WHKT-REPORT – AUSGABE 05/06-2026
Liebe Leserinnen und Leser,
den Anspruch an das Entlastungspaket für Bürgerinnen und Bürger, Kommunen und Unternehmen hat Ministerpräsident Hendrik Wüst auf den Punkt gebracht: »Nicht derjenige, der Bürokratie abbauen will, muss sich rechtfertigen, sondern der Staat, der nichts verändern will.«
In diesem Sinne begrüßt das nordrhein-westfälische Handwerk den Kabinettbeschluss zum Bürokratieabbau. Er zeigt, dass Nordrhein-Westfalen Taktgeber bei der Föderalen Modernisierungsagenda sein will. Umso wichtiger, als dass Handwerksbetriebe mittlerweile fast mehr Zeit mit Dokumentations- und Nachweispflichten verbringen, statt mit Wertschöpfung, Innovation und der Investition in beruflicher Aus- und Weiterbildung.
Gleichermaßen hervorzuheben ist die in dem Paket vorgesehene Beweislastumkehr: Künftig muss begründet werden, warum eine Regelung bestehen bleibt – nicht, warum sie entfällt. Dies kann der Ausgangspunkt für einen notwendigen Systemwechsel sein, bei dem Bürokratie konsequent hinterfragt wird. Eine Herangehensweise, durch die echte Räume für Entlastung entstehen.
Entscheidend wird nun sein, dass die angekündigten Maßnahmen zügig, vollständig und praxisnah umgesetzt werden. Erst dann wird die Entlastung tatsächlich und spürbar im Mittelstand, in den Betrieben und der Wirtschaft insgesamt ankommen und ihre Wirkung entfalten.
Wir werden diesen Prozess weiterhin konstruktiv begleiten und uns dafür einsetzen, dass aus guten Ansätzen konkrete Verbesserungen für das Handwerk werden.
Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre.
Ihre
WHKT-Präsident Berthold Schröder | Hauptgeschäftsführer Dr. iur. Florian Hartmann
Europa:
WHKT-Präsident Schröder diskutiert zum Thema Europäischer Binnenmarkt
Am 12.05.2026 nahm WHKT-Präsident Berthold Schröder in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalens in Brüssel an einer hochkarätig besetzten Paneldiskussion teil. Thema: »Der Europäische Binnenmarkt als Wachstumsmotor – Chancen für NRW und die Europäische Union«. Auf dem Podium diskutierte er mit Kerstin Jorna, Generaldirektorin der DG GROW (Europäische Kommission), Christian Doleschal, Mitglied des Europäischen Parlaments, und Emilie Bourgoin, Group Director Public Affairs, REWE Group.
Einigkeit bestand über die zentrale Bedeutung des Binnenmarkts – für die EU insgesamt ebenso wie für NRW und insbesondere für die Betriebe. Eine angeregte Diskussion entspann sich über geeignete Wege zu einem nachhaltig gestärkten Binnenmarkt.
Kerstin Jorna stellte zentrale Bausteine der aktuellen Binnenmarktstrategie und des Fahrplans vor. Ein bemerkenswerter Punkt: Der grenzüberschreitende Warenverkehr ist teilweise einfacher als die Erbringung der dazugehörigen Dienstleistungen. Genau hier setzt die Europäische Kommission an – mit dem Ziel, den Binnenmarkt gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) noch attraktiver zu gestalten.
Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf der Regulierung: Geschwindigkeit von Gesetzesrevisionen, Harmonisierung von EU-Recht zur Vereinfachung der Rechtsanwendung, Bürokratielasten für Unternehmen und Digitalisierung als Schlüssel zur Entlastung. WHKT-Präsident Berthold Schröder machte deutlich, wie wichtig es ist, europäische Gesetzgebung konsequent aus der Anwenderperspektive der kleinen Betriebe zu denken.
Zum Abschluss unterstrich Europaminister Nathanael Liminski die Bedeutung eines starken Binnenmarkts und stellte dem Brüsseler Publikum die Grundgedanken des aktuellen Entwurfs eines NRW-Gesetzes zum Abbau von Berichts- und Dokumentationspflichten vor – ein Ansatz, der bei einigen Teilnehmenden auf großes Interesse stieß.
