Februar ihren Antrag bei der Kammer eingereicht und 344 Teilnehmende haben bis dahin ihre Fremdbewertung absolviert. Die Gründe, warum es bei den restlichen Interessenten nicht zu einem Verfahren gekommen ist, sind unterschiedlich. Bei einem großen Anteil ist es so, dass ihr Beruf aktuell nicht im Projekt angeboten wird. Zudem informieren die Kammern zu Beginn des Verfahrens die Interessierten über alternative Verfahren, die besser zum individuellen Ziel passen, wie die Externenprüfung, Zugangswege in die berufliche Weiterbildung oder die Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen. Diese Verweisberatungen machen von allen bislang bekannten Gründen 20 Prozent aus, warum das Verfahren nicht fortgesetzt wurde.

Wer die Menschen sind, die am Projekt teilgenommen haben, auch darüber konnte das FBH einen Überblick geben. So sind bisher 71% der Teilnehmenden männlich und im Schnitt 41 Jahre alt. 

Das Gesamtfazit von Frau Dr. Wirtherle zum Verfahren lautet: »Das Validierungsverfahren bietet den Teilnehmenden eine gute Möglichkeit, verpasste Chancen auszugleichen und Validierung als positive, selbstwertsteigernde Erfahrung mit dem beruflichen Bildungssystem wahrzunehmen.« Dazu würden maßgeblich die persönliche Beratung und Begleitung der Kammern beitragen, da sie die Teilnehmenden ermutigen, statt Hürden aufzubauen.

Die Informationen vom FBH wurden mit Spannung von allen Projektbeteiligten aufgenommen. Der Rahmen für die wissenschaftliche Präsentation waren Sitzungen Anfang Oktober mit allen Akteuren des Projekts. Virtuell zusammengekommen sind die Mitglieder der Projektsteuerungsgruppe, des Beirats sowie der Arbeitsgruppe. Die Treffen dienten dazu, sich über die Entwicklung des Projekts auszutauschen, über den aktuellen Stand zu informieren und Herausforderungen zu benennen, die in der letzten Projektphase angegangen werden sollen, denn mit Beginn des Monats Oktober ist ValiKom Transfer in das letzte Projektjahr gestartet.

An dem Verbundprojekt ValiKom Transfer sind elf Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, zwei Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt. Gefördert wird das Projekt zur Feststellung informell und non-formal erworbener beruflicher Kompetenzen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Weitere Informationen unter www.validierungsverfahren.de.

 

Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen:

Beispielsammlung zu Anwendungsfällen für Qualifikationsanalysen

Bei fehlenden schriftlichen Nachweisen sehen Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren nach BQFG und den vergleichbaren Landesgesetzen die Durchführung von sogenannten »sonstigen Verfahren« (Qualifikationsanalysen) als Ausnahmeregelung vor.

Gibt es neben fehlenden oder nicht aussagekräftigen Nachweisen weitere Anwendungsfälle für eine Qualifikationsanalyse?

Die jetzt online erschienene Publikation »Anwendungsfälle des § 14 BQFG« des Verbund-Projekts »Netzwerk Qualifikationsanalyse«, konzipiert und federführend erstellt durch den WHKT, möchte zuständigen Stellen das breite Spektrum für die Anwendungsmöglichkeiten der »sonstigen Verfahren« aufzeigen. Mittels realer Fälle verschiedener Handwerkskammern, der IHK FOSA sowie der Ärztekammer Sachsen-Anhalt wird veranschaulicht, wie die verschiedenen Ausgangslagen für Qualifikationsanalysen konkret in der Praxis aussehen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zuständigen Stellen können die Online-Publikation im geschützten »Expertise- und Wissenspool Qualifikationsanalysen« auf dem Anerkennungsportal herunterladen: https://www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/pro/expertise-wissenspool.php oder unter der E-Mail-Adresse remedios.lansch-grote@whkt.de beim WHKT anfordern.

Informationen zum Projekt »NetQA« finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

Virtuelle Konferenz:

Europäische Woche der Berufsbildung

Vom 9. bis zum 13. November 2020 organisiert die Europäische Kommission in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung die fünfte Europäische Woche der Berufsbildung (Englisch: European Vocational Skills Week). Einer der Höhepunkte der Woche ist die Fachkonferenz »Higher up! VET Excellence for Green and Digital Transitions« am 11. und 12. November 2020.

Die Europäische Woche der Berufsbildung findet in diesem Jahr coronabedingt in einem virtuellen Konferenzraum statt. Das Programm der Woche sowie die Möglichkeit zur Anmeldung steht unter folgendem Link zur Verfügung: www.eac-events.eu/website/3001/

Die Anmeldung ist für alle Interessierten offen und kostenlos. Die Anzahl der Plätze ist nicht begrenzt.

Zuschauer konnten im Live-Stream ihre Fragen zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie stellen:

Round-Table-Gespräch mit Arbeitsminister Karl-Josef Laumann

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf Wirtschaft und Handwerk aus? Welche Herausforderungen ergeben sich für Ausbildungs- und Fachkräftemarkt? Wo benötigen Unternehmen Unterstützung, um die Folgen der Krise zu bewältigen?

Beim Round-Table-Gespräch HANDWERK LIVE in der Handwerkskammer Dortmund am Donnerstag, 29. Oktober,  diskutierten NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, HWK-Präsident Berthold Schröder, Kreishandwerksmeister Christan Sprenger sowie die Vorsitzende der Agentur für Arbeit Dortmund, Heike Bettermann, Strategien, um die Betriebe in Zeiten von Abstandsregeln und Hygienevorschriften nachhaltig bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen und den Ausbildungsmarkt zu stimulieren.

Das Gespräch wurde live auf YouTube übertragen. Die Zuschauer konnten aktiv und ganz bequem von überall dabei sein und ihre Fragen an die Gesprächsteilnehmer richten.

Unter https://youtu.be/0jQJcVgiuGk können Sie den Stream noch einmal in voller Länge sehen.

Weitere Informationen finden unter https://www.hwk-do.de/artikel/round-table-gespraech-mit-arbeitsminister-karl-josef-laumann-37,0,753.html

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

das Handwerk zeigt sich in der Corona-Krise insgesamt als Stabilitätsanker: die Arbeitsplätze sind verlässlich, die Zukunftsperspektiven gut. Die konjunkturelle Lage im Handwerk ist besser als in vielen anderen Wirtschaftsbereichen. Bessere Argumente für die Ausbildungschancen im Handwerk kann es eigentlich nicht geben. Und doch ist es für viele Betriebe nach wie vor schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden. 

Wir lassen auch deswegen nicht nach, uns beständig für die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung einzusetzen. Das, was für Studenten und Hochschulen möglich ist, muss auch für die berufliche Ausbildung gelten. Eine aktualisierte Grundsatzposition zum Thema Gleichwertigkeit wird die WHKT-Vollversammlung Ende Oktober beraten. 

Zu Recht bezeichnen Bundes- und Landesregierung das Handwerk als Rückgrat in der Krise. Doch damit das so bleibt, braucht es mehr Rückenwind – gerade für unsere Azubis und die Ausbildungsbetriebe im Handwerk. 

Eine traurige Nachricht hat uns am vergangenen Sonntag erreicht: Der ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Wolfgang Clement hat sich als Ministerpräsident, Landes- und Bundesminister immer für das nordrhein-westfälische Handwerk stark gemacht. Sein Name bleibt unter anderem eng mit der so wichtigen Meistergründungsprämie im Handwerk verbunden. Wir im Handwerk werden Wolfgang Clement ein ehrendes Andenken bewahren. 

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer

 

Bewegende Geschichten:

Treffpunkt Ehrenamt bot Bühne für ehrenamtliches Engagement

»Heute wollen wir das Ehrenamt ins Schaufenster stellen«, so eröffnete WHKT-Präsident Hans Hund den 6. Treffpunkt Ehrenamt, der am 18.09.2020 auf Schloss Raesfeld coronabedingt in kleinerem Rahmen als in den Vorjahren stattfand.

Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT, betonte, dass man gerade in der Corona-Zeit ehrenamtlichem Engagement den Rücken stärken müsse. Deswegen habe man sich dazu entschlossen, trotz strenger Hygieneregeln, die Veranstaltung durchzuführen, wenn auch mit deutlich weniger Gästen als in den Vorjahren und coronabedingt sitzend an einer großen »Tafel des Ehrenamts«.

Beim Treffpunkt Ehrenamt gehe es auch darum, Geschichten zu hören, um sie weiterzutragen, so Hans Hund weiter. Sie zeigten, dass das Handwerk eine sensible Rolle habe für gesellschaftliche Anliegen. Diese gelte es in die nächste Generation zu tragen. Und bewegende Geschichten gab es viele, als sieben Handwerkerinnen und Handwerker an der »Tafel des Ehrenamts« über ihr vielfältiges Engagement berichteten.

Anschließend verlieh Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart den Ehrenamtspreis des Handwerks NRW an Elektronikermeister Markus Laudenberg aus Bergisch-Gladbach, Teilnehmer des Treffpunkt Ehrenamt des Jahres 2019, für seine Aktivitäten im Verein Nepal & Wir. »Mit dem ‚Ehrenamtspreis Handwerk NRW‘ wollen wir das ehrenamtliche Engagement stärken und insbesondere junge Menschen dabei unterstützen, sich einzubringen. Das Ehrenamt hat im Handwerk eine lange Tradition. Die Bedeutung haben wir zuletzt in der Corona-Krise erlebt: Nur durch das besondere Engagement der Handwerksorganisationen konnten Prüfungen weiter stattfinden und so dem Fachkräftemangel begegnet werden. Dafür danke ich allen Beteiligten«, so Minister Pinkwart.

Mit dem Treffpunkt Ehrenamt würdigt der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) seit Jahren das ehrenamtliche Engagement der Handwerkerinnen und Handwerker in Nordrhein-Westfalen.

Er wird gefördert vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Hintergründe zum Treffpunkt Ehrenamt sind verfügbar unter www.ehrenamt-handwerk-nrw.de/home/treffpunkt-ehrenamt/.

Meistertag NRW:

Gründerinnen und Gründer im Handwerk brauchen gerade jetzt Rückenwind

Rund 20 junge Gründerinnen und Gründer aus dem nordrhein-westfälischen Handwerk konnten am 04.09.2020 im Rahmen des 9. Meistertag NRW ihre Bescheide für die Meistergründungsprämie in Empfang nehmen – unter Einhaltung der coronabedingten Abstands- und Hygieneregeln selbstverständlich.

An der Veranstaltung, zu der der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) in die Alte Schlossfabrik in Solingen eingeladen hatte, nahmen etwa 80 ausgewählte Gäste teil, darunter neben NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart, WHKT-Präsident Hans Hund, LGH-Vorsitzender Berthold Schröder sowie dem Präsidenten der Handwerkskammer Düsseldorf, Andreas Ehlert, zahlreiche weitere Akteurinnen und Akteure aus Politik und Wirtschaft.

NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart, WHKT-Präsident Hans Hund, LGH-Vorsitzender Berthold Schröder sowie der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, Andreas Ehlert, tauschten sich in einer Talkrunde aus, die von WDR-Journalistin Gisela Steinhauer moderiert  wurde. Daneben bot der Meistertag drei jungen Meistergründungsprämienempfängern die Gelegenheit, zu Wort zu kommen. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Insbesondere bei den Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen muss mehr Begeisterung für die handwerkliche Berufsausbildung entfacht werden.

Ein weiteres Highlight war der Vortrag von Keynote-Speaker Sven Schöpker, Tischlermeister und Geschäftsführer der Firma Raumfabrik, mit wertvollen Tipps für junge Existenzgründerinnen und -gründer. Zentrale Aussage: »Zeigt, was eure Arbeit wert ist!«

Im Jahr 2020 wurden bislang über 300 Anträge für Meistergründungsprämienempfängerinnen und -empfänger bewilligt. 

Der Meistertag NRW wird gefördert vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW.

Fotos zur Veranstaltung stehen unter folgendem Link zur Verfügung: https://www.whkt.de/owncloud/index.php/s/Mml1U0VnHNSpaTF

Design ist anziehend:

Preisverleihung und Ausstellungseröffnung zum Wettbewerb »DesignTalente Handwerk NRW 2020« am 11.10.2020

Die Preisverleihung und Ausstellungseröffnung des Wettbewerbs »DesignTalente Handwerk NRW 2020« steht kurz bevor: Am 11. Oktober 2020 werden die Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs feierlich bekanntgegeben sowie von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart und Hans Hund, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT), geehrt.

»Der diesjährige Wettbewerb hat die Anziehungskraft von gutem Design im Handwerk bereits jetzt eindrucksvoll unter Beweis gestellt«, so Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT. »Zum einen anziehend im Werben um kreativen Fachkräfte-Nachwuchs, zum anderen für Kunden als greifbares Ergebnis von individuellen Kundenwünschen im Handwerk. Deswegen ist der Wettbewerb dem Westdeutschen Handwerkskammertag so wichtig«, so Heidmeier weiter.

Die Preisverleihung findet am Sonntag, den 11. Oktober 2020 um 11:00 Uhr in der Handwerkskammer Düsseldorf, Georg-Schulhoff-Platz 1, 40221 Düsseldorf, statt. Aufgrund der aktuellen coronabedingten Situation ist für die Preisverleihung nur eine begrenzte Teilnehmerzahl zugelassen.

Die Preisverleihung ist zugleich Startschuss für die Ausstellung in der Handwerkskammer Düsseldorf, in der die von der Fachjury zugelassenen Wettbewerbsarbeiten vom 12. Oktober bis zum 25. Oktober 2020 (Montag bis Freitag von 09.00–18.00 Uhr, samstags von 09.00–14.00 Uhr, sonn- und feiertags geschlossen) zu sehen sein werden.

Der Wettbewerb wird vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Weitere Informationen unter www.designtalente-handwerk-nrw.de

Ganz im Zeichen der Bewältigung der Corona-Folgen:

Ausbildungskonsens beschließt Handlungskonzept

Duale Ausbildung hat bei allen Partnern des Ausbildungskonsenses wieder Priorität, nachdem andere Krisenbewältigungen das Thema fünf Monate, der eigentlichen Hoch-Zeit des Ausbildungsmarktes, überlagerte. Von März bis Juli bahnt sich üblicherweise das Gros der Ausbildungsverträge an. Dieses Jahr fanden weder Veranstaltungen für Schulabgänger, noch Vermittlungsbörsen im üblichen Umfang statt. Digitale Formate konnten die fehlenden Kontaktanbahnungen zwischen Ausbildungsbetrieben und Lehrstellensuchenden nicht ausgleichen. Die Unsicherheiten vieler potentieller Vertragspartner waren groß.

Der Ausbildungskonsens NRW hat die Lage detailliert analysiert und gleichermaßen im Sinne der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz und Ausbildungsbetriebe ohne Auszubildende ein Handlungskonzept zur Sicherung der Ausbildung auch in Zeiten von Corona im Spitzengespräch am 12. August 2020 beschlossen.

Es wurde die weitere Vorgehensweise zur Abfederung und zum Ausgleich von negativen coronabedingten Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt in NRW vereinbart, u. a. wie man die am stärksten betroffenen Regionen ermittelt. Insgesamt 13 Maßnahmen – bezogen auf drei Themenfelder – wurden vereinbart. Die Schaffung von Ausbildungsplatzangeboten in den Regionen, in denen es zu wenig Stellen gibt, die Aktivierung von Bewerberinnen und Bewerbern sowie die Umsetzung des Matchings in Regionen mit zu wenig Bewerbern und Bewerberinnen und zuletzt die Unterstützung von Auszubildenden zur Fortführung ihrer Ausbildung, wenn der Betrieb von Insolvenz betroffen ist.

Der Beschluss ist auf der Website des Arbeitsministeriums zu finden oder beim WHKT per Mail an martina.scharla@whkt.de erhältlich.

Gemeinsame Pressekonferenz:

Ausbildungsverträge müssen fortlaufend abgeschlossen werden

Weil Anfang September noch weit über 28.000 Ausbildungsplätze in NRW unbesetzt waren, haben die Akteure des Ausbildungsmarktes der dualen Ausbildung öffentlich den Rücken gestärkt und mit einer gemeinsamen Pressekonferenz von WHKT, RD NRW, MAGS NRW, IHK NRW, DGB und unternehmer nrwam 9. September 2020 in einem Ausbildungsbetrieb in Düsseldorf für das intensive Matching zwischen Bewerber/innen und Ausbildungsplätzen geworben. Jungen Menschen Mut zu machen, den Berufseinstieg mit einer dualen Ausbildung und ihren guten Perspektiven zu beginnen – das ist das Ziel, gerade auch in der Corona-Krise. Für den Abschluss von Ausbildungsverträgen ist es auch im September, Oktober und November sicher nicht zu spät. Verträge können Lehrstellensuchende fortlaufend abschließen. Unternehmen und Berufsschulen sind darauf eingestellt.

Das Handwerk macht sich erhebliche Sorgen, die Vielzahl offener Ausbildungsplätze nicht besetzen zu können. Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT, sagte anlässlich der Pressekonferenz: »Das Handwerk ist Stabilitätsanker und bietet auch in der Coronakrise beste Beschäftigungsperspektiven. Unsere Ausbildungsbetriebe suchen aktuell noch in nahezu allen Regionen und Berufen Auszubildende, auch noch zum sofortigen Einstieg in die Ausbildung. Wer sich engagiert und interessiert, hat im Handwerk beste Chancen auf einen Anschluss nach der Schule oder Hochschule. Der direkte Zugang zu Ausbildungsbetrieben geht ganz einfach über die Plattform Finde Dein Handwerk

Nicht nur in Krisenzeiten wichtig:

Unternehmensanalysen für Handwerksbetriebe

Die Arbeiten der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) an den neuen Betriebsvergleichen laufen auf Hochtouren. Während mit den Friseuren die erste Branche vor ihrem Abschluss steht, haben nordrhein-westfälische Handwerksbetriebe in den weiteren Branchen noch die Chance, sich zu beteiligen und sich eine kostenlose Unternehmensanalyse zu sichern.

»Planungen und Zielsetzungen der Entscheidungsträger können mit diesen Informationen wesentlich besser fundiert werden als mit Analyseinstrumenten, die nur das einzelne Unternehmen im Blickfeld haben«, so LGH-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier.

Die Unternehmensanalysen der LGH basieren auf Betriebsvergleichsdaten und geben den Handwerksbetrieben wichtige Impulse, indem sie helfen, u.a. die betriebswirtschaftliche Situation einzuschätzen, Stärken und Schwächen aufzudecken oder die Auswirkungen der Krise auf die Geschäftszahlen darzustellen.

Neben dem Vergleich des Stundensatzes mit den Durchschnittswerten anderer Betriebe aus derselben Branche bieten die Analysen eine Vielzahl weiterer betriebswirtschaftlicher Kennzahlen. Die Berechnungen der Kennzahlen lassen sich durch das detaillierte Aufzeigen der betriebswirtschaftlichen Zahlen logisch nachvollziehen. Hier liegt der besondere Wert der LGH-Betriebsvergleiche, denn sie bieten zusammen mit den Unternehmensanalysen die Möglichkeit, zu erkennen, wo und in welcher Höhe im Handwerksbetrieb Kosten anfallen und wie sich diese im Verhältnis zu gleichartigen Betrieben darstellen.

Betriebsvergleiche können so die Urteilsbildung der Unternehmer mit einer objektiven, betriebswirtschaftlichen Informationsbasis unterstützen.

Weitere Informationen stehen unter www.lgh.nrw/index.php/service/betriebsvergleiche zur Verfügung. Kontakt: Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.V., Lars Polomski, Tel.: 0211/30108 410, Mail: polomski@lgh.de

Europa:

Klima im Brennpunkt

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat in ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union angekündigt, vorzuschlagen, das europäische Emissionsminderungsziel für Treibhausgasemissionen von 40% bis 2030 auf mindestens 55% im Vergleich zum Basisjahr 1990 anzuheben. Am Folgetag, dem 17. September 2020, hat die Europäische Kommission einen entsprechenden Vorschlag samt Folgenabschätzung vorlegt. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hatte Tage zuvor mehrheitlich 60% gefordert, auch 65% standen im Raum. Um Zahlen wird derzeit intensiv gestritten. Interessanter ist dabei aber eigentlich die Frage: Was heißt die Anhebung konkret?

Sicher ist, dass eine Anhebung des Ambitionsniveaus Gesetzesänderungen nach sich zieht. Die Europäische Kommission hat deswegen angekündigt, zum Sommer 2021 den gesamten energie- und klimapolitischen Akquis auf den Prüfstand zu stellen. Dieses Vorhaben ist nicht nur umfangreich, es ist auch für das Handwerk höchst relevant. Stellschrauben gibt es an verschiedensten Stellen: Gebäude, Verkehr, Produkte, Energieversorgung und -effizienz etc. Möglicherweise führen die Änderungen sogar zu einem Umbau der Gesamtarchitektur aus ETS und Lastenteilung.

Welche Stellschrauben verändert werden, ist noch offen. Die Europäische Kommission scheint zu einem Modell zu tendieren, welches den Anwendungsbereich des Emissionshandels erweitert und parallel den bestehenden Regulierungsrahmen anpasst. In der Presse bereits nachzulesen waren Pläne, beim CO2-Verbrauch von Neufahrzeugen – Kfz, leichte Nutzfahrzeuge und Lkw – nachzusteuern. Parallel dazu werden die Vorgaben für öffentliche Lade-Infrastrukuren überprüft. Hier geht es um den Ausbau öffentlich zugänglicher Elektroladepunkte sowie um die Perspektiven von Gas und Wasserstoff als Kraftstoffe. Auch die Energiesteuerrichtlinie könnte Auswirkungen auf die Verkehrspolitik haben, denn der Druck ist hoch, Vergünstigungen für Diesel zu unterbinden und die Energiesteuerrichtlinie insgesamt stärker an CO2-Emissionen auszurichten.

Ein großes Thema ist absehbar auch der Bereich Gebäude. Voraussichtlich im Oktober 2020 veröffentlicht die Europäische Kommission eine Initiative namens »Renovierungswelle«. Damit verbindet sie unter anderem Mindestanforderungen für die energetisch am schlechtesten bewerteten Gebäude und Anreize für eine beschleunigte energetische Sanierung öffentlicher Gebäude. Auswirkungen auf Gebäude gehen auch von der angekündigten Überarbeitung der Energieeffizienz- und der erneuerbare Energien-Richtlinien aus. Wärmeversorgung wird ein Thema werden, Wasserstoffanwendungen und das Thema Renovierungspflichten für öffentliche Gebäude könnte erneut aufflammen. Anlagentechnisch relevant ist Ökodesign. Zu erwarten ist, dass sich der Druck verstärkt, über Ökodesign mittelfristig fossil betriebene Heizungsanlagen vom Markt zu verdrängen.

Als relativ sicher kann gelten, dass sich Parlament und Rat auf eine Anhebung des Ambitionsniveaus einigen werden. Die Zahl wird verhandelt. Entscheidend ist, den Vorlauf bis zum Sommer 2021 zu nutzen, um sich inhaltlich auf Änderungen vorzubereiten, um nach Möglichkeit mit gestalten zu können. Denn die Liste möglicher Stellschrauben ist lang.

Projekt ValiKom Transfer:

August bisher stärkster Monat für Fremdbewertungen

Mit 60 Fremdbewertungen sind im August die bisher meisten Bewertungen innerhalb eines Monats durchgeführt worden. Nachdem es im Februar mit 51 Zertifizierungen den vorläufigen Höhepunkt in diesem Jahr gegeben hatte, brachte der Lockdown Mitte März einen deutlichen Einbruch. Erst Mitte Mai wurden wieder mehr Fremdbewertungen – insgesamt 22 – durchgeführt. Seitdem ist die Zahl der Bewertungen kontinuierlich gestiegen. Eine erfreuliche Entwicklung nach der Corona-Zwangspause.

Pilothaft konnten in dieser Zeit berufliche Kompetenzen digital validiert werden. Und zwar Berufe, die am PC ausgeübt werden, wie der Beruf Mediengestalter/in oder Kauffrau/Kaufmann für Büromanagement.

Inzwischen finden die Schulungen von Berufsexpertinnen und  -experten  wieder in Präsenz statt. Nachdem die Bewerterschulungen coronabedingt von März bis Mai komplett ausfallen mussten, konnten sie im Juni digital angeboten werden. Seit Juli führt die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) wieder Schulungen vor Ort durch – unter Einhaltung der geltenden Hygienebestimmungen und Abstandsregelungen. So haben seit Juli vier Schulungen als Präsenzveranstaltung stattgefunden. Insgesamt wurden bislang 413 Berufsexpertinnen und -experten geschult, die die beruflichen Kompetenzen von Teilnehmenden im Rahmen des Projekts ValiKom Transfer bewerten.

An dem Verbundprojekt ValiKom Transfer sind elf Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, zwei Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Weitere Informationen unter www.validierungsverfahren.de.

Afrika:

WHKT-Experten kehren an ihre Arbeitsplätze in der Côte d’Ivoire und in Tansania zurück

Die beiden Langzeitexperten der WHKT-Berufsbildungspartnerschaften (BBP) in der Côte d’Ivoire und in Tansania sind nach einem längeren, coronabedingten »Zwangsaufenthalt« in ihrer deutschen Heimat wieder an ihre Arbeitsplätze vor Ort zurückgekehrt. Mit einem strengen Hygienekonzept im Koffer und unter genauer Beobachtung der jeweiligen Pandemie-Entwicklung hatten beide Mitarbeitenden den dringenden Wunsch, wieder im Land selber die Projekte voranzutreiben.

Elke Müller, Tischlermeisterin und Langzeitexpertin des WHKT in der Côte d’Ivoire, flog bereits Mitte August zu ihrem Einsatzort zurück. Dort startete sie im September eine Rundreise zu verschiedenen Bildungszentren im ganzen Land, um sich einen genauen Überblick über den Ausbildungsstand ivorischer Tischlerinnen und Tischler zu verschaffen sowie geeignete Kooperationspartner für Schulungsmaßnahmen zu identifizieren.

Das Projekt fokussiert sich insbesondere auf den Aufbau von Kompetenzen der Partnerorganisation, der nationalen Handwerkskammer der Côte d’Ivoire. Dabei geht es zum einen um die Erprobung eines Geschäftsmodells für ein Tischler-Ausbildungs- und Produktionszentrum. Dieses soll nicht nur Aus- und Weiterbildungskurse anbieten, sondern auch als Maschinenhof für die Produktion lokaler Betriebe zur Verfügung gestellt werden. Zum anderen gilt es, das Image des Handwerks im Land zu verbessern. Dabei setzt der WHKT auf Erfahrungen, die das deutsche Handwerk mit seiner Kampagne gemacht hat.

Der Langzeitexperte des bereits seit 2017 laufenden BBP-Projektes in Tansania, Thomas Rehberg, landete am 16. September in Arusha. Vor Ort wird der Meister für Kraftfahrzeugmechanik die Fortschritte der nach der Erntezeit nun wieder im Bildungszentrum in Babati eintreffenden Auszubildenden aus dem ersten und zweiten Lehrjahr im Bereich Land- und Baumaschinenmechanik prüfen und die Umsetzung der zweiten Projektphase steuern. Bereits 46 Auszubildende aus rund 20 Betrieben nehmen an den Pilotlehrgängen in Babati teil, eine dritte Gruppe beginnt ihre Ausbildung im Januar 2021.

Empfangen wird Rehberg vor Ort mit offenen Armen, wurde doch schon die erste Projektphase von der tansanischen Partnerorganisation VETA (Vocational Education and Training Authority) durchweg als positiv bewertet. So sagte jüngst Felix Ole Ndukai, Bildungsstättenleiter in Babati: »Gerade der handlungsorientierte Unterricht der Kurzzeitexperten aus dem deutschen Handwerk hat zu einer spürbaren Kompetenzverbesserung unserer Ausbilderinnen und Ausbilder geführt. In Tansania ist das Bildungssystem sehr theorielastig, weswegen die duale Ausbildung mit ihrem hohen Praxisanteil für uns eine enorme Umstellung bedeutet. Wir sehen aber gerade darin eine große Chance, die duale Ausbildung in unser Bildungssystem zu integrieren und dadurch die Qualität der handwerklichen Ausbildung in unserem Land zu steigern.«

Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)«:

Die IQ NRW Web-App – ein Erfolgsmodell

Mit wenigen Klicks zur Anerkennungsberatung. Das ist im IQ Netzwerk NRW möglich. Das Tool hilft dabei, Beratungen per Telefon, E-Mail oder per Videochat zu vermitteln.

Über die Web-App des mobilen Beratungsteams des IQ Netzwerks NRW beim WHKT wird Ratsuchenden mit einer ausländischen Berufsqualifikation ein unkomplizierter Zugang zur Beratung über den digitalen Weg ermöglicht. Mittels eines QR-Codes gelangen die Ratsuchenden zur Beratungsanmeldung. Schritt für Schritt und in zehn Sprachen werden sie durch die Beratungsanmeldung geführt. Die Beratung findet je nach Bedarf per E-Mail, telefonisch oder über einen Videochat statt. Zu jeder Zeit der Anmeldung und der folgenden Beratung ist für die Datensicherheit gesorgt.

