WHKT-REPORT – AUSGABE 08/2026

Liebe Leserinnen und Leser,

seit dem 12. August 2026 gelten neue Regeln für Verpackungen. Grundlage dafür ist die europäische Verpackungsverordnung (PPWR), ergänzt durch das Verpackungsrechtsdurchführungsgesetz. Eine Herausforderung ist die Neuordnung der Rollen und Verantwortlichkeiten. Betroffen sind Erzeuger und Hersteller. Ob Firmenlogo oder gelegentlicher Versand ins Ausland: Belastungen entstehen leider einmal mehr vor allem für kleine Betriebe, für solche, die Aktivitäten nur in geringem Umfang entfalten, sowie für solche, die Unikate oder Kleinserien fertigen. Das kommt nicht von ungefähr. WHKT und HANDWERK.NRW haben bereits im März 2023 kritisiert, dass ein angemessener KMU-Test in der Folgenabschätzung zum Verordnungsentwurf fehlt, obwohl die Herausforderungen für kleine Betriebe auf der Hand lagen. Auch das aktive Lobbying des ZDH und anderer Beteiligter konnte diesen grundlegenden Mangel im Gesetzgebungsprozess nicht ausreichend korrigieren.

Jetzt gilt es erstens, Betriebe in der Umsetzung zu unterstützen, und zweitens, jedenfalls punktuell, Korrekturen zu erwirken. Ein Ansatzpunkt dafür ist das von der Europäischen Kommission angekündigte EU-Kreislaufwirtschaftsgesetz. In dessen Rahmen sollen die Regeln der erweiterten Herstellerverantwortung überarbeitet werden. Erweiterte Herstellerverantwortung bedeutet, dass Hersteller nicht nur für die Produktion und den Verkauf ihrer Produkte verantwortlich sind, sondern auch für deren Rücknahme, Sammlung, Verwertung und Entsorgung am Ende des Lebenszyklus. Mögliche Änderungen im Kreislaufwirtschaftsgesetz könnten vor allem jenen Betrieben helfen, die grenzüberschreitend tätig sind.

Eng mit der erweiterten Herstellerverantwortung verbunden ist das Verpackungsregister. Die Europäische Kommission konsultiert dazu aktuell einen Durchführungsrechtsakt. Unseres Erachtens sollte sie dieses Vorhaben auf Eis legen, bis eine dauerhafte und praktikable Lösung gefunden ist.

Wenn Betriebe wegen der Verpackungsverordnung aufhören, ihre Erzeugnisse in anderen Mitgliedstaaten anzubieten, kann das der EU, deren Wesenskern der Binnenmarkt ist, nicht egal sein. Weitere materielle Änderungen der Verpackungsverordnung, die alle Betriebe betreffen, werden erst in den kommenden Jahren verpflichtend. Hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf, um unangemessene Belastungen für Handwerksbetriebe zu verhindern.

Wir wünschen Ihnen eine gute Lektüre mit unserem WHKT-Report.

Hauptgeschäftsführer Dr. iur. Florian Hartmann | Dr. Jeanine Bucherer

Handwerk als Partner der Klimaanpassung:

Austausch zu Hitzeschutz in Gebäuden und Fachkräftebedarf mit NRW-Arbeits- und Gesundheitsminister Laumann

Foto: MAGS NRW

Auf Einladung von Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, und Staatssekretär Matthias Heidmeier erörterten am 25. August 2026 Vertreterinnen und Vertreter des Handwerks und des MAGS in Düsseldorf die Herausforderungen des Hitzeschutzes in Gebäuden und somit der Klimaanpassung. Im Mittelpunkt des Austauschs standen die Lösungsmöglichkeiten der verschiedenen Handwerke sowie Fragen der Fachkräftesicherung für mehr Kapazitäten in entsprechenden Handwerken. 

Die zunehmende Zahl von Hitzeperioden stellt Gebäude, Infrastrukturen und ihre Nutzerinnen und Nutzer vor neue Anforderungen. Das Handwerk ist bei der Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen ein zentraler Akteur. Zahlreiche Gewerke leisten bereits heute wichtige Beiträge, etwa durch Maßnahmen an der Gebäudehülle, Verschattungslösungen, moderne Fenster- und Verglasungstechnik, energieeffiziente Kühl- und Lüftungssysteme sowie Dach- und Fassadenbegrünungen.