Kooperationsveranstaltung des NRW-Handwerks:
Verteidigung und Resilienz – Warum das Handwerk unverzichtbar ist
Berthold Schröder, Präsident WHKT, Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke, Hauptgeschäftsführer HANDWERK.NRW, Ulrich Hermann, Geschäftsführer Hermann GmbH, Dr. Florian Hartmann, Hauptgeschäftsführer WHKT und LGH, Dr. Hendrik Röwekamp, Kapellmann und Partner Rechtsanwälte mbB, Mona Neubaur MdL, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie NRW und stellvertretende Ministerpräsidentin NRW, Peter Eul, Vorstandsvorsitzender LGH und Präsident der Handwerkskammer OWL zu Bielefeld, Josef Trendelkamp (sen.), Geschäftsführer Trendelkamp Technologie GmbH, Dr. Thomas Speckmann, Historiker und Politikwissenschaftler, René Gassen, Direktor Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) | (v. l. n. r.) | Foto: WHKT/RG
Bei der bundesweit ersten Konferenz »Verteidigung. Resilienz. Handwerk.« in Düsseldorf diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Handwerk über die Rolle kleiner und mittelständischer Betriebe für Sicherheit, Versorgung und gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit. Die Kooperationsveranstaltung des nordrhein-westfälischen Handwerks zeigte auf, wie das Handwerk stärker in Fragen der Verteidigung und Resilienz eingebunden werden kann.
Peter Eul, Vorstandsvorsitzender der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.V. (LGH) und Präsident der Handwerkskammer OWL zu Bielefeld, betonte in seiner Begrüßung die wachsende Bedeutung des Themas: »Sicherheit und Resilienz sind längst nicht mehr allein Aufgaben von Staat und Bundeswehr. Sie betreffen unsere gesamte Gesellschaft – und damit auch den Mittelstand und insbesondere das Handwerk.« Funktionierende Infrastruktur, technisches Know-how und starke regionale Betriebe seien zentrale Voraussetzungen für die Stabilität des Landes.
Auch die stellvertretende Ministerpräsidentin und NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur hob die Bedeutung des Handwerks hervor: »Die geopolitische Lage verändert sich in atemberaubender Geschwindigkeit, unsere Verteidigungsfähigkeit ist daher wichtiger denn je. Nordrhein-Westfalen leistet einen großen Beitrag zur europäischen Sicherheitsarchitektur: Als industrieller Knotenpunkt, mit einer hochinnovativen Forschungslandschaft und einem starken Handwerk. Mein Dank gilt den Handwerksorganisationen, die zeigen, dass das Handwerk ein elementarer Bestandteil der Wehrhaftigkeit und Friedenssicherung ist.«
Weitere Referenten waren Dr. Dirk Günnewig, Verwaltungsratsvorsitzender des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW und Finanzstaatssekretär, sowie René Gassen vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr. Sie gaben Einblicke in die Beschaffungs- und Vergabepraxis in den Bereichen Rüstung und Infrastruktur.
Dr. Hendrik Röwekamp, Fachanwalt für Vergaberecht, erläuterte Chancen und Herausforderungen für kleine und mittlere Unternehmen bei öffentlichen Vergaben. Historiker und Politikwissenschaftler Dr. Thomas Speckmann skizzierte in seinem Vortrag »Die dritte Zeitenwende«, warum regionale Lieferketten unter Einbindung des Mittelstandes angesichts der Entwicklungen im europäischen Raum zukünftig noch an Wichtigkeit gewinnen könnten.
Darüber hinaus stellte Dr. Florian Hartmann, Hauptgeschäftsführer von LGH und WHKT, das Freiwillige Handwerksjahr als Beitrag zur Krisenvorsorge und Resilienz vor.