Die Digitalisierung der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung über die Web-App wurde zunächst coronabedingt ausgeweitet und wird auch weiterhin ständig erweitert und verbessert. Damit ist dies ein zukunftsweisendes Beispiel für digitales Lernen und Arbeiten.

Die Web-App ist bereits seit 2017 ein Erfolgsmodell und in NRW bekannt. Viele Ratsuchende erreichen sie direkt über die Website des IQ Netzwerks NRW. Auch Arbeitsverwaltungen, Jobcenter und Behörden verweisen ihre Kund/innen an sie. Durchschnittlich erhält die mobile Beratung derzeit im Monat ca. 100 Anfragen. Das Beratungsangebot unterstützt die Arbeit der Arbeitsverwaltung, die ebenfalls zunehmend digitalisiert wird und ist auch im Hinblick auf das Fachkräfteeinwanderungsgesetz zukunftsweisend. Sie ist flexibel und vor allem ressourcenschonend einsetzbar, auch als Ergänzung zur Face-to-Face-Beratung – eine digitale Möglichkeit, die örtlich und zeitlich unabhängig den Beratungsbedarf bedient. Damit wird auch eine weitere Klientengruppe angesprochen: Diejenigen, die aus persönlichen Gründen eine digitale Beratung vorziehen.

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Handwerk, Design, angewandte Kunst:

Bewerbungsphase für den Staatspreis MANUFACTUM gestartet

Seit dem 1. September läuft die Bewerbungsphase für den Wettbewerb MANUFACTUM 2021, der alle zwei Jahre stattfindet. Teilnehmen können alle Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker ab dem vollendeten 25. Lebensjahr, die in Nordrhein-Westfalen leben und arbeiten. Die Besten von ihnen werden mit dem Staatspreis ausgezeichnet. 

Der traditionsreiche Wettbewerb, den die Landesregierung ausschreibt, hat mit neuem Konzept an Attraktivität gewonnen und gehört mit insgesamt 60.000 Euro Preisgeld zu den bedeutenden Kunstpreisen in Deutschland. Er rückt das Unikat, das handgefertigte Einzelstück, in den Mittelpunkt.

2021 werden zum 30. Mal Handwerk, Design und angewandte Kunst auf höchstem Niveau einem breiten Publikum präsentiert. Die Wichtigkeit der Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund (MKK) unterstreicht die Landesregierung durch die Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Armin Laschet. Die feierliche Verleihung der Staatspreise erfolgt am 24. April 2021.

Handwerkliche Präzision und innovative Gestaltung sind ebenso gefragt wie der experimentelle Umgang mit dem Material. Der Begriff Kunsthandwerk ist nicht eng auszulegen. Bewertet werden die Idee, die Gestaltung, die materialgerechte Umsetzung und die Technik. Experimentelle Arbeiten, die diesen Kriterien entsprechen, sind ausdrücklich erwünscht.

Der Wettbewerb erfolgt mehrstufig. In der ersten Phase bewirbt man sich mit Bildern und einer aussagekräftigen Beschreibung. Wer nominiert wird, bringt seine Arbeit Anfang März 2021 nach Dortmund ins Museum und ist in der engen Auswahl um den Einzug in die Ausstellung und den Staatspreis dabei.

Es gibt sechs Themenbereiche: Bild- und Druckmedien, Möbel, Kleidung & Textil, Objekt und Skulptur, Schmuck, Wohnen und Außenbereich. Die einzelnen Kategorien sind mit je 10.000 Euro dotiert.

Die Bewerbungsphase läuft noch bis zum 31.01.2021.

Weitere Informationen und Bewerbung im Internet: www.staatspreis-manufactum.de

Auch für Handwerksbetriebe interessant:

Bewerbungen zum Umweltwirtschaftspreis.NRW noch bis 9. Oktober möglich

Noch bis zum 9.10.2020 läuft die Bewerbungsphase des »Umweltwirtschaftspreis.NRW«, mit dem das nordrhein-westfälische Umweltministerium und die NRW.BANK die Vorreiterrolle Nordrhein-Westfalens in der Umweltwirtschaft weiter ausbauen und innovative Zukunftsideen fördern möchte. Der Preis würdigt kleine und mittlere Unternehmen, die erfolgreiches unternehmerisches Handeln mit Ressourcenschonung und Klimaschutz verbinden und ist somit auch für Handwerksbetriebe interessant.

Ausgelobt wird der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit der NRW.BANK. Besonderes Augenmerk legt die Expertenjury bei der Auswahl der Preisträger auf die ökologische Wirkung der Produkte und Dienstleistungen, den Innovationscharakter, dem Nutzen für die Gesellschaft sowie dem wirtschaftlichen Erfolg. »Mit dem Kriterienkatalog bilden wir das ab, was nachhaltiger Umweltschutz heute sein soll und gerade im Handwerk vielerorts bereits ist: Ein selbstverständlicher Bestandteil der Leistungserstellung«, so Matthias Heidmeier, WHKT-Hauptgeschäftsführer und Mitglied der Expertenjury.  

Zur Teilnahme am Umweltwirtschaftspreis.NRW berechtigt sind Unternehmen mit Hauptsitz in Nordrhein-Westfalen, die in einem Feld der Umweltwirtschaft aktiv sind. Nähere Angaben hierzu sowie sämtliche Teilnahmeunterlagen stehen online: www.umweltwirtschaftspreis.nrw.

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Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

in der Corona-Krise zeigt sich das Handwerk insgesamt als verlässlich und krisensicher. Wann, wenn nicht jetzt haben wir gute Argumente, junge Leute ins Handwerk zu holen? Doch unsere Achillesferse ist selbst in diesen Zeiten der Corona-Krise der Mangel an Nachwuchs. Die Fachkräfte-Frage bleibt auf der Agenda des Handwerks ganz oben. 

Für eine berufliche Zukunft im Handwerk sprechen viele gute Argumente. Die duale Aus- und Weiterbildung steht der akademischen in nichts nach. Doch warum tun sich viele Betriebe trotzdem schwer, Nachwuchs zu finden?

Die Überzeugungsarbeit für das Handwerk braucht offenbar keine Sprint-, sondern Marathonqualitäten. Wir haben es nicht zuletzt mit gesamtgesellschaftlichen Fehleinschätzungen von Berufsperspektiven zu tun, die sich über Jahre aufgebaut haben.

Eines der vielen guten Argumente für das Handwerk ist übrigens das hervorragende Design vieler handwerklicher Produkte. Selbstgeschaffene Möbel und zahlreiche andere Qualitätsprodukte stehen im Mittelpunkt unseres großen Wettbewerbs »DesignTalente Handwerk NRW«, der in diesem Jahr durchgeführt wird. Es ist beeindruckend, welche hohe gestalterische Qualität durch junge Leute mit Leidenschaft und handwerklichem Können entstehen kann. Das zeigt: Tolles handwerkliches Design kann auch auf beruflichen Nachwuchs anziehend wirken. In jedem Fall gilt: Die berufliche Ausbildung bleibt der Schlüssel für die Zukunft des Handwerks. 

Neben Ausbildung sind Aufträge fürs Handwerk entscheidend. Wie die Landesregierung die Auftragsvergaben der öffentlichen Hand ankurbeln will, erläutert uns Ministerin Ina Scharrenbach in einem Gastbeitrag für die aktuelle Ausgabe unseres WHKT-Reports. Wir freuen uns über Ihr Interesse.


Bleiben Sie gesund!

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

Gemeinsam aus der Corona-Krise! Kommunalpolitischer Aufruf des nordrhein-westfälischen Handwerks

Beschluss des Vorstandes von HANDWERK.NRW, Juli 2020

Bei den Kommunalwahlen am 13. September 2020 werden die politischen Weichen in den Gemeinden, Städten und Kreisen des Landes Nordrhein-Westfalen neu gestellt. Das nordrhein-westfälische Handwerk hat dazu bereits im November 2019 seine grundsätzlichen Erwartungen ausführlich dargelegt.

Die Corona-Pandemie stellt uns alle nun vor gewaltige, zusätzliche Herausforderungen – bei der Eindämmung des Infektionsgeschehens ebenso wie bei der Bewältigung der Folgen, die die notwendigen Schutzmaßnahmen auf das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben haben. Auch die Kommunen sind in besonderer Weise gefordert und stehen unter großem Druck. Nur mit starken, leistungsfähigen Kommunen werden wir die Corona-Pandemie bekämpfen und ihre wirtschaftlichen und sozialen Folgen auffangen können. Nur mit starken, leistungsfähigen Kommunen werden die Transformationsprozesse gelingen, aus denen neues Wachstum und höhere Wettbewerbsfähigkeit hervorgehen.

Auf folgende Punkte kommt es aus Sicht des Handwerks jetzt besonders an:

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Hürden für Förderung liegen hoch:

Ausbildungsprämien können ab sofort beantragt werden

Mit der Veröffentlichung der Förderrichtlinien unter Bereitstellung von Antragsformularen seit dem 1. bzw. 3. August 2020 können Ausbildungsbetriebe Prämien aus dem Förderprogramm des Bundes »Ausbildungsplätze sichern« beantragen. Die Antragsformulare sind zu finden auf der Website www.arbeitsagentur.de/unternehmen/finanziell/bundesprogramm-ausbildungsplaetze-sichern.

Schaut man sich die Antragsformulare genauer an, so erkennt man, dass dies kein unbürokratisches Antragsverfahren ist. Die Anträge sind zu stellen beim Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit, d.h. die Arbeitsagentur vor Ort entscheidet über den Antrag.

Die meisten Ausbildungsbetriebe schauen, ob sie eine »Ausbildungsprämie« oder eine »Ausbildungsprämie plus« erhalten können, weil sie gleich viel oder mehr ausbilden als in den Vorjahren. Dabei wird aktuell noch geklärt, welche Verträge aus der Vergangenheit alle berücksichtigt werden müssen. Nach unserem aktuellen Informationstand wird dann der Durchschnitt aus den drei zurückliegenden Jahren berechnet (auf eine Stelle hinter dem Komma immer abgerundet) und mit dem Stand für das Ausbildungjahr 2020/2021 verglichen. Um die Prämie erhalten zu können gilt zusätzlich, dass die Beschäftigten in der ersten Jahreshälfte 2020 mindestens einen Monat in Kurzarbeit gearbeitet haben müssen oder der Umsatz des Ausbildungsbetriebs im April und Mai 2020 im Vergleich zu April und Mai 2019 durchschnittlich um mindestens 60 Prozent eingebrochen sein muss. Ausgezahlt wird die Prämie erst, wenn Auszubildende nach Ende der Probezeit noch im Ausbildungsvertrag sind.

Ferner gibt es den »Zuschuss zur Ausbildungsvergütung« zur Vermeidung von Kurzarbeit und die »Übernahmeprämie«, wenn ein Auszubildender aus einem Insolvenzbetrieb aufgenommen wird. Weitere Details zu den einzelnen Voraussetzungen sind auch unter oben stehendem Link zu finden.

410 Mio. € stehen bundesweit für diese Förderinstrumente zur Verfügung.

Interessant bleibt zu beobachten, inwieweit Betriebe aus dem ausbildungsintensiven Handwerk von der Förderung partizipieren können.

Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW 2020:

Die Nominierten stehen fest

Im Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW stehen die Nominierten für 2020 fest: Von allen angemeldeten Wettbewerbsarbeiten des unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Armin Laschet stehenden Wettbewerbs hat die Fachjury insgesamt 46 Arbeiten zur Ausstellung zugelassen. Wer von den Nominierten Preisträgerin bzw. Preisträger ist, wird erst während der Siegerehrung unter Teilnahme von NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart am 11. Oktober 2020 in der Handwerkskammer Düsseldorf bekanntgegeben.

Die Nominierten 2020 und ihre Arbeiten, die in der Ausstellung vom 11.–25. Oktober 2020 in der Handwerkskammer Düsseldorf zu sehen sein werden, hat der Westdeutsche Handwerkskammertag auf der Seite www.designtalente-handwerk-nrw.de veröffentlicht.

In diesem Jahr haben insgesamt fast 100 junge Handwerkerinnen und Handwerker die Chance ergriffen und sich mit 170 qualitativ hochwertigen Designarbeiten in den Themenbereichen Möbel, Skulpturen, Schmuck, Kleidung, Medien und Wohnen zum Wettbewerb angemeldet.

Der Wettbewerb wird gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die Webseite zum Wettbewerb finden Sie unter: www.designtalente-handwerk-nrw.de 

Jetzt mitmachen:

Digitaler »Tag des Handwerks 2020« am 19. September 2020

Auf Deutschlands Handwerker ist Verlass – rund um die Uhr. Anlässlich des 10. Tages des Handwerks am 19. September 2020 soll das mit einem einzigartigen Videoprojekt für ganz Deutschland auf handwerk.de sichtbar werden. Das 24-Stunden-Video-Projekt gibt Einblick in den Tag von Handwerkerinnen und Handwerkern. Über 5 Millionen Handwerkerinnen und Handwerker sind aufgefordert, mit einem kurzen Handyvideo Teil dieser großen Gemeinschaftsaktion zu werden. Bis zum 6. September 2020 können diese auf www.handwerk.de/tdh2020 hochgeladen werden. Die eingereichten Videos werden zusammen mit einer kurzen Erläuterung zur ausgeübten Tätigkeit am 19. September 2020 auf www.handwerk.de veröffentlicht.

Webseite online:

Förderprogramm »Digital jetzt« – Antragstellung ab 7. September 2020 möglich

Die Webseite zum neuen Förderprogramm »Digital jetzt« vom BMWi ist online und bietet Antworten auf Fragen rund um die Förderung. Die Antragstellung wird voraussichtlich ab 7. September 2020 über ein Online-Antragstool möglich sein, das dann auf der Seite freigeschaltet wird.

www.bmwi.de/digital-jetzt

Handwerk in Expertenjury vertreten:

Umweltwirtschaftspreis.NRW erstmals ausgelobt

Mit dem neu ausgelobten »Umweltwirtschaftspreis.NRW« wollen das nordrhein-westfälische Umweltministerium und die NRW.BANK die Vorreiterrolle Nordrhein-Westfalens in der Umweltwirtschaft weiter ausbauen und innovative Zukunftsideen fördern. Der Preis würdigt kleine und mittlere Unternehmen, die erfolgreiches unternehmerisches Handeln mit Ressourcenschonung und Klimaschutz verbinden.

Ausgelobt wird der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV) gemeinsam mit der NRW.BANK. Auf das Siegerunternehmen wartet eine Prämie in Höhe von 30.000 Euro, der zweite Platz wird mit 20.000 Euro und der dritte mit 10.000 Euro belohnt.

Die Auswahl erfolgt über eine Expertenjury aus Wirtschaft und Politik. Diese legt ihr Augenmerk insbesondere auf die ökologische Wirkung der Produkte und Dienstleistungen, den Innovationscharakter, dem Nutzen für die Gesellschaft sowie dem wirtschaftlichen Erfolg. »Mit dem Kriterienkatalog bilden wir das ab, was nachhaltiger Umweltschutz heute sein soll und gerade im Handwerk vielerorts bereits ist: Ein selbstverständlicher Bestandteil der Leistungserstellung«, so Matthias Heidmeier, WHKT-Hauptgeschäftsführer und Mitglied der Expertenjury.  

Zur Teilnahme am Umweltwirtschaftspreis.NRW berechtigt, sind Unternehmen mit Hauptsitz in Nordrhein-Westfalen, die in einem Feld der Umweltwirtschaft aktiv sind. Nähere Angaben hierzu sowie sämtliche Teilnahmeunterlagen stehen online: www.umweltwirtschaftspreis.nrw.

Unternehmen aus NRW können ihre Bewerbungsunterlagen online noch bis zum 9. Oktober 2020 einreichen. Die Preisverleihung ist für Ende des Jahres in Düsseldorf geplant.

Projekt NetQA:

Digitaler Austausch und Online-Seminare zu Qualifikationsanalysen

Die ersten Online-Seminare für Beauftragte der zuständigen Stellen rund um das Thema Qualifikationsanalysen werden seit Juli 2020 durch die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) angeboten. Gestartet wurde am 20. Juli 2020 mit einem Online-Format zu den Grundlagen des »sonstigen Verfahrens« gemäß § 14 BQFG für Anerkennungssachberatende der Handwerkskammern. Im Rahmen des Verbund-Projekts werden zwei weitere Module angeboten. Vertiefend stehen bei Modul II die Durchführung des Kompetenzfeststellungsverfahrens sowie die Bewertungsstandards im Vordergrund. Dieses Modul ist auch für erfahrene Beraterinnen und Berater gedacht. Beim dritten Modul geht es um die besonderen Anforderungen an die Beratung der speziellen Zielgruppe. Im Fokus stehen hier interkulturelle Kompetenzen sowie Beratungs-kompetenzen aber auch sprachliche Hilfen. Die Online-Seminare sollen im fortlaufenden Rhythmus – ebenso für Anerkennungsberatende der Industrie- und Handelskammern und für Beauftragte anderer zuständiger Stellen nach dem BQFG Bund – angeboten werden.

Die Corona-Krise hat auch bei der Vernetzung als Katalysator für die Digitalisierung der Angebote gewirkt: In Folge der zuvor in Präsenz stattgefundenen regionalen Austauschtreffen hat am 17. Juni 2020 der erste virtuelle Austausch für Anerkennungsberaterinnen und -berater der Industrie- und Handelskammern stattgefunden. Der bundesweite Austausch fand regen Anklang.

Am 25. Juni 2020 waren die Beauftragten der Handwerkskammern und IHKn in Rheinland-Pfalz und im Saarland zum Austausch geladen. Bei dieser digitalen Veranstaltung standen unter anderem die Beratungspraxis und Durchführung von Qualifikationsanalysen in Corona-Zeiten aber auch Anfragen zum neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz im Mittelpunkt. Austauschformate für weitere Bundesländer sind bereits in Planung.

Informationen zum Projekt »NetQA« finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz:

Bundesweites Stipendienprogramm »Restaurator im Handwerk«

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz vergibt auch im Jahr 2020 bis zu 10 Stipendien á 3.000 Euro für die Fortbildung zum geprüften »Restaurator im Handwerk«.

Bewerben können sich alle Interessenten, die eine erfolgreich bestandene Meisterprüfung nachweisen können sowie erste Erfahrungen im Umgang mit denkmalgeschützten Bauten oder Altbauten, insbesondere mit Arbeiten im Rahmen der Pflege, Erhaltung und Erneuerung historischer Bausubstanz haben (bitte Angabe von Referenzobjekten).

Bewerbungsschluss ist der 30. September 2020.

Weitere Informationen zum Stipendienprogramm: www.denkmalschutz.de/denkmale-erleben/stipendienprogramm-restaurator-im-handwerk.html

Bewerbungsstart für den GRÜNDERPREIS NRW 2020:

60.000 Euro Preisgeld für die besten Gründerinnen und Gründer des Landes

Ab sofort können sich Unternehmensgründerinnen und Unternehmensgründer aus Nordrhein-Westfalen für den diesjährigen GRÜNDERPREIS NRW 2020 bewerben und insgesamt 60.000 Euro Preisgeld gewinnen. Der vom Wirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen und der NRW.BANK ausgerichtete Wettbewerb, der bereits zum neunten Mal durchgeführt wird, steht dieses Jahr unter einem ganz besonderen Vorzeichen.
 
»Wir wissen, dass auch viele junge Unternehmen durch die Corona-Pandemie stark belastet sind. Gerade in dieser Zeit möchten wir mit dem Gründerpreis öffentliche Aufmerksamkeit auf die mutigen Unternehmerinnen und Unternehmer lenken, die mit ihren Innovationen daran mitwirken, dass wir gut aus der Krise herauskommen«, so Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart.

Einen besonderen Appell richtet Jury-Vorsitzende Prof. Dr. Christine Volkmann an Gründerinnen und Unternehmensnachfolgerinnen und -nachfolger: »Frauen gründen immer häufiger, sind aber immer noch unterrepräsentiert. Das spiegelt sich auch beim GRÜNDERPREIS NRW wider. Seien Sie mutig – wir freuen uns auf alle Bewerbungen von Gründerinnen des Landes.« Gleiches gilt auch für Unternehmensnachfolgerinnen und Unternehmensnachfolger, deren Herausforderungen mindestens so groß sind wie bei einer Gründung und die explizit mit ihrer Bewerbung für den GRÜNDERPREIS NRW willkommen sind.

Der GRÜNDERPREIS NRW 2020 richtet sich an Unternehmen aller Branchen, die zwischen 2015 und 2018 in Nordrhein-Westfalen gegründet wurden. Ob Handwerksbetrieb, Gastronomie, Technologie-Start-up, Industrieunternehmen, Nachfolgeunternehmen oder etwas völlig anderes: Alle Unternehmen sind aufgerufen, sich zu bewerben. Zu den Auswahlkriterien gehören der wirtschaftliche Erfolg und die Kreativität der Geschäftsidee. Außerdem fließen Ansätze zu gesellschaftlichem Engagement, Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Familienfreundlichkeit ein.

Das Preisgeld von insgesamt 60.000 Euro wird von der NRW.BANK gestiftet (1. Platz: 30.000 Euro, 2. Platz: 20.000 Euro, 3. Platz: 10.000 Euro). Damit zählt der GRÜNDERPREIS NRW zu den bundesweit höchst dotierten Wettbewerben für Gründerinnen und Gründer und erfreut sich großer Wertschätzung in der Gründerszene sowie seit Jahren steigender Bewerberzahlen. Alle nominierten jungen Unternehmen können sich auf diese Weise einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen. 
 
Die diesjährige Preisverleihung findet am 30. November 2020 in Düsseldorf statt. Weitere Informationen zum Wettbewerb und die elektronischen Teilnahmeunterlagen finden Sie im Internet unter www.gründerpreis.nrw.

Neu erschienen:

Handwerksstatistik 2019/2020 als Download verfügbar

Während im Laufe des Jahres sukzessive diejenigen Themenbereiche der Handwerksstatistik veröffentlicht wurden, zu denen offizielles Datenmaterial vorlag, liegen nun die Zahlen für alle Themenbereiche vor, sodass die Gesamtausgabe der Statistik 2018/2019 zur Verfügung steht. 

Die ausschließlich digital erscheinende Handwerksstatistik 2018/2019 des WHKT, die umfassendes Zahlenmaterial zu den Themenbereichen »Handwerk im Überblick«, »Betriebsstatistik«, »Handwerksunternehmen«, »Ausbildungsverhältnisse«, »Gesellenprüfungen«, »Meisterprüfungen« sowie »Fort- und Weiterbildungen« bietet, steht als Download bereit unter www.whkt.de/statistik/.

 

Gastbeitrag: Kommunale Vergabegrundsätze Nordrhein-Westfalen – Öffentliche Investitionen beschleunigen

Foto: MHKBG 2017 / F. Berger

von Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen


2,8 Milliarden Euro investierten die nordrhein-westfälischen Kommunen im Jahr 2018 in die öffentliche Infrastruktur: Damit ist die öffentliche Bautätigkeit einer der Garanten für die Sicherung von Beschäftigung in unserem Land Nordrhein-Westfalen.

In diesem Ausnahmejahr 2020 ist es daher neben direkten Maßnahmen des Bundes, des Landes Nordrhein-Westfalen und der Kommunen zur Abmilderung der (wirtschaftlichen) Folgen für die Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger erforderlich, die Kommunen in die Lage zu versetzen, ihre öffentlichen Investitionsvorhaben schneller als bisher in die Tat umsetzen zu können.

Mit der Reform der Kommunalen Vergabegrundsätze setzt die Landesregierung Nordrhein-Westfalen einen weiteren Baustein aus dem am 31. März 2020 im Landeskabinett beschlossenen »Kommunalschutz-Paket« um:

»6. Die Landesregierung beauftragt die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung durch weitestmögliche Ausschöpfung des rechtlichen Rahmens die kommunalen Vergabegrundsätze derart zu erleichtern, dass kommunale Beschaffungen für den Gesundheitsschutz, zur Aufrechterhaltung des Dienstbetriebs der öffentlichen Verwaltung und für Planungs- und Bauleistungen deutlich erleichtert werden, um so in der Zeit der COVID-19-Pandemie die Aufträge schneller in die Märkte zu bekommen.«

Denn: Ein fallendes Wirtschaftswachstum geht mit sinkenden öffentlichen und privaten Investitionen einher. Da Investitionen für die Wirtschaftsentwicklung elementar wichtig sind, spielt das Stimulieren von Investitionen eine zentrale Rolle. Die fallenden Wachstumsraten haben weitreichende Folgen: Sie führen nicht nur quasi definitionsgemäß zu einem verringerten Anstieg des allgemeinen Lebensstandards, sondern können auch zu verschärften Verteilungskonflikten führen.

Außerdem beruhen die Planungen öffentlicher und privater Haushalte üblicherweise auf der Annahme, dass die bisherige wirtschaftliche Entwicklung sich auch in Zukunft fortsetzt. Wenn die tatsächliche Entwicklung zurückbleibt, steigt die Verschuldung sowohl des Staates als auch vieler privater Haushalte und Unternehmen. Diese Verschuldung wiederum belastet künftiges Wachstum und verhindert damit erforderliche Investitionen in die Zukunft, die zur Anpassung an die klimatischen Veränderungen und zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen dienen.

Öffentliche Aufträge unterliegen dem Vergaberecht: Mit der Einführung der Unterschwellenvergabeordnung des Bundes im Jahr 2017 wurde die Vergabe öffentlicher Aufträge auf nationaler Ebene unterhalb der EU-Schwellenwerte reformiert. Damit die Kommunen bei der Vergabe von Aufträgen mehr Flexibilität erhalten, um Aufträge schneller in die Märkte zu bekommen, hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalen die mit der Unterschwellenvergabeordnung eröffneten Möglichkeiten genutzt.

Ziel der Reform der Kommunalen Vergabegrundsätze ist es, unseren Kommunen ein praktikables und wirksames Instrument an die Hand zu geben, um mit der Vergabe öffentlicher Aufträge in diesem Ausnahmejahr 2020 und im Jahr 2021 Unternehmen und Beschäftigung sowie die erforderliche Erneuerung der öffentlichen Infrastrukturen voranzutreiben.

Wichtig: Auch unterhalb der EU-Schwellenwerte sind die europarechtlichen Grundprinzipien der Gleichbehandlung, Nichtdiskriminierung und Transparenz zu beachten. Die Auftragsvergabe muss im Einklang mit den Vorschriften und Grundsätzen des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union erfolgen.

Seit dem 4. Juli 2020 sind die reformierten Kommunalen Vergabegrundsätze in Nordrhein-Westfalen in Kraft getreten. Die Kommunalen Vergabegrundsätze sollen am 31. Dezember 2021 außer Kraft treten. Im Verlauf des Jahres 2020 sollen die Kommunalen Vergabegrundsätze überprüft und die mit den neuen Vergabegrundsätzen gemachten Erfahrungen in diese Überprüfung einbezogen werden.



Die Reform hat vier Kernelemente:

1. Direktaufträge:
Direktaufträge für Bauleistungen sowie für Liefer- und Dienstleistungen können bis zu einem voraussichtlichen Auftragswert von 15.000 Euro (ohne Umsatzsteuer) direkt vergeben werden; diese Schwelle lag bisher bei 5.000 Euro (ohne Umsatzsteuer). Direktaufträge für freiberufliche Leistungen mit einem vorab geschätzten Auftragswert von 25.000 Euro (einschließlich Nebenkosten und ohne Umsatzsteuer) können direkt vergeben werden.

2. Für die Vergabe von Bauleistungen wird ein gewerkebezogener Ansatz eingeführt:
Eine beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb ist demnach
a) für jedes Gewerk bis zu einem vorab geschätzten Einzelauftragswert von 750.000 Euro (ohne Umsatzsteuer) oder
b) bis zu einem vorab geschätzten Gesamtauftragswert in Höhe von 1.250.000 Euro (ohne Umsatzsteuer) möglich.

Eine freihändige Vergabe ist zulässig
a) für jedes Gewerk bis zu einem vorab geschätzten Einzelauftragswert in Höhe von 75.000 Euro (ohne Umsatzsteuer) oder
b) bis zu einem vorab geschätzten Gesamtauftragswert in Höhe von 125.000 Euro.


3. Besonderheit für Bauleistungen zu Wohnzwecken: Bis zum 31. Dezember 2021 kann für Bauleistungen zu Wohnzwecken für jedes Gewerk eine beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb bis zu einem vorab geschätzten Einzelauftragswert in Höhe von 1.000.000 Euro und für jedes Gewerk eine freihändige Vergabe bis zu einem vorab geschätzten Einzelauftragswert in Höhe von 100.000 Euro erfolgen. Damit wird eine aktuelle Erlasslage der Bundesregierung zum Gegenstand der Kommunalen Vergabegrundsätze in Nordrhein-Westfalen.