Im Gespräch wurden gleichermaßen die personellen Voraussetzungen für eine wirksame Klimaanpassung thematisiert. Angesichts steigender Anforderungen kommt der Aus- und Weiterbildung in den betroffenen Handwerksberufen eine besondere Bedeutung zu. Gleichzeitig stehen viele Betriebe vor der Herausforderung, offene Ausbildungs- und Fachkräftestellen zu besetzen und die vorhandenen Kapazitäten weiter auszubauen.

Der WHKT, UVH NRW und Handwerk.NRW brachten die Erfahrungen und Einschätzungen des nordrhein-westfälischen Handwerks in die Diskussion ein. Deutlich wurde die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit von Politik und Handwerk, um den Hitzeschutz in Nordrhein-Westfalen wirksam voranzubringen und die notwendigen Fachkräftekapazitäten langfristig zu sichern.

WHKT-Präsident Schröder erläutert die Entwicklung im WDR:

Das Handwerk begeistert wieder mehr junge Menschen

Das Handwerk gewinnt wieder an Anziehungskraft für junge Menschen. In der Sendung »Neugier genügt« von WDR 5 wurde dieser Entwicklung jüngst ein ausführlicher Radiobeitrag gewidmet. Im Mittelpunkt stehen die Gründe, warum sich wieder mehr Jugendliche und zunehmend auch Abiturientinnen und Abiturienten für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden.

Als Interviewgast kam der Präsident des WHKT, Berthold Schröder, zu Wort. Er ordnete die aktuellen Entwicklungen ein und erläuterte, weshalb die berufliche Bildung und insbesondere das Handwerk heute hervorragende Perspektiven bieten. Neben sicheren Beschäftigungsmöglichkeiten und guten Karrierewegen spielen dabei auch die vielfältigen Fortbildungsoptionen eine wichtige Rolle, so Präsident Schröder.

Der Beitrag verdeutlicht zugleich, vor welchen Herausforderungen das Handwerk weiterhin steht. Trotz bundesweit steigender Ausbildungszahlen bleiben vielerorts Lehrstellen unbesetzt. Umso wichtiger sind eine hochwertige Berufsorientierung und die gesellschaftliche Anerkennung beruflicher Bildungswege.

Für den WHKT ist das Thema von zentraler Bedeutung. Als Spitzenorganisation der Handwerkskammern in Nordrhein-Westfalen setzt er sich seit Jahren für die Stärkung der beruflichen Bildung, die Sicherung des Fachkräftenachwuchses und die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ein. Der WDR-Beitrag greift damit ein zentrales Anliegen des WHKT auf.

Der Radiobeitrag steht hier zum Nachhören bereit: 
WDR 5: »Handwerk wieder beliebter bei Azubis«

KI-Kompetenzen für alle Auszubildende:

WHKT unterstützt landesweites Angebot AzubiTrain.NRW

Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres 2026 steht allen Auszubildenden in Nordrhein-Westfalen ein neues, landesweites Qualifizierungsangebot zur Verfügung: Über die Plattform AzubiTrain.NRW können sie sich kostenfrei grundlegende Kompetenzen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz aneignen. Damit wird ein Anliegen aufgegriffen, das der WHKT bereits im Vorwort des letzten WHKT-Reports hervorgehoben hat: KI-Grundkompetenzen werden künftig für alle Berufe und Arbeitsbereiche von Bedeutung sein.

Der digitale Lernpfad umfasst acht Module mit einer Lernzeit von rund 110 Minuten. Vermittelt werden unter anderem Grundlagen der Künstlichen Intelligenz, Generative KI, der Einsatz von Chatbots, Prompting sowie Fragen zu Datenschutz, Urheberrecht, Cybersicherheit und ethischen Aspekten. Ergänzt wird das Angebot durch Live-Sessions und interaktive Übungen, die den Transfer in den Ausbildungsalltag unterstützen.

