Archiv des WHKT-Reports

Der WHKT-Report erscheint monatlich und gibt Auskunft über für das Handwerk relevante Themen aus Wirtschaft, Politik und Bildung.

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

jetzt zählt es: Am 15. Mai haben die Wählerinnen und Wähler in Nordrhein-Westfalen das Wort. Für das Handwerk sind die Wahl und ihre Folgen von größter Bedeutung. Nordrhein-Westfalen hat die Chance, einen Ruck für die berufliche Bildung umzusetzen. Die Wahlprogramme der Parteien geben das her. Das größte Bundesland kann Vorreiter werden, wenn es darum geht, die Weichen für eine gelingende Fachkräftesicherung zu stellen.

Die Ausgangslage ist eindeutig: Ohne Fachkräfte werden wir die Transformation hin zu Klimaneutralität und Energieunabhängigkeit nicht umsetzen können. Nachwuchs für das Handwerk ist die Voraussetzung dafür, dass die Politik ihre Klimaziele in Nordrhein-Westfalen und Deutschland erreichen kann. Die betrieblich verantwortete, duale Ausbildung und ihre Rahmenbedingungen gehören deswegen ins Zentrum der Landespolitik.

Wir haben bei unserer WHKT-Vollversammlung vor einigen Tagen dazu Eckpunkte vorgelegt. Der Katalog unter der Überschrift »Fach- und Führungskräfte für das Handwerk sichern« nimmt aber nicht nur die Politik in die Pflicht, sondern auch das Handwerk selbst. Sowohl Betriebe als auch Handwerksorganisationen müssen sich selbst zur Decke strecken, um jungen Menschen die enormen beruflichen Perspektiven des Handwerks aufzuzeigen. Viele Stellschrauben sind also gefragt. Ohne eine neue politische Schwerpunktsetzung zugunsten der beruflichen Bildung werden wir jedoch keinen Erfolg haben. 

Letztlich geht es darum, alle Schülerinnen und Schüler in allen Schulformen gleichwertig auf die Chancen der beruflichen und der akademischen Laufbahn vorzubereiten. Und letztlich geht es darum, dass Auszubildende und Studierende gleichwertige Rahmenbedingungen vorfinden. Dies gilt für die Themen »Wohnen« und »Mobilität« genauso wie für die Notwendigkeit einer modernen Bildungsinfrastruktur.

Die Signale der Parteien sind wie gesagt positiv. Das zeigte auch der Besuch der Spitzenkandidaten von CDU, SPD, Bündnis90/Die Grünen und FDP bei unserer jüngsten Vollversammlung. Vielleicht können wir aufgrund des enormen Transformationsdrucks und dem daraus resultierenden Fachkräftebedarf soviel für die berufliche Bildung erreichen wie nie zuvor. Nach dem 15. Mai zählen dann aber nicht mehr die Worte, sondern die konkreten Taten.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

»Schlüsselposition. Für die Zukunft.«:

WHKT veröffentlicht Fortschrittsbilanz 2021

Welche Initiativen und Aktivitäten der WHKT in den weiteren wichtigen Themenfeldern für und im Handwerk 2021 mit Blick auf die Zukunft aller Betriebe und aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer umgesetzt hat, stellte WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier im Rahmen der WHKT-Frühjahrs-Vollversammlung in seinem Bericht an die Spitzenvertretungen der NRW-Handwerkskammern vor. Schlüsselthemen dabei u.a.: ein geplantes Vorhaben zur Förderung von Führungskräfte-Exzellenzen im Handwerk, die Stärkung und handfeste Unterstützung des handwerklichen Ehrenamts auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite, das Thema Gründung und Betriebsübernahme sowie die Themenfelder Zuwanderung und Fachkräftesicherung.

Über die inhaltliche Ausgestaltung der Arbeiten der WHKT-Geschäftsstelle 2021 informiert die vorgelegte Fortschrittsbilanz unter dem Titel »SCHLÜSSELPOSITION. FÜR DIE ZUKUNFT.«, die online unter www.whkt.de/downloads/publikationen zur Verfügung steht.

Frühjahrs-Vollversammlung des WHKT:

Landtagswahl 2022: Ruck für die berufliche Bildung im Handwerk

Berthold Schröder, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT), brachte es im Rahmen der WHKT-Frühjahrs-Vollversammlung am 26. und 27. April 2022 in Raesfeld auf den Punkt: »Ohne das Handwerk wird Deutschland weder seine selbstgesteckten Klimaziele erreichen, noch energieunabhängig werden.« Damit dies allerdings gelingt, so der WHKT-Präsident, »braucht es vor allem Fachkräfte und genau deswegen einen Ruck für die berufliche Bildung.«

Diese Richtungsentscheidungen zugunsten der beruflichen Bildung haben die Mitglieder der WHKT-Vollversammlung – die sieben Handwerkskammern in NRW – in Form von Handlungsempfehlungen an das Handwerk selbst sowie an die Landespolitik formuliert und verabschiedet. »Partnerschaftlich« gelte es nun an der Umsetzung mit der Politik zu arbeiten, so WHKT-Präsident Schröder. Konkret gehe es dabei u.a. um die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung, die Einrichtung von Fachkräfteagenturen für kleine und mittelständische Handwerksbetriebe, eine verbesserte Partnerschaft mit den Berufskollegs in NRW, eine Unterstützung der Überbetrieblichen Bildungszentren des Handwerks im Sinne der Betriebe sowie – nicht zuletzt – das Thema Fachkräfteeinwanderung, welches aufgrund seiner komplexen Herausforderung Handwerksbetrieben noch zu viele Hürden bereitet. Das nordrhein-westfälische Handwerk betont in seinen Beschlüssen, dass Betriebe mit der Unterstützung der Handwerksorganisation auch selbst vor einer großen Kraftanstrengung stehen, um mehr Nachwuchs ins Handwerk zu holen.

Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Landtagswahl NRW nahmen unter dem Tagesordnungspunkt »Politiker im Dialog« die Spitzenkandidaten und Spitzenkandidatin von CDU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN teil. Hintereinander hatten die Spitzenvertretungen des NRW-Handwerks Gelegenheit, sich mit NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), NRW-Minister Dr. Joachim Stamp (FDP), mit dem SPD-Landesvorsitzenden Thomas Kutschaty sowie Mona Neubaur, Landesvorsitzende BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN NRW, auszutauschen und Themen einzuordnen. Dabei positionieren sich alle vier Landesvorsitzenden mit einem klaren »Ja« zum Handwerk. Die Klimaziele wird man nach Auffassung aller Parteien nur erreichen, wenn das Handwerk die dafür nötigen Fachkräfte gewinnt. »Der Schlüssel hierfür«, so WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier, »ist die berufliche Bildung.«

AFBG-Anpassung/Meisterbonus:

Position der WHKT-Vollversammlung zur Höheren Berufsbildung

Die Handwerkskammern erwarten von der zukünftigen nordrhein-westfälischen Landesregierung, dass sie sich im Sinne der Stärkung der Meisterqualifikation beim Bund dafür einsetzt, die Förderquote des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG) deutlich zu verbessern. Seit der letzten Novelle des AFBG aus dem Jahr 2020 werden 75% der Qualifizierungs- und Prüfungskosten erstattet. Durch eine Verbesserung der Erstattungsleistungen, aus Mitteln von Bund und Ländern, kann in der Finanzierung des dualen Qualifizierungsweges noch ein letzter großer Schritt zu mehr Bildungsgerechtigkeit erreicht werden.

Für die Übergangszeit, bis das Bundesgesetz entsprechend angepasst worden ist, erwartet das Handwerk, dass die neue Landesregierung in NRW, wie in elf anderen Bundesländern, einen sogenannten Meister-Bonus einführt, um Absolventinnen und Absolventen der Meisterprüfung (Bachelor professional) eine Prämie für die bestandene Prüfung zu zahlen.

Diese Position hat die WHKT-Vollversammlung am 26. April 2022 einvernehmlich beschlossen. Sie steht unter www.whkt.de/positionen online zur Verfügung.

WHKT und IHK NRW:

Gemeinsame Erwartungen zur Berufsbildungspolitik an neue Landesregierung

IHK NRW und Westdeutscher Handwerkskammertag formulieren ihre wichtigsten gemeinsamen Erwartungen an die künftige NRW-Landesregierung. Dazu gehört vor allem die Duale Ausbildung und Höhere Berufsbildung gesellschaftspolitisch nach vorne zu bringen, Umsteuerungen im System Berufskollegs vorzunehmen sowie berufliche und akademische Bildung im Sinne ihrer Gleichwertigkeit auch gleich zu behandeln.

Die Berufsbildung braucht mehr politische Unterstützung sowie gesellschaftliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Der WHKT ist zuversichtlich, dass der Weg der betrieblichen Aus- und Weiterbildung in der nächsten Legislaturperiode besonders fokussiert und unterstützt wird.

Das gemeinsame Forderungspapier von WHKT und IHK NRW ist unter folgendem Link zu finden: https://www.whkt.de/positionen

WHKT-Präsident Schröder und IHK NRW-Präsident Stoffels berichte über die Forderungen des Handwerks im WAZ-Podcast »Die Wirtschaftsreporter« zu dem Thema »Handwerkermangel: Das Problem wird sich nicht so schnell lösen lassen« – Link: https://www.waz.de/podcast/wirtschaftsreporter/handwerkermangel-das-problem-wird-sich-nicht-schnell-loesen-id235177185.html (ab Minute 30:30)

Nachhaltigkeit:

WHKT-Präsident Berthold Schröder Mitglied des Nachhaltigkeitsbeirates Nordrhein-Westfalen

Das Land Nordrhein-Westfalen hat unter Federführung des Umweltministeriums einen Nachhaltigkeitsbeirat einberufen. Das 19-köpfige Gremium, in das auch WHKT-Präsident Berthold Schröder berufen wurde, wird fortan die nachhaltige Transformation des bevölkerungsreichsten Bundeslandes begleiten und Empfehlungen für die Umsetzung und Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie geben.

Unter Vorsitz von Markus Lewe, Oberbürgermeister der Stadt Münster, und stellvertretendem Vorsitz von Prof. Dr. Anna-Katharina Hornidge, Direktorin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik in Bonn, vereint das Gremium Expertinnen und Experten für eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Entwicklung.

Ukraine-Krieg:

Land NRW übernimmt Erlass des Bundes zu Lieferengpässen und Preissteigerungen infolge des Ukraine-Kriegs auch für Auftragsvergaben des Landes und der Kommunen

Aufgrund des Kriegs in der Ukraine kommt es u.a. bei wichtigen Baumaterialien, wie Stahl und Erdölprodukte, zu Lieferengpässe und daraus folgenden Preissteigerungen. Um dem entgegenzuwirken hat das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen mit Erlass vom 25.03.2022 für bestimmte Baumaterialien und Betriebsmittel, die aus den vom Krieg betroffenen Gebieten stammen, geregelt, dass eine sog. Stoffpreisgleitklausel in neue und laufende Vergabeverfahren des Bundes als Auftraggeber implementiert werden kann. Mit der Stoffpreisklausel werden Preisänderungen abstrakt mittels transparenter Parameter ermittelt und das Risiko schwankender Preise auf öffentliche Auftraggeber und private Auftragnehmer verteilt. Im Einzelfall sollen auch bestehende Verträge angepasst werden können. Diese Regelungen gelten ab sofort bis zum 30.06.2022.

Der WHKT hat sich dafür eingesetzt, dass der Erlass des Bundes schnellstmöglich auch in NRW umgesetzt wird: Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW hat diese Regelung mit Erlass vom 1. April auch für kommunale Auftragsvergaben uneingeschränkt übernommen. Damit knüpft es an die seit Mai bzw. November 2021 bestehende Regelung an, dass bei Bundes- bzw. kommunalen Auftragsvergaben Stoffpreisgleitklauseln angewendet werden können, um den anhaltenden starken Preisschwankungen infolge der Corona-Pandemie entgegenzuwirken. Auch das Ministerium der Finanzen des Landes NRW und das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW haben sich mit einem gemeinsamen Schreiben vom 19. April 2022 dem jüngsten Bundeserlass angeschlossen, indem die befristeten Regelungen über die Ausnahmemöglichkeiten auch für Landeshochbaumaßnahmen Anwendung finden. Im Tiefbaubereich hat das Ministerium für Verkehr des Landes NRW den Bundeserlass bereits am 28. März 2022 für Landesstraßen übernommen.

Energiepaket der Landesregierung:

Gemeinsam für Energieeffizienz

Am 05. Mai 2022 hat Landeswirtschaftsminister Andreas Pinkwart den Aktionsplan »Krisenfestes Energiesystem für Nordrhein-Westfalen« vorgestellt, der die Ende 2021 vorgenommene Fortschreibung der Energieversorgungsstrategie ergänzt. Begleitend dazu haben Vertreter von Wirtschaftsorganisationen und Gewerkschaften – unter ihnen der WHKT –, die Landesgesellschaft Energy4Climate und das MWIDE eine Erklärung mit dem Titel »Gemeinsam für Energieeffizienz« vorgelegt. Energieeffizienz ist ein wichtiger Baustein zu mehr Unabhängigkeit von Erdgasimporten, langfristiger Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz. Das Ziel ist, möglichst breitenwirksam Energieeffizienzpotenziale zu heben. (www.wirtschaft.nrw/gemeinsam-fuer-energieeffizienz)

Außerdem wurde ein Programm zur Förderung technisch-betriebswirtschaftlicher Konzepte zur Umsetzung effizienter, CO2-armer und CO2-neutraler Prozesswärme in Unternehmen des produzierenden Gewerbes vorgestellt. Zuwendungsfähig sind die Ausgaben für Beratungsleistungen und gegebenenfalls notwendiger Vorprüfungen und Untersuchungen zur Konzepterstellung. Weitere Informationen sind verfügbar unter: https://www.bra.nrw.de/energie-bergbau/foerderinstrumente-fuer-die-energiewende/foerderung-von-waermekonzepten.

Fristverlängerung:

Anmeldung zum Wettbewerb des Handwerks DesignTalente 2022 noch bis zum 29. Mai 2022 möglich

Der Anmeldezeitraum für den Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW 2022 ist verlängert worden. Noch bis zum 29. Mai2022 können junge Handwerkerinnen und Handwerker mit einer abgeschlossenen Gesellenprüfung in den sechs Themenbereichen mitmachen: KLEIDUNG UND TEXTIL, MÖBEL, OBJEKT UND SKULPTUR, SCHMUCK, WOHNEN UND AUSSENBEREICH und MEDIEN.

Die Teilnahme ist einfach. Fotos des gestalteten Objekts anfertigen und online unter www.designtalente-handwerk-nrw.de hochladen. Je Teilnehmerin bzw. Teilnehmer sind maximal drei unterschiedliche Objekte zum Wettbewerb zugelassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Gesellenstücke, Auftragsarbeiten oder Objekte handelt, die bereits in anderen Wettbewerben eingereicht wurden. Auch ist es unerheblich, ob man gegenwärtig einer Beschäftigung im Handwerk nachgeht, an einer Hochschule studiert, die Meisterschule oder eine Akademie des Handwerks besucht. Wichtig ist, der erfolgreiche Abschluss einer Gesellenprüfung im Handwerk, das Alter (max. 30 Jahre bis zum Einsendeschluss) und NRW als Wohnsitz oder Arbeitsstätte.

Eine unabhängige Expertenjury entscheidet dann über die Auswahl der Objekte, die ab dem 25. September 2022 für zwei Wochen in der exklusiven Wettbewerbsausstellung DesignTalente Handwerk NRW 2022 in der Handwerkskammer zu Köln öffentlichkeitswirksam gezeigt werden. Je Themenbereich identifiziert die Jury eine Siegerin bzw. einen Sieger, die jeweils zusätzlich eine Prämie in Höhe von 3.000 Euro erhalten. Zudem werden alle Ausstellungsstücke und ihre Gestalterinnen und Gestalter in einem Katalog vorgestellt.

Die diesjährige Expertenjury setzt sich aus acht Mitgliedern zusammen:

  • Thomas Faber, Tischlermeister und Meisterdesigner aus Alsdorf
  • Dipl. Des. Stefanie Schenk-Busse, Grafik- und Objektdesignerin aus Meschede
  • Conny Kokot, Designerin für Schmuck und Objekte aus Hagen
  • Sandra Gronemeier, Damenschneidermeisterin aus Düsseldorf
  • Lutz Tölle, Fotograf aus Iserlohn
  • Robert Hansel, Handwerksdesigner aus Köln
  • Julia Timmer, Designerin aus Willich
  • Jacqueline Hen, Designerin und Künstlerin aus Köln

Gefördert wird der Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW. Die Schirmherrschaft für den Wettbewerb hat NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst übernommen. Die Organisation liegt beim Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) in Düsseldorf. Eine Teilnahmegebühr oder andere Verpflichtungen entstehen nicht.

Online-Anmeldung und Informationen unter: www.designtalente-handwerk-nrw.de

Ein Medienpaket für die Ansprache junger Handwerkerinnen und Handwerker ist zu finden unter: www.designtalente-handwerk-nrw.de/medienpaket

Impressionen vom Wettbewerb 2020 unter: www.whkt.de/owncloud/index.php/s/zMdQVa8KUc2BF9t

Mehr Frauen für das Handwerk gewinnen:

Landesverbandstagung der UnternehmerFrauen im NRW-Handwerk

Tagung des Landesverbande der nordrhein-westfälischen UnternehmerFrauen: Jutta Monscheuer, Undine Weiller, Matthias Heidmeier (WHKT-Hauptgeschäftsführer), Juana Bleker (UFH-Landesvorsitzende), Birgit Krüger (v.l.n.r.)

Der Landesverband der nordrhein-westfälischen UnternehmerFrauen (UFH) hat Ende März getagt. Der Vorstand der UnternehmerFrauen traf sich dazu zu einer hybriden Veranstaltung in der Geschäftsstelle des Westdeutschen Handwerkskammertags. Zukunftsgestaltung im Handwerk, Frauen und Mädchen in Handwerksberufen sowie Projekte der UnternehmerFrauen auch auf Bundesebene waren Themen der Veranstaltung, die von der Landesvorsitzenden Juana Bleker geleitet wurde.

In seinem Grußwort brachte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst die Bedeutung von Frauen im Handwerk auf den Punkt. »Handwerk ist starker Teil der Wirtschaftskraft unseres Landes und daran haben Sie als UnternehmerFrauen im Handwerk ganz großen Anteil.« Ziel des Verbandes ist die betriebliche und persönliche Weiterbildung sowie ein starkes Netzwerk von Frauen im Handwerk. Zum Mitgliederkreis zählen nicht nur Unternehmerinnen, sondern genauso Teilhaberinnen, Meisterinnen, Gesellinnen und Frauen, die im Unternehmen des Ehemannes oder Partners mitarbeiten. Insgesamt 18 Arbeitskreise sind dem Verband in Nordrhein-Westfalen angeschlossen. »Das größte Wachstumshemmnis ist der Fachkräftemangel. Dabei gibt es besonders bei den Frauen das wohl größte noch nicht ausgeschöpfte Potenzial«, so Ministerpräsident Wüst. Das Grußwort von Ministerpräsident Wüst wurde aus technischen Gründen vor der Veranstaltung aufgezeichnet.

Die UnternehmerFrauen üben die Verbandstätigkeit ehrenamtlich aus und setzen sich für eine starke Vernetzung im handwerklichen Ehrenamt sowie für Qualifikation und Weiterbildung ein. Der besondere Einsatz gilt der Nachwuchsförderung, insbesondere von Mädchen und jungen Frauen im Handwerk mit der Initiative des UFH Bundesverbandes »HANDWERK ist hier auch FRAUENSACHE

»Die UnternehmerFrauen sind nicht nur ein starker Wirtschaftspartner, sondern auch ein starker Kooperationspartner in der Ehrenamtsakademie des NRW-Handwerks (EAH)«, so Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT). »Ehrenamt ist die besondere Stärke und Stütze unserer Gesellschaft und unserer wirtschaftlichen Selbstverwaltung im Handwerk. Hierfür wollen wir gemeinsam mit den UnternehmerFrauen die Angebote der EAH formulieren, um mehr Frauen überzeugen zu können, sich für das Handwerk stark zu machen«, so Matthias Heidmeier.

Mit der Ehrenamtsakademie hat der WHKT eine Plattform für Themen rund um das Ehrenamt im NRW-Handwerk aufgebaut. Ziel der EAH ist, Nachwuchs für das Ehrenamt im Handwerk zu interessieren, Qualifikations-, Vernetzungs- und Austauschformate für Engagierte zu formulieren und dem Ehrenamt einen angemessenen Rahmen zu verleihen.

www.ehrenamtsakademie-handwerk.de

Außenwirtschaft:

Marktchancen für Handwerksbetriebe in den Niederlanden

Die Koordinierungsstelle Außenwirtschaft hat den Länderreport Niederlande veröffentlicht, der weiterführende Informationen und Hinweise für nordrhein-westfälische Handwerksbetriebe mit Interesse am niederländischen Markt enthält: www.handwerk-international.net/laender-und-maerkte.

Trotz eines pandemiebedingten Rückgangs und der aktuellen Unsicherheiten im Welthandel hat sich die niederländische Wirtschaft positiv entwickelt und rechnet auch im Jahr 2022 erneut mit einem Wachstum. Chancen bieten sich für Handwerksunternehmen im Nachbarland insbesondere im Bereich der energieeffizienten Gebäudesanierung, im Maschinenbau sowie im Lebensmittelsektor.

Ein konkretes Angebot für den Bausektor bietet vom 18. bis 19. Mai 2022 die Unternehmensreise »Nachhaltiges Bauen mit Besuch der Messe Renovatie« in Den Bosch, die von der NRW.Global Business GmbH in Kooperation mit NRW Handwerk international durchgeführt wird: https://t1p.de/NL-Renovatie2022. Im Rahmen der Reise können sich interessierte Unternehmen aus dem Bau- und Ausbausektor über aktuelle Entwicklungen und Marktchancen im niederländischen Baubereich – speziell mit Bezug zu den Themen Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Smart Building – informieren und aktiv ihre Geschäftskontakte erweitern.

Beratung für ihre Auslandstätigkeit erhalten Unternehmen bei den Außenwirtschaftsberaterinnen und -beratern der Handwerksorganisation: www.handwerk-international.net/ansprechpartner.

Tansania:

Schulung von Bildungsstättenleiterinnen und -leitern

Der Kontinent Afrika ist von den jüngsten Krisen dieser Welt besonders betroffen. Wichtige Einnahmen im Tourismus sowie durch die Ausfuhr von Rohstoffen gingen durch die Corona-Pandemie und die weltweiten Transportschwierigkeiten verloren. Der Krieg in der Ukraine trieb die gleichzeitig Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe, was zu einer erschwerten Nahrungsversorgung für die Ärmsten dieser Welt sorgte.

Mit der dualen Ausbildung von Agromechanics sowie der Entwicklung von Kursen zur Vermeidung von Nachernteverlusten in Tansania leistet der WHKT gemeinsam mit der tansanischen Partnerorganisation VETA (Vocational Education and Training Authority) daher gerade jetzt einen wichtigen Beitrag dazu, den Ländern in Subsahara-Afrika Mittel an die Hand zu geben, um unabhängig von den weltweiten Krisen ihre Bevölkerung zu versorgen.

Die Zahlen sprechen für sich: von den ersten Absolventinnen und Absolventen erhielten über 80 Prozent eine Folgeanstellung. Auch die Auszubildenden der nachfolgenden Kurse haben bereits eine gute Perspektive.

Die im Februar dieses Jahres begonnene Ausweitung des im ländlichen Babati pilotierten Modells auf vier weitere Bildungszentren wurde nun durch eine Intensivschulung von Bildungsstättenleitern dieser Einrichtungen unterstützt. Aufbauend auf ein erstes Seminar, das im Oktober 2021 in Arusha stattfand, wurden die »Principals« von einem erfahrenen Kurzzeitexperten nun in den Bereichen Finanzen, Marketing, Organisation und Planung geschult. Insbesondere die unterschiedlichen Konzepte für Beschaffung von Ausstattung und Lehrmaterial wurde rege diskutiert, da es in den Partnerinstitutionen oftmals an Regelstrukturen wie einem Beschaffungsplan sowie der Erfassung und Bereitstellung der nötigen Mittel mangelt.

Die Schulung wurde begleitet vom kommissarischen Generaldirektor der VETA, welcher die Institutionalisierung des dualen Systems anstrebt, der Abteilungsleiterin für Aus- und Weiterbildung sowie dem Projektmanagementteam beider Partnerorganisationen.

In der zweiten Jahreshälfte werden auch wieder deutsche Ausbilder nach Babati entsendet, um dort die Ausbildung von Ausbilderinnen und Ausbildern vor Ort weiter zu führen.

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

überschattet vom Krieg in der Ukraine steht in wenigen Wochen, am 15. Mai, eine wichtige Landtagswahl in NRW an. Diese Landtagswahl und ihre Folgen sind für das nordrhein-westfälische Handwerk von großer Bedeutung. 

Nie waren mehr Anknüpfungspunkte für das Handwerk in den Programmen der politischen Parteien zu finden. Nordrhein-Westfalen hat die Chance, für eine gute Zukunft des Handwerks Maßstäbe zu setzen.

Die CDU möchte Nordrhein-Westfalen zum Berufsbildungsland Nummer 1 machen. Die SPD möchte gleiche Rahmenbedingungen für Studierende und Auszubildende umsetzen. Die FDP möchte die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung nach schweizerischem Vorbild in der Landesverfassung verankern. Und die GRÜNEN sehen im Handwerk einen entscheidenden Partner für die Transformation zu einer klimaneutralen Gesellschaft. 

Wir im Handwerk haben unsere Erwartungen ebenso vorgelegt. Wichtige Eckpunkte lauten:

  • Es ist höchste Zeit für Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung - nicht nur in Sonntagsreden. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel zu Gunsten der betrieblich verantworteten Aus- und Weiterbildung, damit wir auch in Zukunft noch Fach- und Führungskräfte für das Handwerk finden.
  • Wir wollen eine ergebnisoffene und praxisnahe berufliche Orientierung in allen Schulformen etabilieren. Die Chancen der beruflichen Bildung müssen als gleichwertige Optionen zum akademischen Bildungsweg gesehen werden. 
  • Die Transformation hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft und zu mehr Klimaschutz gelingt nur mit dem Handwerk und seiner Umsetzungskompetenz. Das muss bei allen politischen Initiativen berücksichtigt werden.
  • Kleine und mittlere Unternehmen im Handwerk brauchen Rückenwind und Entlastungen statt neuer bürokratischer Belastungen. Die Interessen der kleinen und mittleren Unternehmen als Rückgrat des Wirtschaftsstandorts NRW müssen auch gegenüber der Europäischen Union stärker in den Fokus. 
  • Die Förderung der Gründung, des Unternehmertums und der Unternehmensnachfolge im Handwerk muss eine noch größere Priorität bekommen, damit wir zukünftig genügend Betriebe haben, die die gewaltigen Herausforderungen umsetzen können.
  • Wir wollen die Innovationskraft und den Digitalisierungsgrad des Handwerks gezielt stärken, zum Beispiel mit einer passgenauen Digitalprämie.   

Für diese und andere Ziele arbeiten wir gemeinsam im Handwerk, und diese Ziele wollen wir auch mit einer künftigen Landesregierung – egal in welcher Parteienkonstellation – anpacken. Die Parteiprogramme zeigen, dass eine ganze Menge möglich scheint.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

Vorsichtige Neuerungen:

Mittelstandsförderungsgesetz novelliert

Die Novelle des Mittelstandsförderungsgesetzes ist verabschiedet. Kurz vor Ende der Legislaturperiode endet damit die seit dem Jahr 2018 laufende Überarbeitung, deren Ziel insbesondere die Stärkung der Clearingstelle Mittelstand war. Sie ist seit 2013 damit beauftragt, die Mittelstandsverträglichkeit von Gesetzes- und Verordnungsvorschlägen zu prüfen.

Der Westdeutsche Handwerkskammertag hatte sich von der Novellierung einiges erhofft: ein Impulsrecht zur Überprüfung von Bestandsgesetzen, eine klare Abgrenzung von Clearingverfahren und Verbändeanhörungen und weitere verfahrensrechtliche Vorgaben, die Clearingverfahren stärken. Die Ziele sind mit der Novellierung noch nicht erreicht. Doch gilt es jetzt, die vorsichtigen Neuerungen, die das Mittelstandsförderungsgesetzes bietet, umzusetzen, insbesondere die einzelfallbezogene Überprüfung bestehender Gesetze. Die Beteiligten der Clearingstelle werden Vorschläge für ein geordnetes Verfahren und erste zu überprüfende Gesetze entwickeln. Sie werden zeigen, dass die mittelstandspolitische ex-post-Bewertung durch die Clearingstelle sachdienliche, konstruktive Impulse bietet.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist künftig mit zwei Personen im Mittelstandsbeirat vertreten. Er beabsichtigt, einen dieser Plätze mit einem Arbeitnehmervizepräsidenten oder einer Arbeitnehmervizepräsidentin aus den Handwerkskammern zu besetzen.

Kurz vor der Landtagswahl in NRW:

Umstrittene Änderung des Gemeindewirtschaftsrechts von den Regierungsfraktionen von CDU und FDP gestoppt

Ein Gesetzentwurf der Landesregierung zur Einführung digitaler Sitzungen für kommunale Gremien und zur Änderung kommunalrechtlicher Vorschriften sah unter anderem vor, dass die Kommunen mittelbare Beteiligungen von unter 10 Prozent nicht mehr bei der Kommunalaufsicht anzeigen müssen.

Das nordrhein-westfälische Handwerk hatte die Sorge geäußert, dass künftig die Geschäftsfelder kommunaler Unternehmen unter dem Radar der Kommunalaufsicht auf Kosten des Handwerks ausgedehnt werden könnten und daher an den Landtag appelliert, diesem Vorschlag nicht zu folgen.

Die Landtagsfraktionen von CDU und FDP griffen nun die Bedenken des Handwerks auf und brachten einen Änderungsantrag ein, die strittigen Vorschläge aus dem Gesetzentwurf zu streichen.

ISRAEL:

Handwerkerstipendium »Go Israel« gestartet

Gaben in Tel Aviv das Startsignal für die Handwerkerstipendien »Go Israel«: Staatssekretär Dr. Mark Speich (r.) in Vertretung für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst und WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier (l.) | Foto: Land NRW/R. Sondermann

Im Rahmen der Israel-Reise von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst wurde am 14.03.2022 das neue Handwerkerstipendium »Go Israel« vorgestellt: Junge Führungskräfte im NRW-Handwerk können mit Unterstützung von »Go Israel« ein Praktikum in israelischen Unternehmen durchführen. Das Handwerkerstipendium »Go Israel« bietet Gesellinnen und Gesellen sowie Meisterinnen und Meistern bis 35 Jahre, die sich auf eine Führungsposition im Handwerk vorbereiten, die Chance, die Zukunft ihres Gewerks im innovativen israelischen Markt kennenzulernen.

Die Idee, innovativen Handwerkerinnen und Handwerkern die Chance zu bieten, sich bei innovativen israelischen Unternehmen in die Zukunft ihrer Branche einzuarbeiten, entstand auf einer Israel-Reise des NRW-Handwerks 2020. Schnell war klar: Das Handwerk will den Austausch mit Israel nach Kräften unterstützen. Mit Förderung durch das Land NRW wird ein erstes wichtiges Projekt nun umgesetzt. Junge künftige Führungskräfte im Handwerk können Kontakt aufnehmen per Mail an israel[ ät ]lgh.de.

Handwerk hilft beim Wiederaufbau nach Flutkatastrophe:

Landesregierung Nordrhein-Westfalen und Westdeutscher Handwerkskammertag unterzeichnen Kooperationsvertrag

Um mehr Handwerksbetriebe für den Wiederaufbau in den von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Gebieten zu gewinnen, hat das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW zusammen mit dem WHKT mit Unterzeichnung des Kooperationsvertrags am 5. April 2022 eine Initiative unter dem Motto »HANDWERKimWIEDERAUFBAU« ins Leben gerufen.

Zentrales Ziel ist es, mehr Handwerksfirmen – insbesondere aus den nicht vom Hochwasser betroffenen Bundesländern und dem benachbarten Ausland – für den Wiederaufbau zu gewinnen. Eine wichtige Rolle dabei spielt die von der HWK Koblenz initiierte digitale Plattform www.handwerk-baut-auf.de. Die Plattform soll durch die HWK zu Köln fortentwickelt und für die betroffenen Regionen in NRW ausgebaut werden. Teil der Initiative wird auch eine breit angelegte Informations- und Werbekampagne sein.

Gefördert wird diese Initiative durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW aus den Mitteln des Aufbaufonds für den Wiederaufbau im Land NRW.

»Der Kooperationsvertrag gibt uns die Möglichkeit, weitere Handwerksbetriebe zielgerichtet zu gewinnen, um beim Wiederaufbau noch zügiger voranschreiten zu können. Noch nie gab es in Nordrhein-Westfalen eine vergleichbare Naturkatastrophe und noch nie gab es einen vergleichbaren Wiederaufbau. Ein wahrer Kraftakt, für den ich allen Beteiligten von Herzen danke. Wir packen gemeinsam an und bauen wieder auf«, so Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW.

»Die Unterzeichnung des Kooperationsvertrags erfolgt gerade zur richtigen Zeit, denn der Wiederaufbau schreitet weiter voran. Obwohl die Katastrophe des Krieges in der Ukraine Vieles überschattet, darf die Flut und ihre zerstörenden Folgen nicht in Vergessenheit geraten. Auch die im ganzen Land gut gefüllten Auftragsbücher des Handwerks zeigen, dass wir intensiv werben müssen, um hinreichend Betriebe für den Wiederaufbau zu finden«, betont WHKT-Präsident Berthold Schröder.

»Die neue Initiative passt zur großen Solidarität des Handwerks nach der Flutkatastrophe. Viele Handwerksbetriebe haben spontan und ehrenamtlich Soforthilfe in größter Not geleistet. Das Handwerk hat zudem eine große Spendenaktion organisiert. Unter der Überschrift „Handwerk hilft“ konnten insgesamt 714.000 Euro gesammelt werden. Ebenso unterstützen die Handwerkskammern ihre Mitgliedsbetriebe bei der Antragstellung für die vom Land geförderte Wiederaufbauhilfe, für deren möglichst einfache Beantragung wir uns stark gemacht haben«, so WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier.

Garrelt Duin, Hauptgeschäftsführer der HWK zu Köln: »Handwerk ist Familie. Damit unsere Handwerksfamilie in den betroffenen Gebieten eine echte Perspektive zurückerlangt, gilt es nun, nach Kräften auch beim Wiederaufbau mit anzupacken – damit die betroffenen Handwerkerinnen und Handwerker anschließend aus eigener Kraft weitermachen können. Die heute unterzeichnete Kooperationsvereinbarung ist deshalb ein wichtiger erster Schritt, um möglichst viele Handwerksbetriebe aus den umliegenden Regionen, Bundesländern und darüber hinaus dafür zu gewinnen, beim nun beginnenden Wiederaufbau tatkräftig mit anzupacken.«

Im Austausch:

Intensive politische Gespräche

Der Austausch mit den Landtagsparteien CDU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen ist aktuell von besonders großer Bedeutung. Schließlich geht es auch darum, die kommende Legislaturperiode vorzubereiten. Am 15. Mai wird bekanntlich ein neuer Landtag gewählt. Es zeichnet sich ein Kopf an Kopf-Rennen der großen Parteien ab. Welche Konstellation nach der Wahl eine Mehrheit bildet ist vollkommen offen. Zu Gesprächen über ihre Wahlprogramme waren in den vergangenen Tagen Politiker der Landtagsparteien zu Gast. Zu einem digitalen Austausch trafen sich die Hauptgeschäftsführer der NRW-Handwerkskammern mit den SPD-Politikern Jochen Ott und André Stinka. Beide sind stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag. Herr Ott ist für Schul-, Herr Stinka für Wirtschaftspolitik zuständig. Im Mittelpunkt des Austauschs stand die berufliche Bildung und die Frage, wie man mehr junge Leute für eine Ausbildung im Handwerk gewinnen kann.

Zu einem intensiven Austausch zu aktuellen Themen wie den Folgen des Krieges in der Ukraine traf sich der WHKT-Vorstand mit der Spitzenkandidatin der NRW-Grünen Mona Neubauer. Ebenso wurden die Kernanliegen des Handwerks für die kommende Legislaturperiode vertieft. Die Gesprächspartner waren sich einig, dass es gerade im Hinblick auf die Transformation hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft eine Stärkung der beruflichen Bildung brauche.

Ukraine:

NRW-Arbeitnehmer-Vizepräsidenten unterstützen Ukraine-Hilfen

Vielfältige ehrenamtlich organisierte Initiativen leisten gegenwärtig einen wertvollen Beitrag zur Unterstützung der Menschen in der Ukraine, liefern Hilfsgüter oder kümmern sich um den Transport und die Unterbringung von Frauen, Kindern und älteren Menschen, die sich auf der Flucht aus dem ukrainischen Krisengebiet befinden.

Eine dieser Initiativen hat der Ultraleicht-Flugclub Heinsberg-Selfkant ins Leben gerufen. Der Verein, dem auch zahlreiche Handwerkerinnen und Handwerker aus dem Kreis Heinsberg angehören und der persönliche Kontakte in die Ukraine pflegt, initiierte bereits unmittelbar nach Ausbruch des Krieges spontan eine Sammlung von Geld- und Sachspenden. Rund 6 Tonnen Hilfsgüter, vom Stromaggregat über Babynahrung, Hygieneartikel, Schlafsäcken und Isomatten bis hin zu Powerbanks, medizinischer Ausrüstung, Tiernahrung und Winterbekleidung transportierten neun Vereinsmitglieder – darunter ein Maler, ein Kraftfahrzeugmechanikermeister, ein Karosseriebauer, ein Elektroinstallateur und ein Industriemechaniker – mit Kleinbussen bis hinter die slowakisch-ukrainische Grenze. Auf dem Rückweg nahmen sie 18 flüchtende Menschen – Frauen, Kinder und Senioren – mit in den Kreis Heinsberg, stellten ihnen dort Wohnungen und Häuser mitsamt erforderlicher Einrichtung zur Verfügung und begleiteten sie bei Behörden- und Arztbesuchen.

In einem nächsten Schritt sollen nun von Lehrkräften, die ebenfalls Vereinsmitglieder sind, ehrenamtlich Deutschkurse für die ukrainischen Mitbürgerinnen und Mitbürger angeboten sowie weitere Hilfsgüter in die Ukraine transportiert werden.

Die Arbeitnehmer-Vizepräsidenten der sieben nordrhein-westfälischen Handwerkskammern unterstützen dieses Engagement mit einer Geldspende.

Spenden an den Verein sind auch weiterhin willkommen:

UL-Flugclub Heinsberg-Selfkant e.V.
IBAN: DE22 3706 9412 2301 3800 14
Betreff: »Spende Ukraine – WHKT«

Kontaktperson im WHKT für Rückfragen zu diesem Ukraine-Engagement ist Herrn Peter Dohmen, peter.dohmen[ ät ]whkt.de, Tel. 0211/3007-707.

Europa:

Ökodesign

Am 30.03.2022 hat die EU-Kommission einen Vorschlag für eine »Sustainable Products Initiative« (SPI) sowie eine EU-Strategie für nachhaltige Textilien veröffentlicht. Sie sind Teil des ersten Kreislaufwirtschaftspakets 2022. Insbesondere soll die bislang geltende Ökodesign-Richtlinie von einer neuen Verordnung abgelöst werden. Ökodesign bedeutet, dass über delegierte Verordnungen der Europäischen Kommission verbindliche Mindeststandards für Produkte festgelegt werden, mit dem Ziel, die Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit dieser Produkte zu verbessern. Nur wenn das betroffene Produkt die Ökodesign-Anforderungen erfüllt, darf es die CE-Kennzeichnung tragen und in der EU in Verkehr gebracht werden.

Die geltende Ökodesign-Richtlinie ist auf eine vergleichsweise kleine Anzahl an Produkten begrenzt. Sie macht Vorgaben für so genannte »energieverbrauchsrelevante Produkte«, z.B. für Waschmaschinen, Kühlschränke, TV-Geräte, Beleuchtung, Motoren und Isoliermaterial. Da die Ökodesignvorgaben in erster Linie Inverkehrbringer und also Produkthersteller verpflichten, waren Handwerksbetriebe bisher in der Regel außen vor.

Nun aber ändert sich die Zielrichtung und damit voraussichtlich auch die Betroffenheit des Handwerks. Im Fokus steht künftig Ressourceneffizienz. Damit einher geht eine Erweiterung des Anwendungsbereichs und der relevanten Parameter. Die Verordnung soll künftig für fast alle physischen Produkte gelten. Insbesondere soll sie künftig Vorgaben für Textilien, Möbel, Stahl, Zement und Chemikalien machen. Sie soll unter anderem zu längerer Haltbarkeit, Austauschbarkeit von Einzelteilen und zu mehr Reparierbarkeit beitragen.

So begrüßenswert das Ziel ist, so kritisch ist das Instrument. Ökodesign ist auf industrielle Fertigung angelegt. Konformitätsbewertung, Produktpass etc. sind für Einzelprodukte und Kleinserien mit Blick auf Aufwand und Kosten schlicht nicht darstellbar. Deswegen ist es wichtig, dass sich Ökodesign auf Produkte und Produktgruppen beschränkt, bei denen nachweisbar erhebliche Effizienzgewinne zu heben sind und dass Bagatellgrenzen eingeführt werden, die Auftragsfertigungen vor unverhältnismäßigen Belastungen verschonen.

Die neue Ökodesign-Verordnung legt selbst keine produktspezifischen Anforderungen fest. Sie beschreibt den Rechtsrahmen, also welche Anforderungen in zukünftigen Produktverordnungen gestellt werden sollen und können. Die konkreten produktspezifischen Anforderungen werden im Wege delegierter Rechtsakte festgelegt, unter Federführung der Europäischen Kommission. Das ist angesichts möglicher Rückwirkungen auf den Wettbewerb bedenklich.

Ehrenamtsakademie des NRW-Handwerks:

Gemeinsam voneinander und miteinander lernen

Nach dem Aufbau der Ehrenamtsakademie des NRW-Handwerks steht das Jahr 2022 ganz im Zeichen der Erprobung und Etablierung von neuen Angeboten und Formaten, die ehrenamtlich Engagierte im Handwerk in der Ausübung ihrer Ehrenämter unterstützen.

Insbesondere stehen kreative Trainings abseits von Standardprodukten im Fokus der Konzeption. In den kommenden Monaten sollen neue Veranstaltungsmodelle in der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld erprobt und alle Zielgruppen angesprochen werden – Engagierte in den Prüfungsausschüssen, Ausschüssen und Gremien, vom jungen Nachwuchs bis hin zum erfahrenen Präsidenten. Veranstaltungen für die Spitzenvertreter des handwerklichen Ehrenamts in den Kammern, Fachverbänden und Kreishandwerkerschaften sowie für die UnternehmerFrauen und die Handwerksjunioren sind geplant. Die Basis der Veranstaltungskonzepte der EAH ist es, die Themen des Ehrenamts zu öffnen, für eine breite Zielgruppe zugänglich zu machen, gemeinsam zu lernen und gemeinsam diese Themen voranzubringen.

Die Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld hat bereits Ende 2021 erfolgreich erste Online- und Präsenzformate für ehrenamtlich Engagierte umgesetzt. In den kommenden Monaten sollen darüber hinaus auch hybride Formate erprobt werden, um die Digitalisierung im handwerklichen Ehrenamt weiterzuentwickeln und zu stärken.

www.ehrenamtsakademie-handwerk.de/angebote

Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)«:

10 Jahre Anerkennungsgesetz: Was bedeuten 10 Jahre Anerkennungsgesetz für Nordrhein-Westfalen?

Am 01. April 2022 wird das Anerkennungsgesetz 10 Jahre alt. Seitdem haben über 422.000 Menschen die Anerkennung ihrer ausländischen Berufsqualifikation beantragt. Parallel wurden vielfältige Angebote zur Unterstützung und Beratung entwickelt. Akteure im In- und Ausland informieren, beraten und fördern Fachkräfte. Sie unterstützen Unternehmen und Behörden bei der Umsetzung und Weiterentwicklung von Anerkennungsregelungen.

Aus diesem Anlass organisiert das Portal Anerkennung in Deutschland von März bis Juni die »Tage der Anerkennung«. Das Portal trägt sämtliche Aktionen und Veranstaltungen zusammen, die bundesweit und international stattfinden.

Die IQ Landeskoordinierung NRW beim WHKT veröffentlicht eine Aktionsseite für Ratsuchende und Interessierte. Experten und Expertinnen aus ganz Nordrhein-Westfalen berichten über ihre Erfahrungen mit der beruflichen Anerkennung. Neben einem Podcast stellt das IQ Netzwerk NRW eine Infobox mit gebündelten Materialien, Handlungsempfehlungen und Erklärvideos zum Thema berufliche Anerkennung zur Verfügung. Die Aktionsseite wird in den nächsten Wochen weiter mit Inhalten gefüllt.

Die Landeskoordinierung möchte damit die Vielfältigkeit des Anerkennungsgesetzes und den damit verbundenen Chancen zeigen, die sich für die Fachkräfte in den unterschiedlichsten Branchen ergeben.

Zur Aktionsseite: https://www.iq-netzwerk-nrw.de/aktionsseiten/tage-der-anerkennung-2022

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Validierungsverfahren:

ValiKom Transfer beteiligt sich zum Thema Validierung an Erasmus+ Projekt

Im Rahmen des Erasmus+ Projekts »Austausch und Vernetzung zur Validierungspraxis in Deutschland und Österreich« bringt sich das Projekt ValiKom Transfer mit seinem Know-how bezüglich der Umsetzung von Validierungsverfahren ein. Während der knapp zweijährigen Projektlaufzeit werden sich die fünf Partnerorganisationen aus Deutschland und Österreich mit den bisher entwickelten Ansätzen, Verfahren und Instrumente der beiden Länder im Detail auseinanderzusetzen, um voneinander zu lernen, aber auch um das Thema Validierung im deutschsprachigen Raum weiter voranzutreiben. Dabei haben die Beteiligten auch die Zielgruppe von Validierungsverfahren im Blick, denn durch die Validierung informell und non-formal erworbener Kompetenzen, werden die Chancen von gering qualifizierten Beschäftigten am Arbeitsmarkt und in den Unternehmen verbessert. Das Sichtbarmachen der vorhandenen Kompetenzen kann sich zudem positiv auf die Verbleibdauer im Unternehmen und auf ihre soziale und wirtschaftliche Lage auswirken.

Wie wichtig die Einbeziehung von Betrieben ist, wurde bereits beim ersten Kick-Off Meeting der Projektpartner deutlich. Wie Unternehmen für ein Validierungsverfahren aufgeschlossen werden und motiviert werden können, Validierung als Personalentwicklungsinstrument einzusetzen, wird daher im nächsten Workshop der Teilnehmenden vertieft.

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt »ValiKom Transfer« sind 13 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, 2 Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt. Weitere Informationen gibt es hier: www.validierungsverfahren.de

Erasmus+ Projekt FINANZFIT erfolgreich abgeschlossen:

Partnerschaft veröffentlicht multimediale Lehr- und Lernmaterialien für den Erwerb finanzieller Grundkenntnisse

Gerade beim Übergang von der Schule in das Berufsleben sehen sich junge Menschen häufig der Herausforderung ausgesetzt, einen Überblick und die Kontrolle über die persönlichen Finanzen zu behalten. Im formalen Schulunterricht ist in der Regel nicht vorgesehen, den verantwortungsvollen Umgang mit den eigenen finanziellen Ressourcen zu vermitteln. Die eigene finanzielle Unabhängigkeit durch den Einsatz einer langfristigen Finanzplanung anzustreben, fällt vielen auch aufgrund fehlender Grundkenntnisse schwer. So ist das erste Azubi-Gehalt manchmal schneller aufgebraucht als ursprünglich geplant.

Vor diesem Hintergrund hat die ERASMUS+ Partnerschaft mit der Kurzbezeichnung »Finanzfit« unter Koordinierung des Westdeutschen Handwerkskammertages die Themen Sparen und Anlegen, Finanzierung, Versicherungen, Liquidität, Girokonto und Altersvorsorge zielgruppengerecht aufbereitet und verschiedene Materialien ausgearbeitet, die diesen Informationsbedarf decken sollen.

Die Projektergebnisse umfassen Unterrichtsmaterialien zu den vorgenannten Themenfeldern, die für den Einsatz durch Lehrkräfte etwa an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen konzipiert sind. Diese werden durch ein Handbuch für Lehrkräfte ergänzt, das Tipps und Hinweise für den Einsatz der Unterrichtsmaterialien gibt. Das Finanzfit-Magazin geht in zwei Ausgaben zielgruppengerecht auf unterschiedliche Finanzthemen ein. Mit der Finanzfit-WebApp können Lernende ihr erworbenes Wissen spielerisch anwenden, testen und selbstständig vertiefen. Neben Videos, Podcasts und Online-Spielen, die in unterhaltsamer Art und Weise Themen der finanziellen Grundbildung behandeln, stehen in der WebApp auch die weiteren vorgenannten Projektergebnisse zur Verfügung.

Die Projektergebnisse stehen ab sofort uneingeschränkt und kostenlos zur Verfügung. Der Zugang zur WebApp erfolgt über die mehrsprachige Projektwebseite www.whkt.de/finanzfit.

Das Vorhaben »Wir machen Europas Bürger finanzfit« wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert.

Lieferketten:

Störungen in Liefer- und Wertschöpfungsketten

Nachdem die durch Corona unterbrochenen internationalen Lieferketten allmählich wieder zur Normalität übergingen und Produkte annähernd gut verfügbar waren, kommen nun neue Unsicherheiten auf Unternehmen zu. Die nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine erlassenen Sanktionen, die Produktionsausfälle in der Ukraine von Kabelbäumen bis Weizen und Ölsaaten und nun auch die Unsicherheiten hinsichtlich der Stabilität der Energieversorgung bringen neue Fragen und Einschränkungen. Preissteigerungen bei Rohstoffen oder auch der Ausfall von Zulieferprodukten können zu empfindlichen Störungen der Wertschöpfungsketten und der Arbeitsfähigkeit von Betrieben führen. Betriebe, die bereits von Störungen in Liefer- und Wertschöpfungsketten betroffen sind, können ihre Erfahrungen per Mail mitteilen an lieferketten[ ät ]lgh.de.

Außenwirtschaft:

Internationale Erfolgsgeschichten aus dem NRW-Handwerk

Handwerksbetriebe aus Nordrhein-Westfalen sind weltweit erfolgreich. In Kurzfilmen und Portraits berichten Unternehmerinnen und Unternehmer, wie ihnen der Schritt ins Ausland gelang und welche Chancen, Herausforderungen und Unterstützungsangebote sich dabei boten. Eine erste Auswahl an Unternehmensbeispielen hat das Netzwerk NRW Handwerk international jetzt veröffentlicht, weitere Portraits folgen: www.handwerk-international.net/erfolgsgeschichten

  • Jording Meisterwerkstätten GmbH: Textile Lösungen für die ersten Adressen Europas
  • Glasmalerei Otto Peters GmbH: Spektakuläre Glaskunst von Peking bis New York
  • hokon Treppen: Stufe um Stufe zum erfolgreichen Auslandsgeschäft
  • Intercem Engineering GmbH: Zement als Fundament für den Auslandserfolg
  • M. Reinecke Elektromeisterbetrieb: Internationalisierung auf die Smarte Art

Erstellt werden die Unternehmerportraits durch die Koordinierungsstelle Außenwirtschaft der LGH in Kooperation mit den Handwerkskammern und Fachverbänden in NRW. Die Koordinierungsstelle Außenwirtschaft wird unterstützt durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Beratung für ihre Auslandstätigkeit erhalten Unternehmen bei den Außenwirtschaftsberaterinnen und -beratern der Handwerksorganisation: www.handwerk-international.net/ansprechpartner

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

der Krieg in der Ukraine erschüttert uns alle. Die Bilder und das dahin zum Ausdruck kommende Leid der Menschen sind einfach unerträglich. Jetzt ist vor allem Hilfe gefragt, aber auch auf Haltung kommt es an. Das nordrhein-westfälische Handwerk hat sich in diesem Sinne ganz eindeutig positioniert. Es solidarisiert sich mit den Menschen in der Ukraine und zollt ihnen größten Respekt für ihren Einsatz für die Freiheit. Es benennt zudem den klaren Verantwortlichen für diesen Angriffskrieg: Wladimir Putin.

Gleichzeitig sichert das nordrhein-westfälische Handwerk Unterstützung zu, wenn es darum geht schutzsuchenden Menschen zu helfen. Derzeit steht die akute Hilfe für die ankommenden Ukrainerinnen und Ukrainer im Vordergrund. So bitten einige Städte in Nordrhein-Westfalen darum, dass Handwerksbetriebe Aufträge zur Errichtung und Ertüchtigung von Notunterkünften prioritär annehmen. Es sind viele derartige Aktionen und Maßnahmen, mit denen das Handwerk derzeit konkret helfen kann. Auch die Solidarität unserer Nachbarn in Polen ist überwältigend. So organisieren auch aus Polen stammende Handwerker, die in Nordrhein-Westfalen arbeiten, Hilfstransporte in die Ukraine. Wir haben für die Report-Ausgabe wichtige Hinweise und Links rund um das Thema Hilfe für Schutzsuchende zusammengestellt.

Neben dem Leid der Menschen in der Ukraine treten die enormen wirtschaftlichen Folgen des Krieges, auch in Deutschland, in den Hintergrund. Alle Handwerksbetriebe werden jedoch die wirtschaftlichen Folgen des Konfliktes spüren. Öl- und Gaspreise erreichen immer neue Höchststände. Ein weiterer Anstieg der Energiekosten scheint unabwendbar.

Auch werden erneut Lieferketten empfindlich gestört. Die Autoproduktion steht in Teilen bereits still, weil in der Ukraine hergestellte Kabelbäume fehlen. Die Ukraine ist zudem wichtiger Lieferant von Weizen. Auch wenn Märkte in Asien noch viel mehr von ukrainischem Getreide abhängig sind, werden die Brot-Preise wohl deutlich anziehen – mit allen Folgen zum Beispiel für das Bäcker- und Konditoreihandwerk, das schon mit erhöhten Energiekosten rechnen muss. Mit weiteren logistischen Problemen entlang der Lieferketten und in der Folge zunehmenden Materialengpässen muss gerechnet werden. So müssen ukrainische Männer, die in Polen, Litauen und anderen europäischen Ländern in erheblichem Umfang den Transport-Sektor verstärken, derzeit in den Kriegsdienst.

Dass NRW-Handwerksbetriebe unmittelbar von den Sanktionen betroffen sind, ist eher die Ausnahme. Ebenso sind nur wenige Handwerksbetriebe unmittelbar in der Ukraine wirtschaftlich engagiert. Doch auch diese Betriebe gibt es in NRW. Ihnen allen stehen die Außenwirtschaftsberaterinnen und -berater in den Kammern für ihre Fragen zur Verfügung.  

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

Gemeinsame Erklärung:

»Den Menschen in der Ukraine gilt in diesen Tagen unser tief empfundenes Mitgefühl und unsere Solidarität.«

Gemeinsame Erklärung der Präsidenten der Landeshandwerksorganisationen Andreas Ehlert (Handwerk.NRW), Berthold Schröder (Westdeutscher Handwerkskammertag) und Hans-Joachim Hering (Unternehmerverband Handwerk NRW) zum Krieg in der Ukraine:

»Der Angriff Russlands auf die Ukraine erschüttert uns alle, auch das nordrhein-westfälische Handwerk mit seinen 194.000 Betrieben und 1,2 Millionen Beschäftigten. Die vielen Toten und Verwundeten zeugen von der Barbarei eines Angriffskriegs, den Wladimir Putin gegen die Ukraine vom Zaun gebrochen hat. Den Menschen in der Ukraine gilt in diesen Tagen unser tief empfundenes Mitgefühl und unsere Solidarität. Wir sind mit unseren Gedanken bei den Opfern, den Hinterbliebenen und all jenen, die durch Bomben und Zerstörung ihre Heimat verloren haben und noch verlieren werden.

Die düsteren Prognosen für die kommenden Wochen und Monate erschrecken uns. Umso mehr bewundern wir, wie tapfer die Ukrainerinnen und Ukrainer für ihr Land einstehen. Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg gilt nicht nur den Menschen in der Ukraine, er zielt ebenso auf die freie Welt und ihre Werte. Das Unrecht, das von Russland ausgeht, muss klar benannt werden.

Es ist jetzt die Stunde zu erkennen, dass die freie Welt in der Verteidigung der Demokratie geschlossen und entschlossen sein muss, um ein weiteres Übergreifen der russischen Expansion auf unsere Nachbarn zu verhindern. Die Weichen unserer Außen- und Sicherheitspolitik müssen dafür neu gestellt werden. Das schließt auch ein, dass wir unsere Energie- und Rohstoffversorgung nicht länger von Russland abhängig machen dürfen.

Und wir alle müssen uns bewusst machen, dass Frieden und Freiheit nicht selbstverständlich sind. Frieden und Freiheit fangen vor Ort an – auch im Handwerk. Das täglich gelebte Miteinander in den Betrieben, die Achtung und der Respekt vor- sowie die Wertschätzung füreinander – unabhängig von der Herkunft – sind dafür beispielgebend und wichtiger denn je. 

Auf die enormen integrativen Fähigkeiten des Handwerks kommt es jetzt mehr denn je an. Deswegen werden wir im Handwerk unseren Beitrag zur Unterstützung schutzsuchender Menschen leisten. Wichtig sind jetzt vor allem schnelle und zuverlässige Hilfsangebote für Menschen, die vor dem Konflikt fliehen. Wo die Betriebe des Handwerks und ihre Organisationen gebraucht werden, stehen sie bereit. Wir stehen dazu im engen Kontakt mit unseren Partnern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.«

Geflüchtete aus der Ukraine:

Informationen und Hinweise zur Unterstützung

Für Ratsuchende, Beratende, Multiplikatoren, Betriebe und Interessierte haben der WHKT und das IQ Netzwerk NRW hilfreiche Hinweise zu Aufenthalts-, Sozialleistungs- und Unterstützungsfragen für das Land Nordrhein-Westfalen zusammengestellt.

Zu den wichtigsten Themen gehören dazu weiterführende Links und Kontaktinformationen.


Einreise nach Deutschland

Für deutsche Staatsangehörige, die in der Ukraine leben:

Mitarbeitende der deutschen Botschaften sind in den Grenzregionen Polen, Rumänien, Ungarn, der Slowakei und der Republik Moldau zur Unterstützung deutscher Staatsangehöriger vor Ort.


Für ukrainische Staatsangehörige oder Drittstaatsangehörige mit Wohnsitz in der Ukraine:


Aufenthalt und Sozialleistungen

  • Ukrainische Staatsbürger können für einen Kurzaufenthalt von 90 Tagen ohne Visum in die Europäische Union und den Schengenraum einreisen.
  • In den ersten drei Monat besteht kein Anspruch auf Sozialleistungen des SGB II oder SGB XII, es besteht aber Anspruch auf „Überbrückungsleistungen“ nach 23 Abs. 3 Satz 3 SGB XII.
  • Nach drei Monaten Aufenthalt besteht Anspruch auf reguläre Leistungen der Existenzsicherung.
  • Weitere Möglichkeit: Beantragung von subsidiärem Schutz. Dieser muss individuell beantragt und geprüft werden, Antragserstellung erfolgt bei der Landeserstaufnahmeeinrichtung NRW in Bochum.

Je nach Bundesland kann es unterschiedliche Regelungen geben. Im Moment befinden sich Bund und Länder in der Abstimmung.

Der ZDH hat eigens für das Handwerk eine Sonderseite aufgebaut. Handwerksbetriebe finden hier die wichtigsten Informationen und können eigene Untersützungsangebote anmelden. www.zdh.de


Die IQ Fachstelle Einwanderung hat die wichtigsten Fragen zum Aufenthalt, Visum und einer möglichen Beschäftigung in Deutschland zusammengefasst: FAQ Aufenthaltsrechtliche Fragen für Menschen aus der Ukraine in Deutschland, Українська / Русский / English

Handbook in Germany sammelt zusätzlich noch die häufigsten Fragen zu Beschäftigungsmöglichkeiten und medizinischer Versorgung in Deutschland: Ukraine-Info

Kommunen und das Land NRW koordinieren und organisieren derzeit ihre Unterstützungsmöglichkeiten.

Betriebe und Privatpersonen können allerdings ebenfalls aktiv werden: Durch die Bereitstellung von Wohnraum, Geld- und Sachspenden oder Begleitung der Hilfesuchenden. Weitere Informationen unter https://www.iq-netzwerk-nrw.de/ukraine

Außenwirtschaft:

Information zu Sanktionen wegen des Angriffs Russlands auf die Ukraine

Außenwirtschaftliche Geschäfte, in die eventuell russische Oligarchen oder von ihnen kontrollierte Firmen verwickelt sind, können unter die aktuellen EU-Russland-Sanktionen fallen und sollten daher im Vorfeld sorgfältig geprüft werden. Die jeweils aktuellen Übersichten der sanktionsgelisteten Personen und Unternehmen werden in EU-Amtsblättern veröffentlicht, die Sie auf einer Sonderseite der GTAI finden.

​Bestimmte High-Tech-Produkte, u.a. Elektronik und Sensoren, dürfen nicht mehr nach Russland exportiert werden, auch nicht, wenn sie in andere Produkte eingebaut sind: Änderungsverordnung 2022/328 vom 25. Februar 2022, Amtsblatt L 49, Art. 2a Abs. 3-5/Anh. VII.  Bei Unsicherheiten sollte nach Auskunft des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Zweifel ein Antrag auf Ausfuhr gestellt werden. Das kann beim BAFA online über diesen Link geschehen. Mit dem Bescheid des BAFA erlangt das Geschäft Rechtssicherheit.

Bei Rückfragen zu diesem Themen stehen die Außenwirtschaftsberaterinnen und -beratern der Handwerksorganisation: https://www.handwerk-international.net/ansprechpartner zur Verfügung.

Ausbildungskonsens NRW:

Nachholaktion Schülerpraktikum – Aktionszeitraum 28.03.2022–08.04.2022

Die Partner des Ausbildungskonsens NRW werben in einer gemeinsamen Aktion dafür, kurz vor Ostern pandemiebedingt ausgefallene Schülerpraktika nachzuholen. Mit dieser Aktion will der Ausbildungskonsens einerseits Schülerinnen und Schüler motivieren, ein Praktikum in der Abgangsklasse nachzuholen, sofern sie es in der Vorabgangsklasse nicht geschafft haben und gleichzeitig Betriebe zu motivieren, auch im Aktionszeitraum gezielte Praktikumsangebote dafür zur Verfügung zu stellen. Andererseits soll diese Aktion deutlich machen, dass trotz Corona-Pandemie betriebliche Praktika flächendeckend möglich sind. Das Handwerk setzt sich bereits in den vergangenen zwei Jahren immer wieder dafür ein, die Möglichkeit des betrieblichen Praktikums trotz Corona in die Öffentlichkeit zu rücken. Denn Betriebe kommen nur dann an Auszubildende, wenn diese sich für den Beruf begeistern. Die Voraussetzung dafür ist, dass man die betriebliche Praxis kennenlernt. Berufswahlentscheidungen können nicht aufgrund von Sachinformationen erfolgen, sondern erfolgen stark emotional, wobei die Atmosphäre im Betrieb mit den dort arbeiten Menschen, den Gerüchen und der Kommunikation maßgeblich ist.

Das Schulministerium hat den Aktionszeitraum ausgewählt. Für die Konsenspartner war es besonders wichtig, dass die Nachhol-Praktika in einer Zeit liegen, die in den schulischen Ablauf bestmöglich hineinpasst. Grundsätzlich werden Praktikumsplätze nicht zu festen Zeiträumen im Handwerk angeboten, sondern sehr flexibel, passend zu den individuellen Bedarfen. Um ein Praktikumsplatz in einen der vielen verschiedenen Handwerksbetrieben zu finden, gibt es sehr komfortable Tools, wie das Praktikumsnavi: https://www.whkt.de/praktikumsnavi

Besonders gut kommt es bei Betrieben an, wenn sich Schülerinnen und Schüler und nicht deren Eltern direkt beim Betrieb melden. Für die Sonderaktion gibt es zwei Websites, auf der man alle wichtigen Links zu Praktikumsbörsen und Hilfestellungen findet:

https://www.schulministerium.nrw/praktikum-jetzt
https://www.mags.nrw/praktikum-jetzt 

In einer gemeinsamen Pressemitteilung der Ausbildungskonsenspartner betont WHKT-Präsident Schröder: „»Nichts ist für die Berufliche Orientierung wichtiger als Betriebspraktika. Das personalintensive Handwerk beteiligt sich sehr gerne an der Aktion und motiviert nicht nur Betriebe, Praktikumsplätze anzubieten, sondern insbesondere auch Schülerinnen und Schüler, sich zu trauen, einfach mal bei Betrieben des Handwerks anzufragen, um in den beruflichen Alltag hereinzuschnuppern. Im Handwerk stehen Mensch und Familie im Mittelpunkt, da macht die Arbeit nicht nur Freude, sondern ist auch sinnstiftend.«

Dem Handwerk ist besonders wichtig, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur Pflichtpraktika im Rahmen ihrer Schullaufbahn absolvieren, sondern auch in den Ferien die eine oder andere Woche für ein freiwilliges Praktikum nutzen, um Betriebe und Berufe besser kennenzulernen und dort auch eine ideale Anschlussperspektive für eine Ausbildung zu finden.

Agenda zur Stärkung der Berufsbildung des Landes NRW:

Forderungen des Handwerks werden vom Schulministerium NRW aufgegriffen

Die Wirtschaftsorganisationen sind sich einig, welche wichtige Aspekte in der von der Landesregierung veröffentlichten Agenda zur Stärkung der Berufsbildung fehlen. In einem intensiven Austausch auf Spitzenebene mit dem Schulministerium wurden folgende Themen angesprochen, die dem Handwerk und gleichermaßen IHK NRW und der unternehmer nrw besonders wichtig sind:

  1. Vorrang der dualen Ausbildung am Berufskolleg
  2. Überregionale Schulentwicklungsplanung unter Einbindung der Wirtschaft
  3. Nutzung der Digitalisierung bei der Fachklassenbildung für den ländlichen Raum
  4. Stellenzuweisung je Fachklasse, nicht abhängig von der Anzahl der Azubis je Klasse
  5. Mehr Personalressourcen für attraktiven Unterricht in den Fachklassen mit Binnendifferenzierung
  6. Sicherung der quantitativen und qualitativen Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte für gewerblich-technische Ausbildungsberufe
  7. Stärkung der dualen Ausbildung auch über KAoA in der Sekundarstufe II und prioritäre Bewerbung der dualen Ausbildung durch Berufskollegs

Das Schulministerium hat klar die Bereitschaft signalisiert, die Stärkung der dualen Ausbildung am Berufskolleg zu unterstützen und die der Wirtschaft besonders wichtigen Punkte aufzugreifen und kurzfristig in den Dialog um die Konkretisierung einzusteigen.

Neue Dynamik in einem Dauerthema:

Ausbildungsabbrüche vermeiden

Die Nutzung der Probezeit in einem Ausbildungsverhältnis ist sehr sinnvoll, um Fehlentscheidungen von Seiten der Ausbildungsbetriebe oder Auszubildenden zu korrigieren. Jede spätere Vertragslösung ist problematisch. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sind diese späteren Vertrgslösungen zu zwei Drittel vermeidbar, wenn rechtzeitig Maßnahmen getroffen würden. Die Kommunikation zwischen den Vertragspartnern ist ein zentrales Instrument.

Um flächendeckend die Anzahl an Ausbildungsabbrüchen, insbesondere aufgrund von schulischen Defiziten, zu reduzieren, verständigen sich aktuell Kammern, Regionaldirektion NRW der BA, Schulministerium und Arbeitsministerium über eine gezielte Kooperationsstruktur, die in den Fachklassen des dualen Systems ansetzt. Sie soll regional vorhandene Fördermaßnahmen für Auszubildende und Ausbildungsbetriebe transparent und zugänglich machen. Auch die Baustelle der fehlenden Fachsprachenförderung für Geflüchteten in dualer Ausbildung wird aufgegriffen.

Erster Austausch:

Antrittsbesuch bei neuer Verkehrsministerin Ina Brandes

Zu einem ersten Austausch besuchte nun WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier die neue NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes. Frau Brandes ist seit dem 28. Oktober 2021 Nachfolgerin von Hendrik Wüst, der zum Ministerpräsidenten gewählt wurde.

Themen des Austauschs waren unter anderem das derzeit entstehende gemeinsame Mobilitäts-Projekt, das Azubi-Ticket sowie die Folgen der Brückensperrung auf der A45 für das Handwerk. In einem gemeinsamen Mobilitäts-Projekt von WHKT und Verkehrsministerium soll die Zukunft der Mobilität im Handwerk umfassend beleuchtet werden. Die Themenpalette reicht dabei von der Mobilität von Arbeitnehmenden und Auszubildenden über die Berücksichtigung handwerklicher Verkehre in Innenstädten bis hin zu betrieblichem Fuhrpark-Management. 

Im Dialog:

Austausch mit Vertretern der FDP

Der Fraktionschef der FDP im Düsseldorfer Landtag, Christof Rasche, und der Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium, Christoph Dammermann, waren jüngst zu Gast beim WHKT. Zu einem persönlichen Austausch empfingen Präsident Berthold Schröder und Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier Fraktionschef Christof Rasche in der WHKT-Geschäftsstelle in Düsseldorf. Thema des Austauschs war auch das jüngst verabschiedete FDP-Wahlprogramm und die darin enthaltenen Anknüpfungspunkte für das Handwerk. Die Vertreter des WHKT betonten hierbei insbesondere die Herausforderungen der Fachkräftesicherung in den kommenden Jahren. Auch die weiteren Öffnungsschritte im Hinblick auf den weiteren Verlauf der Pandemie wurden thematisiert. 

Ebenso stand das FDP-Wahlprogramm zur Landtagswahl im Mittelpunkt eines Austauschs der Hauptgeschäftsführer der NRW-Handwerkskammern mit NRW-Wirtschaftsstaatssekretär Christoph Dammermann. Herr Dammermann erläuterte die Grundzüge des liberalen Programms, das auf Innovation und individuelle Aufstiegschancen setze. In der Diskussion wurden insbesondere Fragen der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung thematisiert. Auch die Frage, wie Gründung im Handwerk befördert werden kann, war Thema der Runde.

Regelmäßig tauscht sich der WHKT auf verschiedenen Ebenen mit den Vertreterinnen und Vertretern aller demokratischen Parteien aus.

Im Austausch:

ZDH-Generalsekretär zu Gast beim Kamingespräch der Arbeitnehmer-Vizepräsidenten

Marc Giering, Matthias Heidmeier (WHKT), Michael Neuhaus, Karl-Heinz Reidenbach, Alexander Hengst, Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Felix Kendziora, Norbert Wichmann (DGB), Sonja Wilmer-Kausch, Bernhard Blanke, Ralf Noltemeyer (v.l.n.r.)

Zu einem Kamingespräch konnte WHKT-Vizepräsident Felix Kendziora nun den Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, begrüßen.

Die sieben Arbeitnehmer-Vizepräsidenten der nordrhein-westfälischen Handwerkskammern tauschten sich mit Herrn Schwannecke über eine Vielzahl aktueller Themen aus. Die Herausforderung der Fachkräftesicherung und die nötige Stärkung der Tarifpartnerschaft wurden ebenso diskutiert wie die Frage der vom Handwerk angestrebten gesetzlichen Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung. Gemeinsam wurde betont, dass der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Handwerk eine große Bedeutung zukommt. Diese besondere Partnerschaft im Handwerk biete enorme Gestaltungschancen in der Politik und sei im Sinne der kleinbetrieblichen Struktur ein echtes Pfund.

Mit dabei waren neben WHKT-Hauptgeschäftsführer Mattias Heidmeier auch Norbert Wichmann für den DGB und Sonja Wilmer-Kausch vom Kolpingwerk Landesverband NRW.

Europa:

Vorschlag für ein europäisches Datengesetz berücksichtigt wichtige Handwerksanliegen

Am 23. Februar 2022 hat die EU-Kommission einen Vorschlag für eine »Verordnung über harmonisierte Regeln für einen fairen Zugang zu Daten und deren Nutzung« vorgestellt.

Ziel des so genannten »Data Act« ist es, einen interessengerechten Zugang zu produktbezogenen Daten zu gewährleisten. Ein solcher Zugang ist für Handwerksbetriebe von zunehmender Bedeutung, wenn sie ihren Kunden Reparatur-, Wartungs- und andere Leistungen rund um „smarte“ Geräte anbieten wollen. Entscheidend ist, dass der Kunde oder die Kundin die Möglichkeit erhält, über die von ihm oder ihr generierten Daten zu verfügen, sie mit einem Dienstleister zu teilen und dass die Daten nicht automatisch an den Hersteller fließen.

Der Vorschlag zum Data Act folgt einem solchen nutzerzentrierten Ansatz. Er strebt zudem eine Verschiebung der Marktmacht großer Unternehmen und Plattformen, die als »gatekeeper« fungieren, hin zu kleinen und mittleren Unternehmen und Verbrauchern an. Das ist aus Sicht von Handwerksbetrieben sehr zu begrüßen.

Vorgesehen ist, dass nicht-personenbezogene Daten, die durch die Nutzung von vernetzten Produkten anfallen, seitens der Hersteller der Produkte nur auf Grundlage eines Vertrages mit den Nutzern verarbeitet werden dürfen. Dies wird begleitet von vorvertraglichen Aufklärungspflichten. Nutzer sollen einen Anspruch erhalten, jederzeit Zugang zu den von ihnen mit Produkten oder Diensten erzeugten Daten zu erlangen. Sie sollen auch verlangen können, dass Anbieter die Daten kostenlos und unverzüglich Dritten – zum Beispiel einem Handwerksbetrieb ihrer Wahl – zur Verfügung stellt.

Um kleine und mittlere Betriebe im Wettbewerb zu schützen, sieht der »Data Act« ein Verbot unfairer Vertragsklauseln in Standardverträgen zu Datennutzung und -lizensierung vor, insbesondere eine katalogartige Aufzählung von Vertragsinhalten, deren Vereinbarung zur Unwirksamkeit einzelner Klauseln oder des gesamten Vertrages führen kann.

Gut gestartet:

Jetzt anmelden – Wettbewerb des Handwerks DesignTalente 2022

Noch bis Mitte Mai 2022 können sich junge Handwerkerinnen und Handwerker aus NRW im Alter bis 30 Jahre mit Fotos ihrer selbst gestalteten Objekte in folgenden Themenbereichen bewerben: Kleidung und Textil, Möbel, Objekt und Skulptur, Schmuck, Wohnen und Außenbereich, Medien.

Eine unabhängige Jury wählt ab dem 15. Mai 2022 aus, welche Arbeiten zur 14-tägigen Ausstellung in Köln am 25. September zugelassen werden. Zusätzlich identifiziert die Expertenjury in jedem der sechs Themenbereiche eine Siegerin bzw. einen Sieger. Neben der Möglichkeit, das eigene Design in der Ausstellung öffentlichkeitswirksam zu platzieren und im Katalog aufgenommen zu werden, werden die Siegerinnen und Sieger mit jeweils 3.000 Euro Siegesprämie ausgezeichnet.

Gefördert wird der Wettbewerb für Gestaltungstalente im Handwerk vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation und Digitalisierung des Landes NRW. Die Organisation liegt beim Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) in Düsseldorf.

Über die vom WHKT entwickelte Plattform www.designtalente-handwerk-nrw.de ist eine direkte Anmeldung möglich und sind weitere Hinweise zum Wettbewerb zu finden. Bilder der eigenen Arbeiten hochladen – fertig. Kosten entstehen selbstverständlich für die Teilnahme am gesamten Wettbewerb nicht.

Das Ziel des Wettbewerbs besteht erstens darin, zu zeigen, wie viel Ideenreichtum und Gestaltungstalent im Handwerk steckt sowie zweitens junge Handwerkerinnen und Handwerker dabei zu unterstützen, sich als Gestalterin und Gestalter einen Namen zu machen. Alle Akteure freuen sich daher, dies gemeinsam zu unterstützen.  

Die Schirmherrschaft für den Wettbewerb hat NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst übernommen. In seiner Grußbotschaft hebt er die Vielfalt des Handwerks, seine beruflichen Perspektiven und die Leistungen der Handwerksbetriebe hervor. »Als starke Säule des Mittelstands bilden sie das Rückgrat der deutschen Wirtschaft«, so der Ministerpräsident. Weiter betont er, dass die Kreativität und die Energie innovativer Lösungen das Ergebnis einer meisterlichen Ausbildung seien. »Das beweisen alle zwei Jahre auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wettbewerbs DesignTalente im Handwerk eindrucksvoll. Ich freue mich daher auf viele gute Wettbewerbsarbeiten und wünsche allen Teilnehmenden gutes Gelingen.«

Der diesjährige Wettbewerb steht unter dem offen gehaltenen Motto „ideen formen material“. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine abgeschlossene Handwerksausbildung, unabhängig davon, ob man aktuell in einem anderen Bereich tätig ist, sich weiterbildet, studiert oder vielleicht auch bereits selbstständig ist. Die vollständigen Teilnahmebedingungen sind online auf den Wettbewerbsseiten zu finden.

Zur Teilnahme können Fotos von bis zu drei Arbeiten eingereicht werden. Wichtig ist, dass man diese selbst gestaltet hat und die Objekte nicht bereits beim Wettbewerb DesignTalente eingereicht wurden. Eine Einreichung bei anderen Wettbewerben, zum Beispiel dem Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks, bleibt davon unberührt. Auch können Gesellen- oder Meisterstücke sowie Leistungen für Kunden oder Auftragsarbeiten zum Wettbewerb angemeldet werden. Wichtig ist, dass die Arbeiten selbst erstellt wurden und diese auf der Ausstellung in Köln 14 Tage gezeigt werden können.

Begeisterter Unterstützer des Wettbewerbs ist NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart: »Der Faktor Gestaltung macht Produkte unterscheidbar und individualisierbar, benutzerfreundlich und einzigartig. Die Bedeutung der Designkompetenz im Handwerk ist groß: Gestaltung als Querschnittskompetenz ist für die Entwicklung vieler Gewerke von ähnlich hoher Bedeutung wie digitale Fertigkeiten. Auch die digitale Welt kann auf den Einfallsreichtum als menschlichen Faktor nicht verzichten.«

»DesignTalente ist Leistungsschau handwerklichen Designs, die gerade jungen Handwerkerinnen und Handwerkern beste Chancen bietet, auf sich und ihr gestalterisches Talent öffentlichkeitswirksam aufmerksam zu machen«, unterstreicht WHKT-Präsident Berthold Schröder. »Der Wettbewerb DesignTalente zeigt, was Fachkräfte im Handwerk so besonders macht: Ihr Können!«, so WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier.

Um die Vielfalt des gestalterischen Könnens im Handwerk auch in diesem Wettbewerbsjahr zeigen zu können, freuen sich die Organisatoren und Förderer des Wettbewerbs auf viele spannende Wettbewerbsarbeiten. Allen Unterstützern und Multiplikatoren ein großes Dankeschön fürs Aufmerksammachen, Weiterleiten und Empfehlen.

Ein Medienpaket zum diesjährigen Wettbewerb für Multiplikatoren und den SocialMedia-Einsatz ist hier zu finden: www.designtalente-handwerk-nrw.de/medienpaket.

Online-Anmeldung und Informationen unter www.designtalente-handwerk-nrw.de.

Schulministerium geht auf Wünsche des Handwerks ein:

Zwei Fachklassenstandorte für neuen Elektroberuf

Ende Januar 2022 haben die Bezirksregierungen einvernehmlich festgelegt, wo der im Jahr 2021 in Kraft getretene neue Elektroberuf, Elektroniker/in für Gebäudesystemintegration, beschult wird. Die Entscheidung ist für Westfalen auf Dortmund und für das Rheinland auf Düsseldorf gefallen. Ob Auszubildende aus benachbarten Bundesländern hinzukommen werden, wird aktuell noch geprüft.

Die sieben Handwerkskammer hatten gemeinsam mit dem Landesverband klare Erwartungen an den dualen Partner Schule formuliert und an die Schulministerin adressiert: zwei Klassen statt nur einer Landesfachklasse, Beschulung ab dem ersten Ausbildungsjahr sowie Blockunterricht mit Unterbringungsmöglichkeiten. Das wird ab Sommer 2022 Realität.

IQ NETZWERK NRW:

Neue Kooperation der Handwerkskammer Münster mit dem Mobilen Beratungsteam beim WHKT

Das IQ Mobile Beratungsteam ist seit mehr als sechs Jahren beim WHKT für die berufliche Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung in NRW zuständig. Mit seinem mobilen Angebot ermöglicht das IQ Teilprojekt, flexibel auf den Bedarf einzugehen und eine flächendeckende Beratung zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse in NRW.

Ab Februar 2022 begleitet das IQ Mobile Beratungsteam mit seiner jahrelangen Expertise die Arbeit der Handwerkskammer Münster im Rahmen der Anerkennungsverfahren. Hierfür wurden auf die Bedürfnisse der Handwerkskammer Münster zugeschnittene Absprachen getroffen.

Auf Wunsch der Handwerkskammer Münster wird die IQ Mobile Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung nun gleich zu Beginn eines möglichen Anerkennungsverfahrens, noch vor Antragsstellung beratende Tätigkeiten übernehmen.

Die Handwerkskammer Münster ist nach Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (BQFG) in ihrem Einzugsgebereich zuständig für die rechtsverbindlichen Anerkennungsbescheide bei ausländischen Berufsabschlüssen im Handwerk.

Anerkennungsanfragen an die Handwerkskammer Münster werden über das Werkzeug der digitalen Beratungsanmeldung (Web App*) direkt an das IQ Beratungsteam weitergeleitet. In der Anerkennungsberatung durch das Mobile Beratungsteam vor der Antragstellung bei der HWK Münster findet auch die Festlegung des (deutschen) Referenzberufs statt. Wesentlicher Inhalt der Beratung ist zu diesem frühen Zeitpunkt des Verfahrens zudem die Beratung zur Finanzierung. Die anerkennungssuchende Person wird bei der gesamten Antragstellung durch eine Ansprechperson des IQ Beratungsteams begleitet, so dass ein vollständiger Antrag mit allen erforderlichen Nachweisen bei der Handwerkskammer Münster eingereicht werden kann. Zur Erlangung der vollen Gleichwertigkeit kann im Anschluss an den von der Handwerkskammer Münster erstellten Bescheid die Qualifizierungsberatung auf Wunsch ebenfalls durch das IQ Beratungsteam durchgeführt werden.

Eine direkte Weiterleitung der anerkennungssuchenden Personen zum Projekt »ValiKom« ist vorgesehen, wenn zwar Berufserfahrungen in einem Handwerksberuf, aber keine formellen Ausbildungsabschlüsse vorliegen. Im Rahmen des Projektes »ValiKom« bieten beteiligte Kammern Validierungsverfahren an, mit denen berufliche Kompetenzen bewertet und zertifiziert werden können, so auch die HWK Münster.

Sämtliche Services der mobilen Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung NRW werden aus Mitteln des Förderprogramms Integration durch Qualifizierung (IQ) finanziert und stehen im Rahmen der Kapazitäten kostenfrei zu Verfügung.

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

* Die Web-App ist ein digitales mehrsprachiges Instrument zur Beratungsanmeldung. Durch diese digitale Möglichkeit der Beratungsanmeldung bei uns, gestaltet sich die Schnittstelle zwischen HWK Münster und dem IQ Netzwerk unkompliziert, schnell und papierlos.

Außenwirtschaft:

Ausblick auf vielfältiges Angebot für das NRW-Handwerk

Das Netzwerk NRW Handwerk international bietet Handwerksunternehmen in NRW auch in diesem Jahr wieder ein breites Angebot an Informationsveranstaltungen, Messen und Unternehmerreisen, die Betriebe bei ihrem Weg ins Ausland unterstützen.

Im Rahmen der Veranstaltungen erhalten Unternehmen Informationen zu Marktpotenzialen sowie konkrete Unterstützungsangebote für ihre Auslandstätigkeit, z. B. in den Bereichen Bau/Ausbau in Benelux, Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich, Lebensmittel und Infektions- und Hygieneschutz in Belgien, oder weiter entfernten Märkten wie den USA, die vielfältige Geschäftsmöglichkeiten bieten. Die Projekte werden durchgeführt gemeinsam mit NRW.Global Business und weiteren Partnern.

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie unter www.handwerk-international.net/veranstaltungen. Beratung für ihre Auslandstätigkeit erhalten Unternehmen bei den Außenwirtschaftsberaterinnen und -beratern der Handwerksorganisation: www.handwerk-international.net/ansprechpartner.