Die Konferenz machte deutlich: Verteidigung und Resilienz betreffen nicht nur die Sicherheitspolitik, sondern ebenso Wirtschaft, Infrastruktur und Gesellschaft. Das nordrhein-westfälische Handwerk sieht sich dabei als aktiven Partner zur Stärkung von Versorgungssicherheit, Krisenfestigkeit und Verteidigungsfähigkeit.
WHKT-PROJEKT »MACHBARKEITSSTUDIE«:
»Mutterschutz 2.0« – WHKT-Hauptgeschäftsführer Dr. Hartmann präsentiert Zwischenergebnisse in Berlin
Anfang Mai brachte das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium im Rahmen der Veranstaltung »Mutterschutz 2.0 – selbstständig, schwanger, abgesichert« Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in Berlin zusammen, um über konkrete Wege zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für selbstständige Unternehmerinnen zu beraten.
WHKT-Hauptgeschäftsführer Dr. Florian Hartmann stellte dabei Zwischenergebnisse der Machbarkeitsstudie vor und diskutierte diese auf dem Podium. Die Teilnehmenden zeigten große Zustimmung zur Grundidee des Modells, schwangeren selbstständigen Handwerksunternehmerinnen während der Mutterschutzfristen einen pauschalen finanziellen Ausgleich zu gewähren.
Das Interesse an den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie und insbesondere an dem entwickelten »WHKT-Modell« für einen flexiblen Mutterschaftsausgleich für Selbstständige ist bereits jetzt auf Landes- und Bundesebene deutlich spürbar.
So präsentierte Projektleiterin Christine Schmelting das WHKT-Modell kürzlich auf der Landesverbandstagung der UFH NRW. Zudem nahm sie am 21.05.2026 als Sachverständige an dem öffentlichen Fachgespräch »Mutterschutz für Selbstständige« im Sächsischen Landtag in Dresden teil.
Die finalen Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werden mit der Übergabe des Abschlussberichts an Ministerin Neubaur am 06.07.2026 in Berlin veröffentlicht.
Meistergründungsprämie NRW:
Bewährtes Förderprogramm startet volldigital in die Zukunft
Die Meistergründungsprämie NRW zählt seit mehr als 30 Jahren zu den erfolgreichsten Förderinstrumenten für Existenzgründungen im nordrhein-westfälischen Handwerk. Seit ihrer Einführung im Jahr 1995 wurden mehr als 20.000 Gründungsvorhaben unterstützt. Dadurch konnten über 75.000 Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen oder gesichert werden.
Zum 1. Mai 2026 wurde das Förderverfahren umfassend modernisiert: Die Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.V. (LGH) hat die Meistergründungsprämie NRW auf ein vollständig digitales Antrags-, Bewilligungs- und Nachweisverfahren umgestellt.
Mit dem neuen Förderportal können sämtliche Verfahrensschritte künftig digital und medienbruchfrei abgewickelt werden – von der Authentifizierung und Antragstellung über die Kommunikation zwischen den Verfahrensbeteiligten bis hin zur elektronischen Bereitstellung von Bescheiden, dem Mittelabruf und dem Verwendungsnachweis. Somit werden die Verwaltungsprozesse vereinfacht, Bearbeitungszeiten reduziert und der Zugang zur Förderung erleichtert.
Handwerkskammern bleiben zentrale Ansprechpartner
Unverändert bleibt die wichtige Rolle der Handwerkskammern im Förderverfahren. Die vorgeschaltete, obligatorische Existenzgründungsberatung durch die Handwerkskammern ist weiterhin Voraussetzung für die Förderung. Auch künftig begleiten die Beraterinnen und Berater Gründungsinteressierte durch den Antragsprozess und stehen als erste Ansprechpartner zur Verfügung.
Die Digitalisierung ersetzt damit nicht die bewährten Beratungsstrukturen, sondern ergänzt sie um moderne und effiziente Verwaltungsprozesse.
Beitrag zur modernen Förderverwaltung
Mit der Einführung des digitalen Verfahrens setzen das fördernde Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen sowie die LGH gemeinsam einen wichtigen Impuls zur Modernisierung der Förderprogramme des Landes. Das neue Portal sorgt für mehr Transparenz, schnellere Abläufe und eine zeitgemäße digitale Abwicklung der Meistergründungsprämie NRW.