Bauleistungen zu Wohnzwecken sind solche, die der Schaffung neuen Wohnraums sowie der Erweiterung, der Aufwertung, der Sanierung oder Instandsetzung bestehenden Wohnraums dienen. Eine Aufwertung, Sanierung oder Instandsetzung von Wohnraum kann zum Beispiel in der Verbesserung der energetischen Qualität oder der Erhöhung des Ausstattungsstandards liegen, auch in der äußerlichen Sanierung beziehungsweise Instandsetzung von Wohngebäuden (zum Beispiel Fassade, Dach). Umfasst sind auch Infrastrukturmaßnahmen im Zusammenhang mit Neubau von Wohnraum oder Aufwertung bestehenden Wohnraums, zum Beispiel Zufahrtsstraßen für Wohngebiete, Ver- und Entsorgungsleitungen oder emissions- beziehungsweise immissionsmindernde Maßnahmen, zum Beispiel zur Reduzierung von Lärm oder Erschütterungen in den Wohnräumen.

Wohnzwecken dienen grundsätzlich auch städtebauliche Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes. Umfasst sind insbesondere Maßnahmen zur Errichtung, Erweiterung, Sanierung oder zum Umbau von Kindergärten und -tagesstätten, Schulen und Sportstätten sowie Maßnahmen im Zusammenhang mit Ladeinfrastruktur für E-Mobilität.

Wohnzwecke müssen nicht der alleinige und auch nicht der Hauptzweck der Bauleistung sein. Es genügt, wenn die Wohnzwecke nicht nur untergeordneter Natur sind.


4. Einbezug von freiberuflichen Leistungen in die Kommunalen Vergabegrundsätze: Erstmals werden die freiberuflichen Leistungen in die Kommunalen Vergabegrundsätze einbezogen. Neben der Regelung über Direktaufträge für freiberufliche Leistungen, sehen die Kommunalen Vergabegrundsätze vor, dass Aufträge für Architekten und Ingenieure im Leistungswettbewerb zu vergeben sind. Unter Beachtung von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit können öffentliche Aufträge der Kommunen bis zu einem vorab geschätzten Auftragswert in Höhe von 150.000 Euro (einschließlich Nebenkosten und ohne Umsatzsteuer) nach Verhandlung mit nur einem geeigneten Bewerber vergeben werden. Voraussetzung ist, dass der Aufforderung dieses Bewerbers zur Angebotsabgabe eine Abfrage über die Eignung im Sinne des § 122 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen bei mindestens drei möglichen Bewerbern vorausgegangen ist.

Bei der Ermittlung des voraussichtlichen Auftragswertes ist die ortsübliche Vergütung zugrunde zu legen.


Mit der Änderung der Kommunalen Vergabegrundsätze Nordrhein-Westfalen gelingt es, unter weitest möglicher Ausschöpfung des rechtlichen Rahmens die kommunalen Vergaben derart zu erleichtern, das kommunale Beschaffungen – namentlich auch Planungs- und Bauleistungen – schneller in die Märkte kommen, um Beschäftigung und Unternehmen zu sichern. Los geht’s!
 

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Vorwort:

Handwerk vor wichtigen Weichenstellungen

Liebe Leserinnen und Leser,

in Nordrhein-Westfalen haben die Schulferien begonnen, doch mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung bleibt kaum Zeit zum Ausruhen. Hat das Handwerk auch in den kommenden Monaten noch genügend Aufträge, um Stabilitätsanker der Wirtschaft zu bleiben? Und finden die Betriebe noch den passenden Nachwuchs, damit freie Ausbildungsplätze gut besetzt werden können?

Die Politik überlegt, wie sie Anreize für Ausbildung schaffen kann. Die Partner im NRW-Ausbildungskonsens sind sich einig, dass Aktionismus uns aktuell nicht weiterhilft. Derzeit geht es vor allem um eine Frage: Wie bringen wir geeignete junge Leute und die Betriebe zusammen? Es gilt, mit aller Macht für die Ausbildung zu trommeln. Die Perspektiven im Handwerk sind für motivierte Jugendliche nach wie vor gut – selbst in der augenblicklichen Situation.

Damit das so bleibt, braucht das Handwerk auch in den kommenden Monaten Aufträge. Zu befürchten ist, dass im Herbst gewerbliche Aufträge weiter einbrechen. Damit dieser Einbruch zumindest ein wenig abgefedert werden kann, sind Aufträge der öffentlichen Hand gefragt. Investitionsbedarf in Nordrhein-Westfalen und Deutschland gibt es reichlich. In diesem Sinne begrüßen wir sehr, dass das Land zur Belebung der Konjunktur Rahmenbedingungen bei Förderprogrammen entscheidend verbessert. Bis zu 90 Prozent kann nun die Förderquote betragen. Das hilft den Kommunen als wichtige Auftraggeber für viele Handwerksunternehmen. Wichtig ist, dass aus der Theorie jetzt Praxis wird und dass die Programme nicht nur aufgelegt, sondern vor allem auch genutzt werden.

Das Handwerk hält zusammen.

Bleiben Sie gesund!

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer

 

Betriebe suchen jetzt Auszubildende wegen bisheriger Kontaktbeschränkungen:

Neues Online-Angebot der Handwerkskammern

Mit der Online-Plattform www.whkt.de/findedeinhandwerk unterstützen die Handwerkskammern in NRW und der Westdeutsche Handwerkskammertag junge Menschen auf dem Weg in die berufliche Ausbildung. Der neue Online-Service bietet passend zur Coronazeit ein sehr einfaches wie effizientes Angebot. Jugendliche, die noch in diesem Jahr eine Anschlussperspektive nach der Schule suchen, melden sich mit Angabe ihres Wunschberufs auf der Website www.whkt.de/findedeinhandwerk und die Handwerkskammer vor Ort vermittelt passende Ausbildungsbetriebe in der Region der bzw. des Ausbildungssuchenden.

Notwendig ist diese Gemeinschaftsaktion der Handwerkskammern, weil aufgrund der Kontaktsperren in den vergangenen Monaten das Matching zwischen Ausbildungsbetrieben und Lehrstellensuchenden nicht funktioniert hat und unzählige Ausbildungsplätze bis heute unbesetzt sind. Die Handwerkskammern wollen mit diesem Angebot sehr niederschwellig und im ersten Schritt rein digital den Weg in betriebliche Ausbildung eröffnen.

Das Interesse des Handwerks besteht darin, interessierte junge Menschen mit passenden Betrieben regional zusammenzubringen. Die Ausbildungsberatung der Kammern kennt sämtliche Karrierewege im Handwerk – vom geprüften Berufsspezialisten, über den Handwerksmeister und Bachelor Professional bis hin zum Master Professionell – und kann so optimal beraten, damit die Bewerbung und damit der Einstieg gelingt.

Ausbildungsprämien – Betriebe vor Enttäuschungen schützen

Auf Bundesebene wurden in den letzten Wochen verschiedene Prämien für Ausbildungsbetriebe diskutiert, konzipiert und politisch verkündet. Die Konkretisierungen führen dazu, dass bereits heute klar ist, dass viele Handwerksbetriebe, die im gleichen Umfang wie in den Vorjahren ausbilden, nicht in den Genuss einer Ausbildungsprämie in Höhe von 2.000 Euro kommen werden. Denn weitere Kriterien sind relevant. Eine Mindestzeit von coronabedingter Kurzarbeit in zurückliegenden Monaten oder Umsatzeinbrüche von mindestens 60 Prozent in bestimmten Monaten dieses Jahres werden zusätzlich vorausgesetzt. Auch die Ausbildungsprämie in Höhe von 3.000 Euro für Ausbildungsbetriebe, die mehr als im Schnitt der letzten drei Jahre ausbilden, soll an die erhebliche Coronabetroffenheit mit den gleichen Kriterien geknüpft werden. Deshalb ist es wichtig, dass alle Beratungen und Publikationen Richtung Ausbildungsbetriebe im Handwerk keine Hoffnungen wecken, die später (nach Ende der Probezeit der Auszubildenden) zum Auszahlungszeitpunkt nicht erfüllt werden. Für die Übernahmezuschüsse gilt das nicht. Wer einen Auszubildenden aus einem coronabedingten Insolvenzbetrieb übernimmt, soll einmalig 3.000 Euro erhalten.

Nach jetzigem Stand sollen alle Ausbildungsprämien über die Arbeitsagenturen beantragt und bewilligt werden. Gleiches gilt für eine Förderung bei Vermeidung von Kurzarbeit während der Ausbildung. Hier soll ein Großteil der Ausbildungsvergütung erstattet werden, wenn im Betrieb mindestens 50 Prozent Arbeitsausfall zu verzeichnen ist und trotzdem weiter ausgebildet wird. Über die darüber hinaus angekündigte Förderung einer übergangsweisen Auftrags- oder Verbundausbildung wird der WHKT im nächsten Report informieren.

»Digitalen und stationären Einzelhandel zusammendenken«:

Projektaufruf für Sonderprogramm auch für Handwerksunternehmen interessant

Viele Einzelhändler in Nordrhein-Westfalen kämpfen mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Herausfordernd waren die vergangenen Wochen insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die bislang noch keine Internetpräsenz haben.

Digitale Technologien können dabei helfen, die Krise zu überwinden: Kundinnen und Kunden haben sich zunehmend an digitale Services und Informationskanäle gewöhnt und werden diese auch in Zukunft verstärkt nutzen. Mit dem Projektaufruf »Digitalen und stationären Einzelhandel zusammendenken – Sonderprogramm 2020«, das auch für entsprechende Handwerksunternehmen mit Ladengeschäften interessant ist, will die Landesregierung Unternehmen auf dem Weg in die Digitalisierung begleiten.

Der Projektaufruf richtet sich an Unternehmen des stationären Einzelhandels, die nicht mehr als 49 Beschäftigte haben und auf einen Umsatz von maximal zehn Millionen Euro oder eine Jahresbilanzsumme von bis zu zehn Millionen Euro kommen. Gefördert werden über einen Zeitraum von maximal sechs Monaten kurzfristige Projekte von Kleinunternehmen, die sich erstmalig digital aufstellen oder den Auf- oder Ausbau der digitalen Technologien für ihr Unternehmen voranbringen wollen. Der Höchstbetrag der Förderung liegt bei 12.000 Euro bei einem Fördersatz von bis zu 80 Prozent. Das Projekt muss zudem unmittelbar der Abwehr oder der Abmilderung der Folgen der Corona-Krise dienen.

Projektideen können ab sofort bis zum 30. August 2020 beim Projektträger ETN eingereicht werden. Weitere Informationen zum Aufruf, Bewerbungsunterlagen und die Fördergrundlagen finden Sie unter www.digihandel.nrw.

Ausbildungskonsens NRW:

Ausbildungsmarkt wird landesweit und regional mit gewisser Sorge begleitet

Völlig logisch ist, dass die Corona-Pandemie auch den Ausbildungsmarkt negativ beeinflusst. So sind nicht nur Betriebe und Jugendliche sowie deren Eltern verunsichert, wie man sich bei Kontaktbeschränkungen verhält, sondern auch Maßnahmen der beruflichen Orientierung, Vermittlungsbemühungen und Veranstaltungen zum Matching waren während des Shutdowns völlig lahmgelegt. Das Kennenlernen der Ausbildungsvertragspartner über digitale Kanäle fand in Einzelfällen erfolgreich statt, konnte jedoch das übliche Matching nicht ersetzen.

Die Partner des Ausbildungskonsenses sind sich einig, dass die Entwicklung am Ausbildungsmarkt intensiv beobachtet und analysiert werden müsse, um richtige Schlüsse für die Besetzung von offenen Ausbildungsplätzen und für die Schaffung von Ausbildungsmöglichkeiten für Schulabgängerinnen und Schulabgänger zu ziehen. Regelmäßig tauscht sich sowohl die Spitzenebene als auch die Arbeitsebene dazu aus und sieht zunächst Aktivierungs- und Matchingmaßnahmen als besonders zielführend an.

In der letzten Woche vor den Ferien haben alle Koordinatoren für Studien- und Berufswahl konkrete Informationen über freie Ausbildungsplätze in der jeweiligen Region mit der Bitte erhalten, diese an die Schülerinnen und Schüler der Abgangsklassen sowie deren Eltern zu verteilen, um die durch Schulschließung besonders betroffenen Jugendlichen zu Bewerbungen zu motivieren – dies ist eine Gemeinschaftsaktion des Ausbildungskonsenses, die federführend die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit in Abstimmung mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung organisiert hat. In der Information wird auch gezielt auf die Ausbildungsbörsen der Handwerkskammern hingewiesen, denn die Kammerorganisationen waren in die Gemeinschaftsaktionen unmittelbar eingebunden.

Im Ausbildungskonsens NRW werden die am 24. Juni vom Bundeskabinett verabschiedeten Eckpunkte für ein Bundesprogramm »Ausbildungsplätze sichern« intensiv bewertet sowie geprüft, welche Maßnahmen zusätzlich im Herbst je nach Ausbildungsmarktlage in den einzelnen Regionen notwendig sind.

Arbeit des Ehrenamtes unterstützen:

WHKT startet Umfrage zu Angeboten der Handwerksorganisationen für Ehrenamtsträgerinnen und Ehrenamtsträger

Im Rahmen eines durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Projekts führt der WHKT aktuell eine Online-Befragung unter allen Handwerksorganisationen durch. Im Kern geht es um die Fragestellung, mit welchen speziellen Angeboten der Handwerksorganisationen Ehrenamtliche zur Unterstützung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit erreicht werden und wo ein Entwicklungs- und Ausbaubedarf gesehen wird.

842 Innungen, 42 Landesinnungsverbände, 37 Kreishandwerkerschaften und 7 Kammern in NRW sind aufgerufen und herzlich gebeten, sich an der Umfrage zu beteiligen, damit der WHKT die aktuelle Situation möglichst umfassend analysieren kann.

Zur Umfrage gelangen Sie über folgenden Link: http://umfrage.handwerk.nrw/s/4ccc186

Projekt ValiKom Transfer:

Erste digitale Bewerterschulung durchgeführt

Berufsexpertinnen und -experten bewerten im Rahmen des Validierungsverfahrens die beruflichen Kompetenzen der Teilnehmenden. Bisher wurden sie durch die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) mit einer Präsenzschulung auf ihre Aufgabe als Bewerter/innen vorbereitet. Durch die coronabedingten Einschränkungen konnten in den letzten Monaten jedoch keine Schulungen durchgeführt werden.

Um die Schulung zukunftsorientiert aufzustellen, hat die ZWH die letzten Wochen genutzt und eine digitale Alternative in Form eines Online-Seminars aufgebaut. Damit soll es den Berufsexpertinnen und -experten ermöglicht werden, von zu Hause über Videochat an dem Seminar teilzunehmen. Um das Gelernte zu verfestigen, werden bei der Präsenzschulung Übungen in Kleingruppen eingesetzt. Dass dies auch in Online-Seminarform möglich ist, hat der erste Testlauf im Juni gezeigt. Mit insgesamt 10 Berufsexperten und -expertinnen wurde die digitale Schulung erfolgreich getestet, so dass die Projektkammern zukünftig die Möglichkeit haben, die Schulung entweder als Präsenzschulung unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln durchzuführen oder in Form eines ortsungebundenen Online-Seminars.

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt »ValiKom Transfer« sind 11 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, 2 Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt.

Weitere Informationen unter www.validierungsverfahren.de.

Vorerst keine Änderungen zu erwarten:

Europäische Kommission legt Bericht zur Datenschutzgrundverordnung vor

Zwei Jahre ist es her, dass die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft getreten ist. Damals, im Mai 2018, sorgten die EU-Datenschutzregeln für einen Aufschrei bei Handwerksbetrieben. Fragt man heute Unternehmen nach Bürokratielasten, gehört die DSGVO weiterhin zu den oft genannten Rechtsakten.

Am 24. Juni 2020, zeitnah zum zweiten Jahrestag des Inkrafttretens der Verordnung, hat die Europäische Kommission einen Bericht zur DSGVO vorgelegt. Dessen Ziel sollte es sein, die Umsetzung der Verordnung in den Mitgliedstaaten zu bewerten und gegebenenfalls Anpassungsbedarfe zu identifizieren.

Das Wichtigste zuerst: Die Kommission schlägt keine Regeländerungen vor. Sie hält dies für verfrüht. Das heißt fürs Erste – voraussichtlich für die kommenden zwei Jahre – bleibt alles beim Alten. Dabei erkennt die Europäische Kommission durchaus an, dass die Umsetzung der DSGVO gerade für kleine und mittlere Unternehmen eine Herausforderung darstellt. Sie wehrt sich aber ausdrücklich dagegen, kleine Unternehmen durch Ausnahmen von den Anforderungen der Verordnung zu befreien. Ihr Argument: Entscheidend ist nicht die Zahl der Beschäftigten, sondern die Datenschutzrelevanz der betrieblichen Tätigkeit (gefahrenbezogener Ansatz). Kurzfristig stellt die Europäische Kommission deswegen nur in Aussicht, kleine und mittlere Unternehmen mit Handlungshilfen zu unterstützen. Außerdem sollen im Jahr 2020 erneut Fördergelder im Umfang von einer Million Euro bereitgestellt werden. Mittelfristig zieht sie auch legislative Maßnahmen in Betracht. Das betrifft zum Beispiel Vereinfachungen für Verarbeitungsverzeichnisse von KMU mit geringem Datenschutzrisiko.

Den Bericht finden Sie unter https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/1_en_act_part1_v6_1.pdf.

Stärkere Stimme im Gesundheitswesen:

Gesetz zur Errichtung der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen verabschiedet

Pflegekräfte in Nordrhein-Westfalen bekommen nun eine stärkere Stimme im Gesundheitswesen. Der Landtag stimmte am 24. Juni 2020 für die Gründung einer Pflegekammer und verabschiedete das Gesetz zur Errichtung der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen. Sie soll die Qualität der Pflege sichern, Standards für eine gute Berufsausübung festlegen und überwachen sowie Fort- und Weiterbildungsangebote entwickeln. Zudem ist vorgesehen, dass die Kammer zukünftig auch die Zuständigkeit für Examen in der Pflegeausbildung bekommen soll.

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Vorwort:

Auf in die Zukunft

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist Zeit für Optimismus. Das Handwerk zeigt sich – bei allen Problemen – in der Krise bisher insgesamt robust. Dass die Rezession auch das Handwerk trifft, steht außer Frage. Doch im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen steht das Handwerk derzeit immer noch besser da.

Damit das so bleibt, braucht das Handwerk erstens in den kommenden Monaten vor allem Aufträge. Dafür müssen die Rahmenbedingungen jetzt verbessert werden. Die öffentliche Hand hat bei der Auftragsvergabe eine wichtige Vorbildfunktion, die sie nun erfüllen muss. 

Damit das Handwerk ein stabiler Faktor der deutschen Wirtschaft bleibt, benötigt es zweitens mehr denn je gut ausgebildeten Nachwuchs. Die handwerkliche Ausbildung braucht gerade jetzt mehr gesellschaftliche Wertschätzung. Das krisenfeste Handwerk bietet jungen Leuten exzellente Perspektiven. Auch Jugendliche mit Abitur können im Handwerk ihr Glück finden. In unserem aktuellen Ausbildungspapier »Ausbildung – jetzt erst recht« ist dies genau deswegen einer der zentralen Punkte.

Und drittens brauchen viele Handwerksbetriebe jetzt Unterstützung, damit sie die digitalen Herausforderungen meistern. Die Corona-Krise zeigt, wie entscheidend es ist, hier gut aufgestellt zu sein. Wir werben deswegen für eine Digitalisierungsprämie für kleine und mittlere Unternehmen. Wenn das Handwerk den digitalen Rückenwind jetzt nutzt, kann aus der Krise für viele Betriebe auch eine echte Zukunftschance erwachsen.

Das Handwerk hält zusammen.

Bleiben Sie gesund!

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer

Handwerk bildet aus – jetzt erst recht! Erwartungen an Politik, Betriebe und Schulabgänger/innen

In Zeiten der Unsicherheiten durch Einschränkungen der Coronapandemie fragen sich die Akteure am Ausbildungsmarkt, wie sich dieser in 2020 und 2021 entwickeln wird und welche vorsorgenden Maßnahmen sinnvollerweise vorbereitet werden müssen. Die Handwerkskammern haben sich mit der Situation als einer ihrer ureigenen Aufgaben befasst und Erwartungen an Politik, Ausbildungsbetriebe sowie Schülerinnen und Schüler und deren Eltern formuliert. Unter zwölf Überschriften wurde auf insgesamt 5 Seiten die Lage des Handwerks eingeschätzt und Maßnahmen empfohlen. Die Überschriften lauten:

  1. MOTIVATION ZUR AUSBILDUNG FÜR AUSBILDUNGSJAHR 2020/2021
  2. INSOLVENZLEHRLINGE
  3. VERBUNDAUSBILDUNGSFÖRDERUNG ERWEITERN
  4. DIGITALISIERUNG IN ÜBS UND BERUFSSCHULE VORANBRINGEN
  5. BERUFLICHE ORIENTIERUNG
  6. FÖRDERUNG DER ÜBERBETRIEBLICHEN BILDUNGSZENTREN (ÜBS)
  7. ABSCHLUSS VON AUSBILDUNGSVERTRÄGEN BIS ENDE OKTOBER MÖGLICH
  8. BETRIEBLICHE NACHWUCHSGEWINNUNG 2020/2021
  9. AUSBILDUNG FORTSETZEN – IM ZWEIFEL ÜBER TEILZEITAUSBILDUNG
  10. BERUFLICHE ORIENTIERUNG BIETEN
  11. BERUFLICHE ORIENTIERUNG SUCHEN
  12. DAS HANDWERK SUCHT FACH- UND FÜHRUNGSKRÄFTE

Das Ausbildungspapier des WHKT ist online abrufbar unter www.whkt.de/presse-aktuelles/stellungnahmenpositionen/.

Neue Coronaschutzverordnung:

CoronaSchVO in NRW stellt Vorgaben für das Prüfungswesen klar

Mit der Veröffentlichung der Coronaschutzverordnung vom Gesundheitsministerium NRW in der Fassung, die ab 30. Mai 2020 gilt, ist der § 7 überarbeitet worden. In diesem Paragraphen werden die Regelungen für alle grundsätzlich erlaubten Prüfungen sowie Bildungsangebote in der beruflichen Aus- und Weiterbildung bestimmt. So heißt es jetzt:

»Bei der Durchführung von Bildungsangeboten und Prüfungen ... sind geeignete Vorkehrungen zur Hygiene und zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern zwischen Personen, zur Begrenzung des Zutritts zu Schulungs- und Prüfungsräumen und zur Rückverfolgbarkeit nach § 2a Absatz 1 sicherzustellen. Ausnahmen des Mindestabstandes bestehen nur beim Betreten und Verlassen des Unterrichtsraums sowie bei kurzzeitigen Bewegungen zwischen den Sitzreihen. In diesen Fällen ist verpflichtend eine Mund-Nase-Bedeckung nach § 2 Absatz 2 Satz 1 zu tragen. Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen sind – außer bei schriftlichen Prüfungen – nur auf der Grundlage eines besonderen Hygiene- und Infektionsschutzkonzepts nach § 2b zulässig. Bei der Gesundheitsbildung und bei Prüfungen in körpernah arbeitenden Dienstleistungsberufen ist bei notwendiger Unterschreitung des Mindestabstands von 1,5 Metern zwischen Personen dringend auf eine möglichst kontaktarme Durchführung, vorheriges Händewaschen/Händedesinfektion, das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung und ggf. weitere tätigkeitsbezogene Vorgaben der Anlage zu dieser Verordnung zu achten.«

Damit ist klargestellt, dass alle Prüfungen durchgeführt werden können, auch wenn der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht immer einzuhalten ist. Dafür gilt dann die Pflicht, Mund und Nase entsprechend zu bedecken. Auch die Rückverfolgbarkeit muss selbstverständlich gewährleistet sein, um zu wissen, wer sich wann mit wem in einem Raum aufgehalten hat. Dies gilt nicht nur für Prüfungen, sondern auch für alle Bildungsveranstaltungen.

Veranstaltung:

6. Treffpunkt Ehrenamt Handwerk in NRW auf den 18.09.2020 verlegt

In Abstimmung mit NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart wurde der ursprünglich für Mai geplante Termin des 6. Treffpunkts Ehrenamt Handwerk in NRW nun auf den 18. September 2020 verlegt. An der Konzeption, dem etablierten Ablauf und auch der Verleihung des Ehrenamtspreises durch das Ministerium wird unter Berücksichtigung coronabedingter Hygiene- und Abstandsregeln festgehalten werden. Weitere Hinweise zur Veranstaltung unter www.ehrenamt-handwerk-nrw.de.

Der Treffpunkt Ehrenamt Handwerk in NRW wird gefördert mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Unternehmensanalysen für Handwerksbetriebe:

Betriebsvergleiche und Unternehmensanalysen können den Betrieben gerade jetzt helfen

Den Überblick über das betriebliche Geschehen zu behalten ist gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten enorm wichtig. Die Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) baut daher Ihr Serviceangebot der Unternehmensanalysen für Handwerksbetriebe aus. Diese Unternehmensanalysen basieren auf Betriebsvergleichsdaten und können dazu beitragen, Unternehmen auf Kurs zu bringen. Sie geben den Handwerksbetrieben wichtige Impulse, indem sie helfen, u.a. die betriebswirtschaftliche Situation einzuschätzen, Stärken und Schwächen aufzudecken oder die Auswirkungen der Krise auf die Geschäftszahlen darzustellen.

In den Betriebsvergleichen werden Daten der teilnehmenden Handwerksbetriebe zu Durchschnittswerten verdichtet und betriebswirtschaftliche Kennzahlen errechnet. Die Unternehmensanalysen ermitteln die Abweichung der betrieblichen Daten des Teilnehmers von den Durchschnittswerten. Dieser betriebswirtschaftliche Überblick hilft den Handwerksbetrieben, erfolgreich zu bleiben oder wieder erfolgreich zu werden. Er schafft somit die Basis für Investitionen in Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Fortbildung von Fachkräften, Erschließung neuer Märkte, Anbieten neuer Dienstleistungen.

Kunden auf Bundesebene, die bei der LGH Unternehmensanalysen und Betriebsvergleiche in Auftrag geben, schätzen diese Auswertungen sehr. Auch die langjährige wiederholte Teilnahme vieler Betriebe zeigt, dass der Bedarf an betriebswirtschaftlicher Unterstützung im Handwerk vorhanden ist und in wirtschaftlich schweren Zeiten wohl noch steigen wird.

Zu den kostenlosen Leistungen der LGH gehören z.B. Vorabanalysen auf Basis von Betriebsvergleichsdaten aus den Vorjahren, Unternehmensanalysen auf Basis der aktuellen Betriebsvergleichsdaten und Unternehmensanalysen im Zeitvergleich (bei wiederholter Teilnahme). Voraussetzung für eine Unternehmensanalyse ist, einen ausgefüllten Erhebungsbogen innerhalb der angegebenen Abgabefrist an die LGH zu senden.

Der Erhebungsbogen ist im Downloadbereich auf www.lgh.nrw zu finden.

Europa:

Die neuen Pläne der Europäischen Kommission

Nach mehrmaliger Verschiebung hat die Europäische Kommission am 27.05.2020 einen neuen Haushaltsentwurf samt eines Konjunkturfonds sowie ein überarbeitetes Jahresarbeitsprogramm für das Jahr 2020 vorgelegt. Leitmotiv sämtlicher Vorlagen ist die Bewältigung der Corona-Pandemie.

Der Haushaltsentwurf für die kommenden sieben Jahre, der so genannte mehrjährige Finanzrahmen, beläuft sich auf rund 1,85 Billionen Euro. Das wären jährlich etwa 1,9 Prozent der Wirtschaftsleistung der 27 EU-Staaten im Jahr 2019. 1,1 Billionen entfallen auf den regulären Haushaltsrahmen. Die übrigen 750 Milliarden sind für den Konjunkturfonds zur Überwindung der Corona-Pandemie vorgesehen. Die in diesem Rahmen zulässigen Investitionen sollen vornehmlich ein grünes, digitales und soziales Europa fördern.

Eben dieser thematische Fokus ist auch im überarbeiteten Arbeitsprogramm erkennbar. Maßnahmen aus dem Bereich »Green Deal« werden allenfalls marginal verschoben. Die Strategie zur Sektorkopplung wird für den 24. Juni erwartet, die mögliche Anpassung der Klimaziele bis 2030 sowie die Chemikalienstrategie im 3. Quartal. Als thematisch interessant für das Handwerk könnte sich die »Renovierungswelle« erweisen, die Investitionen in die energetische Gebäudesanierung beflügeln soll. Im September sollen dazu Details veröffentlicht werden. Einer im April vorgelegten Roadmap zufolge sollen Finanzinstrumente aufgelegt werden, die umfangreiche Modernisierungen anschieben. Gedacht wird auch konkret an Instrumente, die es Kommunen erleichtern, entsprechende Aufträge zu vergeben. Spätestens 2021 sind dann weitere Vorhaben für Rechtsänderungen zu erwarten. Diese betreffen voraussichtlich erneut die Gebäudeenergierichtlinie und könnten je nach Anpassung der Klimaziele für 2030 zu weiteren Verschärfungen führen. Außerdem sind produktbezogene Maßnahmen zu erwarten, also insbesondere Anpassungen von Ökodesignstandards verbunden mit Änderungen der Kennzeichnungsvorschriften. Das könnte zum Beispiel Heizkessel und Warmwasserbereiter betreffen, also Dossiers, die das Handwerk in der Vergangenheit stark beschäftigt haben.