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

am 15. Mai wird ein neuer Landtag gewählt. Die vor uns liegenden Weichenstellungen in der nordrhein-westfälischen Landespolitik sind für das Handwerk von größter Bedeutung. Trotz guter Handwerkskonjunktur sind die Herausforderungen für die Betriebe und ihre Beschäftigten enorm, sollen sie doch die Transformation unserer Gesellschaft hin zu Klimaneutralität und Nachhaltigkeit stemmen. Dass 400.000 Wohnungen gebaut und noch viel mehr saniert werden sollen, ist nur die Spitze des Eisbergs – viele Ölheizungen sollen verschwinden, Solarpanele installiert und alles soll am besten mit smarter Gebäudetechnik vernetzt werden. Von der Umsetzung der E-Mobilität haben wir dabei noch gar nicht gesprochen.

Es gibt also viel zu tun, nicht nur für die 194.000 Handwerksbetriebe in NRW, auch für die Landespolitik. Denn die nötige Transformation unserer Gesellschaft stellt die Diskussion über den Fachkräftemangel im Handwerk in ein ganz anderes Licht. Wenn es uns nicht gelingt, genügend Fachkräfte für das Handwerk zu finden, werden die gewaltigen Aufgaben, die etwa im Klimaschutz auf uns warten, schlicht nicht erledigt werden können. Das heißt, dass die Politik handeln muss. Das Handwerk benötigt Nachwuchs. Den Sonntagsreden über die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung müssen jetzt Taten folgen.

Nordrhein-Westfalen hat die Chance voranzugehen. Der Anspruch der kommenden Legislaturperiode sollte es sein, unser Land zur Nummer eins bei der dualen Bildung und der Fachkräftesicherung zu machen. Die Voraussetzungen für diesen Paradigmenwechsel sind so schlecht nicht. Die jüngste Entscheidung des Landes zur Übernahme von einem Drittel der Kosten bei der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung ist in diesem Sinne ein wichtiges Signal. Wir brauchen mehr davon.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

Großer Erfolg für das Handwerk in NRW:

Nordrhein-Westfalen realisiert »Drittelfinanzierung« bei der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU)

Das Jahr 2022 beginnt für die duale Berufsausbildung im Handwerk mit einer guten Nachricht von NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann: Nordrhein-Westfalen wird seine Förderung für die Grund- und Fachstufenlehrgänge der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) im Handwerk auf ein Drittel der Kosten anheben. Das bedeutet konkret, dass im Jahr 2022 rund 7 Millionen Euro mehr in die ÜLU fließen. »Damit setzt Nordrhein-Westfalen Maßstäbe bei der Unterstützung der dualen Ausbildung. Wir kämpfen seit Jahren dafür, dass Bund, Land und Betriebe sich zu je einem Drittel an den Kosten der ÜLU beteiligen«, erklärt der Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT), Berthold Schröder.

Bislang tragen die Betriebe den Löwenanteil der Kosten der ÜLU. »Die Drittelfinanzierung des Landes NRW in 2022 ist nicht nur ein konkretes Entlastungssignal für die Betriebe und damit ein zusätzlicher Anreiz auszubilden. Es handelt sich vor allem um ein politisch bedeutsames Signal im Sinne der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung«, erklärt Schröder. 

Dieser Rückenwind für die duale Ausbildung ist nach Ansicht des NRW-Handwerks dringend nötig. »Es sind schließlich auch die Handwerksbetriebe, die zum Beispiel den nötigen Klimaschutz an Gebäuden realisieren. Hierfür und für viele andere Zukunftsaufgaben braucht es mehr denn je gut ausgebildete Fachkräfte, die die enormen Aufstiegschancen des Handwerks nutzen«, erklärt Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT.

Es komme nun darauf an, die Drittelfinanzierung in Nordrhein-Westfalen auch über 2022 hinaus zu realisieren. »Das Handwerk erwartet von den politischen Parteien, dass dies im Sinne der beruflichen Bildung und der Fachkräftesicherung in einem Koalitionsvertrag nach der Landtagswahl festgeschrieben wird«, betont Heidmeier.

Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung ergänzt die praktische Ausbildung im Betrieb und ist damit ein wichtiges Qualitätssicherungsinstrument der handwerklichen Ausbildung. Neben der Ausbildung in den zumeist kleinen Handwerksbetrieben ist es von hoher Bedeutung, dass die Auszubildenden in den Bildungszentren des Handwerks weitergehende Einblicke in die handwerklichen Möglichkeiten ihres Wunschberufes erhalten und ihre Fertigkeiten produktionsunabhängig vertiefen können. Genau das realisieren die überbetrieblichen Bildungszentren des Handwerks im ganzen Land.

Jetzt anmelden:

Aufruf zur Teilnahme am Wettbewerb »DesignTalente Handwerk NRW 2022«

Mit Beginn des Jahres haben junge Handwerkerinnen und Handwerker aus NRW die Möglichkeit, sich mit Fotos ihrer gestalteten Objekte online für eine Teilnahme am Wettbewerb »DesignTalente Handwerk NRW« zu bewerben. Teilnehmen dürfen junge Handwerkerinnen und Handwerker, die zum Anmeldeschluss im Mai 2022 ihr 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, unabhängig von ihrem beruflichen Status. Ob Selbstständige, Gesellinnen oder Gesellen, Meisterinnen oder Meister, Gestalterinnen oder Gestalter im Handwerk – alle, die erfolgreich ein Handwerk erlernt haben, sind angesprochen, können mitmachen und sich mit ihren Arbeiten am Wettbewerb beteiligen.

Die Eröffnung der 14-tägigen Ausstellung aller durch die Jury ausgewählten Objekte sowie die Bekanntgabe der Siegerinnen und Sieger in den Themenbereichen findet am 25. September 2022 unter Teilnahme von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart in der Handwerkskammer zu Köln statt.

NRW-Wirtschafts- und Innovationsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart: »Erst der Faktor Gestaltung macht aus Alltagsprodukten etwas ganz Besonderes. Der Wettbewerb „DesignTalente Handwerk NRW“ schafft bei jungen Handwerkerinnen und Handwerkern früh ein Bewusstsein für gutes Design und individuelles Marketing.«

Berthold Schröder, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT), ist überzeugt: »Der Wettbewerb zeigt, wie viel Handwerk in Gestaltung und wie viel Gestaltung im Handwerk steckt. „DesignTalente“ ist eine Leistungsschau handwerklichen Designs, die gerade jungen Handwerkerinnen und Handwerkern beste Chancen bietet, auf sich und ihr gestalterisches Talent öffentlichkeitswirksam aufmerksam zu machen.«

Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT zum Wettbewerb und seiner Bedeutung: »Gestaltung und Design sind Querschnittsaufgaben in den allermeisten Berufsfeldern des Handwerks. Im Wettbewerb „DesignTalente Handwerk NRW“ machen junge Handwerkerinnen und Handwerker sehr deutlich, welche Qualität in ihrer Ausbildung steckt, mit welcher Leidenschaft sie ihren Beruf ausüben und mit wie viel Ideenreichtum und fachlicher Kompetenz sie Lösungen in der Praxis umsetzen. Das zeigt auch die Schirmherrschaft für den Wettbewerb „DesignTalente Handwerk NRW 2022“, die Ministerpräsident Hendrik Wüst übernommen hat.«

Die eingereichten Wettbewerbsobjekte müssen nicht gesondert für den Wettbewerb angefertigt worden sein. Es kann sich um Aufträge, Meister- oder Gesellenstücke sowie sonstige Arbeiten handeln. Wichtig ist, dass die Objekte für die Ausstellung in Köln zwei Wochen zur Verfügung gestellt werden und diejenigen, die sich mit ihren Leistungen bewerben, diese auch selbst – in genehmigten Einzelfällen auch gemeinschaftlich mit anderen Handwerkerinnen und Handwerkern – hergestellt haben.

In folgenden Themenbereichen können online bis zu zehn Fotos der gestalteten Objekte zur Wettbewerbsteilnahme eingereicht werden: Kleidung und Textil, Möbel, Objekt und Skulptur, Schmuck, Wohnen und Außenbereich, Medien. Eine unabhängige Jury wählt nach Einsendeschluss am 15. Mai 2022 aus, welche Arbeiten zur Ausstellung zugelassen werden. Zusätzlich identifiziert die Jury in jedem der sechs Kategorien eine Siegerin bzw. einen Sieger. Diesen winkt eine Siegesprämie in Höhe von jeweils 3.000 Euro.

Einen Eindruck davon, welche Objekte in den vergangenen Jahren zur Ausstellung zugelassen wurden, liefert die Seite www.designtalente-handwerk-nrw.de. Hier sind gleichfalls die Teilnahmebedingungen abrufbar und es steht die Möglichkeit zur Online-Anmeldung zur Verfügung.

Der Wettbewerb »DesignTalente Handwerk NRW« und die Teilnahme an der Ausstellung ist selbstverständlich kostenfrei und wird von den Handwerkskammern in NRW sowie den Gestaltungsakademien des Handwerks in Aachen und Münster fachlich begleitet. Der Wettbewerb findet statt mit finanzieller Unterstützung durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Online-Anmeldung und Informationen unter: www.designtalente-handwerk-nrw.de

Ein Medienpaket für Multiplikatoren und Social Media ist zu finden unter: www.designtalente-handwerk-nrw.de/medienpaket

Impressionen vom Wettbewerb 2020: www.whkt.de/owncloud/index.php/s/zMdQVa8KUc2BF9t

Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW 2022:

Handwerkerinnen und Handwerker mit besonderem Engagement gesucht

Viele Menschen im Handwerk engagieren sich weit über ihr Berufsfeld hinaus. Ob in der Entwicklungshilfe, bei Katastrophen im In- und Ausland oder auch im kleinen, nachbarschaftlichen und sozialen Umfeld, in der Lebenshilfe. Was sie leisten, ist eine tragende Säule unserer Gesellschaft, zeigt Zusammenhalt und Verantwortung. Warum sie dies tun? Weil ihnen die Menschen nicht egal sind, weil es ihnen ein Anliegen ist, zu unterstützen. Weil sie etwas beitragen und weitergeben wollen, weil es ein gutes Gefühl ist, etwas unternommen zu haben, was anderen Erleichterung, Sicherheit oder neuen Lebensmut verschafft.

Da dieser wertvolle Beitrag ehrenamtlicher Handwerkerinnen und Handwerker selten die Bühne betritt oder hinreichend Anerkennung erfährt, findet einmal jährlich in Raesfeld der vom WHKT organisierte »Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW« mit Unterstützung des NRW-Wirtschaftsministeriums statt. Gleichgesinnte im Ehrenamt des Handwerks tauschen sich aus und berichten im persönlichen Gespräch mit NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart über ihre Erfahrungen, Erlebnisse und anstehenden Vorhaben. Sehr persönlich, sehr direkt.

In diesem Jahr findet der 8. Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW am Freitag, den 10. Juni, am frühen Abend in der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld statt. Interessierte können sich gerne per Mail bis Ende Februar unter Angabe ihres Handwerks und einer kurzen Skizze ihres ehrenamtlichen Engagements melden, unter paulina.lempa[ ät ]whkt.de.

Als Highlight erfolgt die Vergabe des mit 5.000 € dotierten Ehrenamtspreises Handwerk des NRW-Wirtschaftsministeriums durch Minister Andreas Pinkwart an eine Handwerkerin oder einen Handwerker, die bzw. der in den letzten Jahren am Treffpunkt Ehrenamt teilgenommen hat. Als besondere Würdigung werden die NRW-Handwerkskammern in diesem Jahr eine Auszeichnung vergeben, die ehrenamtliche Leistungen des Handwerks in der Flutbekämpfung 2021 hervorhebt. Auch hierfür können bis Ende Februar unter genannter Mailadresse Vorschläge eingereicht werden.

Um in Zeiten von Corona eine sichere Durchführung der Veranstaltung zu gewährleisten, bitten wir um Verständnis, dass uns über die mögliche Gesamtzahl der Teilnehmenden aktuell noch keine Angabe möglich ist.

Mehr zum Treffpunkt Ehrenamt: https://www.ehrenamt-handwerk-nrw.de/start/treffpunkt-ehrenamt

Plattform für das Ehrenamt:

Nachhaltige Verankerung der Ehrenamtsakademie des NRW-Handwerks (EAH)

Mit erfolgreichem Abschluss der Aufbauphase wurden Ende 2021 die Weichen für die nachhaltige Verankerung der Ehrenamtsakademie des NRW-Handwerks (EAH) gestellt. Mit Ausweitung der Bildungs- und Netzwerkangebote sollen ab 2022 noch mehr ehrenamtlich Engagierte und Interessierte aus dem Handwerk erreicht werden.

»Wir wollen verschiedene Formate erproben und mit der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld die Marke Ehrenamtsakademie verstetigen«, so Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertages. »Mit besonderen Konzepten im historischen Ambiente von Schloss Raesfeld wollen wir Lust auf Bildung machen und dem Ehrenamt eine Plattform geben. Ehrenamt macht Spaß und findet in der Gemeinschaft statt. Genauso wollen wir es auch mit unseren Veranstaltungen halten.«

Die Angebote sollen in Präsenz stattfinden und Schulungseinheiten zu verschiedenen Themen mit Austausch- und Diskussionsformaten kombinieren. Mit Online- und Hybridveranstaltungen möchte die EAH gleichfalls Engagierte schulen und in ihren Ehrenämtern unterstützen. »Wir wollen alle Engagierten aus der Handwerksorganisation ansprechen – unabhängig davon, ob jemand in einem Gremium, einem Ausschuss oder einem Prüfungsausschuss engagiert ist«, so Matthias Heidmeier. Erste Angebote sind bereits unter www.ehrenamtsakademie-handwerk.de/angebote verlinkt. Unter anderem sind dies Seminare zu Rhetorik, Social Media für das Ehrenamt sowie eine Orientierungsveranstaltung »Neu im Ehrenamt«. Mit Zeiten in den frühen Abendstunden (online) oder samstags in Präsenz sind die Seminare sowohl für Arbeigeberinnen und Arbeigeber als auch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gut wahrzunehmen.  

Der Aufbau der EAH wurde gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Aus für Kfw-Förderung für klimaneutrales Bauen:

NRW-Handwerk befürchtet Vertrauensschaden

Der überraschende Förderstopp des KfW-Programms für energieeffiziente Gebäude betrifft Bauherren, Bauwillige und das Handwerk gleichermaßen. Der Präsident von Handwerk.NRW, Andreas Ehlert, erklärte hierzu: »Eine nachhaltige Förderpolitik basiert auf Planungssicherheit, Langfristigkeit und Verlässlichkeit. Diese Hauruck-Aktion des Bundeswirtschaftsministeriums ist leider das genaue Gegenteil und torpediert zahlreiche Klimaschutzmaßnahmen im Bausektor.«

Das NRW-Handwerk befürchte bei Bauherren und Investoren einen Vertrauensschaden mit Langzeitwirkung. Denn ob jetzt Sanierungswillige, bis Förderstandards neu definiert und neue Konditionen ausgeflaggt sind, später dann noch zu ihren Bauvorhaben zurückkehren, bleibe in einer Phase, in der die Preise für Baustoffe seit Monaten fast wöchentlich anziehen, stark zu bezweifeln, so Ehlert weiter.

Neue Gesetzgebungsverfahren:

Was erwartet uns 2022 aus Europa?

Das Jahr 2022 ist eines, das EU-seitig in erheblichem Umfang neue Gesetzgebungsverfahren hervorbringen wird. Hinzu kommen Verfahren, die sich bereits im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren befinden, insbesondere die rund ein Dutzend Richtlinien- und Verordnungsvorschläge des »Fit für 55«-Pakets, dem Energie- und Klimapaket der Union.

Die Gesetzesvorlagen zum »Green Deal« gehen 2022 weiter. Allerdings verschiebt sich der thematische Schwerpunkt vom Bereich Klima- und Energie hin zu Null-Schadstoff und Kreislaufwirtschaft. Zwei Kreislaufwirtschaftspakete sind für die kommenden Monate angekündigt. Das eine bringt die Erweiterung der Ökodesign-Richtlinie und einen Verordnungsvorschlag, demzufolge Umweltaussagen künftig mittels der Methodik des ökologischen Fußabdrucks nachzuweisen sind. Das andere wird sich unter anderem Kunststoff und Kunststoffverpackungen widmen. Und das ist nicht alles. Im zweiten Halbjahr folgt ein Vorschlag für ein »Recht auf Reparatur«.

Bei »Null Schadstoff« ist es ähnlich. Dort werden vor allem die Überarbeitung Luftqualitätsrichtlinie und die Überarbeitung von REACH und weiteren chemikalienrechtlichen Vorschriften die Aufmerksamkeit der Handwerksorganisation verlangen, denn die geplanten Verschärfungen, mit denen zunehmend Stoffe vom Markt verdrängt werden, könnten jedenfalls erhebliche Auswirkungen auf handwerkliche Leistungen haben.

Auch jenseits des »Green Deal« sind wichtige, umfangreiche Gesetzgebungsverfahren zu erwarten. Zu nennen ist beispielsweise das mehrfach verschobene europäische Lieferkettengesetz und das Datengesetz.

Datenzugang für Dienstleister:

Online-Event des Landes NRW und der Heinrich-Heine-Universität am 02.02.2022

Die Digitalisierung schreitet auch im Dienstleistungssektor weiter voran und birgt viele neue Chancen. Sie stellt die Unternehmen jedoch im Hinblick auf den Zugang zu Daten, Software und Plattformen vor neue Herausforderungen: Die Welt wird smart. Gegenstände, Häuser und Fabriken werden smart: Uhren fordern zu Bewegung auf, die Garderobe reicht den Regenschirm, die Heizung wärmt die Wohnung bedarfsgerecht und energiesparsam, vernetzte Autos warnen vor Staus, suchen eigenständig freie Parkplätze und wissen selbst, wann die nächste Wartung erforderlich ist. Es werden enorme Datenmengen generiert. Aber wer darf und kann darauf zugreifen? Welche Handwerkerinnen und Handwerker können in Zukunft noch die Heizung reparieren? Wie können sich mittelständische Unternehmen rüsten? Und welche Möglichkeiten gibt es, um dem Dienstleistungssektor in Nordrhein-Westfalen in einer smarten Welt Zugang zu den für die Berufsausübung essentiellen Daten zu gewähren? Wie können rechtliche Rahmenbedingungen aussehen?

Diese Fragen werden am 02.02.2022 von 09:30 bis 12:30 Uhr digital mit Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Justiz und Anwaltschaft sowie mit den Teilnehmenden diskutiert.

Programm und Anmeldung unter: www.wirtschaft.nrw/termin/datenzugang-fuer-dienstleister-online-event

Spendenaktion für Handwerksbetriebe:

»Handwerk hilft« bringt 650.000 Euro an Spenden zusammen

Flut und Hochwasser haben im vergangenen Juli dramatische Spuren hinterlassen: In Nordrhein-Westfalen richtete das Hochwasser vor allem im Rhein-Sieg-Kreis, in Teilen des Bergischen Landes und im Kreis Euskirchen enorme Schäden an – ebenso in Hagen und Wuppertal. In Rheinland-Pfalz waren neben dem Ahrtal auch Regionen der Eifel sowie Trier stark betroffen. Auch viele Handwerkerinnen und Handwerker sind unmittelbar betroffen: Sie haben vertraute Menschen, ihr Zuhause oder Geschäftsräume, Maschinen, Werkzeuge und Arbeitsmaterialien oder ihre wirtschaftliche Existenz verloren.

Bereits unmittelbar nach der Katastrophe hatte die Handwerkskammer zu Köln stellvertretend für den Zentralverband des Deutschen Handwerks ein zentrales Spendenkonto eingerichtet, auf dem zahlreiche Spenden aus dem gesamten Bundesgebiet eingingen. Auf diesem Weg konnte eine Spendensumme in Höhe von insgesamt 650.000 Euro gesammelt werden. Viele der Geberinnen und Geber haben sich mit der Kölner Kammer in Verbindung gesetzt. Dabei wurde deutlich, wie wichtig ihnen die gemeinsame Aktion „Handwerk hilft“ als besonderes Zeichen der Solidarität mit Handwerksunternehmen ist.

Eine unabhängige Kommission entscheidet über die Zuteilung der Spendengelder: Bis zum 15.02.2022 können sich betroffene Handwerkerinnen und Handwerker für eine persönliche finanzielle Hilfe in Höhe von jeweils 5.000 Euro bewerben. Das Antragsformular ist bewusst kurzgefasst und kann auf den Internetseiten der betroffenen Handwerkskammern sowie vieler Kreishandwerkerschaften heruntergeladen oder per E-Mail (hochwasser[ ät ]hwk-koeln.de) angefordert und ausgefüllt dorthin zurückgemailt werden.

Angesprochen sind hier all diejenigen Unternehmerinnen und Unternehmer im gesamten Überschwemmungsgebiet, deren durch Hochwasser und Flut im Juli 2021 entstandener Schaden teilweise oder gar nicht durch eine Versicherung oder staatliche Unterstützung in Form von Sofort- und Aufbauhilfe aufgefangen wurde. Vorrangig sollen diejenigen bedacht werden, die nach wie vor in einer Notsituation sind – nur eingeschränkt, improvisiert oder gar nicht arbeiten können.

Außenwirtschaft:

Handwerksbetriebe aus NRW sind international erfolgreich

Hans-Joachim Hering, Vorsitzender der LGH, Christoph Dammermann, Staatssekretär NRW-Wirtschaftsministerium, Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer Westdeutscher Handwerkskammertag, Andreas Ehlert, Präsident Handwerkskammer Düsseldorf, Felix Neugart, Geschäftsführer NRW.Global Business, Almut Schmitz, Leiterin LGH-Koordinierungsstelle Außenwirtschaft

Am 20. Januar 2022 fand die Auftaktveranstaltung »Märkte, Fachkräfte, Standort – Handwerk wächst. International« der Koordinierungsstelle Außenwirtschaft in hybrider Form statt. Neben dem Netzwerk NRW Handwerk international wurde die Veranstaltung von Referentinnen und Referenten aus der Handwerksorganisation, dem NRW-Wirtschaftsministerium, der NRW.Global Business GmbH, der Germany Trade and Invest GmbH und verschiedenen Handwerksunternehmen begleitet.

Im Rahmen von Vorträgen und Good Practice-Kurzfilmen wurden die vielfältigen Potenziale von Handwerksunternehmen auf internationalen Märkten aufgezeigt und der große Mehrwert von Auslandsaktivitäten für die Betriebe und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die teilnehmenden Handwerksunternehmen beleuchtet. Die immense Rolle, die Handwerksunternehmen weltweit beim Klimaschutz und der internationalen Fachkräftesicherung einnehmen, wurde dabei immer wieder betont.

Auch die Herausforderungen für Handwerksbetriebe bei ihrer Geschäftsanbahnung im Ausland, wie etwa bürokratische Hürden, steuer- und sozialversicherungsrechtliche Fragen oder Visaangelegenheiten, wurden thematisiert. Sowohl das Beratungsangebot der Handwerkskammern und Fachverbände als auch die konkreten Förderangebote des Landes für das Handwerk wurden in diesem Kontext erörtert und als wertvolle Hilfestellung für Handwerksbetriebe mit Interesse an einer Auslandstätigkeit hervorgehoben.

Wie die Veranstaltung gezeigt hat, wird es auch in Zukunft darum gehen, die Potenziale des Handwerks im Ausland weiter auszuschöpfen und Handwerksunternehmen bestmöglich bei ihren Internationalisierungsvorhaben zu unterstützen. Weitere Informationen zur Veranstaltung und zum Netzwerk NRW Handwerk international finden Sie unter www.handwerk-international.net. Beratung für ihre Auslandstätigkeit erhalten Unternehmen bei den Außenwirtschaftsberaterinnen und -beratern der Handwerksorganisation: https://www.handwerk-international.net/ansprechpartner.

Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen:

Steigende Antragszahlen im Handwerk

Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie ist im Zeitraum des ersten Halbjahrs 2019 bis zum ersten Halbjahr 2021 sowohl die Anzahl an Einstiegsberatungen als auch die Anzahl an Anerkennungsanträgen und Gleichwertigkeitsbescheiden bei den Handwerkskammern gestiegen. Dies besagt eine statistische Erhebung zur Berufsanerkennung, die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Rahmen des Anerkennungsmonitorings in Kooperation mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) regelmäßig durchgeführt wird. Gleichzeitig haben die zuständigen Stellen bundesweit für das Jahr 2020 rückläufige Zahlen an durchgeführten Qualifikationsanalysen bei fehlenden schriftlichen Belegen gemeldet: Waren es in den Jahren 2018 und 2019 noch jeweils über 250, wurden in 2020 genau 159 »sonstige Verfahren« gemäß §14 BQFG durchgeführt. Der überwiegende Teil der im Zeitraum von 2012 bis 2020 gemeldeten 1.275 Qualifikationsanalysen wurde in der Zuständigkeit der Handwerkskammern durchgeführt.

Naheliegende Ursache für diese gegenläufige Entwicklung könnten die Unterschiede in den Abläufen sein. Während Beratungsleistungen auch digital oder telefonisch erfolgen können, ist für die konkrete Kompetenzfeststellung im Rahmen der Qualifikationsanalyse neben der Infrastruktur die Anwesenheit der Beteiligten vor Ort unerlässlich. Während der Lockdowns war die Durchführung von Qualifikationsanalysen in den Berufsbildungszentren und Betrieben nicht oder nur eingeschränkt möglich. Wird ein Antrag auf Gleichwertigkeitsprüfung der ausländischen Berufsqualifikation gestellt, so kann dies kontaktlos elektronisch, auf dem Postweg oder per Fax erfolgen.

Interessant ist im Zusammenhang mit dem Anstieg an Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren, dass laut einer Auswertung der amtlichen Statistik nach §17 BQFG durch das BIBB-Anerkennungsmonitoring seit 2017 sowohl die Anzahl an Anträgen von Anerkennungsinteressierten mit Wohnsitz in Deutschland als auch die Anzahl an Auslandsanträgen im Handwerk stetig zugenommen hat.

Stand heute ist: Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren mittels QA können fast überall wieder stattfinden. Das BMBF-geförderte Projekt »NetQA – Netzwerk Qualifikationsanalyse« unterstützt zuständige Stellen bei der Durchführung von Qualifikationsanalysen und stellt einen Sonderfonds für Antragstellende bereit, die sich eine Qualifikationsanalyse sonst nicht leisten können.

Validierungsverfahren:

Forschungsergebnisse des Projektes »ValiKom Transfer«

Das Validierungsverfahren ermöglicht es Menschen mit langjähriger Berufserfahrung, jedoch ohne einen Berufsabschluss in ihrem Tätigkeitsfeld ein Zertifikat über ihre beruflich erworbenen Kompetenzen zu erlangen. Seit Projektbeginn werden die Auswirkungen des Verfahrens vom Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln (FBH) evaluiert. Erforscht wird beispielsweise, auf welche Art und Weise die Teilnehmenden von ihrer Verfahrensteilnahme profitieren und welchen Nutzen die an Validierungsverfahren beteiligten Unternehmen aus der Zertifizierung ihrer Mitarbeitenden ziehen können. Die zentralen Ergebnisse (Erhebungszeitraum November 2018 bis Mai 2021) werden nachfolgend kurz skizziert.

Es zeigt sich, dass das Durchlaufen des Verfahrens eine Chance zur persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung bietet. Durch die Zertifizierung der beruflich erworbenen Kompetenzen erfahren die Teilnehmenden eine selbstwertsteigernde Erfahrung. Auch ein Jahr nach einer erfolgreichen Validierung sind die Teilnehmenden noch immer persönlich gestärkt und zukunftsoptimistisch. Für einige Teilnehmenden werden dadurch auch weiterführende Bildungswege denkbar. Wenn sie dabei von ihren Arbeitgebern oder anderen begleitenden Akteuren, wie z. B. Kammermitarbeitenden, Zuspruch und Unterstützung erhalten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Weiterbildung auch umsetzen.

Die Befragung von beteiligten Unternehmen zeigt, dass alle Branchen das Validierungsverfahren nutzen, um ihren meist langjährigen Mitarbeitenden ohne passenden Berufsabschluss, ihre Wertschätzung zu zeigen und diesen weitere berufliche Entwicklungsschritte zu ermöglichen. Die entgegengebrachte Anerkennung sowie die Bestätigung des eigenen Könnens in Form eines Zertifikates wirkt sich positiv auf das Selbstvertrauen, die Zufriedenheit als auch Motivation der Mitarbeitenden aus. Das Validierungsverfahren trägt aus Unternehmersicht zu einem relevanten positiven Beitrag zur Personalentwicklung und Fachkräftesicherung bei.

Die Erhebung zeigt ebenfalls, dass die wertschätzende und kompetente Beratung durch die Kammermitarbeitenden sowie die Berufsexpertinnen und Berufsexperten dazu beiträgt, dass die Teilnehmenden positive Erfahrungen mit dem beruflichen Bildungssystem sammeln.

Die komplette Ergebniszusammenfassung der wissenschaftlichen Begleitforschung ist zu finden auf www.validierungsverfahren.de unter der Rubrik »Aktuelles – Downloadbereich« und liegt als PDF bereit.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt »ValiKom Transfer«, an dem 13 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern und zwei Landwirtschaftskammern beteiligt sind.

Willy Hesse. Abschied von einer Persönlichkeit des Handwerks.

Mit 79 Jahren starb Willy Hesse. Das Handwerk verliert einen wichtigen Mitstreiter.
 


»Willy Hesses Wirken war geprägt von einer großen Hingabe für seinen Beruf, seine Ämter und das Ehrenamt im Besonderen. Mit großer Empathie verstand er es, die Menschen für seine Ideen zu begeistern und gemeinsam Ziele zu verwirklichen. Er lebte den Gedanken eines von gegenseitigem Respekt getragenen Miteinanders und hat sich damit über das Handwerk hinaus die Anerkennung zahlreicher Weggefährten erworben. Seine Meinung und sein Fachverstand waren auch nach seiner aktiven Zeit stets gefragt.

Mehr als 60 Jahre wirkte Willy Hesse in unterschiedlichen Funktionen und Ämtern im Handwerk, sechs Jahre davon stand er als WHKT-Präsident an der Spitze der Handwerkskammern in NRW, wurde im Anschluss zum Ehrenpräsidenten gewählt. In all diesen Jahren lag ihm die Stärkung und Förderung der Beruflichen Bildung besonders am Herzen. Darüber hinaus setzte er sich für die Unterstützung des Ehrenamts und die Selbstständigkeit im Handwerk ein.

Für seine außerordentlichen Verdienste wurde er vielfach ausgezeichnet. So ehrte ihn die Bundesrepublik Deutschland mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, Nordrhein-Westfalen verlieh ihm den Verdienstorden des Landes. Darüber hinaus überreichte ihm der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) das Handwerkszeichen in Gold.

Willy Hesse hat mich mit seiner Gradlinigkeit und seinem jahrzehntelangen ehrenamtlichen Engagement im Handwerk tief beeindruckt. Stets offen, menschlich und zugewandt, so haben ihn viele über Jahrzehnte erlebt. Das Handwerk hat einen geschätzten Gesprächspartner und Ratgeber verloren, der durch seinen unermüdlichen Einsatz vieles für Handwerk erreicht hat.«

Berthold Schröder, WHKT-Präsident und Präsident der Handwerkskammer Dortmund

 

 

»Ich erinnere mich sehr gerne an die sehr angenehme und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Willy Hesse. Er war ein Mensch, dem man vertrauen konnte. Ein gradliniger Streiter mit Kompetenz und Menschlichkeit für das Handwerk.«

Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen
 

 

»Für sein Engagement wurde Willy Hesse auch der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. Der Dachdeckermeister war durch seinen Einsatz für das Handwerk und das gelebte Ehrenamt ein wichtiger Stützpfeiler unserer Gesellschaft. Zu seinen wichtigsten Anliegen gehörten die Förderung der gesellschaftlichen Wertschätzung der beruflichen Bildung, des Ehrenamts im Handwerk und der Selbstständigkeit junger Handwerkerinnen und Handwerker. Die Landesregierung wird diese Themen auch in seinem Sinne weiter entwickeln.«

Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen
 

 

»In herausragender Weise hat Willy Hesse die Werte des Handwerks verkörpert. Für alle, die sich heute für unseren Berufsstand und für das Gemeinwohl einsetzen, bleibt er ein Vorbild.«

Hans Peter Wollseifer, Präsident der Handwerkskammer zu Köln
 

 

»Willy Hesse stärkte die Selbstverwaltung und Zukunftsfähigkeit des Handwerks. Seine Stimme wurde gehört, seine Meinung beachtet. So gewann er viel Respekt und Anerkennung.«

Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster
 

 

»Willy Hesse war ein großartiger Unternehmer, der sich stets mit Herz und Verstand für unsere Gemeinschaft und seine Heimatstadt engagiert hat.«

Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf
 

 


»Ich bin dankbar, mit Willy Hesse eine beeindruckende Persönlichkeit kennengelernt zu haben. Er wird für alle Ehrenamtlichen im Handwerk ein Vorbild bleiben.«

Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld
 

 

»Das Schönste, was ein Mensch hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derjenigen, die an ihn denken ... Willy Hesse war ein ganz besonderer Mensch, Menschen wie er sind die Stützen unsere Gesellschaft. Wenn ich an die vielen Begegnungen und Gespräche mit Willy Hesse denke, werde ich mich gerne mit einem Lächeln an ihn erinnern.«

Felix Kendziora, WHKT-Vizepräsident und Arbeitnehmer Vizepräsident der Handwerkskammer Aachen
 

 

»Wer Willy Hesse kannte, weiß, was das Handwerk in NRW und Südwestfalen verloren hat. Willy war von herausragender fachlicher und menschlicher Qualität – stets fand er Lösungen, die unserem Handwerk dienen. Wir werden unsere Arbeit nach seinem Vorbild fortführen. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.«

Jochen Renfordt, WHKT-Vizepräsident und Präsident der Handwerkskammer Südwestfalen
 

 

»Willy Hesse hat für das Handwerk gelebt und die Handwerksorganisation von seinen Impulsen. Weit über Nordrhein-Westfalen hinaus hat er dem Handwerk zu mehr Ansehen verholfen. Das wird weiterleben.«

Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH)
 

 

»Willy Hesse hat gezeigt, was man mit ehrenamtlichem Engagement im Handwerk und darüber hinaus bewegen kann. Wir können mit seinem Beispiel diese entscheidende Säule unseres gesellschaftlichen Miteinanders auch in Zukunft weiter stärken.«

Matthias Heidmeier, WHKT-Hauptgeschäftsführer
 

 

»Willy Hesse wirkte bis zu seinem Ausscheiden 2021 über 21 Jahre lang tatkräftig in verschiedenen Gremien unserer Unternehmensgruppe, zuletzt im Aufsichtsrat der SIGNAL IDUNA Allgemeine Versicherung AG. Mit fachlicher Kompetenz, persönlicher Integrität sowie dem ihm eigenen Gestaltungswillen hat sich Willy Hesse über unseren Kreis hinaus höchstes Ansehen erworben. Wir sind Willy Hesse zu großem Dank verpflichtet und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Seiner Familie gilt unsere aufrichtige Anteilnahme.«

Reinhold Schulte, Vorsitzender der Aufsichtsräte und Ulrich Leitermann, Vorsitzender der Vorstände der SIGNAL IDUNA Gruppe
 

 

»Der Name Willy Hesse steht in Arnsberg für Herzblut für das Ehrenamt, intensiven Einsatz für das Gemeinwohl und große Zielstrebigkeit. Auf das Wort von Willy konnte man sich zu jeder Zeit verlassen. Arnsberg ist dankbar für die vielen Jahrzehnte des Wirkens von Willy Hesse.«

Ralf Paul Bittner, Bürgermeister der Stadt Arnsberg
 

 

»Herr Hesse hat in seinem über 58-jährigen Wirken in der Freiwilligen Feuerwehr mit viel persönlichem Engagement und hohem fachlichen Wissen die Feuerwehr Arnsberg nachhaltig geprägt.«

Harald Kroll, Fachdienstleiter Feuerwehr | Rettungswesen der Stadt Arnsberg
 

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

erneut neigt sich ein außergewöhnliches Jahr dem Ende. Im ersten Jahr der Pandemie haben wir bereits erlebt, dass das Handwerk gerade auch in Nordrhein-Westfalen der Stabilitätsanker für Arbeits- und Ausbildungsplätze war. In diesem zweiten Corona-Jahr haben wir nicht nur erlebt, wie verlässlich das Handwerk als Wirtschaftsmacht von nebenan ist. In 2021 ist zudem mehr denn je deutlich geworden, dass Zukunft ohne das Handwerk nicht zu machen ist.

In zweierlei Hinsicht konnte das Handwerk seine entscheidende Rolle in diesem Jahr untermauern. Der Klimaschutz ist zu einer noch größeren politischen Priorität geworden. Alle Zielvorstellungen sind ohne das Handwerk nicht umsetzbar. Wir werden die Klimaschutzziele, zum Beispiel im Bereich der Gebäudesanierung, nicht erreichen, wenn das Handwerk den Klimaschutz nicht installiert.

Der Rückschluss aus den Entscheidungen dieses Jahres muss deswegen sein: Das Handwerk braucht gut ausgebildete Fachkräfte. Gemeinsam mit der Politik müssen wir die berufliche Bildung entscheidend stärken, ansonsten droht, dass aus dem Fachkräfteengpass eine Fachkräftemisere zulasten auch des Klimaschutzes wird. NRW ist in den vergangenen Jahren mit Milliarden-Investitionen zum herausragenden Wissenschafts- und Hochschulstandort geworden. Das ist ein großer Erfolg für unser Land. Ab jetzt muss aber die berufliche Bildung die gleiche Wertschätzung erfahren, wenn die Transformation unserer Industriegesellschaft hin zu Klimaneutralität gelingen soll.

Der zweite Punkt, der das Handwerk unverzichtbar macht und der ebenso in diesem Jahr deutlich wurde, ist der Beitrag der allein in NRW über 190.000 Handwerksbetriebe mit ihren 1,2 Millionen Beschäftigen für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Dass aus dem Handwerk insgesamt entscheidende Impulse für bürgerschaftliches Engagement – für eben diesen Zusammenhalt – kommen, konnte man in diesem besonderen Jahr besonders oft beobachten.

In der Folge der Flutkatastrophe waren es wie selbstverständlich Handwerkerinnen und Handwerker, die ohne viel Tamtam einfach zur Stelle waren. Das ehrenamtliche Engagement, das auch und gerade aus dem Handwerk heraus entsteht, ist nach solchen Katastrophen und auch in der Pandemie unverzichtbar.  Es sind die vielen kleinen Mosaiksteinchen des persönlichen und selbstlosen Einsatzes, die unsere Gesellschaft letztlich lebenswert machen.

Wenn wir uns der Bedeutung des Handwerks für die Transformation auf der einen und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf der anderen Seite bewusst sind, dann muss uns um die Zukunft nicht Bange sein.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein friedliches Weihnachtsfest und einen guten Übergang in ein gesundes Jahr 2022.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

Weichen gestellt:

Zukunftsweisende Entscheidungen für die Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld

Hans Hund, Matthias Heidmeier, Martin Tesing, Berthold Schröder, Dr. Ursula Baumeister, Hans-Joachim Hering (v.l.n.r.) | Foto: Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld

Mit dem Verkauf des Hauptschlosses an die Gemeinde Raesfeld und den Wahlen zum Vorstand des »Schloss Raesfeld – Bildungsstätte des Handwerks e.V.« sind bedeutende Weichen für die Schlossgemeinde und das NRW-Handwerk gestellt.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben die Vertreter der Vertragsparteien, Bürgermeister Martin Tesing für die Gemeinde Raesfeld, sowie Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster und Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertages, den Verkauf des Schlosses bekannt gegeben. Die Gemeinde Raesfeld hat, nach einstimmigem Ratsbeschluss in einer nichtöffentlichen Sitzung, das Hauptgebäude des Wasserschlosses von den Handwerkskammern des Landes Nordrhein-Westfalen erworben. Neben der Hauptburg veräußert das NRW-Handwerk eine Fläche von rund 7,4 Hektar, zu der neben einem Waldgebiet der Weinbergteich und die angrenzenden Parkplätze gehören.

Noch vor der Pressekonferenz wurde ein neuer Vorstand für den Verein »Schloss Raesfeld – Bildungsstätte des Handwerks e.V.« gewählt. Neuer Vorsitzender ist Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund. Als Stellvertreter fungiert Dipl.-Ing. Hans-Joachim Hering, Präsident des Unternehmerverbands Handwerk NRW e.V. Geschäftsführendes Vorstandsmitglied ist Matthias Heidmeier. Weitere Vorstandsmitglieder sind die Vertreter der sieben Handwerkskammern des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie werden die Weiterentwicklung der Akademie des Handwerks mitgestalten.

Mittelfristig wird die Akademie des Handwerks in die Vorburg ziehen, deren Nutzung per Erbbaurecht durch die Handwerkskammern für weitere 65 Jahre gesichert ist. Die Raesfelder Bildungseinrichtung will sich zukünftig noch stärker auf Alleinstellungsmerkmale fokussierenMarkenkern bleibt die Fortbildung »Geprüfte/r Restaurator/in im Handwerk« als Aushängeschild. Das unterstreicht Matthias Heidmeier: »Wir müssen auch weiterhin etwas tun, dass die Akademie ein Aushängeschild bleibt. Raesfeld wird ein zentraler Treffpunkt des Handwerks bleiben und das Schloss bleibt in der Hand der Gemeinde.« Wichtige Säule der Bildungsarbeit bleibt auch die Weiterbildung der Sachverständigen. Als neue Standbeine werden die jüngst initiierte Ehrenamtsakademie, deren Gestaltung und Umsetzung Akademieleiterin Dr. Ursula Baumeister mit vorantreibt, und die Exzellenz-Initiative hinzukommen.

Kooperationsvereinbarung unterzeichnet:

WHKT ist Partner im Netzwerk bürgerschaftliches Engagement NRW

Mit Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung hat der WHKT seine Partnerschaft im Netzwerk bürgerschaftliches Engagement NRW (NBE NRW) bekräftigt. Ziel ist, gemeinsam mit den Netzwerkpartnern die am 2. Februar 2021 verabschiedete Engagementstrategie für das Land Nordrhein-Westfalen umzusetzen und weiterzuentwickeln. Das Netzwerk ist ein unabhängiger und freiwilliger Zusammenschluss von Institutionen und Organisationen aus Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft.

Um Ehrenamt im Handwerk transparenter und für den Nachwuchs interessant zu machen, nachhaltig zu fördern und Engagement auch für die Zukunft sicherzustellen, hat der WHKT in diesem Jahr mit Förderung des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIDE) die »Ehrenamtsakademie des NRW-Handwerks (EAH)« entwickelt. Durch die Partnerschaft im NBE NRW vernetzt sich der WHKT jetzt mit Akteuren der Engagementlandschaft auf lokaler, regionaler und Landesebene und bringt mit dem nordrhein-westfälischen Handwerk einen starken Partner in das Netzwerk ein.

Die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen ist dem NBE NRW als Gründungsmitglied beigetreten. In der digitalen Gründungsveranstaltung am 4. Dezember 2021 erklärte Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt Andrea Milz: »Ich bin begeistert, wie die zahlreichen Akteure mit großem Engagement in einem partizipativen Prozess die Rahmenbedingungen für das Netzwerk bürgerschaftliches Engagement NRW geschaffen haben. Das Netzwerk wird dazu beitragen, die Engagementstrategie für das Land Nordrhein-Westfalen gemeinsam umzusetzen und weiterzuentwickeln.«

Die Landesregierung hat den Gründungsprozess des NBE NRW aktiv begleitet und beabsichtigt die weitere Arbeit des Netzwerks mit bis zu 200.000 Euro pro Jahr zu unterstützen.

Weitere Informationen unter www.engagiert-in-nrw.de

Handwerk im Hafthaus:

WHKT initiiert enge Kooperation mit dem Strafvollzug

WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier (4.v.r.) und WHKT-Vizepräsident Felix Kendziora (5.v.l.) erhielten beim Besuch der JVA Heinsberg spannende Einblicke in den Alltag einer Haftanstalt

»Haftentlassene als Arbeitnehmer sind problematisch«, ist eines von zahlreichen gängigen Vorurteilen, denen sich entlassene Straftäterinnen und Straftäter ausgesetzt sehen, wenn sie ihre Strafe verbüßt haben und den Weg zurück in die Gesellschaft suchen. Ein Teufelskreis, denn die Ablehnung aus der Gesellschaft führt in vielen Fällen dazu, dass ehemalige Inhaftierte rückfällig werden und sich erneut hinter Gittern wiederfinden. Deshalb stehen Inhaftierten während ihrer Haftzeit umfassende Angebote im Bereich der schulischen und beruflichen Bildung zur Verfügung, die von einer Vielzahl unterschiedlicher Trainings und Qualifizierungen begleitet werden, beispielsweise aus den Bereichen Anti-Gewalt, Suchtprävention oder Sprachförderung. Obwohl sich dadurch häufig positive Persönlichkeitsentwicklungen ergeben, fehlt den Gefangenen nach ihrer Entlassung der Zugang zu Betrieben.

Vor diesem Hintergrund hat der WHKT gemeinsam mit dem Ministerium der Justiz NRW die Initiative »Handwerk im Hafthaus« ins Leben gerufen, deren Ziel darin besteht, den Zugang von Haftentlassenen in den ersten Arbeitsmarkt zu verbessern. Zum Auftakt des Vorhabens konnten sich Vertreter des WHKT, darunter WHKT-Vizepräsident Felix Kendziora und WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier, der Handwerkskammer Dortmund und der Handwerkskammer Aachen zusammen mit Vertretern des Ministeriums der Justiz NRW einen persönlichen Eindruck von den Haftbedingungen sowie von den schulischen und beruflichen Angeboten in zwei nordrhein-westfälischen Vollzugsanstalten verschaffen.

Die JVA Bochum-Langendreer ist eine Anstalt für den offenen Vollzug und ausschließlich für die berufliche Qualifizierung von solchen Gefangenen zuständig, die bereits Teile ihrer Haftzeit in anderen Anstalten des Landes verbüßt haben und sich nun auf die Freilassung vorbereiten. »Ein Beschäftigungsverhältnis ist eine wichtige Grundlage bei der Resozialisierung Haftentlassener«, bringt Christina Hagemann, Leiterin der JVA, die enorme Bedeutung beruflicher Qualifizierung auf den Punkt. Zu den Qualifizierungsangeboten in der JVA Bochum-Langendreer zählen u. a. die Berufsausbildung zum/zur Maurer/in, Hochbaufacharbeiter/in, Maler/in und Lackierer/in, Elektroniker/in für Betriebstechnik, Industriemechaniker/in und Fachkraft für Metalltechnik.

Weiterer Kooperationspartner im Rahmen des Vorhabens ist die JVA Heinsberg, die als Vollzugsanstalt für ausschließlich männliche, jugendliche Straftäter im Alter von 14 bis 24 Jahren derzeit rund 260 Gefangene verwahrt. Wie die JVA Bochum-Langendreer verfügt auch die JVA Heinsberg über Ausbildungswerkstätten und Unterrichtsräume, die mit modernsten Maschinen und Werkzeugen ausgestatteten sind. Gut qualifizierte Vollzugsbeamte, die neben ihrer Vollzugsausbildung häufig auch einen Meisterbrief erworben haben, ermöglichen den Gefangenen praxisnahe Schul- und Berufsabschlüsse, unter anderem als Hochbaufacharbeiter mit der Möglichkeit zur Weiterqualifizierung als Maurer, Fachkraft für Metalltechnik mit Weiterqualifizierung zum Industriemechaniker oder auch Schweißer. Teilqualifizierungen werden beispielsweise in den Berufen Bodenleger/in, Dachdecker/in, Gebäudereiniger/in, Tischler/in oder Straßenbauer/in angeboten.

Nach diesem ersten Eindruck werden die kooperierenden Einrichtungen unter der Koordination von WHKT und Justizministerium verschiedene Ansätze modellhaft erproben, um Haftentlassenen einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Weitere Informationen unter 0211/3007707 oder peter.dohmen[ ät ]whkt.de.

Designtalente fördern:

Start der Vorbereitungen für DesignTalente Handwerk NRW

Mit finanzieller Unterstützung durch das Wirtschaftsministerium NRW findet im Wechsel mit der Vergabe des Staatspreises manufactum alle zwei Jahre der Wettbewerb »DesignTalente Handwerk NRW« statt. Im Jahr 2022 ist es wieder soweit und Handwerkerinnen und Handwerker, die nicht älter als 30 Jahre sind, können mit ihren gestalteten Arbeiten am DesignTalente-Wettbewerb teilnehmen. Hierfür werden diese aufgerufen, sich online im Zeitraum von Mitte Januar bis Mitte Mai 2022 über die Plattform www.designtalente-handwerk-nrw.de zu bewerben.

Ob Gesellinnen oder Gesellen, Meisterinnen oder Meister, Gestalterinnen oder Gestalter im Handwerk – alle, die ein Handwerk erlernt haben, sind angesprochen, können mitmachen und sich mit ihren Arbeiten beteiligen. Dabei müssen die eingereichten Wettbewerbsobjekte nicht gesondert für den Wettbewerb angefertigt worden sein – es kann sich um Aufträge, Meister- oder Gesellenstücke oder sonstige Arbeiten handeln. Wichtig ist, dass die Objekte für die Ausstellung, die für zwei Wochen im September/Oktober 2022 in Köln stattfindet, zur Verfügung gestellt werden.

In folgenden Themenbereichen können Fotos der Objekte online eingereicht werden: Möbel, Skulpturen, Schmuck, Kleidung, Medien und Wohnen. Eine unabhängige Jury tritt im Juni zusammen und wählt aus, welche Arbeiten nominiert sind und zur Ausstellung zugelassen werden. Zusätzlich identifiziert die Jury in jedem der sechs Kategorien eine Siegerin bzw. einen Sieger sowie einen Sonderpreis.

Die Preisträgerinnen und Preisträger aus dem Kreis der Nominierten werden im Rahmen der Ausstellungseröffnung durch NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart bekanntgegeben. Ihnen winkt zusätzlich eine Prämie in Höhe von jeweils 3.000 Euro. Alle von der Jury zur Ausstellung zugelassenen Wettbewerbsstücke werden in einem Katalog vorgestellt.

Berthold Schröder, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT), ist überzeugt: »Der Wettbewerb zeigt, wie viel Handwerk in Gestaltung und wie viel Gestaltung im Handwerk steckt. Er ist eine Leistungsschau handwerklichen Designs, die gerade jungen Handwerkerinnen und Handwerkern beste Chance bietet, auf sich und ihr gestalterisches Talent öffentlichkeitswirksam aufmerksam zu machen.«

Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT zum Wettbewerb und seiner Bedeutung: »Gestaltung und Design sind Querschnittsaufgaben in den allermeisten Berufsfeldern des Handwerks. Im Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW machen junge Handwerkerinnen und Handwerker sehr deutlich, welche Qualität in ihrer Ausbildung steckt, mit welcher Leidenschaft sie ihren Beruf ausüben und mit wie viel Ideenreichtum und fachlicher Kompetenz sie Lösungen in der Praxis gestalten. Wir freuen uns sehr auf die vielen guten Wettbewerbsarbeiten, die wir in der Ausstellung in Köln im September sicherlich bewundern dürfen.«

Ein Eindruck davon, wie der Wettbewerb abläuft und wer bislang bereits alles dabei war: www.designtalente-handwerk-nrw.de.

Vorankündigung:

3. Integrationspreis der Handwerkskammern 2022

Die Einwanderung und Integration internationaler Fachkräfte spielt vor dem Hintergrund eines immens wachsenden Fachkräftebedarfs im Handwerk eine maßgebende Rolle. Dabei verfügen die allermeisten Betriebe bereits über interkulturelle Erfahrungen und bringen eine hohe Bereitschaft mit, die Integrationsprozesse in den Betrieben und Netzwerken gemeinsam zu meistern. Dieses Miteinander steht beim Integrationspreis der Handwerkskammern im Mittelpunkt, der im kommenden Jahr ausgeschrieben und vergeben wird. Jede Handwerkskammer in NRW ehrt dafür einen Betrieb aus ihrem Kammerbezirk, der sich durch besondere Integrationsleistungen auszeichnet und über eine hohe kulturelle Diversität verfügt, mit dem Integrationspreis 2022.

Mit dem Integrationspreis setzen die Handwerkskammern ein deutliches Zeichen für Vielfalt und unterstützen den Diversity-Tag 2022, der am 31. Mai 2022 stattfindet und bundesweit für Diversity in der Arbeitswelt steht.

Der WHKT unterstützt die Vergabe des Integrationspreises der Handwerkskammern in NRW koordinierend.

WHKT-Arbeitskreis »Europa«:

Im Gespräch mit dem Europaabgeordneten Dr. Peter Liese

Der Europaabgeordnete Dr. Peter Liese ist Berichterstatter des Europäischen Parlaments für die Reform des europäischen Emissionshandelssystems (ETS). Der ETS betraf bisher im Wesentlichen die Industrie, sein Anwendungsbereich soll künftig aber erweitert werden auf Gebäude und Straßenverkehr, so dass es für das Handwerk erheblich an Bedeutung gewinnt.

Herr Dr. Liese warb für den erweiterten ETS als marktbasiertes Instrument und erläuterte seine Verknüpfung mit anderen Vorhaben des so genannten »Fit für 55-Pakets«, die auf stärkere Regulierung setzen. Ziel des Pakets ist es, die Treibhausgasemissionen der EU bis 2030 um mindestens 55 % zu reduzieren, um den Weg zur Klimaneutralität bis 2050 zu ebnen. Das bedingt vielfältige Änderungen klima-, energie- und verkehrsbezogener Rechtsvorschriften.

Am 15.12.2021 hat die Europäische Kommission einen Vorschlag zur Änderung der Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie vorgelegt. Der Vorschlag hat es in sich. Unter anderem verschärft er die Mindestanforderungen für Neu- und Bestandsgebäude und sieht Änderungen hinsichtlich der Gebäudeenergieausweise vor, auch betreffend der zur Ausstellung Berechtigten. Erwartungsgemäß gewinnt das Thema Fachkräfte erheblich an Dynamik. Für das Handwerk wichtig ist vor allem auch das erneute Aufflammen der Konkurrenz von Qualifizierung und Zertifizierung.

Der Vorschlag zur Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie ist in englischer Sprache verfügbar unter https://ec.europa.eu/energy/topics/energy-efficiency/energy-efficient-buildings/energy-performance-buildings-directive_en.

Weitere Informationen zur neuen Richtlinie auch unter www.zdh.de/themen-und-positionen/zdh-positionen/zdh-kompakt/neue-richtlinie-zur-energieeffizienz-in-gebaeuden/.

Neu erschienen:

Kurzvideo zum 10. Meistertag NRW ist online

In diesem Jahr fand der Meistertag NRW – inzwischen zum zehnten Mal – unter Teilnahme u.a. von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart im HWK Bildungszentrum Hansemann in Dortmund statt. Zum Abschluss des Meistertages NRW ist in diesem Jahr der »Handwerkspreis der Bürgschaftsbank NRW« an drei Handwerksbetriebe verliehen worden.

Einen guten Eindruck von der Veranstaltung bietet das aktuell erschienene Video, welches unter https://www.meistertag-nrw.de/content/10-meistertag-nrw-2021 abrufbar ist.

Der vom Westdeutschen Handwerkskammertag veranstaltete zehnte »Meistertag NRW« wurde gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIDE NRW).

Die Pressemeldung vom 11.10.2021 zur Veranstaltung finden Sie unter www.whkt.de/presse-aktuelles.

Hand.Werk.Frau. Zukunft mit Fachfrauen:

Frauenfreundliche Handwerksbetriebe aus Emscher-Lippe ausgezeichnet

Fünfzehn Handwerksbetriebe aus der Emscher-Lippe-Region sind am 7. Dezember 2021 für ihr frauenfreundliches Engagement mit der Auszeichnung »Hand.Werk.Frau. Zukunft mit Fachfrauen« in einer Online-Feierstunde geehrt worden. Sie bilden Frauen in überwiegend männerdominierten Berufen aus und haben gute Rahmenbedingungen für weibliche Fachkräfte in ihren Betrieben geschaffen.

»Wir müssen noch mehr Frauen für die Handwerksberufe begeistern«, sagte Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT) und der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH), in seinem Grußwort an die Preisträgerinnen und Preisträger. »Die ausgezeichneten Handwerksbetriebe sind im Hinblick auf die Fachkräftesicherung besonders mutig, flexibel und kreativ und bieten Frauen beste Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen.«

Die Auszeichnung »Hand.Werk.Frau. Zukunft mit Fachfrauen« soll die Vorbildfunktion dieser Handwerksbetriebe hervorheben und eine Unterstützung für ihr Employer Branding und die zukünftige Fachkräftegewinnung sein.

Ausgezeichnete Unternehmen 2021 in Emscher-Lippe sind:
Autohaus Bellendorf GmbH (Bottrop), Bäckerei Kleinespel & Imping GmbH (Dorsten), Bedachungen Axel Kardell GmbH & Co.KG (Gelsenkirchen), Daniela Terbrack / Handwerk und Gestaltung im Raum (Gelsenkirchen), Der Ganzmacher e.K. (Gladbeck), Designtechnik Lehmann (Castrop-Rauxel), die meister maler (Gelsenkirchen) Elektro Kusserow GmbH (Waltrop), HOHOFFS Augenlust & Tafelfreuden (Waltrop), Hörakustik Andrea Schiemenz GmbH (Gelsenkirchen), KFZ Service Badners Carsten Bieler (Marl), Lehmundo (Recklinghausen), Malerbetrieb Griese (Dorsten), Sanitätshaus Alfred Frick e.K. (Castrop-Rauxel) und Tenbusch GmbH (Gladbeck).

Die Betriebe wurden zusammen mit Fachleuten aus dem Handwerk sowie der Arbeitspolitik nominiert und ausgewählt. Sie erfüllen mindestens zwei von fünf definierten Kriterien: Personalstruktur, Personalgewinnung, -bindung und -entwicklung, Arbeitszeit und Arbeitsorganisation, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie frauenfreundliche Unternehmenskultur.

»Hand.Werk.Frau. Zukunft mit Fachfrauen« wurde vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf Emscher-Lippe zusammen mit der Agentur für Arbeit Recklinghausen, den drei Kreishandwerkerschaften Emscher-Lippe-West, Herne und Castrop-Rauxel sowie Recklinghausen, der Handwerkskammer Münster, der Regionalagentur Emscher-Lippe-Region, Tischler NRW und der Vestischen Innung des Kfz-Gewerbes entwickelt.

Die Auszeichnung wurde zum siebten Mal an Handwerksbetriebe der Emscher-Lippe-Region verliehen. Da die sechste Auszeichnung 2020 coronabedingt abgesagt werden musste, wurden die nominierten Unternehmen 2020 und 2021 am 7. Dezember 2021 gemeinsam geehrt.

www.competentia.nrw.de

VALIKOM TRANSFER:

Validierungsverfahren – ein wichtiger Baustein zur Fachkräftesicherung

Seit knapp fünf Jahren bieten die am Projekt »ValiKom« beteiligten Kammern Validierungsverfahren an, mit denen berufliche Kompetenzen bewertet und zertifiziert werden können. Um die Bedeutung und den Nutzen des noch recht neuen Verfahrens für den Arbeitsmarkt aufzuzeigen, hat der WHKT die Broschüre »Berufsabschlussbezogene Validierung – Berufskompetenzen sichtbar machen« erstellt.

Durch Aussagen von führenden Arbeitgeber- und Verbandsvertreter/-innen wird deutlich, dass durch die Validierung nicht nur die Fähigkeiten von Beschäftigten ohne Berufsabschluss sichtbar gemacht werden. Vielmehr wird das Validierungsverfahren als Möglichkeit für Arbeitgeber gesehen, Mitarbeitende wertzuschätzen, sie weiterzuentwickeln und an das Unternehmen zu binden. Dadurch trägt das Verfahren zur Fachkräftesicherung bei.

Diese Chancen sieht der DGB ebenso, weil viele Branchen in Deutschland angelernte Kräfte beschäftigen, die nach vielen Jahren Berufserfahrung als Fachkräfte eingesetzt werden. Der DGB betont die Bedeutung, die Fähigkeiten dieser Zielgruppe anzuerkennen, weiterzuentwickeln und betrieblich wertzuschätzen.

Weitere bildungspolitische Akteure, die das Projekt von Anfang an begleiten, kommen in der Broschüre ebenfalls zu Wort und erläutern die Vorteile des Verfahrens aus ihrer Sicht. Zudem werden die erzielten Effekte durch Beispiele aus der Praxis illustriert.

Die Broschüre steht unter www.validierungsverfahren.de unter der Rubrik »Aktuelles – Downloadbereich« als PDF bereit.

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt »ValiKom Transfer« sind 13 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, 2 Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt.

Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen:

Drei Jahre Verbund-Projekt »NetQA – Netzwerk Qualifikationsanalyse«

Seit dem 1. Januar 2019 unterstützt das BMBF-geförderte Projekt »NetQA« zuständige Stellen bei der Vernetzung zur Anerkennung mit Qualifikationsanalysen. Fast zwei Jahre gab die Pandemie die Rahmenbedingungen für die Umsetzung der Projektziele vor. Um mit dem Fazit zu starten: Fast 10 Jahre nach Verabschiedung des Berufsqualifikationsfeststellungsgesetzes besteht nach wie vor ein gewisser Bedarf an Unterstützung bei den zuständigen Stellen zur Durchführung der sonstigen Verfahren bei fehlenden schriftlichen Belegen. Das zeigt die positive Resonanz auf Projektangebote wie Schulungen und Austauschformate.

Zu den Fakten: Seit Sommer 2020 hat NetQA 23 Online-Seminare zu Qualifikationsanalysen mit 150 Mitarbeitenden von Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern sowie landwirtschaftlichen zuständigen Stellen durchgeführt. Ebenso viele Anerkennungsberatende und BQFG-Sachbearbeitende nutzen mittlerweile den projekteigenen Expertise- und Wissenspool Qualifikationsanalysen auf Anerkennung in Deutschland und im BQ-Portal. In der Online-Bibliothek sind alle neuen NetQA-Veröffentlichungen zu finden: FAQ zur Qualifikationsanalyse für zuständige Stellen, eigene FAQ für Antragstellende, ein Abgrenzungspapier zur Sachverhaltsaufklärung im Anerkennungsverfahren sowie eine Fallsammlung mit realen Beispielen zuständiger Stellen für die sechs Anwendungsfälle des § 14 BQFG. Der zentrale Wissenspool wird kontinuierlich auch um neue Formulare und Arbeitshilfen erweitert beziehungsweise Arbeitshilfen in beschreibbare PDF umgewandelt. Ergänzt wurde das Angebot zur Vernetzung durch regelmäßig stattfindende bundesweite oder regionale Austauschtreffen für zuständige Stellen.

Die Zahlen des Sonderfonds Qualifikationsanalysen spiegeln einen Rückgang an durchgeführten sonstigen Verfahren nach § 14 BQFG wider: Insgesamt haben Handwerkskammern sowie die IHK FOSA seit Anfang 2019 für 82 Qualifikationsanalysen eine Kostenübernahme beim Sonderfonds beantragt (80 Anträge von HWKn). Betrachtet man die Anzahl der Förderanzeigen pro Jahr, zeigt sich, dass es 2019 38 Förderanfragen, 2020 25 und in 2021 18 Anfragen waren. Die Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sind für Antragstellende in prekären finanziellen Situationen gedacht. Den Rückgang belegen auch die Zahlen der amtlichen Statistik: Wurden von allen zuständigen Stellen nach BQFG Bund für die Jahre 2018 und 2019 noch 264 beziehungsweise 252 Qualifikationsanalysen gemeldet, so waren es für das vergangene Jahr 159 sonstige Verfahren bei fehlenden schriftlichen Belegen.

Das Verbund-Projekt wird den Schwerpunkt seiner Arbeit mit der Projektverlängerung im kommenden Jahr 2022 darauf legen, weiterhin Expertise zu den sonstigen Verfahren als Ausnahmeregelung des BQFG zu vermitteln. Dies betrifft nicht nur die zuständigen Stellen, bei denen das Thema Berufsanerkennung in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen hat, die bislang aber noch in der amtlichen Statistik unterrepräsentiert sind. Ein regelmäßiger Schulungsbedarf besteht – durch personelle Veränderungen – auch dort, wo schon viel Know-how vorhanden ist. Hier gilt es den Status Quo zu erhalten. Neben den zuständigen Stellen betrifft dies auch die weiteren Akteure im Feld der beruflichen Anerkennung. Das »Netzwerk Qualifikationsanalyse« ist im engen Austausch mit der Arbeitsverwaltung, Migrantenorganisationen, dem IQ-Netzwerk und weiteren Beratungsstellen, um die Möglichkeiten der Berufsanerkennung bei fehlenden schriftlichen Dokumenten aufzuzeigen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

WHKT Mitunterzeichner:

»Düsseldorfer Erklärung« – Für die Stärkung und Transformation des Industriestandorts NRW

Foto: MWIDE NRW/Susanne Kurz

Mit der »Düsseldorfer Erklärung«, zu deren Unterzeichner auch der Westdeutsche Handwerkskammertag zählt, haben sich die Spitzenorganisationen der nordrhein-westfälischen Wirtschaft sowie das Wirtschaftsministerium im Rahmen der NRW-Industriekonferenz 2021 am 1. Dezember 2021 für die Stärkung und Transformation des Industriestandorts Nordrhein-Westfalen ausgesprochen.

Der Westdeutsche Handwerkskammertag begrüßt die Einbindung der Handwerksorganisationen in den Prozess. Belastbare Wertschöpfungsverbünde und das Zusammenspiel von kleinen und mittleren Unternehmen mit großen Unternehmen sind mitentscheidend für eine erfolgreiche Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Nordrhein-Westfalen. Gut ausgebildete Fachkräfte sind für das Handwerk der Schlüssel zur Bewältigung der Transformation. Diese in ausreichender Zahl zu gewinnen, ist eine große Herausforderung. Schätzungen zufolge sind allein für die energetische Sanierung des Gebäudebestands rund 120.000 Handwerkerinnen und Handwerker zusätzlich erforderlich.

In der Erklärung heißt es, die Industrie stehe bei ihrer Transformation mit Blick auf Digitalisierung und Klimaschutz vor großen Herausforderungen. Sie stehe vor einer Jahrhundertaufgabe, deren Erfolg über die Zukunft wettbewerbsfähiger Unternehmen und sicherer Arbeitsplätze und so über die Zukunftschancen des Landes Nordrhein-Westfalen entscheide. Ökologisch und technologisch sinnvolle und gleichzeitig ökonomisch machbare sowie sozial tragbare Lösungen seien dafür wichtig.

Weitere Informationen zum Thema sind in der Pressemeldung des Wirtschaftsministeriums unter https://www.wirtschaft.nrw/pressemitteilung/duesseldorfer-erklaerung zu finden.

Außenwirtschaft:

Märkte, Fachkräfte, Standort – Handwerk wächst. International

Am 20. Januar 2022 findet von 10:00 bis 12:00 Uhr die Auftaktveranstaltung »Märkte, Fachkräfte, Standort – Handwerk wächst. International« der Koordinierungsstelle Außenwirtschaft in hybrider Form statt. Begleitet wird die Veranstaltung neben dem Netzwerk NRW Handwerk International von Referenten und Teilnehmern aus der Handwerksorganisation, NRW.Global Business sowie dem MWIDE.

Im Rahmen von Vorträgen und Talkrunden wird über die Aktivitäten von Handwerksunternehmen auf internationalen Märkten berichtet, die Rolle des Handwerks in der internationalen Fachkräftesicherung thematisiert und über Förderangebote für das Handwerk informiert. Good Practice-Kurzfilme bieten anschauliche Einblicke in die Erfolgsgeschichten nordrhein-westfälischer Handwerksbetriebe im Ausland.

Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten, die mehr über die Bedeutung der internationalen Vernetzung des Handwerks in den Dimensionen Märkte, Fachkräfte (einschließlich Auszubildende) und Standortfaktor Handwerk erfahren und sich über Unterstützungsmöglichkeiten für ihre Auslandstätigkeit informieren möchten.

Das vollständige Programm sowie die Möglichkeit zur kostenlosen Anmeldung für die Teilnahme finden Sie hier: www.handwerk-international.net

 

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

mit der Verwendung des Prädikats »historisch« sollte man zurückhaltend sein. Doch ab und an gibt es Themen und Entwicklungen, die man nicht anders bezeichnen kann und darf. Die Rede ist vom Abschluss der Handwerks-Enquete, die in der Vorstellung des Umsetzungsberichts in diesem Monat mündete. 

Auf 171 Handlungsempfehlungen hatte sich die Enquetekommission des Landtags parteiübergreifend unter enger Einbindung des nordrhein-westfälischen Handwerks im Jahr 2017 verständigt. Vier Jahre lang wurde die Umsetzung dieser Empfehlungen gemeinsam dokumentiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Vieles konnte erreicht werden, aber vor allem ist es gelungen, die Zukunft des Wirtschaftssektors Handwerk mit seinen über 194.000 Betrieben und fast 1,2 Millionen Beschäftigten als Querschnittsthema zu positionieren. 

Diese gute Ausgangslage konnten wir nun nutzen. Zwar haben wir gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium einen Abschlussbericht vorgelegt, jedoch wird die Zukunft des Handwerks selbstverständlich nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Die Tür wird nun weit aufgestoßen. Denn es ist uns gelungen, mit Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart und der Landesregierung einen »Innovationsdialog Handwerk in NRW« zu vereinbaren. Dieser Dialog wird von allen demokratischen Parteien im Landtag unterstützt.

Der WHKT ist Träger des Projekts und lädt die gesamte Handwerksfamilie in NRW sowie unsere Partner in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft ein, den Innovationsdialog gemeinsam erfolgreich zu gestalten. Die Herausforderungen, die sich mit den Themen Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Wettbewerbsfähigkeit und Fachkräftesicherung verbinden, sind enorm. Deswegen gibt es viel zu tun. Wir haben vor allem die Aufgabe, möglichst konkret im Sinne der Betriebe und ihrer Beschäftigten zu werden. 

Es bleibt der Dank an all jene, die für den Erfolg von Enquete gearbeitet haben und die schon im Jahr 2017 mit den 171 Handlungsempfehlungen ein aus Handwerkssicht historisches Dokument vorgelegt haben.


Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

Enquetekommission Handwerk:

Umsetzungsbericht zu den Empfehlungen der Enquetekommission Handwerk an den Landtag übergeben

Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Georg Fortmeier MdL, SPD-Landtagsfraktion, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Energie und Landesplanung des Landtags Nordrhein-Westfalen, Ralph Bombis MdL, FDP-Landtagsfraktion, Vorsitzender der Enquetekommission (v.l.n.r.) | Foto: WHKT/RG

Die Enquetekommission »Zukunft von Handwerk und Mittelstand in NRW« im Landtag hat sich intensiv mit den Herausforderungen und der Zukunft des Handwerks in Nordrhein-Westfalen befasst und 171 Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Die Empfehlungen, von denen 90 Prozent ganz oder teilweise umgesetzt worden sind, haben zur Umsetzung vieler erfolgreiche Projekte beigetragen. So wurde zum Beispiel das digitale Gewerbeamt auf den Weg gebracht, Azubis fahren mit einem vergünstigten Ticket durch Nordrhein-Westfalen, die Berufliche Bildung wurde gestärkt und jungen Meisterinnen und Meistern wird mit einer deutlich verbesserten Gründungsprämie der Start in die Selbstständigkeit erleichtert.

Der gemeinsame Bericht der Landesregierung und der Handwerksorganisationen, der ausführlich Bilanz zieht und sich den Perspektiven für eine Handwerkspolitik der Zukunft stellt wurde am 18.11.2021 an den nordrhein-westfälischen Landtag übergeben.

Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart: »Die Landesregierung und das Handwerk haben sehr eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet, und haben Handwerkspolitik erfolgreich zur Querschnittsaufgabe gemacht. Um diese gute Arbeit weiterzuführen, wird die Landesregierung einen „Innovationsdialog Handwerk NRW“ als Projekt beim Westdeutschen Handwerkskammertag fördern. Es wird weiter um die wichtigen Zukunftsthemen des Handwerks gehen − wie Technologie und Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Fachkräftesicherung.«

Berthold Schröder, Präsident Westdeutscher Handwerkskammertag: »Fach- und Führungskräfte zu finden und sie für die sich ändernde Arbeitswelt im Handwerk vorausschauend zu qualifizieren, ist die Schlüsselaufgabe für den personalintensiven Wirtschaftsbereich Handwerk. Der Landesregierung danken wir dafür, dass wir mit der Bilanzveranstaltung keinen Schlusspunkt setzen, sondern ein Zeichen für den Start eines Innovationsdialogs Handwerk in NRW.«

Georg Fortmeier, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Energie und Landesplanung im Landtag Nordrhein-Westfalen: »Auftrag erfüllt! Nach fünfjähriger Auftragsarbeit gibt der Wirtschaftsminister seinen Umsetzungsbericht an das Parlament zurück. Nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik war dem Handwerk mit einer parlamentarischen Enquetekommission so eine politische Bühne bereitet worden. Und die einstimmige Verabschiedung der Handlungsempfehlungen durch das Parlament unterstreicht die Bedeutung des Handwerks für die Zukunft in NRW was wirtschaftliche Entwicklung, Ausbildung und Beschäftigung und soziale Sicherheit anbetrifft.«

Der Bericht ist zu finden unter www.wirtschaft.nrw.de/handwerk.

Auftaktveranstaltung:

Nachhaltigkeitsagenda des NRW-Handwerks

Foto: Andreas Buck/HWK Dortmund

Am 15.11.2021 hatten die Handwerkskammer Dortmund und der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) gemeinsam nach Dortmund zur Veranstaltung »NACHHALTIGKEIT IST UNSERE SACHE« eingeladen und damit einen wichtigen Startpunkt zur Entwicklung einer Nachhaltigkeitsagenda des NRW-Handwerks gesetzt.

Anlässlich der Auftaktveranstaltung betonte Ursula Heinen-Esser, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen: »Das Handwerk sorgt vor Ort für die Umsetzung von nachhaltigen Lösungen und Technologien, die Umwelt, Ressourcen und Klima schonen. Von der Ausbildung über die Beratung bis zur Umsetzung der Gewerke: Das Handwerk ist von zentraler Bedeutung für eine nachhaltige Transformation unserer Gesellschaft. Es freut mich, dass das NRW-Handwerk die nachhaltige Entwicklung nun mit einer eigenen Agenda noch intensiver unterstützen wird.«

WHKT- und HWK-Präsident Berthold Schröder sagte: »Das Handwerk ist ein wichtiger Treiber für nachhaltiges Wirtschaften und sollte daher in die politische Diskussion um Nachhaltigkeit unbedingt einbezogen werden. Die Handwerksorganisation strebt danach, den gesellschaftlichen Wandel, der sich derzeit vollzieht, aktiv mitzugestalten und seine Expertise auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit einzubringen. Dabei geht es auch darum, Herausforderungen und Chancen für unsere Betriebe zu identifizieren, alte Strukturen zu überdenken und Entwicklungen anzustoßen.«

HWK-Hauptgeschäftsführer und Federführer des WHKT-Arbeitskreises Nachhaltigkeit Carsten Harder erläuterte zum Ziel der Agenda: »Mit dem Auftakt der Nachhaltigkeitsagenda für das Handwerk in NRW machen wir uns auf den Weg einer strukturierten Bearbeitung des Themenkomplexes Nachhaltigkeit. Gemeinsam mit unseren Betrieben und weiteren Stakeholdern aus Politik und Gesellschaft möchten wir aufzeigen, wie nachhaltig das Handwerk bereits arbeitet und gleichzeitig die nachhaltige Weiterentwicklung unserer Betriebe und der Handwerksorganisation vorantreiben.«

WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier: »Auszubilden, Werte zu schaffen, Dinge zu warten, sie anzupassen und zu reparieren, das gehört seit jeher zum nachhaltigen Kerngeschäft des Handwerks. Zugleich sehen wir am Beispiel des Klimawandels, dass sich die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen fundamental verändern. Wir müssen diese Entwicklung annehmen und gestalten. Ich freue mich, dass wir mit der Agenda eine Richtschnur für unser Handeln entwickeln.«

Das Handwerk mit seinen über 190.000 Betrieben und rund 1,2 Millionen Beschäftigten will so eine nachhaltige Entwicklung unterstützen und die politische und gesellschaftliche Diskussion über eine nachhaltige Transformation aktiv mitgestalten.

Die Podiumsdiskussion ist verfügbar unter https://youtu.be/PQHRJccmxSM.

Landtagswahl 2022:

Auf Nachhaltigkeit, Bildung und Wachstum kommt es dem Handwerk an

In seiner Herbst-Vollversammlung in Bielefeld hat der WHKT die Erwartungen des Handwerks zur Landtagswahl im Mai des kommenden Jahres beraten und beschlossen. Handwerk.NRW hat ebenso zu diesen Wahlprüfsteinen des Handwerks einen Beschluss in seiner jüngsten Handwerksratssitzung herbeigeführt. Damit hat sich das gesamte nordrhein-westfälische Handwerk auf gemeinsame Positionen verständigt. Die Themen Nachhaltigkeit, Bildung und Wachstum stehen dabei besonders im Fokus. Die beschlossene Langversion steht hier hier als PDF-Datei zur Verfügung. Hier wichtige Punkte in der Übersicht:


1. Nachhaltigkeit lässt sich nur mit dem Handwerk erreichen!

  • Das Handwerk muss in alle politischen Initiativen zur Klimapolitik, zur Mobilitätspolitik, zur Kreislaufwirtschaft oder zur Klimafolgenanpassung einbezogen werden, denn es kommt auf die konkrete Umsetzung der ambitionierten Ziele an.
  • Wir müssen in allen Sektoren auf wettbewerbliche Lösungen für Energie- und Klimatechnik setzen und Anschluss- und Benutzungszwänge für die Verbraucher vermeiden.
  • Der Grundsatz der Technologieoffenheit muss bei allen Vorgaben und Förderstrukturen beachtet werden.


2. Wir müssen die Ausbildungsreife junger Menschen steigern!

  • Schulabgängerinnen und Schulabgänger müssen besser auf Ausbildung und Arbeitswelt vorbereitet werden – im Hinblick auf sprachliche Fähigkeiten, Medienkompetenz, mathematisch-technische Bildung und ökonomische Bildung.
  • Wir müssen eine ergebnisoffene und praxisnahe Berufliche Orientierung an allen Schulformen etablieren.
  • Wir müssen die systematische Berufliche Orientierung durch das Programm »Kein Abschluss ohne Anschluss« ausbauen und stärken.


3. Wir müssen die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung erreichen – zur Sicherung der Fachkräfte für morgen!

  • Die Duale Berufsbildung muss attraktiver werden und mehr Wertschätzung erfahren – zum Beispiel durch Veränderungen im öffentlichen Tarifrecht, beim Azubi-Ticket, beim Azubi-Wohnen sowie der Förderung der Aufstiegsfortbildung.
  • Die Bildungszentren des Handwerks müssen gesichert und gestärkt werden.
  • Wir brauchen eine kritische Evaluierung des Berufskollegsystems, damit die Berufskollegs als Partner und nicht als Konkurrent der dualen Ausbildung gestärkt werden.


4. Wir müssen Innovation und Digitalisierung voranbringen!

  • Wir müssen überall im Land den Ausbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur vorantreiben.
  • Wir müssen in einer digitalisierten Wirtschaft faire Wettbewerbsbedingungen für Handwerk und Mittelstand sicherstellen.
  • Wir brauchen eine niedrigschwellige Digitalprämie für kleine Betriebe, damit auch diese den Anschluss an Zukunftstechnologien finden.


5. Wir müssen neues Wachstum am Standort NRW ermöglichen!

  • Wir müssen Gewerbeflächen für das Handwerk sichern und bereitstellen!
  • Mobilitätspolitik muss dafür sorgen, dass auch der Wirtschaftsverkehr fließt – durch Modernisierung der Infrastruktur, durch Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsträger und durch Maßnahmen zur Verkehrsverflüssigung.
  • Wir müssen die Standortpolitik so ausrichten, dass Lieferketten kürzer, stabiler und flexibler werden.


6. Wir müssen den Mittelstand stärken!

  • Mittelständische Unternehmen brauchen ein Belastungsmoratorium für Steuern, Abgaben und Auflagen aller Art.
  • Nordrhein-Westfalen muss den im Ländervergleich höchsten Hebesatz für die Grunderwerbsteuer spürbar reduzieren.
  • Wir müssen die wirtschaftliche Betätigung der Kommunen auf den Märkten des Handwerks wirksam beschränken.


7. Wir müssen Bürokratie vermeiden und reduzieren!

  • Die Entbürokratisierung des Landesrechts muss unter systematischer Einbindung der Clearingstelle Mittelstand fortgesetzt werden.
  • Wir müssen die Digitalisierung der Landesverwaltung vorantreiben, damit Dokumentationspflichten reduziert werden und Genehmigungsverfahren aller Art beschleunigt werden.
  • NRW braucht eine unbürokratische, flächenbezogene Lösung für die Erhebung der Grundsteuer.


8. NRW muss stark und selbstbewusst in Brüssel und Berlin auftreten!

  • NRW muss die Interessen des Wirtschaftsstandorts insgesamt und insbesondere die Interessen der kleinen und mittleren Unternehmen konsequent in Brüssel vertreten.
  • NRW muss sich im Bund konsequent für ein attraktives und unkompliziertes Unternehmenssteuerrecht einsetzen.
  • NRW muss in der Europa- und Bundespolitik das Subsidiaritätsprinzip zur Stärkung dezentraler Einheiten verteidigen.

Veranstaltungshinweis:

Industriekonferenz am 01.12.2021

Am 01.12.2021 nehmen WHKT-Präsident Berthold Schröder und Handwerk.NRW-Präsident Andreas Ehlert an der vom Mininsterium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen organisierten Diskussion zum Thema »Zukunft durch Industrie gestalten« unter Federführung von Minister Pinkwart teil. Dies trägt dem Umstand Rechnung, dass Handwerk und Mittelstand eine wesentliche Rolle für die Transformation des Wirtschaftsstandorts Nordrhein-Westfalen spielen.

Die Veranstaltung, die mit der Unterzeichnung der »Düsseldorf Erklärung« endet, ist von 18:00–20:00 Uhr im Livestream verfügbar unter https://transformation.mohr-live.de/stream.

Klimaanpassungsgesetz NRW:

Handwerk im Expertengremium »Beirat Klimaanpassung« vertreten

Unter Federführung des Umweltministeriums hat das Land Nordrhein-Westfalen ein Expertengremium zur Begleitung und Abstimmung der Klimawandel-Vorsorge in den verschiedenen Sektoren einberufen. Der interdisziplinäre »Beirat Klimaanpassung«, in dem auch der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) und Handwerk.NRW vertreten sind, besteht aus 22 Expertinnen und Experten unterschiedlicher Disziplinen.

Das im Juli vom Landtag verabschiedete Klimaanpassungsgesetz NRW schreibt auf Initiative des Umweltministeriums die Einrichtung eines Beirats zur Klimaanpassung ausdrücklich vor. Mit einem eigenen Gesetz zur Klimaanpassung ist Nordrhein-Westfalen bundesweit Vorreiter. Zur Umsetzung hat das Umweltministerium eine 15-Punkte-Offensive zur Klimaanpassung in Nordrhein-Westfalen vorgelegt. Zu den Bausteinen gehören neben der Einrichtung des Beirats die Erstellung einer Klimaanpassungsstrategie sowie weitere Unterstützungs- und Förderangebote für die Konzeption und Umsetzung von Maßnahmen zur Klimaanpassung in Nordrhein-Westfalen.

Der neu eingerichtete interdisziplinäre »Beirat Klimaanpassung« wird die verschiedenen Maßnahmen und Initiativen begleiten und mit seinen Empfehlungen die Klimaanpassung in Nordrhein-Westfalen unterstützen.

Europa:

Europaabgeordneter Dr. Peter Liese im Gespräch mit dem WHKT-Arbeitskreis Europa

Am 26.11.2021 führte der WHKT-Arbeitskreis »Europa« ein Gespräch mit dem Europaabgeordneten Dr. Peter Liese (CDU/EVP) zum »Fit für 55«-Paket der EU. Das im Sommer von der Europäischen Kommission vorgelegte umfangreiche Gesetzespaket hat zum Ziel, klima-, energie- und verkehrsrechtlicher Vorschriften an die EU-Klimaziele für 2030 und 2050 anzupassen.

Für das Handwerk von besonderer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang Änderungen der Richtlinien über Energieeffizienz und über erneuerbare Energien sowie der für den 14.12.2021 angekündigte Vorschlag zur Änderung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden.