Ziel des Angebots ist, junge Menschen frühzeitig dazu zu befähigen, KI-Technologien zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und verantwortungsvoll einzusetzen. Wie auf der Plattform betont wird, entwickelt sich der kompetente Umgang mit KI zunehmend zu einer Schlüsselqualifikation für Beschäftigte aller Branchen. Zugleich sollen Auszubildende zu aktiven Mitgestaltern des technologischen Wandels werden. Für das Handwerk eröffnet die Plattform die Chance, digitale Kompetenzen systematisch in die Ausbildung zu integrieren. Der WHKT unterstützt die Verbreitung des Angebots und empfiehlt Ausbildungsbetrieben, ihre Auszubildenden auf die kostenfreie Lernmöglichkeit aufmerksam zu machen.

Alle Innungen, Kreishandwerkerschaften, Verbände und Kammern sollten nun in ihren Medien in Richtung Handwerksbetriebe und Auszubildende auf diese Plattform verweisen. Informationen und Registrierung: AzubiTrain.NRW.

Das Angebot »AzubiTrain – Deine Zukunft mit KI« ist ein Teil der KI-Skilling-Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen. Es wird professionell vom Förderverein für Jugend und Sozialarbeit e. V. aus Berlin mit Unterstützung von Microsoft Deutschland realisiert. Das für die Umsetzungsplanung verantwortliche Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen hatte den WHKT frühzeitig eingebunden, um Inhalt, Pilotphase und Verbreitung gemeinsam zu beraten.

Alltagskompetenzen in Schule vermitteln:

Schulministerium NRW weitet »Fit for Life« auf das ganze Land aus

Nach einer erfolgreichen Pilotphase im Regierungsbezirk Münster startet das Programm »Fit for Life – mehr Lebenswissen in Schule« nun landesweit. 

Schulministerin Dorothee Feller und die Bildungsinitiative LifeTeachUs haben dazu ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Ziel ist es, Schulen einfacher mit Expertinnen und Experten aus Unternehmen, Handwerksbetrieben, Verwaltungen, Vereinen und weiteren gesellschaftlichen Bereichen zu vernetzen. Über die digitale Plattform von LifeTeachUs können Schulen künftig landesweit sogenannte »LifeTeacher« für Unterricht, Projekttage oder besondere Lernangebote gewinnen. Die Fachleute vermitteln praxisnahes Wissen zu Themen wie Berufsorientierung, Digitalisierung, finanzielle Bildung, Gesundheit, Demokratie oder Nachhaltigkeit. Nach Angaben des Landes sind in Nordrhein-Westfalen bereits rund 5.400 Expertinnen und Experten registriert, bundesweit umfasst das Netzwerk mehr als 20.000 Personen.

Das Programm greift einen Wunsch vieler Schülerinnen und Schüler auf, stärker auf den Alltag und das Berufsleben vorbereitet zu werden. Gleichzeitig eröffnet es Unternehmen und Einrichtungen die Möglichkeit, junge Menschen frühzeitig mit unterschiedlichen Berufs- und Lebenswegen und Praxistipps vertraut zu machen.

Dazu WHKT-Präsident Berthold Schröder: »„Fit for Life“ ist ein wichtiger Schritt, um Schule stärker an den Anforderungen des Lebens auszurichten. Dazu gehört nicht nur Wissen aus Schulbüchern, sondern auch die Fähigkeit, den Alltag selbstbewusst und eigenständig zu meistern. Viel zu lange wurde angenommen, dass Alltagskompetenzen wie Finanzbildung, praktische Fertigkeiten, Verbraucherschutz, Umgang mit Konflikten und die eigene Gesundheitsvorsorge automatisch in Familie und Freizeit erlernt werden. Mit der landesweiten Einführung von »Fit for Life« kommt mehr Praxis in die Schulen und mehr Selbstständigkeit in den Alltag junger Menschen. Genau das brauchen die kommenden Generationen. Wir unterstützen das Vorhaben als Handwerksorganisation aus voller Überzeugung.«

Die Handwerkskammer Münster hatte gemeinsam mit dem WHKT die Pilotphase im Regierungsbezirk Münster begleitet. Der WHKT hatte bereits mit seinen sieben Handwerkskammern auf der WHKT-Vollversammlung im März 2026 eine Kooperationsvereinbarung mit dem Herausgeber der App LifeTeachUs geschlossen. 