Gute Lösung für berufliche Anerkennung in Coronazeiten:

Qualifizierung für Teilnehmende des Handwerks im Förderprogramm IQ

Erst war die Enttäuschung groß für die Elektronikerin und zwei Elektroniker mit ausländischen Qualifikationen, als Corona ihre Pläne durchkreuzte und eine erforderliche Teilnahme an der Anpassungsqualifizierung bei der Elektroinnung Düsseldorf nicht möglich erschien.

Selbst bei der Wiedereröffnung des Lehrbetriebs Anfang Mai war zunächst keine Umsetzung der Maßnahme möglich. Damit die drei Zugewanderten aus Serbien und Polen dennoch zeitnah die vereinbarte Anpassungsqualifizierung absolvieren und damit der Gleichwertigkeit ihres Abschlusses ein entscheidendes Stück näher rücken konnten, organisierte die Elektroinnung einen Kompaktkurs für die drei Fachkräfte. Eine intensive Lerneinheit liegt nun hinter und der gleichwertige Abschluss vor ihnen. Auf den Erfolg trotz schwieriger Bedingungen sind alle Beteiligten zu Recht stolz.

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) bietet vor allem kleinen und mittleren Unternehmen neue Chancen der Fachkräftegewinnung aus Drittstaaten. Für Betriebe und ausländische Fachkräfte, die die neuen gesetzlichen Regelungen des FEG anwenden möchten, gilt: Die berufliche Anerkennung stellt eine wesentliche Grundlage dar. Zuständig für sämtliche Berufe nach der Handwerksordnung sind die Handwerkskammern. Beratung und Unterstützung bieten die IQ NRW Anerkennungsberatungen: www.iq-netzwerk-nrw.de. Ausländische Fachkräfte, die nach Deutschland einreisen wollen, erhalten Unterstützung bei der neu entstandenen Zentralen Servicestelle für Berufsanerkennung der BA in Bonn (ZSBA): www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/zentrale-servicestelle.php. Hier ist gleichfalls das virtuelle Welcomecenter, welches berät und unterstützt. Betriebe, die bereits Kontakte zu ausländischen Fachkräften in einem Drittland geknüpft haben und das gemäß FEG beschleunigte Verfahren der Zuwanderung für ihre neuen Fachkräfte anstreben, wenden sich an die Zentralstelle Fachkräfteeinwanderung NRW (ZFE): www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/leistungen/abteilung02/21/zentralstelle_fachkraefteeinwanderung_nrw/index.html.

Gut qualifizierte Fachkräfte bleiben für das Handwerk der entscheidende Erfolgsfaktor. Daran ändert sich auch in der Corona-Krise nichts. Weiterhin gilt es, auf allen Seiten dafür zu sorgen, dass Handwerksbetriebe gut geeignete Fachkräfte auch aus dem außereuropäischen Ausland für sich gewinnen und dabei der Integrationsprozess für alle Beteiligten zu einer Erfolgsgeschichte wird.

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

DesignTalente Handwerk NRW 2020:

Anmeldung zu dem Wettbewerb in Sachen Handwerksdesign noch bis zum 1. Juli 2020 möglich

Der Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW 2020 ist bereits in vollem Gange, die Anmeldungen junger kreativer Handwerkerinnen und Handwerker laufen. Noch bis zum 1. Juli 2020 haben junge Handwerkerinnen und Handwerker die Möglichkeit, sich anzumelden. Die Unterlagen zur einfachen und unbürokratischen Anmeldung sind online unter www.designtalente-handwerk-nrw.de verfügbar. Die Themenbereiche, zu denen Wettbewerbsarbeiten eingereicht werden können, sind MÖBEL, SKULPTUREN, SCHMUCK, KLEIDUNG, MEDIEN und WOHNEN.

Der Gesellenbrief in einem Handwerksberuf und der 31. Geburtstag nach dem 1. Juli 2020, das sind die Voraussetzungen für junge Handwerkerinnen und Handwerker in Nordrhein-Westfalen, ihr Können im Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW 2020 unter Beweis zu stellen.

Die Ausstellung mit den von einer unabhängigen Fachjury ausgewählten Wettbewerbsarbeiten wird ab dem 07.10.2020 und bis zum 25.10.2020 in der Handwerkskammer Düsseldorf zu sehen sein. NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Pinkwart hat bereits zugesagt, am 11.10.2020 im Rahmen der Feierstunde die Ehrung der Preisträgerinnen und Preisträger vorzunehmen. Als Lohn für den Ideenreichtum warten auf die Gewinnerinnen und Gewinner Preisgelder in Höhe von 3.000 EUR.

Weitere Informationen unter www.designtalente-handwerk-nrw.de

Projekt ValiKom Transfer:

Digitalisierung des Validierungsprozesses weiter ausgebaut

Die Erfahrungen, die im Zuge der Corona-Krise mit digitalen Alternativen gemacht wurden, werden weiter genutzt und ausgebaut. Nachdem die erste digital umgesetzte Fremdbewertung von der durchführenden Kammer, dem Berufsexperten und der Teilnehmenden durchweg positiv bewertet wurde, haben weitere Projektkammern digitale Fremdbewertungen erprobt. In den Berufen Kaufleute für Büromanagement, Mediengestalter/in und Technische/r Produkdesigner/in hat sich eine ausschließlich digital durchgeführte Fremdbewertung als gut umsetzbar erwiesen, da diese Berufe überwiegend am PC ausgeübt werden. Auch in anderen Aufgabenbereichen des Projekts wird die Digitalisierung vorangetrieben: Die Handwerkskammer Hannover, die Industrie- und Handelskammer Braunschweig und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen führten am 25. Mai eine gemeinsame Informationsveranstaltung digital durch und nutzten so die Gelegenheit, das Validierungsverfahren in der Region weiter bekannt zu machen.

Daneben haben die ersten Lockerungen der coronabedingten Einschränkungen die Projektarbeit und die Durchführung von Validierungsverfahren wieder ein wenig »persönlicher« gemacht: Unter Einhaltung der vorgeschriebenen Abstands- und Hygieneregeln können Beratungen in einigen Projektkammern nun wieder vor Ort stattfinden. Auch erste Fremdbewertungen wurden im Mai in den Bildungszentren der Kammern durchgeführt.

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt »ValiKom Transfer« sind 11 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, 2 Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt.

Weitere Informationen unter www.validierungsverfahren.de

Projekt NetQA:

Netzwerkarbeit, Schulungen und erste Qualifikationsanalysen unter Corona-Bedingungen

Nach dem allgemeinen Shutdown aufgrund der Corona-Krise, geschlossenen Bildungszentren und ausgesetzten Abschlussprüfungen, haben viele Bildungseinrichtungen der Wirtschaft mittlerweile ihren Betrieb wieder aufgenommen. So konnte die Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg, Partner im Verbund-Projekt »NetQA«, bereits Mitte Mai wieder erste Qualifikationsanalysen im beruflichen Anerkennungsverfahren durchführen. Die beiden handlungsorientierten Kompetenzfeststellungen bei fehlenden schriftlichen Belegen wurden unter Einhaltung der vorgeschriebenen Hygiene- und Infektionsschutzstandards im kammereigenen Bildungszentrum durchgeführt. Eigens dazu hatte die Projektmitarbeiterin ein Merkblatt zu Abstands- und Hygieneregeln für die Antragstellenden verfasst. Die Kompetenzfeststellungen wurden in den Referenzberufen Elektroniker/in, Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik sowie Metallbauer/in in der Fachrichtung Konstruktionstechnik durchgeführt. Qualifikationsanalysen sind individuelle Verfahren. In der Regel sind nicht mehr als drei bis vier Personen daran beteiligt: die/der Antragstellende und eine berufsfachliche Expertin beziehungsweise ein berufsfachlicher Experte sowie eine zweite Person, meist von der zuständigen Kammer.  

Bundesweit werden die meisten Qualifikationsanalysen in den Berufen des Handwerks durchgeführt. Meist findet die Kompetenzfeststellung in den handwerkseigenen Bildungszentren statt. Diese haben derzeit jedoch vor allem mit dem Nachholen der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen und Prüfungen zu tun. 

Das Projekt setzt – parallel zu Präsenz-Schulungen – auf digitale Formate, was sich jetzt auszahlt. Die ersten Webinare rund um das Thema Qualifikationsanalysen werden ab Sommer 2020 durch die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) angeboten. Im Fokus sind Mitarbeitende der für die Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen zuständigen Stellen aber auch berufsfachliche Expertinnen und Experten.

Die beiden für die erste Jahreshälfte 2020 geplanten Präsenz-Schulungen für berufsfachliche Expertinnen und Experten in Baden-Württemberg und Brandenburg mussten leider aus den bekannten Gründen abgesagt werden. Die Termine sollen später im Jahr nachgeholt werden.

Vorrangiges Ziel von »NetQA« ist, bundesweit ein nachhaltiges Netzwerk zur Durchführung von Qualifikationsanalysen für zuständige Stellen zu schaffen. Im Sinne des Aufbaus eines regional verankerten Expertise-Netzwerks fand am 3. März 2020 ein Erfahrungsaustausch für zuständige Stellen in Niedersachsen statt. Neben Vertretern von Industrie- und Handelskammern sowie BQFG-Sachbearbeitenden der Handwerkskammern, fanden auch Angehörige von Landwirtschafts-, Ärzte- und Tierärztekammern den Weg nach Osnabrück. Da die Erfahrung mit Qualifikationsanalysen bundesweit sehr heterogen ist, besteht ein großer Bedarf an Austausch zum Thema mit anderen zuständigen Stellen. Diesem Bedarf soll in der jetzigen Phase mittels digitaler Formate Rechnung getragen werden: Für den 17. Juni 2020 ist der nächste bundesweite Austausch für Anerkennungsberaterinnen und -berater der Industrie- und Handelskammern geplant. 

Weitere Informationen zum Projekt »NetQA«, unter der fachlichen Steuerung des WHKT, finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

Blick in die Medien

Süddeutsche Zeitung, 27.05.2020 ­| Per Webcam am Messestand: Arbeitgeber und Azubis finden sich: https://www.sueddeutsche.de/karriere/ausbildung-duesseldorf-per-webcam-am-messestand-arbeitgeber-und-azubis-finden-sich-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200527-99-205888 

Handwerksblatt, Mai 2020 | Wir haben schon eine ganze Menge für das Handwerk erreicht: https://www.handwerksblatt.de/politik/wir-haben-schon-eine-ganze-menge-fuer-das-handwerk-erreicht

WAZ, 26.05.2020  | Handwerk will verstärkt um Auszubildende mit Abitur werben: https://www.waz.de/wirtschaft/wirtschaft-in-nrw/handwerk-will-verstaerkt-um-auszubildende-mit-abitur-werben-id229180166.html

Ruhrpodcast, 07.05.2020 | Episode 36 »Im Handwerk noch goldener Boden« im Gespräch mit Matthias Heidmeier: https://www.youtube.com/watch?v=Ms1RwZjw3v4

Personalie:

Ehrenpräsident der Handwerkskammer Düsseldorf Hansheinz Hauser verstorben

Das rheinische Handwerk trauert um Hansheinz Hauser. Der Bäckermeister und Handwerksunternehmer, Ehrenpräsident der Handwerkskammer Düsseldorf und des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstages (heute Handwerk.NRW), verstarb am 11.05.2020 in seiner Heimatstadt Krefeld, deren Ehrenbürger er war. Hansheinz Hauser wurde 97 Jahre alt. Der Mittelstandspolitiker und Finanzexperte gehörte dem nordrhein-westfälischen Landtag (1958 bis 1972) und dem Bundestag (1972 bis 1990) an und war stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (1982 bis 1990).

»Hansheinz Hauser war jahrzehntelang das Gesicht und die Stimme des rheinischen Handwerks – eine Instanz. Er hat unserem Wirtschaftsbereich Gewicht und Reputation gegeben. Sein Ziel war immer ein starkes, leistungsfähiges, kreatives und unabhängiges Handwerk. Hierfür und für eine mittelstandsgerechte Politik hat sich Hansheinz Hauser mit ganzer Kraft und mit nachhaltigem Erfolg eingesetzt«, würdigte Kammerpräsident Andreas Ehlert Persönlichkeit und Wirken des Verstorbenen.

Hansheinz Hauser wurde am 11. Dezember 1985 von der Vollversammlung erstmals zum Präsidenten der Handwerkskammer Düsseldorf gewählt. Im Fünfjahresturnus war er dreimal im Amt des Kammerpräsidenten bestätigt worden, zuletzt am 6. März 2001. Über ein Vierteljahrhundert hinweg, von 1969 bis 1994, hatte der Wirtschaftspolitiker den Vorsitz der Mittelstandsvereinigung der CDU Nordrhein-Westfalen inne. In seiner Eigenschaft als Spitzenrepräsentant des NRW-Handwerks hatte Hauser unter anderem die Gründungsoffensive von Landesregierung und Wirtschaftsorganisationen in Nordrhein-Westfalen initiiert und geprägt und damit zu einer Neubewertung der unternehmerischen Tätigkeit in diesem Bundesland maßgeblich beigetragen. Auch am Zustandekommen des »Ausbildungskonsens NRW« und am »Meister-Bafög« hatte Hauser maßgeblich Anteil. Für seine herausragenden Leistungen um das Gemeinwohl der Bundesrepublik war Hansheinz Hauser im August 2000 mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Am 9. September 2002 schließlich war der damals 80-Jährige vom Rat seiner Heimatstadt einstimmig zum Ehrenbürger ernannt worden.

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

wer hätte vor zwei Monaten gedacht, dass Deutschland im laufenden Jahr die größte Rezession der Nachkriegszeit erleben würde? Das schöne Frühlingswetter der vergangenen Wochen passte so gar nicht zur wirtschaftlichen Talfahrt, die auch das Handwerk erlebt. Es wird weitere Rückschläge geben. Drei Phasen des Krisenmanagements müssen wir für eine sachgerechte Diskussion wohl voneinander unterscheiden:

  1. Akute Krisenhilfen: Die NRW-Soforthilfe gehört zum Beispiel dazu. Sie hat sich als Instrument in der Not weitgehend bewährt. Weitere Akut-Hilfen werden nötig sein, denn viele Branchen werden diese Krisen zeitversetzt spüren (z.B. das Bauhandwerk). Andere wiederum sehen weiterhin kaum Perspektiven für das laufende Jahr (z.B. der Messebau).
  2. Mittelfristige Konjunkturimpulse: Ohne staatliche Investitionen wird es nicht gehen. Wenn ganz Märkte zusammenbrechen, können auch wettbewerbsfähige Unternehmen nicht bestehen. Aufträge der öffentlichen Hand sind keine Subventionen! Hier brauchen wir in diesem Sommer spürbare Investitionen in Bildung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit, die auch dem Handwerk helfen können, die Rezession zu überstehen.
  3. Langfristige Strategien aus der Talsohle: Damit Handwerksbetriebe aus eigener Kraft wieder zu wirtschaftlicher Stärke finden, darf man ihnen keine neuen Belastungen aufbürden, das Gegenteil ist richtig. Die Betriebe brauchen Rückenwind für Innovation und digitale Wege in die Zukunft. Ein entschiedenes Vorgehen bei der Entbürokratisierung kann helfen, gerade den kleinen Betrieben des Handwerks Rückenwind zu geben. Doch klar ist auch: es werden bereits harte Verteilungskämpfe geführt. Die Rechnungen für das Krisenjahr werden bezahlt werden müssen.

Alles in allem werden die Debatten der kommenden Monate wohl deutlich härter. Dass es Deutschland bisher geschafft hat, besser als andere durch die Corona-Pandemie zu kommen, sollte Mut machen. Das Handwerk hält zusammen.

Bleiben Sie gesund!

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

»Handwerk goes AI«:

WHKT positioniert sich zur Künstlichen Intelligenz

Artificial Intelligence (AI) oder Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Thema, das für das Handwerk von besonderer Bedeutung ist. Mit dem Beschluss eines Positionspapiers auf der WHKT-Vollversammlung am 20. April 2020 machen die Handwerkskammern deutlich, dass die Chancen aus der Digitalisierung noch viel stärker genutzt werden müssen – auch, um aus der Corona-Krise erfolgreich hervorzugehen.

Klar ist, dass die Handwerksbranchen in ihrer Breite von KI profitieren und ebenso in vielfältiger Hinsicht betroffen sein werden.

Die Kammern positionieren sich wie folgt:

1. Das Handwerk erwartet von der Landesregierung, in die KI-Diskussion und Entwicklung intensiv einbezogen zu werden, da diese Schlüsseltechnologie erhebliche, im Zweifel disruptive Veränderungen und Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe hat.

2. Die Handwerksorganisation muss dieses Thema wirtschaftspolitisch mit der Landes- und Bundesregierung aufgreifen und im Hinblick auf die Förderung des Mittelstands und die Diskussion um förderliche Rahmenbedingungen thematisieren.

3. Das Handwerk will sich ebenfalls einmischen, um die ethischen, sozialen und insgesamt gesellschaftspolitischen Auswirkungen intelligenter Algorithmen zu thematisieren und die Rahmenbedingungen im Sinne einer menschenfreundlichen und personenzugewandten Nutzung mitzugestalten.

4. Die Handwerksorganisation sieht sich in der Verantwortung, die Handwerker*innen in Aus-, Fort- und Weiterbildung mit KI vertraut zu machen und wird eine entsprechende curriculare Weiterentwicklung auf breiter Front anstoßen, um die Qualifikationsstrukturen und -angebote an die mit dem Einsatz von KI verbundenen Herausforderungen anzupassen.

5. Die Handwerksorganisation muss in ihren eigenen Prozessen (z. B. im Bereich der Gewerbeanmeldung und der Handwerksrolle oder beim Management der Eintragung von Ausbildungsverträgen) KI-Anwendungen etablieren, durch welche die Bürokratiebelastung für die Mitgliedsbetriebe reduziert wird.

6. Die Handwerksorganisation sieht sich in der Verantwortung, das Thema KI in die Betriebe zu tragen, Good Practice-Beispiele zu verbreiten und Chancen und Auswirkungen mit Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen sowie der Wissenschaft zu thematisieren und Lösungen im gegenseitigen Einvernehmen zu finden.

 

Der WHKT zeigt in seinem knapp 4-seitigen Positionspapier auf, wo die Künstliche Intelligenz im Handwerk bereits genutzt wird und welche Anwendungsfelder zukünftig zu erwarten sind. Das Positionspapier ist auf der Webseite des WHKT abzurufen unter www.whkt.de/presse-aktuelles/stellungnahmenpositionen oder kann per Mail angefordert werden bei martina.scharla@whkt.de.

Von bundesweit besonderer Bedeutung:

Ausbildung von »Geprüften Restaurator/innen im Handwerk«

Nicht nur der Brand der Kathedrale von Notre-Dame de Paris hat gezeigt, wie wichtig die Arbeit handwerklicher Restauratoren ist. Es ist von besonders hoher Bedeutung, die historischen Handwerkstechniken zum Zwecke der Denkmalpflege für die zukünftigen Generationen zu erhalten. Die erst im Dezember 2019 bundeseinheitlich geschaffene Fortbildungsprüfung »Geprüfte/r Restaurator/in im Handwerk« für 15 Handwerke ist die Spitze der Fortbildung für Handwerksmeister*innen für den Kulturgütererhalt und unverzichtbar. Es ist auch Aufgabe der öffentlichen Hand, diese hochspezialisierte und aufwendige Qualifizierung zu erhalten und sich an den Kosten dafür zu beteiligen.

Die Vollversammlung des Westdeutschen Handwerkskammertages hat am 20.04.2020 ein Positionspapier unter der Überschrift »Zum Kulturgütererhalt – der Beruf „Restaurator/in im Handwerk“« verabschiedet. Dieses steht auf der Webseite des WHKT unter www.whkt.de/presse-aktuelles/stellungnahmenpositionen/ zum Download bereit und ist mit dem Stichwort »Restaurator« erhältlich per Mail an martina.scharla@whkt.de.

Die Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld e.V. befasst sich seit rund vier Jahrzehnten mit dieser Restauratorenausbildung. Großartige Rahmenbedingungen schafft der Lernort Schloss Raesfeld als »national bedeutendes Kulturdenkmal«. Rund um die in der ehemaligen Vorburg und auf dem zugehörigen Bauhof eingerichteten Spezialwerkstätten hat sich Schloss Raesfeld zu einem Kompetenzzentrum für das restaurierende Handwerk entwickelt. »Schloss Raesfeld« gilt heute auch weit über das Handwerk hinaus als Synonym für ein Bildungskonzept, das die besondere Verantwortung des Handwerks in den Fokus stellt, und zwar für Bau- und Handwerkskultur, für die Bewahrung und Weitergabe alter Handwerkstechniken, für die Erhaltung und Restaurierung des Kulturerbes und für die Wertschöpfung und Nachhaltigkeit handwerklicher Tätigkeit. Seit den 1990er-Jahren führt die Akademie in enger Abstimmung mit den beiden NRW-Landesdenkmalämtern das bewährte Bildungskonzept mit den beiden Schwerpunkten »Denkmalpflege« (fachübergreifende Theorie für alle Handwerke) und »Restaurierung« (fachrichtungsspezifische Handwerkstradition und Restaurierungsmethoden im jeweiligen Handwerk) durch.

»Anpacken. Perspektiven schaffen.«:

WHKT veröffentlicht Fortschrittsbilanz 2019 

Der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) hat im Rahmen seiner 182. Vollversammlung am 20. April 2020 den NRW-Spitzenvertretungen der Handwerkskammern seinen Bericht für das Jahr 2019 unter dem Titel »Fortschrittsbilanz 2019« vorgestellt.

Uns war es wichtig, neben den Aktivitäten im Geschäftsjahr 2019, auch die Perspektiven in den einzelnen Themenbereichen in den Fokus zu nehmen. Denn: Wir verstehen unsere Arbeit als Interessenvertretung der nordrhein-westfälischen Handwerkskammern nicht als Momentaufnahme, sondern immer als Prozess, der die Zukunft gestaltet. Dies gilt umso mehr mit Blick auf die Corona-Krise, die alle Lebensbereiche verändert. Nur mit einem zukunftsorientierten Ansatz werden wir dieser Entwicklung gerecht.

Die umfangreiche Publikation gibt unter der Überschrift »Anpacken. Perspektiven schaffen.« Auskunft über die Leistungen und das Engagement des WHKT im Jahr 2019. Dabei prägten die Megathemen Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit unsere Arbeit mehr und mehr.

Die Corona-Pandemie ist mitten in die Erstellung der Bilanz hineingebrochen. Sie hat Politik, Wirtschaft, das gesamte Miteinander und auch unsere Arbeit bereits entscheidend verändert. Der WHKT stellt sich seiner Verantwortung in der Krise. Wir arbeiten mit unserem Team und unseren Partnern tagtäglich daran, das nordrhein-westfälische Handwerk bestmöglich in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Mit einem Überblick über die vom WHKT eingeleiteten Maßnahmen zur Krisenbewältigung beginnt deswegen unserer Fortschrittsbilanz.

Die »Fortschrittsbilanz 2019« des WHKT steht auf unserer Webseite unter https://www.whkt.de/downloads/publikationen/ oder unter folgendem Link als Download zur Verfügung: https://www.whkt.de/owncloud/index.php/s/0P8vp0jMEHeao5e

Corona-Krise:

Planungssicherheit für Friseurhandwerk und Fußpflege

Friseure dürfen ab dem 4. Mai 2020 ihre Salons unter strengen Hygiene- und Infektionsschutzstandards wieder öffnen. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) plant hierzu eine Änderung der Coronaschutzverordnung (CoronaSchVO), deren Standards u.a. gemeinsam mit dem Friseur- und Kosmetikverband NRW erarbeitet wurden.

Die Pressemeldung des MAGS dazu finden Sie unter https://www.mags.nrw/pressemitteilung/gesundheitsministerium-schafft-planungssicherheit-fuer-friseurhandwerk-und.

Corona-Krise:

»Stufenweise« Öffnung der Überbetrieblichen Bildungszentren (ÜBS) unter klaren Rahmenbedingungen

Bislang waren nach der Coronaschutzverordnung öffentliche und private außerschulische Bildungseinrichtungen in NRW, aber auch bundesweit, geschlossen. Nun ist als Ausnahmeregelung eine erste Öffnung zum einen für Abschlussjahrgänge in der dualen Ausbildung und zum anderen für Lernende aus der Höheren Berufsbildung, die bis zum 31.10.2020 ihre Prüfung ablegen, wieder ermöglicht, sofern die vorgeschriebenen Hygienestandards eingehalten werden können. Dazu zählen der Abstand von 1,5 m zu anderen Lernenden und Ausbildenden sowie die Beschränkung auf nicht mehr als eine Person pro zehn Quadratmeter Raumfläche in Werkstätten oder Unterrichtsräumen. Wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern im Einzelfall nicht sichergestellt werden kann, haben alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer verpflichtend eine textile Mund-Nase-Bedeckung (zum Beispiel Alltagsmaske, Schal, Tuch) zu tragen.

Durch diese Regelung können Auszubildende noch vor ihrer Abschluss- beziehungsweise Gesellenprüfung fehlende überbetriebliche Ausbildungslehrgangswochen nachholen und z. B. unterbrochene Meisterschulen fortgesetzt werden.

Die Regelung ist in der Allgemeinverfügung des Gesundheitsministeriums NRW vom 27. April 2020 mit Wirkung zum 28. April 2020 veröffentlicht (https://www.mags.nrw/sites/default/files/asset/document/200427_internet_av_ueberbetriebliche_bildungsstaetten.pdf).

Wann weitere Öffnungen für ÜBS ermöglicht werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Nahezu wöchentlich werden die Entwicklungen der Corona-Infizierten beobachtet, ausgewertet und ggf. neue Entscheidungen getroffen. Der Gesundheitsschutz bleibt zu Recht oberste Priorität.

Europa:

Planänderung wegen Corona

Die Corona-Pandemie beeinflusst massiv auch die Planungen auf europäischer Ebene. Das betrifft konkret zum Beispiel die deutsche Ratspräsidentschaft, die zum 1. Juli 2020 beginnt. Hier wird Corona nicht nur Sitzungsabläufe und Veranstaltungsformate beherrschen. Es wird die Präsidentschaft auch inhaltlich dominieren. Im Vordergrund wird voraussichtlich die Frage stehen, wie die wirtschaftliche Erholung europäisch zu organisieren ist. 

Planänderungen betreffen zudem das erst Ende Januar vorgelegte Jahresarbeitsprogramm der Europäischen Kommission. Dessen Zeitpläne sind teilweise überholt, teilweise sollen Maßnahmen angesichts der Pandemie bewusst zurückgestellt werden. Voraussichtlich Anfang Mai 2020 legt die Europäische Kommission eine überarbeitete Fassung des Arbeitsprogramms vor. Wünschenswert ist, dass bei allen Maßnahmen die Folgen für Handwerk und KMU noch eindringlicher abgeschätzt werden. Das gilt für Potenziale ebenso wie für Belastungen. Möglicherweise müssen auch Maßnahmen vorgezogen werden. So erscheint es beispielsweise sinnvoll, die eigentlich für 2022 geplante Überprüfung des Beihilferechts vorzuverlegen. Vorübergehende Vereinfachungen des Rechtsrahmens waren Voraussetzung dafür, dass Leistungen wie die Soforthilfe an Unternehmen gezahlt werden können. Die beihilferechtlichen Rahmenbedingungen können die wirtschaftliche Erholung erheblich beeinflussen.

Am weitreichendsten aber sind Planänderungen, die für den 6. Mai 2020 erwartet werden. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat für diesen Tag die Vorlage eines neuen Vorschlags für einen mehrjährigen Finanzrahmen, also den Haushalt für die Jahre 2021–2027 angekündigt. Dabei geht es um große Themen wie die Finanzierung der wirtschaftlichen Erholung Europas und die Bedeutung des »Green Deal«. Zugleich beeinflusst der Haushalt möglicherweise aber auch spürbar Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen, denn ein erheblicher Teil der Haushaltsmittel fließt bisher in die so genannte Kohäsionspolitik, im Handwerk vor allem über die Programme EFRE und ESF bekannt. Die Frage steht im Raum, inwiefern zur Bewältigung der Pandemie Verschiebungen anstehen, sei es, dass Mittel gekürzt werden, sei es, dass sich thematische Schwerpunkte verschieben.

Ausbildungskonsens NRW:

Berufliche Ausbildung im Fokus

Nachdem die Soforthilfe, das Kurzarbeitergeld, Kreditprogramme und andere Hilfsmaßnahmen zur Sicherung des Betriebsbestandes in den letzten Wochen im Vordergrund der Arbeit aller Institutionen standen, rücken nun sehr wichtige Fragen rund um Ausbildung und Prüfung wieder in den Fokus.