Dr. Liese warb beim Arbeitskreis eindringlich für eine europäische Antwort zur Bewältigung des Klimawandels und für den europäischen Emissionshandel, dessen Reform er als Berichterstatter des Europäischen Parlaments mitgestaltet. Wegen der vorgeschlagenen Erweiterung des Anwendungsbereichs auf Gebäude und Straßenverkehr, gewinnt auch der Emissionshandel künftig für das Handwerk erheblich an Relevanz.

Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen:

Qualifikationsanalysen auch ein Thema bei den »grünen« Berufen

Eine erste Informationsveranstaltung des Verbund-Projekts »Netzwerk Qualifikationsanalyse – NetQA« zu den Möglichkeiten der Gleichwertigkeitsprüfung unter Einsatz von Qualifikationsanalysen gemäß § 14 BQFG stieß im Sommer bei den zuständigen Stellen für die Anerkennung der Agrarberufe auf großes Interesse. Vertreten waren Landwirtschaftskammern und Landesämter für Landwirtschaft aus den Bundesländern Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen sowie die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales Berlin. Neben den Land-, Tier- und Forstwirten/innen sind beispielsweise auch die Gärtner/innen, Milchtechnologe/innen sowie Hauswirtschafter/innen nicht reglementierte, duale Ausbildungsberufe. Eine Anwendung des Paragraph 14 BQFG ist somit bei fehlenden oder nicht ausreichenden schriftlichen Belegen für die Gleichwertigkeitsfeststellungsprüfung gegeben.

Nach einer Bedarfsabfrage fanden im November zwei modular aufeinander aufbauende Online-Schulungen zur Durchführung von Qualifikationsanalysen im Agrarbereich statt. Dabei wurde angeregt diskutiert und Praxiserfahrungen mit Gleichwertigkeitsfeststellungs-verfahren und den »sonstigen Verfahren« mit den im Projekt vertretenen Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern ausgetauscht. An den Schulungen nahmen zudem auch Vertreter/innen der zuständigen Stellen aus den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz teil.

Die Qualifikationsanalyse hat sich bislang vor allem im Handwerk etabliert, da sie als handlungsorientierte Kompetenzfeststellung, einen guten Einblick gibt, ob Antragstellende die wesentlichen Tätigkeiten eines Berufes ausführen können oder nicht. Nun gilt es, die Ausnahmeregelung mit ihren einheitlichen und transparenten Verfahrensstandards im Agrarbereich und bei den freien Berufen bekannter zu machen.  

Das BMBF-geförderte Verbund-Projekt »NetQA« fördert von Anfang 2019 bis Ende 2022 die Vernetzung der zuständigen Stellen zur Anerkennung mit Qualifikationsanalysen. Mit Schulungen, Fachpublikationen und Arbeitshilfen sowie einem finanziellen Fördertopf unterstützt das Projekt die Durchführung der »sonstigen Verfahren« zur Feststellung der Gleichwertigkeit bei fehlenden Nachweisen nach BQFG Bund und den jeweiligen Landesgesetzen. Weitere Informationen finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

WHKT-Ehrenpräsident Hans Hund mit Goldenem Ehrenzeichen ausgezeichnet

Der Ehrenpräsident des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT), Hans Hund, wurde auf der Vollversammlung der Handwerkskammer Ostwestfalen‐Lippe zu Bielefeld mit der höchsten Auszeichnung der Handwerkskammer, dem Goldenen Ehrenzeichen, geehrt.

HWK-Präsident Peter Eul, der die Auszeichnung überreichte: »Sie haben das höchste Amt des nordrhein‐westfälischen Handwerks als Präsident durch ihre Persönlichkeit entscheidend geprägt, mit großem Gestaltungswillen und der notwendigen Beharrlichkeit durch herausfordernde Zeiten geführt und dabei für ganz entscheidende Weichenstellungen gesorgt.«

Hans Hund stand dem WHKT, der Dachorganisation der sieben nordrhein‐westfälischen Handwerkskammern, von 2016 bis 2021 vor. Der Elektroinstallateur‐ und Kälteanlagenbauermeister leitet das Unternehmen »Hans Hund Gebäudetechnik« in Bocholt und steuert die Geschicke der Handwerkskammer Münster als Präsident.

Durch seine langjährige berufliche und ehrenamtliche Erfahrung setzte er entscheidende Impulse im WHKT. Hans Hund brachte die Themen Fachkräftesicherung und Ausbildung auf NRW‐Ebene entscheidend voran und rückte dabei auch die Integration von Auszubildenden und Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund in den Fokus. Er hat unter anderem den »Modernisierungspakt Berufliche Bildung des Landes NRW« mit auf den Weg gebracht, durch den beträchtliche Fördermittel in die handwerklichen Berufsbildungszentren fließen. Früh erkannte Hans Hund die Bedeutung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit für das Handwerk und verankerte beides in der Arbeit des WHKT. Er leistete des Weiteren einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau des »Wirtschafts‐Service‐Portal.NRW«.

Nicht zuletzt habe Hans Hund den Aufbau der Ehrenamtsakademie entscheidend vorangebracht, so dass die Akademie für immer mit seinem Namen verbunden bleiben werde, betonte Peter Eul.

Ehrenamtsakademie:

Gemeinsam für ein starkes Ehrenamt

Die Teilnehmenden des Workshops im November 2021 | Foto: HWK Münster

Am 03.11.2021 sprachen Vertreterinnen und Vertreter der Handwerkskammer Münster in Kooperation mit der Ehrenamtsakademie des NRW-Handwerks (EAH) über die Situation im regionalen Ehrenamt und insbesondere über eine zielgruppengerechte Ansprache von ehrenamtlich Engagierten und Interessierten.

Kammer-Präsident Hans Hund und Hauptgeschäftsführer Thomas Banasiewicz hatten Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Engagementlandschaft sowie der nordrhein-westfälischen Handwerksorganisation eingeladen, um gemeinsam über Anforderungen und Wünsche an das Ehrenamt im Handwerk zu sprechen und wie insbesondere junge Menschen »mitgenommen« werden können.

Das Fazit der Teilnehmenden: Um Nachwuchs zu interessieren und zu begeistern, müssen verstärkt die Motive der jungen Generation in den Fokus genommen sowie starre Strukturen vermieden werden. Junge Menschen engagieren sich heute häufig nicht mehr aus einer familiären Tradition heraus, sondern sehen ehrenamtliches Engagement vor allem als politische oder soziale Aufgabe und passen diese ihrer aktuellen Lebenssituation an. Wie ehrenamtliches Engagement darüber hinaus in den Arbeitsalltag passe und Social Media für die Ansprache insbesondere der jüngeren Generation genutzt werden können – diese Fragen müsse das Handwerk angehen. 

Mit dem Aufbau der Ehrenamtsakademie des NRW-Handwerks (EAH) wurde das Vorhaben auf den Weg gebracht, eine Plattform für das Ehrenamt im Handwerk zu schaffen. »Die Ehrenamtsakademie möchte mit modernen Formaten darüber informieren, was Ehrenamt im Handwerk bedeutet, wie das Ehrenamt in unserer Selbstverwaltung funktioniert und wo man sich engagieren kann. Eine gemeinsame Plattform für die Themen rund um das Ehrenamt im Handwerk ist eine große Chance – auch für das Handwerk insgesamt«, so Matthias Heidmeier. Hauptgeschäftsführer des WHKT.

Praxisberichte aus der Region Münster lieferten Anne Sandner (DGB-Region Münsterland), Vera Kalkhoff (Vorstand Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagentur) und Sonja Wilmer-Kausch (Landesgeschäftsführerin des Kolpingwerks NRW).

Der Aufbau der Ehrenamtsakademie wird gefördert vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

LGH-Mitgliederversammlung:

Die LGH-Mitgliederversammlung wählt neuen Vorstand

Jürgen-Johannes Lau, Geschäftsführer der LGH, Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer der LGH, Hans-Joachim Hering, Vorstandsvorsitzender der LGH, Peter Eul, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der LGH (v.l.n.r.) | Foto: LGH

Im Rahmen der LGH-Mitgliederversammlung, in der die Spitzenvertreter von Handwerkskammern und Fachverbänden des Handwerks in Nordrhein-Westfalen am 11.11.2021 in Dortmund zusammentrafen, wurde Hans-Joachim Hering, Präsident des Unternehmerverbands Handwerk NRW,  zum neuen Vorstandsvorsitzenden und Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld,  zum neuen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden gewählt.

Herr Hering löst auf dieser Position den neugewählten Präsidenten des Westdeutschen Handwerkskammertages, Berthold Schröder ab. Herr Schröder ist zugleich auch Präsident der Handwerkskammer Dortmund. Herr Eul übernimmt die Nachfolge des bisherigen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Hering.

Im Dialog zwischen den Spitzen des NRW-Handwerks und der Landesregierung referierte NRW-Finanz-Staatssekretär Dr. Patrick Opdenhövel zur Entwicklung der öffentlichen Finanzen nach den Krisen der jüngsten Vergangenheit.

Berthold Schröder unterstrich in der anschließenden Aussprache, die große Bedeutung einer soliden und verlässlichen Haushaltspolitik auch hinsichtlich der Belastung von Handwerksbetrieben. Zugleich verwies Berthold Schröder auf die Probleme des Fachkräftemangels und die fortwährenden Lieferengpässe bei essenziellen Vormaterialen hin. Das Handwerk sei eine wesentliche Stütze der Konjunktur, des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes in NRW. Insbesondere die berufliche Bildung müsse nachhaltig gestärkt werden.

Der neugewählte Vorstandsvorsitzende der LGH, Hans-Joachim Hering, warb dafür den Mittelstand von bürokratischen Belastungen zu befreien. Die Entfesselungsinitiativen der Landesregierung würden in die richtige Richtung weisen. Dieser Weg müsse konsequent fortgesetzt werden.

Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer der LGH, unterstrich in seinem Geschäftsbericht die Leistungen der LGH und die Zusammenarbeit mit den Ministerien des Landes und des Bundes, um Existenzgründungen, Nachwuchsgewinnung und Ausbildung sowie die Fachkräftegewinnung für das Handwerk zu fördern und voranzutreiben. Insbesondere in der Corona-Krise und auch in der jüngsten Flutkatastrophe konnte die LGH in Kooperation mit ihren Mitgliedern und Partnern einen entscheidenden Beitrag im Krisenmanagement leisten.

Länderleitfaden Vereinigtes Königreich aktualisiert

Nach knapp einem Jahr des Brexits konnte die Wirtschaft erste Erfahrungen mit den neuen Bestimmungen zum Dienstleistungs- und Warenexport mit dem Vereinigten Königreich sammeln.

Die Koordinierungsstelle Außenwirtschaft hat die wichtigsten Informationen im aktualisierten Länderleitfaden Vereinigtes Königreich zusammengefasst, der Hinweise zu zentralen rechtlichen Fragen enthält, die vor Aufnahme einer Geschäftstätigkeit im Vereinigten Königreich zu beachten sind.

Das Merkblatt und Beratung für ihre Auslandstätigkeit erhalten Unternehmen bei den Außenwirtschaftsberaterinnen und -beratern der Handwerkskammern: https://lgh.nrw/index.php/ihre-berater-innen

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

auf unserer WHKT-Vollversammlung am vergangenen Freitag in Bielefeld haben die sieben NRW-Handwerkskammern personell und inhaltlich wichtige Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund und bisheriger Vizepräsident, ist zum neuen Präsidenten des WHKT gewählt worden. Dankbar sind wir für das große Engagement seines Vorgängers Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster. Die Mitglieder der Vollversammlung wählten ihn zum Ehrenpräsidenten des WHKT.

Der WHKT wird mit dieser neuen Aufstellung die großen Zukunftsthemen auch weiterhin entschlossen angehen und dabei immer den Zusammenhalt des Handwerks an erste Stelle setzen. Im Interesse unserer über 190.000 Betriebe mit ihren 1,2 Millionen Beschäftigten in NRW wollen wir die nachhaltige und digitale Zukunft ganz vorne mitgestalten.

Mit der Arbeit an einer Nachhaltigkeitsagenda des NRW-Handwerks, für die wir in Bielefeld den Startschuss gegeben haben, unterbreiten wir der Politik konkrete Vorschläge. Insbesondere der Klimaschutz wird nur mit dem Handwerk und seiner Umsetzungskompetenz gelingen. Zudem müssen wir den Betrieben zur Seite stehen, die in Zukunft immer stärker Anforderungen an nachhaltiges Wirtschaften nachkommen müssen. Entschlossen auf diesem Feld nach vorne zu gehen, ist uns auch deswegen so wichtig, weil wir junge Menschen davon überzeugen wollen, die enormen Zukunftschancen des Handwerks zu nutzen. 

Dazu passt, dass wir in Bielefeld einem wichtigen Dialog und Austausch neue Impulse gegeben haben. So hat sich der Landesverband der Handwerksjunioren mit seinen Zielen und Wünschen in der Vollversammlung vorgestellt. Der Nachwuchsarbeit im Handwerk kommt auf allen Ebenen eine überragende Bedeutung zu. Deswegen ist es so wichtig, dass wir die jungen Menschen, die die Zukunft des Handwerks maßgeblich gestalten werden, mit an den Tisch holen.


Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

WHKT-Vollversammlung:

Berthold Schröder zum neuen Präsidenten des WHKT gewählt

Der neue WHKT-Präsident Berthold Schröder (2.v.l.) gemeinsam mit Ministerin Ina Scharrenbach, dem neuen WHKT-Vizepräsidenten Jochen Renfordt (r.) und WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier (l.)

Die Vollversammlung des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT) hat am 29. Oktober 2021 in der Handwerkskammer OWL zu Bielefeld Berthold Schröder zum neuen Präsidenten gewählt. NRW-Ministerin Ina Scharrenbach gehörte zu den ersten Gratulanten und betonte im Dialog mit den Spitzenvertretern des Handwerks in NRW die Innovationskraft des Handwerks und die Bedeutung der Stärkung des Dualen Ausbildungssystems. Mit den Eckpunkten für die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsagenda verabschiedete die WHKT-Vollversammlung einen maßgebenden Meilenstein für die handwerkliche Zukunft.

Zum neuen Präsidenten des Westdeutschen Handwerkskammertages, dem Zusammenschluss der sieben Handwerkskammern auf Landesebene in NRW, wählten die Mitglieder der WHKT-Vollversammlung den Präsidenten der Handwerkskammer Dortmund, Berthold Schröder. Einstimmig sprachen sich Vorstand und Mitgliederversammlung des WHKT für den 61-jährigen Handwerksmeister aus Hamm aus, der zuvor das Amt des Vizepräsidenten innehatte.

Berthold Schröder ist selbstständiger Zimmerermeister aus Hamm und verfügt über langjährige Erfahrungen im Ehrenamt. In der Funktion des WHKT-Präsidenten folgt er auf Hans Hund, der 2016 ins Amt gewählt wurde. Mit großer Herzlichkeit gratulierte Hans Hund seinem Nachfolger zur Wahl und bedankte sich bei ihm für die Unterstützung in der bisherigen Funktion als Vizepräsident.

Zum neuen Vizepräsidenten auf Arbeitgeberseite wurde Jochen Renfordt, Präsident der Handwerkskammer Südwestfalen und selbstständiger Malermeister aus Iserlohn, gewählt.

Hans Hund wurde von den Mitgliedern der Vollversammlung einstimmig zum Ehrenpräsidenten des WHKT ernannt.

Hochwasserkatastrophe:

Aufbauhilfe für Unternehmen weiter vereinfacht

Für viele Unternehmen in den Flutgebieten ist der Wiederaufbau in vollem Gange. Seit dem 17. September 2021 können Unternehmen, Freiberufler und Selbstständige rein digital nach einer Beratung durch die Kammern und auf Basis eines Sachverständigengutachtens Anträge auf Aufbauhilfe stellen. Seitdem konnten die Kammern mehr als 3.000 Unternehmen beraten. Dazu kommen die Gespräche, die Steuerberater und Wirtschaftsprüfer durchgeführt haben.

Diese ersten Erfahrungen wurden zum Anlass genommen, das Antragsverfahren weiter zu vereinfachen und zu beschleunigen. Neben einer Ausweitung des Gutachterkreises auf Architekten und Ingenieure sind nun auch sogenannte Teilanträge möglich.

Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart: »Durch den engen Austausch mit den Kammern und der NRW.BANK haben wir weitere Maßnahmen veranlasst, die das Antragsverfahren erleichtern sollen: Künftig können die Betroffenen auch Ingenieure und Architekten als Gutachter nutzen und Teilanträge stellen, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Denn unser Ziel ist klar: Wir wollen einen schnellen Wiederaufbau, damit Lieferketten nicht reißen und langjährige Kundenbeziehungen erhalten bleiben. Am Geld soll das nicht scheitern.«

Berthold Schröder, Präsident Westdeutscher Handwerkskammertag: »Die Handwerkskammern stehen den betroffenen Betrieben mit einer umfassenden Beratung bei der Wiederaufbauhilfe zur Seite. Das Angebot ist praxisnah und eng an den Bedürfnissen der Betriebe ausgerichtet, damit die Hilfsleistungen möglichst zügig ausgezahlt werden können. Die weiteren Verbesserungen im Verfahren begrüßen wir ausdrücklich. Wir freuen uns, dass unsere Erfahrungen aus der Beratungspraxis durch die Landesregierung aufgenommen werden. So unbürokratisch wie irgend möglich helfen - das war und ist das gemeinsame Ziel. Ein Kraftakt wird es, genügend Handwerkerinnen und Handwerker für den Wiederaufbau zu gewinnen. Hier brauchen wir eine Willkommenskultur vor Ort, damit Betriebe aus ganz Deutschland mithelfen. Der erfolgreiche Start der Plattform Handwerk-baut-auf.de der Handwerkskammern, auf der sich bereits über 1300 Betriebe aus ganz Deutschland für den Wiederaufbau gemeldet haben, ist in diesem Sinne eine echte Ermutigung.«

Weitere Informationen zum Maßnahmenpaket unter www.wirtschaft.nrw/pressemitteilung/aufbauhilfe-fuer-unternehmen-weiter-vereinfacht.

Nachhaltigkeit ist unsere Sache:

Einladung zur Auftaktveranstaltung »Nachhaltigkeit« am 15. November 2021

Am 15. November 2021 laden der Westdeutsche Handwerkskammertag und die Handwerkskammer Dortmund zur Veranstaltung »Nachhaltigkeit ist unsere Sache« in die Waschkaue der Zeche Hansemann in Dortmund ein. Interessierte sind herzlich willkommen, sich unter www.hwk-do.de/nachhaltigkeit anzumelden. Für den politischen Auftakt unter Beteiligung von NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser ist neben der Präsenzteilnahme auch ein Webstream vorgesehen.

Die Veranstaltung versteht sich als Auftakt einer Nachhaltigkeitsinitiative des NRW-Handwerks. Den Startschuss dafür hat die WHKT-Vollversammlung am 29. Oktober 2021 mit der Verabschiedung von Eckpunkten für eine Nachhaltigkeits-Agenda gegeben.

Das Programm steht hier als Download bereit.

18. November 2021, Landtag Nordrhein-Westfalen:

Veranstaltung »Enquete-Kommission Zukunft von Handwerk und Mittelstand in NRW – Bilanz und Ausblick«

Eine gemeinsame Veranstaltung des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW, dem Landtag Nordrhein-Westfalen sowie dem Westdeutschen Handwerkskammertag, Handwerk.NRW und dem Unternehmerverband Handwerk NRW e.V. würdigt die Arbeit der Enquete-Kommission »Zukunft von Handwerk und Mittelstand in NRW« und die Umsetzung der im Jahr 2017 verabschiedeten 171 Handlungsempfehlungen. Wirtschafts- und Innovationsminister Pinkwart stellt den Abschlussbericht vor und überreicht diesen an Herrn Georg Fortmeier MdL, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Energie und Landesplanung des Landtags Nordrhein-Westfalen.

Die Veranstaltung widmet sich im zweiten Teil einem Innovationsdialog: dem Austausch mit Politik, Netzwerken und dem Blick der Wissenschaft auf das Handwerk und die Themen der Zukunft.

Das Veranstaltungsprogramm und die Möglichkeit zur Anmeldung stehen online zur Verfügung unter www.whkt.de/anmeldeformulare/uebergabe-des-umsetzungsberichts-enquete-kommission.

Bitte berücksichtigen Sie, dass eine Teilnahme in Präsenz nur nach rechtzeitiger Online-Anmeldung möglich ist. Zudem weisen wir auf die Einhaltung der 3G-Regelungen hin (geimpft, genesen oder getestet). Die Veranstaltung wird zusätzlich per Livestream übertragen.

Schulministerium NRW:

Land NRW stärkt Weg zum Abitur als »Stärkung der Berufsbildung«

Mit Verwunderung hat das Handwerk die Aktivitäten der Landesregierung unter Federführung des Schulministeriums wahrgenommen. Mit der Veröffentlichung der »Agenda zur Stärkung der Berufsbildung« hatte das Handwerk erwartet, dass die in der Koalitionsvereinbarung von 2017 sehr eindeutigen Bekenntnisse zum dualen Ausbildungssystem nun konkrete Taten in der Agenda folgen und in die duale Ausbildung stärker investiert beziehungsweise sie in den Mittelpunkt der Berufskollegs gestellt wird.

Eine Priorisierung der dualen Ausbildung ist nicht erfolgt, vielmehr soll eher das Gegenteil passieren: Der für die Agenda geplante Ressourcen-Einsatz über zusätzliche Lehrerstellen am Berufskolleg beschränkt sich zu über 80 Prozent auf das »Berufliche Gymnasium« mit rund 100 Millionen Euro jährlich.

Zum Hintergrund des beruflichen Gymnasiums: Wer aufgrund seines Schulabschlusses nicht an der Gesamtschule oder am Gymnasium in die Oberstufe darf, kann das Abitur am Berufskolleg absolvieren, dem so genannten »Beruflichen Gymnasium«. Das Berufskolleg ist zudem über sehr viele Jahre hinweg zur unmittelbaren Konkurrenz zu Gymnasium und Gesamtschule entwickelt worden. Dieser zusätzliche Ressourceneinsatz zur Umsetzung der Agenda zur Stärkung der Berufsbildung zeigt einmal mehr, dass das duale Ausbildungssystem immer gut für politische Bekenntnisse ist, aber die vollzeitschulischen Bildungsgänge systematisch von Schulministerium und Landtag bevorzugt werden.

Das Handwerk sieht die sinnvolle Perspektive und dringende Notwendigkeit, die »Agenda zur Stärkung der Berufabildung« noch zu ergänzen, um die duale Ausbildung mit verschiedenen Einzelmaßnahmen zu priorisieren und bringt sich dazu gerne ein.

Erzieher/in bald Bachelor Professional?:

Übernimmt Schulministerium nun neue Abschlussbezeichnung der Fortbildungsprüfung nach Berufsbildungsgesetz für Schulabschlüsse?

Mit der sechsten Verordnung zur Änderung der Ausbildung- und Prüfungsordnung für Berufskollegs will das Ministerium die Abschlussbezeichnung »Bachelor Professional« für die Absolventen aller Fachschulen einführen. In seiner Begründung zum Vorhaben zitiert das Schulministerium die BBiG-Regelung wie folgt: »Den Fortbildungsabschluss Bachelor Professional erlangt, wer eine Prüfung der zweiten beruflichen Fortbildungsstufe erfolgreich besteht.«

Das Handwerk sieht erhebliche Bedenken bei der Einführung, da die Systematik der Unterscheidung zwischen Ausbildung und Aufstiegsfortbildung im schulischen Bereich nicht klar getrennt ist. Dies lässt sich am Beispiel der Ausbildung zum/zur Erzieher/in verdeutlichen, einem Ausbildungsberuf, den man nach Erwerb der Hochschulreife (und einem 6-wöchigem Praktikum) direkt an entsprechendem Berufskolleg erlernt. Nach dem aktuellen Vorhaben des Schulministeriums sollen Erzieherinnen und Erzieher nach dieser ersten Ausbildung den Fortbildungsabschluss der zweiten beruflichen Fortbildungsstufe erhalten. Das kann das Handwerk nicht mittragen, da es zu einer Abwertung des Abschlusses »Bachelor Professional« führt.

Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks NRW:

Wirtschafts-Staatssekretär Christoph Dammermann ehrt landesbesten Handwerksnachwuchs

Große Anerkennung für die Toptalente des nordrhein-westfälischen Handwerks zeigte Staatssekretär Christoph Dammermann: Bei der Schlussfeier des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT) in der Handwerkskammer OWL zu Bielefeld sind am 30. Oktober 2021 die besten Gesellinnen und Gesellen des zurückliegenden Prüfungsjahrgangs ausgezeichnet worden. Sie hatten im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks NRW den ersten Platz in ihren Berufen errungen.

In einer Talkrunde betonte Staatssekretär Christoph Dammermann die wirtschaftliche Bedeutung des Handwerks und drückte seine Freude aus, den Ministerpräsidenten als Schirmherrn des Wettbewerbs vertreten zu können. Berthold Schröder, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT), und Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer OWL zu Bielefeld, hoben den Wert der beruflichen Aus- und Weiterbildung für Handwerk und Gesellschaft hervor. Ralf Noltemeyer, Vizepräsident der Handwerkskammer Bielefeld ermutigte die Siegerinnen und Sieger auf dieser Arbeitnehmerveranstaltung, ihre Möglichkeiten als Landesbeste konkret im Arbeitsleben zu nutzen.

Im Jahr 2021 wurden die Landessiegerinnen und Landessieger coronabedingt anhand der Niederschriften, hier insbesondere der praktischen Leistungen in den Gesellen- und Abschlussprüfungen ermittelt. Nur in fünf Wettbewerbsberufen gab es Arbeitsproben. Aus etwa 25.000 erfolgreichen Prüfungsabsolventen wurden die 80 Landessiegerinnen und Landessieger ermittelt.

Der Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks NRW nutzt auf der Veranstaltung die Chance, für die hohe Qualität der dualen Berufsausbildung und das herausragende Ausbildungsengagement des Handwerks öffentlich zu werben. Die Siegerinnen und Sieger 2021 messen sich nun mit den Besten aus den anderen Bundesländern und können sich in einigen Berufen auch für die internationale Berufsolympiade qualifizieren.

Unter www.whkt.de/themen/wettbewerbe/leistungswettbewerb-des-deutschen-handwerks-plw steht die Broschüre »Vorhang auf« als PDF-Download zur Verfügung. In dieser Broschüre sind die Landessiegerinnen und Landessieger sowie weitere Informationen zum Wettbewerb zu finden.

Die Veranstaltung wurde gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Neue WHKT-Übersicht:

Niveaustufen von Bildungsabschlüssen in einer Übersicht

Ausgehend von mehr Transparenz der Wertigkeit, Vergleichbarkeit und Übertragbarkeit von Qualifikationen in den verschiedenen europäischen Mitgliedstaaten hat der Europäische Qualifikationsrahmen (EQF) eine Diskussion in den Nationalstaaten angeschoben, eigene Abschlüsse zu sortieren, und zwar über die verschiedenen Bildungssäulen hinweg.

In Deutschland gibt es den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR), der acht Stufen hat und damit genauso viele wie der Europäische Qualifikationsrahmen. Diese werden 1:1 zugeordnet. Darüber hinaus gibt es in Deutschland den Hochschulqualifikationsrahmen (HQR) mit drei Stufen, die den Stufen 6, 7 und 8 des DQR zugeordnet sind sowie die Fortbildungsstufen nach dem Berufsbildungsgesetz mit ebenfalls drei Stufen, die den DQR Stufen 5, 6 und 7 zugeordnet sind.

Die WHKT-Übersicht zeigt die berufliche Bildung, unterteilt in Ausbildung sowie Höhere Berufsbildung auf der einen Seite und die akademische Bildung auf der anderen Seite und sortiert exemplarisch alle Abschlüsse, einschließlich der neuen Abschlusstitel Bachelor Professional und Master Professional aus der Höheren Berufsbildung entsprechend ein.

Die neue WHKT-Übersicht ist als Download zu finden auf der Seite www.whkt.de/themen/bildung.

Ehrenamtsakademie:

Qualifizierungsangebote für ehrenamtlich Engagierte

Um Ehrenamt auch in der Corona-Pandemie stark zu machen, unterstützt die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen den Einsatz von ehrenamtlichem Engagement mit dem Ausbau von Weiterbildungs- und Qualifizierungsangeboten für ehrenamtlich Engagierte.

Die Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld bietet im Rahmen des Förderprogrammes im Zeitraum von November 2021 bis Februar 2022 sieben verschiedene, für die ehrenamtlich Engagierten kostenlose, Qualifizierungsangebote an. Ziel ist es, ehrenamtlich Engagierten Hilfestellungen an die Hand zu geben und auf ihrem Weg ins Ehrenamt zu unterstützen.

Themen sind

  • Orientierungshilfen beim Einstieg ins Ehrenamt, notwendige »Werkzeuge« und Hilfe zur Selbsthilfe.
  • Rechtlich alles richtig? Rechtliche und steuerliche Grundlagen im Ehrenamt (Haftung, Versicherung, Arbeitsrecht) und Spezialfragen (steuerliche Förderung, Ehrenamtspauschale, Datenschutz, Urheberrecht).
  • Die Möglichkeiten von Social Media im Ehrenamt. Von den Grundlagen über Facebook und Instagram hin zu Twitter, Youtube, Snapchat und TikTok.
  • Sicher und überzeugend auftreten im Ehrenamt. Rhetorische Stilmittel einsetzen, Besprechungen und Diskussionen gekonnt leiten, Körpersprache zum eigenen Vorteil nutzen und die Selbstwirksamkeit verstärken.

Die Qualifizierungsangebote sowie die Möglichkeit zur Anmeldung ist zu finden unter https://www.akademie-des-handwerks.de/ehrenamt/.

Mit der Ausweitung des Angebotes an Weiterbildungen und Qualifizierungen für ehrenamtlich Engagierte setzt die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen Impulse für die Wiederaufnahme bzw. Fortführung des bürgerschaftlichen Engagements nach der Pandemie. Die Angebote richten sich an alle engagierten Personen in Nordrhein-Westfalen.   

So geht Zusammenhalt:

www.handwerk-baut-auf.de

Die Internetplattform www.handwerk-baut-auf.de, die unter Federführung der Handwerkskammer Koblenz entstanden ist, vermittelt Hilfsangebote des Handwerks passgenau an Betroffene der Flutkatastrophe. Auch die Handwerkskammern in NRW und der WHKT unterstützen die Plattform, die ständig ausgebaut wird. So werden demnächst auch Sachverständige, die bei der Begutachtung von Schäden helfen, auf www.handwerk-baut-auf.de zu finden sein. Eine umfassende Informationsplattform, die aktuell rund um das Thema Fluthilfe, Antragstellung für Soforthilfen und Formulare berichtet, ist in Arbeit.

ValiKom Transfer:

Chancen für Menschen ohne Berufsabschluss – Neue WHKT-Filme zeigen Weg zum Kammerzertifikat

Um den Nutzen des Validierungsverfahrens für Teilnehmende und ihre Arbeitgeber sichtbar zu machen, hat der WHKT als Projektleitung mehrere Kurzfilmreihen produzieren lassen. Diese begleiten drei Protagonisten dabei, wie sie ihr Können in einem anerkannten Ausbildungsberuf, den sie nicht durch eine Ausbildung erlernt haben, beweisen. Am Ende des Validierungsverfahrens erwartet sie ein aussagekräftiges Zertifikat einer Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer oder Landwirtschaftskammer.

Neben den Protagonisten kommen auch ihre Arbeitgeber zu Wort, die erläutern, welchen Beitrag das Verfahren zur Fachkräftesicherung und Personalentwicklung  leisten kann. »Aus Arbeitgebersicht für mich ein absoluter wertiger Nachweis einer Fähigkeit«, ist etwa das eindeutige Fazit von Frank Köster (Betriebsleiter LIDL-Logistikzentrum Eschbach), der bereits vier Mitarbeitende bei der Teilnahme unterstützt hat. Das Validierungsverfahren wird im BMBF-geförderten Projekt »ValiKom Transfer« deutschlandweit von 30 Kammern angeboten. Personen ab 25 Jahren ohne Berufsabschluss sowie Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger können bis Oktober 2024 kostenlos teilnehmen. Sie werden durch die Kammern individuell durch das Verfahren begleitet. Erfahrene Berufsexpertinnen und Berufsexperten stellen ihnen handlungsorientierte Aufgaben und beurteilen ihre Fähigkeiten und Kenntnisse im gewählten Beruf.

Die drei neuen Kurzfilme zeigen, wie vielfältig die beruflichen Wege der Teilnehmenden sind: Nadine Terminé ist gelernte Floristin, arbeitet jedoch seit vielen Jahren in einem Logistikzentrum. Adrian Capatina hat in Rumänien eine Ausbildung zum Schreiner absolviert und ist nun in Deutschland im Elektrohandwerk tätig. Werner Garweg wurde aufgrund seiner Lernschwäche vermittelt, dass er für den ersten Arbeitsmarkt nicht geeignet sei. Sein heutiger Arbeitgeber gab ihm trotz fehlender Ausbildung die Chance, in den Garten- und Landschaftsbau einzusteigen. Mit drei Kurzfilmen, die jeweils die Perspektive der Teilnehmenden, ihrer Arbeitgeber und der Kammerakteure zeigen, wird ihr Weg durch das Verfahren beleuchtet.

Die drei Filmreihen sind auf Youtube abrufbar: https://www.youtube.com/playlist?list=PLDgVx0y53QdPwNR9Iq0l-KRwFx2qdiM-m

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt »ValiKom Transfer«, an dem 11 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern und zwei Landwirtschaftskammern beteiligt sind. Bis Oktober 2024 wird die Teilnahme am Verfahren mit Projektmitteln gefördert. Informationen zu »ValiKom Transfer« und zum Validierungsverfahren sind zu finden unter www.validierungsverfahren.de.

Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)«:

Dialogveranstaltung: 60 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen – Lebensleistungen würdigen!

Am 5. Oktober 2021 lud die beim WHKT angesiedelte Landeskoordinierung des Netzwerks »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zur Dialogveranstaltung »60 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen« in die Kaue der Zeche Hansemann, Bildungszentrum der Handwerkskammer Dortmund ein. Unter Beteiligung der Staatssekretärin des Bundesarbeitsministeriums, Leonie Gebers und NRW-Integrationsminister Dr. Joachim Stamp sowie in Kooperation mit dem Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI, Essen), dem Ruhr Museum und der Handwerkskammer Dortmund stand unter dem Motto »Erinnern. Würdigen. Entwickeln.« die Lebensleistung der ersten Anwerbegeneration im Mittelpunkt.

In Anwesenheit von etwa 70 Gästen sowie 250 über den Livestream zugeschalteten Zuschauerinnen und Zuschauern führte Moderatorin Michaela Padberg durch anregende Vorträge und Gespräche.

Mit ihren Begrüßungsansprachen hoben Staatssekretärin Leonie Gebers und NRW-Integrationsminister Dr. Joachim Stamp die immense Bedeutung der damaligen ersten Generation von Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern für das heutige Deutschland hervor. Leonie Gebers betonte: »Auch die Frauen und Männer, die in den 50er und 60er Jahren zugewandert sind, haben unsere Wirtschaft mitaufgebaut.« Dr. Joachim Stamp unterstrich: »Ich verneige mich vor großen Lebensleistungen dieser Menschen. Sie verdient die Anerkennung und den Respekt unserer gesamten Gesellschaft.«

Keynotespeaker der Veranstaltung war Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan, wissenschaftlicher Leiter bei der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung. Er stellte die Frage, welche Rolle Fremdsein für türkische Mitmenschen auch heute noch spielt. Prof. Dr. Uslucan und Prof. Dr. El-Mafaalani, Professor an der Universität Osnabrück, zeigten bei ihren Vorträgen die wissenschaftlichen Perspektiven auf und gaben somit reichliche Inspiration für die Diskussionsrunden.

Ein weiteres Highlight war die Gesprächsrunde mit den anwesenden Zeitzeugen. Vor allem Zeitzeuge Sabri Aydin, der 1961 als 26-Jähriger nach Deutschland kam, sorgte mit Anekdoten aus seinem Leben für lebhafte Einblicke in seine ersten Jahre als Gastarbeiter.

Die offizielle Pressemeldung mit weiteren Statements anwesender Akteurinnen und Akteure, Videobotschaften und die Aufzeichnung der Veranstaltung finden Sie auf der Seiten des IQ Netzwerks NRW unter: https://www.iq-netzwerk-nrw.de/treffpunkt-iq/05102021-dialogveranstaltung-60-jahre-deutsch-tuerkisches-anwerbeabkommen-lebensleistungen-wuerdigen

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen:

Förderung von Qualifikationsanalysen auch in 2022

Das BMBF-geförderte Verbund-Projekt »Netzwerk Qualifikationsanalyse – NetQA« wird um ein Jahr bis Ende 2022 verlängert. Ausschlaggebend war die Corona-Pandemie, in der sowohl die Durchführung von Qualifikationsanalysen als auch der Aufbau eines Netzwerkes erschwert wurden.

»NetQA« fördert seit dem 1. Januar 2019 die Vernetzung der zuständigen Stellen zur Anerkennung mit Qualifikationsanalysen. Mittels Schulungen, Fachpublikationen und Arbeitshilfen sowie einem finanziellen Fördertopf unterstützt das Verbund-Projekt die Durchführung der sonstigen Verfahren zur Feststellung der Gleichwertigkeit bei fehlenden Nachweisen nach BQFG Bund und den jeweiligen Landesgesetzen.

Die finanzielle Förderung über den Sonderfonds Qualifikationsanalysen läuft somit in 2022 weiter. Hauptfokus der Projektarbeit im kommenden Jahr wird zudem der Transfer der Unterstützungsangebote von »NetQA« in ein nachhaltiges Angebot über das Projektende hinaus sein.

Informationen zum Projekt »NetQA« finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

Außenwirtschaft:

Marktchancen in den Niederlanden

Vom 22. bis 26. November 2021 findet die diesjährige Deutsch-Niederländische Businesswoche statt.

Im Rahmen der Veranstaltung werden deutsche und niederländische Unternehmerinnen und Unternehmer zusammengebracht und erhalten die Möglichkeit, bestehende Geschäftsbeziehungen zu pflegen und neue B2B-Kontakte zu knüpfen. Eine Reihe von Webinaren richtet sich an interessierte Unternehmen:

  • Markteinstieg in den Niederlanden
  • Sozialversicherung und Lohnsteuer in Deutschland und den Niederlanden
  • Nachhaltigkeit im Bau: Herangehensweise und Lösungen aus Deutschland und den Niederlanden – mit der Handwerkskammer Düsseldorf
  • Erfahrungsberichte von Unternehmern über das deutsch-niederländische Geschäft

Während des gesamten Programms besteht die Möglichkeit zum Firmen-Matching. Das Programm der Veranstaltung sowie die Möglichkeit zur kostenfreien Anmeldung finden Sie unter https://www.ihk-krefeld.de/de/sites/nl-wirtschaftsforum/deutsch-niederlaendisches-wirtschaftsforum/index.html.

Beratung für ihre Auslandstätigkeit erhalten Unternehmen bei den Außenwirtschaftsberaterinnen und Außenwirtschaftsberatern der Handwerkskammern: https://lgh.nrw/index.php/ihre-berater-innen.

Langzeitarbeitslosigkeit bekämpfen:

MAGS-Initiative »Wiedereinstieg« fördert innovative Projekte und Ideen

Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW hat im Rahmen des EU-Programms REACT vier ESF-Aufrufe veröffentlicht, die einen Schwerpunkt auf die Integration von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt legen. Mit dem Wettbewerb »100 Ideen gegen Langzeitarbeitslosigkeit«, der Aktion »10.000 Perspektiven«, der »Kooperativen Beschäftigung« und der »aufsuchenden Stabilisierungsberatung« wird ein Beitrag zur Bewältigung der Pandemie geleistet.

Die Aktion »10.000 Perspektiven« bietet eine Einarbeitungspauschale in Höhe von 1.500 Euro für die Anstellung von Langzeitarbeitslosen, um so die oftmals zeitaufwändige Einarbeitung unter den besonderen Herausforderungen der Pandemie zu fördern. »100 Ideen gegen Langzeitarbeitslosigkeit« ist ein Ideenwettbewerb zur Schaffung neuer Beschäftigungschancen. Ziel ist die Förderung innovativer Geschäftsmodelle mit Bezug zur Digitalisierung oder zum Klimaschutz und der Absicht, insbesondere Langzeitarbeitslosen eine dauerhafte Beschäftigung zu ermöglichen. In der ersten Phase werden bis zu 50 Projekte mit bis zu 50.000 Euro je Projekt gefördert. Der dritte Aufruf, die »aufsuchende Stabilisierungsberatung«, richtet sich an ehemalige Arbeitslose sowie ihre neuen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit dem Ziel, durch Beratung das Beschäftigungsverhältnis dauerhaft zu stabilisieren. Mit der »Kooperativen Beschäftigung« wird die Umsetzung des Teilhabechancengesetzes in NRW flankiert und Kooperationen zwischen gemeinnützigen Beschäftigungs- und Qualifizierungsunternehmen sowie Unternehmen der Privatwirtschaft unterstützt.

Weitere Informationen zu den Förderaufrufen sowie zum Antragsverfahren finden Sie auf den Seiten des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales unter: www.mags.nrw/esf-aufrufe

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

nach der Bundestagswahl ist vor der Landtagswahl. Schon in wenig mehr als 200 Tagen wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt. Für uns als WHKT ein entscheidendes Ereignis, denn die konkreten Standortbedingungen für unsere Betriebe werden nicht im Bund, sondern im Land und vor Ort gesetzt. Das hat sich in der Pandemie besonders gezeigt: in kaum einem anderen Bundesland hat das Handwerk – trotz aller Einschränkungen – insgesamt einen so großen Rückenwind erfahren.

Die größte Herausforderung für die Zukunft Nordrhein-Westfalens und der über 190.000 Handwerksbetriebe mit ihren 1,2 Millionen Beschäftigten ist dabei gewiss die Fachkräftefrage: Wie gelingt es uns, mehr junge Leute von der beruflichen Ausbildung und ihren Perspektiven zu überzeugen? Welche Rolle spielt das Handwerk an unseren Schulen? Wie entwickeln wir die Berufsorientierung so weiter, dass Schulabgängerinnen und Schulabgänger die Aufstiegschancen im Handwerk entdecken?

Das Mega-Thema Nachhaltigkeit wird die kommende Legislaturperiode bestimmen. Alle Parteien wissen: ohne das Handwerk können wir den Klimaschutz nicht umsetzen. Doch, was tut die Politik, um auch die entscheidende Rolle des Handwerks – neben den vielfältigen Initiativen zur industriellen Transformation – zu stärken?

Unterstützung benötigen viele kleine Betriebe auch, um den digitalen Wandel zu meistern. Alle Handwerksbetriebe brauchen schnelles Internet, eine gezielte Förderung und passgenaue Beratung. Entscheidendes Thema für viele Betriebe bleibt fortwährend der Bürokratieabbau. Auch hier liegen große Chancen in der Digitalisierung.

Alle demokratischen Parteien in NRW bekennen sich zu einem starken Handwerk und sehen die besonderen Herausforderungen der kleinen Betriebe. Ein Grundkonsens im Hinblick auf die Rolle des Handwerks ist gut. Doch am Ende des Tages zählen Taten. Gemeinsam mit unseren Partnern im NRW-Handwerk schauen wir deswegen genau hin und formulieren derzeit unsere Erwartungen. Die WHKT-Vollversammlung wird Ende Oktober, der Handwerksrat von Handwerk.NRW Mitte November konkrete Wahlprüfsteine beraten und beschließen. Daran werden wir die Parteien messen und dazu den Dialog suchen.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

Handwerkskammern helfen bei der Antragsstellung:

NRW-Fluthilfen für betroffene Handwerksbetriebe

Mit der Veröffentlichung der Förderrichtlinie für den Wiederaufbau ist der Weg für die Fluthilfen für Unternehmen, Private und die öffentliche Infrastruktur frei. Seit dem 17. September können auch Handwerksbetriebe in Nordrhein-Westfalen die Hilfen zur Beseitigung der Schäden infolge des Unwetters beantragen.

»Dass die Hilfszahlungen rund 2 Monate nach der Katastrophe nun richtig anlaufen, ist ein ganz wichtiges wirtschaftliches und psychologisches Signal«, so Hans Hund, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT). »Die von der Katastrophe betroffenen Handwerksbetriebe wollen ihre Zukunft anpacken und haben nun die Sicherheit, dass ihnen umfassend geholfen wird. Es ist selbstverständlich, dass wir als Handwerkskammern unsere Mitgliedsunternehmen bei der Antragsstellung unterstützen.«

Viele Betriebe sowie die gesamte Handwerksorganisation zeigen sich in dieser Katastrophe solidarisch. »Auch beim Wiederaufbau kommt dem Handwerk eine Schlüsselrolle zu. Unter anderem auf der gemeinsamen Plattform vieler Handwerkskammern unter handwerk-baut-auf.de, die unter Federführung der Handwerkskammer in Koblenz entstanden ist. Hier können sich Handwerksbetriebe aus ganz Deutschland melden, die beim Wiederaufbau mitmachen wollen. Die ersten Resonanzen auf die neue Seite sind sehr positiv. Viele Betriebe haben sich bereits registriert«, erläutert Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT.

Mitgliedsunternehmen erhalten bei ihrer Handwerkskammer Hilfe bei der Antragsstellung für den Wiederaufbau, Beratung sowie weitere wichtige Informationen. Im Antragsverfahren unterstützen die Handwerkskammern durch eine Vorprüfung und sichern so eine schnelle Bearbeitung bei der NRW.Bank als zuständige Bewilligungsstelle.

Informationen finden Sie bei der NRW.Bank unter www.nrwbank.de/unwetterhilfe-unternehmen.

Die Landesregierung NRW stellt unter www.land.nrw/wiederaufbauhilfe Informationen zu den Aufbauhilfen und zum Verfahren bereit.

So geht Zusammenhalt:

www.handwerk-baut-auf.de

Die Internetplattform www.handwerk-baut-auf.de, die unter Federführung der Handwerkskammer Koblenz entstanden ist, vermittelt Hilfsangebote des Handwerks passgenau an Betroffene der Flutkatastrophe. Auch die Handwerkskammern in NRW und der WHKT unterstützen die Plattform und zeigen damit einmal mehr: Wir halten zusammen!

www.handwerk-baut-auf.de

Intensiver Austausch:

WHKT-Arbeitnehmer-Vizepräsidenten im Dialog mit Thomas Kutschaty

Norbert Wichmann (DGB), Matthias Heidmeier (WHKT), Marc Giering, Michael Neuhaus, Sonja Wilmer-Kausch, Thomas Kutschaty (Partei- und Fraktionschef der NRW-SPD), Alexander Hengst, Felix Kendziora, Bernhard Blanke, Ralf Noltemeyer, Karl-Heinz Reidenbach (v.l.n.r.)

Zu einem intensiven Austausch über die Herausforderungen des Handwerks trafen sich jüngst die Arbeitnehmer-Vizepräsidenten der sieben NRW-Handwerkskammern mit dem Partei- und Fraktionschef der NRW-SPD, Thomas Kutschaty. WHKT-Vizepräsident Felix Kendziora begrüßte Kutschaty dazu auf Schloß Raesfeld. 

Mit dabei waren ebenso Matthias Heidmeier (WHKT), Norbert Wichmann (DGB) sowie die neue Landesgeschäftsführerin von Kolping NRW, Sonja Wilmer-Kausch. 

Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Themen Ausbildung, Tarifbindung und Altersvorsorge für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Handwerk. Ebenso wurde die entscheidende Rolle des Handwerks für die Umsetzung des Klimaschutzes diskutiert, Wege der gezielten Förderung im Bereich der erneuerbaren Energien wurden erörtert.

 

Im politischen Gespräch:

Meinungsaustausch mit der Führung der SPD-Landtagsfraktion

Zu einem Meinungsaustausch trafen sich WHKT-Präsident Hans Hund und Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier Ende August mit der Führung der SPD-Landtagsfraktion. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Herausforderungen der dualen Ausbildung. Durch die Corona-Krise war es vor allem im vergangenen Jahr für viele Handwerksbetriebe schwer, den Kontakt zu jungen Leuten herzustellen. Dies führte zu einem erheblichen Rückgang der Ausbildungsverträge. Im aktuellen Ausbildungsjahr stabilisiert sich die Lage am Ausbildungsmarkt allerdings wieder. Trotzdem ist das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht. Unabhängig davon steht der Ausbildungsmarkt seit vielen Jahren unter Druck, denn immer mehr Jugendliche sehen ihre Perspektiven in einer akademischen Ausbildung. 

Auf Seiten der SPD-Landtagsfraktion diskutierten der Partei- und Fraktionsvorsitzende Thomas Kutschaty MdL, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende André Stinka MdL sowie die Landtagsabgeordneten Elisabeth Müller-Witt und Frederick Cordes mit. In der Diskussion war man sich einig, dass es gelingen muss, mehr junge Menschen für eine duale Ausbildung und ihre guten Perspektiven zu begeistern. Es gehe darum, in Schulen und Elternhäusern die Chancen einer handwerklichen Ausbildung und der damit verbindenden Aufstiegsperspektiven noch stärker herauszuarbeiten.

25 Jahre Ausbildungskonsens:

Eine Erfolgsgeschichte im Sinne von Jugendlichen, Ausbildungsbetrieben und Politik

Am 13. September 2021 war es genau 25 Jahre her, dass der Ausbildungskonsens Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen wurde. Das Handwerk gehört zu den Mitinitiatoren des Ausbildungskonsenses NRW und kann resümieren, dass sich das Engagement der Konsenspartner mit einem sehr plakativen und für jeden verständlichen Ausbildungsversprechen »Jeder, der ausgebildet werden will, wird ausgebildet« über diese lange Zeit gelohnt hat. Denn die duale Berufsausbildung und das Funktionieren des Ausbildungsmarktes ist für den Wirtschaftsstandort genauso wie für die einzelnen Jugendlichen so bedeutsam, das ein offener Streit um dieses Thema nur hätte kontraproduktiv sein können. Der Ausbildungskonsens NRW hat sich mit seiner Verpflichtung, einen Konsens zu allen wichtigen Fragestellungen zu erzielen, mehr als bewährt. Dieser Ausbildungskonsens führt nicht dazu, dass man sich nicht streitet, sondern dass man sich um die besten Lösungen streitet – und das ist ein Mehrwert, der vor 25 Jahren genauso viel wert war, wie er heute ist. Mit dieser Kooperation ist im Ausbildungsgeschehen mehr zu erreichen, als jeder einzelne je hätte für sich erreichen können. In der G.I.B. Info 2/21 sind die Prinzipien der Zusammenarbeit in hervorragender Weise anlässlich dieses Jubiläumsjahres beschrieben.

Die Handlungsschwerpunkte des Ausbildungskonsenses verlagern sich in Abhängigkeit des Ausbildungsmarktes Stück für Stück: Heute und in Zukunft kommt es immer mehr darauf an, offene Ausbildungsplätze besetzen zu können, die Fachkräftegewinnung über die duale Ausbildung aus Sicht der Unternehmen sicherzustellen und die berufliche Orientierung der Schülerinnen und Schüler weiter zu verbessern.

Das Handwerk dankt allen Partnern im Ausbildungskonsens, d.h. insbesondere Ministerien, kommunalen Spitzenverbänden, Arbeitsverwaltung, Sozialpartnern und Kammerorganisationen für die gute Kooperation, den engen Austausch, die vielfältigen Ideen, anstrengenden und anregenden Diskussionen, die Geduld und Hartnäckigkeit sowie das gegenseitige Antreiben im Sinne einer guten Sache: der dualen Ausbildung.

Europa:

Luftqualität in Bewegung

Am 22. September 2021 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) neue Luftgüteleitlinien vorgelegt. Üblicherweise finden Veröffentlichungen der Vereinten Nationen und ihrer Sonderorganisationen wenig Beachtung im Handwerk. Bei den Luftgüteleitlinien ist das anders. Diese sind für das Handwerk von erheblicher Relevanz.

Die neuen WHO-Leitlinien beinhalten Richtwerte für sechs Luftschadstoffe, unter anderem für Feinstaub (PM 2,5 und PM 10) und für Stickstoffdioxid. Sie haben empfehlenden Charakter. Ihre Bedeutung aber besteht darin, dass sie von Gesetzgebern weltweit – auch von der EU – als Referenz für die Entwicklung verbindlicher Grenzwerte herangezogen werden.

Das wiederum ist insofern relevant, als die Europäische Kommission beabsichtigt, im kommenden Jahr einen Vorschlag zur Überarbeitung der EU-Luftqualitätsrichtlinien (Richtlinien 2008/50/EG und 2004/107/EG) vorzulegen. Ziel der Überarbeitung ist unter anderem, die europäischen Grenzwerte an die schon heute vielfach strengeren WHO-Richtwerte anzugleichen.

Da die neuen Richtwerte ihrerseits strenger sind als die geltenden, verschärft sich der Anpassungsdruck weiter. Der EU-Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid ist dann vier Mal so hoch wie der Richtwert der WHO, der Stundengrenzwert sogar acht Mal. Bei Feinstaub, gerade bei PM 2,5, sieht es ähnlich aus. Der EU-Jahresgrenzwert ist 5-fach höher als der neue WHO-Richtwert, einen 24-Stunden-Grenzwert gibt im EU-Recht bisher gar nicht.

Sollte es zur Umsetzung der Richtwerte in EU-Recht kommen, wird das in ca. fünf Jahren spürbare Folgen für Kommunen und auch für das Handwerk haben. Deswegen ist eine Auseinandersetzung mit den Luftgüteleitlinien der WHO geboten.

Link zu den Leitlinien: https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/345329/9789240034228-eng.pdf?sequence=1&isAllowed=y

Berufliche Perspektiven von Haftentlassenen stärken:

WHKT vereinbart Zusammenarbeit mit Justizministerium

Caroline Ströttchen, stv. Abteilungsleiterin im Justizministerium, Felix Kendziora, Arbeitnehmer-Vizepräsident des WHKT, Peter Biesenbach, Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Hans Hund, Präsident des WHKT, Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT, Dr. Wolfgang Schorn, Pressesprecher des Justizministeriums (v.l.n.r.)

Mit der feierlichen Unterzeichnung einer Vereinbarung haben der Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Peter Biesenbach, der Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT), Hans Hund, der Arbeitnehmer-Vizepräsident des WHKT, Felix Kendziora, und WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier im September den Anstoß für eine langfristige Kooperation gegeben. Absicht dieser Zusammenarbeit ist es, die bestehenden Ausbildungsmöglichkeiten in den Justizvollzugsanstalten Heinsberg und Bochum-Langendreer modellhaft anzupassen und dadurch die Berufsperspektiven für Inhaftierte nach deren Haftzeit zu verbessern.

Weil die Haftzeit vielfach nicht ausreicht, um eine in Haft begonnene Berufsausbildung vollständig abzuschließen, können Inhaftierte in den Werkstätten des Strafvollzugs Teil-Qualifikationen erwerben. Diese beruflichen Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse werden nach der Haftentlassung am Arbeitsmarkt jedoch häufig nicht anerkannt. Ebenso erweist es sich oftmals als schwierig, eine Berufsausbildung fortzusetzen, die während der Haft in den Ausbildungswerkstätten der Vollzugsanstalten begonnen wurde. Diese Hürden stehen einer nachhaltigen und erfolgreichen Wiedereingliederung von ehemaligen Häftlingen bislang im Weg.

Von der Kooperationsvereinbarung zwischen Handwerk und Justiz profitieren Häftlinge und Betriebe, da auch über diesen Weg leistungsbereite Fachkräfte identifiziert und angeworben werden können, wie WHKT-Präsident Hans Hund im Justizministerium betonte. Wichtig sei jedoch, dass auch hier das Handwerk seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werde und sich dieser Aufgabe stelle, so Hund weiter.

Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit wird zum einen darin liegen, die Ausbildungen und Beschäftigungsmöglichkeiten im Justizvollzug praxisnäher zu gestalten, um so die Vermittlungschancen Haftentlassener auf eine Anschlussbeschäftigung zu erhöhen. Des Weiteren können Haftentlassene im Idealfall unmittelbar in eine handwerkliche Beschäftigung wechseln oder eine in der Haft begonnene Ausbildung nahtlos fortsetzen. Interessierte Betriebe sollen zudem schon frühzeitig in Kontakt mit Inhaftierten treten können, um bereits vor der Anbahnung eines Beschäftigungsverhältnisses ein persönliches Kennenlernen zu ermöglichen.

WHKT-Vizepräsident Felix Kendziora: »Der klassische kleine Handwerksbetrieb bietet die optimalen Voraussetzungen für erfolgreiche Integrationsarbeit, denn hier kann sich niemand verstecken. Egal, ob auf der Baustelle, im Betrieb oder eben auch in gesellschaftlichen Angelegenheiten: Unseren Handwerkerinnen und Handwerkern liegt es im Blut, Herausforderungen zu erkennen, Lösungen zu erarbeiten und sie erfolgreich umzusetzen.«

Das Modellvorhaben beginnt im Januar 2022 und ist zunächst auf eine Dauer von fünf Jahren ausgelegt. Weitere Informationen beim WHKT unter der Durchwahl 0211/3007-707 oder per Mail an peter.dohmen[ ät ]whkt.de.

Perspektiven der Beruflichen Bildung:

Studienzweifler und Studienabbrecher als Zielgruppe für das Handwerk

Der Trend und »vermeintliche gesellschaftliche Druck«, nach der Schule möglichst ein Bachelor-Studium zu beginnen, führt immer mehr Studierende vorzeitig aus dem Studium heraus. Nicht nur der Beratungsbedarf dieser Zielgruppe steigt, sondern auch das Engagement des Handwerks um diese jungen Menschen, die zunächst nur wissen, was sie nicht wollen.

Regelmäßig kümmert sich das Handwerk um Studienzweiflerinnen und Studienzweifler sowie Personen, die ihr Studium bereits abgebrochen haben. Das Handwerk bietet herausragende Beschäftigungsoptionen, ideale Möglichkeiten zur Selbständigkeit und echte Bildungskarrieren bis zum Master Professional.

Die Gemeinschaftsaktion zur Beratung von Studienzweiflerinnen und Studienabbrechern der sieben Handwerkskammern am 22. September 2021 zeigt die Bereitschaft des Handwerks, jungen Menschen einen unmittelbaren Anschluss im Betrieb zu vermitteln, aber auch den Bedarf der Betriebe, Fach- und Führungskräfte in quantitativ deutlich größerem Umfang zu gewinnen.

Wer seinen Weg nach X Jahren Hochschulstudium ohne akademischen Abschluss im Handwerk gegangen ist, Gesellenprüfung sowie Meisterprüfung und gegebenfalls weitere Abschlüsse der Höheren Berufsbildung erfolgreich abgelegt hat, weiß um die Chancen und Perspektiven der Beruflichen Bildung. Solche »Botschafterinnen und Botschafter« müssen verstärkt in die Hochschulen. Besonders interessant ist, dass auch eine steigende Anzahl von Hochschulabsolventen nach dem Bachelor-Abschluss eine duale Ausbildung anstreben, um in der Wirtschaft Fuß zu fassen und in eine berufliche Karriere einsteigen zu können. Wenn dies nicht ein vorübergehendes Phänomen ist, wirft dies über kurz oder lang die Frage auf, inwieweit unser Bildungssystem effizient und zielführend ausgestaltet ist.

Anmeldung zur Online-Teilnahme – 60 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen:

Arbeitsminister Heil und Integrationsminister Dr. Stamp am 5. Oktober im Gespräch mit Menschen aus Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Gemeinde in der Kaue der Zeche Hansemann

Zur Würdigung der Lebensleistungen der ersten Anwerbegeneration lädt die Landeskoordinierung NRW des Förderprogramms »Integration durch Qualifizierung (IQ)« unter Beteiligung von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und NRW-Integrationsminister Dr. Joachim Stamp sowie in Kooperation mit dem Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI, Essen), dem Ruhr Museum und der Handwerkskammer Dortmund am 5. Oktober 2021 ab 12 Uhr zu einer Dialogveranstaltung in die Kaue der Zeche Hansemann in Dortmund ein.

Gemeinsam mit 50 Gästen, Zeitzeugen, Spitzenvertreterinnen und Spitzenvertretern aus Politik und Wirtschaft sowie Vertretungen der türkischen Gemeinden und Medien steht das Motto »Erinnern. Würdigen. Entwickeln.« mit Blick auf den Arbeitsmarkt im Mittelpunkt der Vorträge und Gespräche.

Um gleichfalls bundesweit ein starkes Signal für Vielfalt, Weltoffenheit und Teilhabe am Arbeitsmarkt in Deutschland zu senden, wird die Veranstaltung per Livestream (https://youtu.be/DzdQkZYmPkI) ins Netz übertragen. Die Anmeldung zum Livestream ist unter folgendem Link möglich: https://www.iq-netzwerk-nrw.de/anwerbeabkommen.

1961 trat die Vereinbarung zwischen Deutschland und der Türkei in Kraft, welche die Zuwanderung der aus heutiger Sicht ersten türkischen Anwerbegeneration regelte. Das Ziel damals: Die Deckung des Bedarfs an Arbeitskräften in Deutschland, um wirtschaftliches Wachstum zu fördern und das »Wirtschaftswunder« zu realisieren. Von einer dauerhaften Ansiedlung in Deutschland oder gar gesellschaftlicher Integration und Teilhabe war zu dieser Zeit nicht die Rede. Dennoch entschieden sich bis zum Anwerbestopp 1973 knapp 900.000 Menschen, die Türkei zu verlassen, in Deutschland zu arbeiten, Geld zu verdienen und – so die häufigste Absicht – eine schnelle Rückkehr mit dem hart verdienten Geld anzutreten. Viele blieben dennoch. Trotz schwieriger Arbeitsbedingungen, geringer gesellschaftlicher Akzeptanz und sprachlicher Isolation, haben sie den Neustart gewagt, Familien gegründet und sich in hohem Maße angepasst.

Heute wächst die vierte Generation mit türkischer Einwanderungsgeschichte im Ruhrgebiet, in Nordrhein-Westfalen, in Deutschland auf.

Die Einwanderung ausländischer Fachkräfte hat seither an Bedeutung gewonnen. Laut Aussage des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit, sind 400.000 Fachkräfte pro Jahr in Deutschland nötig, um den Bedarf am Arbeitsmarkt zu decken. Das gemeinsame Ziel heute: erfolgreiche Integration, die berufliche Anerkennung und qualifikationsadäquate Beschäftigung. Was zu tun ist, damit dies wertschätzend und nachhaltig gelingt, darüber tauschen sich die Teilnehmenden am 5. Oktober anlässlich des 60. Jubiläums unter Moderation von Michaela Padberg aus.

Träger der Landeskoordinierung IQ in NRW, die zu der Veranstaltung einlädt, ist der Westdeutsche Handwerkskammertag in Düsseldorf. Das Förderprogramm IQ wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Neu im WHKT-Youtube-Kanal:

Video zur thematischen Einführung in das Thema »Künstliche Intelligenz im Handwerk«

Die Expertise des WHKT war in der Veranstaltung »Chancen von Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) im Handwerk« im Rahmen der Reihe KI am Mittwoch der Initiative Wirtschaft und Arbeit 4.0 gefragt.

Der KI-Experte des WHKT, Andreas Oehme, konnte die über 100 Teilnehmenden der Veranstaltung mit in das Thema hineinnehmen und konkrete Anwendungsfelder des neuartigen Werkzeugs KI aufzeigen und Perspektiven für Usecases im Handwerk aufzeigen. Auch wenn digitale Veranstaltungen häufig einen besseren Zulauf erhalten, bleibt das Gefühl, dass von ihnen am Ende weniger als von Präsenzveranstaltungen übrig bleibt.

Der WHKT hat die Chance der digitalen Veranstaltung genutzt, den 15-minütigen Einführungsvortrag seines KI-Experten online zu stellen. Das Video ist zu sehen unter www.youtube.com/watch?v=kbjeAS2D10E.

Livestream-Teilnahme am 04.10.2021:

Verleihung des Innovationspreises Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen 2021

Die Verleihung des Innovationspreises Handwerk durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen findet zum zweiten Mal in Düsseldorf statt. Der mit jeweils 10.000 Euro in zwei Kategorien dotierte Preis würdigt die Leistungen von Handwerksbetrieben, die ihr Unternehmen mit innovativen Produkten und Verfahren erfolgreich für die Zukunft aufstellen.

Innovationsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart nimmt die Verleihung persönlich vor. Für das Handwerk in NRW gratuliert Berthold Schröder, Vize-Präsident des WHKT und Präsident der Handwerkskammer Dortmund.

Die Livestream-Teilnahme ist am 04.10.2021 ab 18.00 Uhr unter folgendem Link möglich: https://mwide.mohr-live.de/stream.

Ehrenamtsakademie Handwerk NRW:

Mitmachen – mitgestalten – mitentscheiden

Am 23. September sprachen Vertreterinnen und Vertreter aus der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld in Kooperation mit der Ehrenamtsakademie über die Situation im regionalen Ehrenamt, insbesondere über das Thema Nachwuchs im Prüfungswesen.

Kammer-Präsident Peter Eul und Carl-Christian Goll, Geschäftsführer des Bereiches Berufsbildung, hatten ehrenamtlich Engagierte aus der Handwerksorganisation und Vertreter von Ausbildungsbetrieben eingeladen, um gemeinsam zu diskutieren, wie und womit man insbesondere junge Menschen begeistern kann, sich aktiv ins Prüfungswesen des Handwerks einzubringen.

Deutlich wurde, dass es für die meisten Gesellinnen und Gesellen sowie Meisterinnen und Meister an erster Stelle steht, einfach mitzumachen. Ihnen geht es dabei vor allem darum, das eigene Können und Wissen weiterzugeben, wenn sie sich für ein Engagement im Prüfungswesen entscheiden. Dabei eigene Ideen einbringen und mitentscheiden zu können ist ebenfalls ausschlaggebend.

WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier stellte fest: »Das Herz unserer Selbstverwaltung ist das Ehrenamt. Das ist auch im Prüfungswesen so. Bei uns sitzen Arbeitnehmer und Arbeitgeber an einem Tisch, das ist das Besondere im Handwerk. Wer mitmachen möchte, hat vielfältige Möglichkeiten, die Zukunft des Handwerks mitzugestalten.«

Wer sich aktiv im Prüfungswesen engagieren möchte, kann sich ganz einfach an die Innungen wenden oder zu einer Innungsversammlung kommen – die »alten Hasen« informieren jede Interessierte und jeden Interessierten und unterstützen umfassend bei dem Einstieg in das neue Amt. Qualifizierungsangebote zu Rhetorik oder Rechtsfragen können hier gleichfalls die Engagierten unterstützen, mehr Sicherheit zu erlangen. Auf der Internetplattform www.ehrenamtsakademie-handwerk.de sollen zukünftig solche Angebote bereitgestellt werden.

Praxisberichte aus der Region Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld lieferten Christian Lötfering (Bauingenieur und Vorsitzender der Junioren des Handwerks Paderborn), Dorothea Spot (Konditormeisterin und Mitglied im Meisterprüfungsausschuss, Arbeitnehmervertreterin) sowie Frank Hallmann (Feinwerkmechanikermeister und Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses, Arbeitgebervertreter).

Statistikauswertungen:

5.104 Auszubildende aus den acht Flüchtlingsländern im Handwerk

In den unterschiedlichsten Debatten und Politikfeldern ist die Qualifizierung von Geflüchteten ein wichtiges Thema. Häufig fehlen harte Fakten, um die Situation möglichst realitätsnah zu beschreiben. Anschauliche Einzelbeispiele werden in den Debatten meist herangezogen. Der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) hat aktuell analysiert, welche Daten die Handwerkskammern im Hinblick auf die duale Ausbildung erheben und wie sich diese auswerten lassen bzw. ausgewertet werden. Die Berufsbildungsstatistik erhebt nicht, ob es sich bei den Auszubildenden um Geflüchtete handelt und welchen Aufenthaltsstatus sie haben. Erfasst wird lediglich die Staatsangehörigkeit. Entsprechend der Differenzierung der Bundesagentur für Arbeit (BA) wird die Gruppe der Geflüchteten anhand der Staatsangehörigkeit aus den zugangsstärksten nicht europäischen Herkunftsländern gebildet, die in den letzten Jahren zu den Ländern mit den meisten Asylerstanträgen gehörten.

Zum Stand 31.12.2020 waren bei den Handwerkskammern 5.104 Ausbildungsverhältnisse mit Auszubildenden mit einer Staatsangehörigkeit aus den acht Flüchtlingsländern Afghanistan (1.345), Eritrea (265), Irak (725), Iran (342), Nigeria (139), Pakistan (102), Somalia (36) und Syrien (2.150) registriert.

Unter den Auszubildenden mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit ist dies ein Anteil von 44 Prozent.

Immer wieder wird gefragt, ob die Ausbildungsverhältnisse bei Geflüchteten häufiger gelöst werden als bei allen anderen Auszubildenden. Ebenso wird diskutiert, ob Geflüchtete die Abschluss– und Gesellenprüfungen, aufgrund von (Schrift-)Sprachdefiziten und ggf. Grundbildungsdefiziten) überhaupt bestehen können.

Die Berufsbildungsstatistik kann auch Fakten zu diesen beiden Fragestellungen liefern. So hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) Sonderauswertungen vorgenommen, und zwar für das Jahr 2019, bezogen auf Deutschland sowie je Bereich der zuständigen Stellen. Bundesland-spezifisch gibt es diese Daten leider nicht. Demnach ist die Vertragslösungsquote um rund 6 Prozent-Punkte höher als die Quote aller Auszubildenden. Bemerkenswert ist, dass die Lösungsquote von Auszubildenden mit einer Staatsangehörigkeit eines osteuropäischen Drittstaates oder eines GIPS-Staates oder eines osteuropäischen EU-Staates jeweils höher liegen.

Das BIBB wertet für das Berichtsjahr 2019 eine Erfolgsquote von 70,3 Prozent in den abgelegten Prüfungen aus. Das ist aus Sicht des WHKT ein bemerkenswert positives Ergebnis, auch wenn die Erfolgsquote aller Auszubildenden im Handwerk bei 89,1 Prozent liegt.

Können sichtbar machen:

Projekt »ValiKom« wird bis Oktober 2024 verlängert

Personen ohne Berufsabschluss und Quereinsteiger/innen können ihre beruflichen Fähigkeiten im Rahmen des Projekts »ValiKom Transfer« mit einem Validierungsverfahren weiterhin bewerten und zertifizieren lassen. Der Maßstab für die Bewertung ist jeweils einer von rund 30 anerkannten Ausbildungsberufen. Am Ende des Verfahrens erhalten die Teilnehmenden ein Kammer-Zertifikat, das zeigt, welche Bereiche des gewählten Referenzberufs sie beherrschen.

Nach einem ersten Beratungsgespräch bei der zuständigen Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer oder Landwirtschaftskammer dokumentieren die Teilnehmenden ihre bisherigen beruflichen Erfahrungen und schätzen ihr Können im Referenzberuf selbst ein. Nachdem sie festgelegt haben, in welchen Bereichen des gewählten Berufs sie ihre Fähigkeiten beurteilen lassen möchten, stellen sie sich der Bewertung. Erfahrene Berufsexpertinnen und -experten beurteilen währenddessen ihr Können anhand berufspraktischer Aufgaben. Nach einer erfolgreichen Bewertung erhalten die Teilnehmenden ihr Validierungszertifikat von der Kammer.
Obwohl durch die Corona-Pandemie viele Verfahren verschoben werden mussten, haben seit Oktober 2016 über 1.200 Personen das Validierungsverfahren absolviert. Um noch mehr Personen die Teilnahme zu ermöglichen, wird das Projekt »ValiKom Transfer« bis Oktober 2024 verlängert. Das Verfahren wird deutschlandweit an 30 Standorten angeboten. Zusätzlich ist der Aufbau weiterer Standorte geplant.

Über das Projekt »ValiKom Transfer«: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt »ValiKom Transfer«, an dem aktuell 11 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern und zwei Landwirtschaftskammern beteiligt sind. Bis Oktober 2024 wird die Teilnahme am Verfahren mit Projektmitteln gefördert.

Informationen zu »ValiKom Transfer« und zum Validierungsverfahren sind zu finden unter www.validierungsverfahren.de.

Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen:

Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht FAQ zu Qualifikationsanalysen

Die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg stellt seit dem Sommer FAQ – HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN QUALIFIKATIONSANALYSEN für Mitarbeitende der Agenturen für Arbeit und Jobcenter im BA-Intranet zur Verfügung. Die Publikation ist mit inhaltlicher Unterstützung des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT), des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) im Rahmen des BMBF-geförderten Verbund-Projekts »NetQA – Netzwerk Qualifikationsanalyse« entstanden.

Die FAQ liefern neben Informationen zu Qualifikationsanalysen gemäß § 14 BQFG eindeutige Antworten auf die Frage nach der Förderung der Kosten durch die Arbeitsverwaltung für diesen Verfahrensbestandteil zur Kompetenzfeststellung. Beantwortet wird auch die Frage nach dem Personenkreis, der von Agenturen und Jobcentern im Anerkennungsverfahren inklusive Qualifikationsanalyse gefördert werden kann. Mitarbeitenden von zuständigen Stellen sowie Antragstellenden soll mittels dieser BA-internen Fachpublikation eine Klärung der Kostenübernahme von Qualifikationsanalysen mit der Arbeitsverwaltung erleichtert werden.

Die Qualifikationsanalyse wird von zuständigen Stellen im Anerkennungsverfahren angeboten, wenn schriftliche Belege – unverschuldet – fehlen oder unzureichend sind. Beim § 14 BQFG handelt es sich um eine Ausnahmeregelung. Aus diesem Grund ist die Qualifikationsanalyse als Bestandteil des Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahrens nicht immer ausreichend bekannt.

Neben den Gebühren für Verfahren zur Prüfung der Gleichwertigkeit von ausländischen Berufsqualifikationen kann die Arbeitsverwaltung im Rahmen des Vermittlungsbudgets nach § 44 SGB III für Kunden auch Kosten im Zusammenhang mit dem Anerkennungsverfahren beispielsweise für Übersetzungen und Qualifikationsanalysenübernehmen, soweit die Übernahme für eine nachhaltige Eingliederung in Arbeit erforderlich ist. Vielfach werden die Kosten für Qualifikationsanalysen von der Arbeitsverwaltung übernommen. Jedoch wurde die Förderung von Qualifikationsanalysen gemäß § 14 BQFG durch Agenturen für Arbeit sowie Jobcenter in der Vergangenheit auch verschiedentlich abgelehnt. Um eine Einheitlichkeit in der Förderung zu erzielen, wurden nun die FAQ Qualifikationsanalysen gemeinsam entwickelt.

Weitere Informationen zum Projekt »NetQA« finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

»Erfolgreich nachhaltig 2022«:

Preis für Unternehmerinnen und Unternehmer

Der Unternehmerpreis »erfolgreich nachhaltig« wird alle zwei Jahre vom Sozialinstitut Kommende Dortmund und der Bank für Kirche und Caritas e.G. Paderborn an Unternehmen verliehen, die in innovativer Weise unternehmerisches Handeln mit ethischer Verantwortung verbinden. Durch diese öffentliche Würdigung soll deren Leistung hervorgehoben und weiteren Unternehmen Anregungen gegeben werden.

Mit der Ausschreibung des Preises wird ein Wettbewerb um ethisch überzeugendes und erfolgreich nachhaltiges Unternehmertum initiiert, der sich an kleine und mittelständische Unternehmen mit Bezug zu Nordrhein-Westfalen richtet.

Die öffentliche Ehrung und Verleihung findet im Rahmen des 15. Tags für Unternehmerinnen und Unternehmer am 17. Mai 2022 in Dortmund statt.

Weitere Informationen zum Preis für Unternehmerinnen und Unternehmer 2022 unter www.kommende-dortmund.de/projekte/unternehmerpreis

Côte d’Ivoire:

Langzeitexpertin erprobt erfolgreich Maschinenlehrgang für Tischlerinnen und Tischler

Im Rahmen der Berufsbildungspartnerschaft des WHKT mit der nationalen ivorischen Handwerkskammer (CNMCI) entwickelte die vom WHKT in die Côte d’Ivoire entsandte Tischlermeisterin einen Maschinenlehrgang, der nun im zentral gelegenen Gagnoa erstmals erfolgreich erprobt werden konnte. Vom 23. August bis 3. September 2021 schulte die Langzeitexpertin 11 Ausbilderinnen und Ausbilder aus Bildungszentren im ganzen Land an den Maschinen.

Ziel des Kurses war insbesondere, mit besonderem Fokus auf Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit die ordnungsgemäße Nutzung der Maschinen zu vermitteln. Dabei wurden im Arbeitsprozess Hilfsmittel hergestellt, die für den zusätzlichen Schutz bei der Arbeit an den Maschinen verwendet werden können, wie beispielsweise Schiebestöcke und Schiebebretter für Fräs- und Abrichtarbeiten. Zusätzlich durften die Lehrgangsteilnehmenden für den eigenen Gebrauch ein komplexes Schneidebrett sowie Büro-Sets herstellen.

Für die CNMCI als Kooperationspartner war der Kurs ein erfolgreicher und wichtiger Schritt, da sie dadurch erstmals Lehrinhalte zeigen konnte, die zukünftig Teil des Angebots der geplanten Bildungsstätten sein werden. Auch wurde durch den Kurs ein Anstoß zur Zusammenarbeit der drei für die berufliche Bildung zuständigen Ministerien in der Côte d’Ivoire gegeben.

Außenwirtschaft:

Online-Informationsveranstaltung »Lebensmittelhandwerk in Belgien«

Am 09. November 2021 findet von 15:00–16:30 Uhr eine Online-Informationsveranstaltung für die in 2022 geplante Markterkundungsreise des Lebensmittelhandwerks nach Brüssel statt.

Im Rahmen der Veranstaltung referieren belgische Expertinnen und Experten zum heimischen Feinkostmarkt und stehen Teilnehmenden für Fragen zur Verfügung. Es werden Inhalte der geplanten Unternehmerreise 2022 vorgestellt und Teilnehmende haben die Möglichkeit, aktiv Vorschläge und Anregungen zu einzelnen Programmpunkten einzubringen.

Interessant ist die Veranstaltung insbesondere für Unternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Fleischer-, Bäcker-, Konditor- und Bierbrauerhandwerk sowie Manufakturen im Genuss- und Lebensmittelbereich, für die der belgische Markt gute Geschäftspotenziale bietet.

Die Veranstaltung ist kostenlos, weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung erhalten Sie hier: https://trade.nrwglobalbusiness.com/veranstaltungen/veranstaltungsdetails/online-informationsveranstaltung-markterkundungsreise-lebensmittelhandwerk-nach-belgien

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

30 Milliarden Euro stellen Bund und Länder in einer beispiellosen Solidaraktion für den Wiederaufbau der von Flut und Starkregen betroffenen Regionen zur Verfügung. Jetzt kommt es darauf an, dass die Wiederaufbauhilfe möglichst schnell ausgezahlt wird. Die Interessen der über 3.000 in NRW betroffenen Handwerksbetriebe bringen wir intensiv in die Beratungen mit der Landesregierung zur Aufstellung eines möglichst unbürokratischen Antragsverfahrens ein. 

Damit es nun bald auch endlich losgehen kann, werden aktuell die letzten Weichen gestellt. Zügig muss es gehen, das ist allen Beteiligten bewusst. Doch ebenso ist entscheidend, dass das Verfahren auch sicher ist. Das Geld muss die wirklich Betroffenen erreichen. Darauf haben auch die Steuerzahler einen Anspruch.

Die Solidarität des gesamten Handwerks war und ist beeindruckend. Es ist selbstverständlich, dass die Handwerkskammern den Betrieben im bald beginnenden Antragsverfahren zur Wiederaufbauhilfe zur Seite stehen. Nähere Informationen zur Beantragung der Hilfen werden in Kürze zur Verfügung gestellt.

Ebenso geben wir bei Bedarf Hilfestellungen bei der Suche nach Sachverständigen. Diese Sachverständigensuche bei der Begutachtung der Schäden könnte sich als Nadelöhr des gesamten Verfahrens erweisen, weil eben so viele Menschen und Betriebe betroffen sind. Auch hier bitten wir bundesweit Sachverständige, in den Katastrophengebieten die entsprechenden Aufträge wahrzunehmen.

Für den Wiederaufbau entscheidend ist dann die Frage, ob es gelingt, genügend Handwerkerinnen und Handwerker zu finden, die mit anpacken. Vielleicht ist das sogar die größte Herausforderung für die betroffenen Regionen. Nicht erst seit heute ist der Fachkräftemangel im Handwerk in vielen Betrieben real. Gleichzeitig sind die Auftragsbücher, gerade der in den Katastrophengebieten gefragten Gewerke, voll. Auch wenn es für viele Handwerksbetriebe eine Selbstverständlichkeit war und ist zu helfen, wird man beim Wiederaufbau die wirtschaftliche Realität nicht ausblenden können. Gute Ideen und attraktive Rahmenbedingungen sind gefragt, damit der Wiederaufbau so schnell wie möglich gelingt. 

Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

Leise Töne und viel Charakter:

Mitgliederversammlung des Westdeutschen Handwerkskammertages verabschiedet ehemalige Mitglieder

Am 25. August haben sich der WHKT-Vorstand und die Mitglieder der Vollversammlung auf Schloss Raesfeld getroffen, um im Rahmen einer festlichen Abendveranstaltung denjenigen zu danken, die 2019 und 2020 als Mitglieder der Vollversammlung ausgeschieden sind. Für die Laudatio reiste Herr Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart an. Mit sehr persönlichen Worten dankte er den sieben ehemaligen Mitgliedern jeweils für ihren Einsatz, der weit über die Mitwirkung in der Vollversammlung hinausragte.

Zu den verabschiedeten Mitgliedern der WHKT-Vollversammlung gehören:

Lena Strothmann, Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld
Dieter Philipp, Handwerkskammer Aachen
Klaus Feuler, Handwerkskammer Dortmund
Franz Wieching und Josef Trendelkamp, Handwerkskammer Münster
Willy Hesse und Helmut Hagemann, Handwerkskammer Südwestfalen

In seiner Laudatio sagte Minister Pinkwart: »Das handwerkliche Ehrenamt übernimmt Verantwortung für Wirtschaft und Gesellschaft. Wie wertvoll dieses Engagement ist, zeigt sich gerade jetzt nach der verheerenden Unwetterkatastrophe. Handwerk, Politik und Verwaltung haben hier schnell zusammengefunden, um zügige Hilfe zu organisieren und gemeinsame Lösungen für die Betroffenen zu finden. Das stellt beispielhaft die gute Kultur des Miteinanders bei uns in Nordrhein-Westfalen unter Beweis.«

»In der WHKT-Vollversammlung mitzuwirken, bedeutet, sich freiwillig in die erste Reihe zu stellen. Sei es für unsere Betriebe, für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, für die berufliche Aus- und Weiterbildung und vor allem  für die Themen, die sich für die Zukunft abzeichnen. Neben der Bewältigung der aktuellen Krisen ist dies vor allem die Digitalisierung, die Fachkräftesicherung sowie die Förderung von Nachhaltigkeit in allen ihren Ausprägungen. Damit dies gut gelingt, dürfen wir in der WHKT-Vollversammlung heute an das anknüpfen, was Lena Strothmann, Dieter Philipp, Klaus Feuler, Franz Wieching, Josef Trendelkamp, Willy Hesse und Helmut Hagemann maßgeblich gestaltet haben. Hierfür haben sie meine tiefe Bewunderung, meinen Dank und Respekt«, so Hans Hund, Präsident des WHKT, während der Verabschiedung.

»Das Ehrenamt ist eine Säule der handwerklichen Selbstverwaltung. Ohne sie wäre unser Berufsbildungssystem und vor allem die unmittelbare Mitwirkung unserer Betriebe und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wohl kaum so erfolgreich zu gewährleisten. Daher ist es uns wichtig, gerade denjenigen Anerkennung und Dank auszusprechen, die sich in unseren Gremien und Ausschüssen so viele Jahre für den Wirtschaftszweig Handwerk eingesetzt haben. Damit ehrenamtliches Engagement auch in Zukunft nach Kräften unterstützt wird, bauen wir im NRW-Handwerk derzeit eine Ehrenamtsakademie auf. Wir wollen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass ehrenamtliches Engagement für das Handwerk auch in Zukunft erfolgreich Fortsetzung findet«, so Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT.

Fotos zur Veranstaltung unter www.whkt.de/owncloud/index.php/s/d2aA556bLB08Zd5.

Einschätzung der Betriebe gefragt:

Berufliche Orientierung von Schulabgänger/innen – Wo stehen wir?