Die Meistergründungsprämie NRW unterstützt Meisterinnen und Meister des Handwerks bei der Gründung oder Übernahme eines Unternehmens und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung, Unternehmensnachfolge und wirtschaftlichen Entwicklung in Nordrhein-Westfalen.
Neues aus der Landesplanung:
NRW-Handwerk zur 3. Änderung des Landesentwicklungsplans (LEP NRW)
Das MWIKE hat im Frühjahr die zweite Beteiligungsrunde zur 3. Änderung des LEP NRW durchgeführt, an der sich WHKT und HANDWERK.NRW beteiligt haben.
Der LEP NRW legt als wichtigstes Steuerungsinstrument des Landes zur Raumplanung langfristige Ziele und Grundsätze für die räumliche Entwicklung Nordrhein-Westfalens vor. Im Zentrum der 3. Änderung steht das Ziel, zentrale Herausforderungen wie den sparsamen Umgang mit Flächen, den demografischen Wandel, die Energie- und Mobilitätswende sowie die Sicherung wirtschaftlicher Entwicklungsmöglichkeiten in Einklang zu bringen.
Besonders für das Handwerk von Bedeutung sind beispielsweise die Grundsätze bzw. Ziele zur Siedlungsentwicklung im Freiraum, die Möglichkeiten zur Wiedernutzung von Brachflächen sowie die Möglichkeit zur flexiblen Festlegung von neuen Gewerbe- und Industriebereichen.
Die vollständige Stellungnahme ist unter www.whkt.de/positionen zu finden.
Handwerk im Hafthaus:
Kooperation zwischen Justiz und Handwerk wird bis 2031 fortgesetzt
Das nordrhein-westfälische Modellprojekt »Handwerk im Hafthaus« wird fortgesetzt: Im Düsseldorfer Justizministerium unterzeichneten das Ministerium der Justiz NRW und der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) eine neue Kooperationsvereinbarung für weitere fünf Jahre. Seit 2021 arbeiten Justiz und Handwerk gemeinsam daran, inhaftierten Menschen bessere Zugänge zu Ausbildung und Beschäftigung zu ermöglichen – mit Erfolg: Mehr als einhundert Handwerksbetriebe haben sich inzwischen an Werkstatt-Tagen in Justizvollzugsanstalten beteiligt, eine Vielzahl an Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsverhältnissen konnte bereits vermittelt werden.
Kooperation mit konkreter Wirkung
»Wir betreiben im Justizvollzug in Nordrhein-Westfalen zahlreiche professionell und technisch modern ausgestattete Werkstätten und beschäftigen qualifiziertes Ausbildungspersonal, das im Regelfall über eine Meisterqualifikation verfügt«, erklärte NRW-Justizminister Benjamin Limbach im Rahmen der Unterzeichnung. Berufliche Bildung im Vollzug könne eine wichtige Grundlage für die Rückkehr in ein Leben in sozialer Verantwortung sein. Entscheidend sei jedoch, potenzielle Arbeitgeber von der Qualität der Qualifizierungen zu überzeugen und Vorurteile abzubauen.
Genau hier setzt das Projekt »Handwerk im Hafthaus« an. Gemeinsam mit den Handwerkskammern Aachen und Dortmund wurden in den beiden Pilotanstalten Heinsberg und Bochum-Langendreer sogenannte Werkstatt-Tage etabliert. Dabei besuchen Handwerksbetriebe die Justizvollzugsanstalten, besichtigen Ausbildungswerkstätten und kommen mit Ausbildungspersonal und Inhaftierten ins Gespräch.
Wie praxisnah dieses Konzept funktioniert, zeigte sich auch bei den diesjährigen Werkstatt-Tagen in den beiden Pilotanstalten. Zahlreiche Betriebe aus den Kammerbezirken Dortmund und Aachen sowie den benachbarten Regionen nutzten erneut die Möglichkeit, sich persönlich ein Bild von den Ausbildungsbedingungen hinter Gittern zu machen.