Der WHKT befasst sich gemeinsam mit den Partnern im Ausbildungskonsens mit der Frage der erfolgreichen Ausbildung bis zur Prüfung aufgrund der corona-bedingten Einschränkungen. Ebenso werden Überlegungen angestellt, wie Insolvenzlehrlinge ihre Ausbildung fortsetzen können, welche Hilfen es für Betriebe geben könnte und inwieweit Bildungsträger eine wichtige Rolle spielen könnten. Der Ausbildungskonsens NRW möchte und muss auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Natürlich steht auch das Ausbildungsjahr 2020/2021 im Mittelpunkt der Gespräche. Gleichwohl ist zum jetzigen Zeitpunkt eine Prognose noch viel schwieriger als in allen Vorjahren, da die Unsicherheiten in der Wirtschaft und in der Gesellschaft insgesamt besonders groß sind. Jedoch blickt das Handwerk zum jetzigen Zeitpunkt hinsichtlich der Ausbildung nicht pessimistisch in die Zukunft.

Projekt ValiKom Transfer:

Projektarbeit geht weiter dank digitaler Lösungen

Die Corona-Pandemie stellt auch das Projekt ValiKomTransfer vor neue Herausforderungen. Die Projektkammern bieten ein Validierungsverfahren an, dessen Kernelemente die Beratung der Teilnehmenden und die Bewertung ihrer beruflichen Kompetenzen sind. Die Beratung findet vorwiegend persönlich statt. Allerdings haben viele Kammern bereits vor der Corona-Krise Erfahrungen mit Beratungen per Mail, Telefon oder Video gemacht. Die Kompetenzbewertung, die durch Berufsexpertinnen und -experten durchgeführt wird, wurde bisher ausschließlich persönlich durchgeführt, was derzeit aus Infektionsschutzgründen nicht vorgesehen ist. In Online-Meetings haben die Projektkammern Lösungen erarbeitet, um auch während der Krise die Durchführung von Verfahren vorantreiben zu können. Im Hinblick auf die Beratung der Teilnehmenden profitieren die Kammern von den vorhandenen Erfahrungen mit E-Mail-, Telefon- und Video-Beratungen. Diese Möglichkeiten werden nun verstärkt genutzt.

Die Kompetenzbewertung digital durchzuführen, ist in den meisten angebotenen Berufen nicht möglich. Das betrifft insbesondere die Zuständigkeitsbereiche des Handwerks, der Landwirtschaft und der Industrie. Für Berufe, die hauptsächlich am PC ausgeübt werden, ist dies vorstellbar. Ende März wurde daher von einer Projektkammer erstmals eine digitale Kompetenzbewertung im Beruf Kaufmann/frau für Büromanagement erprobt. Mithilfe eines Tools, das Videotelefonie, das Teilen des Bildschirms und den Austausch von Dokumenten ermöglicht, konnte eine Teilnehmende während der Kompetenzbewertung durchgängig von dem Berufsexperten und dem Kammermitarbeiter beobachtet und ihre Arbeit bewertet werden. Weitere Kammern prüfen, ob es in den nächsten Wochen möglich ist, ebenfalls Testläufe für digitale Fremdbewertungen in diesem und anderen »PC-Berufen«, wie Mediengestalter/in durchzuführen. 

Auch projektinterne Veranstaltungen werden nun digital umgesetzt, soweit dies möglich ist. Eine Schulung neuer Projektmitarbeiterinnen wurde Anfang April 2020 erfolgreich als Videokonferenz durchgeführt. An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt »ValiKom Transfer« sind 11 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, 2 Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt.

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Gemeinsam gegen den Virus kämpfen – gerade jetzt für das Handwerk da sein


Liebe Leserinnen und Leser,

angesichts der aktuellen Entwicklung der Ausbreitung des Corona-Virus spüren wir alle jeden Tag mehr: Wir befinden uns derzeit in einer absoluten Ausnahmesituation. Und wir stehen erst am Beginn dieser Krise. Wichtig ist, dass wir – trotz allen Herausforderungen – handlungsfähig bleiben.

Es geht für das Handwerk jetzt um zwei Dinge: Erstens müssen wir alles tun, um mitzuhelfen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Zweitens müssen wir als Handwerksorganisationen gerade jetzt – unter schwierigen Bedingungen – für die Betriebe da sein. Jeden Tag geraten nun mehr Betriebe unverschuldet in eine Notlage.

Der WHKT kümmert sich gemeinsam mit der LGH um eine bestmögliche Krisenkoordination. Eine Service-Hotline auf Landesebene ist freigeschaltet. Wir haben zu den wichtigsten Themen Informationspools eingerichtet. Gleichzeitig sind wir im permanenten Austausch mit den Organisationen des Handwerks. Wir geben jetzt schnell unsere Bedarfe an die Politik weiter. Die gemeinsame Erklärung des Gesamthandwerks von gestern Abend zeigt das. Die Betriebe brauchen jetzt (!) unbürokratische Finanzhilfen.

Trotz allem: Wir werden diese Bewährungsprobe gemeinsam meistern.

Bleiben Sie gesund!

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer

Krisentelefon und zentrale E-Mail-Adresse ab sofort erreichbar

Der WHKT und die Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) haben eine zentrale, landesweite Service-Hotline für alle nordrhein-westfälischen Handwerksorganisationen eingerichtet. Über diese Hotline können konkrete Anfragen aus den Handwerksorganisationen sowie den handwerklichen Bildungseinrichtungen zum Umgang mit der Krise und ihren Auswirkungen gesammelt werden, um diese gebündelt an die zuständigen Stellen, wie etwa Landes- und Bundesministerien, mit dem Ziel zu übermitteln, schnell praxisnahe Lösungen zu finden.

Krisentelefon für Handwerksorganisationen und Bildungszentren des Handwerks in NRW:
0211 300 77 22
 

Handwerksbetriebe wenden sich mit ihren Anliegen an ihre zuständige Handwerkskammer, an ihre Innung beziehungsweise an ihren Verband.


Zentrale E-Mailadresse, um Meldungen aus dem Land zum Thema zu sammeln:
corona@whkt.de

Corona-Krise:

Gemeinsame Erklärung von HANDWERK.NRW zur Bekämpfung des Corona-Virus

Die Ausbreitung des Virus verlangsamen. Den Betrieben mit Sofortmaßnahmen jetzt helfen.

Die Ausbreitung des gefährlichen Corona-Virus stellt unser Land vor eine Bewährungsprobe ohne Beispiel in der Geschichte der Bundesrepublik. Wir müssen der Situation mit Konsequenz und Besonnenheit begegnen. Das nordrhein-westfälische Handwerk steht daher hinter den einschneidenden Maßnahmen, die Bund, Land und Kommunen ergreifen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Nur dadurch gewinnen wir die Zeit, die wir im Kampf gegen das Virus so dringend brauchen.

Wir appellieren an alle Betriebe und Organisationen des Handwerks, diese und weitere noch notwendige Maßnahmen zu unterstützen und umzusetzen.

Wir wissen aber auch, dass es für viele Handwerksbetriebe jetzt ums Ganze geht. Viele Firmen sind existentiell gefährdet, weil Umsätze einbrechen, Kunden ausbleiben und Lieferengpässe entstehen.

Die Kammern, Fachverbände, Innungen und Kreishandwerkerschaften konzentrieren deshalb ihre Kräfte in dieser schwierigen und ernsten Situation darauf, allen Betrieben schnell und unbürokratisch zur Seite zu stehen. Insbesondere die Betriebsberater, die Rechtsberater und die Ausbildungsberater arbeiten mit Hochdruck daran, alle relevanten Informationen verfügbar zu haben und den Betrieben schnelle Hilfe und Orientierung zu bieten. Insbesondere sorgen die Handwerksorganisationen dafür, dass im Internet und in den sozialen Medien schnellstmöglich aktuelle Erstinformationen verfügbar sind. So hat der Westdeutsche Handwerkskammertag eine Internetseite unter www.whkt.de/coronakrise erstellt, die laufend aktualisiert wird. 

Vieles muss nun zurückstehen. Betroffen sind auch die Lehrgänge und Prüfungen in unseren Bildungseinrichtungen. Sie wurden bereits mehrfach ausgesetzt oder werden in den nächsten Tagen abgesagt. In dieser Phase der Krise kommt es nun entscheidend auf Sofortmaßnahmen der Politik an. Spitzenorganisationen des Handwerks setzen auf einen kurzfristigen und unbürokratischen Austausch mit der Landesregierung, den Arbeitsagenturen und anderen Behörden und Institutionen. Wir setzen uns jetzt ein für: 

  1. Soforthilfe: Für in Not geratene kleine Unternehmen bedarf es einer schnellen Soforthilfe in Höhe von 5.000 bis 25.000 Euro. Nicht als Kredit, sondern ausdrücklich als Zuschuss, damit die Betriebe ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen können. Wir schlagen vor, dass hier kurzfristig Anträge geprüft werden und schnell Auszahlungen vorgenommen werden. Die Möglichkeiten, Steuerzahlungen zu stunden, auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge zu verzichten und Anpassungen bei den Steuervorauszahlungen zu gewähren, müssen jetzt angewendet werden. Eine wirksame, schnelle und unbürokratische Hilfe würde auch das vorübergehende Aussetzen der Sozialversicherungsbeiträge oder die Rücküberweisung von Steuervorauszahlungen darstellen. 
     
  2. Kurzarbeitergeld für alle Handwerksunternehmen: Für viele Betriebe sind vereinfachte Regeln zur Kurzarbeit sehr wichtig, damit die Bundesagentur für Arbeit schnell und unbürokratisch Hilfe leisten kann. Klar muss sein, dass grundsätzlich jedes Unternehmen Anspruch auf Kurzarbeitergeld hat. Es muss jetzt schnell und unbürokratisch zur Verfügung stehen. Die geringfügig Beschäftigten sind in den Empfängerkreis aufzunehmen. 
     
  3. Liquidität durch flexible Kredite, Darlehen und Bürgschaften: Es kommt nun auch darauf an, dass die verschiedenen Instrumente für Kredite, Bürgschaften und Darlehen auch für kleine und mittlere Unternehmen schnell und unbürokratisch erreichbar sind, um kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Die Betriebe brauchen Transparenz über die möglichen Förderwege. Flexibilität ist jetzt geboten bei den Tilgungsaussetzung für Mikrodarlehen der NRW.Bank. An die Hausbanken unserer Betriebe appellieren wir, gegenüber langjährigen Firmenkunden Kulanz zu zeigen und gerade jetzt Finanzierungslösungen zu finden, die den langfristigen Fortbestand der Unternehmen im Blick haben. Es ist jetzt nicht die Stunde, um nach ausgefeilten Business- und Liquiditätsplänen zu fragen. Treuhandkredite oder Verlustfinanzierung müssen ebenso in Betracht gezogen werden wie Regelungen, die das Rating von Unternehmen auf den Stand von Februar 2020 beziehen. 
     
  4. Soloselbständige nicht im Regen stehen lassen: Die meisten der derzeit bereits angebotenen Hilfen kommen für Soloselbständige nicht in Betracht. Auch für sie, die etwa ein Fünftel aller Betriebe des Handwerks ausmachen, müssen Lösungen zur Soforthilfe gefunden werden. 
     
  5. Rettungsschirm für den Erhalt der Bildungslandschaft des Handwerks: Auch die Träger der handwerklichen Berufsbildungsstätten drohen in eine finanzielle Schieflage zu geraten, wenn durch die Absage von Kursen und Prüfungen unerwartete Einnahmeausfälle und Stornierungskosten eintreten. Auch hierfür sind jetzt unbürokratische Hilfen in Form eines Rettungsschirms für die Bildung im Handwerk notwendig, damit unsere wertvolle Bildungslandschaft durch die vorübergehende Krise keinen irreparablen Schaden nimmt. Viel wäre schon gewonnen, wenn die Bildungsträger die für dieses Jahr bereitgestellten ÜLU-Mittel ausgezahlt bekämen.  
     
  6. Beratung des Handwerks für die Unternehmen jetzt stärken: Die Bund-Land-geförderten Berater müssen umgehend von allen richtlinienbasierten, fördertechnischen Beschränkungen befreit werden, um jetzt unbürokratische und bedarfsgerechte Krisenberatung über die verfügbaren Kanäle (v. a. Telefon, Videochat etc.) leisten zu können. Das Beratungsnetzwerk gehört aus unserer Sicht aktuell zur kritischen Infrastruktur und gleichermaßen zur Daseinsvorsorge und sollte einen entsprechenden Stellenwert erhalten. 

Es ist die Stunde, in der wir uns auf das Wesentliche und Notwendige besinnen müssen. Für die Handwerker, die unverschuldet in Existenzsorgen geraten, müssen wir uns jetzt gemeinsam einsetzen. Diese Krise ist für unsere Gesellschaft und für die Handlungsfähigkeit des Staates eine nie dagewesene Bewährungsprobe. Wir sind davon überzeugt, dass wir sie bestehen können. Die Kraft der Soziale Marktwirtschaft und unser Zusammenhalt sind stark. Das Handwerk wird alles in seiner Macht Stehende tun, damit wir diese extreme Krise meistern.

Andreas Ehlert, Präsident
Hans-Joachim Hering, Vizepräsident
Hans Hund, Vizepräsident

Die »Gemeinsame Erklärung zur Bekämpfung des Corona-Virus« finden Sie hier als Download >

Corona-Krise:

Die NRW-Handwerkskammern: Jetzt steht Betriebsberatung im Mittelpunkt

Das nordrhein-westfälische Handwerk steht vor großen Herausforderungen, denn die Corona-Krise trifft immer mehr Handwerksunternehmen über alle Branchen hinweg. »Kunden bleiben weg, Lieferketten brechen zusammen, Aufträge können nicht abgearbeitet werden - bei vielen kleinen Handwerksbetrieben geht es in den kommenden Wochen ums Ganze«, so Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT). Jetzt gehe es neben schneller und unbürokratischer Hilfe auch um gute Beratung für die Betriebe. »Die 7 NRW-Handwerkskammern richten ihr gesamtes Netzwerk deswegen nun auf die Beratung der Betriebe aus. Gerade jetzt komme es darauf an, den Betrieben zur Seite zu stehen«, so Heidmeier. Das Netzwerk der Betriebsberater sei jetzt schon mit vielen Anfragen konfrontiert. Guter Informationsaustausch sei jetzt entscheidend.

Auch die Landesorganisationen des Handwerks richten ihren Fokus auf die Stärkung der Betriebsberatung. Der WHKT und die Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) haben eine zentrale, landesweite Service-Hotline für alle nordrhein-westfälischen Handwerksorganisationen eingerichtet. Die Hotline dient dazu, konkrete Anfragen aus den Handwerksorganisationen sowie den handwerklichen Bildungseinrichtungen zum Umgang mit der Krise und ihren Auswirkungen aufzunehmen, um diese gebündelt an die zuständigen Stellen, wie etwa Landes- und Bundesministerien, zu übermitteln, und so praxisnahe Lösungen zu finden.

Enorme Auswirkungen hat die Corona-Krise für viele Azubis und Meisterschüler, die teilweise ihren erhofften Abschluss verschieben müssen. Im ganzen Land werden Prüfungen zunehmend abgesagt. Lehrveranstaltungen sind bereits zuvor gestrichen worden. »Das ist natürlich für alle Beteiligten sehr belastend und unbefriedigend, aber der Schutz der Gesundheit geht jetzt vor«, so Heidmeier.

Informationen zur Corona-Krise: www.whkt.de/coronakrise/

Corona-Krise:

WHKT richtet Facebook-Gruppe für Mitarbeitende in den Organisationen des Handwerks und öffentlichen Twitter-Account ein

Informationen und Erfahrungen bündeln, Ideen austauschen, gemeinsame Lösungen finden und Entscheidungen vorbereiten: Dies sind nur einige Möglichkeiten, die die neu eingerichtete Facebook-Gruppe als Kommunikationsplattform zur Corona-Krise im Handwerk ehren- und hauptamtlichen Akteuren der Organisationen, Bildungs- und Beratungseinrichtungen sowie Institutionen und Verbänden bietet. Eine Anmeldung zur Facebook-Gruppe »WHKT ÖA Corona« ist unter folgendem Link möglich: www.facebook.com/groups/whktoeacorona 

Gerne können Sie den Facebook-Link im Umfeld der handwerklichen Selbstverwaltung weiterleiten.

Zusätzlich hat der WHKT auch einen öffentlichen Twitter-Account eingerichtet, der unter www.twitter.com/WHKT4 erreichbar ist.

»Wir würden uns freuen, wenn Sie dabei sind, wir uns auch über die sozialen Medien austauschen und damit bestmögliche Wege für die Betriebe und Beschäftigten im Handwerk sowie für unsere Infrastruktur der Beratung, Bildung und Interessensvertretung finden«, hebt WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier hervor.

Weiterführende Links zur Corona-Krise

Betriebe, Handwerkerinnen und Handwerker, Auszubildende und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Handwerks in NRW erhalten auf den folgenden Seiten Hinweise und Empfehlungen:
 

Allgemeine Informationen

Aktuelle Risikobewertung des Robert-Koch-Instituts:
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikobewertung.html

Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:
https://www.infektionsschutz.de/coronavirus-sars-cov-2.html

Tagesaktuelle Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus.html

Hygientipps der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:
https://www.infektionsschutz.de/

 

Hinweise der Handwerkskammern in NRW

Handwerkskammer Aachen: https://www.hwk-aachen.de/presse-medien/news/artikel/news/detail/News/coronavirus-das-sollten-sie-wissen.html

Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld: https://handwerk-owl.de/de/presse/pressemitteilungen/infos-der-handwerkskammer-zum-coronavirus_6_1017.html

Handwerkskammer Dortmund: https://www.hwk-do.de/artikel/das-coronavirus-hat-die-wirtschaft-fest-im-griff-37,0,572.html

Handwerkskammer Düsseldorf: https://www.hwk-duesseldorf.de/artikel/coronavirus-absage-aller-pruefungen-meisterschulen-kurse-lehrgaenge-31,0,4767.html

Handwerkskammer zu Köln: https://www.hwk-koeln.de/artikel/infos-fuer-azubis-meisterschuelerinnen-meisterschueler-sowie-fuer-teilnehmende-von-pruefungen-und-fortbildungen-32,0,2067.html

Handwerkskammer Münster: https://www.hwk-muenster.de/de/service-center/informationen-zum-corona-virus

Handwerkskammer Südwestfalen: https://www.hwk-swf.de/artikel/bis-auf-weiteres-keine-lehrgaenge-im-bbz-arnsberg-38,0,473.html

Westdeutscher Handwerkskammertag: https://www.whkt.de/coronakrise/ 

 

Informationen für Betriebe und Beschäftigte

Die wichtigsten Tipps für Betriebsinhaber (Deutsches Handwerksblatt):
https://www.handwerksblatt.de/unternehmensfuhrung/coronavirus-die-wichtigsten-tipps-fuer-betriebsinhaber

Informationen für Unternehmen:
https://www.arbeitgeber.de/www/arbeitgeber.nsf/id/DE_corona 

Informationsseite des ZDH zum Corona-Virus:
https://www.zdh.de/themen-a-z/coronavirus/

Maßnahmen zur Entlastung der von den Auswirkungen des Coronavirus betroffenen Unternehmen:
https://www.zdh.de//fachbereiche/wirtschaft-energie-umwelt/rundschreiben/massnahmen-zur-entlastung-der-von-den-auswirkungen-des-coronavirus-betroffenen-unternehmen/

Arbeitsschutz und Gesundheitshinweise für Betriebe zum Coronavirus:
https://www.zdh.de//service/newsletter/arbeits-und-arbeitsschutzrechtliche-hinweise-zum-coronavirus/

Kurzarbeit und Ausbreitung des Coronavirus:
https://www.zdh.de//fachbereiche/arbeitsmarkt-tarifpolitik/rundschreiben/kurzarbeit-und-ausbreitung-des-corona-virus/

Coronavirus: Sicherheiten für Kredite:
https://www.zdh.de//service/newsletter/coronavirus-sicherheiten-fuer-kredite/

unternehmer nrw:
https://www.unternehmer.nrw/kommunikation/im-wortlaut/pressemitteilungen/detail/news/nrw-unternehmensverbaende-zur-aktuellen-corona-entwicklung

DGB NRW:
https://www.dgb.de/themen/++co++fdb5ec24-5946-11ea-8e68-52540088cada

Bundesagentur für Arbeit:
https://www.arbeitsagentur.de/news/corona-virus-informationen-fuer-unternehmen-zum-kurzarbeitergeld

 

Nordrhein-Westfalen:

Landesregierung NRW:
https://www.land.nrw/corona

Aktuelle Fallzahlen des Robert-Koch-Instituts zur Ausbreitung (Bund/NRW/Heinsberg):
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html

Aktuelle Informationen des Landesgesundheitsministeriums (MAGS):
https://www.mags.nrw/coronavirus

Landeswirtschaftsministerium (MWIDE): Informationen und Ansprechpartner für Betriebe:
https://www.wirtschaft.nrw/coronavirus-informationen-ansprechpartner

Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW:
https://www.schulministerium.nrw.de/docs/bp/index.html

 

Betriebliche Pandemieplanung:

Informationen und Checkliste zur Pandemie-Planung für Betriebe des Verbands deutscher Betriebs- und Werksärzte:
https://www.vdbw.de/der-vdbw/aktuelles/detailansicht/pandemieplanung-betriebsaerzte-raten-zur-vorsorge/

Europa:

Beispiele europäischer Maßnahmen in der Corona-Krise

Überall in Europa und auf allen Verwaltungsebenen werden derzeit Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise getroffen, auch auf EU-Ebene. Es geht um Maßnahmen, die sicherstellen sollen, dass trotz Grenzschließungen der Güter- und Warenverkehr im Binnenmarkt aufrechterhalten wird. Es geht um die Beschaffung von Schutzausrüstung, die Flexibilisierung des Beihilferechts und natürlich um die Frage, wie Finanzhilfen für Unternehmen bereitgestellt werden können.

Am 13. März hat die Europäische Kommission eine »Investitionsinitiative zur Bewältigung der Coronakrise« vorgeschlagen. Um schnell 25 Mrd. EUR an europäischen öffentlichen Investitionen für die Folgen der Coronakrise bereitstellen zu können, will die Kommission davon absehen, nicht in Anspruch genommene Mittel aus Vorfinanzierungen im Rahmen der europäischen Struktur- und Investitionsfonds von den Mitgliedstaaten zurückzufordern. Die Mitgliedstaaten sollen verpflichtet werden, diese Beträge für Investitionen im Rahmen der Strukturfonds, also EFRE und ESF, aufzuwenden, zum Beispiel für Kurzarbeit und andere Arbeitsmarktmaßnahmen, im Gesundheitssektor und besonders betroffenen Sektoren, zu denen auch das Handwerk gehört. Die Mitgliedstaaten können diese Mittel für die nationale Kofinanzierung einsetzen, die sie normalerweise selbst hätten leisten müssen. Der WHKT setzt sich dafür ein, Mittel zu mobilisieren, die die Krisenfolgen für Handwerksunternehmen vermeiden und abfedern helfen.

Fachkräftesicherung fest im Fokus:

Spitzengespräch Ausbildungskonsens am 10. März 2020

In der Staatskanzlei trafen sich die Spitzenvertreter der Partner des Ausbildungskonsenses am 10.03.2020, um die Fortschritte der Arbeit und die Lage am Ausbildungsmarkt zu bewerten. Offenkundig gibt es immer weniger Bewerberinnen und Bewerber um Ausbildungsstellen, was ein Grund dafür ist, warum Handwerksbetriebe immer größere Mühen haben, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Diese Not der Betriebe wurde im Spitzengespräch ebenso aufgegriffen wie die Regionen im Land, in denen der Ausbildungsmarkt noch von einem deutlichen Überhang an ausbildungsstellensuchenden Jugendlichen geprägt ist. Trotzdem hat es das Handwerk in NRW im vierten Jahr in Folge geschafft, ein Plus bei neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen zu erzielen.

Ministerpräsident Armin Laschet betonte zur Lage: »Wir brauchen auch weiterhin eine starke berufliche Aus- und Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen. Die ganze Welt beneidet uns um unsere auf höchstem Niveau ausgebildeten Fach- und Nachwuchsfachkräfte ‚made in NRW‘. Nur, wenn wir die berufliche Ausbildung weiter stärken und gerade für junge Menschen in der Phase der Berufsorientierung attraktiv machen, können wir die Transformation unserer Wirtschaft in den Feldern Automobilindustrie, Energie und Digitalisierung und die Herausforderungen der Fachkräftesicherung bewältigen.«

Die Partner des Ausbildungskonsenses Nordrhein-Westfalen sind sich einig, dass die berufliche Ausbildung qualifizierter Fachkräfte der entscheidende Faktor für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Nordrhein-Westfalen ist. Sie fassten einstimmig einen Beschluss, der unter anderem aussagt, den Blickwinkel der KMU auf das Ausbildungsgeschehen einzunehmen, die Berufliche Orientierung der Schülerinnen und Schüler an allen Schulen, so auch in der Sekundarstufe II ergebnisoffen zu führen und die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung in den verschiedenen Aspekte noch stärker aufzugreifen. Der Beschluss kann beim WHKT per Mail angefordert werden unter martina.scharla@whkt.de.

Still und leise, lange vor Corona:

Landesregierung regelt Förderung für Azubiwohnheime

Zu gleichen Bedingungen wie Studentenwohnheime können ab sofort auch Azubiwohnheime gefördert werden. Dies hat das Bauministerium in seiner Förderrichtlinie vom 19.02.2020 geregelt und veröffentlicht. Von dieser neuen Förderung wurde im Spitzengespräch Ausbildungskonsens am 10. März 2020 berichtet. Warum diese Förderung so besonders still und leise geregelt wurde, bleibt den Akteuren der Berufsbildung verborgen. Die WHKT-Vollversammlung hatte eine gleichberechtigte Förderung solcher Unterkunftsmöglichkeiten im Vergleich zu Studierenden gefordert. Auch DGB und IHK NRW hatten eine vergleichbare Position mit Forderungen an die Landesregierung verabschiedet.

Für eine tatsächliche Realisierung von Azubiwohnheimen kommt es nun darauf an, Bauträger und Betreiber für Azubiwohnheime zu finden. Dafür hat der WHKT ein Bündnis auf Landesebene vorgeschlagen, das letztlich alle relevanten Informationen zusammenträgt, Kontakte zur Bauwirtschaft und Investoren knüpft und dies alles in die Regionen trägt. Die Förderung richtet sich gleichermaßen an Studierendenwerke, wohnungswirtschaftliche Unternehmen und private Investorinnen und Investoren, die alle Azubiwohnheime bauen und betreiben können.

Mehr Informationen dazu unter www.mhkbg.nrw/themen/bau/wohnen/mieten-und-eigentum/wohnraum-fuer-studierende.

Projekt ValiKom Transfer:

Synergien schaffen durch Vernetzung

Mehrere Veranstaltungen dienten in den letzten Wochen dem Austausch und der Vernetzung der Projektpartner untereinander sowie mit externen Partnern. Die sieben Projektkammern, die im Norden Deutschlands angesiedelt sind, trafen sich Mitte März zu einem Erfahrungsaustausch. Im Mittelpunkt standen Themen wie die Zusammenarbeit mit Jobcentern und Arbeitsagenturen vor Ort, die Umsetzung von Anpassungsqualifizierungen und der Austausch zur Validierungspraxis.

Auch über das Projekt hinaus vernetzen sich die beteiligten Kammern aktiv, um das Validierungsverfahren bekannt zu machen und Synergieeffekte zu schaffen. Das Projekt NetQA lud die Projektkammern aus Niedersachsen Anfang März zu einem Erfahrungsaustausch ein. Da die Qualifikationsanalyse, die im Rahmen von Anerkennungsverfahren durchgeführt wird, wenn entsprechende Dokumente fehlen, und die Fremdbewertung des Validierungsverfahrens identisch sind, kam es zu einem regen Austausch zwischen den beiden Projekten.   

Am 04. März wurde das Projekt beim Netzwerktreffen des Projekts »TalentPASS« durch den WHKT vertreten. TalentPASS soll Menschen mit Schwerbehinderung ermöglichen, ihre vorhandenen beruflichen Fertigkeiten von einer zuständigen Stelle bestätigen zu lassen und sich über gezielte Bildungsmaßnahmen weiter zu qualifizieren. Bildungspolitische Akteure wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Bundesagentur für Arbeit und die Dachverbände der HWKn und IHKn nutzten das Treffen, um sich über die Initiative zu informieren und erhielten einen Einblick in die Umsetzungspraxis der Kompetenzfeststellung. Darüber hinaus stellte der WHKT das Validierungsverfahren vor, das von 30 Kammern in ganz Deutschland im Rahmen von ValiKom Transfer angeboten wird. Da mit einem Validierungsverfahren Berufskompetenzen von zuständigen Stellen bewertet und zertifiziert werden, stehen die beiden Projekte schon länger im Austausch. Beide wollen in den nächsten Monaten gemeinsam erproben, in welchen Fällen eine Teilnahme an einem Validierungsverfahren von Menschen mit Schwerbehinderung zielführend ist.

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt »ValiKom Transfer« sind 11 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, 2 Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt.