Wie können Betriebe passende Fachkräfte und Auszubildende finden und inwiefern spielen Aktivitäten der Beruflichen Orientierung wie Praktika, Berufsfelderkundungen und Kooperationen mit Schulen eine Rolle bei der Rekrutierung? Zu diesen Fragen führt die Prognos AG, im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS), eine Online-Befragung durch, welche Teil der Evaluation der Landesinitiative »Kein Abschluss ohne Anschluss – Übergang Schule-Beruf in Nordrhein-Westfalen« ist.

Die Einschätzungen und Erfahrungen der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber sind von zentraler Bedeutung für eine zielführende Weiterentwicklung des Systems der Beruflichen Orientierung in NRW.

Alle Betriebe können an der Befragung teilnehmen. Der WHKT ermutigt gerade Ausbildungsbetriebe dazu, sich an der Umfrage zu beteiligen, denn diese haben eine besondere Wahrnehmung für und viel Erfahrung mit jungen Menschen sowie rund um das Thema der Beruflichen Orientierung.

Die Befragung ist zu finden unter https://link.prognos.com/Befragung_KAoA.

Online-Teilnahme am 05.10 ab 13.00 Uhr möglich:

60 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei

Die »Regelung der Vermittlung türkischer Arbeitnehmer nach der Bundesrepublik Deutschland – Deutsch-türkische Vereinbarung vom 30. Oktober 1961« jährt sich 2021 zum 60. Mal. Zur Förderung einer gemeinsamen Erinnerungskultur lädt Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales gemeinsam mit der Landeskoordinierung Integration durch Qualifizierung (IQ) NRW beim Westdeutschen Handwerkskammertag, für den 05. Oktober 2021 zu einer hybriden Veranstaltung ein. Ziel ist es, im Austausch miteinander die Lebensleistungen von Menschen der ersten Anwerbegeneration würdigend in den Mittelpunkt zu stellen sowie thematisch die Fachkräfteeinwanderung und Teilhabe am Arbeitsmarkt hervorzuheben.

Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit dem Zentrum für Türkeistudien und Integrationsfordschung (ZfTi), dem Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW, der Handwerkskammer Dortmund, dem Ruhr Museum und der Initiative 60 Jahre MERHABA von ZfTI und der Bundeszentrale für politische Bildung.

Eröffnung: Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales (BMAS) und Dr. Joachim Stamp, Minister für Kinder, Frauen, Flüchtlinge und Integration Nordrhein-Westfalen (MKFFI NRW)

Keynote: Prof. Dr. Hacı-Halil Uslucan, Wissenschaftlicher Leiter des Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI)

Impuls: Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani, Uni Osnabrück, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien

Das vollständige Programm mit allen Podiumsgästen und Anmeldung zur Online-Teilnahme: https://www.iq-netzwerk-nrw.de/anwerbeabkommen

Handwerksstatistik 2020/2021 komplett:

Statistik zeigt: Trotz Pandemie Wachstum in verschiedenen Bereichen

Die Pandemie hatte im Jahr 2020 große Auswirkungen auf das nordrhein-westfälische Handwerk, wie das neu erschienene Kapitel »Handwerk im Überblick 2020« der Handwerksstatistik 2020/21 aufzeigt. Neben einer Aufschlüsselung der erfolgten Abschlussprüfungen in den einzelnen Handwerksgruppen und in den einzelnen Kammerbezirken bieten die handwerklichen Eckdaten für das vergangene Jahr interessante Einblicke in die Krisenfestigkeit des Handwerks.

So beschäftigt das nordrhein-westfälische Handwerk wie in den vergangenen Jahren etwa ein Fünftel der gesamtdeutschen Handwerker und Handwerkerinnen. Allerdings ging die Anzahl der Beschäftigten im Vergleich zu 2019 um 1,34 Prozent auf 1.178.364 Beschäftige zurück, während in Gesamtdeutschland ein Zuwachs um 0,65 Prozent festgestellt werden kann. Damit ist die Anzahl der Beschäftigten in NRW im Jahr 2020 zum ersten Mal seit 2016 nicht mehr gewachsen. Dasselbe gilt für die Ausbildungsverhältnisse, die im Vergleich zum Vorjahr in Nordrhein-Westfalen um 0,98 Prozent zurückgingen. Damit konnte sich auch hier der positive Trend aus 2019, als zum ersten Mal seit 2014 wieder über 80.000 Auszubildende einen handwerklichen Beruf erlernten, nicht fortsetzen.

Von der COVID-19-Pandemie unbeeindruckt zeigen sich hingegen andere Trends. So konnte trotz der Herausforderungen und Einschränkungen, die das Jahr 2020 mit sich brachte, der Umsatz des nordrhein-westfälischen Handwerks erneut um 1,7 Milliarden Euro gesteigert werden. Seit 2014 steigt somit der Umsatz kontinuierlich, auch wenn die Wachstumszahlen aus den vergangenen drei Jahren von jeweils über 4 Milliarden Euro im Jahr 2020 nicht mehr erreicht werden konnten.

Ein weiterer positiver Trend, der auch im Krisenjahr 2020 Bestand hatte, wird in dem neu erschienenen Kapitel »Handwerksunternehmen 2020« detailliert und nach einzelnen Handwerksberufen aufgeschlüsselt beleuchtet. Nachdem Anfang der 2010er Jahre die Anzahl der Handwerksunternehmen in Nordrhein-Westfalen fast schon stagnierte und nur ein geringes Wachstum in diesem Bereich zu verzeichnen war, steigerte sich die Anzahl der Handwerksunternehmen gegen Ende des Jahrzehnts um bis zu 2.125 pro Jahr im Jahr 2019. Diese Zahl wurde im Jahr 2020 zwar verfehlt, doch der Trend scheint sich auch in den 2020er Jahren fortzusetzen: Mit insgesamt 194.074 Handwerksunternehmen gibt es 1.655 Unternehmen mehr in NRW als im Vorjahr, in dem die bislang höchste Steigerung erreicht werden konnte.

Zurückzuführen ist dies vor allem auf 3.201 Unternehmensgründungen im Bauhauptgewerbe, eine Steigerung um 20,85 Prozent im Vergleich zu 2019. Erfreulicherweise kann auch im gewerblichen Bedarf (3,26 Prozent) und bei personenbezogenen Dienstleistungen (7,02 Prozent) eine Steigerung festgestellt werden, die die sinkenden Zahlen in den anderen Handwerksgruppen/-zweigen kompensieren. Eine detaillierte Aufschlüsselung dieser Zahlen sowie der Umsätze und Beschäftigten in den einzelnen Handwerksberufen findet sich ebenfalls im Kapitel »Handwerksunternehmen 2020«.

Mit diesen letzten Kapiteln ist auch die zusammenfassende Gesamtausgabe der Handwerksstatistik NRW 2020/2021 erschienen. Zum Stichtag 31.12.2020 bündelt diese die verschiedenen Themenbereiche und ist ab sofort unter www.whkt.de/statistik zum kostenlosen Download verfügbar.

Europa:

EU plant neuen Rahmen für städtische Mobilität

Aktuell konsultiert die Europäische Kommission interessierte Kreise zu einem neuen Rahmen für städtische Mobilität, den sie noch in diesem Jahr vorzulegen beabsichtigt. Zu erwarten ist kein Rechtsakt zur Regelung städtischer Verkehre, sondern eine Art Aktionsplan, der unterschiedliche Maßnahmen bündelt.

Rückwirkungen auf den Stadtverkehr hat zum Beispiel die Luftreinhalte-Richtlinie, die nach mehrmaliger Verzögerung im kommenden Jahr überarbeitet werden soll. Sie legt Grenz- und Richtwerte für Luftschadstoffe fest und hat in einer Reihe von Mitgliedstaaten zur Einführung von Umweltzonen geführt. Im Rahmen der Konsultation erfragt die Europäische Kommission nun, inwiefern der Flickenteppich an Einfahrtsregelungen zu Beeinträchtigungen führt. Überlegungen zu einer Art gegenseitiger Anerkennung oder Koordinierung im Bereich der Umweltzonen schwelen seit langem. 

Weitere Rechtsakte mit Rückwirkungen auf städtische Verkehre sind in der »Fit für 55-Initiative« verankert. Zur Förderung nachhaltiger Mobilität hat die Europäische Kommission im Juli 2021 einen Vorschlag für den Ausbau öffentlich zugänglicher Tank- und Ladestellen gemacht. Im Dezember 2021 folgen voraussichtlich weitere, teilweise neue Vorschläge für Ladepunkte in und an Gebäuden.

Ein besonderes Augenmerk ist auf das bestehende Instrument der Mobilitätspläne zu richten. Die sogenannten SUMPs (sustainable urban mobility plans) sind bisher ein freiwilliges Angebot zur Gesamtverkehrsplanung. Die Europäische Kommission erwägt, dieses Instrument aufzuwerten, es unter Umständen für Städte bestimmter Größenordnung verpflichtend zu machen.

Die Konsultation ist unter https://ec.europa.eu/ verfügbar. Eine Beteiligung ist bis zum 23. September 2021 möglich. Weitere Informationen zum Instrument »SUMP« sind unter https://www.eltis.org/ zu finden.

Neu erschienen:

Kurzvideo zum 7. Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW ist online

Auch in diesem Jahr fand der Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW – inzwischen zum siebten Mal – unter Teilnahme u.a. von Staatssekretär Christoph Dammermann auf Schloss Raesfeld statt.

Einen guten Eindruck des Treffpunkt Ehrenamtes bietet das aktuell erschienene Video, welches unter www.ehrenamt-handwerk-nrw.de/ abrufbar ist.

Der vom Westdeutschen Handwerkskammertag veranstaltete siebte »Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW« wurde gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIDE NRW).

Die Pressemeldung vom 02.07.2021 zur Veranstaltung finden Sie unter www.whkt.de/presse-aktuelles.

Ehrenamtsakademie Handwerk NRW:

Webseite der Ehrenamtsakademie Handwerk NRW (EAH) ist online

Mit der Webseite www.ehrenamtsakademie-handwerk.de hat der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) die Plattform der Ehrenamtsakademie Handwerk NRW (EAH) auf den Weg gebracht. Noch befindet sich die Webseite in der Aufbauphase. In den kommenden Monaten sollen Informations- und Qualifizierungsangebote zu Themen rund um das Ehrenamt im NRW-Handwerk ausgebaut werden.  

 »Wir wollen die Möglichkeiten, die sich im handwerklichen Ehrenamt bieten, für unsere Handwerkerinnen und Handwerker transparent machen«, so Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT. »Ob es um konkrete Informationsangebote zu rechtlichen Fragen oder zum Prüfungswesen, um Basiswissen zu Beteiligungsmöglichkeiten, den Aufbau der Handwerksorganisation oder um Termine unserer Partner geht – wir wollen mit der Webseite eine Anlaufstelle schaffen, von der das gesamte Ehrenamt im Handwerk profitiert«, so Matthias Heidmeier.

Sowohl der Nachwuchs, aber auch erfahrene Engagierte, sollen mit den Angeboten angesprochen werden. Wer sich über die Webseite für den Newsletter anmeldet, wird künftig über die Aktivitäten der EAH sowie Themen rund um das Ehrenamt im NRW-Handwerk informiert.

www.ehrenamtsakademie-handwerk.de

Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen:

Geballtes Know-how zu Qualifikationsanalysen in NRW – Kooperationsvereinbarung abgeschlossen

Auf gemeinsame Initiative des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT) und der Handwerkskammer Aachen haben sich die sieben Handwerkskammern in Nordrhein-Westfalen für eine engere Kooperation bei der Durchführung von Qualifikationsanalysen als Ausnahmefall im beruflichen Anerkennungsverfahren ausgesprochen. Die Handwerkskammern Aachen, OWL zu Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Münster und Südwestfalen unterstützen sich seit Jahren gegenseitig erfolgreich durch gemeinsame Klärung juristischer und verwaltungstechnischer Fragen, Erfahrungsaustausche rund um das Thema der BQFG-Antragsbearbeitung sowie die kollegiale Fallberatung.

Für die handlungsorientierte Kompetenzfeststellung der Qualifikationsanalyse gemäß § 14 BQFG bedarf es unter anderem einer dem Referenzberuf entsprechenden Infrastruktur sowie berufsfachlicher Expertinnen und Experten und idealerweise praktischer Erfahrungen mit solchen Fällen. Aus diesem Grund macht es Sinn, wenn sich Kammern in der gleichen Region gegenseitig arbeitsteilig unterstützen.

In insgesamt 25 verschiedenen Referenzberufen – von Anlagenmechaniker/in Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bis Zimmerer/in – haben sich die Handwerkskammern bereit erklärt, für die Durchführung der »sonstigen Verfahren« bei fehlenden schriftlichen Belegen nach individueller Absprache auch Antragstellende aus anderen Kammerbezirken in Nordrhein-Westfalen aufzunehmen.

Zu diesem Zweck wurde nun eine Kooperationsvereinbarung zwischen den zuständigen Geschäftsbereichen der NRW-Handwerkskammern abgeschlossen.

Auch in anderen Bundesländern gibt es Kooperationen zwischen Handwerkskammern zur Durchführung von Qualifikationsanalysen in bestimmten Referenzberufen. Derzeit arbeitet der Westdeutsche Handwerkskammertag zusammen mit den am Verbundprojekt »NetQA« beteiligten Handwerkskammern daran, solche Kooperationsformen bekannter zu machen und bundesweit zu etablieren.

Das BMBF-geförderte Projekt »NetQA – Netzwerk Qualifikationsanalyse« hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein bundesweites Netzwerk zur Durchführung von Qualifikationsanalysen für zuständige Stellen zu fördern. Die fachliche Steuerung des Verbundprojekts hat der WHKT inne. Die Gesamtkoordination verantwortet das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Mehrere Handwerkskammern sowie Industrie- und Handelskammern setzen das Projekt um. Weitere Informationen zum Projekt unter www.whkt.de/netqa.

Außenwirtschaft:

NRW Handwerk international dieses Jahr erstmalig mit eigenem Stand auf dem IHK-NRW-Außenwirtschaftstag 2021

Am 23. und 24. September 2021 ist das Netzwerk »NRW Handwerk international« der Koordinierungsstelle Außenwirtschaft in diesem Jahr erstmals mit einem eigenen Stand auf dem digitalen IHK-NRW-Außenwirtschaftstag vertreten. Auf seinem Stand informiert das Netzwerk über sein breites Spektrum an außenwirtschaftlichen Leistungen: Handwerksbetriebe aus NRW erhalten Unterstützung beim Start und bei der Ausweitung ihres Auslandsengagements, bei grenzüberschreitender Entsendung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Warenexporten.

Die Konferenz bietet zahlreiche Impulse zum Auslandsgeschäft. Interessierte Unternehmen haben die Möglichkeit, sich über aktuelle Entwicklungen im internationalen Geschäft zu informieren und von Vorträgen, Fachforen und Kontakten zu Fachausstellern zu profitieren. Anmeldungen zur Veranstaltung sind möglich unter https://register-me.org/ihk-awt2021/people/add.

NRW Handwerk international lädt Sie herzlich ein, am digitalen Stand vorbeizuschauen und das Informations- und Beratungsangebot zu nutzen. Beratung für ihre Auslandstätigkeit erhalten Unternehmen bei den Außenwirtschaftsberaterinnen und -beratern der Handwerkskammern: https://lgh.nrw/index.php/ihre-berater-innen.

»Für Engagement begeistern«:

Engagementpreis NRW 2022 ausgelobt

Andrea Milz, Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt des Landes Nordrhein-Westfalen, hat den Engagementpreis NRW 2022 ausgelobt. Unter dem Motto „»Für Engagement begeistern« sollen vorbildliche Projekte des bürgerschaftlichen Engagements gewürdigt und bekannt gemacht werden. Der Engagementpreis NRW wird in 2022 zum achten Mal vergeben.

Bewerben können sich ab sofort Vereine, Stiftungen, gemeinnützige GmbHs und Bürgerinitiativen, die mit kreativen Ideen und Ansätzen für Engagement begeistern.

Bewerbungsschluss ist der 30. September 2021. Bewerbungsunterlagen und weitere Informationen: www.engagiert-in-nrw.de/engagementpreis-nrw-2022-fuer-engagement-begeistern

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HANDWERK HILFT!

Liebe Leserinnen und Leser,

mitten in der Ferienzeit werden Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz von einer nie da gewesenen Hochwasserkatastrophe heimgesucht. Viele Tote, unzählige Verletzte und tausende vernichtete Existenzen haben im ganzen Land Mitgefühl und Solidarität ausgelöst. In der Spitze waren 23.000 Einsatzkräfte, darunter viele ehrenamtlich engagierte Handwerkerinnen und Handwerker, im Katastrophengebiet. Nach der unmittelbaren Hilfe in der Not wird das ganze Ausmaß der Schäden jeden Tag deutlicher.

Insgesamt gehen wir nach ersten vorsichtigen Schätzungen der Handwerkskammern landesweit von etwa 3.200 stark eingeschränkten oder nicht arbeitsfähigen Handwerksbetrieben infolge des Hochwassers aus. Der Schaden allein im Handwerk dürfte, wenn man die Erfahrungen vergangener Hochwasser-Katastrophen zugrunde legt, weit über 150 Millionen Euro groß sein. Aber: Das sind nur erste Schätzungen ohne Gewähr. Viele Informationen aus den Katastrophengebieten liegen verständlicher Weise noch gar nicht vor. Die weiteren Schadensbegutachtungen in den kommenden Tagen und Wochen müssen abgewartet werden. Die Handwerksorganisationen in NRW haben ihre große Solidaritat ausgedrückt (siehe gemeinsame Pressemitteilung von WHKT, Handwerk.NRW, und UVH >). Den betroffenen Betrieben stehen die Handwerkskammern und die Handwerksorganisationen vor Ort zur Seite.

Überwältigend ist die Hilfsbereitschaft in allen Teilen der Gesellschaft. Viele packen vor Ort mit an – gerade auch Handwerkerinnen und Handwerker. Die vielen tausend Heldengeschichten vor Ort müssen erzählt und gewürdigt werden. Zwar ist für die Helferinnen und Helfer vieles »selbstverständlich« und »nicht der Rede wert«, doch das Gegenteil ist der Fall. Genau dieses Engagement und diese Zivilcourage ist es, die unsere Gesellschaft zusammenhält. Ohne diesen Zusammenhalt ist die Bewältigung der Katastrophe gar nicht möglich.

Die Katastrophe ist längst nicht zu Ende. Angesichts der Milliardenschäden reichen staatliche Hilfen allein nicht aus. Die Spendenbereitschaft ist deswegen zurecht enorm.

Viele im Handwerk wollen ihren Beitrag leisten und spenden. Die Handwerkskammer zu Köln hat stellvertretend für die Handwerkskammern in allen betroffenen Regionen ein Spendenkonto eingerichtet, um die in Not geratenen Handwerksbetriebe gezielt zu unterstützen.

Spendenkonto: Sparkasse KölnBonn
Empfänger: Handwerkskammer zu Köln
IBAN: DE63 3705 0198 1902 5913 28
BIC: COLSDE33XXX
Stichwort: Hochwasserhilfe „Handwerk hilft“

Nach der unmittelbaren Katastrophenhilfe wird nun der Wiederaufbau und die Reparatur der Schäden von Tag zu Tag wichtiger. Die Soforthilfe, die Bund und Länder dankenswerterweise sehr schnell auf den Weg gebracht haben, war nur der notwendige erste Schritt. Ein Aufbaufonds soll den betroffenen Regionen und auch den gebeutelten Betrieben den Neustart ermöglichen. Hierfür ist es jetzt nötig, dass die Schadensermittlung und -schätzung zügig vorangetrieben wird, denn nur so können die nötigen finanziellen Mittel bereitgestellt werden. Trotz aller Schwierigkeiten bei der Begutachtung ist dabei Eile geboten. Nicht nur für viele Handwerksbetriebe und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hängt daran ihre Existenz.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

Hochwasserkatastrophe:

Unterstützung von und für Handwerksunternehmen

Viele Tote, zerstörte Ortschaften und weggerissene Häuser: Die Flutkatastrophe hat ein Bild der Verwüstung hinterlassen, hunderte Existenzen vernichtet und Menschen traumatisiert. So groß die Not ist, so groß ist allerdings auch die Solidarität und Hilfsbereitschaft seitens der Bevölkerung und der Unternehmen. Die Handwerksorganisationen haben für alle Hilfe suchenden und Hilfe bietenden Unternehmen und Privatpersonen Sonderseiten zur Hochwasserkatastrophe eingerichtet. Handwerkerinnen und Handwerker, die Material, helfende Hände oder Räumlichkeiten benötigen, sowie jene, die helfen möchten, finden im Folgenden aktuelle Links zu Hilfs- und Informationsangeboten:

HWK Aachen: Krisenhotline, Kollegenhilfe – Handwerk hilft Handwerk, Förderhilfen und zinsgünstige Darlehen, Steuerliche Maßnahmen und Kurzarbeitinformationen
Die Handwerkskammer Aachen hat eine Hotline für Handwerksbetriebe eingerichtet, die Montag bis Donnerstag von 8.00 bis 17.00 Uhr und Freitag bis 14.00 Uhr erreichbar ist. Zusätzlich koordiniert die Kammer Hilfsangebote von Handwerksunternehmen, die mit Vor-Ort-Einsätzen, Material/Gerät oder Lagerflächen helfen möchten. Handwerksunternehmen können sich auf einer speziell eingerichteten Umfrageseite als Helfende bzw. Hilfesuchende eintragen. Für Förderhilfen und zinsgünstige Darlehen hat die Kammer auf ihrer Seite Links zu NRW-Fördermaßnahmen und regionalen Finanzinstituten hinterlegt.
www.hwk-aachen.de/artikel/hochwasser-in-der-region-33,0,811.html

HWK Dortmund: Informationen zu Hilfsmaßnahmen, Versicherungsschutz, Arbeits- und Vertragsverhältnissen, Kurzarbeit und Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen; Weiterführende Links und Broschüren
Betroffene Unternehmen aus dem Kammerbezirk Dortmund finden auf der Hochwassersonderseite der Kammer Informationen zu Bundes-, Landes- und Unwetterhilfen der NRW-Bank, steuerlichen Hilfsmaßnahmen der Finanzverwaltung NRW, zur Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen sowie rechtliche Hinweise zu Arbeits- und Vertragsverhältnissen. Ergänzt werden alle Informationen um weiterführende Links, z.B. zum Ratgeber »Notfallvorsorge und Katastrophen« der BKK. Zusätzlich steht allen betroffenen Handwerksunternehmen das Team der Unternehmensberatung sowie des Justiziariats für Fragen zur Verfügung.
www.hwk-do.de/artikel/hochwasser-katastrophe-unsere-berater-sind-fuer-sie-da-37,0,1108.html

HWK Düsseldorf: Handwerk hilft Handwerk, Erste Schritte bei Schäden, Finanzielle Hilfen, Informationen zu Steuern, Versicherungsschutz, Arbeits- und Vertragsverhältnissen etc.
Betriebe, die Hilfe suchen, sowie Betriebe und Privatpersonen, die Hilfe anbieten möchten, haben auf der Fluthilfeseite der HWK Düsseldorf die Möglichkeit, sich zu melden; Hilfsangebote (Material/Geräte, Dienstleistungen oder Räumlichkeiten, regional/überregional) werden in einer Liste gesammelt und betroffenen Unternehmen zur Verfügung gestellt. Darüber finden sich auf der Seite Informationen zu ersten Schritten nach erlittenen Schäden sowie Links zu Finanzhilfen von Bund, Land, NRW- und Bürgschaftsbank. Rechtliche Hinweise zu Arbeits- und Vertragsverhältnissen runden das Angebot ab.
www.hwk-duesseldorf.de/artikel/hochwasser-handwerk-hilft-handwerk-31,0,5177.html

HWK zu Köln: Erste Schritte, Sperrmüll, Gas- und Stromversorgung, Leistungsverzögerungen wegen Betriebsschließungen, Sachverständigenliste, Förderprogrammübersicht, Hilfsangebote und -gesuche
Die HWK zu Köln bietet auf ihrer Hochwassersonderseite praktische Tipps für betroffene Unternehmen: Dringend empfohlene einzuhaltende erste Schritte, Umgang mit angefallenem Sperrmüll und das Verhalten bei der erneuten Inbetriebnahme von Gas- und Stromleitungen. Darüber hinaus finden Unternehmen Hinweise zu Mietminderungen und was bei Auftragsverzögerungen bzw. -ausfällen zu beachten ist. Zusätzlich gibt es Informationen zu Kurzarbeitergeld, Regelungen zu Freistellungen von ehrenamtlich engagierten Mitarbeitenden sowie eine Übersicht von Förderprogrammen und öffentlich bestellten Sachverständigen. Auf der Sonderseite »Unser #Handwerkhilft« können sich Unternehmen mit Hilfegesuchen bzw. -angeboten eintragen.
www.hwk-koeln.de/artikel/hochwasser-im-kammerbezirk-koeln-32,0,2424.html
www.hwk-koeln.de/32,0,2427.html

HWK Münster: Broschürenangebot für Prävention und Notfallmaßnahmen: Maßnahmen für Unternehmen bei Hochwasser, Checkliste (Prävention, Akutmaßnahmen, Nachsorge), Hochwasserrichtlinie
Für Handwerkerinnen und Handwerker, die sich vor Hochwasserereignissen schützen wollen, bietet die HWK Münster Broschüren und Checklisten, mit denen man das eigene Unternehmen bestmöglich vor den Gefahren von Hochwasser schützen kann. Entstanden sind diese im Rahmen des Projekts »X-Regio – Weiterhin sicher arbeiten«: Unternehmen in hochwassergefährdeten Gebieten planten anhand eines Leitfadens eigene Gefahrenabwehrmaßnahmen, die anderen Betrieben innerhalb gefährdeter Gebiete helfen sollen, für den Fall der Fälle gewappnet zu sein. Betroffene Unternehmen finden in der »Checkliste bei Hochwasser« einen Akutmaßnahmenplan, an dem sie sich orientieren können.
www.hwk-muenster.de/de/betriebsfuehrung/standortfragen/hochwasserschutz

HWK Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld: Hilfe für Flutopfer: Bereitstellung von Bautrocknern, Schlagbohrhämmern, Stromaggregaten, Hochdruckreinigern und Luftentfeuchtern
Um den akuten Bedarf an Bautrocknern zu decken, organisiert die HWK zusammen mit der IHK Sammelstellen bei der Heinrich Grotemeier GmbH in Bielefeld und Bünde sowie der Feuerwehr in Paderborn. Die Meldung über verfügbare Geräte erfolgt durch IHK und HWK an das NRW-Innenministerium. Der bedarfsorientierte Transport der Geräte von den Sammelpunkten in die Hochwasserschadensgebiete wird vom Land organisiert. Zusätzlich können Unternehmen Schlagbohrhammer, Stromaggregate, Hochdruckreiniger und Luftentfeuchter im Logistikzentrum der Halfar System GmbH und beim Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld zur Verfügung stellen.
www.handwerk-owl.de/artikel/handwerk-hilft-handwerk-in-nrw-haelt-zusammen-und-unterstuetzt-35,0,650.html
www.handwerk-owl.de/artikel/hilfe-fuer-flutopfer-35,0,657.html

HWK Südwestfalen: Handwerk hilft Handwerk, Hilfsangebote sortiert nach Gewerken/Landkreisen, Wichtige Schritte für Betroffene, Informationen zu finanzieller Unterstützung und Kurzarbeit, Sachverständigennavi
Auf den Sonderseiten der HWK Südwestfalen finden betroffene Unternehmen Informationen zu wichtigen Schritten nach dem Hochwasser, Regelungen zu Kurzarbeitergeld sowie zu finanziellen Unterstützungsangeboten seitens des Landes sowie der NRW- und Bürgschaftsbank. Zur Abbildung der teilweise noch chaotischen Schadenslage hat die HWK eine Umfrageseite eingerichtet. Unternehmen, die sich mit einem Hilfsangebot in einem oder mehreren Landkreisen registrieren lassen möchten, können dies über ein Formular erledigen. Unternehmen, die professionelle Hilfe bei der Schadensbegutachtung benötigen, finden eine direkte Verlinkung zum Sachverständigennavi des WHKT.
www.hwk-swf.de/artikel/handwerker-helfen-handwerkern-38,0,719.html
www.hwk-swf.de/artikel/beschlossen-5-000-euro-soforthilfe-fuer-betriebe-38,0,714.html
www.hwk-swf.de/artikel/sachverstaendige-helfen-opfern-der-flutkatastrophe-38,0,720.html

Tischler NRW: Fragen und Antworten zu Hochwasserschäden: Versicherungen, Finanzhilfen, Juristische Fragen, Hilfsangebote von Betrieben und Tischlerpartnern
Der Fachverband Tischler hat auf seiner Sonderseite zahlreiche Informationen in Form von FAQs aufbereitet. Diese sind in vier Bereiche gegliedert: Versicherungen, Finanzhilfen, Juristische Fragen, Hilfsangebote von Betrieben und Tischlerpartnern. Betroffene Unternehmen finden dort detailliert in einer umfangreichen FAQ-Liste Antworten zu den drängendsten Fragen sowie Kontaktdaten der jeweiligen Ansprechpartner beim Fachverband. 
www.tischler.nrw/hochwasser/

Fachverband Sanitär Heizung Klima, Nordrhein-Westfalen (SHK NRW): Hochwasserhandlungsempfehlungen, BDA-Leitfaden, Meldepool für hilfswillige Betriebe, Spendenkonto für in Not geratene SHK-Betriebe
Mitgliedsbetriebe des Fachverbands SHK NRW, die unmittelbar im Katastropheneinsatz sind oder mit Hochwasserschäden, beispielsweise in beschädigten Kellerräumen, konfrontiert sind, finden auf den Sonderseiten regelmäßig aktualisierte Handlungsempfehlungen zu den betroffenen Anlagen (Gas, Öl, Wasser, Elektro etc.), aber auch zum Selbstschutz und den ihrer Mitarbeitenden. Vom Hochwasser betroffene Unternehmen finden im aktualisierten BDA-Leitfaden eine erste Orientierung bei Fragen. Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung des Landes bittet SHK-Handwerkerinnen und Handwerker um personelle Unterstützung in den betroffenen Gebieten; Interessierte können sich in einen eigens geschaffenen Meldepool eintragen.
www.shk-nrw.de/news.php
https://www.shk-nrw.de/news.php?id=2114

Fachverband Elektro-und Informationstechnische Handwerke Nordrhein-Westfalen (FEH NRW): Hochwasserhilfe von und für betroffene Betriebe, Hinweissammlung: Erste Schritte, Versicherungsmeldung, Arbeitsrechtliche Fragen, Finanzielle Hilfen, Sicherheitshinweise & Leitfaden
Für Betriebe des Elektrohandwerks hat der Fachverband Elektro eine Sonderseite mit zahlreichen Hinweisen eingerichtet. Diese richten sich sowohl an betroffene Unternehmen, die in der aktuellen Lage Unterstützung benötigen, ebenso wie an Betriebe, die vor Ort als Helfende tätig sind. Zusätzlich können Handwerker und Handwerkerinnen sowohl Hilfsgesuche als auch Hilfsangebote an eine Sonderemailadresse schicken, die vom FEH NRW gemeinsam auf Innungs-, Landes und Bundesebene organisiert und koordiniert wird.
www.feh-nrw.de/aktuelles/hochwasser.html

Landesverband der Kreishandwerkerschaften: »Handwerk hilft Handwerkern«
Wie kann man nachhaltig helfen?, fragt der Landesverband der Kreishandwerkerschaften. Gefragt sind nämlich nicht nur kurzfristige Hilfen, sondern auch Angebote, die den in der Hochwasserregionen betroffenen Handwerksunternehmen helfen sollen durchzuhalten und einen Neustart zu schaffen. Können z.B. Maschinen, Geräte oder Materialien zur Verfügung gestellt werden, damit der Handwerksbetrieb weiterarbeiten kann? Entsprechende Angebote von hilfsbereiten Handwerkern werden entsprechend weitergeleitet. Hierzu ist ein bequemes Formular eingerichtet worden. Die Angebote werden den Kreishandwerkerschaften in den betroffenen Gebieten übermittelt.
www.lv-kh.nrw/handwerk-hilft-handwerkern


Überregionale Hilfsaktionen: Handwerk hilft Handwerk, Umfrage der HWK Trier, Spendenaktion »Handwerk hilft«, »Bäcker helfen Bäckern«, Handwerkerhelfen.de, Hilfsaktion des Dachdeckerhandwerks u.v.m.
Die Deutsche Handwerkszeitung (DHZ) informiert über zahlreiche überregionale Spenden und Hilfsaktionen im gesamten Bundesgebiet.
www.deutsche-handwerks-zeitung.de/hochwasser-katastrophe-so-koennen-handwerker-helfen-192200/

Aufruf zum Impfen:

Handwerk krempelt die Ärmel hoch

Der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) ruft alle Handwerkerinnen und Handwerker in Nordrhein-Westfalen dazu auf, sich nun gegen das Corona-Virus impfen zu lassen, soweit es nicht bereits erfolgt ist.

WHKT-Präsident Hans Hund erklärt dazu: »Das Impfen ist der einzige Ausweg aus der Pandemie. Nur eine weitgehend geimpfte Gesellschaft wird das Virus in den Griff bekommen. Die Beschäftigten im nordrhein-westfälischen Handwerk sollten mit gutem Beispiel vorangehen und sich impfen lassen.« Die Impfung sei nicht nur eine Frage gesellschaftlicher Solidarität, sondern auch ein Beitrag zu sicheren und gesunden betrieblichen Abläufen. »Jeder der sich impfen lässt, sichert auch das wirtschaftliche Leben und damit Arbeitsplätze«, so Hans Hund. Im nordrhein-westfälischen Handwerk arbeiten rund 1,2 Millionen Beschäftigte.

Der Vertreter der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im WHKT-Vorstand, Vizepräsident Felix Kendziora, ruft seine Kolleginnen und Kollegen dazu auf, jetzt nicht mehr zu zögern und die Impfung durchführen zu lassen, zumal in diesem Sommer offenbar jedem Impfwilligen ein Impfangebot unterbreitet werden kann. Genug Impfstoff scheint nun da zu sein. »Handwerkerinnen und Handwerker zeigen jeden Tag, dass sie anpacken können und die Ärmel hochkrempeln. Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln für die Impfung gegen das Corona-Virus. Durch eine Impfung kann jeder seinen Beitrag für ein gutes Miteinander im Handwerk leisten«, appelliert Vizepräsident Kendziora an die Beschäftigten.

Jüngste Zahlen zeigen, dass die Impfkampagne in den vergangenen Tagen an Fahrt verloren hat. Hier will nun auch das Handwerk gegensteuern und ruft alle noch nicht Geimpften dazu auf, sich immunisieren zu lassen. Die Impfstoffe seien sicher und entsprächen höchsten Standards. Die Krankheit habe bisher schon über 90.000 Menschen in Deutschland das Leben gekostet. »An der Aufklärungsarbeit, die Vorurteile gegen das Impfen entkräftet, will sich das Handwerk weiterhin intensiv beteiligen. Die Handwerksbetriebe und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben in der Pandemie bislang außerordentlich verantwortungsvoll gehandelt. Jetzt gilt es, die letzten Zweifler beim Thema Impfen zu überzeugen, denn wir alle wollen die Pandemie so schnell wie möglich hinter uns lassen«, erklärt Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT.

Um die Aufklärungsarbeit zu unterstützen, hat der WHKT jüngst eine neues Kampagnenmotiv vorgestellt. Es trägt die Überschrift »Handwerk krempelt die Ärmel hoch – nicht nur zum Arbeiten. Impfen schützt. #ÄrmelHoch«

Europa:

Überblick über das Klimapaket der EU

Am 14. Juli 2021, im Schatten der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen, hat die Europäische Kommission den ersten Teil des so genannten »Fit für 55«-Pakets vorgelegt. Die Zahl 55 steht dabei für das europäische Klimaziel, die Treibhausgasemissionen der EU bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 1990 zu verringern. Nachdem lange abstrakt über Zielwerte diskutiert wurde, zeigt »Fit für 55« nun erstmalig, wie der im Europäischen Klimagesetz festgeschriebene Zielwert regulatorisch erreicht werden soll.

Das Paket ist umfangreich. Es umfasst 15 Vorhaben aus den Bereichen Klima-, Energie-, Verkehrs- und Steuerpolitik. Eine Vielzahl der Maßnahmen zielt auf die Sektoren Verkehr und Gebäude und damit auf Bereiche, die für Handwerksunternehmen von besonderer Bedeutung sind.

Zu den Neuerungen gehört, dass auf europäischer Ebene ein Emissionshandelssystem für Gebäude und Verkehr geschaffen werden soll. Es soll als vom geltenden Emissionshandel getrenntes, eigenes System errichtet werden. Geplant ist, dass der Zertifikatehandel nach einer Vorbereitungsphase im Jahr 2026 startet. Die Schaffung eines zweiten ETS war wegen der für Endverbraucher zu erwartenden Preiseffekte im Vorfeld stark umstritten. Zum Ausgleich von Härten, die besonders betroffenen Verbrauchern und Kleinstunternehmen durch infolge der CO2-Bepreisung steigende Energiekosten entstehen, schlägt die Europäische Kommission einen Klimasozialfonds vor. Dieser wird gespeist aus einem bestimmten Anteil der ETS-Erlöse und nationaler Kofinanzierung. Er erlaubt es Mitgliedstaaten, Fondsmittel einzusetzen, um zusätzliche Anreize zum Austausch von Anlagentechnik zu schaffen, zur Unterstützung von bedürftigen Mietern mit Blick auf die energetische Gebäudesanierung, für Vergünstigungen beim Erwerb von Lastenrädern oder Fahrzeugen mit alternativen Antrieben und der entsprechenden Infrastruktur sowie Maßnahmen, die die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs kostengünstiger machen.

Trotz Einführung des Emissionshandels verbleiben Gebäude und Verkehr weiterhin auch im Anwendungsbereich der Klimaschutzverordnung – europäisch »effort-sharing«. Im Rahmen der Klimaschutzverordnung werden die Mitgliedstaaten verpflichtet, ein festgelegtes nationales Emissionsreduktionsziel zu erreichen. Für Deutschland steigt dieser Zielwert nach den Plänen der Europäischen Kommission von aktuell -38 auf -50 Prozent bis zum Jahr 2030. Das bedeutet, dass die Bundesregierung mit nationalen Maßnahmen erhebliche weitere Einsparungen erreichen muss. Die Doppelerfassung war umstritten. Sie führt absehbar zu weiteren Belastungen und ist strenggenommen auch systemwidrig, weil nationale Regulierungen in die Preisbildung des europäischen Emissionshandels eingreifen.

Für die geltenden ETS-Sektoren, energieintensive Industrie und Energiewirtschaft, gilt die Doppelerfassung nicht. Die Vorgaben der ETS-Richtlinie werden verschärft. Zugleich sind besondere Kompensationsmechanismen vorgesehen. So bleibt die freie Zuteilung von Zertifikaten – unter strengeren Vorgaben – erhalten, Carbon Contracts for Difference sind aus dem Innovationsfonds des ETS förderfähig und der neu zu schaffende Grenzausgleichmechanismus zu Drittländern, genannt CBAM, soll ab 2025 in den Bereichen Stahl und Eisen, Zement, Düngemittel, Aluminium und Elektrizität die Abwanderung energieintensiver Produktion in Länder mit weniger ambitionierten Klimaauflagen und daher günstigeren Produktionsbedingungen verhindern.

Änderungen für Gebäudesektor ergeben sich darüber hinaus auch aus der Überarbeitung der Energieeffizienzrichtlinie und der Richtlinie über erneuerbare Energien. Die Effizienzrichtlinie sieht unter anderem vor, die Renovierungsquote für öffentliche Gebäude zu erweitern. Bisher gilt ein jährliches 3-Prozent-Ziel für Regierungsgebäude auf Bundesebene, künftig soll es nach dem Vorschlag der Europäischen Kommission für öffentliche Gebäude auf sämtlichen Ebenen gelten. Zu erreichen wäre ein »Nahe-Null-Energiehausstandard«, der voraussichtlich in der Gebäudeenergierichtlinie, deren Überarbeitung im zweiten Paket im Dezember 2021 geplant ist, weiter konkretisiert wird.

Von Bedeutung für Betriebe ist ferner die Ausweitung der Auditpflicht, die sich künftig statt an der Unternehmensgröße am Energieumsatz orientieren soll. Das heißt, auch kleine und mittlere Unternehmen können in Zukunft der Auditpflicht unterliegen. Maßgeblich ist ein durchschnittlicher jährlicher Energieverbrauch von 10 Terajoule über drei Jahre. Einen solchen Wert können energieintensive Handwerke durchaus erreichen. Ab einem Verbrauch von 100 Terajoule pro Jahr sollen Unternehmen zur Einführung eines Energiemanagementsystems verpflichtet sein. Das dürfte für Handwerksbetriebe allenfalls in Einzelfällen relevant sein.

Die erneuerbare Energien-Richtlinie (RED) sieht unter anderem vor, den Anteil erneuerbarer Energien bei der Wärmeversorgung zu steigern und für Neubauten einen verpflichtenden Anteil erneuerbarer Energien vorzuschreiben. Diesbezüglich erlangt die für das Handwerk bedeutende Frage der Rolle von Nah- und Fernwärme an Bedeutung. Festzustellen ist, dass die Anforderungen an die Einspeisung erneuerbarer Energien in Nah- und Fernwärmenetze steigen, dies aber in vergleichsweise kleinen Schritten. Ein 75-Prozent-EE-Anteil ist erst im Jahr 2045 zu erreichen.

Von erheblicher Relevanz für das Handwerk könnte Art. 18 Abs. 3 werden. Hier schreibt die Europäische Kommission, ähnlich wie bei der ersten Erneuerbaren-Richtlinie im Jahr 2008, die Zertifizierung von »Installateuren« vor. Der Begriff »gleichwerte Qualifizierung« wurde gestrichen. Das kann ein Versehen sein, ist es wahrscheinlich aber nicht. Ziel der Neuregelung ist, möglichst schnell möglichst viele Handwerkerinnen und Handwerker in die Lage zu versetzen, Anlagen zu installieren. Deswegen sollen auch von Herstellern und Händlern angebotene Lehrgänge zertifizierungsfähig sein. Insgesamt birgt dieser Ansatz – neben berufsbildungspolitischen Bedenken – die Gefahr, dass »Installateure« zwar die Anlage montieren, die systemischen Rahmenbedingungen aber nur unzureichend einschätzen können.

Der zweite große Schwerpunkt des Pakets betrifft den Bereich Verkehr. Durch die Presse ging insoweit die Information, dass die Europäische Kommission beabsichtigt, die Obergrenzen für den CO2-Ausstoß von Fahrzeugflotten weiter zu senken, sodass ab dem Jahr 2035 nur noch emissionsfreie leichte Fahrzeuge zugelassen werden können. Parallel dazu sollen öffentlich zugängliche Ladepunkte und Wasserstofftankstellen ausgebaut werden.

Für bestehende Flotten werden die laufenden Kosten steigen. Die Energiesteuerrichtlinie sieht insbesondere die Umstellung der Besteuerung bei Energieerzeugnissen und elektrischem Strom unter Wahrung von Mindeststeuersätzen auf den Energiegehalt vor, wodurch das Dieselprivileg entfällt. Alternative Kraftstoffe wie grüner Wasserstoff sollen für die nächsten 10 Jahre einem Mindeststeuersatz von Null unterliegen. Jenseits der verkehrlichen Bedeutung sieht der Vorschlag vor, wesentliche Steuerentlastungen für Handwerksbetriebe abzuschaffen, so dass die betrieblichen Steuerlasten insgesamt steigen werden.

Die Vorschläge der Europäischen Kommission sind im Internet unter https://ec.europa.eu/info/strategy/priorities-2019-2024/european-green-deal/delivering-european-green-deal_en verfügbar.

Ehrenamtsakademie Handwerk NRW (EAH):

Gelungene Workshop-Runden zum Thema »Nachwuchs im Ehrenamt«

Am 28. und am 30. Juni 2021 sprachen Vertreter aus den Handwerkskammern Dortmund und Aachen sowie ehrenamtlich Engagierte aus der Handwerksorganisation gemeinsam mit der Ehrenamtsakademie über die Situation im regionalen Ehrenamt, insbesondere über das Thema Nachwuchs.   


Handwerkskammer Dortmund
Am 28. Juni 2021 ging es darum, passende Wege aufzuzeigen, wie, wo und wann man Menschen im Handwerk erreicht und dafür begeistert, sich neben Beruf und Familie in unterschiedlichsten Gremien zu engagieren. Kammer-Präsident Berthold Schröder, Hauptgeschäftsführer Carsten Harder und der Stv. Hauptgeschäftsführer Henrik Himpe sprachen dazu mit Engagierten aus verschiedenen Bereichen des handwerklichen Ehrenamtes. Die einhellige Meinung der Runde lautete: zuhören, die Interessen und Sichtweisen des Einzelnen ernst nehmen und Gestaltungsräume öffnen. Ehrenamt sei ein Privileg, nicht nur Zuschauer zu sein, sondern auch mitzugestalten. Sich dabei gemeinsam für eine Sache stark zu machen, könne gleichfalls andere davon überzeugen, mitzumachen und gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten.

Dass Betriebe noch besser und breiter über die Notwendigkeit von ehrenamtlichem Engagement in der Handwerksorganisation informiert werden sollten, sei nicht von der Hand zu weisen. Leider mangele es bisweilen an der Bereitschaft, Mitarbeiter für die Ausübung eines Amtes freizustellen. Doch da, wo ehrenamtliches Engagement vorgelebt und im Idealfall auch von Generation zu Generation weitergegeben werde, sei das Verständnis deutlich größer.

Praxisberichte aus der Region Dortmund lieferten Bernhard Mertens (Obermeister und Geschäftsführer der Schornsteinfeger-Innung für den Regierungsbezirk Arnsberg), Caroline Brosch (Schilder- und Lichtreklameherstellermeisterin, stellvertretendes Mitglied im Berufsbildungsausschuss und ordentliches Mitglied in der Vollversammlung der Handwerkskammer Dortmund) sowie Robin Schulz und Jan Weiskamp (Junioren des Handwerks Ortsverband Dortmund, Vorstandsvorsitzender und stellvertretender Vorsitzender). Einen Blick auf das bundeweite ehrenamtliche Engagement sowie Erfahrungswerte, um das Diskutierte umzusetzen, lieferte Jan Holze (Vorstand der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt).


Handwerkskammer Aachen
Felix Kendziora, Vizepräsident (AN) und Hauptgeschäftsführer Peter Deckers sprachen am 30. Juni 2021 darüber, welche Wege es gibt, neue Prüfungsausschussmitglieder anzusprechen und zu gewinnen. Fazit der Runde: das Ehrenamt braucht mehr Transparenz und mehr Diversität in der Ansprache und Information. Insbesondere bei den Auszubildenden und Gesellinnen und Gesellen sei nur unzureichend bekannt, dass man sich im Prüfungsausschuss engagieren und mitgestalten könne. Gleichfalls gelte es hier, sprachliche Hürden auszuräumen und Berührungsängste abzubauen.

Als Einsteiger nicht direkt die volle Verantwortung zu tragen und durch Hospitation in eine neue Rolle hineinwachsen zu können sei sicherlich ein positiver Anreiz, sich mit einer neuen Tätigkeit auseinanderzusetzen. Zunächst Teilverantwortung zu tragen und durch Qualifizierungsangebote nach und nach mehr Sicherheit und Handlungsfähigkeit zu erlangen sei der richtige Weg, Spaß und Lust am Ehrenamt zu wecken. Das sei besonders wichtig, wenn es darum gehe, Ämter langfristig auszuüben.

Praxisberichte aus der Region Aachen lieferten neben Felix Kendziora: Ursula Gelück-Leymann (Dachdecker- und Klempnermeisterin, Vorsitzende des Gesellenausschusses des Dachdeckerhandwerks der Handwerkskammer Aachen), Ute Dreser-Feldges (Leiterin des Aachener Berufskollegs Mies-van-der-Rohe), Milad Kakone (Friseurmeister und Mitglied des Gesellenprüfungsausschusses), Uwe Günther (Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rureifel) sowie Richard Graf (Geschäftsbereichsleiter Fachbereich Prüfungen der Handwerkskammer Aachen).

Neu erschienen:

LGH-Geschäftsbericht 2020 veröffentlicht

Mit dem Untertitel »Ideen Umsetzen – Zukunft gestalten« steht der Geschäftsbericht der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) für das Jahr 2020 als Download zur Verfügung.Er zeigt auf, welche Wirtschaftsförderungsmaßnahmen für das Handwerk in NRW von der LGH im abgelaufenen Geschäftsjahr umgesetzt und für die Zukunft weiterentwickelt werden konnten.

Auch wenn das Jahr 2020 von den Anstrengungen zur Bewältigung der Folgen der Corona-Krise in vielen Bereichen geprägt war, konnten alle laufenden Maßnahmen flexibel und erfolgreich umgesetzt werden. Mit Blick auf die zukünftige Wirtschaftsförderung des Handwerks in NRW wurden neue Projekte vorbereitet, welche im nun laufenden Jahr in die Umsetzung gelangen, so zur Außenwirtschaftsförderung, der Digitalisierung und Fachkräftesicherung sowie die Erneuerung der Meistergründungsprämie NRW.

Der Geschäftsbericht steht unter https://lgh.nrw/index.php/service/downloads/geschaeftsberichte zum Download bereit.

Innovationspreis Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen 2021:

Vorbereitungen der Beiträge für die Jury gestartet

Mit innovativen Produkten und Verfahren machen sich viele Handwerksbetriebe in Nordrhein-Westfalen fit für die Zukunft. Die besten Ideen würdigt das Wirtschafts- und Digitalministerium mit dem »Innovationspreis Handwerk« des Landes Nordrhein-Westfalen. Der mit jeweils 10.000 Euro dotierte Preis wird vergeben an einen herausragenden Betrieb mit weniger als zehn Beschäftigten sowie an ein Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Knapp 30 Handwerksbetriebe haben sich bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist Mitte Juli 2021 online mit ihren Innovationen an dem Wettbewerb beteiligt. Im nächsten Schritt organisiert der WHKT in Abstimmung mit dem Ministerium die Aufbereitung der Beiträge für die finale Bewertung durch die einberufene unabhängige Jury.
Die zu prämierenden Preisträgerinnen und Preisträger werden rechtzeitig vor der offiziellen Preisverleihung am 4. Oktober 2021 in Düsseldorf, K21, durch das Ministerium informiert.

Die Verleihung des Innovationspreises Handwerk in NRW findet alle zwei Jahre statt.

Mehr über den Wettbewerb: www.wirtschaft.nrw/innovationspreis-handwerk oder www.whkt.de/innovationspreis2021

ValiKom Transfer:

Validierungsverfahren neu für Referenzberufe Kfz-Mechatroniker/in und Bodenleger/in

Das Angebot an Berufen, in denen Angelernte sowie Quereinsteiger/innen ihr Können und Wissen im Projekt ValiKom Transfer durch Kammern bewerten und zertifizieren lassen können, wird stetig erweitert. Die Handwerkskammern Aachen und Koblenz haben nun die ersten Validierungsverfahren im Beruf Kfz-Mechatroniker/in durchgeführt.

Bei der Handwerkskammer Aachen hat im Juni ein Teilnehmer das Verfahren absolviert. Der Teilnehmer konnte zeigen, dass er in mehreren Tätigkeitsbereichen des Berufs über Kompetenzen verfügt und erhielt daher ein Validierungszertifikat der Handwerkskammer über die teilweise Gleichwertigkeit.

Gleich drei Teilnehmende stellten sich bei der Handwerkskammer Koblenz der Bewertung und ließen ihr Können und Wissen mit dem Ziel einer vollen Gleichwertigkeit bewerten. Während der Bewertung durchliefen sie sechs Stationen. Unter anderem mussten die Fehlfunktion einer Klimaanlage behoben, eine Bremsanlage erneuert und ein optisches Übertragungssystem nachgerüstet werden. Bei der Fremdbewertung zeigte sich, dass keiner der Teilnehmenden Kompetenzen im gesamten Berufsbild besitzt, so dass alle drei ein Zertifikat über die teilweise Gleichwertigkeit erhielten.

Personen, die Interesse an einer Validierung im Beruf Kfz-Mechatroniker/in oder Bodenleger/in haben, können sich an die projektbeteiligten Handwerkskammern wenden. Die Ansprechpartner/innen sind auf der Projektwebseite zu finden: https://www.validierungsverfahren.de/inhalt/verfahren/ansprechpersonen-vor-ort

Das Projekt ValiKom Transfer wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und bundesweit von 30 Kammern aus Handwerk, Industrie und Handel sowie der Landwirtschaft umgesetzt. Weitere Informationen gibt es unter www.validierungsverfahren.de.

Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)«:

Veranstaltung »60 Jahre Anwerbeabkommen Deutschland-Türkei« am 5. Oktober 2021

Die Anwerbung ausländischer Fachkräfte in Deutschland hat Geschichte. 2020 jährten sich die Anwerbeabkommen mit Italien zum 65. Mal sowie mit Griechenland und Spanien zum 60. Mal. In diesem Jahr feiert das Anwerbeabkommen mit der Türkei sein 60. Jubiläum.

Um dieses gebührend zu würdigen und eine gemeinsame Erinnerungskultur zu pflegen, bereitet die Landeskoordinierung des IQ Netzwerks NRW (WHKT) unter Beteiligung des Arbeitsministers Hubertus Heil eine Hybrid-Veranstaltung für den 5. Oktober, von 13:00 Uhr bis 16:30 Uhr, vor. Einerseits soll durch die Veranstaltung die Lebensleistungen der ersten Generation von Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte anerkennend in den Mittelpunkt rücken sowie andererseits die nachhaltige Entwicklung der Fachkräfteeinwanderung einen zusätzlichen Impuls erhalten.

Neben Herrn Minister Heil werden Akteure aus Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft und der Türkischen Gemeinde in Deutschland dieses Jubiläum am 5. Oktober 2021 würdigen.

Die Anmeldung zur Teilnahme via Live-Stream ist für Sie ab jetzt möglich. Die Anmeldung erfolgt unter https://www.iq-netzwerk-nrw.de/anwerbeabkommen. Die Teilnahme zur Veranstaltung ist kostenfrei. Weitere Informationen zum Programm sowie den Zugang zum Live-Stream erhalten Angemeldete zeitnah vor der Veranstaltung.

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Maler/in und Lackierer/in:

Neuordnung zum 1. August 2021

Die Neuordnung des Berufs Maler/in und Lackierer/in ist Anfang Juli 2021 verkündet worden. Die Fakten dazu in Kürze:

  • Der Beruf wird zukünftig fünf statt bisher drei Fachrichtungen haben. Die gestreckte Abschlussprüfung ist für den Beruf eingeführt worden.
  • Der zweijährige Beruf »Bauten- und Objektbeschichter/in« wird abgeschafft. In dem Beruf kann ab 1. August 2021 kein neuer Ausbildungsvertrag mehr abgeschlossen werden.
  • Eine Ausbildungsregelung für Menschen mit Behinderungen als Fachpraktiker/in im Maler- und Lackiererhandwerk wurde am 10. Juni 2021 im BIBB-Hauptausschuss verabschiedet.

Von besonderem Interesse sind diese Informationen, da es der sechstgrößte Ausbildungsberuf des Handwerks in Nordrhein-Westfalen ist.

Außenwirtschaft:

Geschäftschancen Bau/Ausbau im Großraum Brüssel

Für Handwerker aus Nordrhein-Westfalen stehen direkte Kundenkontakte zu bauwilligen, deutsch- und englischsprachigen Privatkunden im Raum Brüssel hoch im Kurs. Der alte Baubestand in Brüssel und der Mangel an qualifizierten Bauchfachkräften in Belgien bieten Chancen für NRW-Unternehmen im Bau- und Ausbaubereich.

Meist handelt es sich um konkrete private Sanierungs- und Modernisierungsvorhaben rund um die eigene Immobilie. Die Kunden erwarten zuverlässige Handwerker, die gewohnt sind, Dienstleistungen für mittlere und gehobene Ansprüche zu erbringen. Weiterempfehlungen in deren eigenen Netzwerken sind üblich.

Am Mittwoch, 08.09.2021 (digital) und Samstag, 11.09.2021, (in Brüssel) haben Sie Gelegenheit, unmittelbar mit interessierten Privatkunden Kontakt aufzunehmen, die für ihre größeren und kleineren Bauprojekte (z. B. Renovierung, Sanierung, An- oder Umbau) qualifizierte deutsche Handwerker und Leistungen aus einer Hand suchen.

Anmeldeschluss ist am 13. August 2021: https://t1p.de/belgien-leistungsschau-21

Für Fragen stehen zur Verfügung: Herr Bernd Krey, HWK zu Köln, Tel. 0221 2022-790, krey[ ät ]hwk-koeln.de, Herr Peter Havers, HWK Aachen, Tel. 0241 471-180, peter.havers[ ät ]hwk-aachen.de

Fachkräfte für NRW:

Betriebe im Elektrohandwerk für Pilotprojekt zur Fachkräfteanwerbung gesucht

Damit das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) seine Chancen gleichfalls für die Betriebe des Handwerks entfaltet, hat der WHKT das Pilotprojekt »Fachkräfte für NRW: Pilotprojekt Elektronikerinnen und Elektroniker aus Jordanien und Ägypten« mit Mitteln des Ministers für Bundesangelegenheiten, Europa und Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen und unter Beteiligung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW sowie der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) gestartet.

Ziel des Vorhabens  – welches bis Ende 2022 läuft – ist die Unterstützung und Begleitung von 20 Elektrofachbetrieben des Handwerks im Fachbereich Energie- und Gebäudetechnik, in den Regionen Düsseldorf und Dortmund.

Die Anwerbung der Elektro-Fachkräfte erfolgt in Jordanien und Ägypten durch die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit. Zudem gehört der Fachverband Elektro- und Informationstechnische Handwerke NRW und die Zentralstelle Fachkräfteeinwanderung NRW (ZFE NRW) zum engeren Kreis der beteiligten Akteure.

Betriebe aus den Regionen Dortmund und Düsseldorf (maximal 20), die sich an der Umsetzung beteiligen möchten und Fachkräfte im Bereich Energie- und Gebäudetechnik suchen, können als Projektpartner dabei sein.

Weitere Informationen und Kontakt unter: www.whkt.de/fachkraefte

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VORWORT


Liebe Leserinnen und Leser,

am kommenden Freitag treffen wir uns – pandemiebedingt erneut in kleinem Rahmen – auf Schloß Raesfeld, um das ehrenamtliche Engagement von Handwerkerinnen und Handwerkern in den Mittelpunkt zu stellen. Der mittlerweile 7. Ehrenamtstreff ist erneut eine tolle Möglichkeit, Danke zu sagen.

Ein besonderes Anliegen unseres WHKT-Vorstandes unter Vorsitz von Präsident Hans Hund ist in diesem Sinne auch der Aufbau einer Ehrenamtsakademie des nordrhein-westfälischen Handwerks. Wir freuen uns sehr, dass diese Arbeit in den vergangenen Monaten erfolgreich begonnen hat. Und wir spüren bei jeder Veranstaltung, wie sehr die Zukunft des ehrenamtlichen Engagements die gesamte Handwerksorganisation bewegt.

Ohne ehrenamtliches Engagement gibt es keine Selbstverwaltung. Und nur mit ehrenamtlichen Engagement gibt es die notwendige Rückkoppelung in die betriebliche Praxis. Die über 10.000 Engagierten im nordrhein-westfälischen Handwerk leisten einen wirtschaftlich und gesellschaftlich unverzichtbaren Beitrag. Deswegen wollen wir im Handwerk gemeinsam dafür sorgen, dass mehr junge Menschen, mehr Frauen und mehr Menschen mit Migrationserfahrung die Chancen des Engagements im Handwerk erkennen. Es gibt gute Gründe für dieses Engagement, das nicht genug gewertschätzt werden kann. Das Ehrenamt bringt Gesellschaft und Handwerk voran. Es sichert unter anderem die Qualität unserer Ausbildung, aber es bietet auch den Engagierten selbst vielfältige Möglichkeiten der Weiterentwicklung.

Ich bin unseren Partnerorganisationen im Handwerk sehr dankbar, dass wir uns gemeinsam auf den Aufbau einer Ehrenamtsakademie verständigt haben. Die Ehrenamtsakademie soll ein gemeinsames kommunikatives Dach sein, das Aktivitäten für das ehrenamtliche Engagement in Nordrhein-Westfalen bündelt und zu einem Mehr an Wertschätzung und guten Ideen der Nachwuchsarbeit führt. Gemeinsam arbeiten wir dafür, dass uns die Etablierung der Ehrenamtsakademie dauerhaft gelingt. Es ist die Anstrengung wert!

Das Handwerk hält zusammen.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer

Sommer der Berufsausbildung:

»Initiative Praktikum 2021« des Handwerks

Dem Irrglauben im Land zum Trotz, dass es keine Praktikums- und Ausbildungsplätze gäbe, startete der WHKT mit einer Gemeinschaftsaktion der sieben Handwerkskammern und 25 Kreishandwerkerschaften die »Initiative Praktikum 2021«: www.whkt.de/praktikum2021. Denn das Handwerk bietet aktuell nicht nur Ausbildungsplätze in nahezu 120 Ausbildungsberufen, sondern auch jede Menge freie Praktikumsstellen im ganzen Land.

Handwerksbetriebe suchen vor allem Schulabgängerinnen und Schulabgänger sowie Studienzweifler/innen und Studienaussteiger/innen, die einen passenden Übergang ins Berufsleben bzw. die nächste Qualifizierungsphase suchen und in eine berufliche Karriere einsteigen möchten. Das Handwerk mit seinen krisenfesten Arbeitsplätzen möchte nicht erneut weniger Ausbildungsverträge abschließen müssen, weil es den Kontakt zu jungen Menschen coronabedingt nicht erhält.

Das Arbeiten mit Kunden und beim Kunden vor Ort ist für das Handwerk eine  Selbstverständlichkeit, auch in Coronazeiten mit entsprechenden Hygienekonzepten. Deshalb werden gerade auch im Handwerk ein- oder mehrwöchige Praktika gerne angeboten, um zukünftige Auszubildende kennenzulernen. Die Gemeinschaftsaktion »Initiative Praktikum 2021« passt ideal in den »Sommer der Berufsausbildung«, der von der Allianz für Aus- und Weiterbildung ausgerufen wurde. Hier finden Interessierte über 30 Ansprechpartner in den Handwerksorganisationen, um Türen in Betrieben geöffnet zu bekommen. Der Weg in ein betriebliches Praktikum ist leicht.

Ein Praktikum ist der derzeit beste Weg in eine betriebliche Ausbildungsstelle, denn hier kann man mit jedem Schulabschluss, gerade auch mit Abitur zeigen, dass man den Beruf erlernen will und großes Interesse an einer Ausbildungsstelle hat. Zudem bietet das Praktikum Erlebnisse, die man virtuell nicht bekommen kann: man erlebt die Berufe in ihrer betrieblichen Realität, man kann hören, riechen, fühlen und die Menschen in dem Beruf erleben, was für eine berufliche Entscheidung viel wichtiger ist als über den Beruf zu lesen oder sich Videos anzuschauen.

Das Handwerk verspricht sich mit dieser Initiative einen deutlichen Zuwachs an Nachwuchs, den es dringend braucht, da der Fach- und Führungskräfte-Mangel im Handwerk deutlich spürbar ist. Auch wird Nachwuchs gesucht, der sich vorstellen kann, sich zukünftig einmal selbstständig zu machen, da immer mehr Betriebe zur Übergabe anstehen.

Würdigung im kleinen Kreis:

7. Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW

Das ehrenamtliche Engagement vieler Handwerkerinnen und Handwerker ist immens. Und dennoch findet es eher selten die öffentliche Beachtung, die es verdient. Um einmal jährlich auf das hinzuweisen, was Handwerkerinnen und Handwerker ehrenamtlich leisten, wie viel Verantwortung sie übernehmen und wie viel Energie und Zeit sie für ihr soziales und handwerkliches Ehrenamt aufbringen, findet mit finanzieller Unterstützung des Wirtschaftsministeriums NRW der Treffpunkt Ehrenamt des Handwerks NRW statt.

Der diesjährige 7. Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW wird traditionsgemäß in der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld abgehalten. Coronabedingt ist allerdings vor Ort – wie bereits im Jahr 2020 – nur ein sehr kleiner Personenkreis möglich. Lediglich die benannten ehrenamtlichen Handwerkerinnen und Handwerker je Handwerkskammer sowie die Vertretungen aus den Kammervorständen nehmen an dem Treffpunkt Ehrenamt in diesem Jahr teil. Ab dem nächsten Jahr sollen wiederum über 100 Gäste die Möglichkeit zur Teilnahme erhalten. Auf der Seite www.ehrenamt-handwerk-nrw.de berichten wir zeitnah über den Treffpunkt Ehrenamt 2021.

Ausbildungskonsens NRW:

WHKT engagiert sich intensiv für mehr duale Ausbildungsverträge

Die Partner des Ausbildungskonsenses haben die Woche vom 21. bis 27. Juni zur Woche der Berufsausbildung ausgerufen, um damit den »Sommer der Berufsausbildung« mit vielfältigen Maßnahmen zu starten. Die Aktionswoche soll den Blick von Schulabgänger/innen, Lehrkräften sowie Eltern auf die Chancen mit einer dualen Ausbildung lenken und die sehr guten Optionen auf eine Ausbildungsstelle noch in diesem Sommer hervorheben.

Der WHKT hat nicht nur seine »Initiative Praktikum 2021« in die Woche der Berufsausbildung eingebracht, sondern konnte auch das Thema Ausbildung in der WDR-Fernsehendung »Hier und Heute« und in einer Radiosendung des Deutschlandfunks einbringen sowie auf zwei speziell organisierten Veranstaltung des Schulministeriums Eltern der Abgangsklassen gemeinsam mit der Schulministerin Yvonne Gebauer über Perspektiven im Handwerk informieren.

Tarifbindung im Handwerk:

Schlüssel zur Nachwuchs- und Fachkräftesicherung?

Das Handwerk sorgt sich um fehlende Nachwuchs- und Fachkräfte. Gemeinsam haben WHKT, Kolpingwerk und DGB bei der Veranstaltung am 10.06.2021 in Münster deutlich gemacht: Nachwuchssicherung ist für das Handwerk essentiell. Notwendig dafür sind gute Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen, für die Tarifverträge eine wichtige Rolle spielen.

Mit der gemeinsamen Veranstaltung im Handwerkskammer Bildungszentrum (HBZ) Münster wollten die Veranstalter den aktuellen Stand der Tarifpartnerschaft im Handwerk beleuchten und diesem wichtigen Thema damit eine gemeinsame Plattform geben. Welchen besonderen Herausforderungen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Handwerk gegenüber sehen, war eine der zentralen Fragen. Zu den Rednerinnen und Rednern gehörte unter anderem NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann.

Der Konsens in Münster war deutlich: Eine starke Tarifpartnerschaft ist ein wichtiger Baustein auch für die Zukunftssicherung der Handwerksbranchen. Eine Stärkung der Tarifbindung stärkt das Handwerk selbst. Tarifverträge sichern gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und Perspektiven für Nachwuchskräfte und ermöglichen einen fairen Wettbewerb über Leistung und gute Arbeit.

Hans Hund, Präsident des WHKT und der HWK Münster: »Die Kultur zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern im Handwerk war und ist geprägt durch ein gutes Miteinander. Uns ist es wichtig, dass wir mit dieser Veranstaltung in diesem Sinne eine Plattform für den Dialog miteinander bieten. Als Handwerkskammern sind wir bei der Tariffindung natürlich strikt neutral, das ist Sache der Tarifpartner. Wichtig ist uns aber, dass alle Themen in den Blick genommen werden, die zur Fachkräftesicherung im Handwerk beitragen.«

Bei der halb-digitalen Veranstaltung in Münster mit rund 150 Teilnehmenden gab es tiefgreifende Analysen und politische Positionsbestimmungen sowie hochkarätig besetzte Podien mit

  •     Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung
  •     Lisa-Kristin Kapteinat MdL, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der NRW SPD
  •     Felix Kendziora, Vizepräsident der Arbeitnehmerseite des WHKT
  •     Stefan Körzell, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstands des DGB
  •     Hans-Joachim Hering, Präsident des Unternehmerverbandes Handwerk NRW
  •     Prof. Dr. Detlef Sack, Dekan der Fakultät für Soziologie an der Universtität Bielefeld
  •     Dr. Torben Schön, Geschäftsführer der Kommission Handwerk des Kolpingwerkes Deutschland
  •     Berthold Schröder, Vizepräsident der Arbeitgeberseite des WHKT, Präsident der HWK Dortmund
  •     Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks

Fotos zur Veranstaltung stehen unter folgendem Link online:
www.whkt.de/owncloud/index.php/s/cPWKnUnzK4Tpp1u

Handwerksfrühstück:

Austausch mit Abgeordneten

Mit dem Handwerksfrühstück, das pandemiebedingt derzeit digital stattfindet, hat sich ein überparteilicher Austausch mit Abgeordneten des NRW-Landtags entwickelt, denen die Zukunft des Handwerks besonders am Herzen liegt.

Wie kann die berufliche Bildung gestärkt werden? Was sind nötige Rahmenbedingungen, damit die Digitalisierung auch in den ganz kleinen Betrieben gelingt? Mit dabei sind Abgeordnete von CDU, SPD, FDP und Grüne. Auf dem Bild zu sehen sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des jüngsten Austauschs: Martina Hannen MdL, Matthias Goeken MdL, Ralph Bombis MdL, Sigrid Beer MdL sowie vom WHKT Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier und Geschäftsführer Andreas Oehme.

Aus Sicht des Handwerks ist es besonders wichtig, dass die Anliegen der vielen kleinen Unternehmen überparteilich unterstützt werden. Politische Rahmenbedingungen für Handwerksbetriebe sind oftmals sehr spezifisch und brauchen vor allem Kenntnis der kleinbetrieblichen Strukturen.

Ehrenamtsakademie Handwerk NRW:

Gelungener Workshop der Ehrenamtsakademie Handwerk NRW (EAH) mit der Handwerkskammer Düsseldorf zum Thema »Junge Menschen ins Ehrenamt«

Wie das Handwerk junge Menschen für ehrenamtliches Engagement gewinnt war am 18. Juni 2021 die zentrale Frage eines gemeinsamen Workshops der Handwerkskammer Düsseldorf und der EAH. »Handwerk ist Ehrenamt, sonst ist es kein Handwerk«, fasste Dr. Axel Fuhrmann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf und Moderator des Workshops, den Geist der Veranstaltung zusammen. Kammerpräsident Andreas Ehlert richtete in seinem Grußwort den Blick auf das Ehrenamt von heute und die Möglichkeiten für das junge Handwerk, das Ehrenamt in die Zukunft zu führen. »Warum lohnt es sich, als junger Mensch ehrenamtlich im Handwerk engagiert zu sein? – Weil man mitentscheiden, Rahmenbedingungen mitgestalten und den eigenen Standpunkt einbringen kann!«

Berichte aus der Praxis lieferten Daniel Penders (Vorsitzender der Handwerksjunioren NRW), Özlem Yarar (Kammervorstandsmitglied), Christian Klemm (Lehrlingswart der SHK-Innung Düsseldorf) und Frank Bühler (Obermeister der Bau-Innung Mönchengladbach). Fazit der Runde: die jungen Menschen sind heute die Wegbereiter für das Ehrenamt von morgen und brauchen mehr Information, Transparenz und direkte Ansprache.

Junge Menschen umfangreicher und transparenter als bisher über die vielfältigen Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements in der Handwerksorganisation zu informieren, ist Anliegen aller Teilnehmenden. Welche Organisationen und Gremien gibt es, wie kann man sich innerhalb dieser Organisationen engagieren und welche Tätigkeiten entsprechen am ehesten den eigenen Interessen und Talenten? Hat jemand das Potenzial, auch langfristig Verantwortung für ein Ehrenamt zu übernehmen? Dass die Ansprache und Information bereits in der Ausbildung geschehen muss, wurde in den Praxisberichten deutlich. Betriebe müssten ihre Mitarbeiter noch mehr unterstützen. Denn wer sich als Auszubildende oder Auszubildender mit dem Thema Ehrenamt auseinandersetzt, engagiert sich häufiger schon als Gesellin oder Geselle im Ehrenamt als andere. Im Betrieb den Einzelnen davon zu überzeugen, sich fortzubilden und betriebsseitig einen Mentor als Wegbegleiter an die Seite zu stellen, könne eine wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein. An der Stelle seien die »alten Hasen« gefragt, die einen Blick für geeignete Kandidaten hätten. Diese an die Hand zu nehmen, zunächst mit kleinen Aufgaben zu betrauen und nach und nach an die Verantwortung eines größeren Amtes heranzuführen, ist nicht nur existenziell für das Ehrenamt im Handwerk, sondern auch eine persönliche Herzensangelegenheit für die Erfahrenen, die »ihr« Ehrenamt beruhigt in guten Händen wissen wollen.

Betriebe noch mehr über das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitarbeiter zu informieren, wird ebenfalls als Chance gesehen, mehr junge Menschen für ein Engagement in der Handwerksorganisation oder im Prüfungsausschuss zu begeistern. Oftmals hätten jedoch gerade Auszubildende und junge Gesellinnen und Gesellen Scheu, sich einzubringen, um im Betrieb nicht unangenehm durch Fehlzeiten aufzufallen. Hier gilt es, die Gesellenausschüsse und Innungen zu stärken und über Anreize für Unternehmen zu diskutieren, wie diese ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zukünftig noch besser unterstützen können.

WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier stellte fest: »Ehrenamt ermöglicht erst das Selbst des Handwerks. Wir sind aufgefordert, die Bedürfnisse der jungen Menschen zu erkennen. Das gelingt am besten, indem wir sie direkt ansprechen und fragen `Warum möchtest du dich engagieren, was erwartest du von deinem Engagement und wie können wir dich dabei unterstützen`.« Wie digitale Kanäle und Formate nicht nur für die Ansprache und Information, sondern auch zur Organisation und Abwicklung von Abläufen genutzt werden können, möchte man zukünftig verstärkt diskutieren. Beispielsweise könnte die Bestellung der Prüfungsmitglieder dadurch vereinfacht werden.

Workshops mit der Handwerkskammer Dortmund und der Handwerkskammer Aachen fanden ebenfalls in den letzten Tagen statt – hierzu werden wir berichten.

Klimaschutz:

NRW-Handwerkskammern stark an neuem Energie- und Klimaschutznetzwerk beteiligt

Vier Handwerkskammern aus Nordrhein-Westfalen beteiligen sich an einem innovativen Energie- und Klimaschutznetzwerk von bundesweit 11 Kammern, das am 16. Juni 2021 als Teil der »Initiative Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerke« des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesumweltministeriums gegründet wurde. Das Besondere ist die Ausrichtung des Netzwerks. Während sich solche Maßnahmen bisher typischerweise an Betriebe richten, streben die Handwerkskammern Dortmund, Düsseldorf, Köln und Münster mit sieben weiteren Partnern des neuen Kammernetzwerks danach, Energieeffizienzpotenziale in ihren eigenen Einrichtungen zu heben, um so aktiv zum Klimaschutz beizutragen.

Gemeinsames Ziel von Bundesregierung und Wirtschaft ist die Initiierung und Durchführung von rund 300 bis 350 neuen Energieeffizienz-und Klimaschutz-Netzwerken bis Ende 2025, die Einsparungen zwischen 9 bis 11 Terawattstunden Endenergie bzw. 5 bis 6 Mio. Tonnen Treibhausgas-Emissionen generieren sollen.

Europa:

Informelle politische Einigung zur Eurovignetten-Richtlinie

Am 16.06.2021 haben Verhandlungsführer des Europäische Parlament, des Rats und der Europäischen Kommission eine politische Einigung zur Wegekostenrichtlinie erzielt. Damit könnte sich das Gesetzgesetzgebungsverfahren nach rund vier Jahren einem Ende nähern.

Dem Vernehmen nach ist es gelungen, eine für das Handwerk wichtige Öffnungsklausel in den Text zu integrieren. Die »Handwerkerausnahme« erlaubt es, Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 und weniger als 7,5 Tonnen von der Mautpflicht zu befreien, wenn diese für die betriebliche Tätigkeit genutzte Ausrüstung transportieren oder selbst handwerklich hergestellte Produkte. Der Richtlinienvorschlag der Europäischen Kommission sah vor, ab dem Jahr 2020 sämtliche Fahrzeuge über 3,5 Tonnen in die Bemautung einzubeziehen. Das wäre mit erheblichen zusätzlichen Belastungen für eine Vielzahl von Betrieben verbunden gewesen. Der WHKT hatte sich im Gesetzgebungsverfahren für den Erhalt der geltenden, weiterreichenden Öffnungsklausel eingesetzt.

Die Überarbeitung der so genannten Eurovignetten-Richtlinie sieht darüber hinaus unter anderem die schrittweise Abschaffung von zeitabhängigen Straßenbenutzungsgebühren (Vignetten) für schwere Nutzfahrzeuge zu Gunsten eines entfernungsabhängigen Mauterhebungssystems vor.

Die politische Einigung muss noch förmlich vom Europäischen Parlament und Rat angenommen werden.  Nach Inkrafttreten der Richtlinie haben die Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit, um die Bestimmungen in nationales Recht zu überführen.

ValiKom Transfer:

Steuerungsgruppe wirft Blick auf Arbeitsergebnisse

Das Projekt ValiKom Transfer nähert sich dem Ende seiner dreijährigen Laufzeit. Im Mittelpunkt des 4. Steuerungsgruppentreffens, d. h. den Entscheidungsträgern der beteiligten Kammern, stand daher ein Blick auf die Ergebnisse der bisherigen Projektarbeit.

Ein Ziel des Projekts ist die Erprobung des Nachfolgeprozesses: Allen Teilnehmenden wird nach dem Verfahren eine Anschlussberatung angeboten, in der sie berufliche Entwicklungsmöglichkeiten besprechen können. Für Personen, die nicht alle Bereiche ihres Referenzberufs beherrschen, besteht die Möglichkeit einer Anpassungsqualifizierung, um vorhandene Lücken zu schließen. Die neu erworbenen Kompetenzen werden anschließend bewertet und im Idealfall erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat, das ihr Können und Wissen in allen Berufsbereichen bestätigt. Die Erprobung hat gezeigt, dass der skizzierte Nachfolgeprozess in der Praxis gut umsetzbar ist und von den Teilnehmenden auch in Anspruch genommen wird. Die Anwesenden stimmten daher zu, den Nachfolgeprozess weiterhin in dieser Form durchzuführen.

Ebenfalls einstimmig angenommen wurde die Möglichkeit der Gewährung eines Nachteilsausgleichs für Menschen mit Behinderung, wenn das individuell ausgestaltete Verfahren nicht bereits ausreicht, um vorhandene Einschränkungen auszugleichen.

Das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) zeigte neue Ergebnisse der Unternehmensbefragung. Unternehmen, die Mitarbeitende bei der Teilnahme am Validierungsverfahren unterstützt haben, wurden befragt, was sie dazu motiviert hat. Die am häufigsten genannten Gründe sind, dass das Validierungsverfahren eine Möglichkeit der Personalentwicklung darstellt, Wertschätzung vermittelt wird, die Kompetenzen der Mitarbeitenden nach außen hin sichtbar bestätigt werden, Mitarbeitende motiviert werden und die Unterstützung zur Mitarbeiterbindung beitragen kann. Insgesamt 71 der 75 befragten Unternehmen machten Angaben dazu, wie sie ihre Mitarbeitenden unterstützt haben. 51 Unternehmen leisteten organisatorische Unterstützung z. B. durch Hilfe beim Ausfüllen von Formularen. 41 Arbeitgeber boten fachliche Unterstützung an, z. B. praktische Übungen im Betrieb oder externe Schulungen.

Das Projekt ValiKom Transfer wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und bundesweit von 30 Kammern aus Handwerk, Industrie und Handel sowie der Landwirtschaft umgesetzt. Weitere Informationen gibt es unter www.validierungsverfahren.de.

 

Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen:

FAQ zu Qualifikationsanalysen gemäß § 14 BQFG für zuständige Stellen

Was unterscheidet die »sonstigen Verfahren« gemäß § 14 BQFG von einer Prüfung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG)? Was sollten zuständige Stellen bei der Durchführung einer Qualifikationsanalyse beachten? Welche Empfehlungen gibt es hinsichtlich der Versicherung der Antragstellenden bei Teilnahme am Verfahren?

Die Publikation »FAQ – Häufig gestellte Fragen« für die Zielgruppe der zuständigen Stellen beantwortet übersichtlich und kompakt Fragen rund um die Anerkennung bei fehlenden schriftlichen Belegen – angefangen bei den Anwendungsfällen für den § 14 BQFG und dem Einsatz von Fachexpertinnen und -experten über die Finanzierung bis hin zur Durchführung und Dokumentation des Kompetenzfeststellungsverfahrens sowie speziellen Verfahrensfragen.

Die »sonstigen Verfahren« bei fehlenden schriftlichen Belegen stellen eine Ausnahmeregelung im BQFG Bund und den vergleichbaren Landesgesetzen dar. Im Verhältnis zur Anzahl der jährlichen Anerkennungsverfahren ist die Zahl an Qualifikationsanalysen entsprechend gering und das Verfahren weniger bekannt. Zur Unterstützung von BQFG-Sachbearbeitenden und Anerkennungsberaterinnen und -beratern in den Kammern hat der Westdeutsche Handwerkskammertag FAQ für die verschiedenen Verfahrensbeteiligten konzipiert und federführend erstellt. Veröffentlicht werden die digitalen FAQ für zuständige Stellen – wie schon die FAQ für Antragstellende – durch das BMBF-geförderte Projekt »NetQA – Netzwerk Qualifikationsanalyse«.

Das Verbundprojekt wird vom Westdeutschen Handwerkskammertag fachlich gesteuert, vom Bundesinstitut für Berufsbildung koordiniert und von mehreren Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern umgesetzt.

Zuständige Stellen können die FAQ im geschützten Bereich des Expertise- und Wissenspools Qualifikationsanalysen auf Anerkennung in Deutschland herunterladen: https://www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/pro/expertise-wissenspool.php. Die FAQ stehen ebenfalls im internen Bereich des BQ-Portals zur Verfügung: https://www.bq-portal.de/Arbeitshilfen/Idealtypischer-Bewertungsablauf/Gleichwertigkeitsprüfung.

Informationen zum Projekt finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

Außenwirtschaft:

Länderleitfaden Belgien aktualisiert

Nachdem auch die belgische Wirtschaft 2020 pandemiebedingte Umsatzrückgänge verzeichnen musste, wird für 2021 eine deutliche Erholung erwartet:

  • Die Kapazitäten der belgischen Maschinenbauer waren zum Jahresbeginn mit 81,6 Prozent deutlich besser ausgelastet als noch kurz zuvor. Potenziale bieten sich insbesondere in der Digitalisierung von Logistik- und Produktionsprozessen.
  • Bauinvestitionen werden 2021 voraussichtlich um 6,5 Prozent zunehmen. Große Infrastrukturprojekte und ein Modernisierungsstau aus dem Vorjahr bieten Baufirmen zahlreiche Auftragschancen. Auf dem belgischen Markt besteht derzeit großes Interesse an gesunden und nachhaltigen Baustoffen; zudem gibt es einen hohen Anteil an Altgebäuden mit Renovierungsbedarf. Bis Ende 2022 gilt in Belgien landesweit für Privatpersonen und Bauträger ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von 6 Prozent für den Abriss und Wiederaufbau von alten Gebäuden.
  • Hersteller der Nahrungsmittelindustrie rechnen 2021 mit steigenden Umsätzen. Der zweitgrößte Zweig im verarbeitenden Gewerbe ist für deutsche Ausrüster des Fleischer-, Bäcker-, Konditor- und Bierbrauerhandwerks ein attraktiver Markt. Belgier sind interessiert an regionaltypischen Produkten und schätzen sowohl neue als auch traditionelle Spezialitäten wie Biere, Backwaren, Confiserie und Feinkost aus NRW.

Die Koordinierungsstelle Außenwirtschaft hat den Länderleitfaden Belgien sowie das Merkblatt Limosa-Meldeverfahren für Belgien aktualisiert, die wichtige Hinweise enthalten zu zentralen rechtlichen Fragen, die vor Aufnahme einer Geschäftstätigkeit in Belgien zu beachten sind.

Die Merkblätter und Beratung für ihre Auslandstätigkeit erhalten Unternehmen bei den Außenwirtschaftsberaterinnen und -beratern der Handwerkskammern: https://lgh.nrw/index.php/ihre-berater-innen

 

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VORWORT


Liebe Leserinnen und Leser,

mit der Vorlage unseres Geschäftsberichts, über den wir in dieser Ausgabe des WHKT-Reports berichten, sind wir traditionell früh dran. Bereits in unserer Frühjahrsvollsammlung wird über die Bilanz des vergangenen Jahres gesprochen. Aus dem Geschäftsbericht wurde in den vergangenen zwei Jahren zudem noch eine Fortschrittsbilanz. Der neue Name soll unterstreichen, dass es dem WHKT insbesondere um die Gestaltung der großen Zukunftsthemen des nordrhein-westfälischen Handwerks geht. Als Dachorganisation der sieben NRW-Handwerkskammern wollen wir die Themen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Fachkräftesicherung vorantreiben.