»Der persönliche Eindruck und der direkte Kontakt zwischen unseren Gefangenen und Handwerksbetrieben ist besonders wertvoll«, erläutert Jochen Käbisch, Leiter der JVA Heinsberg. In vielen Fällen habe dies bereits zu konkreten Ausbildungs- und Beschäftigungsangeboten geführt.
Stimmen aus der Praxis
Erstmals dabei war in diesem Jahr die Dr. Holzinger GmbH. Geschäftsführer Marcel Schuckel besuchte gemeinsam mit Tischlermeister Jörg Hamann die Tischlerwerkstatt der JVA Heinsberg.
»Die Ausstattung ist zeitgemäß, modern und professionell – ein gutes Umfeld, um viele Bereiche des Tischlerberufs zu erlernen«, schildert Schuckel seine Eindrücke. Er könne sich gut vorstellen, einem ehemaligen Inhaftierten einen Ausbildungsplatz anzubieten, wenn Motivation und Durchhaltevermögen stimmen.
Dass solche Begegnungen tatsächlich Perspektiven eröffnen können, bestätigt auch das Bauunternehmen Lambert Schlun aus Heinsberg. Personalerin Jessica Joerißen berichtet von mehreren positiven Erfahrungen mit ehemaligen Inhaftierten aus der JVA Heinsberg: »Die jungen Männer bringen gute fachliche Voraussetzungen mit, sind engagiert und motiviert und passen in unser Team.«
Zukunftsperspektive
Auch inhaltlich soll die Kooperation in den kommenden Jahren weiterentwickelt werden. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Teilqualifizierungen im Handwerk, deren Eignung für den Justizvollzug erprobt werden soll. Ziel ist es, während der Haft erworbene berufliche Kompetenzen künftig noch besser dokumentieren und auf reguläre Ausbildungszeiten anrechnen zu können.
WHKT-Vizepräsident Alexander Hengst sieht darin großes Potenzial: »Wir möchten dazu beitragen, dass aus beruflicher Qualifizierung im Vollzug echte berufliche Perspektiven entstehen.« Inzwischen hätten auch weitere Handwerkskammern und Justizvollzugsanstalten Interesse an dem Modell signalisiert.
Weitere Informationen unter: www.handwerk-im-hafthaus.de
DesignTalente Handwerk NRW 2026:
Jury entscheidet über die Ausstellungsteilnahme
Die Anmeldefrist für den Landeswettbewerb »DesignTalente Handwerk NRW« 2026 ist am 26. Mai abgelaufen. Unter dem Motto FORM FOLLOWS LEIDENSCHAFT konnten junge Gestalterinnen und Gestalter aus dem nordrhein-westfälischen Handwerk ihre Arbeiten einreichen. Insgesamt wurden 144 Objekte von 95 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingereicht, die den Wettbewerbsbedingungen entsprachen. Nun beginnt die Sichtung und Bewertung der Arbeiten durch die Jury.
Der Wettbewerb bietet dem handwerklichen Nachwuchs eine Plattform, gestalterische Qualität, handwerkliches Können und kreative Ideen einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Die ausgewählten Arbeiten werden vom 10. bis 24. Oktober 2026 in einer Ausstellung in der Handwerkskammer zu Köln gezeigt.
Die Jury setzt sich aus erfahrenen Fachleuten aus Handwerk, Design und Gestaltung zusammen: Drechslermeisterin und Meisterdesignerin Anne Bergerfurth, Goldschmiedemeisterin und Meisterdesignerin Angela Katzy, Modedesignerin Ulla Meiners, Fotograf Hartmut Nägele, Tischlermeister und Meisterdesigner Tobias Nolte sowie Steinbildhauerin und Projektgestalterin Christine Prinze. Gemeinsam entscheiden sie über die Zulassung zur Ausstellung und die Vergabe der Auszeichnungen.
Der Wettbewerb steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Hendrik Wüst und wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Die Durchführung liegt beim Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT).