Gästebuch des Handwerks im Gepäck:

Ministerpräsident Laschet eröffnet NRW-Kontaktbüro in Tel Aviv

Die Eröffnung des NRW-Kontaktbüros in Tel Aviv stand Ende Februar im Mittelpunkt der zweitägigen Israelreise von Ministerpräsident Laschet. »Unser Büro in Israel wird die Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern auf eine neue Stufe stellen«, so der Ministerpräsident. In keinem anderen Land habe NRW ein Büro mit so umfangreichen Aufgaben.

An der 30-köpfigen Delegation waren Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kirchen und Gesellschaft sowie der Enkel des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer beteilig. Außerdem hatte Ministerpräsident Laschet ein eigens für das Kontaktbüro in Tel Aviv produziertes Gästebuch als Präsent im Gepäck. Dieses wurde auf Vermittlung des WHKT von Buchbindemeisterin Simone Püttmann erstellt. Bereits 2018 hatte sie gemeinsam mit Lehrlingen des Buchbinderhandwerks in NRW das Gästebuch des Landes NRW erstellt und dieses gemeinsam mit den Lehrlingen an Ministerpräsident Laschet überreicht.

Eine schöne Idee, etwas Einzigartiges zu schaffen: Das Handwerk.

Sachverständigendatenbank des Handwerks:

Bundesweit die richtigen Sachverständigen des Handwerks online finden – auch per App

Mit Hilfe der vom Westdeutschen Handwerkskammertag für die Handwerkskammern im gesamten Bundesgebiet entwickelten Online-Sachverständigendatenbank können alle Sachverständigen der Handwerkswirtschaft zu dem gewünschten Themengebiet eines speziellen Handwerks, in unmittelbarer Nähe, mit allen Kontaktdaten, schnell und ohne weitere Kosten ermittelt werden.

Die Online-Sachverständigendatenbank des Handwerks ist damit ein hilfreiches Tool für Gerichte, Anwälte, Verwaltungsbehörden, Versicherungen und Privatpersonen, die zur Entscheidung und Aufklärung von Fragestellungen aus der Handwerkswirtschaft auf eine Begutachtung durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen des Handwerks angewiesen sind.

So erfolgten allein im Jahr 2019 insgesamt 145.665 Abfragen aus der Sachverständigendatenbank des Handwerks.

Die Sachverständigendatenbank bietet die Gewähr für höchste Aktualität, da die ständige Datenpflege der Daten aller öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen des Handwerks für jeden Handwerkskammerbezirk von der jeweiligen Handwerkskammer durchgeführt wird.

Darüber hinaus verfügt die Sachverständigendatenbank über ein ausgeklügeltes Suchsystem, dass mit einem Stichwortverzeichnis den Bedürfnissen einer differenzierten Nachfrage aller potentiellen Auftraggeber in besonderer Weise gerecht wird.

Der Westdeutsche Handwerkskammertag hat zudem eine Sachverständigen-App für alle mobilen Endgeräte entwickelt, die den gleichen Service wie die Sachverständigendatenbank bietet.

Unter der Bezeichnung »SACHVERSTÄNDIGENNAVI« ist das Sachverständigenverzeichnis der Handwerkskammern für den Endverbraucher kostenfrei für das Smartphone über den Apple Store oder unter Google Play zu Installation bereitgestellt.

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WHKT-Report in neuem Gewand

Liebe Leserinnen und Leser,

... Handwerk steht für Know-how, für Innovationen und Visionen. Handwerk ist modern, zukunftsorientiert und geprägt vom Gestaltungswillen – und das seit jeher und aus Tradition. Kurz: Das Handwerk ist der Ort, an dem sich die Megathemen der Digitalisierung konkret in der Lebenswelt auswirken. Dieses moderne Selbstverständnis wollen wir als Dachorganisation der Handwerkskammern in NRW zum Ausdruck bringen. Aus diesem Grund haben wir unseren WHKT-Report einer Generalüberholung unterzogen. Die Ihnen nun vorliegende Ausgabe 02/2020 präsentiert sich nicht nur optisch in neuem Gewand, sondern ist auch übersichtlicher und entspricht den veränderten Lesegewohnheiten z.B. auf mobilen Endgeräten.

Wir haben nicht nur unseren WHKT-Report, sondern auch unsere Webseite www.whkt.de umfassend neu gestaltet. Schauen Sie einfach rein. Über Ihr Feedback zum neuen WHKT-Report und zur neuen Webseite per E-Mail an kontakt@whkt.de freuen wir uns.

Ihr
Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer

In eigener Sache:

Ganz neu, ganz frisch, ganz anders: WHKT mit neuer Homepage online

Visuell modern und benutzerorientiert präsentiert sich die neue Webseite des WHKT unter www.whkt.de. Vom Design über die Struktur und Funktionalität – die Seite wurde komplett neu konzipiert und umgesetzt.

Neben der Neustrukturierung des vielfältigen Informationsangebotes des WHKT stand vor allem der Faktor »Aktualität« bei der Konzeption der Seite im Vordergrund. So bieten etwa das neue Newsmodul sowie das Terminmodul schnellstmöglich einen Überblick über aktuelle Meldungen, Neuigkeiten und Termine schon auf der Startseite. Auch die Anmeldung zu Newslettern und Pressemeldungen des WHKT ist nun noch einfacher möglich. Ergänzt wird das Angebot der Startseite durch Feature-Module, in denen unterschiedliche Themen aufgegriffen und kurz dargestellt werden.

Der großen Informationsvielfalt zu unterschiedlichsten Daten, Fakten und Themen rund um das Handwerk in NRW trägt die neue und übersichtliche Navigationsstruktur Rechnung. Einzelne Themenbereiche sind so schneller zu finden und stellen sich übersichtlicher dar – selbstverständlich responsiv, also optimal auf allen Endgeräten.

Nicht zuletzt wurde auch »unter der Haube« von www.whkt.de emsig gearbeitet, ein neues CMS-System aufgesetzt und die Webseite fit für die Zukunft gemacht.

»Bei der Konzeption stand, neben der maximal möglichen Benutzerfreundlichkeit und dem ansprechenden, klaren Design, vor allem der Newsbereich und die schnelle Auffindbarkeit unserer Newsletter-Angebote sowie unserer vielfältigen Themenbereiche im Vordergrund«, so Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT.

Europa:

Eckpunktepapier zur Europapolitik veröffentlicht

WHKT, IHK NRW und unternehmer nrw haben ein gemeinsames Eckpunktepapier zur Europapolitik vorgelegt. Ziel der Initiative ist es, die Debatte über die Europapolitik in Nordrhein-Westfalen zu verstetigen.

Auf europäischer Ebene werden Entscheidungen mit weitreichenden Auswirkungen für die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen getroffen. Das zeigt sich immer wieder. Man denke etwa an die DSGVO, an die Vorgaben zur energetischen Gebäudesanierung oder an das Beihilferecht. Auch im Jahr 2020 stehen für das Handwerk potenziell bedeutende Vorhaben an. Nächste Woche soll der Vorschlag für ein europäisches Klimagesetz verkündet werden. Darüber hinaus sieht das von der Europäischen Kommission vorgelegte Arbeitsprogramm 2020 vor, dass die Vorgaben über unternehmerische Berichtspflichten überprüft werden, angekündigt ist ein Digitalgesetz und im 4. Quartal wird voraussichtlich der Vorschlag für eine europäische Arbeitslosenrückversicherung vorgelegt werden.

Das Eckpunktepapier behandelt zehn thematische Schwerpunkte. Diese illustrieren die große Vielfalt an Themen, die die drei Organisationen bewegen. Zudem bezeugt das Papier den Willen der Organisationen, sich auf Handlungsempfehlungen zu verständigen, um sich gemeinsam für mittelstandspolitische Interessen in Europa stark zu machen und gemeinsam nach Lösungen für die Anliegen ihrer Mitglieder zu suchen. IHK NRW, unternehmer nrw und WHKT wollen die politischen Entscheidungen in der nächsten Legislaturperiode intensiv begleiten und sie im Sinne der Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen mitgestalten.

Das Eckpunktepapier ist verfügbar unter: www.whkt.de/fileadmin/download/impuls-eu_18-02-2020_download.pdf.

Save-the-date:

Vorankündigung für den 9. Meistertag NRW am 04.09.2020

Der Meistertag NRW des Westdeutschen Handwerkskammertages hat sich in den vergangenen Jahren als Veranstaltung zur Wertschätzung der Leistungen junger Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeister etabliert. In diesem Jahr findet der Meistertag NRW am Freitag, den 04.09.2020, im Handwerkskammerbezirk Düsseldorf statt. Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart hat seine Teilnahme bereits zugesagt.

Weitere Informationen zum Meistertag NRW finden Sie unter www.meistertag-nrw.de.

Forderungskatalog des Handwerks:

Bürokratie darf Betriebe nicht überfordern und an den Rand der Leistungsfähigkeit bringen

Foto: ZDH/Schüring

Am 12. Februar überreichte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH), einen Forderungskatalog, der die Vorschläge des Handwerks hinsichtlich der Entlastung von Betrieben von Überregulierung und Bürokratie klar zum Ausdruck bringt, an Staatsminister Dr. Hendrik Hoppenstedt. Die Politik müsse endlich einsehen, dass die Gesetzgebung zunehmend an der Lebenswirklichkeit und Leistungsfähigkeit unserer Betriebe vorbeigehe, so Wollseifer zum Forderungskatalog.

»Viele Handwerker schwanken zwischen Wut und Resignation angesichts der Fülle an Regularien, Vorschriften, Dokumentationsvorgaben und -pflichten«, so Wollseifer. »Woran es in der Praxis hakt und was zu tun ist, hat die Handwerksorganisation über das gesamte letzte Jahr in zahlreichen Veranstaltungen und Gesprächen mit Handwerkerinnen und Handwerkern ermittelt. Fest steht: Gesetzgeber und Verwaltung müssen umdenken.

Wir brauchen Kontinuität statt kontinuierlicher Änderungen von Gesetzen, Freiräume statt pauschalem Misstrauen gegenüber Betrieben, Digitalisierung statt dezentralem Stückwerk und Kooperation statt Bestrafung durch Vollzugsbehörden. Der Betriebsalltag ist überreguliert. Der Paragraphendschungel muss konsequent gerodet werden.

Die Vorschläge des Handwerks liegen auf dem Tisch, und der Weg aus der Sackgasse ist klar. Jetzt braucht es Entschlossenheit und Willenskraft aller Verantwortlichen aus Bundesregierung, Bundestag und Verwaltung, diesen Weg zielstrebig und gemeinsam zu gehen.«

Die Vorschläge des Handwerks zum Bürokratieabbau können unter www.zdh.de/buerokratieabbau abgerufen werden.

Klare Worte. Viele Glückwünsche:

Geburtstagsempfang des WHKT-Präsidenten Hans Hund in Raesfeld

Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft folgten der Einladung des WHKT zum Geburtstagsempfang für Präsident Hans Hund am 17.02. auf Schloss Raesfeld, darunter NRW-Bildungsministerin Gebauer und Verkehrsminister Wüst. Die Festrede hielt der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann. Er bezeichnete den 70-jährigen Hans Hund als Botschafter für die berufliche Bildung und ein funktionierendes Gemeinwesen. Zugleich betonte Minister Laumann die Bedeutung des Handwerks für das Land NRW. Handwerk sorge für Arbeitsplätze und Wertschöpfung auch außerhalb der Großstädte. Es bedeute, in seiner Heimat verwurzelt zu sein und dort Verantwortung zu übernehmen.

Für das Handwerk gratulierten Andreas Ehlert, Präsident von Handwerk.NRW, und für den WHKT-Vorstand die Vizepräsidenten Berthold Schröder und Felix Kendziora sowie WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier. Anstatt nur zurückzublicken, schauten alle Redner vor allem voraus: das Handwerk ist digital, innovativ und bietet jede Menge Aufstiegschancen.

Seine Dankesrede verband Präsident Hund mit dem Wunsch, die Akademie Schloss Raesfeld zu einem Aushängeschild handwerklicher Fortbildung zu entwickeln.

Zum Präsidenten des Westdeutschen Handwerkskammertags und damit zu einem Spitzenvertreter des Handwerks in NRW wurde Hans Hund von den sieben Handwerkskammern in NRW im Jahr 2016 gewählt. 2019 bestätigte die Vollversammlung des WHKT Hans Hund für eine weitere Amtszeit.

Bildmaterial finden Sie unter https://www.whkt.de/owncloud/index.php/s/F6kkZ2gaMrtij0N.

Minister Karl-Josef Laumann (m.) mit Hans Hund und Marlies Hund

Wilhelm Korth MdL, Henning Rehbaum MdL, Hans Hund, Minister Hendrik Wüst, Minister Minister Karl-Josef Laumann, Frau Marlies Hund (v.l.n.r.)

WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier (l.) und die WHKT-Vizepräsidenten Berthold Schröder (2.v.r.) und Felix Kendziora (r.) überreichen WHKT-Präsident Hans Hund ein Bildgeschenk

WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier, Minister Karl-Josef Laumann, Ministerin Yvonne Gebauer, Präsident Hans Hund, WHKT-Vizepräsident Berthold Schröder, Präsident Handwerk.NRW Andreas Ehlert sowie WHKT-Vizepräsident Felix Kendziora (v.l.n.r.)

Digitalisierung des Vergabeprozesses:

Start des elektronischen Nachprüfungsmoduls für NRW

Am 11. Februar 2020 startete in Nordrhein-Westfalen ein neues elektronisches Nachprüfungsmodul. Dies ist ein weiterer Schritt der Digitalisierung des Vergabeprozesses. Er setzt die elektronischen Wege des Vergabeprozesses für Nachprüfungsverfahren fort und vernetzt digitale Arbeitswege innerhalb der Verwaltung und zwischen Verwaltung und Justiz.

Der digitale Weg stärkt die Rechtssicherheit, verkürzt die Zeit für die Aktenübersendung erheblich und bietet durch Papierlosigkeit ökologische und auch wirtschaftliche Vorteile.

Mit dem neuen Modul können in Nachprüfungsverfahren die Vergabe- und Angebotsunterlagen elektronisch von der Vergabestelle an die Vergabekammern und von dort auch dem Vergabesenat des Oberlandesgerichtes Düsseldorf zur Verfügung gestellt werden. Das Nachprüfungsmodul ist ein digitaler Ansichtsraum. Die Unterlagen können darin nicht verändert oder bearbeitet werden. Vergabestellen, die die Module »Vergabemarktplatz« oder »Vergabemanagementsystem« des Vergabeportals NRW nutzen oder auf dem Vergabeportal NRW angemeldet sind, können das Nachprüfungsmodul einsetzen.

Bereits seit Oktober 2018 stehen in EU-Vergabeverfahren die Vergabeunterlagen, die Bieterkommunikation sowie die Angebote elektronisch zur Verfügung. Viele Vergabestellen nutzen darüber hinaus auch E-Vergabe-Lösungen und haben aus dem entsprechenden System bereits eine elektronische Vergabeakte vorliegen. Um im Falle eines Nachprüfungsverfahrens oder einer Beschwerde die elektronisch vorhandenen Unterlagen künftig nicht mehr ausdrucken und an die Vergabekammer bzw. den OLG-Vergabesenat senden zu müssen, können diese Unterlagen zukünftig in elektronischer Form zur Verfügung gestellt werden.

Jede Vergabestelle des Landes NRW sowie der NRW-Kommunen hat bereits Zugangsdaten zum Vergabeportal des Landes NRW unter www.vergabe.nrw.de. Sofern Handwerksbetriebe als Bieter noch keine Zugangsdaten haben, können diese unter vergabeportal@d-nrw.de formlos und kostenfrei unter Nennung von Name, Vorname, E-Mail-Adresse beantragt werden. Im Vergabeportal sind zudem wertvolle Informationen rund um das Thema Vergabe eingestellt.

Das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie NRW hat zu der Frage, welche einzelnen Schritte erforderlich sind und wie mit der Anwendung umzugehen ist, einen Leidfaden zum Nachprüfungsmodul herausgegeben. Der Leitfaden kann unter »Vergabe.NRW« über den nachstehenden Link heruntergeladen werden: https://www.vergabe.nrw.de/sites/default/files/media/document/file/Leitfaden_final-NPM.pdf

Berufliches Können sichtbar machen:

Animationsfilm erklärt Validierungsverfahren

Mit einem neuen Animationsfilm wird das Validierungsverfahren, mit dem berufliche Kompetenzen formal Ungelernter bewertet und zertifiziert werden können, anschaulich erklärt. Schritt für Schritt wird ein Teilnehmender durch das Verfahren begleitet bis er schließlich sein Zertifikat in den Händen hält. Der Film ist abrufbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=CLSpDkQedjw

Im Film „»Können« sichtbar machen – Berufliche Kompetenzen validieren“, der bereits im Rahmen des Vorprojekts erstellt wurde, werden zwei reale Teilnehmende portraitiert. Sie haben Validierungsverfahren im Beruf »Fliesenleger/in« bzw. »Restaurantfachfrau/mann« durchlaufen. Dieser Film vermittelt einen Eindruck davon, wie vielfältig die Teilnehmenden und ihr beruflicher Weg sind: https://www.youtube.com/watch?v=t2ZJeLdn9Os

Interessierte erhalten auf der Webseite des Projekts »ValiKom Transfer« (www.validierungsverfahren.de) umfangreiche Informationen zum Verfahrensablauf. Außerdem sind die Ansprechpersonen aller beteiligten Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern sowie Landwirtschaftskammern und die angebotenen Berufe dort zu finden.

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt »ValiKom Transfer« sind 11 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, 2 Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt.

Projekt NetQA:

Erste Schulungen zur Qualifikationsanalyse und regionale Austauschformate in Sachsen und Niedersachsen

Neben den finanziellen Mitteln des Sonderfonds Qualifikationsanalysen ist es vor allem Expertise, mit der das Verbund-Projekt zuständige Stellen bei der Berufsanerkennung mit Qualifikationsanalysen gemäß § 14 BQFG unterstützen möchte. Erfolgreiche Angebote aus dem Vorgängerprojekt »Prototyping Transfer« (2015–2018) wie Präsenzschulungen zur Vorbereitung und Durchführung von Qualifikationsanalysen wurden mit überarbeitetem Schulungskonzept beibehalten. Die erste Pilotschulung für Kammermitarbeitende der Industrie- und Handelskammern fand Anfang Dezember in Potsdam statt. Für die erste Jahreshälfte 2020 sind bereits zwei Schulungen für berufsfachliche Expertinnen und Experten geplant. Zuständige Stellen beauftragen Experten zur Durchführung der Qualifikationsanalyse als handlungsorientierte Kompetenzfeststellung bei fehlenden schriftlichen Nachweisen.

Um die Zielgruppen noch besser zu erreichen, werden derzeit von der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) zusätzliche Online-Angebote wie Webinare sowie eine Lernplattform mit Materialsammlung erstellt. In den Webinaren sollen verschiedene Inhalte rund um die Qualifikationsanalyse vertieft werden. Für berufsfachliche Expertinnen und Experten ist zudem eine Kombination der Angebote im Blended-Learning-Modell angedacht.

Bundesweit ist die Erfahrung mit Qualifikationsanalysen bei zuständigen Stellen sehr heterogen. Bedarfsanalysen hatten darüber hinaus gezeigt, dass es einen Bedarf an Austausch zum Thema mit anderen zuständigen Stellen gibt. Im Sinne des Aufbaus eines nachhaltigen Expertise-Netzwerks möchte »NetQA« Kammern eine Plattform bieten, sich mit anderen zuständigen Stellen zu Anerkennungsverfahren mit Qualifikationsanalysen auszutauschen und zu vernetzen. Der erste regionale Austausch für Handwerkskammern Ende November in Dresden wurde dementsprechend sehr gut angenommen. Für den 3. März 2020 ist ein gemeinsamer Erfahrungsaustausch für BQFG-Sachbearbeitende der Handwerks-kammern sowie Anerkennungsberaterinnen und Anerkennungsberater der Industrie- und Handelskammern in Osnabrück geplant.

Das Verbund-Projekt »NetQA – Netzwerke für Qualifikationsanalysen« wird bis Ende 2021 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die fachliche Projektsteuerung liegt beim Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT), die Koordination beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Weitere Informationen zum Projekt »NetQA« finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

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AUSBLICK AUF EIN WICHTIGES JAHR

2020 wird ein wichtiges Jahr für das nordrhein-westfälische Handwerk. Immer noch ist die konjunkturelle Lage außergewöhnlich gut. Das positive Geschäftsklima in den allermeisten Handwerksbetrieben sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass zentrale Herausforderungen zu meistern sind.

»Fachkräftesicherung«, »Digitalisierung«, »Innovation« und »Nachhaltigkeit« sind nicht nur wohlfeile Überschriften aktueller politischer Debatten, sondern es ergeben sich daraus sehr handfeste Anforderungen an die Betriebe und Organisationen des Handwerks.

Für ihren Weg in die Zukunft brauchen die rund 192.000 Handwerksbetriebe in NRW bestmögliche Rahmenbedingungen. Diese gilt es im Dialog zwischen Wirtschaft und Politik praxisnah zu gestalten: Damit junge Leute den Weg ins Handwerk finden. Damit aus digitalen Herausforderungen echte Chancen für die Betriebe werden. Und weil für die Lösung der Probleme unserer Zeit, wie den Klimaschutz, qualifizierte Handwerkerinnen und Handwerker gebraucht werden.

Konkret arbeitet der WHKT derzeit zum Beispiel an einer Position zum Thema »Künstliche Intelligenz«. Was bedeutet dieses Thema eigentlich fürs Handwerk? Welche Potentiale bietet es und wie lassen sich diese erschließen? Fragen, auf die Antworten gefunden werden müssen. Nur so lassen sich passende Kompetenzen im Handwerk auch frühzeitig ausbilden. Klar ist: KI erreicht alle Branchen – früher oder später.

Ein weiterer Schwerpunkt in 2020 ist die Fortführung der Arbeit an der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Hier konnte zwar in den letzten Jahren bereits viel erreicht werden, am Ziel sind wir allerdings längst nicht. Angesichts des sich verschärfenden Fachkräfte- und Arbeitskräfteengpasses sind Prozesse notwendig, die zu einem Weiterdenken führen und den nachhaltigen Wert handwerklicher Aus- und Weiterbildung in der Gesellschaft stärken.

 

Was 2020 wichtig wird:

Vorhaben der Europäischen Kommission u. a. Klimagesetz und KI
Zu den bis Ende März 2020 geplanten Vorhaben gehört u. a. ein Klimagesetz, welches das Ziel der Klimaneutralität der EU bis 2050 rechtlich festschreibt und die Rahmenbedingungen des Übergangs formuliert. Außerdem wird die Europäische Kommission im Februar einen europäischen Ansatz für künstliche Intelligenz skizzieren. Es geht um Vertrauen in KI, um Sicherheit, Rechenschaft, Transparenz und die Ziele, für die KI eingesetzt werden soll.

Mit Spannung erwartet: Neue KMU-Strategie
Vom Handwerk mit besonderem Interesse erwartet wird die neue KMU-Strategie. Sie soll am 04.03. veröffentlicht werden, zeitgleich mit einer europäischen Industriestrategie. Das Handwerk erwartet ein sichtbares und operationalisierbares Bekenntnis der Europäischen Kommission zu übergreifenden Themen wie bessere Rechtssetzung und KMU-Definition sowie konkrete mittelstandspolitische Ansätze bei großen Herausforderungen wie Klimaschutz, nachhaltiges Wirtschaften und Digitalisierung.

Aktionsplan Kreislaufwirtschaft der Europäischen Kommission
Nachhaltiges Wirtschaften steht im Zentrum des Aktionsplans Kreislaufwirtschaft. Brachte der erste Aktionsplan, der Ende 2015 vorgelegt wurde, vor allem eine Überarbeitung des europäischen Abfallrechts, verspricht der zweite insbesondere Neuerungen in der Produktpolitik. Diese bergen teils Potenzial für das Handwerk, teils erhebliche Gefahren. Potenziale könnten sich ergeben, wo Mindestanforderungen an Reparaturfähigkeit und Wiederverwendbarkeit Qualitätsprodukte fördern. Gefahren sind zu befürchten mit Blick auf bürokratische Lasten. Dabei geht es um die Rückverfolgbarkeit einzelner Komponenten, um Informationen in der Lieferkette sowie um Lebenszyklusanalysen, die Verbrauchern verlässliche Informationen über die Nachhaltigkeit von Produkten geben und damit die Kaufentscheidung erleichtern. Was gut gemeint ist und zielführend klingt, droht das Kind mit dem Bade auszuschütten, weil die Aufwände für Kleinserien und Einzelfertigungen nicht darstellbar sind.

Umsetzung des Berufsbildungsmodernisierungsgesetzes
Das veränderte Berufsbildungsgesetz bringt Neuerungen mit sich, die für das Verwaltungshandeln der Kammern einige Auswirkungen haben. Viele Fragen sind noch offen, einige Konkretisierungen werden durch Bundesverordnungen und BIBB-Hauptausschussempfehlungen im Laufe dieses Jahres erwartet. Zeugnisse, werden umgestellt, Prüfungsausschüsse zum Teil neu berufen, Ausbildungsverträge anhand der neuen Regelungen auf Eintragungsfähigkeit überprüft etc.

Rechtliche Verankerung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR)
Da man sich rechtlich nicht auf den zwischen Bund und Ländern vereinbarten Deutschen Qualifikationsrahmen beziehen kann, sollen Wege gefunden werden, wie dieser rechtlich in der Bundesrepublik verankert wird.
    
LABB-Empfehlung zur Verschiebung des Anmeldezeitpunkts für vollzeitschulische Bildungsgänge erwartet
Der Landesausschuss für Berufsbildung (LABB) befasst sich mit der Forderung insbesondere aus der Wirtschaft und von der Arbeitsverwaltung, den Anmeldezeitpunkt für Bildungsgänge an Sekundarstufe II – Schulen zeitlich nach hinten zu schieben, um die duale Erstausbildung zu stärken und mehr offene Ausbildungsplätze besetzen zu können. Derzeit erarbeitet der Unterausschuss »Grundsatzfragen« eine Beschlussempfehlung und erörtert Details unter anderem auf der Grundlage einer Zusammenstellung des Schulministeriums der Anmeldezeitpunkte in allen Bundesländern.

Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung
Viele politische Maßnahmen sind notwendig, um eine Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung zu erreichen. Der WHKT wird im Jahr 2020 seine zwölf Jahre alte Grundsatzposition überarbeiten und aktuelle Vorschläge und Forderungen des Handwerks formulieren.

Attraktivität der beruflichen Bildung erhöhen
Das Thema steht im Ausbildungskonsens NRW hoch oben auf der Agenda. Weitere Ideen werden gesucht und Konzepte erarbeitet, um mittel- und langfristig zu einer deutlichen Attraktivitätssteigerung der beruflichen Bildung im Ansehen in der Bevölkerung zu gelangen.
    
Erfolgreiche Ausbildung von Geflüchteten mit integriertem Spracherwerb
Der WHKT plant, im Jahr 2020 eine Initiative anzustoßen, um eine einheitliche Rahmenregelung zwischen Kammern, Schulministerium und Arbeitsministerium zu vereinbaren, um die duale Ausbildung von Geflüchteten mit nicht ausreichenden Sprachkenntnissen für Betriebe erfolgreich gestalten zu können.

Fachkräftesicherung durch Zuwanderung aus Drittstaaten
Die Situation für Handwerksbetriebe auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften bleibt angespannt. Dabei sind es längst nicht nur die Betriebe im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe, die Lebensmittelhandwerke sowie die Bereiche Kälteanlagenbau und Sanitär, Heizung, Klima, die die Gewinnung von Fach- und Führungspersonal als große Herausforderung von heute und morgen ansehen. Die Umsetzung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes (FKEG) verspricht ab März 2020 bei der Anwerbung, beruflichen Anerkennung und Beschäftigung internationaler Fachkräfte aus Drittstaaten ein Paket an Vereinfachungen. Wie diese wirken, welche neuen Strukturen hierfür entstehen und welche Chancen sich daraus insbesondere für die Handwerksbetriebe in NRW ergeben, gilt es gemeinsam mit den zahlreichen Akteuren im Blick zu halten.

Projekt ValiKom im Bundestag:

WHKT-Bildungsexperte in der Enquete-Kommission »Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt«

Am 13. Januar widmete sich die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages dem Thema »Neue Wege in neue Berufe? – Chancen und Risiken neuer Bildungswege«. Der Bildungsexperte und Geschäftsführer des WHKT, Andreas Oehme, wurde als einer von drei Sachverständigen zu der öffentlichen Anhörung eingeladen. Im Mittelpunkt standen die Fragen, welche Instrumente sinnvoll sind, um atypische Bildungs- und Berufswege und die dabei erworbenen Kompetenzen besser anzuerkennen, ob und wie Eingriffe in den freien Weiterbildungsmarkt im Kontext der geordneten und damit formalen Aus- und Weiterbildung gerechtfertigt seien und welche Konsequenzen eine abschlussbezogene Validierung im Berufsbildungssystem und am Arbeitsmarkt haben könnte.