In intensiver Zusammenarbeit und Partnerschaft mit den Kammern war es vor allem seit Beginn der Pandemie Anfang des Jahres 2020 eine enorme Herausforderung, trotz des permanenten Krisenmanagements in unseren Organisationen, unbeirrt die Weichen auf Zukunft zu stellen. Corona hat den Modernisierungsdruck auch für das Handwerk dabei noch einmal erhöht. Rasant schreiten die Anforderungen an eine digitale und nachhaltige Zukunft voran. Und mehr denn je müssen sich die Handwerksbetriebe zur Decke strecken, um ihren Fachkräftenachwuchs zu finden.

Viele kleine Betriebe schaffen diese Herausforderung nicht allein. Die Pandemie hat deswegen im doppelten Sinne unterstrichen, wie wichtig die Arbeit der Handwerksorganisation ist. Auf der einen Seite ist und war es unsere Aufgabe, auf die Corona-Politik des Staates nach Kräften im Sinne der Handwerksbetriebe Einfluss zu nehmen. Auf der anderen Seite müssen wir dafür sorgen, dass das Handwerk bei allen Zukunftsstrategien und den mit ihr einhergehenden Förderprogrammen mitgedacht wird.

Über genau diese Arbeit berichtet unsere Fortschrittsbilanz 2020. Wir danken allen Akteuren in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für die gute Zusammenarbeit. Vor allem freuen wir uns aber über die starke Partnerschaft mit unseren haupt- und ehrenamtlichen Mitstreitern in der gesamten Handwerksorganisation.

Das Handwerk hält zusammen.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer

Corona:

Neuregelungen für Bildung und Prüfung in NRW ab 28.05.2021

Mit der jüngst veröffentlichten Coronaschutzverordnung des Gesundheitsministeriums NRW gibt es viele Neuerungen, auch für die Durchführung von Bildungsangeboten und Prüfungen der Handwerksorganisationen. Die Breite der Bildungsangebote sind wieder möglich unter Beachtung aller Hygienemaßnahmen und Abstände – eine weitgehende Testpflicht wird eingeführt.

Die wichtigsten Aspekte auf einen Blick (Stand: 27.05. 13:00 Uhr):

  • Alle Bildungsangebote sind in den Bildungszentren des Handwerks ab 28.05.2021 unter gesetzten Rahmenbedingungen wieder möglich.
  • Einführung einer Testpflicht für Bildungsangebote (alle 3 Tage, Negativtestnachweis oder gemeinsam beaufsichtigter Selbsttest)
  • Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) von Testpflicht ausgenommen – sie kann weiterhin als Teil der betrieblichen Ausbildung nach den Regeln der Arbeitswelt durchgeführt werden
  • Testpflicht gilt auch für Prüfungen aller Art, solange sie nicht in Schulgebäuden durchgeführt werden – dort gilt weiterhin die Trennung der Gruppen der Getesteten und Nicht-Getesteten
  • Testpflicht bei Weiterbildung und Prüfung auch für Geimpfte und Genesene
  • Testpflicht gilt bis Kreis/Stadt und Land in Inzidenzstufe 1, d. h. 7-Tage-Inzidenz von höchstens 35

Innovationspreis Handwerk NRW 2021:

Betriebe können sich mit ihren Innovationen online bewerben

Bis zum 16.07.2021 können Handwerksbetriebe online unter www.whkt.de/innovationspreis2021 den Teilnehmerfragebogen ausfüllen und sich mit ihren Innovationen um den Innovationspreis Handwerk 2021 bewerben. Bewertet werden die zugesandten Beiträge von einer Expertenjury aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Die Preise in Höhe von jeweils 10.000 € werden in der Kategorie für Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitenden und mit mindestens 10 Mitarbeitende vergeben. Diese werden von Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart gefördert und im Rahmen einer Festveranstaltung am 04.10.2021 in Düsseldorf vergeben.

Voraussetzung für teilnehmende Betriebe ist, dass diese gemäß Handwerksordnung ein Gewerbe ausüben und in der Handwerksrolle einer Handwerkskammer in Nordrhein-Westfalen eingetragen sind. Weitere Details zum Wettbewerb und die Möglichkeit zur Online-Anmeldung für Betriebe unter www.whkt.de/innovationspreis2021.

Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT: »Der gesamte Bewerbungsprozess erfolgt in diesem Jahr digital. Neu ist auch, dass die Kriterien Nachhaltigkeit und der Einsatz digitaler Technologien in die Jury-Bewertung immer dann zusätzlich einfließen, wenn die Art der jeweiligen Innovation dies zulässt. Wichtige zukunftssichernde Signale, die zeigen, wie innovativ das Handwerk in NRW bereits heute ist.«

Schülergenossenschaften werden fortgesetzt:

Ministerin Yvonne Gebauer und WHKT-Präsident Hans Hund unterzeichnen Kooperationsvereinbarung

Ministerin für Schule und Bildung, Yvonne Gebauer MdL (l.)

Nachhaltiges Wirtschaften und solidarisches Handeln sind die Grundsätze, nach denen derzeit rund 100 Schülerunternehmen in Nordrhein-Westfalen von Schülerinnen und Schülern in der Form einer Genossenschaft eigenverantwortlich geführt werden. Im Rahmen der Genossenschaft erarbeiten sie eigene Geschäftsideen, Organisationsstrukturen und Arbeitsabläufe, schreiben den Businessplan und entwickeln die Satzung ihrer Genossenschaft. Darüber hinaus entwickeln sie Produkte und/oder Dienstleistungen, die sowohl schulintern als auch außerhalb der Schule vertrieben werden können.

Der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) als Dachorganisation der sieben nordrhein-westfälischen Handwerkskammern begrüßt das Projekt, das vom Genossenschaftsverband – Verband der Regionen koordiniert wird. Aus Anlass der Verlängerung des Vorhabens bis Februar 2023 haben nun WHKT-Präsident Hans Hund und Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier eine entsprechende Vereinbarung mit der nordrhein-westfälischen Ministerin für Schule und Bildung, Yvonne Gebauer MdL, und Peter Götz, Vorstandsmitglied des Genossenschaftsverbandes – Verband der Regionen e.V., unterzeichnet.

Im Rahmen einer Feierstunde erklärte Hans Hund: »Gerade in der heutigen Zeit ist unser gemeinsames Projekt eine wunderbare Möglichkeit, junge Menschen an unternehmerisches und vor allem verantwortliches Handeln heranzuführen. Für mich ist das entscheidende Stichwort hierbei: Nachhaltigkeit. Damit sind Schülergenossenschaften genau das, was auch im Handwerk vielerorts gelebte Praxis ist. Nicht der kurzfristige Erfolg, sondern die Verantwortlichkeit des eigenen Handelns für Mensch, Umwelt und nachfolgende Generationen ist entscheidend. Als nordrhein-westfälisches Handwerk sind wir deshalb aus Überzeugung dabei.«

Der WHKT ist als Projektpartner für die pädagogische Betreuung der Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer verantwortlich. Die dafür zuständige Lehrkraft wird vom Ministerium für Schule und Bildung abgeordnet. Sie berät unter anderem die Schulen, organisiert Gründungsworkshops und unterstützt bei schulischen Fragen im laufenden Geschäftsbetrieb.

Das Projekt zielt darauf, die Gründung von Schülergenossenschaften zu initiieren, sie fachlich zu beraten und zu unterstützen. Die real wirtschaftenden Schülerunternehmen werden dauerhaft an der Schule verankert und an nachrückende Schülergenerationen übergeben. Dadurch erwerben die Schülerinnen und Schüler ökonomisches Fachwissen. Weiterhin wird mit den Schülergenossenschaften ein aktiver Beitrag zur Stärkung und Verbreitung des Genossenschaftsgedankens geleistet.

Weitere Informationen: www.schuelergeno.de

»Vorwärts denken. Nachhaltig handeln.«:

Fortschrittsbilanz 2020 des WHKT veröffentlicht

Im Rahmen seiner Frühjahrs-Vollversammlung veröffentlichte der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) seine Fortschrittsbilanz 2020 und stellte sie den NRW-Spitzenvertretungen der Handwerkskammern  vor.

Unter dem Slogan »VORWÄRTS DENKEN. NACHHALTIG HANDELN.« gibt die Publikation auf 96 Seiten detailliert Einblick in die Arbeit des WHKT im Jahr 2020. Zu den dargestellten Arbeitsbereichen des WHKT gehören die Wirtschafts- und Gewerbeförderungspolitik, Schul- und Bildungspolitik, Europapolitik und Internationales genauso wie Organisation und Recht, Arbeitsmarktpolitik und Fachkräftesicherung sowie verschiedene Projekte und Initiativen.

Damit dokumentiert die Bilanz die hohen Ansprüche des WHKT an sich selbst als Dachorganisation der Handwerkskammern in NRW und zeigt zugleich seine Gestaltungskraft für das Handwerk in NRW.

Die »Fortschrittsbilanz 2020« des WHKT steht als Download unter folgendem Link zur Verfügung www.whkt.de/downloads/publikationen.

Fachgespräch:

Mobilitäts-Austausch mit den NRW-Grünen

Zu Beginn des Jahres hatten die Hauptgeschäftsführer der NRW-Handwerkskammern mit der Fraktionsführung der NRW-Grünen im Landtag vereinbart, dass man im Jahresverlauf bei verschiedenen Themen das Gespräch vertiefen wolle. Ein erstes Fachgespräch von Vertreterinnen und Vertreter der Handwerkskammern mit den NRW-Grünen fand nun zum Zukunftsthema Mobilität statt.

Beide Seiten skizzierten zunächst ihre inhaltlichen Schwerpunkte. Mobilität ist in den vergangenen Jahren zweifellos auch aus Sicht des Handwerks zu einem Großthema geworden. So stellen neue Verkehrskonzepte in den Innenstädten auch viele Handwerksbetriebe vor große Herausforderungen. Sowohl die Anfahrt zu den Kunden als auch die vorhandenen Parkmöglichkeiten sind zunehmend reguliert. Doch mobilitätspolitische Herausforderungen befinden sich nicht nur in der Großstadt. In den ländlichen Regionen sind die Lücken im öffentlichen Personennahverkehr nach wie vor groß. Dies schränkt natürlich auch die Mobilität der Arbeitnehmerinnen und Arbeiternehmer im Handwerk ein. Gerade die Auszubildenden brauchen mehr Möglichkeiten, ihre Ausbildungsbetriebe zu erreichen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, beteiligt sich das Handwerk in vielen Regionen des Landes an Mobilitätspartnerschaften, in denen die unterschiedlichen Akteure der Wirtschaft sowie der Gebietskörperschaften verkehrspolitische Weichenstellungen miteinander abstimmen.

Ebenso groß ist das Interesse des Handwerks an den Chancen der E-Mobilität. Hier waren sich Handwerk und Grüne einig, dass man die Fördermöglichkeiten für Handwerksbetriebe verbessern und vor allem vereinfachen muss. Die Fraktionsvorsitzende der NRW-Grünen im Landtag, Josefine Paul, sowie der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Arndt Klocke, betonten, dass man die besonderen Belange der kleinen Betriebe nicht nur in der Frage der Elektromobilität, sondern auch darüber hinaus berücksichtigen müsse. Man wolle die spezifischen Problemlagen der Handwerksbetriebe auch im Wahlprogramm zur Landtagswahl entsprechend aufnehmen.

Einigkeit bestand hinsichtlich der notwendigen weiteren Stärkung des NRW-Azubi-Tickets. Das Handwerk begrüßt den erfolgreichen Start des Azubi-Tickets, wünscht sich jedoch eine Gleichstellung mit den Semestertickets der Studierenden. Die Runde vereinbarte, das Gespräch zum Thema Mobilität fortzusetzen. Insbesondere sollen dabei in einer künftigen Runde auch die Betriebe und ihre konkreten Problemstellungen in den Fokus gerückt werden. WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier betonte abschließend, dass alte ideologische Gräben in der Verkehrspolitik in den vergangenen Jahren überwunden werden konnten. Es sei von allen Seiten Pragmatismus gefragt, um z. B. klimapolitische Ziele zu erreichen.

Tarifbindung im Handwerk:

Schlüssel zur Nachwuchs- und Fachkräftesicherung?

Der Frage widmen sich am 10. Juni 2021 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft im Rahmen einer Veranstaltung, zu der der WHKT gemeinsam mit dem Kolpingwerk des Landesverbandes NRW und dem Deutschen Gewerkschaftsbund NRW einlädt. Von 10:00 Uhr bis 13:30 Uhr tauschen sich unter anderem NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann mit WHKT-Präsident Hans Hund und den NRW-Vorsitzenden von DGB und Kolping, Anja Weber und Dr. Stefan Nacke aus. Zudem haben ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke, BiBB-Präsident Prof. Dr. Hubert Esser sowie der Dekan der soziologischen Fakultät an der Uni Bielefeld, Prof. Dr. Detlef Sack, ihre aktive Teilnahme zugesagt.

Das vollständige Programm inklusive aller Referenten und Diskutanten sowie der Möglichkeit zur Anmeldung als Gast steht online zur Verfügung: www.whkt.de/anmeldeformulare/tarifbindung-im-handwerk 

Eine Teilnahme als Gast ist per ZOOM möglich. Die entsprechenden Zugangsdaten werden nach der Online-Anmeldung per Mail individuell verschickt. Die Diskutanten und Referenten werden weitgehend in Präsenz vor Ort teilnehmen. Die Moderation übernimmt Michaela Padberg (WDR).

Konjunkturbarometer erschienen:

Ergebnisse der Frühjahrsumfrage 2021 der NRW-Handwerkskammern

Das in diesem Monat veröffentlichte Konjunkturbarometer Ausgabe Nr. 85 – Mai 2021 mit den Ergebnissen der Frühjahrsumfrage bei Handwerksbetrieben zeigt zweierlei: Einerseits die nach wie vor große Stabilität des Gesamthandwerks, die sich im nahezu gleichbleibenden Geschäftsklimaindex von 114 Punkten ausdrückt und im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen weiterhin bemerkenswert ist.

Andererseits berichten aber auch die Betriebe im Handwerk im Saldo über rückläufige Umsätze, gesunkene Beschäftigung und schwächere Auftragseingänge im letzten halben Jahr. Die Corona-Pandemie zeigt sich eben auch im Handwerk und trifft einige Gewerke existentiell. Zuversichtlich stimmt jedoch, dass mit Blick auf die Pandemie das Licht am Ende des Tunnels immer größer wird. Ein neuer Aufbruch in viele gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen scheint zum Greifen nahe.

Das aktuelle Konjunkturbarometer mit dem Titel »Die Lage im Handwerk ist nach wie vor gespalten« gibt detailliert Auskunft über die Ergebnisse der Umfrage bei 6.670 Betrieben landesweit und steht unter www.whkt.de/konjunkturbarometer als PDF-Datei zur Verfügung.

Handwerksstatistik:

Neueste Fort- und Weiterbildungsstatistik online

Jährlich veröffentlicht der WHKT zu unterschiedlichsten Bereichen Statistiken und schreibt diese kontinuierlich über das Jahr fort. Ganz aktuell finalisiert wurde die Statistik der Fort- und Weiterbildung (ohne Meisterschulen) in Nordrhein-Westfalen.

Der Statistik kann man entnehmen, wie viele Teilnehmende an welchem Fortbildungslehrgang bei den Handwerkskammern teilnehmen und wie sich die Teilnehmenden an beruflichen Fortbildungsprüfungen auf die Regionen und Abschlüsse verteilen. So zeigt die Statistik für das Jahr 2020 zum Beispiel, dass die Bestehensquote über alle Fortbildungsprüfungen hinweg 95 Prozent beträgt. Eingerechnet sind diejenigen Personen (530 von 8.353 insgesamt), die bereits an einer Wiederholungsprüfung teilgenommen haben. Die Bestehensquote unter den Teilnehmenden an Wiederholungsprüfungen beträgt 90 Prozent.

Die neue WHKT-Statistik zum Stichtag 31.12.2020 ist zu finden unter www.whkt.de/statistik.

Integrationspreis verliehen:

Integration im Handwerk funktioniert

Der Präsident der HWK Münster und des WHKT Hans Hund (l.) gratuliert der Prodens Dentaltechnik GmbH in Recklinghausen als Preisträger im Kammerbezirk Münster (Foto: © Teamfoto Marquardt)

»Kein anderer Wirtschaftsbereich leistet so viel für die Integration von Menschen mit Einwanderungsgeschichte wie das Handwerk«, so NRW-Integrationsminister Joachim Stamp in seiner Video-Grußbotschaft an die im Jahr 2021 mit dem Integrationspreis der Handwerkskammern ausgezeichneten Betriebe.

Mit dem Preis würdigen die sieben Handwerkskammern in NRW und der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) alle zwei Jahre das besondere Engagement einzelner Mitgliedsbetriebe für die Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in NRW. Die Preisträger 2021 sind die Betriebe Elektro Ohligschläger (Würselen), Bäckerei und Konditorei Hensel (Enger), Bäckerei Wilhelm Kanne (Lünen), HMM Holz und Metallmöbel (Erkrath), Liebe zum Detail Friseure (Köln), Prodens Dentaltechnik (Recklinghausen) und Fliesenlegermeister Michael Bär (Siegen). Die Verleihung des Integrationspreises des Handwerks in NRW organisierten die Handwerkskammern in ihrem jeweiligen Kammerbezirk.

»Das Handwerk in NRW kann stolz darauf sein, dass es Menschen mit Einwanderungsgeschichte die Möglichkeit bietet, eine solide Berufsausbildung zu absolvieren. Dabei liegt das Erfolgsrezept darin, dass Auszubildende vielfach ein soziales Umfeld im Handwerk vorfinden, welches sie gezielt unterstützt«, so Minister Stamp.

Die Videobotschaft von Minister Joachim Stamp ist zu finden unter https://youtu.be/GRo9eKbYfu0.

Europa:

Der Nullschadstoff-Aktionsplan der Europäischen Kommission

Am 12. Mai 2021 hat die Europäische Kommission einen »Nullschadstoff-Aktionsplan« für Wasser, Boden und Luft vorgelegt. Er sieht insgesamt 33 Maßnahmen vor, darunter die Überarbeitung der Luftqualitätsrichtlinie, eine Prüfung von Politikoptionen zur Innenraumluft und Maßnahmen zum Bodenschutz.

Der Aktionsplan ist ein Baustein der im Green Deal verankerten Nullschadstoffstrategie. Die Strategie hat insgesamt drei Handlungsschwerpunkte: nachhaltige Chemikalien, Industrieemissionen und Wasser, Boden Luft.

Gerade der Bereich Luft ist für das Handwerk von erheblichem Interesse. Die Europäische Kommission kündigt an, im Jahr 2022 die Luftqualitätsrichtlinie mit dem Ziel zu überarbeiten, die europäischen Grenzwerte an die WHO-Richtwerte anzugleichen. Dieses Vorhaben ist nicht neu. Die Ambition findet sich bereits in einer europäischen Luftstrategie von 2013. Abweichungen gibt es vor allem bei Feinstaub (PM 2,5). Änderungen sind aber auch bei den Stickstoffdioxid-Grenzwerten wahrscheinlich. Dass die WHO ihrerseits gerade die WHO-Richtwerte überarbeitet, könnte der Anpassung des europäischen Rechts zusätzliche Dynamik verleihen. Dabei ist zu beachten, dass die WHO ihre Richtwerte ausdrücklich nicht als allgemeinverbindlich ansieht, sondern als Expertise, die offen ist für weitere Rechtsgüterabwägung. Wichtig für Handwerksbetriebe wird sein, bei Messung und Monitoring Klarstellungen zu erwirken, um bestehende Unsicherheiten auszuräumen.

Interessant für Handwerksbetriebe sind ferner die angekündigten quellenbezogenen Maßnahmen zu Festbrennstoffen, die 2024 in eine Änderung produktbezogener Ökodesignvorschriften münden wird. Ferner will die Kommission ein »neues« Thema anfassen: die Innenraumluft.

Der zweite relevante Bereich des Aktionsplans betrifft den Bodenschutz. Hier wird es neue Initiativen geben, die für Bauhandwerke von Interesse sind, zum Beispiel soll ein Pass für Bodenaushub geschaffen werden. Spannend wird, inwieweit das in der Vergangenheit kontroverse Vorhaben einer Bodenschutzrahmenrichtlinie wieder aufgegriffen werden könnte. Dafür gibt es aktuell keine konkreten Anhaltspunkte. Es erscheint aber auch nicht fernliegend. Und es wäre nicht das erste Mal, dass ein tot geglaubtes Projekt wieder auflebt. Zwischen 2006 und 2014 hatte sich das Handwerk beständig gegen die Verabschiedung der Bodenschutzrahmenrichtlinie gewehrt, die sehr weitreichende Vorgaben für Bodenzustandsberichte vorsah. Das Problem war in Teilen ein Technisches: ein Rechtsverweis führte dazu, dass eine Vielzahl von Handwerksbetrieben Vorgaben unterworfen wurde, die sich eigentlich an Industriebetriebe richteten, konkret solchen, die der Industrieemissionen-Richtlinie unterfallen. Im nächsten oder übernächsten Jahr wird sich herausstellen, wohin die Reise geht.

Aufbau des elektronischen Gesundheitsberuferegisters (eGBR):

WHKT setzt sich für lokale Beantragung und Ausgabe von elektronischen Berufsausweisen für das Gesundheitswesen ein

In der laufenden Legislaturperiode wurden zahlreiche gesundheitspolitische Gesetzgebungsverfahren unter Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angestoßen, die die zügige Digitalisierung des Gesundheitswesens im Rahmen der sogenannten Telematikinfrastruktur (TI) im Blick haben. Die TI bildet zukünftig einen umfassenden digitalen Rahmen für die Verwaltungs- und Versorgungsverfahren in allen Leistungsbereichen des Gesundheitswesens, so auch in der Versorgung mit Hilfsmitteln und Zahnersatz durch die Gesundheitshandwerke. Im derzeit laufenden Verfahren für das Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz wird in § 360 Abs. 7 DVPMG-Entwurf ein Anschluss der Gesundheitshandwerke an die TI bis zum 1. Januar 2026 gefordert. Damit sich die Betriebe aus dem Handwerk an die Telematikinfrastruktur anschließen können, benötigen sie auch personengebundene elektronische Berufsausweise (eBA), für deren Ausgabe die Handwerkskammern ein geeignetes System zur Beantragung und Ausgabe aufbauen. Im Rahmen eines gemeinsamen ZDH-Arbeitskreises aus Handwerkskammern und Gesundheitshandwerken bringt sich der WHKT aktiv mit den Handwerkskammern Düsseldorf und Dortmund ein und hat die Entscheidung für eine dezentrale Aufgabenorganisation des zukünftigen Ausgabemodells maßgeblich unterstützt.

Parallel koordiniert das MAGS NRW den Aufbau des elektronischen Gesundheitsberuferegisters (eGBR). Das eGBR soll als gemeinsame Stelle der Länder künftig die Ausgabe von elektronischen Ausweisen an Leistungserbringer übernehmen, die nicht über eigene Körperschaften zur Ausgabe der Ausweise verfügen. Der WHKT setzt sich als Vertretung einiger handwerkseigener Körperschaften für einen Dialog mit dem eGBR ein. Da das Handwerk mit seinen Kammern über eigene lokale Körperschaften verfügt, wird eine dezentrale Beantragung und Ausgabe der eBA in den einzelnen Handwerkskammern angestrebt. Mit der laufenden HWO-Novellierung soll die Handwerksordnung um einen § 91 Abs. 1 Nr. 14 HWO ergänzt werden, der den Handwerkskammern die Kompetenz für diese Aufgaben zuweist.

Digitalisierung:

Ausbau des Wirtschafts-Service-Portal.NRW beschlossen

Die kommunalen Spitzenverbände, die Landesvertretungen der Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern haben gemeinsam mit dem Wirtschafts- und Digitalisierungsministerium NRW den Ausbau des Wirtschafts-Service-Portal.NRW beschlossen. Ein wesentliches Ziel der dazu unterzeichneten Kooperationsvereinbarung besteht darin, durch Digitalisierung die Inanspruchnahme von Verwaltungsleistungen für Unternehmen zu vereinfachen.

WHKT-Präsident Hans Hund, der die Vereinbarung für den Westdeutschen Handwerkskammertag unterzeichnete und sie der Presse gemeinsam mit Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart sowie den weiteren Kooperationspartnern öffentlich vorstellte, betonte, dass die Corona-Krise gezeigt habe, dass der digitale Zukunftsanspruch gebraucht werde und einfachere und digitalere Zugänge zu den Verwaltungsprozessen notwendig seien.

Mit Blick auf die Kooperationsvereinbarung stellte er heraus, »dass wir damit bundesweit nun die Einzigen sind, die mit einer voll digitalen und aus Sicht des Kunden komfortablen Handwerksrolleneintragung aufwarten können.«

Außenwirtschaft:

Länderleitfaden Niederlande aktualisiert

Nachdem 2020 die Wirtschaft auch in den Niederlanden pandemiebedingte Umsatzrückgänge verzeichnen musste, wird für 2021 eine deutliche Erholung erwartet:

  • Etwa 42 Prozent der Maschinenbauer rechnen mit steigenden Umsätzen
  • Im Baubereich begrenzen Engpässe bei Personal und Material das Wachstum. Digitalisierung, modulares Bauen und Nachhaltigkeit bieten Potenziale, auch energetische Sanierungen im Bestand werden voraussichtlich weiterhin gute Perspektiven bieten. Dabei besteht neben privaten Wohngebäuden z.B. auch bei Pflegeheimen großer Bedarf an energiesparenden Lösungen.
  • 37 Prozent der Betriebe der Kfz-Industrie (Nutzfahrzeuge einschl. landwirtschaftliche Fahrzeuge) erwarten 2021 steigende Umsätze.
  • Ca. 20 Prozent der Importe von Fleisch und Fleischprodukten sowie Teig- und Backwaren stammen aus Deutschland. Niederländische Verbraucherinnen und Verbraucher achten zunehmend auf die Qualität von Lebensmitteln, die sie gerne auch online einkaufen.

Die Koordinierungsstelle Außenwirtschaft hat den Länderleitfaden Niederlande aktualisiert, der wichtige Hinweise enthält zu zentralen rechtlichen Fragen, die vor Aufnahme einer Geschäftstätigkeit in den Niederlanden zu beachten sind.

Den Leitfaden und Beratung für Ihre Auslandstätigkeit erhalten Unternehmen bei den Außenwirtschaftsberaterinnen und -beratern der Handwerkskammern: https://lgh.nrw/index.php/ihre-berater-innen

Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)«:

IQ Landesnetzwerk NRW feiert die Vielfalt am Diversity-Tag

»Vielfalt geht uns alle an.« So treffend beschrieb es Theresa Graml am Deutschen Diversity-Tag. Dieser fand am 18. Mai unter dem Motto #VielfaltVerbindet bereits zum 9. Mal statt. Deutschlandweit beteiligten sich etwa 800 Organisationen mit knapp 2500 Veranstaltungen an der Aktion. Das IQ Netzwerk NRW unterstützte die Charta der Vielfalt auch in diesem Jahr wieder – wenn auch in anderen Formaten als bisher gewohnt. Wie schon im letzten Jahr fiel das Partnerforum, welches sonst im Rahmen des Diversity-Tages stattfindet und durch den WHKT unterstützt wurde, pandemiebedingt aus.

Den Auftakt zum Diversity-Tag machte bereits am 14. Mai ein Präsenz-Workshop des IQ NRW Teilprojekts »ÖFFNNUGsZEITEN« von Migration und Arbeit e. V. in Kooperation mit dem Handwerkerinnenhaus Köln e. V. für Frauen mit Einwanderungsgeschichte. Ziel des Seminars war, die Teilnehmerinnen über Berufe und Chancen im Handwerk zu informieren und ihnen praktische Einblicke in die Arbeit zu geben. Am Ende des Workshops hatten die Frauen ihre eigene Schatzkiste gebaut.

Am Diversity-Tag lud die Landeskoordinierung in Zusammenarbeit mit dem Teilprojekt »VIELWERT“ von Arbeit und Leben e. V. Interessierte innerhalb und außerhalb des IQ Netzwerkes zu einem interaktiven Online-Workshop mit dem Thema »Vielfalt und Interkulturelle Sensibilisierung« ein. Theresa Graml, Organisatorin des Diversity-Tages, eröffnete den Workshop und dankte allen Teilnehmenden und Organisationen, die sich mit Aktionen beteiligten. Anschließend demonstrierten die Bildungsreferent*innen von »VIELWERT“ in kleinen Übungen, welche methodischen Möglichkeiten zur Interkulturellen Sensibilisierung es gibt.

Den Abschluss machte eine Informationsveranstaltung der MOZAIK gGmbH aus Bielefeld zum Thema »Vielfalt der ehrenamtlichen Fachkräftesicherungsbegleitung«. Im vergangenen Jahr befragte das IQ NRW Teilprojekt Migrantenorganisationen und Migrantencommunities zu den vielfältigen begleitenden Tätigkeiten. Die Ergebnisse wurden nun im Rahmen des Deutschen Diversity-Tages präsentiert.

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

ValiKom Transfer:

Veranstaltungsbranche informiert sich über das Validierungsverfahren

Einige Branchen sind von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen. Dazu zählt auch die Veranstaltungsbranche, die zu einem großen Teil zum Erliegen gekommen ist. Vor diesem Hintergrund beschäftigten sich Branchenvertreterinnen und -vertreter während der EU-weiten Online-Veranstaltung »Learning to be – Building Resilience in the Event Industry Labour Market in Europe« damit, welche Lehren für die Zukunft aus dieser Krise gezogen werden können. Der Fokus lag darauf, die Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erhöhen und lebenslanges Lernen zu fördern.

Tina Rapp vom WHKT hatte die Gelegenheit, während des Roundtables »Certification Systems – Needs and Requirements from an Industry Perspective« das Validierungsverfahren vorzustellen, mit dem berufliche Kompetenzen bewertet und zertifiziert werden können. Berufe, die für die Veranstaltungsbranche besonders relevant sind, wie Fachkraft für Veranstaltungstechnik, können im Projekt momentan nicht validiert werden. Dennoch stieß das Validierungsverfahren auf großes Interesse, denn viele Beschäftigte sind Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, An- oder Ungelernte. Daher beschäftigt sich die Branche bereits seit längerem damit, wie berufliche Kompetenzen dokumentiert und bewertet werden können. Der WHKT und die Branchenverbände werden sich daher auch in Zukunft zu diesem Thema austauschen.

Mehr Informationen zur Veranstaltung sind zu finden unter https://tebevat.eu/learning-to-be/

Das Projekt ValiKom Transfer wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und bundesweit von 30 Kammern aus Handwerk, Industrie, Handel und der Landwirtschaft umgesetzt. Weitere Informationen gibt es unter www.validierungsverfahren.de.

Ehrenamtsakademie Handwerk NRW:

Handwerksjunioren NRW – eine starke Stimme für das Ehrenamt im jungen Handwerk

Mit den Junioren des Handwerks NRW haben junge Handwerkerinnen und Handwerker im Alter zwischen 18 und 40 Jahren einen starken Interessensvertreter gegenüber Politik, Verbänden und Gesellschaft hinter sich. Gemeinsam mit Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT), tauschten sich Patrick Tilmes (Junioren des Handwerks Düsseldorf, Vorsitzender), André Maaß (Junioren des Handwerks NRW, Landesgeschäftsführer) und Kay Schlüter (Junioren des Handwerks, Geschäftsführer Regionalverband bei der HWK Südwestfalen) am 27. April 2021 über ehrenamtliches Engagement aus.

Fazit der Runde: Das Ehrenamt braucht authentische Personen, die dem Handwerk eine junge und starke Stimme verleihen sowie niederschwelligen Zugang zu Informationen und Netzwerken, um den Einstieg in ein Amt zu erleichtern. Den Nachwuchs noch stärker als bisher zu ermutigen, ehrenamtlich in der Organisationslandschaft des Handwerks mitzuwirken, ist großes Anliegen der Handwerksjunioren. Oft halten Berührungsängste den Nachwuchs ab, in Gremien oder auf der »großen Bühne« gemeinsam mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu agieren und das eigene Anliegen zu positionieren. Diese Berührungsängste gelte es durch persönlichen Austausch mit erfahrenen ehrenamtlich Engagierten, aber auch durch geeignete Trainingsangebote, die sich gezielt an junge Handwerkerinnen und Handwerker richten, abzubauen.

Ein umfangreicheres Austauschformat der Handwerksjunioren mit der Ehrenamtsakademie Handwerk NRW wurde für die zweite Jahreshälfte vereinbart, um ein gemeinsames Vorgehen zur Stärkung des Ehrenamtes im Handwerk zu erörtern.

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

gestern haben wir in Deutschland einen Tagesrekord bei den Impfungen erreicht. Ein Viertel der Deutschen ist zumindest mit einer ersten Impfung bereits geschützt. Die neue Impfdynamik gibt Hoffnung, dass wir die Pandemie bald überwinden können.

Um beim Impfen weiter voranzukommen, sind mehr und mehr auch die Betriebe gefragt. Vielerorts helfen dem Handwerk dabei künftig regionale Kooperationen und Betriebsarztzentren. Damit wir den Beschäftigen im Handwerk so schnell wie möglich Impfangebote unterbreiten können, sind Partnerschaften gefragt – auch mit den Impfzentren. Hier steckt ein echtes Potential für eine erfolgreiche Impfkampagne, die auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kleiner Betriebe in den Blick nehmen muss.

Die Pandemie ist weiterhin die entscheidende Belastung für den Ausbildungsmarkt. Es ist noch zu früh, um einen Trend bei den Ausbildungszahlen erkennen zu können. Doch die Vorzeichen sind alarmierend. Weiterhin fehlt der persönliche Kontakt zum Ausbildungsnachwuchs und weiterhin hat es die Übergangsberatung in den Schulen in Corona-Zeiten schwer.

Wir fordern die Landespolitik auf, die Anstrengungen mit Blick auf das kommende Ausbildungsjahr jetzt noch einmal zu verstärken. Aus der Corona-Krise darf sich keine Fachkräfte-Krise entwickeln. Und Corona darf vor allem nicht noch mehr Schaden an den Zukunftsperspektiven junger Menschen anrichten.

In den Abschlussklassen brauchen wir in den verbleibenden Wochen des Schuljahrs eine Offensive für die Übergangsberatung. Praktika sind die entscheidende Einstiegsmöglichkeit, für die noch mehr geworben werden muss. Die Schule sollten zudem angehalten werden, das Format der digitalen Elternabende zum Thema Berufswahl konsequent zu nutzen. Wir wissen um die enormen Belastungen der Schulen in der Pandemie, doch der Start junger Menschen ins Berufsleben darf nicht unter die Räder kommen.

Es grüßt Sie herzlich

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

 

WHKT-Frühjahrs-Vollversammlung:

Handwerk in NRW vermittelt Zuversicht in der Corona-Krise

Die Spitzenvertretungen der nordrhein-westfälischen Handwerkskammern haben sich im Rahmen der Vollversammlung des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT) am 13. April 2021 digital mit dem Chef der Staatskanzlei in NRW, Nathanael Liminski, getroffen.

WHKT-Präsident Hans Hund bedankte sich dabei für das vertrauensvolle und intensive Zusammenwirken zwischen Handwerk und Land NRW. In seinem Bericht zur Lage des Handwerks betonte er, dass sich der eingeschlagene europäische Weg zur Bekämpfung der Corona-Pandemie langfristig auszahlen werde. Natürlich müsse sich die Politik der Kritik stellen. Vieles hätte in den vergangenen Monaten besser laufen können. »Meckern allein bringt unser Land aber nicht nach vorn. Zur DNA des Handwerks gehört, dass wir Probleme eben nicht nur bemeckern, sondern mit anpacken.«

Weiter betonte WHKT-Präsident Hund: »Auch wenn wir insgesamt eine Spaltung der Konjunktur erleben, so sind es unterm Strich gerade die Betriebe des Handwerks, die das vergangene Jahr verhältnismäßig gut hinbekommen haben. Das ist zuvorderst ein Verdienst der 1,2 Mio. Handwerkerinnen und Handwerker und ihrer beruflichen Qualifikation. Auch daraus folgt unsere Botschaft für junge Leute, die jetzt ins Berufsleben starten: Wir brauchen Euch. Nutzt jetzt Eure Chancen einer Ausbildung im Handwerk!«

Weil das Gesamthandwerk stabil und stark sei, habe man Solidarität mit den Handwerksbetrieben in Not üben können. »In dieser Krise ist der Platz der Handwerkskammer zuallererst an der Seite der Betriebe in Not«, erklärte Hans Hund, der sich für den großen Einsatz der Betriebsberatung bedankte. An die Betriebe gewandt, forderte Präsident Hund diese auf, bei der Bekämpfung der Pandemie nicht nachzulassen und die Hygieneregeln streng zu beachten – auf jeder Baustelle und bei jedem Kunden. Gemeinsam müsse alles dafür getan werden, dem Virus keine Chance zu geben.

Trotz des andauernden Corona-Krisenmanagements sei es dem NRW-Handwerk gelungen, bei den wichtigen Zukunftsthemen Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit wichtige Schritte nach vorn zu machen, erklärte der Hauptgeschäftsführer des WHKT, Matthias Heidmeier, in der Vollversammlung. »Ich bin davon überzeugt, dass wir alle Chancen haben, nach Corona einen Aufbruch für mehr Wachstum, mehr Beschäftigung und mehr Innovation auch im Handwerk zu erleben«, sagte Heidmeier. Dafür brauche es die passenden politischen Rahmenbedingungen und faire Wettbewerbschancen für die kleinen Unternehmen.

Im Austausch mit Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei und Staatssekretär, fasste dieser die Lage wie folgt zusammen: »Das hinter uns liegende Coronajahr hat uns allen viel abverlangt – neben persönlichen Tragödien und Existenzängsten auch viel Geduld, Kompromisse und Rückschläge. Mein ausdrücklicher und herzlicher Dank gilt dem Handwerk in Nordrhein-Westfalen für die gute Zusammenarbeit und hervorragende Unterstützung im Kampf gegen die Pandemie, den wir nur gemeinsam gewinnen können. Die Landesregierung setzt sich weiter für eine zuverlässige Perspektive und klare Strategie für die Wirtschaft ein. Mit einer großen, gemeinsamen Kraftanstrengung – klaren und deutlichen Regeln, der Beschleunigung der Impfoffensive, dem wachsenden Einsatz von Selbst- und Schnelltests und der zunehmenden Nutzung digitaler Lösungen bei der Kontaktnachverfolgung – gehen wir große Schritte auf dem Weg zu verlässlichen Prognosen und Zusagen für die Branche.«

Den Wandel stabil gestalten:

Handwerk in NRW verabschiedet Digitalisierungsoffensive

Die Spitzenvertretungen der nordrhein-westfälischen Handwerkskammern haben sich im Rahmen ihrer Frühjahrs-Vollversammlung des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT) auf die Umsetzung einer »Digitalisierungsoffensive Handwerk NRW« verständigt. Der Beschluss steht unter der Überschrift »Mit mehr Mut und mehr Selbstbewusstsein den digitalen Wandel vorantreiben«. Hierbei stehen fünf Handlungsfelder im Mittelpunkt: Betriebe, Bildung, Beratung, Verwaltung und Infrastruktur. Diese sind in dem Beschluss jeweils mit Standpunkten hinterlegt.

Mit Blick auf die Betriebe stellt WHKT-Präsident Hans Hund fest: »Kleine und mittlere Unternehmen des Handwerks brauchen für mehr Digitalisierung ihrer Geschäfts- und Fertigungsprozesse konkrete Unterstützungsmöglichkeiten. Nur damit werden die wichtigen Chancen des aktuellen Digitalisierungsschubs nachhaltig wirksam. Mit einer entsprechenden Digitalisierungsprämie für Handwerksbetriebe kann dies gelingen.«

In diesem Zusammenhang geht es für Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostwestfalen Lippe zu Bielefeld und Federführer für den Themenbereich der Digitalisierung im WHKT, maßgeblich auch darum, dass das Handwerk mehr als »nur« Stabilisator der Wirtschaft ist. »Mit einer konsequenten Digitalisierungsstrategie wollen wir Antreiber der wirtschaftlichen Entwicklung sein. Insgesamt hat das Handwerk an vielen Stellen, gerade bei den kleinen Betrieben, auch Aufholbedarf. Die politischen Rahmenbedingungen sind deswegen ebenso entscheidend wie die Überzeugungsarbeit im Handwerk selbst: Die Digitalisierung ist keine Bedrohung, sondern eine Gestaltungschance für das Handwerk.«

Damit diese Transformation im und mit dem Handwerk gut gelingt, weist Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT, auf die Erwartungen hin, die das Handwerk NRW gegenüber der Landesregierung in dem Positionspapier deutlich formuliert. »Wir brauchen faire Wettbewerbsbedingungen, eine Beteiligung des Handwerks an den Digitalisierungsinitiativen des Landes, mehr Anerkennung des Handwerks für die Umsetzung der Digitalisierung und eine leistungsfähige Infrastruktur ­­­– gerade in der Fläche.« Der gute Dialog mit der Landesregierung und insbesondere mit dem Digitalministerium sei für die Ziele des Handwerks eine gute Basis.

Der Beschluss steht online zur Verfügung unter www.whkt.de/positionen.

Motto und Strategie zugleich:

Handwerk wächst. International.

Zur Stärkung der außenwirtschaftlichen Aktivitäten der Handwerksbetriebe in NRW haben sich die Spitzen der NRW-Handwerkskammern bei ihrer Vollversammlung des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT) unter dem Titel »Handwerk wächst. International.« auf eine Grundsatzposition verständigt, die an die wichtigen Potentiale der Außenwirtschaftsberatung der Handwerkskammern anknüpft.

Hierzu Hans Hund, WHKT-Präsident: »Seine Potentiale hat das Handwerk bei der internationalen Platzierung seiner Leistungen längst nicht ausgeschöpft. Das hat vielfältige Ursachen. So verfügen kleinere und mittlere Betriebe kaum über die Kapazität, internationale Märkte und deren Besonderheiten systematisch zu erkunden und stabile Geschäftsbeziehungen zu knüpfen. Die Außenwirtschaftsberatungen der Handwerkskammern sind hierfür zentrale und seit vielen Jahren etablierte Anlaufstellen. Sie verfügen über Netzwerke, die den Betrieben helfen, die Herausforderungen auf internationalen Märkten zu meistern.«

Die wichtigsten Forderungen der Grundsatzposition: Unterstützung der Außenwirtschaftsberatung der Kammern durch die mit finanzieller Förderung des Landes NRW neu eingerichtete Koordinierungsstelle Außenwirtschaft + Sensibilisierung von NRW-Handwerksunternehmen für die Chancen auf Auslandsmärkten +  Beteiligung des Handwerks an außenwirtschaftlicher Förderung + Berücksichtigung des NRW-Handwerks im Rahmen der Außenwirtschaftsstrategie der NRW.Global Business + Vermittlung außenwirtschaftlicher Stärken handwerklicher Leistungen + Ausbau der europäischen Integration durch den Austausch handwerklicher Dienstleistungen.

Über die Gründe für mehr Internationalität im Handwerk sagt Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer von WHKT und LGH in Düsseldorf: »Nachhaltigkeit und Digitalisierung haben bereits jetzt viel verändert und werden noch viel verändern. Für kleinere und mittlere Unternehmen des Handwerks bleiben dies maßgebliche Zukunfts- und Erfolgskriterien. Internationalität und außenwirtschaftliches Engagement sind damit fest verbunden. Hierfür setzen wir uns ein. Mit den Außenwirtschaftsberatungen der Handwerkskammer sind wir selbst für unsere Betriebe in NRW bestens aufgestellt.«

Die WHKT-Grundsatzposition steht als Download zur Verfügung unter www.whkt.de/positionen

Prüfen und Testen:

Test-Empfehlung für alle Prüfungsteilnehmende

In Nordrhein-Westfalen gibt es aktuell keine Testpflicht für Personen, die eine Berufsabschlussprüfung bzw. Gesellenprüfung ablegen. Bei Prüfungen, die in Räumen der Berufskollegs organisiert werden, gilt nach aktueller Coronabetreuungsverordnung (CoronaBetrVO), dass diejenigen ohne Corona-Test in einem anderen Raum geprüft werden müssen als diejenigen mit aktuell gültigem negativem Test. Das bringt diverse zusätzliche organisatorische Aufwände mit sich.

Diskussionen und große Unruhe rund um das Thema sind jedoch nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern bundesweit in den letzten Wochen entstanden. Das Bundesland Berlin hatte vor kurzen den Vorstoß unternommen und eine Testpflicht für Prüfungen eingeführt.

Die Handwerkskammern haben sich landesweit abgestimmt und ihre Corona-FAQ Liste zum Thema Ausbildung und Prüfungen um die Fragen 28 bis 31 ergänzt. Die aktuelle FAQ-Liste steht hier als Download-PDF zur Verfügung.

Die einvernehmliche Empfehlung an alle an der Prüfung Beteiligten ist, sich einen Termin für eine Corona-Testung (Schnelltest) zu reservieren und den Test auch unabhängig vom Bestehen einer gesetzlichen Verpflichtung zum Schutz aller Prüfungsteilnehmenden zeitnah vor der Prüfung durchführen zu lassen.

WHKT-Statistik zeigt Entwicklung der Meisterprüfungen auf:

Meisterprüfungen – mehr Frauen, aber insgesamt erneut rückläufig

Im Jahr 2020 wurden in Nordrhein-Westfalen 3.152 Meisterprüfungen bestanden. Das sind 15 Prozent weniger als im Jahr 2019 (-545). Betrachtet man den Durchschnitt der letzten zehn Jahre, ist dies ein Minus von 18, im Vergleich zum Durchschnitt der letzten 20 Jahre sogar ein Minus von 21 Prozent.

Indes ist der Anteil der Frauen, die eine Meisterprüfung abgelegt haben, im 20-Jahresvergleich von rund 14 auf rund 20 Prozent angestiegen. Der höchste Wert in dem Zeitraum lag bei 23,3 Prozent im Jahr 2010.

Im Jahr 2020 entfallen 3.057 Meisterprüfungsverfahren auf die zulassungspflichtigen Handwerke (Anlage A der Handwerksordnung), 82 Verfahren wurden in Gewerken der Anlage B1 und 13 in Gewerben in der Anlage B2 abgeschlossen. 97 Prozent aller Meisterprüfungen wurden somit in den zulassungspflichtigen Handwerken abgelegt.

In den folgenden neun Handwerken sind jeweils mehr als 100 Meisterprüfungen abgelegt worden: Kraftfahrzeugtechniker/in, Friseur/in, Installateur/in und Heizungsbauer/in, Elektrotechniker/in, Maler/in und Lackierer/in, Tischler/in, Augenoptiker/in, Metallbauer/in und Dachdecker/in. Insgesamt wurden in diesen neun Handwerken 70,2 Prozent aller Meisterprüfungen abgelegt.

Die neue WHKT-Statistik zum Stichtag 31.12.2020 ist zu finden unter www.whkt.de/statistik.

WHKT-Betriebsstatistik:

Daten zur Unternehmensentwicklung 2020 liegen vor

Neben dem Kapitel »Meisterprüfungen« steht mit dem Kapitel »Betriebsstatistik« ein weiterer Themenbereich der Handwerksstatistik NRW 2020/2021 mit neuestem Zahlenmaterial zur Verfügung. Das Kapitel gibt Aufschluss über die Entwicklungen der Unternehmen der zulassungspflichtigen Handwerke (Anlage A HwO), der Unternehmen der zulassungsfreien Handwerke (Anlage B1) und Unternehmen des handwerksähnlichen Gewerbes (Anlage B2 HwO) im NRW-Handwerk, jeweils in fachlicher Gliederung.

Die Statistik zeigt, dass sich insgesamt die Anzahl der Unternehmen in NRW um + 0,9 Prozent gegenüber dem Jahr 2019 verändert hat. Die Berufsgruppen des Vollhandwerks (Anlage A HwO) haben sich mit + 1,3 Prozent, die des zulassungsfreien Handwerks (Anlage B1 HwO) mit + 6,6 Prozent und die des handwerksähnlichen Gewerbes (Anlage B2 HwO) mit + 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr verändert.

Die neue WHKT-Statistik zum Stichtag 31.12.2020 ist zu finden unter www.whkt.de/statistik.

Neufassung Denkmalschutzgesetz NRW:

WHKT fordert Stärkung und Förderung der Restauratoren/innen im Handwerk

Die Landesregierung hat am 2. März 2021 den von der Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichbehandlung vorgelegten Entwurf einer Neufassung für ein nordrhein-westfälisches Denkmalschutzgesetz (Denkmalschutz – DSchG) gebilligt und beschlossen, zu dem vorgelegten Gesetzesentwurf die Vertretungen der beteiligten Fachkreise und Verbände sowie die Kommunalen Spitzenverbände anzuhören. Der WHKT hat zu dem Gesetzesentwurf der Landesregierung zur Neufassung DSchG Stellung genommen und ausdrücklich das Ziel des Gesetzesentwurfs – nach vier Jahrzehnten Bestand an die denkmalschutzrechtliche Rechtsprechung, Erfahrungen aus der Anwendung des Gesetzes und zur Berücksichtigung gesellschaftlicher und/oder umweltpolitischer Erforderlichkeiten, einer Anpassung zu unterziehen – begrüßt.

Das öffentliche Interesse an Denkmalschutz und Denkmalpflege, die Beschreibung der Aufgaben als wissenschaftliche Erforschung von Denkmälern, die Verbreitung des Wissens über Denkmäler sowie ihres Schutzes und ihrer Pflege nach Maßgabe des Gesetzes wird ausdrücklich als eine gemeinsame Aufgabe aller Beteiligten gesehen, bei der Handwerkerinnen und Handwerkern eine wichtige Rolle zukommt. Aus Sicht des Handwerks bedarf es hierzu der besonders qualifizierten Handwerkerinnen und Handwerker, die Verantwortung für die Zeugnisse unserer Geschichte übernehmen und in jedem Einzelfall nach der Eigenart und dem geschichtlichen Wert des Denkmals suchen sowie einzelfallorientierte, sorgfältig abgewogene Lösungen für die Erhaltung und Restaurierung finden. Um diese Qualität muss es in der Denkmalpflege nach Ansicht des Handwerks gehen. Denn diese Qualität bewahrt eine selten gewordene Handwerkskultur. Es ist daher eine Forderung des Handwerks die selten gewordene Handwerkskultur der Restauratoren/innen im Handwerk zu stärken und zu fördern.

Die Vielfalt unseres kulturellen Erbes wurde von Handwerkerinnen und Handwerkern wesentlich mitgeprägt und hat zu einzigartigen Schätzen beigetragen. Denkmäler sind Zeugnisse des künstlerischen und des handwerklichen Schaffens vergangener Zeiten und es ist heute die Aufgabe verantwortungsbewusster Handwerkerinnen und Handwerkern, ihre Tätigkeit am Denkmal mit dem gebührenden Respekt vor der Originalsubstanz als geschichtlichem Zeugnis sowie vor der Leistung ihrer beruflichen Vorfahren auszuüben.

Handwerk und Design auf höchstem Niveau:

NRW-Staatspreis für das Kunsthandwerk MANUFACTUM 2021 vergeben

Foto: Lina Nikelowski Fotografie

Die Auszeichnungen NRW-Staatspreis für das Kunsthandwerk wurden am Samstag, 24. April 2021, in sechs Kategorien durch Landesministerin Ina Scharrenbach im Auftrag des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen und Schirmherrn des Wettbewerbs, Armin Laschet, im Dortmunder Konzerthaus verliehen. Leider konnte die Preisverleihung aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht wie gewohnt mit vielen Gästen durchgeführt werden. Doch konnten die Gäste von überall an der Veranstaltung teilnehmen und die Preisträgerinnen und Preisträger per Live-Stream bei der Feierstunde, mit Begrüßung durch den Oberbürgermeisters der Stadt Dortmund Herrn Thomas Westphal, einer Videobotschaft des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen und Schirmherren des Wettbewerbs, Armin Laschet, und Redebeiträgen des Präsidenten der Handwerkskammer Dortmund, Berthold Schröder und des Präsidenten von Handwerk.NRW, Andreas Ehlert, sowie in Vertretung des Wirtschaftsministers NRW Prof. Dr. Andreas Pinkwart und im Namen der Landesregierung, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung des Landes NRW, Ina Scharrenbach, begleiten. Der Stream ist weiterhin online und kann von der Internetseite zum Staatspreis NRW unter https://www.staatspreis-manufactum.de/staatspreise/staatspreis-2021 gestartet werden.

Die Bewertungskriterien für die Vergabe der Staatspreise für die Unikate von herausragender kunsthandwerklicher Qualität waren handwerkliche Präzision, innovative Gestaltung aus einer Hand und ein experimenteller Umgang mit Materialien. Die Trägerinnen und Träger des Staatspreises für das Kunsthandwerk 2021 sind:

  • Kategorie Bild- und Druckmedien: Jan Göller aus Kerken
  • Kategorie Kleidung und Textil: Sharokina Golpashin, aus Düsseldorf
  • Kategorie Möbel: Oliver Trepper aus Münster,
  • Kategorie Objekt und Skulptur: Maria Pohlkemper aus Billerbeck
  • Kategorie Schmuck: Carola Kosche aus Lüdenscheid
  • Sonderpreis Bild- und Druckmedien: Theresa Wedemeyer aus Münster

Alle 121 in die Vorauswahl gekommenen Exponate inklusive der ausgezeichneten Arbeiten sind noch bis zum 27. Juni 2021 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund (MKK) in der Sonderausstellung »MANUFACTUM« zu sehen. Derzeit hat das MKK jedoch coronabedingt geschlossen. Sobald es wieder öffnet, besteht die Gelegenheit, vor Ort im Museum über ihr Lieblingsstück und damit über den Publikumspreis abzustimmen. Ein Designpräsent winkt als Gewinn.

Junge und angehende Handwerkerinnen und Handwerker können sich zudem kostenfrei einer der für sie speziell organisierten Führung während der Ausstellungszeit anschließen.

Die perfekte Verbindung von Handwerk, Design und angewandter Kunst wurde am 24. April 2021 zum 30. Mal mit dem NRW-Staatspreis für das Kunsthandwerk MANUFACTUM ausgezeichnet. Aus insgesamt 375 Bewerbungen wählte eine fachkundige Jury 121 Arbeiten aus. Ein Preisgericht entschied im Anschluss über die Vergabe der Staatspreise in den sechs Kategorien.

Alle zwei Jahre können sich Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker, die in Nordrhein-Westfalen leben und arbeiten, um die Teilnahme an der Landesausstellung bewerben. Der Wettbewerb gehört mit insgesamt 60.000 Euro zu den höchstdotierten Preisen seiner Art in Deutschland. Wettbewerb und Ausstellung werden im Auftrag der Landesregierung NRW von der Beratungsstelle für Formgebung der Handwerkskammer Aachen Gut Rosenberg in Zusammenarbeit mit dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) in Dortmund durchgeführt.

Weitere Informationen unter: www.staatspreis-manufactum.de

Europa:

Einigung über Klimagesetz

Am 21. April 2021 haben sich der Rat, das Europäische Parlament und die Europäische Kommission nach mehr als zehnstündigen Verhandlungen informell auf einen Verordnungstext für ein europäisches Klimagesetz geeinigt. Kernanliegen des Klimagesetzes ist es, das politische Ziel, Europa bis 2050 zur Klimaneutralität zu führen, rechtlich zu verankern und den Pfad dahin zu beschreiben. Das heißt, das Klimagesetz legt Leitplanken fest. Die Auswirkungen auf die Handwerksbetriebe hängen wesentlich von den fachrechtlichen Änderungen ab, die sich aus dem Ambitionsniveau und dem Pfad ableiten.

Die Einigung sieht vor, das Emissionsminderungsziel bis zum Jahr 2030 auf mindestens 55 Prozent im Vergleich zum Referenzjahr 1990 anzuheben. Das klingt abstrakt, aber es ist eine 15-prozentige Steigerung gegenüber dem geltenden Ziel. Darüber hinaus wurde vereinbart, dass die Europäische Kommission im Jahr 2024 einen Vorschlag für ein Klimaziel für 2040 machen. Das bedeutet, je nachdem wie sich das Emissionsbudget entwickelt, wird sich der Pfad absehbar noch einmal verändern. Schließlich sieht die Einigung vor, dass die Emissionsminderung nach 2050 fortgeführt wird. Das Netto-Nullemissionsziel ist also nicht das Ende des Transformationsprozesses.

Jenseits der Perspektive für 2030, 2040 und 2050 ergeben sich aus dem Klimagesetz einige relativ konkrete Folgen.

  • Erstens soll, wenn künftig europäische Gesetzesvorhaben vorgelegt werden, die Folgenabschätzung eine eingehende Klimaverträglichkeitsprüfung der geplanten Maßnahmen beinhalten. Handwerksseitig werden wir sehen müssen, dass die Auswirkungen derselben Rechtsakte auf kleine und mittlere Unternehmen dabei nicht vollends aus dem Blick geraten.
  • Zweitens ist die Verabschiedung von Sektorstrategien geplant. Das birgt die Chance, das Handwerk als Umsetzer der Energie- und Klimawende zu positionieren. Es birgt zugleich die Gefahr, dass Sektoren gegeneinander ausgespielt werden. Das könnte zu Lasten von Gebäuden und Verkehr gehen, zwei Sektoren, die für das Handwerk von erheblicher Bedeutung sind.
  • Drittens macht die Einigung zum Klimaziel für 2030-Ziel den Weg frei für das »Fit für 55«-Paket. Dieses Paket mit seinen 12 oder 13 klima- und energiepolitischen Regelungsvorhaben wird das Klimagesetz für Handwerksbetriebe »spürbar« machen. Das betrifft insbesondere den Gebäudesektor mit dem Ziel, die Sanierungsquote zu steigern und zugleich Gebäude »tiefer« energetisch zu sanieren und für Neubauten auf einen Nullemissionsstandard festzuschreiben. Außerdem wird das Paket den Umstieg auf alternative Antriebe befördern, indem die Emissionsgrenzwerte für Neufahrzeuge gesenkt, die öffentliche Ladeinfrastruktur ausgebaut und die Anforderungen Ladeeinrichtungen in Gebäuden möglicherweise noch einmal verschärft werden.

Die Europäische Kommission sieht Digitalisierung und Klimawende als »twin transitions«. Der mit den Klimazielen verbundene Umwälzungsprozess wird in den kommenden Monaten erheblich an Dynamik gewinnen. Das Klimagesetz legt dafür einen Grundstein. 

Aufträge in Großbritannien:

Wichtige Änderungen bei Entsendung von Mitarbeitern nach Großbritannien

Das Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der EU, das Ende 2020 geschlossen wurde, regelt, wie nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU gemeinsame Handelsbeziehungen und der Austausch von Dienstleistungen fortgesetzt werden können. Die Dienstleistungsfreiheit, die wir in der EU schätzen gelernt haben, gilt allerdings nicht mehr: Zur Einreise nach Großbritannien für die Erbringung von Dienstleistungen (Montage, Werklieferung, Leistung an Privatkunden) ist nun eine Genehmigung, in der Regel ein Visum, erforderlich. Für Unternehmen aus der Baubranche wird Großbritannien allerdings grundsätzlich keine Visa ausstellen.

Ohne Visum können Unternehmen einreisen, wenn sie mit ihren Mitarbeitern bereits vor 01.01.2021 in UK tätig waren. Bis 30.06.2021 kann hierfür eine Grenzarbeiter-Erlaubnis beantragt werden, die für 5 Jahre gültig sein wird.

Wer vor Ende 2020 mindestens einmal pro Jahr in Großbritannien gearbeitet habt, kann Anspruch auf eine Grenzgänger-Erlaubnis (»Frontier Worker Permit«) haben. Voraussetzung ist, dass die Antragsteller regelmäßig mindestens einmal in 12 Monaten in UK gearbeitet, aber nicht dort gelebt haben. Die Aufenthalte und Tätigkeiten können im Rahmen von Aufträgen für Privat- und für Geschäftskunden stattgefunden haben. Mit der Antragstellung sind keine Kosten verbunden, die Erlaubnis wird gebührenfrei erteilt.

Wer eine Grenzgänger-Erlaubnis hat, kann weiterhin in Großbritannien Montagetätigkeiten und andere Leistungen ausführen, ohne dass ein Visum oder andere Einreisegenehmigungen beantragt werden müssen. Die Grenzgänger-Erlaubnis muss bis spätestens 30. Juni 2021 beantragt werden und gilt für 5 Jahre. Nach Ablauf kann eine Verlängerung beantragt werden, für die ebenfalls weiterhin jährliche Geschäftsaktivität belegt werden muss.

Wenn aufgrund von Corona oder anderer Gründe wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Schwangerschaft in den letzten 12 Monaten nicht in Großbritannien gearbeitet werden konnte, kann dennoch ein Anspruch auf ein Frontier Worker Permit bestehen.

Beratung und Hilfestellung für Unternehmen bietet die Koordinierungsstelle Außenwirtschaft der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) unter aussenwirtschaft[ ät ]lgh.de, Tel.: 0211-30108 452.

 

Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen:

»FAQ – Häufig gestellte Fragen« zum Thema Anerkennung mit Qualifikationsanalysen für Antragstellende

Ist eine Berufsanerkennung auch ohne Zeugnisse und schriftliche Nachweise aus dem Ausland möglich? Was ist eine Qualifikationsanalyse und wie läuft sie ab? Brauche ich Deutschkenntnisse und welche Hilfen gibt es während der Qualifikationsanalyse? Diese und weitere Fragen beantwortet die Publikation »FAQ – Häufig gestellte Fragen« für die Zielgruppe Antragstellende. In einfacher Sprache werden Fragen rund um die Durchführung der »sonstigen Verfahren« gemäß § 14 BQFG, Chancen und Nachteile sowie die Finanzierung des Verfahrens beantwortet.

Die FAQ richten sich an Antragstellende, denen zuständige Stellen im Rahmen des beruflichen Anerkennungsverfahrens eine Teilnahme am Kompetenzfeststellungsverfahren der Qualifikationsanalyse anbieten. Die »sonstigen Verfahren« bei fehlenden schriftlichen Belegen stellen eine Ausnahmeregelung im BQFG Bund und den vergleichbaren Landesgesetzen dar. Im Verhältnis zur Anzahl der jährlichen Anerkennungsverfahren ist die Zahl an Qualifikationsanalysen entsprechend gering und das Verfahren weniger bekannt.

Zur Unterstützung von BQFG-Sachbearbeitenden und Anerkennungsberaterinnen und -beratern in den Kammern hat der Westdeutsche Handwerkskammertag die »FAQ – Häufig gestellte Fragen« für Antragstellende konzipiert und federführend erstellt. In der kommenden Woche werden sie durch das Projekt »NetQA – Netzwerk Qualifikationsanalyse« veröffentlicht. Zuständige Stellen können die FAQ im geschützten Bereich des Expertise- und Wissenspools Qualifikationsanalysen auf Anerkennung in Deutschland herunterladen: www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/pro/expertise-wissenspool.php. Handwerkskammern stehen die FAQ zusätzlich im internen Bereich des BQ-Portals zur Verfügung: www.bq-portal.de/Arbeitshilfen/Idealtypischer-Bewertungsablauf/Gleichwertigkeitsprüfung.

Die FAQ zur Qualifikationsanalyse erscheinen sowohl digital als auch im Printformat. Somit können zuständige Stellen diese bei einer Face-to-Face-Beratung Antragstellenden aushändigen oder bei Bedarf per Post zusenden. Zuständige Stellen erhalten in den kommenden Wochen ein Kontingent an Druckerzeugnissen.

Das Verbundprojekt wird vom Westdeutschen Handwerkskammertag fachlich gesteuert, vom Bundesinstitut für Berufsbildung koordiniert und von mehreren Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern umgesetzt. Informationen zum Projekt »NetQA« finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

ValiKom Transfer:

Beteiligte Unternehmen bewerten Validierungsverfahren überaus positiv

Während des achten Arbeitsgruppentreffens des Projekts ValiKom Transfer, das am 20. und 21. April 2021 stattfand, präsentierten Dr. Sarah Wirtherle und Laura Müller-Werth (Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk) erste Ergebnisse der Unternehmensbefragung und der Befragung der Antragstellenden im Projekt ValiKom Transfer.

Unternehmen, die mindestens einen Mitarbeitenden bei der Verfahrensteilnahme unterstützt haben, wurden zu ihren Erfahrungen befragt. 27 Prozent der Betriebe wurden durch Mitarbeitende angesprochen, die das Verfahren durchlaufen wollten. 56 Prozent wurden über die Kammern auf das Validierungsverfahren aufmerksam und haben Mitarbeitenden die Unterstützung bei der Teilnahme angeboten. Über 90 Prozent der befragten Unternehmen sind zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Verfahren und mit der Betreuung durch die Kammer. Für diese Zufriedenheit spricht auch, dass viele Unternehmen mehr als einen Mitarbeitenden bei der Verfahrensteilnahme unterstützt haben.

Personen, die einen Antrag auf Validierung gestellt haben, wurden dazu befragt, welche Ziele sie mit dem Validierungsverfahren verfolgen. Beschäftigte und Selbstständige nannten am häufigsten die persönliche und/oder berufliche Weiterentwicklung sowie die Verbesserung beruflicher Chancen.

Arbeitsuchende Personen möchten am häufigsten ihre beruflichen Chancen verbessern und eine Arbeitsstelle finden. Die persönliche und/oder berufliche Weiterentwicklung ist in dieser Gruppe die dritthäufigste Nennung.

Während des Projekttreffens wurde außerdem der Nachfolgeprozess, der sich an das Validierungsverfahren anschließt, besprochen. Allen Teilnehmenden wird eine Anschlussberatung angeboten, um berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu besprechen. Teilnehmende, die nicht alle Bereiche eines Berufsbildes beherrschen, können außerdem fehlende Kompetenzen durch eine Anpassungsqualifizierung erwerben. In einem Folgeverfahren können diese neuen Kompetenzen bewertet und bescheinigt werden. Der Ablauf des Prozesses hat sich während der Erprobung bewährt und wird in dieser Form weitergeführt.

Das Projekt ValiKom Transfer wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und bundesweit von 30 Kammern aus Handwerk, Industrie, Handel und der Landwirtschaft umgesetzt. Weitere Informationen gibt es unter www.validierungsverfahren.de.

Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)«:

Neue Broschüre für das IQ Landesnetzwerk NRW

Neues Jahr, neue Broschüre: Seit April 2021 stellt das Landesnetzwerk des Programms Integration durch Qualifizierung (IQ) in NRW sämtliche Teilprojekte und Verantwortliche in einer neuen digitalen Broschüre vor.

Diese haben im vergangenen Jahr trotz der schweren Rahmenbedingungen großartige Arbeit geleistet: über 5.700 Menschen wurden zu Fragen der Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse beraten und über 700 Menschen in Form von Qualifizierungen dabei unterstützt, eine bildungsadäquate Beschäftigung zu finden. Darüber hinaus wurden fast 300 Schulungen mit Arbeitsmarktakteuren durchgeführt, um interkulturelle Kompetenzen und Öffnungsprozesse zu stärken.

Im vergangenen Jahr bekam das Netzwerk Zuwachs: die Landesgewerbeförderungsstelle des Nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH e.V.) ist seit Oktober 2020 als Projektträger verantwortlich für die Einrichtung einer Regionalen Koordinierungsstelle für die Fachkräfteeinwanderung (RKF).

Insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, der in vielen Bereichen durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Ausbremsung der Zuwanderung ausländischer Fachkräfte verstärkt wurde, wächst sowohl seitens der kleinen und mittleren Unternehmen, als auch durch die interessierten Fachkräfte aus dem Ausland der Wunsch nach einer bedarfsgerechten Unterstützung. Die neu eingerichtete RKF hat die Aufgabe, Akteure aus der Arbeitsverwaltung und der Wirtschaft im Prozess der Einwanderung von Fachkräften zu beraten und zu unterstützen.

Der Westdeutsche Handwerkskammertag hat die Landeskoordinierung des IQ Netzwerks NRW inne.

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Online-Informationsveranstaltung:

Immaterielles Kulturerbe

Immaterielles Kulturerbe wie Tanz, Theater, Musik, Bräuche, Feste oder Handwerkskünste wird aktiv gelebt, weiterentwickelt und von Generation zu Generation weitergegeben. In Deutschland führen die Länder und der Bund Listen des Immateriellen Kulturerbes, um die kulturelle Vielfalt besser sichtbar zu machen. Ziele sind die Anerkennung und Auszeichnung der sogenannten lebendigen Traditionen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Bedeutung.

Die Vorschläge für die Eintragungen in die Kulturerbe-Verzeichnisse stammen von den Gruppen und Gemeinschaften, welche die jeweilige Kulturform selbst ausüben. Sie bewerben sich hierfür in ihrem Bundesland. Aus dem bundesweiten Verzeichnis nominiert der Staat jährlich maximal eine Kulturform als Immaterielles Kulturerbe bei der UNESCO. Noch bis zum 30. November 2021 ist die Bewerbung im Auswahlverfahren 2021/23 möglich.

Mit der Online-Informationsveranstaltung »Immaterielles Kulturerbe, Vorträge, Diskussionen & Beratung zum Bewerbungs- und Auswahlverfahren 2021/23« der Landesstelle Immaterielles Kulturerbe NRW am 10. Mai 2021 soll das Verfahren und die Bewerbungsmodalitäten vorgestellt und Raum für Fragen und Diskussionen geboten werden.

Die Veranstaltung findet als Video-Konferenz am Montag, 10. Mai 2021, 14:00 bis 17:30 Uhr, ausschließlich online statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Weitere Informationen sind dem Folder zur Veranstaltung zu entnehmen, der über folgenden Link zur Verfügung steht: Programmflyer_IKE_10.5.2021.pdf

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

die Pandemie dauert zermürbend lange. Wir alle hatten auf Entspannung im Frühjahr gehofft, leider tritt nun das Gegenteil ein. Wohl oder übel müssen wir alle noch einmal die Zähne zusammenbeißen. Der Weg aus der Krise führt letztlich nur über das Impfen. Wir hoffen auf die für April angekündigte neue Impfdynamik und dann vor allem auf die Entspannung der Lage – je früher desto besser. 

Das Handwerk zeigt in dieser Krise von Beginn an ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Ein Verantwortungsbewusstsein, das jetzt auch bei den Corona-Tests gefragt ist. Viele Handwerksbetriebe führen bereits Testungen durch, andere planen, solche Tests kurzfristig ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anzubieten. Vielfach scheitert der Wille zu testen allerdings an fehlenden Test-Kits. Hier braucht es dringend ein größeres Angebot.

Unser Ziel muss sein, dass so viele Betriebe wie irgendmöglich Corona-Selbsttests anbieten. Nur so – verbunden mit einem deutlichen Mehr an Impfungen – werden wir wieder mehr Spielräume in der Pandemiebekämpfung erhalten. 

Der wirtschaftliche Schaden der Pandemie ist jetzt schon immens. Wenn deswegen dann auch immer weniger junge Menschen den Weg in die berufliche Bildung finden, dann werden die Schäden irgendwann irreparabel sein. Zu den wichtigsten Aufgaben in der aktuellen Lage gehört es deswegen auch, trotz allem den Kontakt zu den jungen Menschen zu suchen. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Pandemie Zukunftschancen der jungen Generation einfach verschluckt. Unsere Botschaft: Ausbildung! Gerade jetzt! Und gerade im Handwerk!

Es grüßt Sie herzlich und wünscht Ihnen im Namen des gesamten WHKT-Teams ein frohes Osterfest

Ihr

 

Matthias Heidmeier

Hauptgeschäftsführer
 

 

Corona-Teststrategie:

Präsidium von HANDWERK.NRW ruft Betriebe und Organisationen des Handwerks zur Unterstützung auf!

Die Corona-Pandemie hat uns weiter im Griff. Der Ausweg liegt in einer schnellen und umfassenden Impfstrategie, für die wir jetzt alle Kräfte mobilisieren müssen. Bis das erreicht ist, müssen wir in den kommenden Monaten versuchen, Infektionsketten durch Testungen und bessere Kontaktverfolgungen frühzeitig zu durchbrechen und sichere Bedingungen für die Arbeitswelt zu schaffen.

Vermehrte Tests sind eine wirksame Brücke, bis allen Bürgerinnen und Bürgern ein Impfangebot gemacht werden kann. Vermehrte Tests sind eine Chance, Öffnungen aufrechtzuerhalten und wieder zu ermöglichen. Erste Modellkommunen erproben mit Hilfe von Testungen Möglichkeiten für kontrollierte Öffnungen für Veranstaltungen, Gastronomie und öffentliche Plätze. Wir appellieren deshalb an die Politik auf allen Ebenen, die Testinfrastruktur für Schnelltests auszuweiten und die Möglichkeiten zur digitalen Kontaktverfolgung konsequent zu nutzen.

Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft haben bereits am 9. März 2021 in einer gemeinsamen Erklärung an die Unternehmen appelliert, ihren Beschäftigten Selbsttests, und wo dies möglich ist, Schnelltests anzubieten, um Infektionen frühzeitig zu erkennen.

Auch wir appellieren nun an die Betriebe des Handwerks in Nordrhein-Westfalen, ihren Beschäftigten Testungen anzubieten. Wir wissen, dass dies für die Betriebe eine erhebliche Belastung darstellt. Und wir wissen auch, dass es nach wie vor schwierig ist, Tests in ausreichender Zahl und zu annehmbaren Preisen zu erhalten. Aber jeder einzelne Infektionsfall und jeder einzelne Quarantänefall kommt die Betriebe teuer zu stehen. Wir alle haben ein Interesse daran, Infektionsrisiken in Werkstätten, auf Baustellen oder im Kundenkontakt zu reduzieren. Deshalb bleibt auch die Einhaltung von Hygieneregeln so wichtig.

Wir appellieren deshalb auch an die verschiedenen Handwerksorganisationen, die Betriebe in ihren Bemühungen nach Kräften zu unterstützen. Es gibt inzwischen schon viele Initiativen vor Ort, um den Betrieben durch Beratung und Information zur Seite zu stehen – oder auch ganz konkret durch Beschaffung von Testsets, die zu fairen Preisen an die Betriebe weitergegeben werden.

Dieses Engagement stimmt uns zuversichtlich, dass wir im Handwerk trotz aller Schwierigkeiten aus eigener Kraft und eigener Verantwortung für Hygiene und Sicherheit sorgen können. Wir danken allen Betrieben und Organisationen des Handwerks, die in dieser Stunde Verantwortung übernehmen und ihren Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten!

Andreas Ehlert    Hans-Joachim Hering    Hans Hund


Aktuelle Informationen zum Thema Testungen finden Sie unter https://www.mags.nrw/


Den Aufruf von Handwerk.NRW finden Sie hier auch als Download.

Veranstaltung am 10. Juni 2021:

»Tarifbindung im Handwerk: Schlüssel zu Nachwuchs- und Fachkräftesicherung?«

Das Thema Fachkräftesicherung gehört zu den größten Herausforderungen des Handwerks. Welche Wege sind entscheidend, damit Betriebe gut ausgebildete Fachkräfte halten und Nachwuchs sichern können? Der Tarifpartnerschaft und mit ihr der Tarifbindung kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Doch wie ist es um Tarifpartnerschaften im Handwerk bestellt? Welchen Herausforderungen sieht sich das Handwerk dabei gegenüber?

Diese Fragen werden in einer gemeinsamen Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes, des Kolpingwerkes Landesverbands NRW und des Westdeutschen Handwerkskammertages am Donnerstag, den 10. Juni 2021, 10:00–13:00 Uhr von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Für das Podium haben bereits zugesagt: NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, die Vorsitzende des DGB NRW Anja Weber, der Vorsitzende des Kolpingwerkes NRW Dr. Stefan Nacke MdL, WHKT-Präsident Hans Hund, die WHKT-Vizepräsidenten Berthold Schröder und Felix Kendziora, ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke, der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung Prof. Friedrich Hubert Esser, der Präsident des Unternehmerverbandes Handwerk Hans-Joachim Hering, die stellvertretende Vorsitzende der SPD Fraktion NRW Lisa-Kristin Kapteinat und das Mitglied des Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstandes Stefan Körzell.

Die Veranstaltung findet unter Berücksichtigung der am Veranstaltungstag geltenden Corona-Schutzverordnung in hybrider Form im Bildungszentrum der Handwerkskammer Münster statt. Zusätzlich zur Präsenzteilnahme wird eine Online-Teilnahme per Livestream ermöglicht.

Erste WHKT-Statistiken 2020 online:

Ausbildungsverhältnisse und Gesellenprüfungen in 2020

Mit den Kapiteln »Ausbildungsverhältnisse 2020« und »Gesellenprüfungen 2020« stehen die beiden ersten Themenbereiche der Handwerksstatistik NRW 2020 mit neuestem Zahlenmaterial online zur Verfügung und geben Aufschluss über Entwicklungen im NRW-Handwerk.

So ist beispielsweise die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse auf 27.440 zurückgegangen, um 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit ist der Trend zu jährlich mehr Ausbildungsverhältnissen insgesamt seit 2017 gebrochen. Gleichzeitig ist die Quote der weiblichen Auszubildenden erneut gesunken, auf nunmehr 15,9 Prozent.

Betrachtet man die Ausbildungsverhältnisse insgesamt im Hinblick auf die Handwerksgruppen, so zeigt die Statistik, dass nicht alle Bereiche im Minus sind, sondern dass das Bauhauptgewerbe und das Ausbaugewerbe ein Mehr an Ausbildungsverhältnissen verzeichnen konnte. Der größte Rückgang ist indes in den personenbezogenen Dienstleistungen festzustellen sowie im kaufmännischen Bereich.

Weiter zeigt die Statistik der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse im Jahr 2020, dass der Anteil der Auszubildenden mit Abitur/Fachhochschulreife bei 22,5 Prozent liegt, 40 Prozent einen mittleren Bildungsabschluss und 31 Prozent einen Hauptschulabschluss besitzen.

Auch die Zahlen zu den Nationalitäten (nicht Migrationshintergrund) der Auszubildenden sind aufschlussreich: 11.678 Auszubildende haben eine nicht-deutsche Nationalität, 1.396 davon sind weiblich. Betrachtet man alle Nationalitäten mit mindestens 30 Ausbildungsverhältnissen, kommt die Statistik auf 41 Nationalitäten. Die größten Gruppen sind der Reihenfolge nach Syrien, Afghanistan, Türkei, Irak, Guinea, Albanien, Polen. Die Top 3 Nationalitäten bei den Frauen sind Türkei, Syrien, Irak.

Dieses und weiteres aufschlussreiches Zahlenmaterial ist den PDF-Dokumenten der ersten beiden Kapitel der Handwerksstatistik zu entnehmen, die unter www.whkt.de/statistik als Download zur Verfügung stehen.

Weitere Themenbereiche der Handwerksstatistik folgen sukzessive, sobald offizielles Zahlenmaterial vorliegt.

 

Go-Live von handwerk-digital.nrw:

Neue Digitalisierungsplattform für das Handwerk

Die neue Digitalisierungs-Plattform für Handwerksbetriebe in Nordrhein-Westfalen handwerk-digital.nrw bietet Informationen, viele nützliche Tools und individuelle Unterstützung rund ums Thema Digitalisierung an und soll Betrieben dabei helfen, Prioritäten bei der digitalen Transformation zu setzen. Ob Fragen zu Fördermitteln, Anpassungen von Geschäftsmodellen oder verbesserte Sichtbarkeit von Homepages im Internet – auf handwerk-digital.nrw gibt es die richtigen Antworten.

»Die Plattform ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur digitalen Transformation des Handwerks in NRW«, sagt Berthold Schröder, Vorsitzender der LGH und Präsident der Handwerkskammer (HWK) Dortmund. »Durch die Digitalisierung befinden sich sowohl handwerkliche Wertschöpfungsketten als auch Geschäftsmodelle und Marktprozesse im Umbruch. Das stellt unsere Betriebe vor große Herausforderungen und bietet gleichzeitig ein enormes Potential, das nicht ungenutzt bleiben sollte.«

Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart zur neuen Plattform: »Es freut mich sehr, dass mit handwerk-digital.nrw nun eine attraktive Digitalisierungs-Plattform mit hohem Nutz- und Informationswert an den Start geht. Die digitale Transformation verändert das Handwerk und die Märkte grundlegend. Es ist wichtig, dass immer mehr Handwerksbetriebe die neuen technischen Möglichkeiten nutzen, die digitale Transformation aktiv mitgestalten und sich weiterentwickeln.«

handwerk-digital.nrw ist ein Gemeinschaftsprojekt der HWK Dortmund, HWK Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld sowie der Fachverbände Tischler NRW und Metall NRW. Erklärtes Ziel des Konsortiums ist es, Handwerksunternehmen in Nordrhein-Westfalen bei der digitalen Transformation Möglichkeiten aufzuzeigen und sie aktiv bei der Umsetzung erfolgversprechender Vorhaben zu begleiten.

»In den zurückliegenden Monaten hat die Corona-Pandemie der Digitalisierung, die schon vor Corona als Zukunftsthema für das Handwerk von Bedeutung war, einen Turbo verliehen. Die Website gibt der Digitalisierung im Handwerk nun eine feste Adresse. Hier erhalten die Betriebe Informationen, Beratung und Unterstützung auf ihrem Weg in eine digitale Zukunft«, betont Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe und Lead-Partner der Initiative.

Das Projekt ist Teil der »Digitalisierungsoffensive Handwerk NRW« und wird vom Landesministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert. Die Fördermaßnahme wird von der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.V. (LGH) als bewilligende Stelle abgewickelt.

Hauptgeschäftsführerkonferenz des WHKT:

Austausch mit DGB und Regionaldirektion der Arbeitsagentur

Zu den zentralen Aufgaben des WHKT gehört der enge Austausch und die Kooperation mit den Partnern auf Landesebene. Zu den wichtigen Partnern zählen dabei der DGB NRW sowie die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. Nicht nur die gemeinsame Arbeit im NRW-Ausbildungskonsens und anderen Bündnissen auf Landesebene führt die Akteure regelmäßig zusammen. Grund genug, aktuelle Themen der Zusammenarbeit regelmäßig zu diskutieren. In diesem Sinn waren jüngst in getrennten Sitzungen die DGB-Vorsitzende Anja Weber sowie der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit Torsten Withake in der Hauptgeschäftsführerkonferenz des WHKT zu Gast.

Anja Weber betonte in dem Austausch die Bedeutung der Tarifbindung für das Handwerk. Sie begrüßte, dass der WHKT gemeinsam mit DGB und Kolping im Juni zu einer Veranstaltung zum Thema einlädt. Die DGB-Vorsitzende wünschte sich zudem, dass Deutschland und NRW mit mutigen Investitionen aus der Krise »herauswachse«. Ihre Gemeinsamkeit unterstreichen Kammern und DGB bei den politischen Initiativen zur Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Studierende und Auszubildende brauchen zum Beispiel bei den Themen Mobilität und Wohnen gleichwertige Rahmenbedingungen.

Mit Torsten Withake von der Regionaldirektion warfen die Hauptgeschäftsführer einen Blick auf die Lage am Ausbildungsmarkt sowie auf die Situation beim Kurzarbeitergeld. Withake bedankte sich bei den Handwerkskammern für die gute und intensive Zusammenarbeit in der Corona-Krise. In der anschließenden Diskussion wurden verschiedene Punkte der Kooperation herausgearbeitet. So soll der Informationsfluss zur Frage der Überprüfung und Abrechnung des Kurzarbeitergeldes weiter verstärkt werden. Mit Blick auf die Lage am Ausbildungsmarkt bittet Torsten Withake das Handwerk, der Arbeitsagentur alle offenen Stellen zu melden. Umfassende Kooperationsmöglichkeiten gibt es beim wichtigen Thema »Matching«, also der Frage, wie man junge Menschen auf freie Ausbildungsplätze vermittelt. Beide Seiten betonten die notwendige Kooperation gerade mit Blick auf die Ausbildungssituation in diesem Jahr. Insbesondere müsse es gelingen, die Berufsorientierung trotz Corona wieder stärker zu ermöglichen.

Frauen ins Ehrenamt:

Gelungener Workshop der Ehrenamtsakademie Handwerk NRW (EAH) mit der Handwerkskammer zu Köln

Wie das Handwerk Frauen für ehrenamtliches Engagement gewinnt, war am 19. März die zentrale Frage einer gemeinsamen Veranstaltung der EAH und der Handwerkskammer zu Köln, die von Hauptgeschäftsführer Garrelt Duin moderiert wurde. Berichte aus der Praxis lieferten Corinna Franke (Vorstandsmitglied Businessclub Handwerksjunioren Köln), Tatjana Lanvermann (Beisitzerin im Vorstand Bundesverband der UnternehmerFrauen im Handwerk e.V.) und Dr. Alexandra Leipold (Referatsleiterin Garantiefonds Hochschule, Integration der Otto-Benecke-Stiftung e.V.). Fazit der Experten: Das Handwerk braucht in der Akzeptanz, der Ansprache, der Sprache und der Außendarstellung eine größere Diversität.

