Konjunkturbarometer Nr. 85 – 01/2021: Die Lage im Handwerk ist nach wie vor gespalten

Ergebnisse der Frühjahrsumfrage 2021 der nordrhein-westfälischen Handwerkskammern

Die Frühjahrskonjunktur im Handwerk zeigt nach wie vor die große Stabilität des Gesamthandwerks. Der nahezu konstante Geschäftsklimaindex von 114 Punkten ist im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen nach wie vor bemerkenswert. Doch die Betriebe berichten im Saldo auch im Handwerk über rückläufige Umsätze, gesunkene Beschäftigung und schwächere Auftragseingänge im letzten halben Jahr. Die Corona-Pandemie zeigt sich eben doch auch bei uns, einige Gewerke trifft die Krise existentiell. So driftet die Konjunkturentwicklung im Handwerk derzeit weiter auseinander – abhängig davon, wie stark etablierte Geschäftsmodelle durch die Pandemie erschwert oder gar unmöglich gemacht werden.

Nach über einem Jahr der Krise wird aber nun das Licht am Ende des Tunnels immer heller. Die Inzidenzen sinken, die Impfdynamik steigt und es könnte dann doch noch ein »normaler« Sommer werden. Sollten wir die Pandemie in diesem Jahr in den Griff bekommen, kann auch ein wirtschaftlicher Aufbruch folgen. Bei allen Herausforderungen sollten wir das psychologische Momentum einer möglichen Krisenüberwindung nicht übersehen: schon jetzt zeigt sich ja, welche Erleichterung die derzeit positive Entwicklung der Pandemie auslöst.

Es wird deswegen darauf ankommen, dass die politischen Rahmenbedingungen auf neues, nachhaltiges Wachstum ausgerichtet werden. Jetzt müssen Innovationsprozesse ausgelöst werden, für die es auf die Kreativität kleiner und mittelständischer Unternehmen ankommt, wie man sie eben im Handwerk findet. Auf den Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Fachkräftesicherung liegt dabei unser besonderer Fokus. Unsere Botschaft an die Politik ist klar: unsere über 190.000 Betriebe des Handwerks brauchen Rückenwind, damit sie die Zukunft anpacken können.

Große Aufmerksamkeit muss in diesem Jahr der beruflichen Bildung gelten, die die qualifikatorische Grundlage für Innovation, Wachstum und Transformation bildet. Dem coronabedingten Rückgang der Ausbildungszahlen aus dem Vorjahr müssen wir in diesem Jahr mit vereinten Kräften etwas entgegensetzen. Dafür brauchen wir die Unterstützung der Politik, der Schulen und der Eltern. Es geht bei unserem Werben für die Ausbildung im Handwerk nicht nur um die Fachkräftesicherung der Betriebe. Es geht eben auch um die Perspektiven junger Menschen, die Leistung bringen und Verantwortung übernehmen wollen. Ihnen stehen im Handwerk alle Türen offen.   

Diesmal haben sich 6.670 Betriebe landesweit an der Umfrage beteiligt – ein Rekordwert, der nur unterstreicht, dass die Betriebe mit ihren Herausforderungen mehr denn je Gehör finden wollen. Gemeinsam sind wir stark! Wir danken allen Betrieben, die sich in diesen schwierigen Zeiten dafür Zeit genommen haben.

Bleiben Sie gesund!

Hans Hund, WHKT-Präsident
Matthias Heidmeier, WHKT-Hauptgeschäftsführer


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