Mehr unter: www.designtalente-handwerk-nrw.de
Welcome Center KMU – Rheinisches Revier (WCR):
WCR stärkt bundesweite Vernetzung beim Welcome-Center-Netzwerktreffen
Mehr als 200 Teilnehmende aus rund 50 Welcome Centern bundesweit kamen am 7. und 8. Mai 2026 in Magdeburg zum 11. Bundesnetzwerktreffen zusammen. Das Welcome Center KMU – Rheinisches Revier (WCR) nutzte die Veranstaltung, um sich mit Akteurinnen und Akteuren aus ganz Deutschland auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und Impulse für die eigene Arbeit mitzunehmen. Bereits zum Auftakt bot ein Gallery Walk die Möglichkeit, die unterschiedlichen Welcome-Center-Strukturen und Angebote kennenzulernen und Best-Practice-Beispiele zu diskutieren. In thematischen Workshops standen unter anderem Willkommensstrukturen in Unternehmen, digitale Beratungsangebote, Sprach- und Weiterbildungsförderung sowie die regionale Bindung internationaler Fachkräfte und Studierender im Fokus. Fachvorträge und eine Podiumsdiskussion zur Fachkräftezuwanderung rundeten das Programm ab und unterstrichen die Bedeutung leistungsfähiger Willkommensstrukturen für die Fachkräftesicherung in Deutschland.
Förderprogramm IQ – Integration durch Qualifizierung:
Anerkennung. Qualifizierung. Beschäftigung.
Damit Erwerbsmigration und Teilhabe mit Blick auf die Fachkräftesicherung im Handwerk funktionieren, geht es genau darum: Anerkennung. Qualifizierung. Beschäftigung.
Drei zentrale Bereiche, auf die das Förderprogramm IQ – Integration durch Qualifizierung in seiner aktuell 2. Förderrunde (2025–2028) berufsübergreifend abzielt. Ein Netzwerk an Partnern und Akteuren, die gemeinsam die Verbesserung einer nachhaltigen und bildungsadäquaten Integration von erwachsenen Menschen ausländischer Herkunft in den Arbeitsmarkt anstreben.
Der WHKT ist mit der Koordinierung zweier Regionaler Netzwerke in NRW sowie einer Beratungsstelle für die berufliche Anerkennung und Qualifizierung an dem Programm beteiligt, welches finanziell gefördert wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus.
Eine kompakte Übersicht über die Partner und die Vorhaben bietet der neu erschienene Projektfolder, der unter www.iq-nrw-west.de/downloads/ zur Verfügung steht.
Eine zentrale Anlaufstelle für die digitale Beratung in der Berufsanerkennung bietet der WHKT im Rahmen des Förderprogramms IQ unter www.anerkennungsberatung-iq.de.
MobilityHub Handwerk Nordrhein-Westfalen:
Gemeinsam Mobilität gestalten: Rückblick auf Seminar und Fachkongress
Onlineseminar vom 20.05.2026: »Kostenfaktor Mobilität – Einsparpotenziale erkennen und nutzen«
Wie Unternehmen Mobilitätskosten gezielt senken können, stand im Mittelpunkt des Onlineseminars »Kostenfaktor Mobilität: Einsparpotenziale erkennen und nutzen«, das der MobilityHub Handwerk Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit dem BEMO | IHK-Netzwerkbüro Betriebliche Mobilität NRW durchführte.
Die Teilnehmenden erhielten praxisnahe Einblicke, wie Betriebliches Mobilitätsmanagement dabei unterstützen kann, Kosten im Fuhrpark, bei Dienstreisen oder im Stellplatzmanagement nachhaltig zu reduzieren. Im Fokus standen unter anderem die Optimierung von Touren und Abläufen, der wirtschaftliche Einsatz von Elektromobilität sowie Potenziale durch Homeoffice-Lösungen.
Knut Petersen von B.A.U.M. Consult GmbH zeigte anhand konkreter Rechenbeispiele mögliche Einsparpotenziale auf. Ergänzt wurde das Seminar durch Praxisberichte von Volker Hörning von Bischof Heizung GmbH & Co. KG sowie Dirk Tost von GTS Systems, die Einblicke in erfolgreiche Maßnahmen zur Tourenoptimierung aus der Unternehmenspraxis gaben.