Der Aufbau der EAH wird unterstützt vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. In ihrem Grußwort verdeutlichte Dr. Kirsten Bender, Leiterin der Abteilung Innovation und Märkte, die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Ehrenamts als Rückgrat der handwerklichen Selbstverwaltung. Den Nachwuchs zu unterstützen, anzusprechen und zu begeistern sei grundlegend für eine funktionierende Ehrenamtsstruktur.

Die handwerkliche Selbstverwaltung funktioniert nicht ohne den Einsatz der ehrenamtlich engagierten Handwerkerinnen und Handwerker. Das Ehrenamt im Handwerk bietet Frauen zwar vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, stellt sie gleichzeitig aber auch vor manche Hürde. Damit insbesondere die Vereinbarkeit von Ehrenamt mit Beruf und Familie nicht als Last empfunden wird, muss das ehrenamtliche Engagement attraktiv gestaltet werden. Entscheidend ist die persönliche Ansprache, die an die jeweiligen Talente und Interessen der Einzelnen anknüpft. Zeitmanagement spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für eine ehrenamtliche Tätigkeit. Hier scheint der Trend abzugehen von langfristigen Bindungen hin zu kleinen Projekten mit einem begrenzten Umfang.

Ehrenamtliches Engagement heißt, Teil der Gemeinschaft zu sein. Deshalb wird regelmäßiges, vielfach freundschaftliches, Netzwerken »von Frauen zu Frauen« als Basis des eigenen Engagements empfunden. Eine persönliche Atmosphäre bietet offenen Gesprächsraum für oftmals ähnliche Problemstellungen.

Anders sieht es bei Frauen mit Zuwanderungsgeschichte aus, die sich zu selten ins Ehrenamt einbringen, weil ihnen die Strukturen der deutschen Handwerksorganisation auch aus der Heimat unbekannt sind. Nicht fehlende Deutschkenntnisse sind die Ursache für fehlendes ehrenamtliches Engagement, sondern Informationsdefizite und die fehlende Diversität in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens. Auch hier sind die persönliche Ansprache von Frau zu Frau und persönliche Begegnungen entscheidend, um zunächst Begeisterung für das Handwerk zu wecken. Niedrigschwellige Angebote vor Ort, kleine Angebote für die Zielgruppe und mehr Heterogenität sind wichtige Aspekte, wenn es um das ehrenamtliche Engagement von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte geht.

Erasmus+ Projekt FINANZFIT:

Partnerschaft veröffentlicht Unterrichtsmaterial für den Erwerb finanzieller Grundkenntnisse

Die ökonomische Grundbildung ist für den WHKT von besonderer Bedeutung. Deshalb engagiert er sich nicht nur auf Landesebene, sondern auch transnational, um Know-how für die Arbeit mit Jugendlichen zu erarbeiten. Junge Menschen stehen häufig vor der Herausforderung, dass sie zwar in der Schule wichtige Kenntnisse in Mathe, Deutsch, Chemie oder Erdkunde erwerben, formaler Unterricht für den verantwortungsvollen Umgang mit den eigenen finanziellen Ressourcen ist jedoch im Regelfall nicht vorgesehen. Dabei ist es gerade beim Übergang von der Schule in das Berufsleben von enormer Bedeutung, den Überblick und die Kontrolle über die persönlichen Finanzen zu behalten.

Neben unverzichtbaren Ausgaben beispielsweise für das eigene Auto oder notwendige Versicherungen sehen sich junge Menschen schon früh dem Werben von Mobilfunkanbietern, TV-Streamingdiensten, Online-Shops und Handy-Apps ausgesetzt. Das erste Azubi-Gehalt ist da häufig schneller aufgebraucht als ursprünglich geplant.

Wieviel kann ich mir für mein Hobby leisten? Wie funktioniert überhaupt ein Girokonto und was ist eine IBAN? Was sind Zinsen und wofür bekomme ich sie? Wie kann ich einen Kredit aufnehmen? Wofür sollte ich mich versichern? Warum sollte ich überhaupt Geld sparen? Wie kann ich Erspartes sinnvoll anlegen? Dies sind einige der Fragen, mit denen sich junge Menschen in diesem Zusammenhang befassen.

Die ERASMUS+ Partnerschaft mit der Kurzbezeichnung »Finanzfit« hat sich unter Koordinierung des Westdeutschen Handwerkskammertages zum Ziel gesetzt, ein unabhängiges, marktneutrales und kostenloses Informationsangebot für junge Menschen zu schaffen. Dabei sollen die im Projekt erarbeiteten Instrumente vor allem dazu dienen, grundlegendes finanzielles Wissen zu vermitteln und die Entwicklung solcher Kompetenzen zu unterstützen, die für finanzielle Entscheidungen erforderlich sind.

Acht Projektpartner aus verschiedenen europäischen Ländern befassen sich daher mit der Herausforderung, die Themen Sparen und Anlegen, Finanzierung, Versicherungen, Liquidität, Girokonto und Altersvorsorge zielgruppengerecht in den Sprachen Deutsch, Englisch, Türkisch, Griechisch, Italienisch und Schwedisch aufzubereiten. Dies erfolgt zum einen anhand von pädagogisch-didaktisch aufbereitetem Unterrichtsmaterial für Lehrkräfte an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen, das ab sofort zum kostenlosen Download auf der Projektwebseite zur Verfügung steht.

Neben diesem Lehrmaterial umfasst das Projektkonzept einen mehrsprachigen und multimedialen Internetauftritt inklusive E-Learning-Plattform, auf der die Lernenden ihr erworbenes Wissen spielerisch anwenden, testen und selbstständig vertiefen können. Die E-Learning Plattform wird voraussichtlich im Herbst dieses Jahres zur Verfügung stehen. Auch der Zugang zu dieser Plattform und die Nutzung aller Inhalte wird kostenlos möglich sein.

Darüber hinaus haben die Projektpartner ein erstes zielgruppenorientiertes Magazin veröffentlicht, das ergänzend und im Sinne eines Cross-Media-Ansatzes in unterhaltsamer Art und Weise auf wirtschaftliche Themen eingeht. Die Veröffentlichung der zweiten Ausgabe ist für Anfang 2022 geplant.

Alle Projektergebnisse stehen nach ihrer Veröffentlichung zur Nutzung unter der Projektwebseite www.whkt.de/finanzfit zur Verfügung.

Dieses Projekt wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Partner des Westdeutschen Handwerkskammertages bei diesem Projekt sind Europe Unlimited e.V., VondiConsulting, Scuola Costruzioni Vicenza Andrea Palladio, Datça İlçe Milli Eğitim Müdürlüğü, European Institute for Local Development, Mobilizing Expertise und Euro-Net.

Handwerk integriert:

Integrationspreis Handwerk NRW

Mit dem Integrationspreis Handwerk NRW würdigen die nordrhein-westfälischen Handwerkskammern alle zwei Jahre Handwerksbetriebe, die sich in besonderem Maße für gelingende Integration am Arbeitsmarkt einsetzen. Die für 2020 geplante zentrale NRW-Veranstaltung unter Beteiligung des Integrationsministers Dr. Joachim Stamp wurde jedoch pandemiebedingt auf 2021 verlegt.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation haben sich die Handwerkskammern in NRW gemeinsam mit dem WHKT darauf verständigt, den Integrationspreis Handwerk NRW 2021 in einem persönlichen, kleineren Rahmen zu vergeben.

Um die Bedeutung des Integrationspreises Handwerk NRW zusätzlich hervorzuheben, unterstützt dieser gleichfalls die Charta der Vielfalt und den Diversity-Tag, der am 18.05.2021 bundesweit stattfindet.

Eine Bekanntgabe der Preisträger durch die Handwerkskammern ist ebenfalls für den Diversity-Tag vorgesehen.

Für die Vergabe der Integrationspreise an die Preisträger 2021 laden die Handwerkskammern die jeweils zu prämierenden Handwerksbetriebe ein und überreichen die Urkunde inklusive des damit verbundenen Preises in Höhe von 500 € durch Vertreterinnen und Vertreter der Kammervorstände. Für eine Videobotschaft an die engagierten Handwerksbetriebe ist Herr Dr. Stamp, Integrationsminister des Landes NRW, angefragt.

Die Verleihung des Integrationspreises Handwerk 2022 soll wieder als gemeinschaftliche WHKT-Veranstaltung auf NRW-Ebene und unter Präsenz der Spitzenvertreter des Handwerks sowie persönlicher Beteiligung des Ministers für Integration stattfinden.

ValiKom Transfer:

WHKT bei bilateralem Austausch mit Italien zur Validierung von beruflichen Kompetenzen

Am 19.03.2021 fand im Rahmen der bilateralen Kooperation zur Beruflichen Bildung ein virtueller Austausch zum Thema »Systeme und Verfahren der Zertifizierung beruflicher Kompetenzen in Italien und Deutschland« statt. Rund 30 Teilnehmende beider Länder hatten die Möglichkeit, einen Einblick zur Umsetzung von Validierung von beruflichen Kompetenzen in den beiden Staaten zu bekommen.

Zuerst gaben italienische Vertreter des Ministeriums für Bildung und des Ministeriums für Arbeit und Sozialpolitik einen Überblick über den rechtlichen Rahmen und die Leitlinien, die in einem großen Reformprozess über die letzten 10 Jahre entwickelt und verankert wurden. Ein Mitarbeiter der Nationalen Agentur für aktive Arbeitspolitik stellte anschließend das Nationale Verzeichnis der Bildungsabschlüsse und Qualifikationen vor, das im Rahmen der Verordnung der Validierung entstanden ist, und erläuterte die Einordnung und Bezüge zum Europäischen Qualifikationsrahmen.

Nach einer kurzen Vorstellung des deutschen Berufsbildungssystems und der Rolle von Sozialpartnern und Kammern sowie einem Überblick zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen in Deutschland durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), gaben drei Vertreter des Projekts ValiKom Transfer einen detaillierten Einblick in das Validierungsverfahren. Tina Rapp vom WHKT stellte die Projektstrukturen und den Validierungsprozess allgemein vor, Linda Gutt von der HWK Hannover und Jörg Engelmann von der IHK für München und Oberbayern schilderten anschließend anhand von Beispielen, wie das Verfahren konkret in der Praxis umgesetzt wird und welchen Nutzen das Verfahren für Teilnehmende und Betriebe bietet.

Dieser Praxiseinblick stieß bei den Italienern auf großes Interesse, da in Italien nun ein Rechtsrahmen für die Zertifizierung von Berufskompetenzen geschaffen wurde, aber die praktische Umsetzung noch aussteht. So wurden viele Fragen zu Ablauf, Dauer und Kosten gestellt, aber auch zur Qualifikation der Berufsexperten und -expertinnen, die die Bewertung der Kompetenzen vornehmen. Alles in allem war es ein für beide Seiten ein gelungener Austausch.

Das Projekt ValiKom Transfer wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und bundesweit von 30 Kammern aus Handwerk, Industrie, Handel und der Landwirtschaft umgesetzt. Weitere Informationen gibt es unter www.validierungsverfahren.de.

WHKT-Stellungnahme:

Gleichwertigkeit von Meisterbrief und einer akademischen Ausbildung muss mit tarifrechtlicher Eingruppierung korrespondieren

Der WHKT hat gegenüber dem Wirtschaftsministerium NRW die Online-Petition der Arbeitsschutzverwaltung, Dezernate Arbeitsschutz 55 und 56, der Bezirksregierungen, bezogen auf die Höhergruppierungsinteressen der Handwerksmeister in der Arbeitsschutzverwaltung unterstützt.

Es ist zutreffend und nicht neu, dass angestellte Meister, auch in anderen Bereichen als der Arbeitsschutzverwaltung, zu Recht eine tarifrechtliche Höhergruppierung aufgrund der Gleichwertigkeit der Meisterqualifiktion mit einer akademischen Ausbildung in die Entgeltgruppe 11, in der in aller Regel auch Bachelorabsolventen eingruppiert werden, für sich beanspruchen.

Eines der Kernargumente liegt in der am 01.05.2013 erfolgten bildungspolitischen Feststellung der Gleichwertigkeit der Meisterqualifikation mit dem akademischen Bachelorabschluss. Im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) wird seit diesem Zeitpunkt der Meisterbrief und der akademische Bachelorabschluss in der gleichen Stufe, und zwar Stufe 6 einsortiert. Zudem sind seit Januar 2020 für Fortbildungen im beruflichen Bereich die Abschlussbezeichnungen »Bachelor Professional« und »Master Professional« eingeführt worden. Der Handwerksmeister darf den Titel »Bachelor Professional« tragen.

Die in Deutschland erfolgte Zuordnung der Meisterqualifikation mit dem akademischen Bachelorabschluss war seit jeher eine bildungspolitische Kernforderung des Handwerks. Durch diesen in Deutschland getroffenen Konsens ist nunmehr klargestellt, dass berufliche und akademische Bildung gleichwertig sind und er unterstreicht den hohen Stellenwert des Meistertitels.

Die Gleichstellung der Abschlüsse muss verständlicherweise auch mit der tarifrechtlichen Eingruppierung korrespondieren. Aus diesem Grund hat sich der WHKT für eine Gleichbehandlung der Abschlüsse ausdrücklich ausgesprochen.

Europa:

Nachhaltige Produktpolitik – Kollateralschäden vermeiden

Zu den Besonderheiten handwerklicher Tätigkeit gehört, dass Handwerkerinnen und Handwerker Produkte auf Kundenwunsch und nach Maß herstellen, dass sie Produkte reparieren, anpassen etc. Gerade diese Produktmerkmale, nämlich Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Wiederverwendbarkeit sind von wesentlicher Bedeutung, wenn sich die Frage stellt, ob ein Produkt als nachhaltig bewertet werden kann. Dies vor Augen könnte man meinen, dass Handwerksbetriebe klar zu den Gewinnern einer Neuausrichtung der Produktpolitik in Richtung Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft gehören werden. Doch so einfach ist es nicht. Potenzial und Risiko hängen davon ab, ob Prozesse aus Sicht kleiner Unternehmen gedacht werden. Andernfalls drohen Betriebe, die faktisch nachhaltig wirtschaften, in Informations- und Dokumentationspflichten zu ersticken.

Die Neuausrichtung der Produktpolitik ist in diesem Jahr auf europäischer Ebene ein großes Thema. Sie hat mehrere Komponenten. Hervorzuheben ist die »Initiative für nachhaltige Produkte«. Sie ist von der Europäischen Kommission für das 4. Quartal 2021 angekündigt. Aktuell läuft dazu eine öffentliche Konsultation.

Kernstück der europäischen Initiative für nachhaltige Produkte ist die Erweiterung des Anwendungsbereichs der Ökodesignrichtlinie. Künftig sollen Vorgaben grundsätzlich für alle Produkte und auch für begleitende Dienstleistungen möglich werden. Diese Veränderungen könnten die Relevanz von Ökodesign für Handwerksunternehmen erheblich erhöhen. Prioritär sollen zunächst Elektronikprodukte, Textilien, Möbel und ausgewählte Zwischenprodukte wie Zement, Stahl und Chemikalien reguliert werden.

Darüber hinaus ist geplant, als neues Instrument einen digitalen Produktpass einzuführen, der Produktinformationen entlang der Wertschöpfungskette aggregiert und diese Informationen Verbrauchern zur Verfügung stellt. Das könnte Reparaturinformationen betreffen, die Verwendung von gefährlichen Chemikalien, Rezyklatanteile, Informationen zur ordnungsgemäßen Entsorgung u. a.

Mit Blick auf beide Vorhaben und weitere Nachhaltigkeitsinitiativen wie Ökobilanzen (PEF/OEF) oder SCIP gilt es zu bedenken, dass die mit der Konformitätserklärung, der Lebenszyklusanalyse und den Informationspflichten verbundenen Aufwände und Kosten Unikate sowie Kleinserien im Vergleich zu Massenfertigungen strukturell benachteiligen. Damit geraten Betriebe und Produkte unter Druck, die einen wesentlichen Beitrag zur Nachhaltigkeitswende liefern können – und zwar weit über die Produktpolitik hinaus. Erforderlich ist, dass Regulierung der Unikat- und Kleinserienfertigung Aufmerksamkeit schenkt und dass begleitend einfach handzuhabende Instrumente entwickelt werden, die helfen, Informationspflichten aus unterschiedlichen Zusammenhängen in der Lieferkette rechtssicher weiterzugeben.

Fachkräftesicherung durch Anerkennung:

Elektroniker absolvieren Qualifizierungsmodul

Das IQ Netzwerk NRW berät und unterstützt Ratsuchende und Betriebe auf dem Weg der beruflichen Anerkennung. Aktuell absolvieren sieben Teilnehmende aus Bosnien, Libyen, Marokko, dem Kosovo, Albanien, Syrien und Kroatien bei der Elektroinnung Düsseldorf ihre Nachqualifizierung. Der jüngste ist 29, der Älteste 50 Jahre alt. Ihr Ziel: Die berufliche Gleichwertigkeit zur Gesellenqualifikation.

Die meisten Teilnehmenden sind bereits jetzt als Helfer im Elektrotechniker-Handwerk beschäftigt und besuchen den vom IQ Förderprogramm finanzierten Lehrgang berufsbegleitend. Einer von ihnen ist Jasenko H. (34), der seine Ausbildung in Bosnien absolviert hat und seit 2013 in Deutschland lebt. Über den Nachweis der nötigen Berufspraxis im Betrieb in Kombination mit der Teilnahme an dem speziellen Anpassungslehrgang bei der Elektroinnung, hat er bereits jetzt einen großen Teil der beruflichen Gleichwertigkeit hergestellt. Über die Qualifizierung selbst sagt er: »Es hilft mir, als Fachkraft anerkannt zu werden. Auch habe ich hier gute Leute kennengelernt, die mich unterstützen, mein Können einzubringen.« Ausbildungsleiter Sascha Richter, Elektroinnung Düsseldorf, ist sehr zufrieden. »Die Teilnehmer sind zuverlässig und motiviert dabei. Und dank der Unterstützung des IQ Netzwerks passt alles zusammen. Die Qualifizierung, die Abstimmung mit der Handwerkskammer und mit dem Betrieb. Es ist schön, den Erfolg zu sehen und dabei zu sein.«

Auch für die Fachkräfteeinwanderung gemäß Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) spielt die berufliche Anerkennung eine wesentliche Rolle. Betriebe, die Fachkräfte aus Drittstaaten gemäß FEG anwerben und beschäftigen, müssen innerhalb einer gewissen Frist dafür sorgen, dass die berufliche Gleichwertigkeit der Fachkräfte mit ausländischer Berufsqualifikation hergestellt wird. Da zumeist gemäß Anerkennungsbescheid wesentliche Unterschiede zur hiesigen Referenzqualifikation bestehen, sind geeignete Anpassungsqualifizierungen eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Fachkräftesicherung gemäß FEG auch für die Betriebe im Handwerk zu einer Erfolgsgeschichte wird.

Kontakt und Hintergrundinformationen: www.iq-netzwerk-nrw.de

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

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Vorwort



Liebe Leserinnen und Leser,

die vergangenen Monate waren in der Handwerksorganisation geprägt vom Corona-Krisenmanagement. Betrieben in Not zu helfen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass unsere handwerkliche Aus- und Weiterbildung auch unter Pandemie-Bedingungen funktioniert, war und ist entscheidende Aufgabe.

Doch die Corona-Krise erreicht in diesen Tagen eine neue Phase. Von Tag zu Tag wird intensiver über den Weg zurück in die Normalität und die Zeit nach der Pandemie gesprochen.

Deutlich wird: Die Krise hat den Modernisierungsdruck in Wirtschaft und Gesellschaft noch einmal deutlich erhöht. Auch und gerade das Handwerk muss sich den Herausforderungen der Zukunft stellen. Die Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Fachkräftesicherung werden dabei für uns eine überragende Bedeutung haben.

Das Handwerk braucht in all diesen Bereichen Strategien und Konzepte, damit Politik und Gesellschaft die kleinen Betriebe auf dem Weg in die Zukunft nicht übersehen. Im Gegenteil sollte unser Anspruch sein, diese Themen nicht nur zu begleiten, sondern vorne mitzuspielen. Die Zukunftsthemen nicht nur zu benennen, sondern im Sinne des Handwerks konkrete Projekte und Initiativen daraus abzuleiten, die Rahmenbedingungen für Innovation und modernes Handwerk weiter zu verbessern, darauf kommt es jetzt an.

Ich freue mich sehr, dass sich die Handwerkskammern in diesem Sinne auf ein gemeinsames digitales Arbeitsprogramm verständigt haben. Dazu gehört zum Beispiel, dass wir für die kleinen Betriebe konkrete Fördermöglichkeiten brauchen, die die betriebliche Digitalisierung unterstützen. Eine Digitalisierungsprämie für kleine Unternehmen kann ein entscheidendes Instrument sein, die Rahmenbedingungen so zu setzen, damit wir gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Dass wir gerade jetzt die Zukunft mutig anpacken sollten, hat aber vor allem auch einen weiteren wichtigen Grund: wir wollen wieder mehr junge Frauen und Männer ins Handwerk holen. Wir wollen den Nachwuchsmangel nicht beklagen, sondern unser Angebot an die junge Generation erneuern: Komm ins Handwerk, hier kannst Du Zukunft gestalten.

Es grüßt Sie herzlich

Matthias Heidmeier

Hauptgeschäftsführer
 

Würdigung des Ehrenamts im Handwerk:

Vorbereitungen zum 7. Treffpunkt Ehrenamt Handwerk in NRW gestartet

Ob in sozialen, gesellschaftlichen oder ökologischen Belangen, für mehr Sicherheit und Gesundheit – das Ehrenamt unterstützt und ist beim Handwerk in guten Händen. Um diese »guten Hände« zu würdigen und ihnen eine Bühne zu geben, findet mit finanzieller Unterstützung des Wirtschaftsministeriums NRW einmal jährlich der Treffpunkt Ehrenamt des Handwerks in NRW statt, den der Westdeutsche Handwerkskammertag organisiert. »Beim Treffpunkt Ehrenamt geht es auch darum, Geschichten zu hören, um sie weiterzutragen«, so Hans Hund, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages.

Sieben Ehrenamtliche des Handwerks – je Kammerbezirk eine ehrenamtliche Vertreterin bzw. ein ehrenamtlicher Vertreter – die sich in besonderer Weise durch ihr Engagement auszeichnen, stellen dieses an der »Tafel des Ehrenamts« im Gespräch mit Staatssekretär Dammermann vor. »Ob in sozialen Projekten, in Vereinen oder in der Verwaltung: Handwerkerinnen und Handwerker in Nordrhein-Westfalen leisten mit ihrem ehrenamtlichen Engagement einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt«, so Staatssekretär Dammermann. »Mit dem Treffpunkt Ehrenamt möchten wir auch in diesem Jahr denjenigen danken, die sich in besonderem Maße einbringen. Das ist gerade in der Pandemie von grundlegender Bedeutung.«

Der Treffpunkt Ehrenamt Handwerk in NRW ist für Freitag, den 2. Juli 2021, ab 18 Uhr, in Raesfeld geplant. Bis Ende März findet gemeinsam mit den Handwerkskammern in NRW die Suche nach diesen besonders Engagierten im Handwerk statt.

Auch Sie können sich gerne an der Suche nach ehrenamtlich Engagierten beteiligen und Ihre besondere Handwerkerin bzw. Ihren besonderen Handwerker mit einer kurzen Skizze des jeweiligen ehrenamtlichen Engagements vorstellen (per Mail an michelle.feinen[ ät ]whkt.de). Eine Auswahl der eingegangenen Vorschläge findet in Abstimmung mit der für die Region jeweils zuständigen Handwerkskammer statt.

Mehr zum Treffpunkt Ehrenamt: www.ehrenamt-handwerk-nrw.de

Ehrenamtsakademie des NRW-Handwerks:

Das Handwerk. Beim Ehrenamt in guten Händen.

Das ehrenamtliche Engagement vieler Handwerkerinnen und Handwerker sichert z.B. in der Berufsbildung sowie der politischen Vertretung auf Seiten der Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden eine hohe betriebliche Nähe und damit zugleich eine hohe Qualität der Strukturen und Entscheidungsprozesse in der Selbstverwaltung des Handwerks. Praxiserfahrungen fließen unmittelbar in die Gremien, Ausschüsse und in alle weiteren Verantwortungsbereiche gewinnbringend ein. Um diese zukunftsweisende Tradition im Handwerk zu stärken, besteht eine wichtige Herausforderung darin, Handwerkerinnen und Handwerkern das Ehrenamt in seiner Vielfalt näherzubringen. Nur so lassen sich bereits heute existierende Lücken im Ehrenamtsnachwuchs identifizieren und wirkungsvoll schließen. Die Ehrenamtsakademie Handwerk in NRW (EAH) beim WHKT stellt sich dieser Herausforderung – in ihrer Aufbauphase 2021 mit finanzieller Unterstützung des Wirtschaftsministeriums NRW. Da es sich bei der EAH um eine Gemeinschaftsinitiative handelt, sind die Organisationen und Institutionen des Handwerks in NRW wichtigste Partner der EAH.

Zum Projektfortschritt: Aufbauend auf einem Ende 2020 stattgefundenen digitalen Auftaktworkshop, bereitet das EAH-Projektteam beim WHKT aktuell regionale und thematische Workshops vor. Ziel ist, dass beispielsweise junge und erfahrene Ehrenamtliche im Handwerk gemeinsam gute Ansätze in der Nachwuchsansprache, der Unterstützung und Anerkennung identifizieren, diese ausbauen und transferieren sowie mögliche Bedarfe benennen. An diese digitalen Workshops, deren Entwicklung in enger Abstimmung mit den jeweiligen Partnern vor Ort stattfindet, schließen sich weitere Formate der Zielgruppenansprache individuell an.

Damit die Ehrenamtsakademie des Handwerks in NRW nach ihrem Aufbau im Jahr 2021 eine nachhaltige Verankerung im Handwerk und beim Ehrenamt erfährt, ist eine enge Verzahnung mit der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld fester Bestandteil der EAH-Konzeption.

»Mit der Ehrenamtsakademie schaffen wir etwas mit und für die Gemeinschaft der Ehrenamtlichen des Handwerks. Ob regional oder landesweit: das Ehrenamt, der Ehrenamtsnachwuchs und die bereits vielfältigen Aktivitäten zur Unterstützung bekommen mit der Ehrenamtsakademie ein gemeinschaftliches Dach«, so Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT.

Europa:

Klimaanpassung im Aufwind

Maßnahmen zur Minderung der Treibhausgasemissionen können Klimawandelfolgen nicht gänzlich vermeiden. Deswegen sind parallel zur Minderung auch Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel erforderlich, also Maßnahmen der Vorsorge und der Gefahrenabwehr. Es geht um Schutz vor Hitze, um die Bewältigung von Starkregenereignissen, Dürren usw. Handwerksunternehmen können gerade wenn bauliche Maßnahmen erforderlich werden, mit maßgeschneiderten Schutzkonzepten einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung leisten. Unter anderem deswegen ist Klimaanpassung für das Handwerk ein zukunftsweisendes Thema.

Nachdem die Landesregierung Nordrhein-Westfalen Ende des vergangenen Jahres ein Klimaanpassungsgesetz auf den Weg gebracht hat, liegt jetzt auch die neue Anpassungsstrategie der Europäischen Kommission vor. Diese sieht eine Vielzahl von Handlungsansätzen vor. Einige davon sind für das Handwerk von erheblicher Bedeutung. Regulatorisch ist angekündigt, dass Anforderungen an die Klimaresistenz von Gebäuden und die Wassereffizienz von Produkten in die Vergabevorschriften, die Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie, die Bauproduktenverordnung und die Ökodesignrichtlinie einfließen könnten. Geprüft werden soll zudem, wie Klimawandelschäden und -verluste weitergehend über Versicherungen abgedeckt werden können.

Jenseits gesetzgeberischer Maßnahmen zeigt sich, dass praxisorientierte Lösungen spürbar an Bedeutung gewinnen. Es geht um Erprobung transferierbarer und skalierbarer Anpassungsmaßnahmen auf kommunaler und regionaler Ebene. Hier kann das Handwerk seine Erfahrungen einbringen.

Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen:

Antragstellung aus dem Ausland und Möglichkeiten zur Einreise für eine Qualifikationsanalyse

Ist es Antragstellenden aus Drittstaaten ohne vorherige Berufsanerkennung möglich, zur Durchführung einer Qualifikationsanalyse bei fehlenden schriftlichen Belegen nach Deutschland einzureisen? Welche rechtlichen Einreisebestimmungen gibt es für die verschiedenen Personengruppen je nach Herkunftsländern und welche Regelungen müssen beachtet werden?

Diese und andere Fragen zur Antragstellung aus dem Ausland und den Möglichkeiten zur Einreise für eine Qualifikationsanalyse gemäß § 14 BQFG während des Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahrens beleuchtet der jetzt erschienene Fachbeitrag des WHKT-Kompetenz-Zentrums zur Anerkennung von Qualifikationen, der unter www.whkt.de/publikationen im Bereich > Publikationen »Kompetenzzentrum Anerkennung« als Download zur Verfügung steht.

Die Veröffentlichung ist unter Mitwirkung der Projektmitarbeitenden der Projekte IQ NRW mobiles Schulungsteam und NetQA – Netzwerk Qualifikationsanalyse beim Westdeutschen Handwerkskammertag entstanden.

Aktueller WHKT-Service:

Welche Berufsschule bietet eine Fachklasse für meinen Ausbildungsberuf?

Der WHKT betreibt in Kooperation mit dem Schulministerium eine Datenbank mit den aktuellen Fachklassen im dualen System. Unter dem Link www.whkt.de/bfbkdb/index.php ist eine Datenbank zu finden, in der jeder Ausbildungsbetrieb oder Ausbildungsberater mit wenigen Angaben die Fachklassen für alle Ausbildungsberufe sowie Fachpraktikaberufe an einem Ort, zusätzlich mit Umkreissuche anhand der km-Entfernung finden kann. Insbesondere Ausbildungsbetriebe, die wissen wollen, wo für ein Beruf, den sie bislang noch nicht ausbilden, passende Berufsschulstandorte sind, finden hier sofort eine konkrete Information. Dieses Angebot ist in dieser Weise, d. h. öffentlich verfügbar im Land NRW einmalig.

Entstanden ist diese Datenbank im Kontext der Unterstützung der Beratung von Personen mit Einschränkungen, für die das Finden von passenden Berufsschulstandorten noch viel wichtiger ist. Die Datenbank, die im Passwort-geschützten Bereich zusätzlich Informationen bereit hält, inwieweit Berufsschulstandorte barrierefrei sind, ist aus Mitteln der Ausgleichsabgabe entstanden.

Grundsätzlich gibt es in NRW eine freie Berufsschulwahl und insbesondere Betriebe, deren Auszubildende weite Fahrtwege zum Ausbildungsort zurücklegen, finden möglicherweise eine Berufsschule in Nähe ihres Wohnortes. Auch Betriebe, die zwischen verschiedenen Berufsschulstandorten liegen, können sich hier einen idealen Überblick verschaffen und so besser die geeignete Berufsschule mit diesen Informationen ausloten.

Jährlich werden die Berufsschulstandorte in gewissem Maße verändert durch Zusammenlegung, Schaffung neuer Standorte, etc. Die WHKT-Datenbank wurde anhand der jüngsten Informationen aus dem Schulministerium aktualisiert.

ValiKom Transfer:

Imageclips geben Einblicke in das Validierungsverfahren

Das Validierungsverfahren – was ist das eigentlich? Um diese Frage möglichst authentisch und plastisch beantworten zu können, sollen bis zum Sommer neun kurze Imageclips entstehen. Die Kurzfilme richten sich dabei an potentielle Verfahrensteilnehmende und Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen gleichermaßen. Für beide Zielgruppen soll der Nutzen des Verfahrens deutlich werden. Die fertigen Clips werden bei Veranstaltungen und im Internet – beispielsweise auf Webseiten oder Social-Media-Seiten – eingesetzt.

Für die Clips werden drei Personen portraitiert, die am Verfahren teilgenommen haben. Ihr Weg  wird nachgezeichnet und teilweise während der Teilnahme begleitet. Wie ist das Verfahren abgelaufen? Warum kam es zur Teilnahme? An welcher Stelle hat das Unternehmen unterstützt? Denn zu Wort kommen nicht nur Teilnehmende, sondern auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Sie berichten, warum sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt haben und welchen Nutzen sie darin sehen. Darüber hinaus geben auch Berufsexpertinnen und -experten sowie Kammermitarbeitende einen Einblick in Ablauf und Struktur des Verfahrens.

Zusammen ergeben je drei Filme eine Geschichte, von der Überlegung zur Teilnahme, hin zum Nutzen sowie dem weiteren Weg nach dem Verfahren. Dabei bildet jeder Film für sich eine abgeschlossene Einheit, so dass er auch ohne die dazugehörigen Teile verstanden wird.

Diese Imageclips sind bereits das dritte Filmprojekt, das im Rahmen von ValiKom bzw. ValiKom Transfer umgesetzt wird. Es folgt auf einen Film, der anhand zweier Teilnehmenden das Prinzip des Validierungsverfahrens darstellt, sowie einen Erklärfilm, der in Comic-Form den Ablauf des Verfahrens vereinfacht zeigt. Während die beiden ersten Filme den Fokus auf das Verfahren selbst legen, macht das aktuelle Projekt deutlich, welchen Nutzen Unternehmen und Teilnehmende durch das Verfahren haben. Beide Filme sind auf der Projekt-Webseite zu finden.

Das Projekt ValiKom Transfer wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Weitere Informationen gibt es unter www.validierungsverfahren.de.

 

Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)«:

Regionale Koordinierungsstelle Fachkräfteeinwanderung im IQ Netzwerk NRW gestartet

Seit März letzten Jahres bietet das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) Betrieben und Fachkräften aus Drittstaaten zusätzliche Chancen für Beschäftigung und Einwanderung. Damit dies gelingt, haben das Land NRW sowie der Bund neue Möglichkeiten für die Beratung und Antragsstellung geschaffen. Hierzu gehören in NRW die Zentralstelle Fachkräfteeinwanderung (ZFE) für Betriebe sowie für Ratsuchende aus Drittstaaten die Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung (ZSBA) auf Bundesebene. Zudem wurde das Förderprogramm IQ um einen Handlungsschwerpunkt »Regionale Fachkräftenetzwerke – Einwanderung« erweitert. Die Umsetzung der IQ Aktivitäten findet in enger Kooperation mit der Regionaldirektion NRW der BA statt und hat die Unterstützung des Arbeitgeber-Services sowie die enge Zusammenarbeit mit ZSBA und ZFE zum Ziel.

Gestartet ist das neue IQ NRW Teilprojekt im Januar 2021 unter dem Titel »IQ NRW – Regionale Koordinierungsstelle Fachkräfteeinwanderung (RKF)« bei der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.V. (LGH) – für alle Berufe und Wirtschaftszweige. Leiter der neuen IQ Koordinierungsstelle Fachkräfteeinwanderung ist Peter Schäfer (54), der über viele Jahre Förderprojekte im Bereich Qualifizierung und Fachkräftenachwuchs im Rahmen der deutschen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit koordinierte.

Über die neue Herausforderung sagt er selbst: »Auf die Aufgabe, die Potenziale des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes für Menschen aus Drittstaaten und für Unternehmen gleichermaßen zu erschließen sowie diese gemeinsam mit den Akteuren im IQ Netzwerk NRW und weiteren Partnern aktiv zu heben und Menschen bei ihrem Ankommen als Fachkraft in NRW zu unterstützen, freue ich mich sehr und bin stolz, mitwirken zu können.«

Zur Frage, warum eine IQ Koordinierungsstelle für die Fachkräfteeinwanderung gerade mit Blick auf KMU wichtig ist, Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT, Träger der Landeskoordinierung im Förderprogramm IQ: »Die Fachkräftesicherung ist zentral für unsere Zukunft. Und wenn die akute Corona-Hürde überwunden ist, wird der Fachkräftebedarf, und damit auch der Bedarf, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, immens steigen. Damit Betriebe und ausländische Fachkräfte allerdings zusammenfinden und den Prozess der Einwanderung im Sinne eines erfolgreichen Integrationsmanagements zusammen meistern können, brauchen wir Unterstützungsstrukturen. Die neue Koordinierungsstelle in NRW wird ein wichtiger Teil davon sein. Kompetenzen sollen hier gebündelt, Zugänge geschaffen und die Chancen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes bestmöglich für Mensch und Betrieb nutzbar gemacht werden.«


Zum Hintergrund:
Fachkräfte aus Drittstaaten haben mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz die Chance, auch in nicht akademischen Berufen als Fachkraft einzureisen. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür: Die berufliche Anerkennung der im Ausland formal erworbenen Berufsqualifikation. Damit Fachkräfte (ohne Arbeitgeber) von sich aus bei den zuständigen Stellen ein berufliches Anerkennungsverfahren anstoßen können, wurde die Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung (ZSBA) bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit in Bonn eingerichtet. Finanziert wird die ZSBA für zunächst vier Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Sie dient als Lotse für Fachkräfte aus dem Ausland und begleitet diese durch das Anerkennungsverfahren bis zur Einreise nach Deutschland. Zugänge zur ZSBA sind zum Beispiel über die Plattform www.anerkennung-in-deutschland.de, ProRecognition, www.make-it-in-germany.de oder auch die »Hotline Arbeiten und Leben in Deutschland« möglich. Zudem verweisen die IQ Beratungsstellen für berufliche Anerkennung Ratsuchende aus dem Ausland an die ZSBA oder übernehmen Fälle von dort, um regionale Qualifizierungswege zu identifizieren.

Fachkräfte aus Drittstaaten, die bereits mit Unternehmen (KMU) in Kontakt stehen und daher eine konkrete Beschäftigungsperspektive in NRW besitzen, haben zusätzlich die Möglichkeit über ihren Arbeitgeber ein beschleunigtes Fachkräfteverfahren einzuleiten. Auf Basis einer schriftlichen Bevollmächtigung durch die Fachkraft geht hier der jeweilige Betrieb in NRW auf die Zentralstelle Fachkräfteeinwanderung Nordrhein-Westfalen (ZFE) zu, die dann die berufliche Anerkennung initiiert, eine gegebenenfalls notwendige Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit einholt und mit der zuständigen Auslandsvertretung im jeweiligen Land in Kontakt tritt, um über den anstehenden Visumantrag zu informieren und einen zeitnahen Termin ermöglicht.


Über die Arbeit des IQ Netzwerks NRW: www.iq-netzwerk-nrw.de oder auf Bundesebene unter www.netzwerk-iq.de

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)«:

Arbeitshilfe zum Visumhandbuch vom IQ Teilprojekt beim WHKT erstellt

Das mobile Schulungsteam NRW ist über das Angebot von Schulungen und Veranstaltungen hinaus ein gefragter Ansprechpartner für Unternehmen und Beratende rund um das Thema Anerkennung und Aufenthaltsrecht. Alle Multiplikatoren und Multiplikatorinnen, die im Bereich der Anerkennung arbeiten, werden zweckbedingt und regelmäßig mit Fragen rund um Aufenthalt und Einreisebestimmungen konfrontiert. Eine wichtige Arbeitsgrundlage bildet dabei das Visumhandbuch des Auswärtigen Amtes (Stand August 2020). Um die Komplexität und Arbeit mit dem 583-seitigem Dokument zu erleichtern, hat das mobile Schulungsteam nun ein Verzeichnis über alle Inhalte und deren zugehörigen Unterpunkte erstellt. Durch eine kompakte Übersicht ist hier nicht nur die Aufgliederung nach Themen, sondern auch eine Schlagwortsuche möglich und hilft so, die zugehörigen Stelle im Visumhandbuch über die Seitenzahl schnell zu finden. Auf diese Weise kann die Arbeit im Bereich Aufenthalts-, Einreise- und Arbeitsgenehmigungsrecht erleichtert und optimiert werden.

Darüber hinaus bietet das mobile Schulungsteam auch weiterhin gerne Beratungen und Expertise an den Schnittstellen von beruflicher Anerkennung und aufenthaltsrechtlichen Fragen an. Seit dem letzten Jahr sind besonders viele kleine und mittlere Unternehmen dazugekommen, die sich im Zuge der Fachkräfteeinwanderung und allgemeinen Anerkennung für eine Unterstützung interessieren. Neben der persönlichen Beratung und Arbeitshilfen wie das Inhaltsverzeichnis bieten weitere fachliche Angebote wie die PDF-Broschüre FAQ »Pflegekräfte aus dem Ausland für NRW« eine Grundlage für die Arbeit im Bereich der beruflichen Anerkennung.

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

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Vorwort



Liebe Leserinnen und Leser,

die Lage im Handwerk ist weiterhin gespalten. Der Mehrheit der Betriebe geht es wirtschaftlich nach wie vor gut. Wir sprechen deswegen zu Recht davon, dass das Handwerk Stabilitätsanker in dieser Krise ist – gerade auch in NRW. Das ist die gute Nachricht, auch für junge Menschen, die berufliche Chancen suchen.

Die schlechte Nachricht: Die Lage der Handwerksbetriebe, die die Corona-Krise mit voller Wucht trifft, hat sich seit dem Jahreswechsel dramatisch zugespitzt. Jene Gewerke zum Beispiel, die von Schließung unmittelbar betroffen sind, leiden darunter, nicht arbeiten zu dürfen. Sie erbringen durch ihre Schließung ein großes Solidaropfer für unsere Gesellschaft. Umgekehrt benötigen diese Betriebe jetzt allerdings auch die Solidarität der Gesellschaft. Dass Hilfsgelder schleppend ausgezahlt werden, ist im Hinblick auf dringend erforderliche Liquidität mehr als unbefriedigend. Und dass es gerade bei jenen kleinen Betrieben der körpernahen Dienstleistung, die Mitte Dezember in den Lockdown gehen mussten, immer noch eine eklatante Förderlücke gibt, ist ungerecht und verschärft zusätzlich den Existenzkampf. Die betroffenen Betriebe, gerade die Friseurinnen und Friseure, brauchen jetzt (!) Hilfe. Wenn diesen Betrieben aktuell schon keine verlässliche Öffnungsperspektive aufgezeigt werden kann, dann muss es zumindest ein klares Signal der Unterstützung geben, das lautet: Wir haben Euch nicht vergessen. Für ein solches Signal setzen wir uns auf Landesebene derzeit intensiv ein.

Die Corona-Krise erfordert nicht nur den Einsatz für Betriebe in Not, auch das kommende Ausbildungsjahr braucht jetzt schon unsere volle Aufmerksamkeit. Es zeichnet sich ab, dass viele persönliche Begegnungen weiterhin nicht möglich sein werden. Damit wird es nach wie vor schwierig sein, junge Menschen zu erreichen. Wir setzen mit den Partnern im Ausbildungskonsens auf digitale Formate und wollen das Matching intensivieren. Ohne die Schulen und ihren Einsatz für die Berufsorientierung wird es dabei aber nicht gehen.

Corona bestimmt nach wie vor die Agenda. Durchhalten ist angesagt.

Das Handwerk hält zusammen.

Bitte bleiben Sie gesund.

Mit freundlichem Gruß

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

Wege aus der Pandemie:

Politische Gespräche mit Hendrik Wüst (CDU) und Josefine Paul (Grüne) zum Jahresauftakt

Zu Beginn des Jahres ist die Pandemie weiter beherrschendes Thema. Dass die Lage in Teilen des Handwerks kritisch, mitunter – wie bei vielen Betrieben im Bereich der körpernahen Dienstleistungen – sogar existenzbedrohlich ist, war wichtiger Diskussionspunkt im Austausch mit führenden Vertretern der Landespolitik.

Den politischen Jahresauftakt markierte ein »digitales Gespräch« der Hauptgeschäftsführer der NRW-Handwerkskammern mit der neu gewählten Vorsitzenden der Grünen-Landtagsfraktion, Josefine Paul. Neben der aktuellen politischen Lage wurden die großen Zukunftsthemen, Unterschiede, aber vor allem auch Gemeinsamkeiten in den Blick genommen. Für das Anliegen des Handwerks nach Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung gab es Zustimmung und Unterstützung. Beim Zukunftsthema Nachhaltigkeit bewies die Runde, dass es auch hier zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Zusammenarbeit gibt. Nicht nur im Bereich der Gebäudesanierung ist Handwerk Teil der Lösungen, wenn es um Ressourceneffizienz und Klimaschutz geht. In den kommenden Monaten will man hier noch stärker die gemeinsamen Positionen abstecken. Ein Fachgespräch zum Thema Mobilität ist für die nächsten Wochen bereits geplant.

Kurz darauf trafen sich in einer Videokonferenz die Präsidenten der nordrhein-westfälischen Handwerkskammern mit Landesverkehrsminister Hendrik Wüst. Wüst, der wenige Tage zuvor für seine Verdienste die Floriansplakette des nordrhein-westfälischen Handwerks überreicht bekam, berichtete zunächst aus dem aktuellen Corona-Krisenmanagement der Landesregierung. Er zeigte Verständnis für die Sorgen des Handwerks mit Blick auf den fortwährenden Lockdown und nahm mehrere Bitten aus der Runde zu Hilfsgeldern und Öffnungsstrategien mit an den Kabinettstisch. Der Minister machte deutlich, dass man nur mit einer entschlossenen Wirtschaftspolitik aus der Krise finden werde. Die vergangenen Monate hätten auch Schwachstellen, zum Beispiel bei der Digitalisierung, schonungslos offen gelegt. Der Weg aus der Krise führe über mehr Innovation, mehr Digitalisierung und vor allem Wachstum. Für seine Zukunftsagenda bekam der Minister viel Unterstützung. Deutlich vorangekommen sei Nordrhein-Westfalen bei der Ertüchtigung seiner Infrastruktur. Konkrete Straßenbauprojekte rund um die auch für das Handwerk wichtigen Verkehrsachsen des Landes wurden mit den Präsidenten diskutiert. Einig war man sich zudem, dass die speziellen Herausforderungen der Mobilität von Handwerkern bei allen Zukunftskonzepten berücksichtigt werden muss.

Die Politik muss jetzt handeln:

Gemeinsame Erklärung des Westdeutschen Handwerkskammertages und des Bayerischen Handwerkstages

Unter dem Titel »Die Politik muss jetzt handeln: Betriebe in Not können nicht länger auf Hilfe warten« veröffentlichten der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) und der Bayerische Handwerkstag (BHT) am 18.01.2021 eine gemeinsame Erklärung, in der Land und Bund angesichts des Lockdowns zum Handeln aufgerufen werden.

WHKT und BHT lobten die Maßnahmen der Politik im Rahmen des ersten Lockdowns, die vielen Betrieben geholfen haben, die Situation zu überstehen. Doch die Lage, so die Erklärung, spitze sich seit dem Jahreswechsel und dem neuerlichen Lockdown bedrohlich zu, ein Großteil der betroffenen Handwerksunternehmen befände sich in einem Existenzkampf und brächte ein riesiges Solidaropfer.

Der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) und der Bayerische Handwerkstag (BHT) fordern deshalb von der Politik schnelles Handeln, um eine drohende nie da gewesene Pleitewelle zu vermeiden.

Die fünf Forderungen der beiden Verbände betreffen die Beschleunigung zugesagter Hilfsleistungen, eine mögliche »Januar-Hilfe« für Betriebe, die im Dezember schließen mussten, die Liquiditätssicherung, die Perspektive bzgl. der Öffnung des Geschäftsbetriebs und Hilfskonzepte für die kommenden Wochen.

Die gemeinsame Stellungnahme von WHKT und BHT finden Sie unter www.whkt.de/presse-aktuelles/news/die-politik-muss-jetzt-handeln-betriebe-in-not-koennen-nicht-laenger-auf-hilfe-warten.

Ausbildungskonsens NRW:

Spitzenvertreter betonen: Bestmögliche berufliche Orientierung und Vermittlung in Zeiten der Pandemie

Die duale Ausbildung hat Priorität, gerade in der Pandemie, und die Partner des Ausbildungskonsenses bereiten zusätzliche Maßnahmen vor, um den Einschränkungen durch die Pandemie gegenzusteuern. Die berufliche Orientierung und die Kontaktanbahnung zwischen Ausbildungsbetrieben und Jugendlichen darf nicht zu kurz kommen.

Im Jahr 2020 hatte das Handwerk einen Rückgang von Ausbildungsverträgen zu verzeichnen, weil die Ausbildungsbetriebe keine Chancen hatten, genügend Jugendliche zu erreichen und für eine betriebliche Ausbildung zu gewinnen. Dass sich diese Situation in 2021 nicht wiederholen darf, war die Kernbotschaft der Handwerksvertreter im Spitzengespräch.

Einen Beschluss mit diversen Maßnahmen, die geplant oder bereits realisiert worden sind, ist im Rahmen des Spitzengesprächs am 21. Januar 2021 gefasst worden. Die Inhalte des Beschlusses erhalten Handwerksvertreter unmittelbar beim WHKT per Mail (martina.scharla[ ät ]whkt.de). Eine gemeinsame Pressemitteilung des Arbeitsministers gab es nach dem Spitzengespräch unter Beteiligung der Partner des Ausbildungskonsenses: www.mags.nrw/pressemitteilung/ausbildungskonsens-nrw-weitere-massnahmen-vereinbart-um-die-berufliche-ausbildung

Neuer »Aktionsplan NRW inklusiv« in Vorbereitung:

WHKT und Handwerk.NRW bringen gemeinsam konkrete Vorschläge ein

Das für Inklusionsfragen und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention federführende Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales mit seinem »Focal Point« (Begriff aus der UN-Behindertenkonvention) als Kompetenz- und Koordinierungsstelle plant eine Neuauflage des »Aktionsplan NRW inklusiv« für das Jahr 2021. Der Focal Point hat die Mitglieder des Inklusionsbeirates und der Fachbeiräte aktiviert, konkrete Vorschläge für einen neuen Aktionsplan einzubringen.

WHKT und Handwerk.NRW sind in verschiedenen Inklusionsgremien auf Landesebene vertreten und haben in einer Stellungnahme gemeinsam Vorschläge zu den Themenfeldern »Bildung und Ausbildung« und »Arbeit und materielle Lebenssituation« unterbreitet. Diese Vorschläge beziehen sich gezielt auf Themenfelder, in denen die Handwerkskammern und andere Handwerksorganisationen arbeiten. Die Anregungen betreffen u. a. die Themen Nachteilsausgleich in Prüfungen, Fachpraktika-Ausbildung und Ausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen, Barrierefreiheit in Berufsschulen, den Beschäftigungsanteil von Arbeitnehmern mit Schwerbehinderung und die Inklusionsberatung in der Wirtschaftsselbstverwaltung.

Die Stellungnahme von WHKT und Handwerk.NRW mit konkreten Vorschlägen für den neuen »Aktionsplan NRW inklusiv« ist zu finden unter www.whkt.de/positionen.

Interview im Handwerksblatt:

Zukunftsfähigkeit des Handwerks unter Beweis stellen

Die Ausbildungszahlen 2020 sind gegenüber 2019 zurückgegangen, die Lehrlingswerbung für das kommende Ausbildungsjahr gestaltet sich auch schwierig. Dabei stehen die Chancen zur Nachwuchsgewinnung gut: Mit den Zukunftsthemen Digitalisierung und Nachhaltigkeit, aber auch den Aufstiegs- und Erfolgsperspektiven hat das Handwerk gute Argumente, so WHKT-Präsident Hans Hund und WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier in einem Interview mit dem Handwerksblatt.

Das Interview ist nachzulesen unter www.handwerksblatt.de/politik/interview-zukunftsfaehigkeit-des-handwerks-unter-beweis-stellen.

WHKT-Arbeitskreis Europa:

Axel Voss MdEP berichtet über Stand des Lieferkettengesetzes

Die Einführung eines Lieferkettengesetzes wird in Deutschland seit Längerem kontrovers diskutiert. Maßgeblich auf Impuls der deutschen Ratspräsidentschaft sind Sorg- und Rechenschaftspflichten von Unternehmen aktuell auch auf europäischer Ebene ein wichtiges Thema.

Am 27.01.2021 hat der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments einen Initiativbericht angenommen. Mit diesem Bericht, der voraussichtlich im März vom Plenum verabschiedet wird, beabsichtigt das Parlament, seine Position festzulegen, bevor die Europäische Kommission in den kommenden Monaten einen Gesetzesvorschlag vorlegt. Das ist insofern von Bedeutung, als dass das Europäische Parlament Mitgesetzgeber ist.

Aus aktuellem Anlass berichtete der Europaabgeordnete Axel Voss am 22.01.2021 im WHKT-Arbeitskreis Europa über Stand und Hintergründe der Initiative. Er erläuterte, im Rechtsausschuss bestehe weitgehend Einigkeit darüber, dass sich das Vorhaben im Wesentlichen an große Unternehmen richten soll. Darüber hinaus sei beabsichtigt, börsennotierte KMU und solche in Risikosektoren zu erfassen. Letztere sollen in einer Liste festgelegt werden. Handwerksunternehmen wären damit regelmäßig nicht unmittelbar Adressaten der Initiative.

Im Ergebnis zeigte sich der Abgeordnete Voss zuversichtlich, dass zusätzliche bürokratische Lasten im Handwerk gering gehalten werden, ausschließen könne man sie nicht. Der Arbeitskreis wird das Vorhaben weiter begleiten.

Handwerk wächst, auch international:

»Koordinierungsstelle Außenwirtschaft« startet für das Handwerk in NRW

Neue Impulse für die gesamte nordrhein-westfälische Wirtschaft will die NRW-Landesregierung mit einer neuen Außenwirtschaftsstrategie setzen, die auch die enge Zusammenarbeit mit dem NRW-Handwerk vorsieht. Dazu startete nun die vom Wirtschaftsministerium unterstützte neu geschaffene »Koordinierungsstelle Außenwirtschaft« speziell für Betriebe aus dem Handwerk, mit deren Hilfe sich der handwerkliche Leistungskatalog in NRW auch international weiterentwickeln soll.

Zentrales Anliegen der neuen »Koordinierungsstelle Außenwirtschaft« bei der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) ist, Handwerksbetriebe in NRW für das zu sensibilisieren, was international möglich ist. Das soll in enger Zusammenarbeit mit den Handwerkskammern und handwerklichen Fachverbänden, die erste Ansprechpartner für Handwerksunternehmen in außenwirtschaftlichen Fragen sind, geschehen.

»Außenwirtschaft ist ein Zukunftsthema für das Handwerk. Viele Handwerksbetriebe sind jenseits der NRW-Grenzregionen im Ausland bereits aktiv. Handwerkliche Meisterleistung aus NRW ist eine internationale Marke: anerkannt und gefragt. Ein Erfolgsmodell, das mit der neu geschaffenen Koordinierungsstelle Außenwirtschaft zusätzlich an Fahrt gewinnt«, so Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer der LGH und des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT) in Düsseldorf. 

Die Leiterin der Koordinierungsstelle, Almut Schmitz, ehemalige Geschäftsführerin von NRW.International, über die anstehenden Herausforderungen: »Die Vielfalt handwerklicher Dienstleistungen erfordert passgenaue Angebote in der Außenwirtschaftsförderung. Für grenzüberschreitende Dienstleistungen finden auch in der EU länder- und branchenspezifische Regelungen Anwendung. In enger Zusammenarbeit mit den Außenwirtschaftsberatern der Handwerkskammern und handwerklichen Fachverbänden in NRW und mit NRW.Global Business werden wir diese Themen für das Handwerk bündeln, um die Unternehmen dabei zu unterstützen, auch international zu wachsen.«

Der WHKT ist Partner der Kooperationsvereinbarung, in der die Eckpunkte über die Zusammenarbeit in der Außenwirtschaftsförderung des Landes NRW festgehalten sind.

ValiKom Transfer:

Austausch der Berufsexpertinnen und -experten zur Stärkung von ValiKom

Erstmals im Projekt ValiKom Transfer hatten die Berufsexpertinnen und -experten im vergangenen Dezember die Möglichkeit, sich in größerer Runde untereinander auszutauschen. Berufsexpertinnen und -experten bewerten im Validierungsverfahren die Leistungen der Teilnehmenden in der Fremdbewertung. Die Treffen wurden auf vielfachen Wunsch hin organisiert. Aufgrund der Corona-Pandemie haben sie virtuell stattgefunden. 

Drei Termine wurden zunächst initiiert, an denen die Teilnehmenden aus ganz Deutschland Erfahrungen austauschen und über Herausforderungen sprechen konnten. Da der Beruf Kaufleute für Büromanagement im Projekt einer der am häufigsten validierten Berufe ist und es entsprechend viele Berufsexpertinnen und -experten gibt, wurden für diesen Beruf gleich zwei Termine angeboten. Der dritte Termin richtete sich an die Berufsexpertinnen und -experten des Berufes Elektroniker/in. 

Bei der Gestaltung der Fremdbewertung ging es unter anderen um die Vorgehensweise bei der Aufgabenstellung. Die Teilnehmenden tauschten sich beispielsweise darüber aus, welche ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente sie einsetzen. Für die Berufsexpertinnen und -experten war es wichtig, zu erfahren, dass ihre Kolleginnen und Kollegen vor den gleichen Herausforderungen stehen und wie sie damit umgehen. So konnte die eigene Vorgehensweise hinterfragt und gegebenenfalls neue Ansätze gefunden werden. Ein weiteres Thema, das viel diskutiert wurde, war die Dauer der Fremdbewertungen. Hier zeigten sich Unterschiede in der bisherigen Umsetzung, da einige der Expertinnen und Experten die Tätigkeitsbereiche und Aufgaben unterschiedlich miteinander kombinieren. So konnten die Anwesenden von den Erfahrungen der anderen profitieren, da ihnen neue Wege aufgezeigt wurden, die Zeit optimal zu nutzen. Auch über den Umgang mit Menschen, die Sprachdefizite haben, wurde gesprochen. Darüber hinaus beschäftigte die Anwesenden die Frage, was die zu Bewertenden können müssen, damit ihre Leistungen mindestens mit »ausreichend« bewertet werden können. Hierzu wurden Beispiele genannt und festgestellt, dass die Expertinnen und Experten dies sehr vergleichbar einschätzen. 

Zu den Treffen gab es durchweg positives Feedback der Teilnehmenden. Der Austausch kann als geeignetes Instrument verstanden werden, um die Experten zu bestärken. Die nächsten Treffen für weitere Berufe sind für Februar bzw. März 2021 in der Planung.

An dem Verbundprojekt ValiKom Transfer sind elf Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, zwei Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Weitere Informationen unter www.validierungsverfahren.de.

Projekt NetQA:

Corona-Krise beschleunigt Wissenstransfer und digitale Vernetzung

Das »Netzwerk Qualifikationsanalyse« (NetQA) blickt auf ein sehr heterogenes Projektjahr zurück: Auf der einen Seite konnten aufgrund der Lockdowns der Wirtschaft Qualifikationsanalysen im Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren nur Anfang des Jahres und zwischen Mai und November stattfinden. Auf der anderen Seite hat sich die mit der Corona-Pandemie einhergehende zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft sehr positiv auf die Projektarbeit ausgewirkt.

Das BMBF-geförderte Verbund-Projekt ist in 2019 gestartet, um ein nachhaltiges – bundesweites – Netzwerk zur Durchführung von Qualifikationsanalysen für zuständige Stellen zu schaffen. Das Projekt bietet neben finanzieller Hilfe über den Sonderfonds Qualifikationsanalysen vor allem Know-how und Vernetzung. 

Über den »NetQA«-Partner Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) konnten im vergangenen Jahr 2020 insgesamt einhundert Mitarbeitende von Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern sowie weiterer zuständiger Stellen geschult werden. Dabei gab es zwei verschiedene Module mit jeweils fünf Durchläufen für die verschiedenen Zielgruppen. Standen bei Modul I die Anwendungsfälle des § 14 BQFG, Tipps zur Expertensuche sowie die Finanzierung des Verfahrens im Fokus, so beschäftigte sich Modul II vertiefend mit der Durchführung, Bewertung und Dokumentation des Kompetenzfeststellungsverfahrens. In diesem Jahr 2021 sind spezielle Angebote für die Landwirtschaftskammern und Kammern der freien Berufe geplant sowie ein übergreifendes Modul zur Beratungskompetenz.

Neben Online-Seminaren bietet »NetQA« regelmäßige Netzwerktreffen für zuständige Stellen zum Thema Anerkennung bei fehlenden schriftlichen Belegen. Angefangen mit einem bundesweiten Erfahrungsaustausch für Industrie- und Handelskammern im Sommer fanden vergangenes Jahr kammerübergreifende digitale, Austauschtreffen in den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland sowie – noch in Präsenz – in Niedersachsen statt. Für BQFG-Sachberatende der Handwerkskammern in den übrigen Bundesländern sind regionale Austauschtreffen für 2021 geplant. Es bleibt zu hoffen, dass die Corona-Pandemie nicht nur die Digitalisierung beschleunigt hat, sondern auch dazu beiträgt, dass mit dem digitalen Netzwerken besonders ökonomische und niederschwellige Wege und Möglichkeiten des Austauschs nachhaltig bleiben. 

Informationen zum Projekt »NetQA« finden Sie unter www.whkt.de/netqa.
 

Bündnis-Tag Digital am 10.02.2021:

Miteinander vorankommen – Heute die Mobilität für morgen schaffen!

Unter dem Motto »Miteinander vorankommen ­ – Heute die Mobilität für morgen schaffen!« lädt das Bündnis für Mobilität zum Bündnis-Tag Digital am 10. Februar 2021 ein, der als rein digitale Fachkonferenz stattfindet.

Der Bündnis-Tag Digital, der von Verkehrsminister Hendrik Wüst eröffnet wird, bietet mit fünf Themenforen und rund 30 Programmpunkten, zahlreichen Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland sowie interaktiven Formaten aus drei teilweise parallel sendenden Studios ein breites Spektrum an Möglichkeiten, sich mit den aktuellen Entwicklungen im Bereich Mobilität auseinanderzusetzen. Dabei diskutieren Branchenexperten u.a. über neue Mobilitätskonzepte, die Modellregion NRW, Mobilität als Wirtschaftsfaktor sowie zukunftsweisende Lösungen für Städte und Regionen.

Das Bündnis für Mobilität des Ministeriums für Verkehr des Landes Nordrhein-​Westfalen etablierte 2019 erstmals den Bündnis-​Tag – eine Veranstaltung, die als Plattform für Projekte und Partner der Mobilität überwiegend in Nordrhein-​Westfalen dem Austausch über aktuelle Themen der Branche und als Standortbestimmung für die Mobilität in NRW dient.

Weitere Informationen zur Fachkonferenz finden Sie unter www.buendnis-tag.nrw/index.html.

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

weite Teile des Handwerks können, wollen und dürfen auch unter Pandemie-Bedingungen weiterarbeiten. Handwerkerinnen und Handwerker sorgen dafür, dass unser Land am Laufen bleibt.

Doch auch Handwerksbetriebe sind vom Lockdown betroffen. Erneut müssen nach den Kosmetikern nun auch die Frisöre schließen. Besonders betroffen sind zudem handwerkliche Mischbetriebe mit Ladengeschäften oder mit zum Beispiel Café- und Catering-Angeboten.

Für diese Handwerksunternehmen und ihre Beschäftigten, die zum Teil auf die umsatzstärksten Tage des Jahres verzichten müssen, hat der Stillstand gravierende Folgen. Sie benötigen erneut eine schnelle und unbürokratische Unterstützung, für die wir uns fortwährend einsetzen. 

Die betroffenen Betriebe wenden sich derzeit in großer Zahl an unsere Betriebsberatung. Sie wollen wissen, welche Möglichkeiten der Hilfe ihnen jetzt zur Verfügung stehen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Betriebsberaterinnen und Betriebsberater in der Handwerksorganisation für die außergewöhnliche Leistung in diesem Jahr. 

Ebenfalls von den Corona-Beschränkungen betroffen ist die Bildungsarbeit in der Handwerksorganisation. Präsenzunterricht ist grundsätzlich bis zum 10. Januar 2021 nicht möglich. Prüfungen und ihre Vorbereitung sind allerdings unter strengen Auflagen durchführbar, was wir im Interesse der Zukunftspläne junger Menschen begrüßen. Es wird in den kommenden Wochen weiterhin darauf ankommen, dass wir Schaden von der beruflichen Bildung abwenden. 

Auch für den WHKT neigt sich ein ereignisreiches Jahr dem Ende. Das Jahr war und ist geprägt vom Corona-Krisenmanagement. Wir freuen uns sehr über die partnerschaftliche Zusammenarbeit im Handwerk, die vieles für Betriebe in Not ermöglicht hat. Gleichzeitig sind wir bei den großen Zukunftsthemen des Handwerks vorangekommen und konkreter geworden: Nachhaltigkeit, Fachkräftesicherung und Digitalisierung sind wichtige Schwerpunkte auch im kommenden Jahr. 

Besonders freue ich mich über die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements, mit der wir begonnen haben. Der Aufbau der Ehrenamtsakademie ist eine große Chance für uns – auch damit wir mehr junge Menschen, mehr Frauen und mehr Menschen mit Migrationserfahrung für das Handwerk gewinnen. 

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Übergang in ein gesundes Jahr 2021.

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer

Ehrenamtsakademie des Handwerks in NRW:

Digitales Auftakttreffen erfolgreich durchgeführt

Die WHKT-Vollversammlung hat im Oktober eine Grundsatzposition für ehrenamtliches Engagement im Handwerk in NRW abgestimmt. Bestandteil dieser Vereinbarung ist die Vorbereitung einer Ehrenamtsakademie. Eine entsprechende Initiative konnte der WHKT bereits mit finanzieller Unterstützung des Wirtschaftsministeriums NRW Ende 2019 starten. Corona-bedingt hat es allerdings Verzögerungen bei der Umsetzung gegeben, so dass die maßgeblichen Schritte nunmehr 2021 stattfinden.

Der Auftaktworkshop unter Beteiligung ehrenamtlicher Entscheidungsträger aus den Kammerorganisationen und Landeshandwerksorganisationen sowie der Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt bei der Staatskanzlei NRW, Andrea Milz, hat indes am 9. Dezember 2020 dennoch stattfinden können – coronabedingt in digitaler Form und mit großer positiver Resonanz aller Beteiligten. 

In diesem Rahmen hob WHKT-Präsident Hans Hund die große Bedeutung des Ehrenamts für das Handwerk hervor: »Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Selbstverwaltung im Handwerk. Es sorgt dafür, dass wir in den Kammern und anderswo so praxisnah entscheiden und ebenso praxisnah die Aus- und Weiterbildung organisieren können. Wir brauchen mehr Zeichen der Wertschätzung für dieses Ehrenamt, damit wir auch zukünftig genug Handwerkerinnen und Handwerker haben, die sich engagieren.«

Auch Staatssekretärin Andrea Milz begrüßte die Gründung der Ehrenamtsakademie Handwerk in NRW. »Sie bietet die Chance, über die Wünsche und Anforderungen des Ehrenamtes und die spezifischen Bedarfe des Handwerks in den Austausch zu kommen und zugleich Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement auszudrücken. Auch für Qualifizierung und Unterstützung durch das Hauptamt soll gesorgt werden – beides Punkte, die zum Gelingen des Engagements wichtig sind!«

»Wir wollen erreichen, dass sich mehr junge Leute, mehr Frauen und mehr Menschen mit Migrationserfahrung für das Handwerk stark machen. Unser Motto: „Freiwillig vorn. Aus Überzeugung gut.«, resümierte WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier, der den Auftakt moderierte.

Damit die Teilnehmenden des Workshops eine erste Übersicht davon erhielten, wie Organisationen und Institutionen bereits heute Ehrenamtliche im Handwerk unterstützen, wurden neben der geplanten Konzeption für die Vorbereitung der Akademie im Jahr 2021 die Ergebnisse einer Online-Befragung vorgestellt. Diese ging gleichfalls der Fragestellung nach, mit welcher Akzeptanz zu rechnen ist. 


Blitzlichter aus der Online-Befragung:
Über 90 Prozent der Befragten werten die Etablierung einer Ehrenamtsakademie im Handwerk als positiv. In diesem Zusammenhang sei vor allem die Anknüpfung an bereits vorhandene Angebote entscheidend, so der Großteil der Befragten. Nach den Zielgruppen der Ehrenamtsakademie gefragt, wurden vor allem folgende Gruppen genannt: Vorstandsmitglieder, Obermeister/innen, Lehrlingswarte, Mitglieder von Prüfungs- und Berufsbildungsausschüssen. Ein aktuelles Defizit, so die Befragung, seien Angebote für Interessenten und Einsteiger/innen im Ehrenamt. 

Als weitere Bedarfe wurden seitens der Befragten folgende Themenbereiche mit Blick auf eine zu etablierende Ehrenamtsakademie genannt (ohne Gewichtung): Umgang mit Medien/Öffentlichkeitsarbeit/Presse/Rhetorik/Moderation und Gremienarbeit +++ Kameralistik, Satzungs- und Haushaltsrecht, Handwerksordnung +++ Selbstverwaltung des Handwerks +++ Vernetzungstreffen, Social Media und Erfahrungsaustausche +++ Kontakt und Umgang mit Vertretern aus der Politik +++ Meinungsbildung +++ Veranstaltungen und Expertenaustausche zu Zukunftsthemen +++ Informationsquellen und Recherche.

Im nächsten Schritt bereiten die Projektverantwortlichen beim WHKT nun auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse aus der Umfrage und dem Auftaktworkshop für 2021 verschiedene Pilotworkshops thematisch vor, die dann in der Akademie Schloss Raesfeld stattfinden sollen. 

Die aktuelle Phase der Vorbereitung der Ehrenamtsakademie des Handwerks in NRW soll im November 2021 abgeschlossen sein.

Internationaler Tag des Ehrenamts:

EHRENSACHE – Handwerk dankt dem Ehrenamt

Am  5. Dezember 2020 war internationaler Tag des Ehrenamts, der weltweit freiwilliges Engagement und dessen Bedeutung ehrt. Unschätzbar, im Coronajahr 2020 und aus Tradition untrennbar mit dem Handwerk verbunden. Grund genug für den Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT), auf das Ehrenamt im Handwerk und dessen immensen Wert zu schauen.

Auf beiden Seiten des Arbeitsmarktes setzen sich Handwerkerinnen und Handwerker in den Organisationen, Bildungseinrichtungen und Ausschüssen für die Qualität der beruflichen Bildung, Integration, Fairness sowie viele weitere Themen ein. Ihr Ziel: Bestmögliche Rahmen- und Arbeitsbedingungen für Handwerkerinnen und Handwerker, für Betriebe sowie für den Wirtschaftszweig Handwerk insgesamt. Ob als Lehrlingswart, Obermeister/in, Prüfer/in, Kammerpräsident/in oder Mitglied eines Ausschusses oder einer Vollversammlung, das Ehrenamt steht im Handwerk in der ersten Reihe, entscheidet, berät, hält zusammen und unterstützt. Freiwillig und aus Überzeugung.

»Das Ehrenamt trägt in der wirtschaftlichen Selbstorganisation des Handwerks eine Menge Verantwortung – für Unternehmen und deren Arbeitnehmerschaft gleichermaßen. Enorm viel Zeit, Wissen und Können bringen Ehrenamtliche ein und sorgen dafür, dass in der aktuellen Krise das Handwerk stabil bleibt, ausbildet und die Berufspraxis in politische Entscheidungsprozesse einfließt. Und zwar nicht nur für heute und morgen, gerade auch für die Zukunft: für nachhaltiges Wirtschaften, faire Beschäftigung, Digitalisierung, ein starkes Europa, einen leistungsfähigen Fachkräftenachwuchs und soziale Verantwortung. Mein Dank und Respekt ans Ehrenamt, gerade heute, am internationalen Tag des Ehrenamts. Handwerk ist stolz auf sein Ehrenamt. Und das sagen und zeigen wir gern«, so Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT.

 

So unterstützt der WHKT handwerkliches Ehrenamt:

  • Im Rahmen der WHKT-Vollversammlung verabschiedeten die Mitglieder im Oktober 2020 eine Grundsatzposition, die das Ehrenamt im Handwerk stärkt und seine Leistungen so anerkennt, dass sie sichtbarer werden | Download der Grundsatzposition > 
  • Einmal im Jahr findet der Treffpunkt Ehrenamt des Handwerks in NRW in Raesfeld statt. Im September 2020 mit dabei: Wirtschaftsminister Pinkwart, der das Format finanziell fördert und im Rahmen der Veranstaltung den jährlichen Ehrenamtspreis des Ministeriums an eine Handwerkerin oder einen Handwerker überreicht. Der Treffpunkt Ehrenamt 2021 ist bereits in Vorbereitung. | www.ehrenamt-handwerk-nrw.de 
  • Damit Ehrenamtliche im Handwerk in NRW zusätzliche Unterstützung erhalten und gerade der Einstieg ins Ehrenamt zukünftig leichter fällt, befindet sich eine Ehrenamtsakademie des Handwerks in NRW aktuell im Aufbau. 
  • Portraits, Meinungen und mehr von Ehrenamtlichen im Handwerk, ihren Erfahrungen und wie es sich anfühlt, sich für andere, für seinen Beruf und seine Leidenschaft einzusetzen. | www.ehrensache-online.de > Portraits
  • In zwei Studien hat der WHKT mit finanzieller Unterstützung des NRW Wirtschaftsministeriums die Bedeutung des Ehrenamts für das Handwerk auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite untersucht: www.ehrensache-online.de > Downloads 

Politischer Handlungsbedarf:

Individuelle Anpassungsqualifizierungen im Regelsystem ermöglichen

Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz verbunden sind auch Anpassungsqualifizierungen, um seinen jeweiligen Beruf vollständig anerkennen lassen zu können. Die Qualifizierungsbedarfe sind erfahrungsgemäß individuell unterschiedlich. Es wird keine Kursstärken geben können, um den Bedarfen gerecht zu werden und diese in Regelangeboten realisieren zu können. Deshalb ist die Individualqualifizierung ein wichtiges Instrument, das häufig durch »zieldifferentes« Ausbilden in Lerngruppen erfolgen kann. Damit gibt es diese Maßnahme dann genau einmal. 

Um dies zu realisieren, hat der WHKT ein Positionspapier unter dem Titel »Fachkräfteeinwanderung unterstützen – Handwerk stellt überbetriebliche Bildungsinfrastruktur (ÜBS-Zentren) zur notwendigen Qualifizierung bereit« erarbeitet. Kammern, Kreishandwerkerschaften, Innungen sowie Landesinnungs- und -fachverbände stehen mit ihren 115 ÜBS-Zentren als Teil der öffentlichen Bildungsinfrastruktur bereit, um Anpassungsqualifizierungen für Einwanderer anzubieten. Eine weitere Kernaussage des Positionspapiers: Um die Individualqualifizierung realisieren zu können, bedarf es zwingend einer notwendigen Lösung, und zwar entweder zur Förderung des Bildungsangebotes ohne AZAV-Zertifizierung durch die Arbeitsverwaltung oder zur Finanzierung dieses speziellen Bildungsangebotes durch einen Sonderfonds, bereitgestellt durch Bund oder Land.

Das Positionspapier ist erhältlich beim WHKT per Mail (martina.scharla@whkt.de) oder auf der Website des WHKT unter www.whkt.de/positionen/.

UN, EU und vor Ort:

Klimapolitische Stellschrauben überall

Am 11. Dezember 2020 hat sich der Europäische Rat, also die EU-Staats- und Regierungschefs, auf ein neues Emissionsminderungsziel für den Zeitraum bis 2030 geeinigt. Die Treibhausgasemissionen sollen um mindestens 55 % im Vergleich zu 1990 sinken. Die Einigung zu diesem Zeitpunkt war politisch bedeutsam, weil sich die Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens am 12. Dezember 2020 zum fünften Mal jährte und das Abkommen eine turnusmäßige Überprüfung vorsieht. Entsprechend war die EU aufgefordert, einen angepassten Beitrag für den Zeitraum bis 2030 vorzulegen.

Von diesem Prozess zu unterscheiden sind die Verhandlungen zum EU-Klimagesetz. Im Gesetzgebungsverfahren kann der Rat allein das Ambitionsniveau nicht bestimmen. Erforderlich ist eine Einigung von Rat und Europäischem Parlament. Das heißt, das Klimagesetz könnte am Ende eine andere Prozentzahl vorsehen als »mindestens 55 %«, denn das Europäische Parlament fordert eine Anhebung auf 60 %. Für Handwerksunternehmen ist das Gesetzgebungsverfahren von besonderer Bedeutung. Von seinem Ausgang hängen Folgeänderungen ab, die sich quer durch fast alle Politikbereiche ziehen.

Rechtsänderungen sind aber nicht alles, denn Gesetze allein können die wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformation nicht erreichen. Es braucht Umsetzer auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene. In Anerkennung dieses Umstands hat die Europäische Kommission am 9. Dezember 2020 die Initiative »Klimapakt« vorgestellt. Es handelt sich um eine nicht-legislative Initiative, die darauf ausgerichtet ist, an der Basis für Klimaschutz zu sensibilisieren, bestehende Initiativen sichtbar zu machen, sie europaweit zu verzahnen und zu stärken.

Der Klimapakt bietet thematisch vielfältige Anknüpfungspunkte für das Handwerk, sich als Umsetzer der Klima- und Energiewende zu positionieren, zum Beispiel in den Bereichen grüne Mobilität, grüne Gebäude und »green skills«. Gewünscht ist die Zusage von Klimaschutzbeiträgen (»pledges«) und die Vorstellung guter Beispiele. Außerdem können sich Einzelpersonen und Vertreter von Organisationen als Klimabotschafter bewerben.

Die Europäische Kommission hat eine Internetseite zum Klimapakt aufgesetzt. Nähere Informationen zur Initiative sind unter folgendem Link im Internet verfügbar unter https://europa.eu/climate-pact/index_de.

 

Ausbildung im Beruf Gold- und Silberschmied/in:

WHKT: Fachklasse(n) unbedingt in NRW erhalten

Die ortsnahe Beschulung von Auszubildenden ist in vielen Berufen ein wesentliches Kriterium dafür, ob Kleinbetriebe ausbilden. Insofern ist der Erhalt von Fachklassen des Dualen Systems von besonderer Bedeutung, um gerade quantitativ kleine Berufe, manche sprechen auch von seltenen oder von Splitter-Berufen, zu erhalten.

Aktuell sind zwei von drei Beschulungsstandorte im Beruf Gold- und Silberschmied/in in NRW gefährdet, da demographisch bedingte Rückgänge der Auszubildendenanzahl die Fachklassen schrumpfen läßt. Der WHKT-Arbeitskreis Berufsbildung hat sich mit dem Thema näher befasst und setzt sich intensiv dafür ein, dass mehrere Standorte, perspektivisch zumindest ein Standort in Nordrhein-Westfalen erhalten bleibt. Dies hat dann i. d. R. zur Folge, dass Berufsschulunterricht in Wochenblöcken angeboten werden muss, damit die Auszubildenden aus allen Landesteilen die Chance haben, am Unterricht teilzunehmen. Der sog. Flexibilisierungserlass des Landes kann bei dem Erhalt von Fachklassen mit verschiedenen Optionen helfen. Hierzu plant der WHKT im neuen Jahr gemeinsam mit dem Schulministerium konkrete Beispiele aus dem Land zusammenzustellen.

ValiKom Transfer:

Positive Jahresbilanz trotz Corona

Das aktuelle Jahr von ValiKom Transfer war geprägt vom Corona-Virus. Das Projekt hat sich schnell an die neuen Umstände angepasst. Die Digitalisierung hat dabei eine zentrale Rolle gespielt. 

Nachdem der WHKT im Januar der Enquete-Kommission »Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt« die Vorteile der Validierung von beruflichen Kompetenzen im Bundestag noch in Präsenz vorstellen konnte, wurden die meisten Veranstaltungen in den folgenden Monaten digital abgehalten. 

Viele Informationsveranstaltungen der Kammern beispielsweise, die dazu dienen, das Verfahren Unternehmen und anderen Interessenten vorzustellen, wurden in den digitalen Raum verlegt. Genau wie die internen Sitzungen der Projektgremien, die alle Beteiligten ausschließlich über den Bildschirm zusammenkommen ließen.

Der Lockdown im März hat einige Kammern dazu bewegt, Beratungsgespräche per Video-Chat durchzuführen. Eine Behelfslösung, die allerdings überhaupt erst ein Weiterführen der Validierungsverfahren möglich machte und gut funktioniert hat. Auch Berufsexperten, die für die Leistungsbewertung der Teilnehmenden zuständig sind, konnten online geschult werden. 

Neben dem vorherrschenden Corona-Thema und seinen Auswirkungen gibt es aber noch andere nennenswerte Ereignisse aus diesem Jahr. Das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH), welches das Projekt wissenschaftlich begleitet, hat erste Zwischenergebnisse seiner Evaluation vorgestellt. Dabei ging es um die Beschreibung der Teilnehmenden und den Nutzen des Verfahrens aus deren Perspektive. Erkenntnisse, die für die Etablierung des Validierungsangebots von großer Bedeutung sind. 

Auch hinsichtlich der angebotenen Berufe konnten in 2020 Fortschritte erzielt werden. Mit dem Kfz-Mechatroniker/in ist ein gefragter Beruf neu hinzugekommen. Sieben bereits bestehende Tätigkeitsprofile wurden zudem mit dem zuständigen Verband DEHOGA überarbeitet. 

Im letzten Quartal wurde verstärkt das Thema Öffentlichkeitsarbeit in den Fokus genommen. Das Projekt ValiKom Transfer ist seit November unter dem Begriff »Validierungsverfahren« mit eigenen Kanälen in den Sozialen Medien vertreten. Auf Facebook, Instagram, Xing und LinkedIn wird das Projekt in regelmäßigen Beiträgen vorgestellt und soll so noch mehr potentielle Teilnehmende erreichen. Ein Schritt, der gerade in Zeiten von Corona helfen soll, die eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten aufzufangen.

Insgesamt ist die Bilanz positiv mit 443 Verfahren, die in diesem besonderen Jahr durchgeführt werden konnten (714 abgeschlossene Verfahren seit Beginn des Projekts ValiKom Transfer). 

An dem Verbundprojekt ValiKom Transfer sind elf Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, zwei Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Weitere Informationen unter www.validierungsverfahren.de.

Anerkennung ausländischer Abschlüsse:

Zahlen an durchgeführten Qualifikationsanalysen gestiegen

Im vergangenen Jahr 2019 wurden laut amtlicher Statistik und Berechnung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) insgesamt 252 Qualifikationsanalysen gemäß § 14 BQFG in bundesrechtlich geregelten Berufen durchgeführt. Schon im Jahr 2018 war mit 264 durchgeführten »sonstigen Verfahren« im beruflichen Anerkennungsverfahren die Anzahl ähnlich hoch. 

Der überwiegende Teil an Anträgen auf Gleichwertigkeitsfeststellung mit einem deutschen Referenzberuf wird auf Basis der eingereichten Dokumente entschieden. Mit Inkrafttreten des Berufsqualifikationsfeststellungsgesetzes im Jahr 2012 hat der Gesetzgeber jedoch auch jene Fälle berücksichtigt, in denen Antragstellende unverschuldet keine oder nicht ausreichende schriftliche Belege über ihre ausländischen Berufsqualifikationen vorlegen können. In diesen Fällen ersetzt die Kompetenzfeststellung über eine Qualifikationsanalyse (QA) das schriftliche Dokument. 

Vor allem Drittstaatsangehörige haben in 2019 eine QA im Rahmen des Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahrens durchlaufen. Dabei liegen die Ausbildungsstaaten Syrien, Bosnien und Herzegowina sowie der Iran vorne. Allerdings stellen EU-Bürger/innen, Angehörige eines Staates des EWR sowie Schweizer/innen im selben Jahr rund 30 % der Teilnehmenden an Qualifikationsanalysen. Die QA findet vor allem bei Anerkennungen in Berufen des Handwerks sowie in Industrie und Handel Anwendung. Die Top 3 Berufshauptgruppen sind Mechatronik-, Energie- und Elektroberufe, Maschinen- & Fahrzeugtechnikberufe, gefolgt von nichtmedizinischen Gesundheits-, Körperpflege- & Wellnessberufen sowie Medizintechnik.

Insgesamt wurden von Anfang 2012 bis Ende 2019 1.116 Qualifikationsanalysen von zuständigen Stellen durchgeführt. Sicherlich ist in 2020 aufgrund der Corona-Pandemie mit einem – zumindest leichten – Rückgang der Zahlen zu rechnen. Die QA ist für alle dualen, nicht-reglementierten Berufe vorgesehen, so auch in den entsprechenden Agrarberufen sowie in den freien Berufen. 