In seinem Impulsvortrag stellte Herr Oehme als Projektleitung das von Kammern entwickelte und erprobte Validierungsverfahren aus den BMBF-geförderten Projekten ValiKom und ValiKom Transfer vor und beantwortete anschließend die vielfältigen Fragen der Kommissionsmitglieder zu Fragestellungen rund und die formale Bildung und die Validierung von informell und nicht formal erworbener Kompetenzen. Er zeigte auf, dass dieses Validierungsverfahren zwar einen neuen Weg eröffnet, sich aber in das Bildungssystem sehr passend einfüge und eine identifizierte Lücke schließe. Anhand von Fallbeispielen machte er deutlich, wie das Verfahren sogar dazu beitragen kann, die Teilnehmenden an die berufliche Bildung heranzuführen bzw. ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich zu verbessern. Andreas Oehme gab außerdem einen Überblick über bisherige Projektergebnisse, indem er unter anderem die Anzahl und den Erfolg der durchgeführten Verfahren, die häufigsten Berufe und Informationen zu den Teilnehmenden vorstellte. Auch betonte er, dass es nicht für alle dualen Berufe nachgefragt bzw. notwendig sei und die Sozialpartner eine wichtige Rolle in dem Zusammenhang spielen. Auf die konkrete Frage, wann sich das Projekt gelohnt habe, brachte er auf den Punkt, dass dies in der Schaffung einer rechtlichen Verankerung im Berufsbildungssystem liegt, um für zuständige Stellen auf der einen Seite und für Antragstellende auf der anderen Seite eine echte Verlässlichkeit zu schaffen.  

Die Stellungnahmen und Präsentationen der externen Sachverständigen sowie das Protokoll der Sitzung werden auf der Webseite der Enquete-Kommission veröffentlicht (https://www.bundestag.de/ausschuesse/weitere_gremien/enquete_bb#). Ebenfalls ist die Anhörung vom 13.01.2020 im Parlamentsfernsehen des Deutschen Bundestags als Video abrufbar unter https://dbtg.tv/cvid/7412085.

Mehr Informationen zu dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt »ValiKom Transfer« unter www.validierungsverfahren.de.

Zukunftsthema:

Krisenkommunikation

Rezo, Dieselskandal, Kundenbeschwerde: Krisenkommunikation kennt viele Themen und Formen. Sie betrifft Politik ebenso wie Unternehmen. Anlässlich des traditionellen Dreikönigsforums von Handwerk.NRW erläuterte der Hauptgeschäftsführer des WHKT, Matthias Heidmeier, dass Handwerksbetriebe zunehmend Bedarf sehen, systematisch Krisenpotenziale aufzuspüren, um diesen im Ernstfall professionell zu begegnen. Anlässe für Krisenkommunikation sind vielfältig. Soziale Netzwerke spielen hier eine Rolle. Doch der Umgang mit Bewertungen, mit Kundenkritik ist nicht alles. Die Risikoanalyse ist ebenso relevant für das Management innerbetrieblicher Veränderungsprozesse, so Heidmeier. Wenn ein Handwerksbetrieb die Digitalisierung seiner Prozesse vorantreibt oder eine Unternehmensnachfolge ansteht, kann das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verunsichern. Proaktive Krisenkommunikation bedeutet in dieser Situation, sich von Beginn an neben den »harten« Zahlen, auch mit der Beziehungsebene zu befassen, so Heidmeier, denn beim Handwerk steht der Mensch im Mittelpunkt. Die Jahrestagung der LGH, die sich an Betriebsberaterinnen und -berater richtet, wird sich im Mai 2020 dem Thema Krisenkommunikation widmen.

Jetzt mitmachen:

Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW 2020 unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Armin Laschet

Mit dem Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW 2020 bietet der Westdeutsche Handwerkskammertag jungen Handwerkerinnen und Handwerkern in diesem Jahr wieder die Möglichkeit, ihre Kreativität und ihr gestalterisches Können zu entfalten und ihre hochwertigen Produkte einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren – und Preisgelder in Höhe von je 3.000 Euro je Themenkategorie zu gewinnen.  

Der Wettbewerb steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Armin Laschet. Für die Feierstunde und Preisverleihung am 11.10.2020 in der Handwerkskammer Düsseldorf hat bereits NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart zugesagt, die Ehrung der Preisträgerinnen und Preisträger sowie aller Teilnehmenden des Wettbewerbes DesignTalente Handwerk NRW 2020 vorzunehmen. Begleitet wird der Wettbewerb von einer Ausstellung, in der vom 05. bis zum 25.10.2020 die nominierten Objekte sowie die Siegerobjekte zu sehen sind.

Zum  Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW 2020 können gestalterisch hochwertige Produkte in den Themenbereichen MÖBEL, SKULPTUREN, SCHMUCK, KLEIDUNG, MEDIEN, WOHNEN von den jungen Handwerkerinnen und Handwerkern ab sofort unter www.designtalente-handwerk-nrw.de eingereicht werden.

Teilnehmen am Landeswettbewerb können alle  Gesellinnen und Gesellen in einem Handwerksberuf in NRW, die nach dem 01. Juni 2020 ihren 31. Geburtstag haben. Die Unterlagen zur Vormerkung bzw. Anmeldung sind wieder unter www.designtalente-handwerk-nrw.de online gestellt. Es sind lediglich Fotos der Wettbewerbsarbeit einzusenden. Anmeldeschluss ist der 01. Juni 2020.

Weitere Informationen zum Wettbewerb sowie zur Anmeldung finden Sie unter www.designtalente-handwerk-nrw.de.

Neu erschienen:

Broschüre »Das handwerkliche Sachverständigenwesen« in aktualisierter Fassung 2019 verfügbar

Der Westdeutsche Handwerkskammertag hat die Broschüre »Das handwerkliche Sachverständigenwesen« überarbeitet und die aktualisierte Fassung 2019 als Download unter www.whkt.de -> Downloads -> Publikationen -> Publikationen der WHKT/LGH Schriftenreihe online gestellt.

Die Broschüre mit allem Wissenswertem rund um das handwerkliche Sachverständigenwesen trägt nun an zahlreichen Stellen der geänderten Gesetzeslage Rechnung und wurde um neue Musterverträge ergänzt. Insbesondere das Thema »Widerrufsrecht« des privaten Auftraggebers, soweit dieser als Verbraucher bei der Beauftragung des öffentlich bestellten Sachverständigen des Handwerks anzusehen ist, und die Differenzierung, unter welchen Voraussetzungen der öffentlich bestellte Sachverständige des Handwerks überhaupt nach der Rechtslage verpflichtet ist, auf diese Widerrufsmöglichkeit hinzuweisen, sind nun in dem Abschnitt »Besonderheiten des Privatgutachtens« erläutert.

Verschiedene Muster einer Widerrufsbelehrung, eines Widerrufsformulars und einer Erklärung zum vorzeitigen Erlöschen des Widerrufsrechts sind als Anlage in der Broschüre für den öffentlich bestellten Sachverständigen des Handwerks beigefügt. Zudem wurden auch die Anforderungen nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) an den öffentlich bestellten Sachverständigen des Handwerks aufgegriffen und ein Muster zur Information zur Verarbeitung personenbezogener Daten aufgenommen.  

Die Broschüre bietet einen guten Überblick über das handwerkliche Sachverständigenwesen und richtet sich als Handreichung an alle, die sich mit dem Gedanken tragen als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer tätig zu sein.

Personalia:

WHKT-Ehrenpräsident Willy Hesse zum Ehrenbürger der Stadt Arnsberg ernannt

Dem langjährigen WHKT-Präsidenten und Ehrenpräsidenten der Handwerkskammer Südwestfalen Willy Hesse wurde mit dem Ehrenbürgerrecht die höchste Auszeichnung der Stadt Arnsberg im Rahmen des Neujahrsempfangs verliehen. Damit würdigte der Rat der Stadt mit seinem einstimmigen Votum die besonderen Verdienste, die sich Willy Hesse in den vergangenen Jahrzehnten erworben hat.

Willy Hesse, von 1999 bis 2019 Kammerpräsident der Handwerkskammer Südwestfalen sowie von 2010 bis 2016 Präsident des WHKT, wurde damit für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.

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Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier hat Anfang November seine Arbeit im WHKT aufgenommen

Seit Beginn des Monats November arbeitet das Team des WHKT unter der Leitung des neuen Hauptgeschäftsführers. Heidmeier sieht gute Chancen für eine erfolgreiche Interessenvertretung. Der WHKT spiegele das gesamte nordrhein-westfälische Handwerk wider, weil er für die Interessen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer gleichermaßen einstehe. Damit könne man gegenüber Politik und Gesellschaft besonders glaubwürdig auftreten. Es sei nicht nur eine große Chance das Gesamthandwerk zu vertreten, sondern auch eine enorme Verpflichtung. »Wir müssen und wollen den Ausgleich beständig suchen«, so Heidmeier.

Das Handwerk habe allen Grund, selbstbewusst zu sein. »Wir sind entscheidende Stütze der Sozialen Marktwirtschaft – mit über 190.000 Betrieben und über 1,1 Million Beschäftigten allein in NRW«, betont HGF Matthias Heidmeier. Er habe beim WHKT ein motiviertes und kompetentes Team vorgefunden. Gemeinsam wolle man ein effizienter Dienstleister für die Mitglieder, die sieben Handwerkskammern in NRW, sein.

Heidmeier kam von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) aus Berlin nach Düsseldorf. Er will sich in enger Zusammenarbeit mit dem Vorstand insbesondere dafür einsetzen, dass das Handwerk auch in Zukunft geschlossen auftritt und damit seine volle Stärke zeigen kann. Auch wenn die wirtschaftliche Lage des Handwerks insgesamt immer noch ausgesprochen gut sei, müsse man jetzt entschlossen die Weichen für die Zukunft stellen. »Die digitalen Herausforderungen, die schwierige Lage bei der Nachwuchssuche und die belastende Bürokratie für die Betriebe – es gibt viel zu tun«, so Heidmeier.

Im Gespräch:

Sven Giegold MdEP zu Gast bei der WHKT-Vollversammlung

Am 25.10.2019 war der Europaabgeordnete Sven Giegold zu Gast bei der (181.) WHKT-Herbst-Vollversammlung in Düsseldorf.

Er erläuterte den aktuellen Sachstand zur Ernen- nung der Europäischen Kommission für die Amtszeit 2019–2024. Dabei hob er die besonderen Befugnisse des Europäischen Parlaments im Anhörungsverfahren hervor. Ein vergleichbares Prüfverfahren zur persönlichen und fachlichen Eignung für angehende Ministerinnen und Minister gebe es in Deutschland nicht.

Zum Thema »Brexit« äußerte Giegold, dass es auch nach einem Austritt des Vereinigten Königreichs kaum von der Agenda verschwinden werde. Im nächsten Schritt würde eine Vereinbarung über die künftige Zusammenarbeit verhandelt. Das sei ein absehbar komplexer und langwieriger Prozess. So drohe sich das aktuelle »Theater« zu wiederholen.

Mit Blick auf die europäische Klimapolitik warb Sven Giegold dafür, die Veränderungen als Chance zu sehen, auch wenn klar sei, dass nicht alle gleichermaßen gewinnen werden. Er wies darauf hin, dass die Umweltvorschriften in Deutschland in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts strenger gewesen als im Rest der Welt. Das habe Innovationen beflügelt und in einigen Bereichen zur Weltmarktführerschaft beigetragen. Klar sei, die energetische Gebäudesanierung müsse beschleunigt werden. Nach Ansicht der Grünen müsse Bauen darüber hinaus insgesamt nachhaltiger und ressourcenschonender werden, zum Beispiel durch den Einsatz von Baustoffen aus nachwachsenden Rohstoffen.

Gesprächsthema waren außerdem Finanzthemen wie Basel IV, die europäische Einlagensicherung, AnaCredit-Anforderungen und die europäischen Pläne zur grünen Finanzierung.

Lehrlinge und Studierende gleichstellen:

Mehr Wohnunterkünfte für Auszubildende schaffen

Auf der WHKT-Vollversammlung Ende Oktober haben die Spitzen der Handwerkskammern einstimmig ein WHKT-Positionspapier verabschiedet, das Wohnheime für Auszubildende fordert, da diese genauso wie Studierende keine Wohnmöglichkeiten insbesondere in den Ballungsräumen des Landes finden. Während Wohnen in den Städten immer teurer wird, bleiben Ausbildungsplätze zunehmend unbesetzt. Diese Wohnheime sind ebenso für Jugendliche aus einem schwierigen Lebensumfeld wichtig, um erfolgreich eine Ausbildung absolvieren zu können.

Das Land investiert jährlich rund 95 Mio. EUR für Studentenwohnheime. Ein vergleichbares Angebot für Auszubildende fehlt. Dies ist längst überfällig, um die politisch propagierte Gleichwertigkeit von akade- mischer und beruflicher Bildung herzustellen.

Das neue WHKT-Positionspapier ist unter folgendem Link zu finden: www.whkt.de/positionen.

Der WHKT hat sich mit dieser Forderung in einem ersten Schritt an die Landesregierung in NRW gewandt und ein Bündnis für Lehrlingswohnen vorgeschlagen. Darüber hinaus bereitet der WHKT weitere Aktivitäten vor, um dieses berechtigte Interesse der beruflichen Bildung durch Land, Bund und Kommunen in eine Realisierung zu führen.

Aktueller Sachstand:

Agenda zur Stärkung der Berufsbildung

Das Vorhaben der Landesregierung, eine Agenda zur Stärkung der Berufsbildung aufzustellen und Maßnahmen dafür umzusetzen, haben im November gleich zwei Gremien aufgegriffen.

So wurde im Landesausschuss für Berufsbildung über den Kommunikationsprozess berichtet, wie Arbeitsund Schulministerium mit nahezu 30 verschiedenen Organisationen in den Dialog gegangen ist, um auf der Basis eines Vorschlags der Ministerien Anregungen für Änderungen und Ergänzungen zu erhalten. Die Bildungsexperten der sieben Handwerkskammern wurden genauso beteiligt wie der Kreis der Geschäftsführer der Fachverbände des Handwerks. Die Hauptthemenfelder Digitalisierung und Globalisierung, Sicherung des Fachkräftenachwuchses, Übergang von der Schule in den Beruf, Ausund Fortbildung der Lehrkräfte an Berufskollegs, regionale Verantwortung der Berufskollegs wurden durchweg begrüßt. Der WHKT und die Handwerksvertreter haben eine ganze Reihe von konkret fehlenden Punkten für den Maßnahmenkatalog eingebracht. Dazu zählen u. a.:

  • Verschiebung des Anmeldezeitpunkts am Berufskolleg um mehrere Monate nach hinten
  • »Steuerung« des Bildungsgangangebots der Berufskollegs, um Konkurrenzen zur dualen Ausbildung bei immer mehr unbesetzten Ausbildungsstellen zu vermeiden
  • Schulträgerübergreifende Schulentwicklungsplanung
  • Beibehaltung der Marken »Schule« für Berufskollegs und »Bildungszentrum« für von der Wirtschaft verantworteten Berufsbildungszentren, auch bei Einführung von Modellversuchen zur Vernetzung von Berufskollegs
  • Stärkung der von der Wirtschaft verantworteten Bildungsinfrastruktur (Hinweis auf Modernisierungspakt) und auch der Höheren Berufsbildung mit Kammerprüfungen

Die Tatsache, dass es eine Agenda geben wird, ist sehr positiv. Der Kommunikationsprozess war sehr offen und beachtenswert aufwändig. Für eine abschließende Beurteilung einer Agenda müssen jedoch die konkreten Maßnahmen feststehen, die anschließend realisiert werden sollen. Der Dialogprozess wird noch im November beendet sein. Danach werden die Ministerien bis zum Frühjahr 2020 die Agenda ausformulieren und planen, danach die Maßnahmen umsetzen zu können.

Der Schulausschuss des Landtags hat sich ebenfalls mit der Stärkung der Berufsbildung auf Basis eines Antrags von SPD und Bündnis90/Die Grünen befasst und auch die Agenda thematisiert. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob ein parlamentarisches Gremium dafür eingerichtet werden soll. Der WHKT hat an der Anhörung des Schulausschusses teilgenom- men und dazu eine schriftliche Stellungnahme einge- reicht, die zu finden ist unter www.whkt.de/stellungnahmen.

Die Diskussion im Schulausschuss hat gezeigt, dass viele Themen die Vertreter der Berufsbildung und die Abgeordneten interessieren und der Lehrermangel an Berufskollegs eines der zentralen Themen bleibt.

Fakten zum Azubiticket:

Nachfrage in zwei Monaten in erheblichem Umfang gestiegen

Noch gibt es keine detaillierten Zahlen zur Nutzung des Azubitickets in NRW. Das Ergebnis einer Umfrage des Verkehrsministeriums unter den Verkehrsverbünden zeigt, dass zwei Monate nach Einführung des Azubitickets die Nachfrage um rund 31 Prozent gestiegen ist. Darüber wurden die Mitglieder des Landesausschusses für Berufsbildung in ihrer letzten Sitzung Anfang November in Düsseldorf informiert. Es sind zusätzlich 31.000 Azubitickets im Abonnement verkauft worden. Zudem sind 6.900 Zusatztickets für 20 EUR im Abonnement verkauft worden, die den Gültigkeitsbereich des Verkehrsverbund-Tickets auf ganz NRW ausweiten. Es ist nicht bekannt, welcher Anteil auf Auszubildende und welcher auf Teilnehmer der Höheren Berufsbildung fällt, auch nicht, inwieweit das auf Nachfrage aus dem Handwerk beruht. Insgesamt ist die Steigerung aber als überaus positiv zu betrachten.

In den nächsten Jahren kommt es darauf an, den Preis für das Azubiticket (ca. 82 EUR) Stück für Stück auf den Preis des Semestertickets für Studierende (ca. 32 EUR) abzusenken.

Verbändeanhörung gem. § 35 Abs. 1 GGO des Landes:

Zielsetzung des Gesetzesentwurfs zur Novellierung des E-Government-Gesetzes NRW wird befürwortet

Als eines der zentralen Ziele hat sich die Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag die vollständige Digitalisierung der Arbeit der gesamten Landesverwaltung bis zum Jahr 2025 gesetzt.

Der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) befürwortet daher im Rahmen der Verbändeanhörung die Zielsetzung des Gesetzesentwurfs zur Novellierung des E-Government-Gesetzes Nordrhein-Westfalen, die rechtliche Grundlage zur Förderung der nachhaltigen und beschleunigten Digitalisierung der Verwaltung in Nordrhein-Westfalen zu schaffen. Bestehende Regelungen sind an geänderte Rahmenbedingungen anzupassen und immer mehr Lebensbereiche müssen erfasst und rechtlich abgebildet und einbezogen werden.

Der WHKT begrüßt ausdrücklich alle Initiativen, die zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Standortwettbewerbsfähigkeit Nordrhein-Westfalens führen und die zur effektiven Deregulierung und Entbürokratisierung und dem Abbau der Erschwernisse für Handwerksbetriebe beitragen.

Kleine und mittelständische Unternehmen des Handwerks leiden unter einer viel zu hohen Regelungsdichte und zu langsamen Verwaltungsverfahren. Die administrationsbedingten Leistungen, die Betriebe erbringen müssen, haben in der Vergangenheit kontinuierlich zugenommen. Digitalisierung bedeutet daher für das Handwerk vor allem Entbürokratisierung.

Erforderlich ist ferner, dass der Transformationsprozess innerhalb der Verwaltung beschleunigt und für die Landesverwaltung entsprechend der OZR-Verpflichtung das Jahr 2025 als verbindliches Ziel gesetzt wird. Hier muss auch aus Sicht des Handwerks den steigenden Erwartungen sowohl der Bürgerinnen und Bürger als auch der Unternehmen Rechnung getragen werden.

Das Handwerk in NRW spricht sich auch für die aktive Bereitstellung von Daten der Behörden des Landes in Anlehnung an die entsprechenden Regelung des Bundes aus. Mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit des Verwaltungshandelns und insbesondere die digitale Teilhabe und Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft bietet die Möglichkeiten, Bürokratielast abzubauen und nutzerfreundliche und effizientere Verwaltungsdienste auch in elektronischer Form anzubieten.

Die Handwerkskammern versprechen sich von dem Gesetzesvorhaben aber nicht nur positive Effekte für die Handwerksunternehmen in NRW, sondern auch für die Handwerkskammern, als Einrichtungen der Selbstverwaltung der Wirtschaft, die in vielen Verwaltungsverfahren eingebunden sind. Verwaltungsangelegenheiten einfach, schnell und ortsunabhängig zu gestalten und im Rahmen der Selbstverwaltung der Wirtschaft übertragenen Aufgaben im Internetzeitalter Mitgliedsbetrieben und Beteiligten anbieten zu können, liegt im ureigenen Interesse der Handwerkskammern in NRW und der Handwerksorganisation.

Der WHKT begrüßt zudem die Ankündigung, dass der Gesetzesentwurf nicht nur für Bürgerinnen und Bürger, sondern insbesondere auch für die Wirtschaft keine Verpflichtungen mit Kostenfolgen enthält. In diesem Zusammenhang sprechen sich die Handwerkskammern jedoch dafür aus, die DE-Mail-Verpflichtung nur dann in dem Gesetzesvorhaben aufgenommen wird, wenn sich deren Rahmenbedingungen signifikant verbessern.

Europa:

Dennis Radtke MdEP zu Gast beim WHKT-Arbeitskreis Europa

»Green Deal«, europäischer Mindestlohn, Lohntransparenzmaßnahmen, europäisches KI-Konzept, all dies sind Vorhaben, die die designierte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in ihren politischen Leitlinien für die ersten 100 Tage ihrer Amtszeit angekündigt hat. Eigentlich hätte diese Amtszeit zum 01. November 2019 beginnen sollen. Wann sie tatsächlich startet, ist derzeit unklar.

Während die neuen Vorhaben also noch in der Pipeline stecken, laufen Gesetzgebungsverfahren zu Vorhaben aus der alten Legislaturperiode, die vor der Europawahl nicht abgeschlossen wurden, weiter. Darunter sind erwartungsgemäß auch einige, die für das Handwerk von erheblicher Bedeutung sind. Man denke an die Lenk- und Ruhezeiten, die Straßenmaut, die Dienstleistungskarte oder die EU-Vorschriften zur Koordinierung der Sozialsysteme. Letztere betreffen unter anderem die A1-Bescheinigung. Sie war Gegenstand eines Gesprächs des WHKT-Arbeitskreises Europa mit dem Europaabgeordneten Dennis Radtke. Radtke ist Mitglied des Beschäftigungsausschusses des Europäischen Parlaments und beschäftigungspolitischer Koordinator der EVP-Fraktion.

Im Rahmen der laufenden Überarbeitung der EU-Vorschriften zur Koordinierung der Sozialsysteme wird unter anderem geprüft, inwiefern eine A1-Bescheinigung bei Geschäftsreisen in einen anderen Mitgliedstaat verzichtbar sein soll. Der Teufel steckt im Detail. Geht es nur um die Teilnahme an Konferenzen und Geschäftsgespräche oder auch um die Erbringung von Dienstleistungen? Meint »kurzfristig« einen Tag, eine Woche oder einen Monat? Diese Fragen werden derzeit in Verhandlungen zwischen Europäischem Parlament, Rat und Kommission erörtert. Der Europaabgeordnete Radtke erläuterte, er wisse um die Probleme, die die A1-Bescheinigung gerade bei kurzfristig anberaumten Terminen im Ausland für Unternehmen mit sich bringt. Er könne sich Erleichterungen vorstellen, soweit ein Zeitraum von einer Woche nicht überschritten werde.

Weiteres Thema war das Vorhaben zum »europäischen Mindestlohn«. Radtke erläuterte, dass noch unklar sei, wie das europäische Mindestlohnkonzept angelegt werde. Sicher sei, es gehe nicht um einen einheitlichen Mindestlohn für alle Mitgliedstaaten. Das sei angesichts der Lohnspreizung nicht vorstellbar. Eine Idee aus Kreisen der Sozialisten gehe dahin festzulegen, dass die Mindestlöhne überall in Europa mindestens 60 Prozent des jeweiligen nationalen Medianlohns betragen sollten. Das sehe er nicht. Radtke warb stattdessen für eine Stärkung des sozialen Dialogs und für mehr Tarifbindung.

Innovationspreis Handwerk:

Preisverleihung an Handwerksbetriebe am 25. November 2019

Am 25.11.2019 wird der Innovationspreis Handwerk im Rahmen des 11. Ständehausgespräches des Wirtschaftsministeriums NRW im K21 in Düsseldorf verliehen.

Erstmalig gibt es den Innovationspreis Handwerk in Nordrhein-Westfalen, weil die Landesregierung sehr zu schätzen weiß, dass Handwerksbetriebe aus ihrer täglichen Arbeit an Problemlösungen für Kunden unzählige kleine und große Innovationen hervorbringen. In enger Abstimmung haben WHKT und MWIDE den Wettbewerb gemeinsam ausgerichtet. Es haben sich am Innovationspreis bis zum Ende der Bewerbungsfrist über 50 Betriebe beworben und die Jury wählte schließlich die Preisträger für beide Kategorien (bis 10 und über 10 Beschäftigte) aus.

Das Wirtschaftsministerium hat sehr breit zur Veranstaltung am 25.11.2019 eingeladen. Online-Anmeldungen sind noch bis zum 20.11.2019 möglich unter https://veranstaltungen-wirtschaft.nrw.de/csr-staendehausgespraech2019

Ein Jahr »ValiKom Transfer«:

Berufliche Kompetenzen von 187 Teilnehmenden sichtbar gemacht

Seit November 2018 bieten insgesamt 30 Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern sowie Landwirtschaftskammern bundesweit ein Validierungsverfahren an, mit dem berufliche Kompetenzen im Vergleich zu einem anerkannten Ausbildungsberuf (»Referenzberuf«) zertifiziert werden. Das Verfahren richtet sich an Personen ohne Berufsabschluss sowie Quereinsteiger/innen, die über mehrjährige Berufserfahrung verfügen und mindestens 25 Jahre alt sind. Berufsexpertinnen und -experten bewerten das Wissen und Können der Teilnehmenden während einer handlungsorientierten Fremdbewertung z. B. durch Arbeitsproben und Fachgespräche.

Bis Ende Oktober 2019 wurden 187 Verfahren abgeschlossen. 87 Personen zeigten, dass sie in einem oder mehreren Bereichen des Referenzberufs über Kompetenzen verfügen. 92 weitere Teilnehmende stellten unter Beweis, dass sie in allen Bereichen des Referenzberufs kompetent sind. Sie alle erhielten ein Zertifikat, das sichtbar macht, in welchen Berufsbereichen Kompetenzen vorhanden sind. Bei 8 Teilnehmenden waren die Kompetenzen hingegen nicht ausreichend, um ein Zertifikat zu erhalten.

Mit 21 Teilnehmenden wurden im Referenzberuf »Friseur/in« die meisten Verfahren durchgeführt. Gefolgt vom Referenzberuf »Kaufmann/-frau für Büromanagement« mit 20 Teilnahmen, »Fachlagerist/in« mit 18 und »Maschinen- und Anlagenführer/in« mit 13 abgeschlossenen Verfahren. Die Berufe »Elektroni­ker/in«, »Koch/Köchin«, »Maler/in und Lackierer/in« sowie »Metallbauer/in« liegen mit je 12 durchgeführten Verfahren gleichauf.

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt »ValiKom Transfer« sind 11 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, 2 Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT als Projektleitung beteiligt. Weitere Informationen zum Projekt sind zu finden unter www.validierungsverfahren.de.

Berufsbildungspartnerschaft:

BBP-Projekt in Tansania hat einen durchschlagenden Erfolg

Die im April 2017 gestartete Berufsbildungspartnerschaft des WHKT mit dem tansanischen Berufsbildungsinstitut VETA zeigt mittlerweile sichtbare Ergebnisse. 26 Lehrlinge werden im Bereich Land- und Baumaschinenmechanik am Standort Babati im Rahmen einer dualen Ausbildung geschult. Im Januar 2020 wird ein weiterer Lehrgang in diesem Bildungszentrum starten.

Nicht nur in der Bildungsstätte, sondern auch in den Betrieben wird die Berufsbildungspartnerschaft als großer Erfolg betrachtet. So berichtet ein Betriebsinhaber: »Zuerst hatte ich große Zweifel, weil ich meinen Mitarbeiter regelmäßig für mehrere Wochen zu den Lehrgängen schicken muss. Aber nach schon einem Jahr zählt der Lehrling zu meinen besten Mitarbeitern!«

Betriebe wie auch Auszubildende profitieren spürbar vom Know-how der Ausbilder, die durch deutsche Experten geschult wurden. Auch die Kurzkurse zum Thema »Vermeidung von Nachernteverlusten« sind sehr gefragt. Insbesondere für die örtlichen Farmer stellt das Wissen, das über diese Lehrgänge vermittelt wird, eine enorme Bereicherung dar.