Die Veranstaltung richtete sich an Betriebe und Kommunen und bot zahlreiche Impulse für eine effizientere und wirtschaftlichere betriebliche Mobilität.
Rückblick auf die DECOMM 2026: Impulse für kooperatives Mobilitätsmanagement
Die DECOMM 2026 in Frankfurt am Main bot erneut eine zentrale Plattform für den Austausch rund um zukunftsfähiges Mobilitätsmanagement in Stadt und Land. Im Mittelpunkt standen praxisnahe Ansätze und neue Perspektiven für nachhaltige Mobilitätslösungen in Unternehmen, Kommunen und dem Handwerk.
Besonderes Interesse fand das Fachforum »ways2work.nrw: Vom Wettbewerb zum Unterstützungsprogramm für kooperatives (betriebliches) Mobilitätsmanagement«. Diskutiert wurde, wie kooperatives betriebliches Mobilitätsmanagement in Nordrhein-Westfalen weiterentwickelt und Unternehmen gezielt unterstützt werden können.
Auch der MobilityHub Handwerk Nordrhein-Westfalen war vertreten: Andrea Muckenheim brachte die Perspektive des Handwerks in die Diskussion ein und leitete die Diskussionswerkstatt »Handwerksbetriebe für BMM begeistern«. Im Austausch mit den Teilnehmenden wurden Herausforderungen, Chancen und praxisnahe Lösungsansätze für eine nachhaltige betriebliche Mobilität im Handwerk erörtert.
Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig Kooperationen und branchenspezifische Unterstützungsangebote sind, um nachhaltige Mobilität langfristig in Unternehmen, Handwerksbetrieben und Kommunen zu verankern.
Das Projekt MobilityHub Handwerk Nordrhein-Westfalen wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.
Nach fest kommt ab – Der Podcast fürs Handwerk:
WHKT-Hauptgeschäftsführer Dr. Florian Hartmann als Gast zum Thema »Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung«
Im Podcast »Nach fest kommt ab – Der Podcast fürs Handwerk« machte Dr. Florian Hartmann im Gespräch mit Kathrin Post-Isenberg deutlich, dass das Handwerk gesellschaftlich zwar zunehmend mehr Aufmerksamkeit bekommt, aber in vielen Bereichen noch immer nicht dieselbe Anerkennung erfährt wie akademische Bildungswege.
Ein zentraler Punkt sei dabei die Forderung, die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung in die Landesverfassung von Nordrhein-Westfalen aufzunehmen, damit daraus langfristig konkrete Veränderungen für Schulen, Lehrpläne und Förderungen entstehen können.
Gemeinsam sprachen Kathrin Post-Isenberg und Dr. Hartmann darüber, wie wichtig es wäre, dass junge Menschen schon früh mit Handwerk in Berührung kommen, nicht nur theoretisch, sondern praktisch und sichtbar im Schulalltag. Außerdem wurde deutlich, dass Handwerk viel stärker als Karriere- und Unternehmerweg wahrgenommen werden müsste, denn gerade die Möglichkeiten zur beruflichen Selbstständigkeit und Verantwortungsübernahme seien im Handwerk enorm groß. Auch Themen wie Azubi-Wohnen, Azubi-Tickets und die gesellschaftliche Sichtbarkeit von Handwerksberufen spielen eine wichtige Rolle. Dabei wird immer wieder betont, dass Wertschätzung nicht nur politisch beschlossen werden kann, sondern auch gesellschaftlich wachsen muss.
Die Podcast-Folge zeigt, wie eng Fachkräftemangel, Bildungspolitik, Unternehmertum und gesellschaftliche Anerkennung miteinander verbunden sind und warum das Handwerk mehr denn je sichtbar gemacht werden muss.
»Nach fest kommt ab – Der Podcast fürs Handwerk« ist überall dort zu finden, wo es Podcasts gibt.