Das BMBF-geförderte Verbundprojekt »Netzwerk Qualifikationsanalyse« bietet zuständigen Stellen Expertise, Vernetzung und finanzielle Förderung von Qualifikationsanalysen. »NetQA« wird fachlich über den Westdeutschen Handwerkskammertag gesteuert. Die Gesamtkoordination erfolgt über das BIBB. Informationen zum Projekt »NetQA« finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

Projekt Berufliche Bildungslotsen:

Berufsorientierung in Zeiten von Corona

Die vertiefte Berufsorientierung ist insbesondere in Pandemiezeiten mit Kontaktreduzierungen sehr wichtig. Der WHKT hat sich beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW und der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2020 intensiv dafür eingesetzt, das Projekt Bildungslotsen um mindestens ein Jahr fortzusetzen. Die Entscheidung ist positiv getroffen: Es wird um ein weiteres Jahr verlängert.

»Wie kommst du eigentlich mit deinen Kollegen klar?« oder »Was verdienst du denn in der Ausbildung?« – typische Fragen, die Ausbildungsbotschaftern gestellt werden. Ausbildungsbotschafter sind Azubis, meist im 2.oder 3. Lehrjahr, die vor Schulklassen von ihrem Ausbildungsberuf, der dualen Ausbildung und ihrem Alltag im Betrieb berichten. Für diese Schuleinsätze werden sie von Beruflichen Bildungslotsen im Vorfeld geschult. 2019 ging das Projekt »Potentiale entdecken und entwickeln« mit etwa 45 Bildungslotsen, die bei den Kammern ansässig sind, an den Start. Es wendet sich in erster Linie an Schüler/innen, die beruflich noch wenig orientiert sind und unterstützt sie dabei, konkrete berufliche Ziele zu entwickeln. Neben dem peer-to-peer-Ansatz der Ausbildungsbotschafter führen die Bildungslotsen auch persönliche Orientierungsgespräche, um auf die individuelle Situation der Schüler/innen einzugehen. 

Wie erwartet lief das Jahr 2020 sehr gut an, bis Anfang März anfangs vereinzelt, dann immer häufiger Termine von Schulen abgesagt wurden. Mit der Schulschließung Mitte März brachte die Corona-Pandemie das Projekt dann zunächst völlig zum Erliegen. Die Bildungslotsen nutzten die Zeit, um ein Konzept zur digitalen Umsetzung des Angebots zu entwickeln: Orientierungsgespräche sollten alternativ per Telefon oder Videotelefonie angeboten werden und auch die  Vorträge der Ausbildungsbotschafter könnten  per Videokonferenz-Tools stattfinden, ohne ihren interaktiven Charakter zu verlieren. Der Vorteil: Die digitalen Alternativen waren ebenso für den Homeschooling-Bereich geeignet, denn bis zu den Sommerferien war ein regulärer Unterrichtsbetrieb ausgeschlossen.

Die digitalen Angebote wurden daraufhin massiv beworben, was bis zu den Sommerferien allerdings nur zu wenigen konkreten Einsätzen führte, da der Großteil der Schulen fast ausschließlich mit der Organisation des schulischen Betriebsablaufs und des Homeschoolings sowie mit dem Nachholen von Unterrichtsstoff beschäftigt war. Teilweise scheiterten digitale Einsätze auch aufgrund der fehlenden technischen Infrastruktur an Schulen, Unsicherheiten im Umgang mit Videokonferenz-Tools oder Datenschutzfragen.

Nachdem sich in den Sommerferien, leider wie erwartet, nur wenige Schüler/innen aus eigener Motivation heraus an die Bildungslotsen wandten, nahm das Projekt nach den Ferien langsam wieder Fahrt auf. Im Rahmen der entwickelten Hygienekonzepte konnten wieder mehr und mehr Präsenzeinsätze an den Schulen stattfinden und auch die digitalen Alternativen wurden genutzt. Die starke Nachfrage bis zu Beginn der  Herbstferien zeigte deutlich, wie hoch der Bedarf an beruflicher Orientierung ist und wie sehr die Corona-Pandemie diesen Bereich getroffen hat. So hatten bspw. viele Schüler/innen keine Chance, ein Praktikum durchzuführen. Durch strenge Hygienekonzepte war Schüler/innen der Zutritt zu vielen Betrieben über lange Phasen hinweg verwehrt, gleichzeitig waren viele Unternehmen nur in Notbesetzung vor Ort. Allein das Thema Praktikum führte im Herbst zu zahlreichen – proaktiven – Anfragen von Schulen. Der dringende Wunsch: Den Schüler/innen im Nachgang zum beruflichen Orientierungsgespräch noch die Möglichkeit eines Praktikums zu verschaffen. Hier hatte das Handwerk einen leichten Vorteil, da im Bereich der IHKn viele, insbesondere große Unternehmen aufgrund sehr strikter Regelungen auf unbestimmte Zeit keinerlei Praktika anbieten.

Mit den extrem steigenden Corona-Fallzahlen nach den Herbstferien stieg auch wieder die Zahl der Terminabsagen. Dieses Mal nicht nur von Seiten der Schulen, sondern auch von Seiten der Betriebe, die ihre Azubis nicht mehr zu Schuleinsätzen schicken wollten. Dennoch gab es auch in dieser Situation Schulen, die dankbar waren, dass die Bildungslotsen weiterhin zur Verfügung standen, da sie ihren Schüler/innen unbedingt noch ein Angebot zur Berufsorientierung machen wollten, so dass letztlich noch einige Einsätze, sowohl digital als auch im Präsenzformat, stattfinden konnten. Insgesamt konnten bis Stand Ende November mehr als 16.000 Schüler/innen erreicht werden (in 2019 insgesamt 30.000), so dass das Ergebnis des zweiten Projektjahres durchwachsen, vor dem Hintergrund der zu bewältigenden Hürden dennoch positiv zu betrachten ist.

In den Gesprächen mit Schüler/innen tauchten in diesem Jahr Fragen auf, die in dieser Form noch nie gestellt wurden: »Erhalten Azubis auch Kurzarbeitergeld?« oder »Ist mein Wunschberuf eigentlich systemrelevant?« Die Berufsorientierung und das Werben für die duale Ausbildung werden 2021 weiterhin von größter Bedeutung sein und darüber hinaus um neue Fragen einer verunsicherten Generation erweitert werden – eine Herausforderung, der sich auch die Beruflichen Bildungslotsen stellen dürfen.

Das Projekt »Potenziale entdecken und entwickeln« ist Bestandteil des Landesprogramms »Kein Abschluss ohne Anschluss« und wird gefördert mit Beteiligung der Regionaldirektion NRW der Agentur für Arbeit. Am Projekt beteiligen sich die Handwerkskammern in Aachen, Bielefeld, Dortmund, Köln, Südwestfalen und Münster sowie die Industrie- und Handelskammern in Aachen, Bielefeld, Bonn, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Hagen, Köln, Siegen und Wuppertal sowie der Bauindustrieverband NRW. Die zentrale Projektkoordination liegt bei der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH).

IQ Netzwerk NRW:

Digitalisierungsschub bei Schulungen, Veranstaltungen und Beratungen

Das mobile Schulungsteam des IQ Netzwerks NRW ist ein gefragter Ansprechpartner für Schulungen, Veranstaltungen und Beratungen zu Themen der beruflichen Anerkennung und aufenthaltsrechtlichen Fragen im Kontext von Fachkräfteeinwanderung. Daher war es wichtig, auch während der Corona-Pandemie das Schulungs- und Veranstaltungsangebot aufrecht zu erhalten. Gelungen ist dies durch einen Mix aus virtuellen, hybriden und klassischen Präsenzveranstaltungen. Die 28 bereits durchgeführten Schulungen und Veranstaltungen mit rund 400 Teilnehmenden übersteigen schon jetzt die selbst gesteckten Ziele. Das Beratungsangebot, bislang ausschließlich per Telefon und Mail durchgeführt, gewann als zusätzlichen Kanal den Videochat hinzu.

Die erfolgreichen virtuellen und hybriden Angebote werden auch nach der Corona-Krise weitergeführt. Für Interessierte an Schulungen und Informationsveranstaltungen steht eine Checkliste zur Ermittlung des Bedarfs zur Verfügung, die helfen soll, ein möglichst maßgeschneidertes Angebot auf den Weg zu bringen.

Speziell die Expertise an den Schnittstellen von beruflicher Anerkennung und aufenthaltsrechtlichen Fragen führte zu bislang mehr als 140 durchgeführten Beratungen von Unternehmen und Beratenden. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen zeigten sich interessiert für die Unterstützung in diesen Sachgebieten. Für Unternehmen im Gesundheitswesen steht als zusätzliches Unterstützungsangebot bereits die PDF-Broschüre FAQ »Pflegekräfte aus dem Ausland für NRW« zur Verfügung. 

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

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Vorwort



Liebe Leserinnen und Leser,

die Pandemie wird uns leider noch länger begleiten. Diese große, nötige Kraftanstrengung ist noch nicht vorbei. Die Kranken, die besonders Gefährdeten, die Einsamen und auch diejenigen, die ihren Beruf – auch im Handwerk – derzeit nicht oder nur eingeschränkt ausüben dürfen, brauchen unser aller Hilfe und Unterstützung.

Bei allen Sorgen, gibt es auch Zeichen der Hoffnung und Grund für Optimismus. Die deutsche Wirtschaft erweist sich insgesamt immer noch als robust, trotz der im Frühjahr prognostizierten Einbrüche. Das ist zunächst einmal gut für viele Arbeitsplätze und die nötige Finanzierung aller Krisenmaßnahmen des Staates.

Das Handwerk erweist sich darüber hinaus in dieser Krise insgesamt als besonderer Stabilitätsanker. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen steht es in der Gesamtschau immer noch gut da. Das ist ein starkes Signal gerade für junge Menschen, die heute ihre berufliche Zukunft planen.

Völlig klar ist trotzdem, dass es auch im Handwerk viele Betriebe gibt, die unter dem Teil-Lockdown leiden. Für sie setzen wir uns derzeit besonders ein. Die Krisenhilfen müssen diese Betriebe jetzt schnell erreichen. Erfolgreich konnte sich die Handwerksorganisation dafür einsetzen, dass nun auch Bäckereien und Konditoreien mit angeschlossenem Café-Betrieb die sog. November-Hilfe in Anspruch nehmen können.

Auch wenn die Pandemie Deutschland in diesem Winter fest im Griff hat, ist es jetzt wichtig, die Zukunft in den Blick zu nehmen. Jetzt schon müssen wir im Handwerk das kommende Ausbildungsjahr planen. Die sich abzeichnende Corona-Lücke bei den neu abgeschlossen Ausbildungsverträgen darf sich in 2021 nicht wiederholen. Wir werden uns im Handwerk darauf vorbereiten und brauchen vor allem Unterstützung in den Schulen.

Der Wert der beruflichen Bildung im Handwerk wird gerade in dieser Krise deutlich. Das Handwerk hat für junge Menschen – egal welcher Herkunft – ein Aufstiegsversprechen parat. Damit leistet es einen entscheidenden Beitrag zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Wir arbeiten daran, dass Politik und Gesellschaft das mehr und mehr erkennen.

Bitte bleiben Sie gesund.

Mit freundlichem Gruß

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

Neu erschienen:

Herbstkonjunkturbarometer 2020: Auf das Handwerk ist in der Krise insgesamt Verlass

Die Corona-Krise hat das Handwerk seit März 2020 auf sehr unterschiedliche Weise getroffen – mit starken Einschränkungen und Belastungen bei körpernahen Dienstleistungen wie Friseuren und Kosmetikern auf der einen Seite und einer bemerkenswerten Robustheit bei anderen Betrieben, zum Beispiel im Ausbaugewerbe, auf der anderen Seite. So bestätigt das aktuell erschienene Herbstkonjunkturbarometer 2020 vor allem eines: Auf das Handwerk ist in dieser Krise insgesamt Verlass.

Das Handwerk steht nicht umsonst für eine im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen hohe Beschäftigungssicherheit – auch das zeigt die Umfrage. Zufall ist das nicht, denn die vielfach familiengeführten Unternehmen sind sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst. Dennoch, so zeigt die Umfrage, wird der derzeitige zweite Lockdown auch am Handwerk nicht spurlos vorbeigehen. Er wird vielfach wiederum jene Betriebe belasten, die schon unter dem ersten Lockdown gelitten haben. 

Die aktuelle Ausgabe des Herbstkonjunkturbarometers mit allen Ergebnissen der Umfrage bei 5.823 Betrieben steht als Download unter www.whkt.de/konjunkturbarometer/ zur Verfügung.

Aktuelles aus dem Schulministerium:

Corona und der duale Partner Berufsschule

Teile der Wirtschaft machen sich erhebliche Sorgen, dass Auszubildende nicht an den Prüfungen am Ende ihrer Ausbildung teilnehmen können, weil sie möglicherweise vorher in Quarantäne geschickt werden. Üblicherweise verlängert sich dann die Ausbildung bis zum nächsten Prüfungstermin, in der Regel um ein halbes Jahr, sofern nicht zwischenzeitlich andere Prüfungstermine ermöglicht werden. Um das Risiko, in Quarantäne geschickt zu werden, zu verringern, hat das Schulministerium mit einem Runderlass vom 03.11.2020 den Schulen die Handlungsoptionen gegeben, den Unterricht zwei Wochen vor den Prüfungen durch Verlagerung in andere Wochen ausfallen zu lassen. 

Die Berufskollegs haben ebenfalls, wie die allgemein bildenden Schulen im Land, die Information erhalten, dass am 21. sowie 22. Dezember kein Unterricht erteilt wird und Auszubildende, die üblicherweise an diesen Wochentagen die Berufsschule besuchen, im Betrieb bleiben sollen, da die Schulen geschlossen bleiben. Die Berufsschulen sind vom Ministerium gebeten worden, alle Betroffenen Ausbildungsbetriebe zu informieren. 

NRW-Handwerksrat:

Beschlüsse zur wirtschaftlichen Betätigung der Kommunen und zur Digitalisierung

Am 20.11.2020 hat der NRW-Handwerksrat als oberstes Beschlussgremium von Handwerk.NRW zwei Beschlüsse verabschiedet. Im Beschluss zur wirtschaftlichen Betätigung der Kommunen fordert der Handwerksrat klare Grenzen der Betätigung, mehr Transparenz und eine stärkere Aufsicht. Der Beschluss zum Thema Digitalisierung befasst sich u.a. mit dem erforderlichen Ausbau der Infrastruktur und der Digitalisierung von Verwaltungsabläufen.

Die Beschlüsse sind abrufbar unter Beschluss_Handwerksrat_wirtschaftliche_Betaetigung.pdf | Beschluss_NRWHandwerksrat_Digitalisierung.pdf.

Beharrlichkeit zahlt sich aus:

Europäische Kommission zieht Vorschlag zur Dienstleistungskarte zurück

Am 19. Oktober 2020 hat die Europäische Kommission ihr Arbeitsprogramm für das Jahr 2021 vorgelegt. Weit hinten, in Anhang IV des Arbeitsprogramms findet sich eine für das Handwerk positive Überraschung. Unter den Gesetzgebungsvorschlägen, die die Europäische Kommission zurück zu nehmen beabsichtigt, weil sie entweder überholt sind oder keine Einigung in Sicht ist, befindet sich die europäische Dienstleistungskarte. Das Vorhaben lag seit dem Frühjahr 2018 auf Eis, nachdem das Europäische Parlament die Vorschläge einer Richtlinie und einer Verordnung zurückgewiesen hatte.

Der Vorschlag zur Einführung einer europäischen Dienstleistungskarte war Bestandteil des am 10. Januar 2017 veröffentlichten Dienstleistungspakets. Ziel der Karte sollte es sein, Dienstleistungserbringern und Niederlassungswilligen zu erleichtern, in einem anderen EU-Mitgliedstaat tätig zu werden. Nach Durchsicht der Kommissionsvorschläge war der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) davon überzeugt, dass die Dienstleistungskarte schwerwiegende Konstruktionsfehler hat, so dass sie den beschworenen Mehrwert für Unternehmen nicht würde erbringen können. Im Gegenteil: Der WHKT befürchtete, dass Verfahren erheblich bürokratischer würden, zum Teil absehbar langwieriger samt schwerwiegender prozessualer Fallstricke. Selbst als zusätzliches Verfahren wäre das Dienstleistungskarten-Verfahren ungeeignet gewesen.

Zu den schwerwiegenden Konstruktionsfehlern gehörte die Abwicklung über zentrale nationale Koordinierungsstellen. Handwerksbetriebe führen Aufträge typischerweise mit geringem zeitlichen Vorlauf durch, das heißt, zwischen Auftrag und Leistung liegen üblicherweise Tage, nicht Wochen. Die Ausstellung der Dienstleistungskarte hätte jedoch voraussichtlich 2–4 Wochen gedauert, denn der Kommissionsvorschlag sah vor, dass der Antrag online an die zentrale deutsche Koordinierungsstelle übermittelt würde, die ihrerseits – mangels eigener Datenhoheit – Informationen bei der zuständigen Stelle einholen muss (also zur rechtmäßigen Niederlassung z.B. bei der Handwerkskammer), um den Antrag nach Prüfung (Frist: 2 Wochen) an die Koordinierungsbehörde des Ziellandes weiterzuleiten, die wiederum 2 Wochen Zeit gehabt hätte, um Einwände zu formulieren. Statt Prozesse zu beschleunigen, hätte die Zentralisierung der Entscheidungsprozesse flexible, unbürokratische Lösungen behindert.

 

IQ Netzwerk NRW:

Abstimmungen über Anpassungsqualifizierungen in der Pflege

Der WHKT koordiniert im Förderprogramm IQ das Netzwerk in NRW. Zur Realisierung von Anpassungslehrgängen für ausländische Pflegekräfte wurden zu Beginn der aktuellen IQ Förderphase (2019–2022) fünf staatlich anerkannte Pflegefachschulen in NRW per Interessenbekundungsverfahren an folgenden Standorten seitens der Landeskoordinierung identifiziert: Dortmund, Köln, Mönchengladbach, Münster, Wuppertal.

Pflegekräfte, die im Ausland eine formale Qualifikation erworben haben, können, nachdem sie ein Anerkennungsverfahren beim Landesprüfungsamt durchlaufen haben, an den genannten Standorten einen IQ Anpassungslehrgang absolvieren. Im Anschluss erhalten sie ihre berufliche Gleichwertigkeit und beantragen die Erlaubnis zur Berufsausübung. Jährlich erhalten so ca. 150 bis 200 ausländische Pflegekräfte ihre Berufszulassung und stehen als Fachkräfte zur Verfügung. Eine Anzahl, die längst nicht ausreicht, zumal die bereits existierende große Lücke in der Pflege mit steigender Anzahl an pflegebedürftigen Menschen allein aufgrund demografischer Entwicklungen weiter stark zunimmt.

Um zu gewährleisten, dass die inhaltlichen und formalen Voraussetzungen in den IQ Anpassungslehrgängen erfüllt sind, findet ein regelmäßiger Austausch zwischen dem Landesprüfungsamt, den Vertretungen der beteiligten Fachschulen, dem Gesundheitsministerium NRW und der IQ Landeskoordinierung sowie weiteren Akteuren beim WHKT statt. Corona-bedingt handelt es sich in 2020 vor allem um digitale Treffen.

Aktuell besteht eine große Herausforderung darin, das zu Beginn 2020 in Kraft getretene neue Pflegeberufegesetz in den IQ Anpassungslehrgängen für ausländische Pflegekräfte zu berücksichtigen. Dies ist notwendig, da zukünftig (voraussichtlich ab 2023) die Bescheide zur beruflichen Anerkennung ausländischer Pflegekräfte auf Basis des neuen Gesetzes erlassen werden. Das neue Gesetz sieht eine generalistische Ausbildung mit dem Abschluss Pflegefachfrau/Pflegefachmann vor. Es werden folglich Kompetenzen vermittelt, die für die Pflege von Menschen aller Altersstufen und aller Versorgungsbereiche benötigt werden. Die bisherige Spezialisierung nach Kinder- und Altenpflege sowie der herkömmlichen Pflege in verschiedene Ausbildungsgänge entfällt damit.

Info: Laut Institut der deutschen Wirtschaft in Köln könnten in Deutschland für die Sicherung der stationären Versorgung bis 2035 über 300.000 Pflegekräfte fehlen. Für NRW hieße dies, ein Mangel von knapp 65.000 Fachkräfte in den nächsten 15 Jahren. Jährlich wären demnach über 4.200 Fachkräfte in der Pflege zusätzlich in NRW zu qualifizieren, um dem Bedarf zu entsprechen.

Der Aufgabe, ausländische Fachkräfte für das deutsche Gesundheitssystem zu gewinnen, nimmt sich beispielsweise die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der BA an sowie das Bundesgesundheitsministerium über die Etablierung der Deutschen Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (DeFa). Um die Hürden der Einreise aus Drittstaaten und Beschäftigung als Fachkraft abzubauen, ist im März 2020 das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) in Kraft getreten.

Informationen und Kontakt: www.iq-netzwerk-nrw.de

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Projekt NetQA:

Sonderfonds des Netzwerkes Qualifikationsanalyse mit neuem Verfahren – Förderung auch in der Corona-Zeit

Die Qualifikationsanalyse (QA) ist eine wichtige Ausnahmeregelung im Anerkennungsverfahren. Das zeigt nicht nur die anhaltende Nachfrage nach dem Sonderfonds. Für qualifizierte Fachkräfte ohne ausreichende schriftliche Belege aus dem Ausland ist die Qualifikationsanalyse die Chance auf eine Gleichwertigkeitsfeststellung mit einem deutschen Referenzberuf – und damit perspektivisch auf die gleichwertige Teilnahme am Arbeitsmarkt.

Das Netzwerk Qualifikationsanalyse (NetQA) schafft ein regional verankertes Netzwerk zur Durchführung von Qualifikationsanalysen für zuständige Stellen auf Bundesebene. Der Sonderfonds Qualifikationsanalysen, der über das Projekt NetQA angeboten wird, wird über das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert und übernimmt die Kosten für die Qualifikationsanalysen, wenn die Antragstellerin/der Antragsteller diese nicht selbst aufbringen können und keine Förderung durch die Arbeitsverwaltung oder Dritte erhalten. Zudem darf das Fehlen der Dokumente nicht selbst verschuldet sein. Auch wenn insbesondere im Corona-Frühling und -Sommer weniger Qualifikationsanalysen stattfinden konnten als vergleichsweise im letzten Jahr, hat der Sonderfonds in 2020 mehr als zwei Dutzend Antragsteller/innen unterstützt. Insgesamt wurden damit von 2015 bis heute 174 Qualifikationsanalysen durch den Sonderfonds gefördert.

Neuer Ablauf seit Sommer
Seit dem 15. Juni 2020 gibt es einen neuen Ablauf zur Beantragung des Sonderfonds. Bundesweit können zuständige Stellen die Fördermittel des Sonderfonds für förderwürdige Antragstellende beim Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) beantragen. Nach einer Vorprüfung der Förderanzeige seitens des WHKT geht der Vorgang zur finalen Prüfung an das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Die Bewilligung und Auszahlung der Fördergelder erfolgen über das BIBB. Für Qualifikationsanalysen in der Zuständigkeit der IHK FOSA erfolgt die Beantragung der Förderung durch die IHK FOSA. Das BMBF-geförderte Verbundprojekt NetQA wird fachlich über den WHKT gesteuert. Die Gesamtkoordination erfolgt über das BIBB.

Informationen zum Projekt »NetQA« finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

Auf europäischer Ebene:

ValiKom Transfer bei der Europäischen Woche der Berufsbildung

Im November wurde das Validierungsverfahren aus dem Projekt ValiKom Transfer vom Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) während der »European Vocational Skills Week« auf europäischer Ebene vorgestellt. Die »European Vocational Skills Week« ist eine jährliche Veranstaltung, bei der lokale, regionale oder nationale Organisationen neue Entwicklungen aus der beruflichen Aus- und Weiterbildung präsentieren. Die fünfte Europäische Woche der Berufsbildung wurde von der Europäischen Kommission in enger Zusammenarbeit mit der deutschen Rats-Präsidentschaft der Europäischen Union und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) organisiert und hat aufgrund der Corona-Pandemie zum ersten Mal in rein digitaler Form stattgefunden.

In einer Reihe von virtuellen Sessions und Workshops wurden im Zeitraum vom 9. bis zum 13. November 2020 Themen rund um die berufliche Bildung beleuchtet. Auf Anfrage des BMBF hat Projektleiterin Tina Rapp ValiKom Transfer, das als Referenzprojekt zur Validierung beruflicher Kompetenzen verstanden werden kann, im Rahmen der Themen-Konferenz »Validierung von nicht formalem und informellem Lernen« als deutsche Perspektive vorgestellt. In einem 15-minütigen Vortrag erläuterte Frau Rapp, wie das Verfahren funktioniert, welche Funktionen es im Kontext der beruflichen Weiterbildung auf dem deutschen Arbeitsmarkt übernehmen kann und an wen sich das Projekt richtet.

Neben Tina Rapp vom WHKT haben drei weitere Referentinnen aus Frankreich (Anne Tangy), Portugal (Maria João Alves) und Finnland (Minna Bálint) die jeweilige Validierungsstrategie ihrer Länder präsentiert. Moderiert wurde die Videokonferenz von Anusca Ferrari, politische Beauftragte der Europäischen Kommission für soziale Angelegenheiten und Ernesto Villalba Garcia vom Europäischen Zentrum für die Förderung der Berufsbildung, einer Agentur der Europäischen Union und das Referenzzentrum der EU für Fragen der Berufsbildung.

Die Zuschauer waren während der gesamten Konferenz interaktiv miteingebunden, konnten sich an Umfragen beteiligen und Fragen stellen. Auch eine Podiumsdiskussion zu Herausforderungen bei der Implementierung von Validierungsverfahren sowie dem Nutzen von Validierung insbesondere bezüglich der Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit war Teil des zweistündigen Themenblocks.

Die komplette Session wurde aufgezeichnet und kann angeschaut werden unter: https://beyond-events.eu/index.php?eventid=23&roomid=93

Das Projekt ValiKom Transfer wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Weitere Informationen gibt es unter www.validierungsverfahren.de.

Berufsbildungspartnerschaftsprojekt:

Das Tischlerhandwerk in der Côte d’Ivoire

Seit April 2019 führt der Westdeutsche Handwerkskammertag gemeinsam mit der ivorischen Handwerkskammer (Chambre Nationale des Métiers de Côte d’Ivoire, CNMCI) ein Berufsbildungspartnerschaftsprojekt in der Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) durch. Das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderte Projekt hat zum Ziel, Tischlerinnen und Tischler in der Region Man durch die Bereitstellung einer dualen Berufsausbildung zu unterstützen, sowie die Wahrnehmung des Handwerks in der Elfenbeinküste zu verbessern. 

Doch welche Bedeutung hat das Tischlerhandwerk im Land und wie funktioniert dort die Ausbildung? Dieser Frage ging im Spätsommer dieses Jahres die Langzeitexpertin des WHKT, Elke Müller, gemeinsam mit ihren Kollegen von der CNMCI nach. Im Rahmen einer Studienreise verschaffte sie sich einen Überblick über den Ausrüstungs- und Ausbildungsstand der staatlich finanzierten Bildungszentren sowie einzelner Tischlereien.

Ihre Erkenntnis ist, dass das Tischlerhandwerk in der Elfenbeinküste im Wesentlichen durch drei Merkmale charakterisiert wird:

  1. Es werden viele Möbel aus Massivholz hergestellt;
  2. Das Holz hat sehr unterschiedliche Qualitäten. In vielen Tischlereien wird nasses Holz verwendet – entsprechend leidet oft die Qualität der Erzeugnisse;
  3. Die qualitativ interessanten Hölzer werden an die großen Sägewerke geliefert und dort für den Export weiterverarbeitet. Dieser erfolgt hauptsächlich über den Hafen in San Pedro.

Nur ein kleiner Teil der wertvollen Hölzer bleibt im Land. Die Tischlereien und Ausbildungszentren im ganzen Land haben daher Schwierigkeiten, brauchbares Material für ihre Arbeit oder Ausbildung zu finden.

Die Ausbildung im ivorischen Handwerk erfolgt in der Regel über zwei Wege: Entweder durch eine dreijährige Lehre in einem Bildungszentrum oder durch eine rein betriebliche Ausbildung.

Die Lehre im Zentrum ist schulisch organisiert. Dementsprechend liegt der Schwerpunkt in der Theorie. Es gibt lediglich 17 staatliche Bildungszentren im ganzen Land, die Tischlerinnen und Tischler ausbilden. Die Ausstattung dieser Zentren ist meist veraltet; es fehlt ebenso nicht nur an geeignetem Holz, sondern auch an Handwerkszeug und qualifizierten Ausbilderinnen und Ausbildern.

Bei der betrieblichen Ausbildung lernt der oder die Auszubildende ausschließlich in der Praxis und auf informellem Wege. Auf dem Land werden einfache Produkte nachgefragt, die oft ohne Holzverbindungen zusammengenagelt werden. Ästhetik und eine qualitativ hochwertige Bearbeitung spielen eine untergeordnete Rolle. Die Ausstattung der Werkstätten ist sehr schlicht, eine strukturierte Lehre findet nicht statt. Die Dauer einer solchen Ausbildung ist nicht geregelt und beträgt bis zu 7 Jahre. Es gibt keinen Anspruch auf eine Ausbildungsvergütung. Die meisten Jugendlichen, die in Betrieben ihre Ausbildung machen, haben eine geringe Schulbildung und können sich damit nicht für eine Ausbildung in den Bildungszentren bewerben.

Insbesondere an diese Zielgruppe richtet sich der Ansatz des geplanten Holz-Ausbildungs- und Produktionszentrums in Man. Die Ausbildung in diesem Zentrum wird einen betrieblichen Teil, einen Praxisteil im Bildungszentrum sowie einen Theorieteil beinhalten. Sie wird somit vergleichbar sein mit der dualen Berufsausbildung in Deutschland.

Die ivorische Regierung möchte das Bildungszentrum mit geeigneten Maschinen ausstatten, sodass bis zu 32 Auszubildende hier ihren Platz haben werden. Gleichzeitig werden die regionalen Handwerksbetriebe unterstützt, indem diesen die Nutzung der Maschinen im Bildungszentrum ermöglicht wird, um qualitativ hochwertigere Produkte herzustellen.

Das durchschnittliche Lebensalter in der Côte d’Ivoire liegt bei 19 Jahren – der Druck, die jungen Menschen mit Ausbildungs- und später mit Arbeitsplätzen zu versorgen, ist gewaltig. Mit der Stärkung der dualen Berufsausbildung im Tischlerhandwerk wollen der WHKT und die CNMCI den Beweis antreten, dass gutes Grundlagenwissen und eine gute praktische handwerkliche Ausbildung überall auf der Welt zur Sicherung der eigenen Existenz beitragen.

Gastbeitrag: Zukunftsbildung ist fürs Handwerk entscheidend

Dieses Interview des renomierten Politikwissenschaftlers und Soziologen Prof. Dr. Dr. Dr. Roland Benedikter ist auf das Handwerk in Südtirol bezogen. Die Aussagen von Prof. Benedikter, einem Partner des WHKT in Südtirol lassen sich in vielerlei Hinsicht auf das deutsche Handwerk übertragen und sind genauso lesenswert wie anregend. 



“Zukunftsbildung ist fürs Handwerk entscheidend“.

Interview mit Roland Benedikter von Hannelore Schwabl

Eine der grossen Zukunftsfragen ist, wie sich die Berufe entwickeln. Die Technologie verändert derzeit vieles – auch im Handwerk. In Südtirol wird diese Frage im aktuellen Interreg-Projekt „FuturCRAFT“ des Landesverbands der Handwerker (LVH) erforscht, gefördert aus EU-Mitteln. Das Projekt fragt nach den Zukunftsberufen im Handwerk und richtet sich damit grenzübergreifend auch an ein breiteres deutschsprachiges Publikum. Es wird mit Partnern aus Südtirol, Salzburg und der italienischen Provinz Veneto in den Jahren 2019-21 durchgeführt – also mitten in der Corona-Krise. Mit dabei im Forschungsprojekt ist Globalisierungs- und Zukunfts-Experte Roland Benedikter. Er sieht das Handwerk durch die Krise bestätigt. Aber auch an Herausforderungen mangelt es nicht. Als die wichtigste sieht Benedikter angesichts vermehrter „Tiefenkrisen“, in die der deutschsprachige Raum voll involviert ist, die Zukunftsbildung.

 

Schwabl: Wie steht es um das Handwerk in Zeiten von Corona?

Benedikter: Das Handwerk hat sich als einer der stabilisierenden Faktoren erwiesen. Es ist verwurzelt, erhält regionale Wirtschaftskreisläufe am Leben und interagiert mit den Menschen vor Ort. Es ist hier und jetzt in Reichweite, wenn man es braucht. Das schafft Vertrauen. Wo globale und grenzüberschreitende Verbindungen abreissen, hält das Handwerk lokal zusammen.

 

Schwabl: Das hat mit Einbettung zu tun.

Benedikter: Ja, die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig die Verankerung von Wirtschaftskreisläufen ist. Hier ist das Handwerk nach wie vor einer der wichtigsten Bausteine im deutschsprachigen Raum. Corona hat die Bedeutung des Handwerks als kapillarer Wirtschaftsfaktor in Zeiten zunehmender Tiefenkrisen deutlich gemacht – also von Krisen, die zeitweise das System ausser Kraft setzen oder sogar Grundlegendes in Frage stellen.

 

Schwabl: Sie arbeiten an der Forschungseinrichtung Eurac in Bozen an solchen Fragen – ja Ihr Zentrum wurde sogar dafür gegründet und arbeitet aktiv mit deutschen Einrichtungen zusammen?

Benedikter: Ja. Wir sind am Eurac Center for Advanced Studies mit den grossen Zukunftsfragen beschäftigt und was sie für Südtirol bedeuten. Wir versuchen die Südtiroler Zukunft im grösseren Zusammenhang und im Austausch mit dem deutschsprachigen Raum zu verstehen. Dazu bestehen enge Kontakte mit Deutschland. Eine gemeinsame Frage ist die Zukunft der Klein- und Mittelbetriebe. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass zwei Faktoren dafür besonders wichtig sein werden: die Digitalisierung und die Zukunftsbildung.

 

Schwabl: Wo liegen die Stärken und die Schwächen, die Corona ja vielleicht nur nochmals verdeutlicht oder zugespitzt hat?

Benedikter: Wir stehen sehr gut da hinsichtlich Zusammenarbeit mit und Anerkennung in der Bevölkerung, Wertschöpfung und Arbeitsproduktivität, und auch was den Anteil des Wirtschaftsaufkommens im Gesamtbild betrifft. Das Handwerk ist zum Beispiel in Südtirol volkswirtschaftlich sogar wichtiger als der Tourismus, dessen Belastungen allmählich eine Grenze für die Bevölkerung erreichen. Die Schwächen liegen weniger in der Betriebsgrösse, die mit durchschnittlich unter 4 Mitarbeitern nicht nur (relativ) angreifbar ist, sondern im Gegenzug auch Krisen besser bewältigbar macht. Das hat also Vor- und Nachteile. Probleme liegen eher in der Geschlechterfrage mit zu wenigen Frauen und in der Investition in Forschung und Entwicklung. Während wir in Südtirol in allen anderen Belangen im europäischen Spitzenfeld liegen, sind wir in Forschung und Entwicklung unter den Schlusslichtern. Deutschland investiert pro Kopf 1200 Euro, der EU-Durchschnitt 600, Italien 380, Südtirol 290. Das passt nicht zusammen. Da müssen wir mehr tun – gerade wenn wir sehen, wie wichtig die Digitalisierung und andere technologische Innovationen gerade durch die Krise geworden sind.

 

Schwabl: Was brauchen wir jetzt?

Benedikter: Meiner Meinung nach dreierlei:

  1. Zukunftssicherheit mit Stützungen und Belastungsreduktionen, sowohl bürokratisch wie steuerlich;
  2. eine breitestmögliche Ausbildungsoffensive in neuen Technologien;
  3. eine systematische Auseinandersetzung mit Zukunftschancen in den Landesprogrammen. Wir müssen ein Programm für Zukunftsbildung im Handwerk lancieren, um zu verstehen, wo sich die Berufe hin entwickeln, und was dabei auf uns zukommt – worauf wir uns vorbereiten sollten. Das betrifft nicht nur die Zukunftsbereitschaft, die im Handwerk traditionell sehr hoch ist, sondern auch die Zukunftsbildung – wo wir noch nachlegen und verbessern können, damit gerade die Jungen in unseren Betrieben sich im Kopf auf das einstellen, was alles möglich ist.

Dabei sollten wir zwischen Zukunftsdenken und Zukunftsbildung unterscheiden, obwohl die beiden zusammenhängen.

 

Schwabl: Was meinen Sie mit Zukunftsdenken?

Benedikter: Zukunftsdenken meint nicht nur Planung, sondern Vorwegnahme von Situationen, Räumen, Zeiten. Wir nennen das „foresight“. Dazu muss ich viele Informationen kombinieren. Das findet heute 3-fach statt: mittels Datenprojektionsanalyse, „Horizonterkundung“ (horizon scanning) und Delphi-Studien, also durch interdisziplinäre Expertenbefragungen. Wir sollten alle drei verbinden – und dabei davon ausgehen, dass es nicht eine Zukunft gibt, sondern viele. Dazu gibt es übrigens auch ein leicht lesbares Büchlein in Gesprächsform, das man hier kostenlos erhalten kann.

 

Schwabl: Was genau ist mit Zukunftsbildung gemeint?

Benedikter: Das Thema ist: Wie verändern sich die Berufe im Handwerk? Da kommt im Kern die sogenannte „Futures Literacy“ ins Spiel. Futures Literacy, also wörtlich: „Zukünftebildung“, ist ein Ansatz der UNESCO, also der Bildungsorganisation der Vereinten Nationen. Bis 2020 stand er unter der Führung des Franko-Kanadiers Riel Miller. Es gibt inzwischen mehr als 30 Futures Literacy Laboratorien weltweit, wo Menschen aus verschiedenen angewandten Berufsgruppen sich treffen und eigene Erfahrungen mit den Voraussagen von Experten und globalen Vordenkern konfrontieren können. Es sind Laboratorien, die einen konkreten Mehrwert für die Beteiligten bringen, weil sie mitreden und ihre Anforderungen, Probleme und Ideen einbringen können. Wir wollen mit diesem Ansatz konkret arbeiten, um die „Zukunftsflexibilität im Kopf“ zu stärken und neue Ideen auszutauschen und umzusetzen. Das Handwerk könnte das zentral ins Bildungsprogramm aufnehmen – als Bindeglied zwischen lokalen Stärken und globalen Anforderungen.

 

Schwabl: Was ist jetzt zu tun?

Benedikter: Wir sollten Futures Literacy, Futures Literacy Laboratorien, Globalisierung und „Glokalisierung“, also die wechselseitigen Bezüge zwischen lokal und global, in der Berufsbildung für das Handwerk verankern. Um seine Zukunft zu sichern. Vielleicht sogar schon vorher in der Schule. Wir müssen dabei betreffend Innovation gar nicht überall die ersten sein – sogenannte prime movers –, sondern sollten eher auf early adapters hinzielen. Das heisst wir sollten unter den ersten sein, die Innovationen bedarfsbezogen, gewinnbringend und nachhaltig einführen. Dazu wurde zum Beispiel auch der NOI Technologiepark in Bozen eingerichtet.

 

Schwabl: Ihr Ausblick?

Benedikter: Zusammenfassend bildet das Handwerk ein Rückgrat der Wirtschaft. Es ist einer der konkret eingebettetsten Wirtschaftsbereiche, in vielerlei Hinsicht auch der kreislauforientierteste und damit der „glokal“ nachhaltigste. Das Handwerk ist und bleibt deshalb ein entscheidender strategischer Zukunftsfaktor. Zugleich kämpfen viele Betriebe mit Facharbeiter-Abwerbung und Versorgungs-Engpässen, aber auch mit den Pandemie-Auswirkungen. Wir sollten durchaus im Gemeininteresse alles tun, um sie zu stärken – zum Beispiel durch Entbürokratisierung und weitere Pandemie-Hilfen, wo sie notwendig sind. Im Moment schaut es ja nicht so aus, als ob diese Pandemie schon vorbei ist.


Roland Benedikter ist Co-Leiter des Centers for Advanced Studies der Eurac Bozen. Hannelore Schwabl arbeitet beim LVH Bozen.

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Vorwort



Liebe Leserinnen und Leser,

die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie sind belastend. Auch Handwerksbetriebe sind vom aktuellen „Wellenbrecher-Lockdown“ betroffen. Insbesondere das Kosmetiker-Handwerk kann weitgehend nicht seiner Arbeit nachkommen. Wir im Handwerk sind solidarisch mit Betrieben in Not. Wir setzen uns gegenüber der Landesregierung für schnelle und unbürokratische Hilfen ein und tun das Mögliche, um Betriebe in dieser schwierigen Lage zu beraten.

Bisher ist die wirtschaftliche Situation im Gesamthandwerk aber nach wie vor stabil. Die allermeisten Betriebe stehen trotz Krise gut da. Deswegen hat sich die WHKT-Vollversammlung bei ihrer jüngsten Zusammenkunft neben dem Corona-Krisenmanagement vor allem mit der Zukunft beschäftigt. Die Themen Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden uns in den kommenden Jahren besonders beschäftigen. Handwerk bietet jungen Leuten beste Perspektiven. Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ist uns auch deswegen ein entscheidendes Anliegen.

Das Aufstiegsversprechen des Handwerks richtet sich an alle gesellschaftlichen Schichten. Die Ausbildungsleistung der Betriebe hält unsere Gesellschaft zusammen. Deswegen braucht berufliche Bildung Anerkennung, Durchlässigkeit zu weiteren Bildungschancen sowie eben Gleichwertigkeit im Verhältnis zur akademischen Bildung. Das werden wir mit Nachdruck und auch Selbstbewusstsein in den kommenden Monaten gerade vor dem Hintergrund der Erfahrung der Corona-Krise vorbringen.

Mit freundlichem Gruß

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

WHKT-Herbst-Vollversammlung am 30.10.2020:

Das Handwerk zeigt sich stark in der Krise und nimmt selbstbewusst die großen Zukunftsthemen in den Blick

Im Rahmen der Vollversammlung des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT) haben die Spitzenvertreter der Handwerkskammern in NRW insgesamt drei Grundsatzpositionen für das Handwerk in NRW vereinbart: 1. Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung, 2. Berufsorientierung im Rahmen des Systems „Kein Abschluss ohne Anschluss (KAoA)“ sowie 3. Ehrenamtliches Engagement.

Der aktuelle „Wellenbrecher-Lockdown“ stellt Wirtschaft und Gesellschaft, Politik und Kultur auf eine harte Probe. Es geht um Existenzen, um Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Präsident Hans Hund betonte in seinem Bericht zur Lage des Handwerks, dass der WHKT sich mit ganzer Kraft für Betriebe in Not engagiere. Insbesondere das erneut von weitgehender Schließung betroffene Kosmetiker-Handwerk brauche schnelle Hilfen.

Gleichzeitig betonte Hund, dass das nordrhein-westfälische Handwerk in dieser Krise entscheidende Stütze der Wirtschaft sei. „Die wirtschaftliche Lage ist in den allermeisten Betrieben nach wie vor stabil. Das Handwerk bleibt Motor für Arbeits- und Ausbildungsplätze. Nirgendwo finden junge Leute derzeit bessere und sichere Perspektiven als im Handwerk“, so Hund.

Deswegen galt der Schwerpunkt der Vollversammlung neben dem Corona-Krisenmanagement vor allem der Blick in die Zukunft. „Auf die Themen Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit kommt es in den kommenden Jahren entscheidend an. Wir müssen jetzt die Weichen stellen, damit wir gut aus der Krise und sicher in die Zukunft kommen. Das Handwerk hat dabei allen Grund, optimistisch zu sein“, erklärte Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT.

Um die Zukunft in diesen Bereichen erfolgreich zu gestalten, haben sich die Mitglieder der WHKT-Vollversammlung – die Spitzenvertreter der Handwerkskammern in NRW –  per Videokonferenz abgestimmt, drei Grundsatzpositionen für das Handwerk entwickelt und diese verabschiedet.


1. Für die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung

Junge Menschen, die sich heute für eine betriebliche Ausbildung im Handwerk entscheiden, erwerben umfangreiche berufliche Handlungs- und Problemlösungskompetenzen und können im Anschluss weitere wichtige Karrierestufen meistern, bis hin zur beruflichen Selbstständigkeit oder auch in die Führungsetage des Mittelstands. Nach wie vor ist das Berufsbildungssystem im Handwerk allerdings benachteiligt. Benachteiligt gegenüber schulischen oder hochschulischen Bildungsgängen. Diese werden finanziell und strukturell in umfangreichem Maße von Bund, Ländern und Kommunen gefördert. Damit es hier zu einem Mehr an Gleichbehandlung kommt und zwischen der beruflichen und (hoch-)schulischen Bildung die notwendige Gleichwertigkeit hergestellt wird, hat die Vollversammlung des WHKT zehn Maßnahmen verabschiedet. Von der Schaffung eines Berufsbildungspaktes, über die Förderung von Azubiwohnheimen, bis hin zur Begabtenförderung und der Gleichberechtigten Berücksichtigung der Abschlüsse.

Link zur Position: https://www.whkt.de/fileadmin/user_upload/whkt/downloads/whkt-stellungnahmen-positionen/2020-10-30_Grundsatzposition_Gleichwertigkeit_VV_download.pdf


2. Das Handwerk steht zum systematischen Übergang von der Schule in den Beruf! – „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) 

Der Übergang von dem Schul- in das Berufsbildungssystem sollte sich vor allem daran ausrichten, welche Talente Schülerinnen und Schüler mitbringen sowie welche beruflichen Wünsche oder Interessen vorliegen. Diese lassen sich allerdings nur bedingt durch gute Berufsinformationen, Beratungen oder sonstige Medien und Formate identifizieren. Letztlich sind es die persönlichen Erlebnisse in der betrieblichen Praxis, die ein echtes Empfinden darüber vermitteln, ob der Beruf passt und ob die berufliche Wirklichkeit den jeweiligen Vorstellungen entsprechen. Das KAoA-System unterstützt genau dies. Es ermöglicht Schülerinnen und Schülern frühzeitig, auch die unternehmerische Praxis kennenzulernen, persönliche Erfahrungen zu sammeln und festzustellen, was am besten passt.

Das Handwerk in NRW hat in seiner KAoA-Position unterstützende Verbesserungsvorschläge für den Übergang von der Schule in den Beruf festgehalten, vor allem aber richtet es auch einen Appell nach innen. Handwerksbetriebe und -organisationen sollen sich stärker mit Praxisangeboten beteiligen, damit KAoA seinen Erfolg stärkt.

Link zur Position: https://www.whkt.de/fileadmin/user_upload/whkt/downloads/whkt-stellungnahmen-positionen/2020-10-30_Position_KAoA_VV_download.pdf


3. Für ehrenamtliches Engagement im Handwerk

„Das Fundament sichern. Das Handwerk stärken.“ lautet das Motto der Grundsatzposition „Ehrenamt“ der WHKT-Vollversammlung. Hintergrund ist, dass die tiefe ehrenamtliche Verankerung von Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen in den Gremien und Ausschüssen der handwerklichen Selbstverwaltung Garant für praxisorientierte Entscheidungen ist. Gerade in der aktuellen Corona-Krise zeigt sich, wie schnell und direkt die ehrenamtliche Beteiligung dafür gesorgt hat, dass die betrieblichen Auswirkungen der Pandemie gegenüber Politik und Verwaltung deutlich werden. Trotzdem fällt es zunehmend schwerer, ehrenamtliche Positionen mit jungen Handwerkerinnen und Handwerkern zu besetzen. Gerade junge Frauen sowie Menschen mit Zuwanderungserfahrung sind im handwerklichen Ehrenamt deutlich unterrepräsentiert. Die WHKT-Vollversammlung hat in seiner Grundsatzposition für das handwerkliche Ehrenamt den Beschluss gefasst, Maßnahmen einzuleiten, die das Ehrenamt stärken und junge Handwerkerinnen und Handwerker an die ehrenamtlichen Aufgaben besser heranführt. Hierzu gehört die Etablierung einer Ehrenamtsakademie des Handwerks in NRW (EAH), für dessen finanzielle Förderung gleichfalls das Wirtschaftsministerium in NRW gewonnen werden konnte.

Link zur Position: https://www.whkt.de/fileadmin/user_upload/whkt/downloads/whkt-stellungnahmen-positionen/2020-10-30_Grundsatzposition_Ehrenamtliches-Engagement_VV_download.pdf

Neben der Verabschiedung der Grundsatzpositionen stand der Dialog der WHKT-Vollversammlung mit Staatssekretär Christoph Dammermann aus dem NRW-Wirtschaftsministerium im Mittelpunkt. Inhalte des Gesprächs waren die großen Themen von morgen: Digitalisierung und Außenwirtschaft, Fachkräftesicherung und selbstverständlich die gemeinsame Bewältigung der Corona-Krise. Auf eine enge Partnerschaft zwischen Wirtschaftsministerium und Handwerkskammern wird es nach Überzeugung beider Seiten weiterhin ankommen.

Fotos zur WHKT-Vollversammlung finden Sie hier: https://www.whkt.de/owncloud/index.php/s/oUkAh5bVVUIi0ZZ

Beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks NRW 2020 werden 82 Landessiegerinnen und -sieger geehrt:

In der Pandemie ist die Wertschätzung des besten Nachwuchses besonders wichtig

In über 80 Wettbewerbsberufen wird der Leistungswettbewerb im Handwerk seit fast 70 Jahren jährlich ausgetragen. Corona-bedingt musste der Ablauf des Wettbewerbs auf Landesebene in NRW in diesem Jahr zwar umgestellt werden: Die Besten wurden in erster Linie per Notenvergleich in der Gesellenprüfung ermittelt und nicht in Form eines gesonderten Wettbewerbs. Doch die tolle Leistung der jungen Leute bleibt trotzdem bemerkenswert.

Insgesamt 82 Landessiegerinnen und -sieger aus NRW wurden identifiziert. Ihnen gebührt nicht nur viel Lob und Anerkennung auf Landesebene, sie haben im nächsten Schritt auch auf Bundesebene die Chance, mit ihrem Talent zu punkten.

„Die Ehrung der besten Gesellinnen und Gesellen des Handwerks in NRW findet traditionsgemäß in einem gebührenden Festakt statt. Auch wenn diese Schlussfeier in diesem Jahr ausfällt, wollen wir diese besonders engagierten und talentierten jungen Leute würdigen,“ betont Hans Hund, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT). „Wir gratulieren allen Siegerinnen und Siegern zu ihren großartigen Leistungen. Gerade in der diesjährigen Situation sind die hervorragenden Ergebnisse unter erschwerten Bedingungen entstanden. So galt es neben den Prüfungsleistungen gleichzeitig die wichtigen Corona-Schutzmaßnahmen einzuhalten.“ Das Engagement der Ausbildungsbetriebe lobt WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier. „Wir haben großen Respekt gerade vor denjenigen, die in den Betrieben ihr Wissen weitergeben und mit dafür sorgen, dass junge Menschen ihr Handwerk in so exzellenter Weise erlernen. Auch in der Pandemie ist das Handwerk ein Garant für gute Ausbildung.“

Im Rahmen der Schlussfeier war die besondere Ehrung in diesem Jahr durch Arbeitsminister Karl-Josef Laumann geplant. Anstelle der persönlichen Gratulation spricht Minister Laumann „seinen Stolz, dass das Handwerk in Nordrhein-Westfalen Exzellenz vorweisen kann“ in einem Brief aus, den jede Siegerin und jeder Sieger von ihm erhalten hat.

Eckdaten zum Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks: findet auf vier Ebenen statt (Innungs-, Kammer-, Landes- und Bundesebene) +++ in NRW 80-85 Wettbewerbsberufe +++ jährliche Durchführung +++ aus ca. 25.000 Prüfungsabsolventen einer Ausbildung wurden in diesem Jahr 82 Siegerinnen und Sieger ermittelt +++ Teilnehmende dürfen bei ihrer Gesellen- bzw. Abschlussprüfung das 27 Lebensjahr nicht vollendet haben +++ Qualifikationsvoraussetzung ist mindestens die Gesamtnote gut in der Prüfung +++ in 2020 wurden Teilnehmende anhand ihrer Prüfungsleistungen ermittelt +++ Siegerinnen und Sieger auf Landesebene erhalten eine Urkunde sowie ein Weiterbildungsstipendium in Höhe von 8.100,00 € +++ Der Wettbewerb wird gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW

Alle Siegerinnen und Sieger in den jeweiligen Berufen sind inklusive ihres Ausbildungsbetriebs hier zu finden.

Ort und Termin der Abschlussfeier des Leistungswettbewerbs 2021 steht gleichfalls bereits fest: Bielefeld, den 30.10.2021.

Bilanz am Ausbildungsmarkt 2019/2020:

Der Ausbildungsmarkt in NRW geht in die Verlängerung – Chancen im »fünften Quartal«

Burkhard Landers, Torsten Withake, Hans Hund (v.l.n.r.)

Für viele Unternehmen und Bewerberinnen und Bewerber wird es in diesem Jahr am Ausbildungsmarkt knapp. Ende September waren noch 8.900 Bewerber/innen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, gleichzeitig gab es fast 11.000 offene Stellen. Die Corona-Virus-Pandemie hat den Ausbildungsmarkt um mehrere Monate nach hinten verschoben. Bis zum Stichtag im September wurden weniger Ausbildungsverträge eingetragen als im Vorjahr: Der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) und die Industrie- und Handelskammern in NRW (IHK NRW) verzeichnen einen Rückgang. Die Verlängerung des Ausbildungsmarktes bis in den Januar hinein sollten Bewerber/innen wie Betriebe nutzen. Die Bundesagentur für Arbeit, IHK NRW und der WHKT läuteten bei einer gemeinsamen Zwischenbilanz das »fünfte Quartal«, die Nachvermittlungszeit* auf dem Ausbildungsmarkt ein.

»Wir sind uns einig, dass wir einen Corona-Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt in NRW verhindern müssen. Der Nachwuchs, den wir heute nicht ausbilden, fehlt der Wirtschaft in NRW in wenigen Jahren«, so Torsten Withake, Chef der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit (BA) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IHK NRW und WHKT. Die Auswirkungen der Corona-Virus-Pandemie haben die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in diesem Jahr deutlich geprägt. In der Zeit des Lockdowns im April, Mai und Juni gab der Ausbildungsmarkt bei den Stellenmeldungen wie bei der Zahl der Bewerberinnen und Bewerbern gegenüber anderen Jahren deutlich nach. So meldeten Unternehmen und Betriebe bis Juni für das aktuelle Ausbildungsjahr 99.507 Ausbildungsstellen und damit 9,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Noch deutlicher ging die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber zurück: Im Juni waren 12,1 Prozent und damit 13.981 junge Menschen weniger auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz als im Vorjahresmonat.

Ab Juli kam wieder mehr Bewegung in den Ausbildungsmarkt. Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber meldeten trotz der oft herausfordernden Situation neue Ausbildungsstellen. Bis Ende September wurden insgesamt 110.568 Ausbildungsstellen bei den Agenturen für Arbeit gemeldet. Trotz der Belebung auf dem Ausbildungsmarkt im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 7,8 Prozent (9.363 Stellen). Die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber stieg bis Ende September auf 115.639 junge Menschen. Allerdings suchten ein Jahr zuvor noch 128.508 junge Frauen und Männer einen Ausbildungsplatz. Dies bedeutet einen Rückgang um 10,0 Prozent.

IHK NRW und WHKT unterstreichen, dass die Unternehmen trotz der Krise an ihrem Ausbildungsengagement festhalten. So seien in den letzten Monaten sogar mehr Ausbildungsplätze angeboten und mehr Verträge abgeschlossen worden als in den Vorjahresmonaten. Unter dem Strich stehe zum aktuellen Stichtag im Vergleich zum Vorjahr aber dennoch ein Minus bei den Ausbildungsverträgen. Bis Ende September wurden von den Industrie- und Handelskammern in NRW 58.380 Ausbildungsverträge abgeschlossen (minus 15,1 Prozent), bei den Handwerkskammern waren es 25.171 Ausbildungsverträge (minus 10,1 Prozent). IHK NRW und der WHKT sehen dafür vor allem zwei Hauptgründe: fehlende Kontaktmöglichkeiten zwischen Jugendlichen und Betrieben und drastische Geschäftseinschränkungen in manchen Branchen.

Bestehende Ausbildungsverhältnisse hingegen haben sich als sehr stabil erwiesen. Eine Umfrage der IHK-Organisation hat ergeben, dass nur 0,5 Prozent der Betriebe Ausbildungsverträge lösen mussten. »Die meisten Unternehmen haben selbst auf dem Höhepunkt der ersten Covid-Welle und danach Wege gefunden, weiter auszubilden. Ein eindrucksvoller Beweis, wie robust und zukunftssicher die duale Ausbildung in Deutschland ist. Mein Rat an alle jungen Menschen, die sich nicht sicher sind, wo sie die Reise hinführen soll: Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz stehen auch jetzt im Herbst noch sehr gut – es ist nicht zu spät!« sagte Burkhard Landers, Vize-Präsident von IHK NRW.

Jetzt komme es darauf an, die nächsten Monate für den Ausbildungsmarkt in NRW zu nutzen und Bewerberinnen und Bewerber und Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber erfolgreich zusammenzubringen. Sowohl die Industrie- und Handelskammern als auch die Handwerkskammern werden bis in den Januar hinein Ausbildungsverträge eintragen.

»Die Betriebe des Handwerks in NRW erleben trotz Corona-Pandemie in den allermeisten Geschäftsbereichen eine gute Konjunktur. Daher wird im Handwerk weiter auf hohem Niveau ausgebildet und junge Menschen erleben, wie das duale Berufsbildungssystem Talente fördert – vom ersten Tag der Ausbildung, bis hin zum Meistertitel und zur Selbstständigkeit. Die Chancen im Handwerk stehen gut, ergreifen muss man sie selbst! Unsere Betriebe helfen dabei und appellieren an alle Jugendlichen, sich auch jetzt noch um einen Ausbildungsplatz im Handwerk zu kümmern und nicht auf das nächste Jahr zu warten«, sagte Hans Hund, Präsident des WHKT.

Der Ausbildungsmarkt geht im 5. Quartal in die Verlängerung: Jugendliche in Nordrhein-Westfalen können durch die Nachvermittlungsaktionen der Bundesagentur für Arbeit und der Kammern noch später ihre Ausbildung beginnen.

»Auf dem Ausbildungsmarkt beginnt jetzt mit dem 5. Quartal die in diesem Jahr entscheidende Phase. Wir hatten in den vergangenen Jahren bereits in vielen Branchen Fachkräfteengpässe. Damit sich diese nicht durch Corona zusätzlich verschärfen, müssen wir in NRW besonders darauf achten, dass wir trotz aller schwierigen Einschränkungen den Ausbildungsmarkt auf Kurs halten und unser Ziel erreichen, dass die Zahl der Ausbildungsmöglichkeiten in NRW stabil bleibt«, sagte Withake. »So sind in den vergangenen Monaten die Beratungsmöglichkeiten der Agenturen ausgebaut und weiterentwickelt worden – digital, aber auch vor Ort, in den Agenturen für Arbeit und in den Schulen. Mir ist wichtig, dass jeder junge Erwachsene ihre und seine Chance für den Start in die berufliche Zukunft erhält.«

Die BA NRW, IHK NRW und der WHKT, sind sich einig: Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz stehen weiterhin gut und es ist noch nicht zu spät. Ende September gab es 10.958 freie Stellen und damit 8,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Außerdem gab es zum Stichtag 30.09.20 landesweit mehr freie Ausbildungsstellen als unversorgte Bewerberinnen und Bewerber. 8.900 junge Menschen waren noch auf der Suche nach einem dualen Ausbildungsplatz.

(*Das Berufsberatungsjahr beginnt im Oktober und endet im September des folgenden Jahres, da die meisten dualen Ausbildungen i.d.R. im August oder September starten. Von November bis in den Januar läuft die Nachvermittlungszeit, das sogenannte „5.Quartal“, in der noch Ausbildungen begonnen werden können.)


Weitere Informationen:

Detaillierte statistische Daten und Grafiken zum Ausbildungsmarkt finden Sie unter https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Statistiken/Fachstatistiken/Ausbildungsmarkt/Ausbildungsmarkt-Nav.html .

Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in Nordrhein-Westfalen sowie hilfreiche Links zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten finden junge Menschen und ihre Eltern unter https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/rd-nrw/zukunftklarmachen.

Kontakte für Ausbildungsplatzsuchende bei den IHKs in NRW und die IHK-Lehrstellenbörse sind hier zu finden: https://www.ihk-nrw.de/beitrag/kontakte-ausbildungsplatzsuche-nrw

Die Online-Plattform der Handwerkskammern in NRW und des Westdeutschen Handwerkskammertages unter dem Motto »Finde dein Handwerk« finden Sie unter https://www.whkt.de/findedeinhandwerk/

 

Mobilität für Azubis:

Azubi-Ticket ist Erfolg für Azubis und Unternehmen

WHKT-Präsident Hans Hund, Verkehrsminister Hendrik Wüst (r.)

Nach einem erfolgreichen Start mit direkt 5.000 verkauften Tickets sind inzwischen mehr als 15.000 Auszubildende in Nordrhein-Westfalen mit dem Monatsticket »NRWupgradeAzubi« im ÖPNV auch über die Tarifgrenzen der Verkehrsverbünde hinaus mobil.

Im August 2019 und pünktlich zum Beginn des vergangenen Ausbildungsjahres hatten die Verkehrsverbünde das Upgrade-Ticket mit maßgeblicher Beteiligung und Förderung des Verkehrsministeriums Nordrhein-Westfalen eingeführt. Rund ein Jahr später tauschten sich Verkehrsminister Hendrik Wüst, Hans Hund, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT), Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, und Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer der IHK NRW, mit Auszubildenden sowie Ausbildern über ihre Erfahrungen mit dem landesweiten Azubi-Ticket aus. Die einhellige Meinung: Das landesweite Azubi-Ticket ist ein Erfolg – für Azubis und Unternehmen. Denn günstige und unkomplizierte Mobilitätsangebote sind ein wichtiges Kriterium bei der Wahl eines Ausbildungsbetriebes.

»Mit dem Azubi-Ticket machen wir Auszubildende in ganz Nordrhein-Westfalen mobil – und zwar über Verbundgrenzen hinweg! Diese Mobilitäts-Flatrate ist gut für die Azubis und für den Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen, denn Ausbildung darf nicht an den Tarifgrenzen der Verkehrsverbünde scheitern,« so Verkehrsminister Hendrik Wüst. »Dass das landesweite Azubi-Ticket so ein Erfolg ist, freut mich persönlich und bestätigt uns in unserem Ziel.«

Im landesweiten Wettbewerb um die besten Auszubildenden ist das NRWupgradeAzubi ein Vorteil für Unternehmen. Hans Hund, Präsident des WHKT betonte: »Wir freuen uns, dass Nordrhein-Westfalen im Bereich der Mobilität, den Weg der Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung eingeschlagen hat. Das Azubi-Ticket bietet eine große Chance für Unternehmen, sich für Auszubildende noch attraktiver aufzustellen. Wir ermutigen unsere Betriebe, das Ticket zu nutzen und wissen, dass viele Unternehmen ihre Auszubildenden dabei unterstützen.«

Das landesweite NRWupgradeAzubi kann für 20 Euro als Zuschlag auf Azubi-Tickets erworben werden, die verbundweit in den Verkehrsverbünden Rhein-Ruhr (VRR), Rhein-Sieg (VRS), dem Aachener Verkehrsverbund (AVV) oder im Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) gültig sind. Diese liegen zwischen 60,70 Euro und 62 Euro im Monat. Mit den Verkehrsverbünden wurde vereinbart, dass das landesweite Zuschlagsticket bis Ende Juli 2023 nicht teurer wird. Das Land fördert das Azubi-Ticket jährlich mit insgesamt rund neun Millionen Euro. Ein verbundübergreifendes Ticket hat vor Einführung des NRWupgradeAzubi im Schnitt 160 Euro gekostet.

Der Zuschuss zum Ticket ist für die Arbeitgeber als Betriebsausgabe steuerlich absetzbar. Auszubildende müssen Zuschüsse oder die komplette Übernahme der Kosten durch die Ausbildungsbetriebe nicht als geldwerten Vorteil versteuern, wenn der Arbeitgeber den Zuschuss freiwillig leistet.

Enorm kreativ und innovativ:

DesignTalente Handwerk NRW 2020 ausgezeichnet

Am 11.10.2020 fand das spannende Finale des Wettbewerbs »DesignTalente Handwerk NRW 2020« in der Handwerkskammer Düsseldorf statt. Spannend vor allem für die anwesenden Nominierten, da die Preisträgerinnen und Preisträger erst während der Siegerehrung bekanntgegeben wurden.

Nachdem sich Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart zunächst einen Überblick über die ausgestellten Objekte verschaffte und Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, als Hausherr die Begrüßung vornahm, machte ein Talk zum Thema »Design im Handwerk« die Bedeutung der Förderung von jungen Designtalenten im NRW-Handwerk deutlich. 

»Gutes Design bedeutet für das Handwerk Anziehungskraft im doppelten Sinne: Es zieht Kunden an, es zieht aber vor allem auch junge Leute an, die die Gestaltungskraft des Handwerks und seine beruflichen Chancen entdecken«, so WHKT-Präsident Hans Hund. Minister Pinkwart betonte: »Die enorme Kreativität und Innovationsbereitschaft der Preisträgerinnen und Preisträger zeigt, dass das Handwerk junge Talente gewinnen kann. Es ist beeindruckend, mit wie viel Leidenschaft und Einsatz junge Handwerkerinnen und Handwerker ihre Gestaltungsideen verwirklichen.« Mit Blick in die Zukunft hob WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier hervor: »Die Wettbewerbsbeiträge zeigen, Handwerk passt in die Zeit und vor allem in die Zukunft. Die Arbeiten der jungen Handwerkerinnen und Handwerker sind qualitativ hochwertig, langlebig und nachhaltig in der Verarbeitung.«

Unter Beifall gaben anschließend Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart sowie WHKT-Präsident Hans Hund die Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs »DesignTalente Handwerk NRW 2020« bekannt.

Die Preisträgerinnen und Preisträger 2020 sind:
    • Kim Becker, Köln, im Themenbereich MÖBEL
    • Bastian Maiwald, Gummersbach, im Themenbereich MÖBEL
    • Felix Schloms, Alsdorf, im Themenbereich SKULPTUREN
    • Anna Katharina Wunderlich, Horstmar, im Themenbereich SCHMUCK
    • Lara Lipinski, Münster, im Themenbereich MEDIEN sowie
    • Nikolas Miranda, Münster, im Themenbereich WOHNEN & Sonderpreis

Im Anschluss an die Preisverleihung, zu der coronabedingt nur die nominierten Designtalente sowie die Vertreterinnen und Vertreter der Handwerkskammern und Jurymitglieder eingeladen waren, wurde die Ausstellung zum Wettbewerb eröffnet, die bis zum 24.10.2020 in der Handwerkskammer Düsseldorf zu sehen war.

Wer sich ein Bild vom Wettbewerb 2020 machen will, der wird fündig im Webkatalog mit den Jurytexten, allen Ausstellerinnen und Ausstellern sowie Preisträgerinnen und Preisträgern unter www.designtalente-handwerk-nrw.de/2020. Weitere Informationen zum Wettbewerb allgemein unter: www.designtalente-handwerk-nrw.de.

Mit dem Wettbewerb bietet der WHKT alle zwei Jahre jungen Handwerkerinnen und Handwerkern die Möglichkeit, ihre praxistauglichen und hochwertigen Lösungen der Öffentlichkeit zu präsentieren und ist mit einem Preisgeld von je 3.000 Euro dotiert. Der Wettbewerb steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Armin Laschet und wird gefördert vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW.

Bildmaterial unter: www.whkt.de/owncloud/index.php/s/zMdQVa8KUc2BF9t 

Preisverleihung verschoben:

Integrationspreis Handwerk in NRW

Mit dem Integrationspreis des Handwerks in NRW zeichnen die sieben Handwerkskammern in NRW alle zwei Jahre jeweils einen Handwerksbetrieb ihres Kammerbezirks für besondere Integrationsleistungen aus. Der Preis ist jeweils mit 500 € dotiert und wird vom Integrationsminister und stv. Ministerpräsidenten des Landes NRW, Dr. Joachim Stamp, überreicht. Wichtiger als die Prämie ist allerdings die öffentlichkeitswirksame Anerkennung der Integrationsleistungen auf beiden Seiten. Betriebe und Handwerkerinnen und Handwerker mit Zuwanderungserfahrung sind hochmotiviert und zeigen, wie erfolgreiches Integrationsmanagement funktioniert. Gerade im Handwerk hat die Integration ausländischer Fachkräfte eine lange Tradition und über die strukturellen Rahmenbedingungen in den eher kleinen und mittleren Unternehmen werden vielfach sehr individuelle Lösungen gemeinsam gefunden. Eine wichtige Voraussetzung für gute Integrationsleistungen.     

Die Koordinierung des Wettbewerbs im Jahr 2020 hat, wie bereits 2018, der WHKT übernommen. Für die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger haben die Handwerkskammern jeweils Aufrufe gestartet und die eingerichteten Jurys bis Ende September ihre Entscheidungen dem WHKT mitgeteilt. Im Jahr 2020 lag der besondere Fokus auf die Integration geflüchteter Frauen ins Handwerk. Gerade hier gilt es, zahlreiche Hürden zu meistern und gerade hier besteht besonderer Handlungsbedarf.

Coronabedingt wurde die für November 2020 geplante Preisverleihung verschoben. Über den neuen Termin wird der WHKT rechtzeitig informieren.

Wissenschaftliche Begleitung wertet aus:

Erkennbar hoher Nutzen für Teilnehmende an Validierungsverfahren

Seit Projektbeginn wird ValiKom Transfer vom Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) an der Universität zu Köln wissenschaftlich begleitet. Jetzt hat das FBH erste Evaluationsergebnisse präsentiert. Frau Dr. Wirtherle vom FBH stellte beispielsweise erste Erkenntnisse zu den Zielen und dem Nutzen des Validierungsverfahrens aus Sicht der Teilnehmenden vor. Für rund 2/3 der Befragungsteilnehmenden war etwa das Ziel wichtig, neue Aufgaben im Unternehmen übernehmen zu können. Knapp 80 Prozent der Teilnehmenden gaben an, dieses Ziel mit ihrer Validierung erreicht zu haben.

Das eigene Arbeitsprofil zu verändern bzw. zu erweitern, stellt aber nur einen von mehreren Gründen dar, die den Nutzen des Verfahrens für die Teilnehmenden beschreiben. Neben dem persönlichen Nutzen spielt der Aspekt der Weiterbildung, aber auch der Arbeitsplatzsicherung eine große Rolle.

Der Stichtag der Zwischenauswertung war der 29. Februar dieses Jahres. Bis zu diesem Tag hatten 1.985 Personen Kontakt mit den Projektkammern aufgenommen und sich über das Verfahren informiert. Eine anschließende Beratung hatten 1.316 Personen in Anspruch genommen. 555 Personen hatten bis Ende Februar ihren Antrag bei der Kammer eingereicht und 344 Teilnehmende haben bis dahin ihre Fremdbewertung absolviert. Die Gründe, warum es bei den restlichen Interessenten nicht zu einem Verfahren gekommen ist, sind unterschiedlich. Bei einem großen Anteil ist es so, dass ihr Beruf aktuell nicht im Projekt angeboten wird. Zudem informieren die Kammern zu Beginn des Verfahrens die Interessierten über alternative Verfahren, die besser zum individuellen Ziel passen, wie die Externenprüfung, Zugangswege in die berufliche Weiterbildung oder die Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen. Diese Verweisberatungen machen von allen bislang bekannten Gründen 20 Prozent aus, warum das Verfahren nicht fortgesetzt wurde.

Wer die Menschen sind, die am Projekt teilgenommen haben, auch darüber konnte das FBH einen Überblick geben. So sind bisher 71% der Teilnehmenden männlich und im Schnitt 41 Jahre alt. 

Das Gesamtfazit von Frau Dr. Wirtherle zum Verfahren lautet: »Das Validierungsverfahren bietet den Teilnehmenden eine gute Möglichkeit, verpasste Chancen auszugleichen und Validierung als positive, selbstwertsteigernde Erfahrung mit dem beruflichen Bildungssystem wahrzunehmen.« Dazu würden maßgeblich die persönliche Beratung und Begleitung der Kammern beitragen, da sie die Teilnehmenden ermutigen, statt Hürden aufzubauen.

Die Informationen vom FBH wurden mit Spannung von allen Projektbeteiligten aufgenommen. Der Rahmen für die wissenschaftliche Präsentation waren Sitzungen Anfang Oktober mit allen Akteuren des Projekts. Virtuell zusammengekommen sind die Mitglieder der Projektsteuerungsgruppe, des Beirats sowie der Arbeitsgruppe. Die Treffen dienten dazu, sich über die Entwicklung des Projekts auszutauschen, über den aktuellen Stand zu informieren und Herausforderungen zu benennen, die in der letzten Projektphase angegangen werden sollen, denn mit Beginn des Monats Oktober ist ValiKom Transfer in das letzte Projektjahr gestartet.

An dem Verbundprojekt ValiKom Transfer sind elf Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, zwei Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt. Gefördert wird das Projekt zur Feststellung informell und non-formal erworbener beruflicher Kompetenzen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Weitere Informationen unter www.validierungsverfahren.de.

 

Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen:

Beispielsammlung zu Anwendungsfällen für Qualifikationsanalysen

Bei fehlenden schriftlichen Nachweisen sehen Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren nach BQFG und den vergleichbaren Landesgesetzen die Durchführung von sogenannten »sonstigen Verfahren« (Qualifikationsanalysen) als Ausnahmeregelung vor.

Gibt es neben fehlenden oder nicht aussagekräftigen Nachweisen weitere Anwendungsfälle für eine Qualifikationsanalyse?

Die jetzt online erschienene Publikation »Anwendungsfälle des § 14 BQFG« des Verbund-Projekts »Netzwerk Qualifikationsanalyse«, konzipiert und federführend erstellt durch den WHKT, möchte zuständigen Stellen das breite Spektrum für die Anwendungsmöglichkeiten der »sonstigen Verfahren« aufzeigen. Mittels realer Fälle verschiedener Handwerkskammern, der IHK FOSA sowie der Ärztekammer Sachsen-Anhalt wird veranschaulicht, wie die verschiedenen Ausgangslagen für Qualifikationsanalysen konkret in der Praxis aussehen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zuständigen Stellen können die Online-Publikation im geschützten »Expertise- und Wissenspool Qualifikationsanalysen« auf dem Anerkennungsportal herunterladen: https://www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/pro/expertise-wissenspool.php oder unter der E-Mail-Adresse remedios.lansch-grote[ ät ]whkt.de beim WHKT anfordern.

Informationen zum Projekt »NetQA« finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

Virtuelle Konferenz:

Europäische Woche der Berufsbildung

Vom 9. bis zum 13. November 2020 organisiert die Europäische Kommission in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung die fünfte Europäische Woche der Berufsbildung (Englisch: European Vocational Skills Week). Einer der Höhepunkte der Woche ist die Fachkonferenz »Higher up! VET Excellence for Green and Digital Transitions« am 11. und 12. November 2020.

Die Europäische Woche der Berufsbildung findet in diesem Jahr coronabedingt in einem virtuellen Konferenzraum statt. Das Programm der Woche sowie die Möglichkeit zur Anmeldung steht unter folgendem Link zur Verfügung: www.eac-events.eu/website/3001/

Die Anmeldung ist für alle Interessierten offen und kostenlos. Die Anzahl der Plätze ist nicht begrenzt.

Zuschauer konnten im Live-Stream ihre Fragen zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie stellen:

Round-Table-Gespräch mit Arbeitsminister Karl-Josef Laumann

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf Wirtschaft und Handwerk aus? Welche Herausforderungen ergeben sich für Ausbildungs- und Fachkräftemarkt? Wo benötigen Unternehmen Unterstützung, um die Folgen der Krise zu bewältigen?

Beim Round-Table-Gespräch HANDWERK LIVE in der Handwerkskammer Dortmund am Donnerstag, 29. Oktober,  diskutierten NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, HWK-Präsident Berthold Schröder, Kreishandwerksmeister Christan Sprenger sowie die Vorsitzende der Agentur für Arbeit Dortmund, Heike Bettermann, Strategien, um die Betriebe in Zeiten von Abstandsregeln und Hygienevorschriften nachhaltig bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen und den Ausbildungsmarkt zu stimulieren.

Das Gespräch wurde live auf YouTube übertragen. Die Zuschauer konnten aktiv und ganz bequem von überall dabei sein und ihre Fragen an die Gesprächsteilnehmer richten.

Unter https://youtu.be/0jQJcVgiuGk können Sie den Stream noch einmal in voller Länge sehen.

Weitere Informationen finden unter https://www.hwk-do.de/artikel/round-table-gespraech-mit-arbeitsminister-karl-josef-laumann-37,0,753.html

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Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

das Handwerk zeigt sich in der Corona-Krise insgesamt als Stabilitätsanker: die Arbeitsplätze sind verlässlich, die Zukunftsperspektiven gut. Die konjunkturelle Lage im Handwerk ist besser als in vielen anderen Wirtschaftsbereichen. Bessere Argumente für die Ausbildungschancen im Handwerk kann es eigentlich nicht geben. Und doch ist es für viele Betriebe nach wie vor schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden. 

Wir lassen auch deswegen nicht nach, uns beständig für die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung einzusetzen. Das, was für Studenten und Hochschulen möglich ist, muss auch für die berufliche Ausbildung gelten. Eine aktualisierte Grundsatzposition zum Thema Gleichwertigkeit wird die WHKT-Vollversammlung Ende Oktober beraten. 

Zu Recht bezeichnen Bundes- und Landesregierung das Handwerk als Rückgrat in der Krise. Doch damit das so bleibt, braucht es mehr Rückenwind – gerade für unsere Azubis und die Ausbildungsbetriebe im Handwerk. 

Eine traurige Nachricht hat uns am vergangenen Sonntag erreicht: Der ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Wolfgang Clement hat sich als Ministerpräsident, Landes- und Bundesminister immer für das nordrhein-westfälische Handwerk stark gemacht. Sein Name bleibt unter anderem eng mit der so wichtigen Meistergründungsprämie im Handwerk verbunden. Wir im Handwerk werden Wolfgang Clement ein ehrendes Andenken bewahren. 

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer

 

Bewegende Geschichten:

Treffpunkt Ehrenamt bot Bühne für ehrenamtliches Engagement

»Heute wollen wir das Ehrenamt ins Schaufenster stellen«, so eröffnete WHKT-Präsident Hans Hund den 6. Treffpunkt Ehrenamt, der am 18.09.2020 auf Schloss Raesfeld coronabedingt in kleinerem Rahmen als in den Vorjahren stattfand.

Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT, betonte, dass man gerade in der Corona-Zeit ehrenamtlichem Engagement den Rücken stärken müsse. Deswegen habe man sich dazu entschlossen, trotz strenger Hygieneregeln, die Veranstaltung durchzuführen, wenn auch mit deutlich weniger Gästen als in den Vorjahren und coronabedingt sitzend an einer großen »Tafel des Ehrenamts«.

Beim Treffpunkt Ehrenamt gehe es auch darum, Geschichten zu hören, um sie weiterzutragen, so Hans Hund weiter. Sie zeigten, dass das Handwerk eine sensible Rolle habe für gesellschaftliche Anliegen. Diese gelte es in die nächste Generation zu tragen. Und bewegende Geschichten gab es viele, als sieben Handwerkerinnen und Handwerker an der »Tafel des Ehrenamts« über ihr vielfältiges Engagement berichteten.

Anschließend verlieh Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart den Ehrenamtspreis des Handwerks NRW an Elektronikermeister Markus Laudenberg aus Bergisch-Gladbach, Teilnehmer des Treffpunkt Ehrenamt des Jahres 2019, für seine Aktivitäten im Verein Nepal & Wir. »Mit dem ‚Ehrenamtspreis Handwerk NRW‘ wollen wir das ehrenamtliche Engagement stärken und insbesondere junge Menschen dabei unterstützen, sich einzubringen. Das Ehrenamt hat im Handwerk eine lange Tradition. Die Bedeutung haben wir zuletzt in der Corona-Krise erlebt: Nur durch das besondere Engagement der Handwerksorganisationen konnten Prüfungen weiter stattfinden und so dem Fachkräftemangel begegnet werden. Dafür danke ich allen Beteiligten«, so Minister Pinkwart.

Mit dem Treffpunkt Ehrenamt würdigt der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) seit Jahren das ehrenamtliche Engagement der Handwerkerinnen und Handwerker in Nordrhein-Westfalen.

Er wird gefördert vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Hintergründe zum Treffpunkt Ehrenamt sind verfügbar unter www.ehrenamt-handwerk-nrw.de/home/treffpunkt-ehrenamt/.

Meistertag NRW:

Gründerinnen und Gründer im Handwerk brauchen gerade jetzt Rückenwind

Rund 20 junge Gründerinnen und Gründer aus dem nordrhein-westfälischen Handwerk konnten am 04.09.2020 im Rahmen des 9. Meistertag NRW ihre Bescheide für die Meistergründungsprämie in Empfang nehmen – unter Einhaltung der coronabedingten Abstands- und Hygieneregeln selbstverständlich.

An der Veranstaltung, zu der der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) in die Alte Schlossfabrik in Solingen eingeladen hatte, nahmen etwa 80 ausgewählte Gäste teil, darunter neben NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart, WHKT-Präsident Hans Hund, LGH-Vorsitzender Berthold Schröder sowie dem Präsidenten der Handwerkskammer Düsseldorf, Andreas Ehlert, zahlreiche weitere Akteurinnen und Akteure aus Politik und Wirtschaft.

NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart, WHKT-Präsident Hans Hund, LGH-Vorsitzender Berthold Schröder sowie der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, Andreas Ehlert, tauschten sich in einer Talkrunde aus, die von WDR-Journalistin Gisela Steinhauer moderiert  wurde. Daneben bot der Meistertag drei jungen Meistergründungsprämienempfängern die Gelegenheit, zu Wort zu kommen. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Insbesondere bei den Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen muss mehr Begeisterung für die handwerkliche Berufsausbildung entfacht werden.

Ein weiteres Highlight war der Vortrag von Keynote-Speaker Sven Schöpker, Tischlermeister und Geschäftsführer der Firma Raumfabrik, mit wertvollen Tipps für junge Existenzgründerinnen und -gründer. Zentrale Aussage: »Zeigt, was eure Arbeit wert ist!«

Im Jahr 2020 wurden bislang über 300 Anträge für Meistergründungsprämienempfängerinnen und -empfänger bewilligt. 

Der Meistertag NRW wird gefördert vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW.

Fotos zur Veranstaltung stehen unter folgendem Link zur Verfügung: https://www.whkt.de/owncloud/index.php/s/Mml1U0VnHNSpaTF

Design ist anziehend:

Preisverleihung und Ausstellungseröffnung zum Wettbewerb »DesignTalente Handwerk NRW 2020« am 11.10.2020

Die Preisverleihung und Ausstellungseröffnung des Wettbewerbs »DesignTalente Handwerk NRW 2020« steht kurz bevor: Am 11. Oktober 2020 werden die Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs feierlich bekanntgegeben sowie von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart und Hans Hund, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT), geehrt.

»Der diesjährige Wettbewerb hat die Anziehungskraft von gutem Design im Handwerk bereits jetzt eindrucksvoll unter Beweis gestellt«, so Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT. »Zum einen anziehend im Werben um kreativen Fachkräfte-Nachwuchs, zum anderen für Kunden als greifbares Ergebnis von individuellen Kundenwünschen im Handwerk. Deswegen ist der Wettbewerb dem Westdeutschen Handwerkskammertag so wichtig«, so Heidmeier weiter.

Die Preisverleihung findet am Sonntag, den 11. Oktober 2020 um 11:00 Uhr in der Handwerkskammer Düsseldorf, Georg-Schulhoff-Platz 1, 40221 Düsseldorf, statt. Aufgrund der aktuellen coronabedingten Situation ist für die Preisverleihung nur eine begrenzte Teilnehmerzahl zugelassen.

Die Preisverleihung ist zugleich Startschuss für die Ausstellung in der Handwerkskammer Düsseldorf, in der die von der Fachjury zugelassenen Wettbewerbsarbeiten vom 12. Oktober bis zum 25. Oktober 2020 (Montag bis Freitag von 09.00–18.00 Uhr, samstags von 09.00–14.00 Uhr, sonn- und feiertags geschlossen) zu sehen sein werden.