Damit leistet der WHKT in diesem Projekt nach weniger als drei Jahren bereits einen spürbaren Beitrag zum Oberziel des Vorhabens: der Verbesserung von Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der tansanischen Landwirtschaft. Thomas Rehberg, Langzeitexperte des Projektes, sagt hierzu: »Wir sind hoch erfreut darüber, wie viel wir dank der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit unseren Projektpartnern in Tansania, aber auch der breiten Unterstützung der Kooperationspartner in Deutschland, in der ersten Projektphase erreicht haben.«

Die erfolgreiche Entwicklung dieses Projektes ist nicht zuletzt den verschiedenen Handwerksorganisationen wie auch weiteren Sozialpartnern und Unternehmen aus Deutschland zu verdanken. Die Handwerkskammer Düsseldorf spendete sechs Schweißmaschinen, das Bildungszentrum BGE der Handwerkskammer Aachen und die DEULA Warendorf entsendeten Kurzzeitexperten in das Land. Über die Handwerkskammer Münster wurde im Rahmen des Konkreten Friedensdienstes mehrfach jungen Handwerkern die Gelegenheit gegeben, für vier Wochen in der tansanischen Bildungsstätte zu arbeiten. Die Handwerkskammer zu Köln leistete mit ihrer langjährigen Erfahrung in der Durchführung internationaler Berufsbildungsprojekte ebenso einen wertvollen Beitrag.

Darüber hinaus trugen Sachspenden verschiedener Stellen dazu bei, dass eine qualitativ hochwertige Ausbildung ermöglicht werden konnte. So spendete die Christian Albrechts-Universität Kiel 22 Computer, und die Firmen RIELA und Niemeyer aus Riesenbeck sowie Holzmann Hydrotec aus München unterstützten das Projekt mit gebrauchten Pflügen, Motoren und Traktoren, die zu Ausbildungszwecken genutzt werden können.

Vor dem Hintergrund des bisherigen Erfolgs wird nun geklärt, mit welchem Schwerpunkt das durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderte Projekt für weitere drei Jahre fortgesetzt wird.

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Ausblick auf die kommenden Monate: Green Deal und Co.

Am 11. Dezember hat die Europäische Kommission ihren »Green Deal« vorgestellt. Im Zentrum der Strategie steht das Ziel der Klimaneutralität der EU bis 2050 und der damit verbundene tiefgreifende Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft.

Der »Green Deal« ist bis jetzt »nur« eine Mitteilung der Europäischen Kommission. Diese ist verknüpft mit einem Fahrplan von 47 Maßnahmen, die in den kommenden zwei Jahren angestoßen werden sollen. Dieser Fahrplan hat es in sich – im Sinne des Umfangs und der Qualität der Maßnahmen. Der Umbau in Richtung Klimaneutralität tangiert alle Bereiche. Entsprechend ist auch das Handwerk absehbar vielfältig betroffen.

Da sind zunächst die Gesetzgebungsvorhaben. Wenn in Zukunft die Treibhausgasemissionen stärker verringert werden als das bisher vorgesehen ist, hat das Auswirkungen auf den Instrumentenkasten. Das kann bedeuten, dass Verkehrs- und Gebäudeemissionen mittelfristig dem Emissionshandel unterliegen. Darüber hinaus werden absehbar Maßnahmen verschärft, z. B. die Emissionsstandards für neue leichte Nutzfahrzeuge. Die Energieeffizienzrichtlinie wird voraussichtlich 2021 erneut geöffnet. Hier könnten Diskussionen über Renovierungspflichten für öffentliche Gebäude erneut entflammen und die Frage, inwiefern Energieversorger für Energieeinsparmaßnahmen bei Kunden verantwortlich sein sollen. Die Energiesteuerrichtlinie soll ebenfalls im Jahr 2021 angefasst werden. Das könnte mittelfristig das Dieselprivileg beenden.

Jenseits der Gesetzgebungsverfahren geht es um Anreize und Unterstützung, insbesondere auch für die Gebäudesanierung.

Der »Green Deal« betrifft auch das im Handwerk viel diskutierte Thema Luftqualität, denn diese hat auch Rückwirkungen auf die Treibhausgasemissionen. Im Jahr 2021 wird voraussichtlich ein Vorschlag zur Überarbeitung der Luftqualitätsrichtlinie veröffentlicht werden. Die Luftqualitätsrichtlinie legt Grenzwerte für Schadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide fest. Zu vermuten ist, dass vor allem die Feinstaubgrenzwerte verschärft werden. Diese sind im internationalen Vergleich, insbesondere mit Blick auf die WHO-Richtwerte, relativ großzügig. Weil Kommunen und Regionen nur begrenzt Möglichkeiten haben, Schadstoffe zu reduzieren, setzt die Verschärfung sinnvollerweise voraus, dass die Emissionen an der Quelle gesenkt werden. Mögliche Hebel sind z. B. Emissionen von Neufahrzeugen, der Ausbau der Infrastruktur für alternative Antriebe, Mindestanforderungen für die Verbrennung von Festbrennstoffen und darüber hinaus Emissionsminderungen in der Landwirtschaft. Solche Verzahnungen, bei denen das Stellen an einer Schraube weitere Maßnahmen nach sich zieht oder diese voraussetzt, sind im Maßnahmenkatalog verbreitet anzutreffen.

Der »Green Deal« ist eines von vielen Vorhaben. Im ersten Quartal des kommenden Jahres sind auch in anderen Bereichen Vorschläge und Strategien zu erwarten. Noch im Dezember könnte der Startschuss für das nächste Europäische Semester fallen, das heißt die wirtschaftspolitische Koordinierung. Für Januar steht eine Roadmap für ein soziales Europa auf der Tagesordnung, verbunden mit einer Initiative für Mindestlöhne in der EU. Im Februar werden unter anderem Maßnahmen zur künstlichen Intelligenz und zur Entgelttransparenz veröffentlicht werden. Im März folgen eine neue KMU-Strategie, ein absehbar umfangreicher Aktionsplan Kreis­laufwirtschaft, eine Bildungsstrategie und ein Binnenmarktbericht mit Schwerpunkt Binnenmarkthindernisse.  Das Arbeitsprogramm der Europäischen Kommission soll am 29. Januar 2020 veröffentlicht werden. Dann wird klar, wie es in den nächsten Quartalen weitergeht.

Gemeinsam mit MWIDE realisiert:

Erstmalig Innovationspreis Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen vergeben

Ende November wurde erstmalig der »Innovationspreis Handwerk« von Wirtschafts- und Innovationsminister Prof. Dr. Pinkwart an Handwerksbetriebe vergeben. Der WHKT hatte den Wettbewerb gemeinsam mit dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIDE) konzipiert und die Organisation weitgehend übernommen. Besonders hervorzuheben ist die Anzahl von 53 Bewerbungen um den Innovationspreis, den es in zwei Kategorien gibt – bis 10 und über 10 Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter.

Dabei hatte die Jury große Mühe, sich auf nur einen Preisträger je Kategorie zu beschränken und hatte sich deshalb  entschlossen, für beide Kategorien jeweils zwei Betriebe vorzuschlagen. Das hohe Niveau der vorgeschlagenen Betriebe bewog Minister Prof. Dr. Pinkwart dazu, die Preisgelder zu verdoppeln und in jeder Kategorie nicht nur einen, sondern je zwei Preisträger mit je 10.000 Euro auszuzeichnen und damit seine hohe Wertschätzung gegenüber den Siegerbetrieben und damit dem Handwerk als Ort von Innovationen auszudrücken.

Der Innovationspreis soll alle zwei Jahre vom Wirtschaftsministerium vergeben werden, so dass der nächste Wettbewerb im Jahr 2021 ansteht.

Virtuelle Akademie in Vorbereitung:

WHKT startet Vorhaben, um Ehrenamt noch stärker zu unterstützen

Mit dem vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Projekt »Ehrenamtsakademie« verbindet der WHKT das Ziel, das Ehrenamt im Handwerk zu stärken und Nachwuchs für das Ehrenamt zu sichern. Es werden die Angebote für ehrenamtlich Tätige in NRW gesichtet, zusammengestellt und für Ehrenamtsträgerinnen und Ehrenamtsträger auf einer Plattform transparent gemacht. Zudem sollen zielführende Angebote bereitgestellt und die Durchführung von Workshops mit jungen Ehrenamtsträgerinnen und Ehrenamtsträgern und potentiellen Ehrenamtsträgerinnen und Ehrenamtsträgern erprobt werden, um Inhalte für zu schaffende Weiterbildungsangebote zu ermitteln.

Das Projektvorhaben ist im Dezember 2019 ge­startet und endet im November 2021. Der WHKT wird in absehbarer Zeit auf die Handwerksorganisationen in dieser Sache zugehen.

Berufsbildungsmodernisierungsgesetz I:

Große Aufwertung der Höheren Berufsbildung

Die Abschlussbezeichnungen »Bachelor Professional« und »Master Professional« ergänzen zukünftig unter anderem den Meistertitel und den Abschluss Betriebswirt (HWO). Dies begrüßt der WHKT ausdrücklich. Denn die Entscheidung ist ein wichtiges Signal für die Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen Bildung in Deutschland. Die Höhere Berufsbildung bekommt damit ein klares Profil. Für unzählige, sehr bedeutende Berufsabschlüsse mit ihren branchenspezifischen Qualifikationsbezeichnungen gibt es eine gemeinsame, verständliche Klammer. National wird anerkannt und international transparent gemacht, was die von der Wirtschaft verantwortete Berufsbildung tatsächlich leistet und sich in Prüfungszeugnissen der Aus- und Weiterbildung widerspiegelt.

Der WHKT befasst sich schon lange mit diesem Thema und hatte bereits im Jahr 2005 maßgeblich an dem Beschluss des Landesausschusses für Berufsbildung in NRW »Einführung des »Bachelor Professional« für Berufsabschlüsse der beruflichen Weiterbildung auf hohem Niveau als zusätzliche Bezeichnung mitgewirkt.

Berufsbildungsmodernisierungsgesetz II:

Zusätzliche Belastungen für Ausbildungsbetriebe in Sicht

Trotz der Aufwertung der Höheren Berufsbildung und den sehr positiven Aspekten des Berufsbildungsmodernisierungsgesetzes muss man feststellen, dass die Ausbildungsbetriebe deutlich mehr belastet werden, so z. B. durch erweiterte Freistellungsverpflichtungen ihrer Auszubildenden im Zusammenhang mit dem Berufsschulunterricht. Jetzt wird es in NRW darauf ankommen, die gesetzliche Regelung, dass der Berufsschultag im Regelfall acht Unterrichtsstunden hat, ernst zu nehmen und flächendeckend umzusetzen. Denn ohne Zustimmung der betroffenen Wirtschaft sollte es nach geltender Rechtslage schon jetzt keine »halben Berufsschultage«, d. h. 4–6 Stunden, geben. In der Anlage A der sog. APO-BK, dem Regelwerk für Berufskollegs heißt es für die Berufsschule: »An einem Tag sind acht Unterrichtsstunden zu erteilen.«

Beitrag zum Klimaschutz:

Energiesparer NRW: Auszeichnung für energieeffiziente Privathaushalte

Sowohl Maßnahmen zur energetischen Modernisierung als auch der Einsatz erneuerbarer Energien und effizienter Technologien leisten einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz.

Das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen setzt sich daher dafür ein, die Umsetzung von Energie- und Klimaschutzmaßnahmen voranzubringen. Ohne das persönliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger ist dies jedoch nicht möglich.

Im Auftrag des Ministeriums koordiniert die EnergieAgentur.NRW das Projekt Energiesparer NRW. Private Haushalte können sich als Energiesparer NRW präsentieren. Auch wenn man Häusern die inneren, energetischen Qualitäten nicht ansieht – wer in die Energieeffizienz investiert, Energie spart oder die Kraft der Sonne nutzt, leistet einen Beitrag zum Klimaschutz. Vier unterschiedliche Auszeichnungen werden für besonders niedrigen Heizwärmebedarf, besonders effizienten Einsatz von Energie oder für den Einsatz erneuerbarer Energien, z. B. Photovoltaik oder Solarkollektoren, auf Antrag vergeben.

Weitere Informationen der EnergieAgentur.NRW gibt es unter www.energieagentur.nrw/energiesparer.

Die EnergieAgentur.NRW ist langjähriger Kooperationspartner des nordrhein-westfälischen Handwerks und hat bereits zahlreiche erfolgreiche Maßnahmen mit dem Westdeutschen Handwerkskammertag und weiteren Handwerksorganisationen in den Bereichen Klimaschutz und erneuerbare Energien realisiert.

Europa:

Brexit

Nach den Wahlen am 12. Dezember 2019 hat die Tory-Partei die absolute Mehrheit im britischen Unterhaus. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Großbritannien geregelt, das heißt auf der Grundlage des von Premierminister Johnson nachverhandelten Austrittsabkommens aus der EU ausscheidet. Voraussichtlicher Austrittstermin ist der 31. Januar 2020. Ein früheres Ausscheiden Großbritanniens ist zwar denkbar, aber unwahrscheinlich, denn das Austrittsabkommen muss sowohl vom britischen als auch vom Europäischen Parlament angenommen werden. Die nächste Plenartagung des Europäischen Parlaments beginnt am 13. Januar 2020.

Für Handwerksunternehmen bedeutet der geregelte Austritt Großbritanniens, dass der Rechtsrahmen für das kommende Jahr im Wesentlichen unverändert bleibt. Wegen der Verzögerung des Brexits ist die Übergangszeit jedoch kurz. Sie endet zum 31. Dezember 2020. Dann soll die Übergangsphase planmäßig in ein Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien münden. Absehbar ist jedoch, dass die kommenden 12 Monate nicht ausreichen werden, um ein Abkommen zu verhandeln und zu ratifizieren. Das bedeutet für Handwerksunternehmen: Vorsorgemaßnahmen für einen ungeregelten Brexit sollten vorsorglich aufrechterhalten werden, denn dieser ist weiterhin möglich, sofern die Übergangsfrist nicht verlängert wird.

ValiKom Transfer:

Austausch mit dem BMBF zum aktuellen Stand des Projekts »ValiKom Transfer«

Anfang Dezember hat sich der WHKT mit Vertretern des BMBF zum bisherigen Geschehen im Projekt »ValiKom Transfer« ausgetauscht. Im ersten Projektjahr lag der Fokus auf dem Know-how-Aufbau bei den Kammermitarbeitenden sowie den Berufsexpertinnen und Berufsexperten. So konnten bereits über 300 Experten und Expertinnen geschult werden, die die Kompetenzbewertung während eines Validierungsverfahrens durchführen.

Um über das neue Validierungsangebot zu informieren, haben die Projektkammern außerdem zahlreiche Pressemitteilungen, Social Media-Beiträge sowie Artikel in Zeitungen und Online-Medien veröffentlicht und bei Fernsehbeiträgen mitgewirkt. Außerdem wurden Betriebe, Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsverwaltung, Weiterbildungsträger und sonstige Interessierte zu Informationsveranstaltungen eingeladen oder durch Vorträge auf z. B. Konferenzen oder Netzwerkveranstaltungen über das Projekt informiert.

Zusätzlich zeigt der WHKT auf, wieviele Verfahren bisher abgeschlossen wurden und ermöglichte einen Einblick in die Nachhaltigkeit des Verfahrens: Denn mit dem Validierungsverfahren soll nicht nur vorhandenes berufliches Können sichtbar gemacht, sondern auch die Möglichkeit zur beruflichen Weiterentwicklung eröffnet werden. Allen Teilnehmenden wird eine Anschlussberatung angeboten, um mögliche nächste Schritte aufzuzeigen. Personen, deren Kompetenzen nur mit einzelnen Teilen eines Berufs übereinstimmen, können sich beispielsweise fehlende Fertigkeiten und Kenntnisse durch Weiterbildungen oder Training on the Job aneignen. Anschließend können sie einen Folgeantrag stellen und ihre neu erworbenen Kompetenzen bewerten lassen. Dieser Folgeprozess wurde im November erstmals erprobt. In der Bewertung konnte der Teilnehmende im Referenzberuf Kaufmann für Bürokommunikation die bisher fehlenden Kompetenzen nachweisen und hat ein Zertifikat erhalten, das zeigt, dass er nun in allen Bereichen des Berufs über Kompetenzen verfügt.

 An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt »ValiKom Transfer« sind 11 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, 2 Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf www.validierungsverfahren.de.

Ausgezeichnete Handwerksbetriebe:

Die Wirtschaftsmacht von nebenan zeigt, was sie kann

In den letzten Wochen wurden einige Handwerksbetriebe aus Nordrhein-Westfalen in der Öffentlichkeit hervorgehoben, die bemerkenswerte Leistungen erbringen und exemplarisch für die Leistungsfähigkeit des Wirtschaftssektors Handwerk insgesamt stehen. Die Themen sind die Unternehmensgründung, das Hervorbringen von Innovation und die Ausbildung von Menschen mit Behinderungen.

Vier herausragende Handwerksunternehmen hat Wirtschafts- und Innovationsminister Prof. Dr. Pinkwart mit dem ersten Innovationspreis Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen 2019 ausgezeichnet.

So wie die Firma FORMOTiON GmbH aus Wilnsdorf, die im Rahmen des Umzugs an einen neuen Standort den kompletten Workflow in Prozesse überführte, die automatisierbar sind. Durch die neuen und verbesserten Organisationsmethoden konnten die Geschäftsprozesse neu aufgestellt und verbessert werden. (www.formotion-gmbh.de)

Ebenso wurde die Firma Profi Metall & Technik GmbH aus Stadtlohn für ihr Projekt WERSTEPLift mit dem Innovationspreis bedacht. Der WERSTEPLift erleichtert den Transport von schweren Lasten auf Groß- und Tagesbaustellen des Bau- und Ausbaugewerbes. Der WERSTEPLift ist von einer ungeübten Person in wenigen Minuten aufgebaut und betriebsbereit. Mit dieser technischen Neuerung wird dank der Kippstifte für die Montage kein Werkzeug benötigt. (www.profimetalltechnik.de)

Die dritte mit dem Innovationspreis ausgezeichnete Firma Jüke Systemtechnik GmbH aus Altenberge sticht durch ihr Chronect Quantos hervor. Das automatisierte System dient der Umweltanalytik, Lebensmittelkontrolle, Medikamentenentwicklung, Drogenanalyse sowie dem präzisen Handhaben giftiger oder teurer Substanzen im Labor. Diese technologische Neuheit verbindet eine exakte Dosier- und Wäge-technologie mit einer automatischen Probenvorbereitung und ist über einen drei-dimensional arbeitenden Roboter zu einem autonomen Gesamtsystem verknüpft. Das Produkt ist in Kooperation mit der Axel Semrau GmbH aus Sprockhövel und dem Duisburger Institut für Energie- und Umwelttechnik entstanden. (www.jueke.de)

Vierter Preisträger des Innovationspreises Handwerk in NRW 2019 ist die Firma Ulrich Rotte Anlagenbau und Fördertechnik GmbH aus Salzkotten, die einen flexibler Werkstückträger entwickelte, der sich selbstständig individuellen Produkteigenschaften wie Form, Gewicht und Steifigkeit anpasst und somit Zeit und Kosten einspart. Die Basis ist eine energieeffiziente Kraft-Weg-Regelung, welche die automatische Rekonfiguration ermöglicht. Diese Innovation entwickelte die Firma gemeinsam mit dem Fraunhofer IEM, MSF-VATHAUER Antriebstechnik und der Universität Paderborn. (www.ulrich-rotte.de)

Doch nicht nur beim Innovationspreis schnitt das Handwerk gut ab. So wurde der Fliesenlegerbetrieb StoneTec aus Bocholt mit dem Gründerpreis NRW 2019 ausgezeichnet. StoneTec nutzt Virtual-Reality-Technologie bei der Projektplanung mit seinen Kunden. Gleichzeitig gehen die Gründer Tim Dunkerbeck und Peter Hagdorn neue Wege, was die Bezahlung und Ausstattung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betrifft. Mit Geld- und Sachspenden unterstützt die Firma außerdem örtliche Sportvereine und eine Musikschule. Damit ist das Unternehmen ein hervorragendes Beispiel dafür, wie modernes Handwerk heute in Nordrhein-Westfalen aussehen kann. (www.stonetec-bocholt.de)

Der Betrieb Schindler Orthopädie GmbH & Co. KG in Siegen beschäftigt Carmen Henn, die den VilmA-Preis 2019 des Sozialverbands VdK NRW erhalten hat. Die Fünfunddreißigjährige macht seit dem 01.08.2018 eine betriebliche Umschulung zur Orthopädietechnik-Mechanikerin bei der Schindler Orthopädie GmbH & Co. KG in Siegen. Dabei stellt sie z. B. Orthesen oder Beinprothesen für Patienten her, die von einer Amputation betroffen sind. Gerade im Bereich der Beinprothetik berät Frau Henn die Kunden besonders kompetent und authentisch, denn sie hat eigene Erfahrung. Vor etwa fünf Jahren kam sie infolge einer Krebserkrankung selbst als ratsuchende Patientin zur Schindler Orthopädie GmbH in Siegen – noch nicht ahnend, dass sie damit ihren späteren Arbeitgeber treffen würde. Ihr Chef, der Orthopädietechniker-Meister Heinz-Joachim Schindler, attestiert ihr einen unbändigen Willen, sich diesen anspruchsvollen Handwerksberuf zu erschließen. So viel Ehrgeiz und eine solche Motivation wie im Falle von Frau Henn habe er in 34 Berufsjahren noch nicht erlebt. (www.schindler-ot.de)

IQ Netzwerk NRW:

Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse in den Berufen des dualen Systems

Das Teilprojekt »Anpassungs- und Nachqualifizierungen im Kontext des Anerkennungsgesetzes« beim Westdeutschen Handwerkskammertag begleitet im Rahmen des Netzwerks Integration durch Qualifizierung seit Anfang des Jahres Teilnehmende, deren ausländischer Berufsabschluss in Deutschland nur teilweise anerkannt wird.

In Abstimmung mit den zuständigen Stellen bei den Handwerkskammern und der IHK FOSA konzipiert der WHKT in diesem Zusammenhang individuelle Qualifizierungsmaßnahmen, die zu einer vollen Gleichwertigkeit dieser Berufsabschlüsse mit den Abschlüssen im dualen System führen, sodass die Teilnehmenden anschließend dem Arbeitsmarkt als qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Im laufenden Jahr konnten auf diese Weise bereits 25 Personen die volle Gleichwertigkeit ihres ausländischen Berufsabschlusses mit dem deutschen Referenzberuf erwerben. Darüber hinaus betreut das Teilprojekt weitere 140 Personen, die entweder in Kürze ihre Einzelqualifizierungsmaßnahmen erfolgreich mit der vollen Gleichwertigkeit beenden oder eine derartige Maßnahme beginnen werden. Am häufigsten betroffen sind die Berufe Elektroniker, Kraftfahrzeugmechatroniker, Zahntechniker, Mechatroniker für Kältetechnik sowie Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Neben einem Bescheid der zuständigen Stelle über die teilweise Gleichwertigkeit ihres Berufsabschlusses mit dem deutschen Referenzberuf gemäß dem Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen (BQFG) benötigen Teilnehmende vor Eintritt in die Einzelqualifizierung Sprachkenntnisse auf dem Niveau B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER). Bei der Durchführung der Einzelqualifizierungen arbeitet das Netzwerk eng mit verschiedensten Bildungsträgern insbesondere der Handwerksorganisationen zusammen.

Teilnehmende, die einen Bescheid der zuständigen Stelle erhalten haben, werden zumeist direkt von den Handwerkskammern zunächst an das Teilprojekt verwiesen. Dieses erstellt in Zusammenarbeit mit der zuständigen Stelle einen Qualifizierungsplan. Soweit möglich, erwerben die Teilnehmenden ihre fehlenden Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten anschließend durch die Teilnahme an den entsprechenden Lehrgängen der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung.

Weitere Informationen zum Teilprojekt Anpassungs- und Nachqualifizierungen im Kontext des Anerkennungsgesetzes telefonisch unter 0211/3007-707 oder per E-Mail unter peter.dohmen(at)iq-netzwerk-nrw.de .

Neben dem WHKT ist auch die Handwerkskammer zu Köln Partner im Netzwerk Integration durch Qualifizierung. Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

DesignTalente Handwerk NRW 2020:

Jetzt anmelden und Designkarriere starten

2020 können junge Handwerkerinnen und Handwerker wieder ihre Designkarriere starten und Preisgelder und Auszeichnungen abräumen. Im Wettbewerb DesignTalente 2020 können sie gestalterisch hochwertige Arbeiten zu den sachnahen Themenbereichen MÖBEL, SKULPTUREN, SCHMUCK, KLEIDUNG, MEDIEN, WOHNEN einreichen und damit die Chance auf einen Sieg und auf ein Preisgeld von 3.000 EUR wahrnehmen.  

Teilnehmen können alle Gesellinnen und Gesellen in einem Handwerksberuf in NRW, die erst nach dem 01. Juni 2020 ihren 31. Geburtstag haben. Die Möglichkeit zur Vormerkung bzw. Anmeldung ist unter www.designtalente-handwerk-nrw.de online gestellt. Es sind lediglich Fotos der Wettbewerbsarbeit einzusenden. Anmeldeschluss ist der 01. Juni 2020.

Die Siegerinnen und Sieger in Sachen »Design im Handwerk« werden am 11.10.2020 in den Räumen der Handwerkskammer Düsseldorf zu Ehren kommen, wenn dort die Preisverleihung zum Wettbewerb »DesignTalente Handwerk NRW 2020« stattfindet. Zeitgleich wird die Ausstellung mit Objekten des Wettbewerbes in der Zeit vom 05. bis zum 25. Oktober 2020 zu sehen sein.

Weitere Informationen zum Wettbewerb sind zu finden unter www.designtalente-handwerk-nrw.de.

NetQA:

Sonderfonds Qualifikationsanalysen – In 2019 Förderanfragen in Höhe von insgesamt 41.510 Euro eingegangen

Bis Anfang Dezember diesen Jahres wurden insgesamt 35 Anträge zur Förderung einer Qualifikationsanalyse gemäß § 14 Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (BQFG) von den Zuständigen Stellen für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse beim WHKT gestellt. Die Mittel des Sonderfonds Qualifikationsanalysen werden im Rahmen des Verbund-Projekts »NetQA – Netzwerke für Qualifikationsanalysen« noch bis Ende 2021 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zur Verfügung gestellt.

Die Kosten für das Anerkennungsverfahren und somit auch für die Kompetenzfeststellung mittels Qualifikationsanalyse bei fehlenden schriftlichen Belegen sind in der Regel von den Antragstellenden selbst zu tragen. Der Sonderfonds Qualifikationsanalysen soll Personen eine Teilnahme an dem »sonstigen Verfahren« ermöglichen, die dieses Verfahren aus eigenen finanziellen Mitteln nicht bestreiten können und die Arbeitsverwaltung die Kosten nicht übernimmt. Diese Personen hätten sonst keine Chance auf Anerkennung ihrer ausländischen Berufsqualifikation.

Förderanzeigen wurden im Jahr 2019 fast ausschließlich für Erwerbstätige mit geringem Einkommen gestellt. Die meisten Antragstellenden stammen aus Syrien, den Balkanstaaten oder dem Iran. Die Top 3 Berufsgruppen sind Elektroniker/in, KFZ-Mechatroniker/in und Berufe aus den Bereichen Metall sowie Maschinen- und Anlagentechnik. Eine durchschnittliche, über den Sonderfonds geförderte, Qualifikationsanalyse findet an 1–2 Tagen als Arbeitsprobe mit Fachgesprächen in einem Berufsbildungszentrum statt.

Die Mittel zur Finanzierung von Qualifikationsanalysen können von allen zuständigen Stellen, die Berufsanerkennungen nach dem BQFG Bund oder den entsprechenden Landes-Gesetzen durchführen, beim WHKT beantragt werden.

Weitere Informationen zum Sonderfonds Qualifikationsanalysen und zum Projekt »NetQA« unter www.whkt.de/netqa.

Personalia

Im Rahmen der Vollversammlung der HWK Münster wurde Hans Hund für weitere fünf Jahre als Präsident an der ehrenamtlichen Spitze der Handwerkskammer bestätigt. Zum neuen Arbeitgeber-Vizepräsidenten wurde Jürgen Kroos und zum Arbeitnehmer-Vizepräsidenten Bernhard Blanke gewählt.

Die Vollversammlung der HWK Südwestfalen wählte Jochen Renfordt zum neuen Präsidenten der Handwerkskammer, der damit dem langjährigen Kammerpräsidenten Willy Hesse folgt. Neuer Vizepräsident für die Arbeitnehmerseite ist Michael Neuhaus aus Arnsberg, Reiner Gerhard wurde als Arbeitgeber-Vizepräsident für eine weitere Amtsperiode bestätigt.

Im Rahmen der Vollversammlung der HWK Dortmund ist Berthold Schröder als Präsident mit großer Mehrheit wiedergewählt worden und steht damit für weitere fünf Jahre an der Kammerspitze. Marc Giering folgt als Arbeitnehmer-Vizepräsident auf Klaus Feuler, Kerstin Feix wurde als Arbeitgeber-Vizepräsidentin im Amt bestätigt.  

Hans Peter Wollseifer ist von den Delegierten der Handwerksorganisationen in Wiesbaden mit überwältigender Mehrheit für eine dritte Amtszeit als Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) bestätigt worden.

Neu in das Präsidium des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) wurde Berthold Schröder, Präsident der HWK Dortmund, gewählt.