ONLINE LESEN > | PDF-DOWNLOAD >
Konjunkturbarometer Nr. 95 – 01/2026:
Ohne Aufbruch: NRW-Handwerk zwischen robuster Lage und fehlender Dynamik
Ergebnisse der Frühjahrsumfrage 2026 der nordrhein-westfälischen Handwerkskammern
Im Frühjahr 2026 steht das nordrhein-westfälische Handwerk weiterhin unter erheblichem konjunkturellem Druck. Zugleich fehlt es seit geraumer Zeit an wirtschaftlicher Dynamik. Die Entwicklung ist geprägt von Stagnation – mit zunehmenden strukturellen Risiken für Investitionen, Beschäftigung und Fachkräftesicherung. Aus Sicht des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT) ist diese Entwicklung ein klares Signal für dringenden wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf.
Viele Betriebe verfügen weiterhin über eine solide Substanz, sehen sich jedoch mit zunehmend belastenden Rahmenbedingungen konfrontiert: hohe Energie- und Arbeitskosten, steigende Sozialabgaben, wachsende bürokratische Anforderungen sowie anhaltende Unsicherheiten bei zentralen politischen Vorhaben.
Diese Entwicklung steht im Einklang mit der gesamtwirtschaftlichen Lage in Nordrhein-Westfalen. Analysen des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zeigen eine weitgehend stagnierende Wirtschaftsleistung. Auch bundesweit beschreibt der aktuelle Konjunkturbericht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks eine vergleichbare Tendenz einer stabilen, aber weitgehend stagnierenden Entwicklung im Handwerk.
Besonders kritisch ist, dass sich die Stagnation zunehmend verfestigt. Zentrale Indikatoren wie Umsatz, Beschäftigung und Investitionen bleiben unter der Wachstumsschwelle, während Auslastung und Auftragsreichweite weiter sinken. Die Planungssicherheit der Betriebe nimmt ab – mit spürbaren Folgen für Investitionen, Innovationen und Beschäftigung.
Vor diesem Hintergrund kommt aktuellen politischen Initiativen eine zentrale Bedeutung zu. Das von der NRW-Landesregierung angekündigte Entlastungs- und Modernisierungspaket setzt dabei wichtige Impulse – insbesondere bei Planungsbeschleunigung, Verwaltungsmodernisierung und Verfahrensvereinfachung. Entscheidend wird nun sein, dass diese Ansätze konsequent mittelstandsfreundlich umgesetzt und spürbar im Betriebsalltag wirksam werden.
Nordrhein-Westfalen braucht jetzt eine wirtschaftspolitische Kurskorrektur: mehr Verlässlichkeit, mehr Investitionsanreize und spürbare Entlastungen. Das Handwerk ist ein zentraler Pfeiler für Beschäftigung, Ausbildung und regionale Wertschöpfung in Nordrhein-Westfalen. Seine Leistungsfähigkeit zu sichern und zu stärken, ist eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Die Lage ist stabil, aber angespannt – und gerade deshalb braucht es jetzt entschlossene, verlässliche und wachstumsfördernde Entscheidungen, um neue Perspektiven zu eröffnen und das Vertrauen der Betriebe nachhaltig zu stärken. In Nordrhein-Westfalen wurde ein Anfang gemacht; jetzt muss auch der Bund nachziehen mit den dringend benötigten Maßnahmen für Wachstum und Beschäftigung.
Wir danken den 5.882 Handwerksbetrieben aus über 40 Gewerken, die sich an der Konjunkturumfrage der sieben nordrhein-westfälischen Handwerkskammern beteiligt haben. Ihre Rückmeldungen ermöglichen eine fundierte und differenzierte Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage und bilden die Grundlage für dieses Konjunkturbarometer.
Berthold Schröder, WHKT-Präsident
Dr. iur. Florian Hartmann, WHKT-Hauptgeschäftsführer
Das aktuelle Konjunkturbarometer können Sie hier als PDF herunterladen > oder hier online lesen >.