Der Wettbewerb wird vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Weitere Informationen unter www.designtalente-handwerk-nrw.de

Ganz im Zeichen der Bewältigung der Corona-Folgen:

Ausbildungskonsens beschließt Handlungskonzept

Duale Ausbildung hat bei allen Partnern des Ausbildungskonsenses wieder Priorität, nachdem andere Krisenbewältigungen das Thema fünf Monate, der eigentlichen Hoch-Zeit des Ausbildungsmarktes, überlagerte. Von März bis Juli bahnt sich üblicherweise das Gros der Ausbildungsverträge an. Dieses Jahr fanden weder Veranstaltungen für Schulabgänger, noch Vermittlungsbörsen im üblichen Umfang statt. Digitale Formate konnten die fehlenden Kontaktanbahnungen zwischen Ausbildungsbetrieben und Lehrstellensuchenden nicht ausgleichen. Die Unsicherheiten vieler potentieller Vertragspartner waren groß.

Der Ausbildungskonsens NRW hat die Lage detailliert analysiert und gleichermaßen im Sinne der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz und Ausbildungsbetriebe ohne Auszubildende ein Handlungskonzept zur Sicherung der Ausbildung auch in Zeiten von Corona im Spitzengespräch am 12. August 2020 beschlossen.

Es wurde die weitere Vorgehensweise zur Abfederung und zum Ausgleich von negativen coronabedingten Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt in NRW vereinbart, u. a. wie man die am stärksten betroffenen Regionen ermittelt. Insgesamt 13 Maßnahmen – bezogen auf drei Themenfelder – wurden vereinbart. Die Schaffung von Ausbildungsplatzangeboten in den Regionen, in denen es zu wenig Stellen gibt, die Aktivierung von Bewerberinnen und Bewerbern sowie die Umsetzung des Matchings in Regionen mit zu wenig Bewerbern und Bewerberinnen und zuletzt die Unterstützung von Auszubildenden zur Fortführung ihrer Ausbildung, wenn der Betrieb von Insolvenz betroffen ist.

Der Beschluss ist auf der Website des Arbeitsministeriums zu finden oder beim WHKT per Mail an martina.scharla[ ät ]whkt.de erhältlich.

Gemeinsame Pressekonferenz:

Ausbildungsverträge müssen fortlaufend abgeschlossen werden

Weil Anfang September noch weit über 28.000 Ausbildungsplätze in NRW unbesetzt waren, haben die Akteure des Ausbildungsmarktes der dualen Ausbildung öffentlich den Rücken gestärkt und mit einer gemeinsamen Pressekonferenz von WHKT, RD NRW, MAGS NRW, IHK NRW, DGB und unternehmer nrwam 9. September 2020 in einem Ausbildungsbetrieb in Düsseldorf für das intensive Matching zwischen Bewerber/innen und Ausbildungsplätzen geworben. Jungen Menschen Mut zu machen, den Berufseinstieg mit einer dualen Ausbildung und ihren guten Perspektiven zu beginnen – das ist das Ziel, gerade auch in der Corona-Krise. Für den Abschluss von Ausbildungsverträgen ist es auch im September, Oktober und November sicher nicht zu spät. Verträge können Lehrstellensuchende fortlaufend abschließen. Unternehmen und Berufsschulen sind darauf eingestellt.

Das Handwerk macht sich erhebliche Sorgen, die Vielzahl offener Ausbildungsplätze nicht besetzen zu können. Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT, sagte anlässlich der Pressekonferenz: »Das Handwerk ist Stabilitätsanker und bietet auch in der Coronakrise beste Beschäftigungsperspektiven. Unsere Ausbildungsbetriebe suchen aktuell noch in nahezu allen Regionen und Berufen Auszubildende, auch noch zum sofortigen Einstieg in die Ausbildung. Wer sich engagiert und interessiert, hat im Handwerk beste Chancen auf einen Anschluss nach der Schule oder Hochschule. Der direkte Zugang zu Ausbildungsbetrieben geht ganz einfach über die Plattform Finde Dein Handwerk

Nicht nur in Krisenzeiten wichtig:

Unternehmensanalysen für Handwerksbetriebe

Die Arbeiten der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) an den neuen Betriebsvergleichen laufen auf Hochtouren. Während mit den Friseuren die erste Branche vor ihrem Abschluss steht, haben nordrhein-westfälische Handwerksbetriebe in den weiteren Branchen noch die Chance, sich zu beteiligen und sich eine kostenlose Unternehmensanalyse zu sichern.

»Planungen und Zielsetzungen der Entscheidungsträger können mit diesen Informationen wesentlich besser fundiert werden als mit Analyseinstrumenten, die nur das einzelne Unternehmen im Blickfeld haben«, so LGH-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier.

Die Unternehmensanalysen der LGH basieren auf Betriebsvergleichsdaten und geben den Handwerksbetrieben wichtige Impulse, indem sie helfen, u.a. die betriebswirtschaftliche Situation einzuschätzen, Stärken und Schwächen aufzudecken oder die Auswirkungen der Krise auf die Geschäftszahlen darzustellen.

Neben dem Vergleich des Stundensatzes mit den Durchschnittswerten anderer Betriebe aus derselben Branche bieten die Analysen eine Vielzahl weiterer betriebswirtschaftlicher Kennzahlen. Die Berechnungen der Kennzahlen lassen sich durch das detaillierte Aufzeigen der betriebswirtschaftlichen Zahlen logisch nachvollziehen. Hier liegt der besondere Wert der LGH-Betriebsvergleiche, denn sie bieten zusammen mit den Unternehmensanalysen die Möglichkeit, zu erkennen, wo und in welcher Höhe im Handwerksbetrieb Kosten anfallen und wie sich diese im Verhältnis zu gleichartigen Betrieben darstellen.

Betriebsvergleiche können so die Urteilsbildung der Unternehmer mit einer objektiven, betriebswirtschaftlichen Informationsbasis unterstützen.

Weitere Informationen stehen unter www.lgh.nrw/index.php/service/betriebsvergleiche zur Verfügung. Kontakt: Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.V., Lars Polomski, Tel.: 0211/30108 410, Mail: Polomski[ ät ]lgh.de

Europa:

Klima im Brennpunkt

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat in ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union angekündigt, vorzuschlagen, das europäische Emissionsminderungsziel für Treibhausgasemissionen von 40% bis 2030 auf mindestens 55% im Vergleich zum Basisjahr 1990 anzuheben. Am Folgetag, dem 17. September 2020, hat die Europäische Kommission einen entsprechenden Vorschlag samt Folgenabschätzung vorlegt. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hatte Tage zuvor mehrheitlich 60% gefordert, auch 65% standen im Raum. Um Zahlen wird derzeit intensiv gestritten. Interessanter ist dabei aber eigentlich die Frage: Was heißt die Anhebung konkret?

Sicher ist, dass eine Anhebung des Ambitionsniveaus Gesetzesänderungen nach sich zieht. Die Europäische Kommission hat deswegen angekündigt, zum Sommer 2021 den gesamten energie- und klimapolitischen Akquis auf den Prüfstand zu stellen. Dieses Vorhaben ist nicht nur umfangreich, es ist auch für das Handwerk höchst relevant. Stellschrauben gibt es an verschiedensten Stellen: Gebäude, Verkehr, Produkte, Energieversorgung und -effizienz etc. Möglicherweise führen die Änderungen sogar zu einem Umbau der Gesamtarchitektur aus ETS und Lastenteilung.

Welche Stellschrauben verändert werden, ist noch offen. Die Europäische Kommission scheint zu einem Modell zu tendieren, welches den Anwendungsbereich des Emissionshandels erweitert und parallel den bestehenden Regulierungsrahmen anpasst. In der Presse bereits nachzulesen waren Pläne, beim CO2-Verbrauch von Neufahrzeugen – Kfz, leichte Nutzfahrzeuge und Lkw – nachzusteuern. Parallel dazu werden die Vorgaben für öffentliche Lade-Infrastrukuren überprüft. Hier geht es um den Ausbau öffentlich zugänglicher Elektroladepunkte sowie um die Perspektiven von Gas und Wasserstoff als Kraftstoffe. Auch die Energiesteuerrichtlinie könnte Auswirkungen auf die Verkehrspolitik haben, denn der Druck ist hoch, Vergünstigungen für Diesel zu unterbinden und die Energiesteuerrichtlinie insgesamt stärker an CO2-Emissionen auszurichten.

Ein großes Thema ist absehbar auch der Bereich Gebäude. Voraussichtlich im Oktober 2020 veröffentlicht die Europäische Kommission eine Initiative namens »Renovierungswelle«. Damit verbindet sie unter anderem Mindestanforderungen für die energetisch am schlechtesten bewerteten Gebäude und Anreize für eine beschleunigte energetische Sanierung öffentlicher Gebäude. Auswirkungen auf Gebäude gehen auch von der angekündigten Überarbeitung der Energieeffizienz- und der erneuerbare Energien-Richtlinien aus. Wärmeversorgung wird ein Thema werden, Wasserstoffanwendungen und das Thema Renovierungspflichten für öffentliche Gebäude könnte erneut aufflammen. Anlagentechnisch relevant ist Ökodesign. Zu erwarten ist, dass sich der Druck verstärkt, über Ökodesign mittelfristig fossil betriebene Heizungsanlagen vom Markt zu verdrängen.

Als relativ sicher kann gelten, dass sich Parlament und Rat auf eine Anhebung des Ambitionsniveaus einigen werden. Die Zahl wird verhandelt. Entscheidend ist, den Vorlauf bis zum Sommer 2021 zu nutzen, um sich inhaltlich auf Änderungen vorzubereiten, um nach Möglichkeit mit gestalten zu können. Denn die Liste möglicher Stellschrauben ist lang.

Projekt ValiKom Transfer:

August bisher stärkster Monat für Fremdbewertungen

Mit 60 Fremdbewertungen sind im August die bisher meisten Bewertungen innerhalb eines Monats durchgeführt worden. Nachdem es im Februar mit 51 Zertifizierungen den vorläufigen Höhepunkt in diesem Jahr gegeben hatte, brachte der Lockdown Mitte März einen deutlichen Einbruch. Erst Mitte Mai wurden wieder mehr Fremdbewertungen – insgesamt 22 – durchgeführt. Seitdem ist die Zahl der Bewertungen kontinuierlich gestiegen. Eine erfreuliche Entwicklung nach der Corona-Zwangspause.

Pilothaft konnten in dieser Zeit berufliche Kompetenzen digital validiert werden. Und zwar Berufe, die am PC ausgeübt werden, wie der Beruf Mediengestalter/in oder Kauffrau/Kaufmann für Büromanagement.

Inzwischen finden die Schulungen von Berufsexpertinnen und  -experten  wieder in Präsenz statt. Nachdem die Bewerterschulungen coronabedingt von März bis Mai komplett ausfallen mussten, konnten sie im Juni digital angeboten werden. Seit Juli führt die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) wieder Schulungen vor Ort durch – unter Einhaltung der geltenden Hygienebestimmungen und Abstandsregelungen. So haben seit Juli vier Schulungen als Präsenzveranstaltung stattgefunden. Insgesamt wurden bislang 413 Berufsexpertinnen und -experten geschult, die die beruflichen Kompetenzen von Teilnehmenden im Rahmen des Projekts ValiKom Transfer bewerten.

An dem Verbundprojekt ValiKom Transfer sind elf Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, zwei Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Weitere Informationen unter www.validierungsverfahren.de.

Afrika:

WHKT-Experten kehren an ihre Arbeitsplätze in der Côte d’Ivoire und in Tansania zurück

Die beiden Langzeitexperten der WHKT-Berufsbildungspartnerschaften (BBP) in der Côte d’Ivoire und in Tansania sind nach einem längeren, coronabedingten »Zwangsaufenthalt« in ihrer deutschen Heimat wieder an ihre Arbeitsplätze vor Ort zurückgekehrt. Mit einem strengen Hygienekonzept im Koffer und unter genauer Beobachtung der jeweiligen Pandemie-Entwicklung hatten beide Mitarbeitenden den dringenden Wunsch, wieder im Land selber die Projekte voranzutreiben.

Elke Müller, Tischlermeisterin und Langzeitexpertin des WHKT in der Côte d’Ivoire, flog bereits Mitte August zu ihrem Einsatzort zurück. Dort startete sie im September eine Rundreise zu verschiedenen Bildungszentren im ganzen Land, um sich einen genauen Überblick über den Ausbildungsstand ivorischer Tischlerinnen und Tischler zu verschaffen sowie geeignete Kooperationspartner für Schulungsmaßnahmen zu identifizieren.

Das Projekt fokussiert sich insbesondere auf den Aufbau von Kompetenzen der Partnerorganisation, der nationalen Handwerkskammer der Côte d’Ivoire. Dabei geht es zum einen um die Erprobung eines Geschäftsmodells für ein Tischler-Ausbildungs- und Produktionszentrum. Dieses soll nicht nur Aus- und Weiterbildungskurse anbieten, sondern auch als Maschinenhof für die Produktion lokaler Betriebe zur Verfügung gestellt werden. Zum anderen gilt es, das Image des Handwerks im Land zu verbessern. Dabei setzt der WHKT auf Erfahrungen, die das deutsche Handwerk mit seiner Kampagne gemacht hat.

Der Langzeitexperte des bereits seit 2017 laufenden BBP-Projektes in Tansania, Thomas Rehberg, landete am 16. September in Arusha. Vor Ort wird der Meister für Kraftfahrzeugmechanik die Fortschritte der nach der Erntezeit nun wieder im Bildungszentrum in Babati eintreffenden Auszubildenden aus dem ersten und zweiten Lehrjahr im Bereich Land- und Baumaschinenmechanik prüfen und die Umsetzung der zweiten Projektphase steuern. Bereits 46 Auszubildende aus rund 20 Betrieben nehmen an den Pilotlehrgängen in Babati teil, eine dritte Gruppe beginnt ihre Ausbildung im Januar 2021.

Empfangen wird Rehberg vor Ort mit offenen Armen, wurde doch schon die erste Projektphase von der tansanischen Partnerorganisation VETA (Vocational Education and Training Authority) durchweg als positiv bewertet. So sagte jüngst Felix Ole Ndukai, Bildungsstättenleiter in Babati: »Gerade der handlungsorientierte Unterricht der Kurzzeitexperten aus dem deutschen Handwerk hat zu einer spürbaren Kompetenzverbesserung unserer Ausbilderinnen und Ausbilder geführt. In Tansania ist das Bildungssystem sehr theorielastig, weswegen die duale Ausbildung mit ihrem hohen Praxisanteil für uns eine enorme Umstellung bedeutet. Wir sehen aber gerade darin eine große Chance, die duale Ausbildung in unser Bildungssystem zu integrieren und dadurch die Qualität der handwerklichen Ausbildung in unserem Land zu steigern.«

Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)«:

Die IQ NRW Web-App – ein Erfolgsmodell

Mit wenigen Klicks zur Anerkennungsberatung. Das ist im IQ Netzwerk NRW möglich. Das Tool hilft dabei, Beratungen per Telefon, E-Mail oder per Videochat zu vermitteln.

Über die Web-App des mobilen Beratungsteams des IQ Netzwerks NRW beim WHKT wird Ratsuchenden mit einer ausländischen Berufsqualifikation ein unkomplizierter Zugang zur Beratung über den digitalen Weg ermöglicht. Mittels eines QR-Codes gelangen die Ratsuchenden zur Beratungsanmeldung. Schritt für Schritt und in zehn Sprachen werden sie durch die Beratungsanmeldung geführt. Die Beratung findet je nach Bedarf per E-Mail, telefonisch oder über einen Videochat statt. Zu jeder Zeit der Anmeldung und der folgenden Beratung ist für die Datensicherheit gesorgt.

Die Digitalisierung der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung über die Web-App wurde zunächst coronabedingt ausgeweitet und wird auch weiterhin ständig erweitert und verbessert. Damit ist dies ein zukunftsweisendes Beispiel für digitales Lernen und Arbeiten.

Die Web-App ist bereits seit 2017 ein Erfolgsmodell und in NRW bekannt. Viele Ratsuchende erreichen sie direkt über die Website des IQ Netzwerks NRW. Auch Arbeitsverwaltungen, Jobcenter und Behörden verweisen ihre Kund/innen an sie. Durchschnittlich erhält die mobile Beratung derzeit im Monat ca. 100 Anfragen. Das Beratungsangebot unterstützt die Arbeit der Arbeitsverwaltung, die ebenfalls zunehmend digitalisiert wird und ist auch im Hinblick auf das Fachkräfteeinwanderungsgesetz zukunftsweisend. Sie ist flexibel und vor allem ressourcenschonend einsetzbar, auch als Ergänzung zur Face-to-Face-Beratung – eine digitale Möglichkeit, die örtlich und zeitlich unabhängig den Beratungsbedarf bedient. Damit wird auch eine weitere Klientengruppe angesprochen: Diejenigen, die aus persönlichen Gründen eine digitale Beratung vorziehen.

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Handwerk, Design, angewandte Kunst:

Bewerbungsphase für den Staatspreis MANUFACTUM gestartet

Seit dem 1. September läuft die Bewerbungsphase für den Wettbewerb MANUFACTUM 2021, der alle zwei Jahre stattfindet. Teilnehmen können alle Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker ab dem vollendeten 25. Lebensjahr, die in Nordrhein-Westfalen leben und arbeiten. Die Besten von ihnen werden mit dem Staatspreis ausgezeichnet. 

Der traditionsreiche Wettbewerb, den die Landesregierung ausschreibt, hat mit neuem Konzept an Attraktivität gewonnen und gehört mit insgesamt 60.000 Euro Preisgeld zu den bedeutenden Kunstpreisen in Deutschland. Er rückt das Unikat, das handgefertigte Einzelstück, in den Mittelpunkt.

2021 werden zum 30. Mal Handwerk, Design und angewandte Kunst auf höchstem Niveau einem breiten Publikum präsentiert. Die Wichtigkeit der Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund (MKK) unterstreicht die Landesregierung durch die Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Armin Laschet. Die feierliche Verleihung der Staatspreise erfolgt am 24. April 2021.

Handwerkliche Präzision und innovative Gestaltung sind ebenso gefragt wie der experimentelle Umgang mit dem Material. Der Begriff Kunsthandwerk ist nicht eng auszulegen. Bewertet werden die Idee, die Gestaltung, die materialgerechte Umsetzung und die Technik. Experimentelle Arbeiten, die diesen Kriterien entsprechen, sind ausdrücklich erwünscht.

Der Wettbewerb erfolgt mehrstufig. In der ersten Phase bewirbt man sich mit Bildern und einer aussagekräftigen Beschreibung. Wer nominiert wird, bringt seine Arbeit Anfang März 2021 nach Dortmund ins Museum und ist in der engen Auswahl um den Einzug in die Ausstellung und den Staatspreis dabei.

Es gibt sechs Themenbereiche: Bild- und Druckmedien, Möbel, Kleidung & Textil, Objekt und Skulptur, Schmuck, Wohnen und Außenbereich. Die einzelnen Kategorien sind mit je 10.000 Euro dotiert.

Die Bewerbungsphase läuft noch bis zum 31.01.2021.

Weitere Informationen und Bewerbung im Internet: www.staatspreis-manufactum.de

Auch für Handwerksbetriebe interessant:

Bewerbungen zum Umweltwirtschaftspreis.NRW noch bis 9. Oktober möglich

Noch bis zum 9.10.2020 läuft die Bewerbungsphase des »Umweltwirtschaftspreis.NRW«, mit dem das nordrhein-westfälische Umweltministerium und die NRW.BANK die Vorreiterrolle Nordrhein-Westfalens in der Umweltwirtschaft weiter ausbauen und innovative Zukunftsideen fördern möchte. Der Preis würdigt kleine und mittlere Unternehmen, die erfolgreiches unternehmerisches Handeln mit Ressourcenschonung und Klimaschutz verbinden und ist somit auch für Handwerksbetriebe interessant.

Ausgelobt wird der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit der NRW.BANK. Besonderes Augenmerk legt die Expertenjury bei der Auswahl der Preisträger auf die ökologische Wirkung der Produkte und Dienstleistungen, den Innovationscharakter, dem Nutzen für die Gesellschaft sowie dem wirtschaftlichen Erfolg. »Mit dem Kriterienkatalog bilden wir das ab, was nachhaltiger Umweltschutz heute sein soll und gerade im Handwerk vielerorts bereits ist: Ein selbstverständlicher Bestandteil der Leistungserstellung«, so Matthias Heidmeier, WHKT-Hauptgeschäftsführer und Mitglied der Expertenjury.  

Zur Teilnahme am Umweltwirtschaftspreis.NRW berechtigt sind Unternehmen mit Hauptsitz in Nordrhein-Westfalen, die in einem Feld der Umweltwirtschaft aktiv sind. Nähere Angaben hierzu sowie sämtliche Teilnahmeunterlagen stehen online: www.umweltwirtschaftspreis.nrw.

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Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

in der Corona-Krise zeigt sich das Handwerk insgesamt als verlässlich und krisensicher. Wann, wenn nicht jetzt haben wir gute Argumente, junge Leute ins Handwerk zu holen? Doch unsere Achillesferse ist selbst in diesen Zeiten der Corona-Krise der Mangel an Nachwuchs. Die Fachkräfte-Frage bleibt auf der Agenda des Handwerks ganz oben. 

Für eine berufliche Zukunft im Handwerk sprechen viele gute Argumente. Die duale Aus- und Weiterbildung steht der akademischen in nichts nach. Doch warum tun sich viele Betriebe trotzdem schwer, Nachwuchs zu finden?

Die Überzeugungsarbeit für das Handwerk braucht offenbar keine Sprint-, sondern Marathonqualitäten. Wir haben es nicht zuletzt mit gesamtgesellschaftlichen Fehleinschätzungen von Berufsperspektiven zu tun, die sich über Jahre aufgebaut haben.

Eines der vielen guten Argumente für das Handwerk ist übrigens das hervorragende Design vieler handwerklicher Produkte. Selbstgeschaffene Möbel und zahlreiche andere Qualitätsprodukte stehen im Mittelpunkt unseres großen Wettbewerbs »DesignTalente Handwerk NRW«, der in diesem Jahr durchgeführt wird. Es ist beeindruckend, welche hohe gestalterische Qualität durch junge Leute mit Leidenschaft und handwerklichem Können entstehen kann. Das zeigt: Tolles handwerkliches Design kann auch auf beruflichen Nachwuchs anziehend wirken. In jedem Fall gilt: Die berufliche Ausbildung bleibt der Schlüssel für die Zukunft des Handwerks. 

Neben Ausbildung sind Aufträge fürs Handwerk entscheidend. Wie die Landesregierung die Auftragsvergaben der öffentlichen Hand ankurbeln will, erläutert uns Ministerin Ina Scharrenbach in einem Gastbeitrag für die aktuelle Ausgabe unseres WHKT-Reports. Wir freuen uns über Ihr Interesse.


Bleiben Sie gesund!

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer
 

Gemeinsam aus der Corona-Krise! Kommunalpolitischer Aufruf des nordrhein-westfälischen Handwerks

Beschluss des Vorstandes von HANDWERK.NRW, Juli 2020

Bei den Kommunalwahlen am 13. September 2020 werden die politischen Weichen in den Gemeinden, Städten und Kreisen des Landes Nordrhein-Westfalen neu gestellt. Das nordrhein-westfälische Handwerk hat dazu bereits im November 2019 seine grundsätzlichen Erwartungen ausführlich dargelegt.

Die Corona-Pandemie stellt uns alle nun vor gewaltige, zusätzliche Herausforderungen – bei der Eindämmung des Infektionsgeschehens ebenso wie bei der Bewältigung der Folgen, die die notwendigen Schutzmaßnahmen auf das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben haben. Auch die Kommunen sind in besonderer Weise gefordert und stehen unter großem Druck. Nur mit starken, leistungsfähigen Kommunen werden wir die Corona-Pandemie bekämpfen und ihre wirtschaftlichen und sozialen Folgen auffangen können. Nur mit starken, leistungsfähigen Kommunen werden die Transformationsprozesse gelingen, aus denen neues Wachstum und höhere Wettbewerbsfähigkeit hervorgehen.

Auf folgende Punkte kommt es aus Sicht des Handwerks jetzt besonders an:

(… ) weiterlesen >

Hürden für Förderung liegen hoch:

Ausbildungsprämien können ab sofort beantragt werden

Mit der Veröffentlichung der Förderrichtlinien unter Bereitstellung von Antragsformularen seit dem 1. bzw. 3. August 2020 können Ausbildungsbetriebe Prämien aus dem Förderprogramm des Bundes »Ausbildungsplätze sichern« beantragen. Die Antragsformulare sind zu finden auf der Website www.arbeitsagentur.de/unternehmen/finanziell/bundesprogramm-ausbildungsplaetze-sichern.

Schaut man sich die Antragsformulare genauer an, so erkennt man, dass dies kein unbürokratisches Antragsverfahren ist. Die Anträge sind zu stellen beim Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit, d.h. die Arbeitsagentur vor Ort entscheidet über den Antrag.

Die meisten Ausbildungsbetriebe schauen, ob sie eine »Ausbildungsprämie« oder eine »Ausbildungsprämie plus« erhalten können, weil sie gleich viel oder mehr ausbilden als in den Vorjahren. Dabei wird aktuell noch geklärt, welche Verträge aus der Vergangenheit alle berücksichtigt werden müssen. Nach unserem aktuellen Informationstand wird dann der Durchschnitt aus den drei zurückliegenden Jahren berechnet (auf eine Stelle hinter dem Komma immer abgerundet) und mit dem Stand für das Ausbildungjahr 2020/2021 verglichen. Um die Prämie erhalten zu können gilt zusätzlich, dass die Beschäftigten in der ersten Jahreshälfte 2020 mindestens einen Monat in Kurzarbeit gearbeitet haben müssen oder der Umsatz des Ausbildungsbetriebs im April und Mai 2020 im Vergleich zu April und Mai 2019 durchschnittlich um mindestens 60 Prozent eingebrochen sein muss. Ausgezahlt wird die Prämie erst, wenn Auszubildende nach Ende der Probezeit noch im Ausbildungsvertrag sind.

Ferner gibt es den »Zuschuss zur Ausbildungsvergütung« zur Vermeidung von Kurzarbeit und die »Übernahmeprämie«, wenn ein Auszubildender aus einem Insolvenzbetrieb aufgenommen wird. Weitere Details zu den einzelnen Voraussetzungen sind auch unter oben stehendem Link zu finden.

410 Mio. € stehen bundesweit für diese Förderinstrumente zur Verfügung.

Interessant bleibt zu beobachten, inwieweit Betriebe aus dem ausbildungsintensiven Handwerk von der Förderung partizipieren können.

Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW 2020:

Die Nominierten stehen fest

Im Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW stehen die Nominierten für 2020 fest: Von allen angemeldeten Wettbewerbsarbeiten des unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Armin Laschet stehenden Wettbewerbs hat die Fachjury insgesamt 46 Arbeiten zur Ausstellung zugelassen. Wer von den Nominierten Preisträgerin bzw. Preisträger ist, wird erst während der Siegerehrung unter Teilnahme von NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart am 11. Oktober 2020 in der Handwerkskammer Düsseldorf bekanntgegeben.

Die Nominierten 2020 und ihre Arbeiten, die in der Ausstellung vom 11.–25. Oktober 2020 in der Handwerkskammer Düsseldorf zu sehen sein werden, hat der Westdeutsche Handwerkskammertag auf der Seite www.designtalente-handwerk-nrw.de veröffentlicht.

In diesem Jahr haben insgesamt fast 100 junge Handwerkerinnen und Handwerker die Chance ergriffen und sich mit 170 qualitativ hochwertigen Designarbeiten in den Themenbereichen Möbel, Skulpturen, Schmuck, Kleidung, Medien und Wohnen zum Wettbewerb angemeldet.

Der Wettbewerb wird gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die Webseite zum Wettbewerb finden Sie unter: www.designtalente-handwerk-nrw.de 

Jetzt mitmachen:

Digitaler »Tag des Handwerks 2020« am 19. September 2020

Auf Deutschlands Handwerker ist Verlass – rund um die Uhr. Anlässlich des 10. Tages des Handwerks am 19. September 2020 soll das mit einem einzigartigen Videoprojekt für ganz Deutschland auf handwerk.de sichtbar werden. Das 24-Stunden-Video-Projekt gibt Einblick in den Tag von Handwerkerinnen und Handwerkern. Über 5 Millionen Handwerkerinnen und Handwerker sind aufgefordert, mit einem kurzen Handyvideo Teil dieser großen Gemeinschaftsaktion zu werden. Bis zum 6. September 2020 können diese auf www.handwerk.de/tdh2020 hochgeladen werden. Die eingereichten Videos werden zusammen mit einer kurzen Erläuterung zur ausgeübten Tätigkeit am 19. September 2020 auf www.handwerk.de veröffentlicht.

Webseite online:

Förderprogramm »Digital jetzt« – Antragstellung ab 7. September 2020 möglich

Die Webseite zum neuen Förderprogramm »Digital jetzt« vom BMWi ist online und bietet Antworten auf Fragen rund um die Förderung. Die Antragstellung wird voraussichtlich ab 7. September 2020 über ein Online-Antragstool möglich sein, das dann auf der Seite freigeschaltet wird.

www.bmwi.de/digital-jetzt

Handwerk in Expertenjury vertreten:

Umweltwirtschaftspreis.NRW erstmals ausgelobt

Mit dem neu ausgelobten »Umweltwirtschaftspreis.NRW« wollen das nordrhein-westfälische Umweltministerium und die NRW.BANK die Vorreiterrolle Nordrhein-Westfalens in der Umweltwirtschaft weiter ausbauen und innovative Zukunftsideen fördern. Der Preis würdigt kleine und mittlere Unternehmen, die erfolgreiches unternehmerisches Handeln mit Ressourcenschonung und Klimaschutz verbinden.

Ausgelobt wird der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV) gemeinsam mit der NRW.BANK. Auf das Siegerunternehmen wartet eine Prämie in Höhe von 30.000 Euro, der zweite Platz wird mit 20.000 Euro und der dritte mit 10.000 Euro belohnt.

Die Auswahl erfolgt über eine Expertenjury aus Wirtschaft und Politik. Diese legt ihr Augenmerk insbesondere auf die ökologische Wirkung der Produkte und Dienstleistungen, den Innovationscharakter, dem Nutzen für die Gesellschaft sowie dem wirtschaftlichen Erfolg. »Mit dem Kriterienkatalog bilden wir das ab, was nachhaltiger Umweltschutz heute sein soll und gerade im Handwerk vielerorts bereits ist: Ein selbstverständlicher Bestandteil der Leistungserstellung«, so Matthias Heidmeier, WHKT-Hauptgeschäftsführer und Mitglied der Expertenjury.  

Zur Teilnahme am Umweltwirtschaftspreis.NRW berechtigt, sind Unternehmen mit Hauptsitz in Nordrhein-Westfalen, die in einem Feld der Umweltwirtschaft aktiv sind. Nähere Angaben hierzu sowie sämtliche Teilnahmeunterlagen stehen online: www.umweltwirtschaftspreis.nrw.

Unternehmen aus NRW können ihre Bewerbungsunterlagen online noch bis zum 9. Oktober 2020 einreichen. Die Preisverleihung ist für Ende des Jahres in Düsseldorf geplant.

Projekt NetQA:

Digitaler Austausch und Online-Seminare zu Qualifikationsanalysen

Die ersten Online-Seminare für Beauftragte der zuständigen Stellen rund um das Thema Qualifikationsanalysen werden seit Juli 2020 durch die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) angeboten. Gestartet wurde am 20. Juli 2020 mit einem Online-Format zu den Grundlagen des »sonstigen Verfahrens« gemäß § 14 BQFG für Anerkennungssachberatende der Handwerkskammern. Im Rahmen des Verbund-Projekts werden zwei weitere Module angeboten. Vertiefend stehen bei Modul II die Durchführung des Kompetenzfeststellungsverfahrens sowie die Bewertungsstandards im Vordergrund. Dieses Modul ist auch für erfahrene Beraterinnen und Berater gedacht. Beim dritten Modul geht es um die besonderen Anforderungen an die Beratung der speziellen Zielgruppe. Im Fokus stehen hier interkulturelle Kompetenzen sowie Beratungs-kompetenzen aber auch sprachliche Hilfen. Die Online-Seminare sollen im fortlaufenden Rhythmus – ebenso für Anerkennungsberatende der Industrie- und Handelskammern und für Beauftragte anderer zuständiger Stellen nach dem BQFG Bund – angeboten werden.

Die Corona-Krise hat auch bei der Vernetzung als Katalysator für die Digitalisierung der Angebote gewirkt: In Folge der zuvor in Präsenz stattgefundenen regionalen Austauschtreffen hat am 17. Juni 2020 der erste virtuelle Austausch für Anerkennungsberaterinnen und -berater der Industrie- und Handelskammern stattgefunden. Der bundesweite Austausch fand regen Anklang.

Am 25. Juni 2020 waren die Beauftragten der Handwerkskammern und IHKn in Rheinland-Pfalz und im Saarland zum Austausch geladen. Bei dieser digitalen Veranstaltung standen unter anderem die Beratungspraxis und Durchführung von Qualifikationsanalysen in Corona-Zeiten aber auch Anfragen zum neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz im Mittelpunkt. Austauschformate für weitere Bundesländer sind bereits in Planung.

Informationen zum Projekt »NetQA« finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz:

Bundesweites Stipendienprogramm »Restaurator im Handwerk«

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz vergibt auch im Jahr 2020 bis zu 10 Stipendien á 3.000 Euro für die Fortbildung zum geprüften »Restaurator im Handwerk«.

Bewerben können sich alle Interessenten, die eine erfolgreich bestandene Meisterprüfung nachweisen können sowie erste Erfahrungen im Umgang mit denkmalgeschützten Bauten oder Altbauten, insbesondere mit Arbeiten im Rahmen der Pflege, Erhaltung und Erneuerung historischer Bausubstanz haben (bitte Angabe von Referenzobjekten).

Bewerbungsschluss ist der 30. September 2020.

Weitere Informationen zum Stipendienprogramm: www.denkmalschutz.de/denkmale-erleben/stipendienprogramm-restaurator-im-handwerk.html

Bewerbungsstart für den GRÜNDERPREIS NRW 2020:

60.000 Euro Preisgeld für die besten Gründerinnen und Gründer des Landes

Ab sofort können sich Unternehmensgründerinnen und Unternehmensgründer aus Nordrhein-Westfalen für den diesjährigen GRÜNDERPREIS NRW 2020 bewerben und insgesamt 60.000 Euro Preisgeld gewinnen. Der vom Wirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen und der NRW.BANK ausgerichtete Wettbewerb, der bereits zum neunten Mal durchgeführt wird, steht dieses Jahr unter einem ganz besonderen Vorzeichen.
 
»Wir wissen, dass auch viele junge Unternehmen durch die Corona-Pandemie stark belastet sind. Gerade in dieser Zeit möchten wir mit dem Gründerpreis öffentliche Aufmerksamkeit auf die mutigen Unternehmerinnen und Unternehmer lenken, die mit ihren Innovationen daran mitwirken, dass wir gut aus der Krise herauskommen«, so Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart.

Einen besonderen Appell richtet Jury-Vorsitzende Prof. Dr. Christine Volkmann an Gründerinnen und Unternehmensnachfolgerinnen und -nachfolger: »Frauen gründen immer häufiger, sind aber immer noch unterrepräsentiert. Das spiegelt sich auch beim GRÜNDERPREIS NRW wider. Seien Sie mutig – wir freuen uns auf alle Bewerbungen von Gründerinnen des Landes.« Gleiches gilt auch für Unternehmensnachfolgerinnen und Unternehmensnachfolger, deren Herausforderungen mindestens so groß sind wie bei einer Gründung und die explizit mit ihrer Bewerbung für den GRÜNDERPREIS NRW willkommen sind.

Der GRÜNDERPREIS NRW 2020 richtet sich an Unternehmen aller Branchen, die zwischen 2015 und 2018 in Nordrhein-Westfalen gegründet wurden. Ob Handwerksbetrieb, Gastronomie, Technologie-Start-up, Industrieunternehmen, Nachfolgeunternehmen oder etwas völlig anderes: Alle Unternehmen sind aufgerufen, sich zu bewerben. Zu den Auswahlkriterien gehören der wirtschaftliche Erfolg und die Kreativität der Geschäftsidee. Außerdem fließen Ansätze zu gesellschaftlichem Engagement, Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Familienfreundlichkeit ein.

Das Preisgeld von insgesamt 60.000 Euro wird von der NRW.BANK gestiftet (1. Platz: 30.000 Euro, 2. Platz: 20.000 Euro, 3. Platz: 10.000 Euro). Damit zählt der GRÜNDERPREIS NRW zu den bundesweit höchst dotierten Wettbewerben für Gründerinnen und Gründer und erfreut sich großer Wertschätzung in der Gründerszene sowie seit Jahren steigender Bewerberzahlen. Alle nominierten jungen Unternehmen können sich auf diese Weise einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen. 
 
Die diesjährige Preisverleihung findet am 30. November 2020 in Düsseldorf statt. Weitere Informationen zum Wettbewerb und die elektronischen Teilnahmeunterlagen finden Sie im Internet unter www.gründerpreis.nrw.

Neu erschienen:

Handwerksstatistik 2019/2020 als Download verfügbar

Während im Laufe des Jahres sukzessive diejenigen Themenbereiche der Handwerksstatistik veröffentlicht wurden, zu denen offizielles Datenmaterial vorlag, liegen nun die Zahlen für alle Themenbereiche vor, sodass die Gesamtausgabe der Statistik 2018/2019 zur Verfügung steht. 

Die ausschließlich digital erscheinende Handwerksstatistik 2018/2019 des WHKT, die umfassendes Zahlenmaterial zu den Themenbereichen »Handwerk im Überblick«, »Betriebsstatistik«, »Handwerksunternehmen«, »Ausbildungsverhältnisse«, »Gesellenprüfungen«, »Meisterprüfungen« sowie »Fort- und Weiterbildungen« bietet, steht als Download bereit unter www.whkt.de/statistik/.

 

Gastbeitrag: Kommunale Vergabegrundsätze Nordrhein-Westfalen – Öffentliche Investitionen beschleunigen

Foto: MHKBG 2017 / F. Berger

von Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen


2,8 Milliarden Euro investierten die nordrhein-westfälischen Kommunen im Jahr 2018 in die öffentliche Infrastruktur: Damit ist die öffentliche Bautätigkeit einer der Garanten für die Sicherung von Beschäftigung in unserem Land Nordrhein-Westfalen.

In diesem Ausnahmejahr 2020 ist es daher neben direkten Maßnahmen des Bundes, des Landes Nordrhein-Westfalen und der Kommunen zur Abmilderung der (wirtschaftlichen) Folgen für die Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger erforderlich, die Kommunen in die Lage zu versetzen, ihre öffentlichen Investitionsvorhaben schneller als bisher in die Tat umsetzen zu können.

Mit der Reform der Kommunalen Vergabegrundsätze setzt die Landesregierung Nordrhein-Westfalen einen weiteren Baustein aus dem am 31. März 2020 im Landeskabinett beschlossenen »Kommunalschutz-Paket« um:

»6. Die Landesregierung beauftragt die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung durch weitestmögliche Ausschöpfung des rechtlichen Rahmens die kommunalen Vergabegrundsätze derart zu erleichtern, dass kommunale Beschaffungen für den Gesundheitsschutz, zur Aufrechterhaltung des Dienstbetriebs der öffentlichen Verwaltung und für Planungs- und Bauleistungen deutlich erleichtert werden, um so in der Zeit der COVID-19-Pandemie die Aufträge schneller in die Märkte zu bekommen.«

Denn: Ein fallendes Wirtschaftswachstum geht mit sinkenden öffentlichen und privaten Investitionen einher. Da Investitionen für die Wirtschaftsentwicklung elementar wichtig sind, spielt das Stimulieren von Investitionen eine zentrale Rolle. Die fallenden Wachstumsraten haben weitreichende Folgen: Sie führen nicht nur quasi definitionsgemäß zu einem verringerten Anstieg des allgemeinen Lebensstandards, sondern können auch zu verschärften Verteilungskonflikten führen.

Außerdem beruhen die Planungen öffentlicher und privater Haushalte üblicherweise auf der Annahme, dass die bisherige wirtschaftliche Entwicklung sich auch in Zukunft fortsetzt. Wenn die tatsächliche Entwicklung zurückbleibt, steigt die Verschuldung sowohl des Staates als auch vieler privater Haushalte und Unternehmen. Diese Verschuldung wiederum belastet künftiges Wachstum und verhindert damit erforderliche Investitionen in die Zukunft, die zur Anpassung an die klimatischen Veränderungen und zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen dienen.

Öffentliche Aufträge unterliegen dem Vergaberecht: Mit der Einführung der Unterschwellenvergabeordnung des Bundes im Jahr 2017 wurde die Vergabe öffentlicher Aufträge auf nationaler Ebene unterhalb der EU-Schwellenwerte reformiert. Damit die Kommunen bei der Vergabe von Aufträgen mehr Flexibilität erhalten, um Aufträge schneller in die Märkte zu bekommen, hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalen die mit der Unterschwellenvergabeordnung eröffneten Möglichkeiten genutzt.

Ziel der Reform der Kommunalen Vergabegrundsätze ist es, unseren Kommunen ein praktikables und wirksames Instrument an die Hand zu geben, um mit der Vergabe öffentlicher Aufträge in diesem Ausnahmejahr 2020 und im Jahr 2021 Unternehmen und Beschäftigung sowie die erforderliche Erneuerung der öffentlichen Infrastrukturen voranzutreiben.

Wichtig: Auch unterhalb der EU-Schwellenwerte sind die europarechtlichen Grundprinzipien der Gleichbehandlung, Nichtdiskriminierung und Transparenz zu beachten. Die Auftragsvergabe muss im Einklang mit den Vorschriften und Grundsätzen des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union erfolgen.

Seit dem 4. Juli 2020 sind die reformierten Kommunalen Vergabegrundsätze in Nordrhein-Westfalen in Kraft getreten. Die Kommunalen Vergabegrundsätze sollen am 31. Dezember 2021 außer Kraft treten. Im Verlauf des Jahres 2020 sollen die Kommunalen Vergabegrundsätze überprüft und die mit den neuen Vergabegrundsätzen gemachten Erfahrungen in diese Überprüfung einbezogen werden.



Die Reform hat vier Kernelemente:

1. Direktaufträge:
Direktaufträge für Bauleistungen sowie für Liefer- und Dienstleistungen können bis zu einem voraussichtlichen Auftragswert von 15.000 Euro (ohne Umsatzsteuer) direkt vergeben werden; diese Schwelle lag bisher bei 5.000 Euro (ohne Umsatzsteuer). Direktaufträge für freiberufliche Leistungen mit einem vorab geschätzten Auftragswert von 25.000 Euro (einschließlich Nebenkosten und ohne Umsatzsteuer) können direkt vergeben werden.

2. Für die Vergabe von Bauleistungen wird ein gewerkebezogener Ansatz eingeführt:
Eine beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb ist demnach
a) für jedes Gewerk bis zu einem vorab geschätzten Einzelauftragswert von 750.000 Euro (ohne Umsatzsteuer) oder
b) bis zu einem vorab geschätzten Gesamtauftragswert in Höhe von 1.250.000 Euro (ohne Umsatzsteuer) möglich.

Eine freihändige Vergabe ist zulässig
a) für jedes Gewerk bis zu einem vorab geschätzten Einzelauftragswert in Höhe von 75.000 Euro (ohne Umsatzsteuer) oder
b) bis zu einem vorab geschätzten Gesamtauftragswert in Höhe von 125.000 Euro.


3. Besonderheit für Bauleistungen zu Wohnzwecken: Bis zum 31. Dezember 2021 kann für Bauleistungen zu Wohnzwecken für jedes Gewerk eine beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb bis zu einem vorab geschätzten Einzelauftragswert in Höhe von 1.000.000 Euro und für jedes Gewerk eine freihändige Vergabe bis zu einem vorab geschätzten Einzelauftragswert in Höhe von 100.000 Euro erfolgen. Damit wird eine aktuelle Erlasslage der Bundesregierung zum Gegenstand der Kommunalen Vergabegrundsätze in Nordrhein-Westfalen.

Bauleistungen zu Wohnzwecken sind solche, die der Schaffung neuen Wohnraums sowie der Erweiterung, der Aufwertung, der Sanierung oder Instandsetzung bestehenden Wohnraums dienen. Eine Aufwertung, Sanierung oder Instandsetzung von Wohnraum kann zum Beispiel in der Verbesserung der energetischen Qualität oder der Erhöhung des Ausstattungsstandards liegen, auch in der äußerlichen Sanierung beziehungsweise Instandsetzung von Wohngebäuden (zum Beispiel Fassade, Dach). Umfasst sind auch Infrastrukturmaßnahmen im Zusammenhang mit Neubau von Wohnraum oder Aufwertung bestehenden Wohnraums, zum Beispiel Zufahrtsstraßen für Wohngebiete, Ver- und Entsorgungsleitungen oder emissions- beziehungsweise immissionsmindernde Maßnahmen, zum Beispiel zur Reduzierung von Lärm oder Erschütterungen in den Wohnräumen.

Wohnzwecken dienen grundsätzlich auch städtebauliche Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes. Umfasst sind insbesondere Maßnahmen zur Errichtung, Erweiterung, Sanierung oder zum Umbau von Kindergärten und -tagesstätten, Schulen und Sportstätten sowie Maßnahmen im Zusammenhang mit Ladeinfrastruktur für E-Mobilität.

Wohnzwecke müssen nicht der alleinige und auch nicht der Hauptzweck der Bauleistung sein. Es genügt, wenn die Wohnzwecke nicht nur untergeordneter Natur sind.


4. Einbezug von freiberuflichen Leistungen in die Kommunalen Vergabegrundsätze: Erstmals werden die freiberuflichen Leistungen in die Kommunalen Vergabegrundsätze einbezogen. Neben der Regelung über Direktaufträge für freiberufliche Leistungen, sehen die Kommunalen Vergabegrundsätze vor, dass Aufträge für Architekten und Ingenieure im Leistungswettbewerb zu vergeben sind. Unter Beachtung von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit können öffentliche Aufträge der Kommunen bis zu einem vorab geschätzten Auftragswert in Höhe von 150.000 Euro (einschließlich Nebenkosten und ohne Umsatzsteuer) nach Verhandlung mit nur einem geeigneten Bewerber vergeben werden. Voraussetzung ist, dass der Aufforderung dieses Bewerbers zur Angebotsabgabe eine Abfrage über die Eignung im Sinne des § 122 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen bei mindestens drei möglichen Bewerbern vorausgegangen ist.

Bei der Ermittlung des voraussichtlichen Auftragswertes ist die ortsübliche Vergütung zugrunde zu legen.


Mit der Änderung der Kommunalen Vergabegrundsätze Nordrhein-Westfalen gelingt es, unter weitest möglicher Ausschöpfung des rechtlichen Rahmens die kommunalen Vergaben derart zu erleichtern, das kommunale Beschaffungen – namentlich auch Planungs- und Bauleistungen – schneller in die Märkte kommen, um Beschäftigung und Unternehmen zu sichern. Los geht’s!
 

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Vorwort:

Handwerk vor wichtigen Weichenstellungen

Liebe Leserinnen und Leser,

in Nordrhein-Westfalen haben die Schulferien begonnen, doch mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung bleibt kaum Zeit zum Ausruhen. Hat das Handwerk auch in den kommenden Monaten noch genügend Aufträge, um Stabilitätsanker der Wirtschaft zu bleiben? Und finden die Betriebe noch den passenden Nachwuchs, damit freie Ausbildungsplätze gut besetzt werden können?

Die Politik überlegt, wie sie Anreize für Ausbildung schaffen kann. Die Partner im NRW-Ausbildungskonsens sind sich einig, dass Aktionismus uns aktuell nicht weiterhilft. Derzeit geht es vor allem um eine Frage: Wie bringen wir geeignete junge Leute und die Betriebe zusammen? Es gilt, mit aller Macht für die Ausbildung zu trommeln. Die Perspektiven im Handwerk sind für motivierte Jugendliche nach wie vor gut – selbst in der augenblicklichen Situation.

Damit das so bleibt, braucht das Handwerk auch in den kommenden Monaten Aufträge. Zu befürchten ist, dass im Herbst gewerbliche Aufträge weiter einbrechen. Damit dieser Einbruch zumindest ein wenig abgefedert werden kann, sind Aufträge der öffentlichen Hand gefragt. Investitionsbedarf in Nordrhein-Westfalen und Deutschland gibt es reichlich. In diesem Sinne begrüßen wir sehr, dass das Land zur Belebung der Konjunktur Rahmenbedingungen bei Förderprogrammen entscheidend verbessert. Bis zu 90 Prozent kann nun die Förderquote betragen. Das hilft den Kommunen als wichtige Auftraggeber für viele Handwerksunternehmen. Wichtig ist, dass aus der Theorie jetzt Praxis wird und dass die Programme nicht nur aufgelegt, sondern vor allem auch genutzt werden.

Das Handwerk hält zusammen.

Bleiben Sie gesund!

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer

 

Betriebe suchen jetzt Auszubildende wegen bisheriger Kontaktbeschränkungen:

Neues Online-Angebot der Handwerkskammern

Mit der Online-Plattform www.whkt.de/findedeinhandwerk unterstützen die Handwerkskammern in NRW und der Westdeutsche Handwerkskammertag junge Menschen auf dem Weg in die berufliche Ausbildung. Der neue Online-Service bietet passend zur Coronazeit ein sehr einfaches wie effizientes Angebot. Jugendliche, die noch in diesem Jahr eine Anschlussperspektive nach der Schule suchen, melden sich mit Angabe ihres Wunschberufs auf der Website www.whkt.de/findedeinhandwerk und die Handwerkskammer vor Ort vermittelt passende Ausbildungsbetriebe in der Region der bzw. des Ausbildungssuchenden.

Notwendig ist diese Gemeinschaftsaktion der Handwerkskammern, weil aufgrund der Kontaktsperren in den vergangenen Monaten das Matching zwischen Ausbildungsbetrieben und Lehrstellensuchenden nicht funktioniert hat und unzählige Ausbildungsplätze bis heute unbesetzt sind. Die Handwerkskammern wollen mit diesem Angebot sehr niederschwellig und im ersten Schritt rein digital den Weg in betriebliche Ausbildung eröffnen.

Das Interesse des Handwerks besteht darin, interessierte junge Menschen mit passenden Betrieben regional zusammenzubringen. Die Ausbildungsberatung der Kammern kennt sämtliche Karrierewege im Handwerk – vom geprüften Berufsspezialisten, über den Handwerksmeister und Bachelor Professional bis hin zum Master Professionell – und kann so optimal beraten, damit die Bewerbung und damit der Einstieg gelingt.

Ausbildungsprämien – Betriebe vor Enttäuschungen schützen

Auf Bundesebene wurden in den letzten Wochen verschiedene Prämien für Ausbildungsbetriebe diskutiert, konzipiert und politisch verkündet. Die Konkretisierungen führen dazu, dass bereits heute klar ist, dass viele Handwerksbetriebe, die im gleichen Umfang wie in den Vorjahren ausbilden, nicht in den Genuss einer Ausbildungsprämie in Höhe von 2.000 Euro kommen werden. Denn weitere Kriterien sind relevant. Eine Mindestzeit von coronabedingter Kurzarbeit in zurückliegenden Monaten oder Umsatzeinbrüche von mindestens 60 Prozent in bestimmten Monaten dieses Jahres werden zusätzlich vorausgesetzt. Auch die Ausbildungsprämie in Höhe von 3.000 Euro für Ausbildungsbetriebe, die mehr als im Schnitt der letzten drei Jahre ausbilden, soll an die erhebliche Coronabetroffenheit mit den gleichen Kriterien geknüpft werden. Deshalb ist es wichtig, dass alle Beratungen und Publikationen Richtung Ausbildungsbetriebe im Handwerk keine Hoffnungen wecken, die später (nach Ende der Probezeit der Auszubildenden) zum Auszahlungszeitpunkt nicht erfüllt werden. Für die Übernahmezuschüsse gilt das nicht. Wer einen Auszubildenden aus einem coronabedingten Insolvenzbetrieb übernimmt, soll einmalig 3.000 Euro erhalten.

Nach jetzigem Stand sollen alle Ausbildungsprämien über die Arbeitsagenturen beantragt und bewilligt werden. Gleiches gilt für eine Förderung bei Vermeidung von Kurzarbeit während der Ausbildung. Hier soll ein Großteil der Ausbildungsvergütung erstattet werden, wenn im Betrieb mindestens 50 Prozent Arbeitsausfall zu verzeichnen ist und trotzdem weiter ausgebildet wird. Über die darüber hinaus angekündigte Förderung einer übergangsweisen Auftrags- oder Verbundausbildung wird der WHKT im nächsten Report informieren.

»Digitalen und stationären Einzelhandel zusammendenken«:

Projektaufruf für Sonderprogramm auch für Handwerksunternehmen interessant

Viele Einzelhändler in Nordrhein-Westfalen kämpfen mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Herausfordernd waren die vergangenen Wochen insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die bislang noch keine Internetpräsenz haben.

Digitale Technologien können dabei helfen, die Krise zu überwinden: Kundinnen und Kunden haben sich zunehmend an digitale Services und Informationskanäle gewöhnt und werden diese auch in Zukunft verstärkt nutzen. Mit dem Projektaufruf »Digitalen und stationären Einzelhandel zusammendenken – Sonderprogramm 2020«, das auch für entsprechende Handwerksunternehmen mit Ladengeschäften interessant ist, will die Landesregierung Unternehmen auf dem Weg in die Digitalisierung begleiten.

Der Projektaufruf richtet sich an Unternehmen des stationären Einzelhandels, die nicht mehr als 49 Beschäftigte haben und auf einen Umsatz von maximal zehn Millionen Euro oder eine Jahresbilanzsumme von bis zu zehn Millionen Euro kommen. Gefördert werden über einen Zeitraum von maximal sechs Monaten kurzfristige Projekte von Kleinunternehmen, die sich erstmalig digital aufstellen oder den Auf- oder Ausbau der digitalen Technologien für ihr Unternehmen voranbringen wollen. Der Höchstbetrag der Förderung liegt bei 12.000 Euro bei einem Fördersatz von bis zu 80 Prozent. Das Projekt muss zudem unmittelbar der Abwehr oder der Abmilderung der Folgen der Corona-Krise dienen.

Projektideen können ab sofort bis zum 30. August 2020 beim Projektträger ETN eingereicht werden. Weitere Informationen zum Aufruf, Bewerbungsunterlagen und die Fördergrundlagen finden Sie unter www.digihandel.nrw.

Ausbildungskonsens NRW:

Ausbildungsmarkt wird landesweit und regional mit gewisser Sorge begleitet

Völlig logisch ist, dass die Corona-Pandemie auch den Ausbildungsmarkt negativ beeinflusst. So sind nicht nur Betriebe und Jugendliche sowie deren Eltern verunsichert, wie man sich bei Kontaktbeschränkungen verhält, sondern auch Maßnahmen der beruflichen Orientierung, Vermittlungsbemühungen und Veranstaltungen zum Matching waren während des Shutdowns völlig lahmgelegt. Das Kennenlernen der Ausbildungsvertragspartner über digitale Kanäle fand in Einzelfällen erfolgreich statt, konnte jedoch das übliche Matching nicht ersetzen.

Die Partner des Ausbildungskonsenses sind sich einig, dass die Entwicklung am Ausbildungsmarkt intensiv beobachtet und analysiert werden müsse, um richtige Schlüsse für die Besetzung von offenen Ausbildungsplätzen und für die Schaffung von Ausbildungsmöglichkeiten für Schulabgängerinnen und Schulabgänger zu ziehen. Regelmäßig tauscht sich sowohl die Spitzenebene als auch die Arbeitsebene dazu aus und sieht zunächst Aktivierungs- und Matchingmaßnahmen als besonders zielführend an.

In der letzten Woche vor den Ferien haben alle Koordinatoren für Studien- und Berufswahl konkrete Informationen über freie Ausbildungsplätze in der jeweiligen Region mit der Bitte erhalten, diese an die Schülerinnen und Schüler der Abgangsklassen sowie deren Eltern zu verteilen, um die durch Schulschließung besonders betroffenen Jugendlichen zu Bewerbungen zu motivieren – dies ist eine Gemeinschaftsaktion des Ausbildungskonsenses, die federführend die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit in Abstimmung mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung organisiert hat. In der Information wird auch gezielt auf die Ausbildungsbörsen der Handwerkskammern hingewiesen, denn die Kammerorganisationen waren in die Gemeinschaftsaktionen unmittelbar eingebunden.

Im Ausbildungskonsens NRW werden die am 24. Juni vom Bundeskabinett verabschiedeten Eckpunkte für ein Bundesprogramm »Ausbildungsplätze sichern« intensiv bewertet sowie geprüft, welche Maßnahmen zusätzlich im Herbst je nach Ausbildungsmarktlage in den einzelnen Regionen notwendig sind.

Arbeit des Ehrenamtes unterstützen:

WHKT startet Umfrage zu Angeboten der Handwerksorganisationen für Ehrenamtsträgerinnen und Ehrenamtsträger

Im Rahmen eines durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Projekts führt der WHKT aktuell eine Online-Befragung unter allen Handwerksorganisationen durch. Im Kern geht es um die Fragestellung, mit welchen speziellen Angeboten der Handwerksorganisationen Ehrenamtliche zur Unterstützung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit erreicht werden und wo ein Entwicklungs- und Ausbaubedarf gesehen wird.

842 Innungen, 42 Landesinnungsverbände, 37 Kreishandwerkerschaften und 7 Kammern in NRW sind aufgerufen und herzlich gebeten, sich an der Umfrage zu beteiligen, damit der WHKT die aktuelle Situation möglichst umfassend analysieren kann.

Zur Umfrage gelangen Sie über folgenden Link: http://umfrage.handwerk.nrw/s/4ccc186

Projekt ValiKom Transfer:

Erste digitale Bewerterschulung durchgeführt

Berufsexpertinnen und -experten bewerten im Rahmen des Validierungsverfahrens die beruflichen Kompetenzen der Teilnehmenden. Bisher wurden sie durch die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) mit einer Präsenzschulung auf ihre Aufgabe als Bewerter/innen vorbereitet. Durch die coronabedingten Einschränkungen konnten in den letzten Monaten jedoch keine Schulungen durchgeführt werden.

Um die Schulung zukunftsorientiert aufzustellen, hat die ZWH die letzten Wochen genutzt und eine digitale Alternative in Form eines Online-Seminars aufgebaut. Damit soll es den Berufsexpertinnen und -experten ermöglicht werden, von zu Hause über Videochat an dem Seminar teilzunehmen. Um das Gelernte zu verfestigen, werden bei der Präsenzschulung Übungen in Kleingruppen eingesetzt. Dass dies auch in Online-Seminarform möglich ist, hat der erste Testlauf im Juni gezeigt. Mit insgesamt 10 Berufsexperten und -expertinnen wurde die digitale Schulung erfolgreich getestet, so dass die Projektkammern zukünftig die Möglichkeit haben, die Schulung entweder als Präsenzschulung unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln durchzuführen oder in Form eines ortsungebundenen Online-Seminars.

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt »ValiKom Transfer« sind 11 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, 2 Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt.

Weitere Informationen unter www.validierungsverfahren.de.

Vorerst keine Änderungen zu erwarten:

Europäische Kommission legt Bericht zur Datenschutzgrundverordnung vor

Zwei Jahre ist es her, dass die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft getreten ist. Damals, im Mai 2018, sorgten die EU-Datenschutzregeln für einen Aufschrei bei Handwerksbetrieben. Fragt man heute Unternehmen nach Bürokratielasten, gehört die DSGVO weiterhin zu den oft genannten Rechtsakten.

Am 24. Juni 2020, zeitnah zum zweiten Jahrestag des Inkrafttretens der Verordnung, hat die Europäische Kommission einen Bericht zur DSGVO vorgelegt. Dessen Ziel sollte es sein, die Umsetzung der Verordnung in den Mitgliedstaaten zu bewerten und gegebenenfalls Anpassungsbedarfe zu identifizieren.

Das Wichtigste zuerst: Die Kommission schlägt keine Regeländerungen vor. Sie hält dies für verfrüht. Das heißt fürs Erste – voraussichtlich für die kommenden zwei Jahre – bleibt alles beim Alten. Dabei erkennt die Europäische Kommission durchaus an, dass die Umsetzung der DSGVO gerade für kleine und mittlere Unternehmen eine Herausforderung darstellt. Sie wehrt sich aber ausdrücklich dagegen, kleine Unternehmen durch Ausnahmen von den Anforderungen der Verordnung zu befreien. Ihr Argument: Entscheidend ist nicht die Zahl der Beschäftigten, sondern die Datenschutzrelevanz der betrieblichen Tätigkeit (gefahrenbezogener Ansatz). Kurzfristig stellt die Europäische Kommission deswegen nur in Aussicht, kleine und mittlere Unternehmen mit Handlungshilfen zu unterstützen. Außerdem sollen im Jahr 2020 erneut Fördergelder im Umfang von einer Million Euro bereitgestellt werden. Mittelfristig zieht sie auch legislative Maßnahmen in Betracht. Das betrifft zum Beispiel Vereinfachungen für Verarbeitungsverzeichnisse von KMU mit geringem Datenschutzrisiko.

Den Bericht finden Sie unter https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/1_en_act_part1_v6_1.pdf.

Stärkere Stimme im Gesundheitswesen:

Gesetz zur Errichtung der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen verabschiedet

Pflegekräfte in Nordrhein-Westfalen bekommen nun eine stärkere Stimme im Gesundheitswesen. Der Landtag stimmte am 24. Juni 2020 für die Gründung einer Pflegekammer und verabschiedete das Gesetz zur Errichtung der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen. Sie soll die Qualität der Pflege sichern, Standards für eine gute Berufsausübung festlegen und überwachen sowie Fort- und Weiterbildungsangebote entwickeln. Zudem ist vorgesehen, dass die Kammer zukünftig auch die Zuständigkeit für Examen in der Pflegeausbildung bekommen soll.

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Vorwort:

Auf in die Zukunft

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist Zeit für Optimismus. Das Handwerk zeigt sich – bei allen Problemen – in der Krise bisher insgesamt robust. Dass die Rezession auch das Handwerk trifft, steht außer Frage. Doch im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen steht das Handwerk derzeit immer noch besser da.

Damit das so bleibt, braucht das Handwerk erstens in den kommenden Monaten vor allem Aufträge. Dafür müssen die Rahmenbedingungen jetzt verbessert werden. Die öffentliche Hand hat bei der Auftragsvergabe eine wichtige Vorbildfunktion, die sie nun erfüllen muss. 

Damit das Handwerk ein stabiler Faktor der deutschen Wirtschaft bleibt, benötigt es zweitens mehr denn je gut ausgebildeten Nachwuchs. Die handwerkliche Ausbildung braucht gerade jetzt mehr gesellschaftliche Wertschätzung. Das krisenfeste Handwerk bietet jungen Leuten exzellente Perspektiven. Auch Jugendliche mit Abitur können im Handwerk ihr Glück finden. In unserem aktuellen Ausbildungspapier »Ausbildung – jetzt erst recht« ist dies genau deswegen einer der zentralen Punkte.

Und drittens brauchen viele Handwerksbetriebe jetzt Unterstützung, damit sie die digitalen Herausforderungen meistern. Die Corona-Krise zeigt, wie entscheidend es ist, hier gut aufgestellt zu sein. Wir werben deswegen für eine Digitalisierungsprämie für kleine und mittlere Unternehmen. Wenn das Handwerk den digitalen Rückenwind jetzt nutzt, kann aus der Krise für viele Betriebe auch eine echte Zukunftschance erwachsen.

Das Handwerk hält zusammen.

Bleiben Sie gesund!

Ihr

Matthias Heidmeier
Hauptgeschäftsführer

Handwerk bildet aus – jetzt erst recht! Erwartungen an Politik, Betriebe und Schulabgänger/innen

In Zeiten der Unsicherheiten durch Einschränkungen der Coronapandemie fragen sich die Akteure am Ausbildungsmarkt, wie sich dieser in 2020 und 2021 entwickeln wird und welche vorsorgenden Maßnahmen sinnvollerweise vorbereitet werden müssen. Die Handwerkskammern haben sich mit der Situation als einer ihrer ureigenen Aufgaben befasst und Erwartungen an Politik, Ausbildungsbetriebe sowie Schülerinnen und Schüler und deren Eltern formuliert. Unter zwölf Überschriften wurde auf insgesamt 5 Seiten die Lage des Handwerks eingeschätzt und Maßnahmen empfohlen. Die Überschriften lauten:

  1. MOTIVATION ZUR AUSBILDUNG FÜR AUSBILDUNGSJAHR 2020/2021
  2. INSOLVENZLEHRLINGE
  3. VERBUNDAUSBILDUNGSFÖRDERUNG ERWEITERN
  4. DIGITALISIERUNG IN ÜBS UND BERUFSSCHULE VORANBRINGEN
  5. BERUFLICHE ORIENTIERUNG
  6. FÖRDERUNG DER ÜBERBETRIEBLICHEN BILDUNGSZENTREN (ÜBS)
  7. ABSCHLUSS VON AUSBILDUNGSVERTRÄGEN BIS ENDE OKTOBER MÖGLICH
  8. BETRIEBLICHE NACHWUCHSGEWINNUNG 2020/2021
  9. AUSBILDUNG FORTSETZEN – IM ZWEIFEL ÜBER TEILZEITAUSBILDUNG
  10. BERUFLICHE ORIENTIERUNG BIETEN
  11. BERUFLICHE ORIENTIERUNG SUCHEN
  12. DAS HANDWERK SUCHT FACH- UND FÜHRUNGSKRÄFTE

Das Ausbildungspapier des WHKT ist online abrufbar unter www.whkt.de/presse-aktuelles/stellungnahmenpositionen/.

Neue Coronaschutzverordnung:

CoronaSchVO in NRW stellt Vorgaben für das Prüfungswesen klar

Mit der Veröffentlichung der Coronaschutzverordnung vom Gesundheitsministerium NRW in der Fassung, die ab 30. Mai 2020 gilt, ist der § 7 überarbeitet worden. In diesem Paragraphen werden die Regelungen für alle grundsätzlich erlaubten Prüfungen sowie Bildungsangebote in der beruflichen Aus- und Weiterbildung bestimmt. So heißt es jetzt:

»Bei der Durchführung von Bildungsangeboten und Prüfungen ... sind geeignete Vorkehrungen zur Hygiene und zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern zwischen Personen, zur Begrenzung des Zutritts zu Schulungs- und Prüfungsräumen und zur Rückverfolgbarkeit nach § 2a Absatz 1 sicherzustellen. Ausnahmen des Mindestabstandes bestehen nur beim Betreten und Verlassen des Unterrichtsraums sowie bei kurzzeitigen Bewegungen zwischen den Sitzreihen. In diesen Fällen ist verpflichtend eine Mund-Nase-Bedeckung nach § 2 Absatz 2 Satz 1 zu tragen. Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen sind – außer bei schriftlichen Prüfungen – nur auf der Grundlage eines besonderen Hygiene- und Infektionsschutzkonzepts nach § 2b zulässig. Bei der Gesundheitsbildung und bei Prüfungen in körpernah arbeitenden Dienstleistungsberufen ist bei notwendiger Unterschreitung des Mindestabstands von 1,5 Metern zwischen Personen dringend auf eine möglichst kontaktarme Durchführung, vorheriges Händewaschen/Händedesinfektion, das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung und ggf. weitere tätigkeitsbezogene Vorgaben der Anlage zu dieser Verordnung zu achten.«

Damit ist klargestellt, dass alle Prüfungen durchgeführt werden können, auch wenn der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht immer einzuhalten ist. Dafür gilt dann die Pflicht, Mund und Nase entsprechend zu bedecken. Auch die Rückverfolgbarkeit muss selbstverständlich gewährleistet sein, um zu wissen, wer sich wann mit wem in einem Raum aufgehalten hat. Dies gilt nicht nur für Prüfungen, sondern auch für alle Bildungsveranstaltungen.

Veranstaltung:

6. Treffpunkt Ehrenamt Handwerk in NRW auf den 18.09.2020 verlegt

In Abstimmung mit NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart wurde der ursprünglich für Mai geplante Termin des 6. Treffpunkts Ehrenamt Handwerk in NRW nun auf den 18. September 2020 verlegt. An der Konzeption, dem etablierten Ablauf und auch der Verleihung des Ehrenamtspreises durch das Ministerium wird unter Berücksichtigung coronabedingter Hygiene- und Abstandsregeln festgehalten werden. Weitere Hinweise zur Veranstaltung unter www.ehrenamt-handwerk-nrw.de.

Der Treffpunkt Ehrenamt Handwerk in NRW wird gefördert mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Unternehmensanalysen für Handwerksbetriebe:

Betriebsvergleiche und Unternehmensanalysen können den Betrieben gerade jetzt helfen

Den Überblick über das betriebliche Geschehen zu behalten ist gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten enorm wichtig. Die Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) baut daher Ihr Serviceangebot der Unternehmensanalysen für Handwerksbetriebe aus. Diese Unternehmensanalysen basieren auf Betriebsvergleichsdaten und können dazu beitragen, Unternehmen auf Kurs zu bringen. Sie geben den Handwerksbetrieben wichtige Impulse, indem sie helfen, u.a. die betriebswirtschaftliche Situation einzuschätzen, Stärken und Schwächen aufzudecken oder die Auswirkungen der Krise auf die Geschäftszahlen darzustellen.

In den Betriebsvergleichen werden Daten der teilnehmenden Handwerksbetriebe zu Durchschnittswerten verdichtet und betriebswirtschaftliche Kennzahlen errechnet. Die Unternehmensanalysen ermitteln die Abweichung der betrieblichen Daten des Teilnehmers von den Durchschnittswerten. Dieser betriebswirtschaftliche Überblick hilft den Handwerksbetrieben, erfolgreich zu bleiben oder wieder erfolgreich zu werden. Er schafft somit die Basis für Investitionen in Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Fortbildung von Fachkräften, Erschließung neuer Märkte, Anbieten neuer Dienstleistungen.

Kunden auf Bundesebene, die bei der LGH Unternehmensanalysen und Betriebsvergleiche in Auftrag geben, schätzen diese Auswertungen sehr. Auch die langjährige wiederholte Teilnahme vieler Betriebe zeigt, dass der Bedarf an betriebswirtschaftlicher Unterstützung im Handwerk vorhanden ist und in wirtschaftlich schweren Zeiten wohl noch steigen wird.

Zu den kostenlosen Leistungen der LGH gehören z.B. Vorabanalysen auf Basis von Betriebsvergleichsdaten aus den Vorjahren, Unternehmensanalysen auf Basis der aktuellen Betriebsvergleichsdaten und Unternehmensanalysen im Zeitvergleich (bei wiederholter Teilnahme). Voraussetzung für eine Unternehmensanalyse ist, einen ausgefüllten Erhebungsbogen innerhalb der angegebenen Abgabefrist an die LGH zu senden.

Der Erhebungsbogen ist im Downloadbereich auf www.lgh.nrw zu finden.

Europa:

Die neuen Pläne der Europäischen Kommission

Nach mehrmaliger Verschiebung hat die Europäische Kommission am 27.05.2020 einen neuen Haushaltsentwurf samt eines Konjunkturfonds sowie ein überarbeitetes Jahresarbeitsprogramm für das Jahr 2020 vorgelegt. Leitmotiv sämtlicher Vorlagen ist die Bewältigung der Corona-Pandemie.

Der Haushaltsentwurf für die kommenden sieben Jahre, der so genannte mehrjährige Finanzrahmen, beläuft sich auf rund 1,85 Billionen Euro. Das wären jährlich etwa 1,9 Prozent der Wirtschaftsleistung der 27 EU-Staaten im Jahr 2019. 1,1 Billionen entfallen auf den regulären Haushaltsrahmen. Die übrigen 750 Milliarden sind für den Konjunkturfonds zur Überwindung der Corona-Pandemie vorgesehen. Die in diesem Rahmen zulässigen Investitionen sollen vornehmlich ein grünes, digitales und soziales Europa fördern.

Eben dieser thematische Fokus ist auch im überarbeiteten Arbeitsprogramm erkennbar. Maßnahmen aus dem Bereich »Green Deal« werden allenfalls marginal verschoben. Die Strategie zur Sektorkopplung wird für den 24. Juni erwartet, die mögliche Anpassung der Klimaziele bis 2030 sowie die Chemikalienstrategie im 3. Quartal. Als thematisch interessant für das Handwerk könnte sich die »Renovierungswelle« erweisen, die Investitionen in die energetische Gebäudesanierung beflügeln soll. Im September sollen dazu Details veröffentlicht werden. Einer im April vorgelegten Roadmap zufolge sollen Finanzinstrumente aufgelegt werden, die umfangreiche Modernisierungen anschieben. Gedacht wird auch konkret an Instrumente, die es Kommunen erleichtern, entsprechende Aufträge zu vergeben. Spätestens 2021 sind dann weitere Vorhaben für Rechtsänderungen zu erwarten. Diese betreffen voraussichtlich erneut die Gebäudeenergierichtlinie und könnten je nach Anpassung der Klimaziele für 2030 zu weiteren Verschärfungen führen. Außerdem sind produktbezogene Maßnahmen zu erwarten, also insbesondere Anpassungen von Ökodesignstandards verbunden mit Änderungen der Kennzeichnungsvorschriften. Das könnte zum Beispiel Heizkessel und Warmwasserbereiter betreffen, also Dossiers, die das Handwerk in der Vergangenheit stark beschäftigt haben.

Gute Lösung für berufliche Anerkennung in Coronazeiten:

Qualifizierung für Teilnehmende des Handwerks im Förderprogramm IQ

Erst war die Enttäuschung groß für die Elektronikerin und zwei Elektroniker mit ausländischen Qualifikationen, als Corona ihre Pläne durchkreuzte und eine erforderliche Teilnahme an der Anpassungsqualifizierung bei der Elektroinnung Düsseldorf nicht möglich erschien.

Selbst bei der Wiedereröffnung des Lehrbetriebs Anfang Mai war zunächst keine Umsetzung der Maßnahme möglich. Damit die drei Zugewanderten aus Serbien und Polen dennoch zeitnah die vereinbarte Anpassungsqualifizierung absolvieren und damit der Gleichwertigkeit ihres Abschlusses ein entscheidendes Stück näher rücken konnten, organisierte die Elektroinnung einen Kompaktkurs für die drei Fachkräfte. Eine intensive Lerneinheit liegt nun hinter und der gleichwertige Abschluss vor ihnen. Auf den Erfolg trotz schwieriger Bedingungen sind alle Beteiligten zu Recht stolz.

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) bietet vor allem kleinen und mittleren Unternehmen neue Chancen der Fachkräftegewinnung aus Drittstaaten. Für Betriebe und ausländische Fachkräfte, die die neuen gesetzlichen Regelungen des FEG anwenden möchten, gilt: Die berufliche Anerkennung stellt eine wesentliche Grundlage dar. Zuständig für sämtliche Berufe nach der Handwerksordnung sind die Handwerkskammern. Beratung und Unterstützung bieten die IQ NRW Anerkennungsberatungen: www.iq-netzwerk-nrw.de. Ausländische Fachkräfte, die nach Deutschland einreisen wollen, erhalten Unterstützung bei der neu entstandenen Zentralen Servicestelle für Berufsanerkennung der BA in Bonn (ZSBA): www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/zentrale-servicestelle.php. Hier ist gleichfalls das virtuelle Welcomecenter, welches berät und unterstützt. Betriebe, die bereits Kontakte zu ausländischen Fachkräften in einem Drittland geknüpft haben und das gemäß FEG beschleunigte Verfahren der Zuwanderung für ihre neuen Fachkräfte anstreben, wenden sich an die Zentralstelle Fachkräfteeinwanderung NRW (ZFE): www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/leistungen/abteilung02/21/zentralstelle_fachkraefteeinwanderung_nrw/index.html.

Gut qualifizierte Fachkräfte bleiben für das Handwerk der entscheidende Erfolgsfaktor. Daran ändert sich auch in der Corona-Krise nichts. Weiterhin gilt es, auf allen Seiten dafür zu sorgen, dass Handwerksbetriebe gut geeignete Fachkräfte auch aus dem außereuropäischen Ausland für sich gewinnen und dabei der Integrationsprozess für alle Beteiligten zu einer Erfolgsgeschichte wird.

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

DesignTalente Handwerk NRW 2020:

Anmeldung zu dem Wettbewerb in Sachen Handwerksdesign noch bis zum 1. Juli 2020 möglich

Der Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW 2020 ist bereits in vollem Gange, die Anmeldungen junger kreativer Handwerkerinnen und Handwerker laufen. Noch bis zum 1. Juli 2020 haben junge Handwerkerinnen und Handwerker die Möglichkeit, sich anzumelden. Die Unterlagen zur einfachen und unbürokratischen Anmeldung sind online unter www.designtalente-handwerk-nrw.de verfügbar. Die Themenbereiche, zu denen Wettbewerbsarbeiten eingereicht werden können, sind MÖBEL, SKULPTUREN, SCHMUCK, KLEIDUNG, MEDIEN und WOHNEN.

Der Gesellenbrief in einem Handwerksberuf und der 31. Geburtstag nach dem 1. Juli 2020, das sind die Voraussetzungen für junge Handwerkerinnen und Handwerker in Nordrhein-Westfalen, ihr Können im Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW 2020 unter Beweis zu stellen.

Die Ausstellung mit den von einer unabhängigen Fachjury ausgewählten Wettbewerbsarbeiten wird ab dem 07.10.2020 und bis zum 25.10.2020 in der Handwerkskammer Düsseldorf zu sehen sein. NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Pinkwart hat bereits zugesagt, am 11.10.2020 im Rahmen der Feierstunde die Ehrung der Preisträgerinnen und Preisträger vorzunehmen. Als Lohn für den Ideenreichtum warten auf die Gewinnerinnen und Gewinner Preisgelder in Höhe von 3.000 EUR.

Weitere Informationen unter www.designtalente-handwerk-nrw.de

Projekt ValiKom Transfer:

Digitalisierung des Validierungsprozesses weiter ausgebaut

Die Erfahrungen, die im Zuge der Corona-Krise mit digitalen Alternativen gemacht wurden, werden weiter genutzt und ausgebaut. Nachdem die erste digital umgesetzte Fremdbewertung von der durchführenden Kammer, dem Berufsexperten und der Teilnehmenden durchweg positiv bewertet wurde, haben weitere Projektkammern digitale Fremdbewertungen erprobt. In den Berufen Kaufleute für Büromanagement, Mediengestalter/in und Technische/r Produkdesigner/in hat sich eine ausschließlich digital durchgeführte Fremdbewertung als gut umsetzbar erwiesen, da diese Berufe überwiegend am PC ausgeübt werden. Auch in anderen Aufgabenbereichen des Projekts wird die Digitalisierung vorangetrieben: Die Handwerkskammer Hannover, die Industrie- und Handelskammer Braunschweig und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen führten am 25. Mai eine gemeinsame Informationsveranstaltung digital durch und nutzten so die Gelegenheit, das Validierungsverfahren in der Region weiter bekannt zu machen.

Daneben haben die ersten Lockerungen der coronabedingten Einschränkungen die Projektarbeit und die Durchführung von Validierungsverfahren wieder ein wenig »persönlicher« gemacht: Unter Einhaltung der vorgeschriebenen Abstands- und Hygieneregeln können Beratungen in einigen Projektkammern nun wieder vor Ort stattfinden. Auch erste Fremdbewertungen wurden im Mai in den Bildungszentren der Kammern durchgeführt.

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt »ValiKom Transfer« sind 11 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, 2 Landwirtschaftskammern, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) sowie der WHKT beteiligt.

Weitere Informationen unter www.validierungsverfahren.de

Projekt NetQA:

Netzwerkarbeit, Schulungen und erste Qualifikationsanalysen unter Corona-Bedingungen

Nach dem allgemeinen Shutdown aufgrund der Corona-Krise, geschlossenen Bildungszentren und ausgesetzten Abschlussprüfungen, haben viele Bildungseinrichtungen der Wirtschaft mittlerweile ihren Betrieb wieder aufgenommen. So konnte die Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg, Partner im Verbund-Projekt »NetQA«, bereits Mitte Mai wieder erste Qualifikationsanalysen im beruflichen Anerkennungsverfahren durchführen. Die beiden handlungsorientierten Kompetenzfeststellungen bei fehlenden schriftlichen Belegen wurden unter Einhaltung der vorgeschriebenen Hygiene- und Infektionsschutzstandards im kammereigenen Bildungszentrum durchgeführt. Eigens dazu hatte die Projektmitarbeiterin ein Merkblatt zu Abstands- und Hygieneregeln für die Antragstellenden verfasst. Die Kompetenzfeststellungen wurden in den Referenzberufen Elektroniker/in, Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik sowie Metallbauer/in in der Fachrichtung Konstruktionstechnik durchgeführt. Qualifikationsanalysen sind individuelle Verfahren. In der Regel sind nicht mehr als drei bis vier Personen daran beteiligt: die/der Antragstellende und eine berufsfachliche Expertin beziehungsweise ein berufsfachlicher Experte sowie eine zweite Person, meist von der zuständigen Kammer.  

Bundesweit werden die meisten Qualifikationsanalysen in den Berufen des Handwerks durchgeführt. Meist findet die Kompetenzfeststellung in den handwerkseigenen Bildungszentren statt. Diese haben derzeit jedoch vor allem mit dem Nachholen der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen und Prüfungen zu tun. 

Das Projekt setzt – parallel zu Präsenz-Schulungen – auf digitale Formate, was sich jetzt auszahlt. Die ersten Webinare rund um das Thema Qualifikationsanalysen werden ab Sommer 2020 durch die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) angeboten. Im Fokus sind Mitarbeitende der für die Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen zuständigen Stellen aber auch berufsfachliche Expertinnen und Experten.

Die beiden für die erste Jahreshälfte 2020 geplanten Präsenz-Schulungen für berufsfachliche Expertinnen und Experten in Baden-Württemberg und Brandenburg mussten leider aus den bekannten Gründen abgesagt werden. Die Termine sollen später im Jahr nachgeholt werden.

Vorrangiges Ziel von »NetQA« ist, bundesweit ein nachhaltiges Netzwerk zur Durchführung von Qualifikationsanalysen für zuständige Stellen zu schaffen. Im Sinne des Aufbaus eines regional verankerten Expertise-Netzwerks fand am 3. März 2020 ein Erfahrungsaustausch für zuständige Stellen in Niedersachsen statt. Neben Vertretern von Industrie- und Handelskammern sowie BQFG-Sachbearbeitenden der Handwerkskammern, fanden auch Angehörige von Landwirtschafts-, Ärzte- und Tierärztekammern den Weg nach Osnabrück. Da die Erfahrung mit Qualifikationsanalysen bundesweit sehr heterogen ist, besteht ein großer Bedarf an Austausch zum Thema mit anderen zuständigen Stellen. Diesem Bedarf soll in der jetzigen Phase mittels digitaler Formate Rechnung getragen werden: Für den 17. Juni 2020 ist der nächste bundesweite Austausch für Anerkennungsberaterinnen und -berater der Industrie- und Handelskammern geplant. 

Weitere Informationen zum Projekt »NetQA«, unter der fachlichen Steuerung des WHKT, finden Sie unter www.whkt.de/netqa.

Blick in die Medien

Süddeutsche Zeitung, 27.05.2020 ­| Per Webcam am Messestand: Arbeitgeber und Azubis finden sich: https://www.sueddeutsche.de/karriere/ausbildung-duesseldorf-per-webcam-am-messestand-arbeitgeber-und-azubis-finden-sich-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200527-99-205888 

Handwerksblatt, Mai 2020 | Wir haben schon eine ganze Menge für das Handwerk erreicht: https://www.handwerksblatt.de/politik/wir-haben-schon-eine-ganze-menge-fuer-das-handwerk-erreicht

WAZ, 26.05.2020  | Handwerk will verstärkt um Auszubildende mit Abitur werben: https://www.waz.de/wirtschaft/wirtschaft-in-nrw/handwerk-will-verstaerkt-um-auszubildende-mit-abitur-werben-id229180166.html

Ruhrpodcast, 07.05.2020 | Episode 36 »Im Handwerk noch goldener Boden« im Gespräch mit Matthias Heidmeier: https://www.youtube.com/watch?v=Ms1RwZjw3v4

Personalie:

Ehrenpräsident der Handwerkskammer Düsseldorf Hansheinz Hauser verstorben

Das rheinische Handwerk trauert um Hansheinz Hauser. Der Bäckermeister und Handwerksunternehmer, Ehrenpräsident der Handwerkskammer Düsseldorf und des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstages (heute Handwerk.NRW), verstarb am 11.05.2020 in seiner Heimatstadt Krefeld, deren Ehrenbürger er war. Hansheinz Hauser wurde 97 Jahre alt. De