Der WHKT begrüßt Initiativen, die die Zusammenarbeit von Schulen und Praxis stärken. Gerade das Handwerk kann mit seinen vielfältigen Ausbildungs- und Karrierewegen auch wichtige Impulse für die Berufliche Orientierung aus erster Hand bieten. Die stärkere Einbindung von Handwerkerinnen und Handwerkern als Praxisexpertinnen und -experten unterstützt zudem das gemeinsame Ziel, junge Menschen frühzeitig für berufliche Perspektiven zu sensibilisieren und den Übergang von Schule in Ausbildung zu erleichtern.

DesignTalente Handwerk NRW 2026:

Die Nominierten des Wettbewerbs 2026 stehen fest

Die Jury des Landeswettbewerbs »DesignTalente Handwerk NRW« 2026 hat ihre Auswahl getroffen: Insgesamt werden 51 Ausstellungsstücke in der diesjährigen Ausstellung präsentiert. Die nominierten Arbeiten zeigen die Vielfalt, Kreativität und gestalterische Qualität des handwerklichen Nachwuchses in Nordrhein-Westfalen. Unter www.designtalente-handwerk-nrw.de sind alle ausgewählten Objekte sowie die Gestalterinnen und Gestalter dahinter zu finden.

Aus den eingereichten Wettbewerbsbeiträgen wählte die Jury nicht nur die Arbeiten für die Ausstellung aus, sondern bestimmte auch die Preisträgerinnen und Preisträger in den einzelnen Themenbereichen. Wer zu den Siegerinnen und Siegern gehört, wird erst im Rahmen der Preisverleihung bekannt gegeben. Die Auszeichnungen sind mit einem Preisgeld von jeweils 3.000 Euro dotiert.

Die Ausstellung »DesignTalente Handwerk NRW« ist vom 10. bis 24. Oktober 2026 in der Handwerkskammer zu Köln zu sehen. Am Eröffnungstag, dem 10. Oktober, ist die Ausstellung ab 14:00 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Anschließend gelten die regulären Öffnungszeiten: montags bis freitags von 10:00 bis 18:00 Uhr und samstags von 10:00 bis 16:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Der Wettbewerb steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Hendrik Wüst, wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert und vom Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) durchgeführt.

RegionalForum Siegen-Wittgenstein:

Betriebliches Mobilitätsmanagement zukunftsfähig gestalten

Wie können Handwerksbetriebe ihre betriebliche Mobilität effizient und bedarfsgerecht gestalten? Gerade im ländlichen Raum stehen Betriebe dabei vor besonderen Herausforderungen – etwa bei Arbeitswegen, der Erreichbarkeit von Betriebsstandorten und der Gewinnung von Fachkräften.

Das RegionalForum Siegen-Wittgenstein informiert über aktuelle Entwicklungen und konkrete Ansätze im betrieblichen Mobilitätsmanagement (BMM). Die Veranstaltung bietet praxisnahe Impulse und Gelegenheit zum Austausch darüber, wie Mobilität im eigenen Betrieb kosteneffizient und zukunftsfähig gestaltet werden kann.

Wann: 16. September 2026, 14:00 – 17:00 Uhr
Wo: IHK Siegen, Koblenzer Straße 121, 57072 Siegen
Teilnahme: kostenfrei
Programminformationen & Anmeldung: https://events.ihk-siegen.de/veranstaltungen/1396/ 

Organisiert wird die Veranstaltung vom RegionalForum Siegen-Wittgenstein, mit Beteiligung der Handwerkskammer Südwestfalen und Unterstützung des MobilityHub Handwerk Nordrhein-Westfalen.

Der MobilityHub Handwerk Nordrhein-Westfalen unterstützt Handwerksbetriebe dabei, ihre betriebliche Mobilität effizient, bedarfsgerecht und zukunftsfähig zu gestalten. Gemeinsam mit regionalen Partnern bringt er praxisnahe Ansätze und Erfahrungen zum betrieblichen Mobilitätsmanagement (BMM) in die Betriebe.