Konjunkturbarometer Nr. 82 – 02/2019: Weiter gute Lage, aber vorsichtigere Erwartungen im NRW-Handwerk

Ergebnisse der Herbstumfrage 2019 der nordrhein-westfälischen Handwerkskammern

Viel war in den letzten Monaten von einer konjunkturellen Abkühlung die Rede. Auch das nordrheinwestfälische Handwerk ist davon inzwischen betroffen. Zwar fielen in der aktuellen Herbstumfrage der nordrhein-westfälischen Handwerkskammern die Lageeinschätzungen weiterhin ausgesprochen positiv aus, aber die Erwartungen an die weitere Entwicklung gingen bei den Betrieben etwas zurück. So sinkt der Geschäftsklimaindex insgesamt von 138 auf weiterhin sehr gute 131 Punkte ab.

Es sind eigentlich keine konjunkturellen Gründe, sondern primär politische Rahmenbedingungen, die auf bestimmten Märkten für Verunsicherung sorgen: handelspolitische Risiken und politische Leitentscheidungen zur Energieversorgung ebenso wie die Verunsicherung über mögliche Fahrverbote und Nachrüstungsmöglichkeiten für Diesel-Fahrzeuge oder die Unklarheit über klimapolitische Förderinstrumente und technologische Vorgaben für Energieversorgung und Gebäudesanierung. Hier wird gerade mittelständischen Betrieben viel zugemutet, ohne dass es an anderer Stelle spürbare Entlastungen gäbe.

Die immer noch sehr gute wirtschaftliche Situation verschärft den Fachkräfteengpass in den Betrieben. Hierfür brauchen wir von der Politik mehr Rückenwind. Gerade für die Ausbildung im Handwerk und für die vielen Betriebe, die sich in diesem Feld so verantwortungsvoll engagieren. Die Gleichstellung von Studium und Ausbildung steht deswegen jetzt auf der Agenda ganz oben.

Wichtig bleibt, dass die Landesregierung eine konsequente Mittelstandsstrategie verfolgt. In der ersten Hälfte der Wahlperiode hat sie aus Sicht des Handwerks einige gute Entscheidungen auf den Weg gebracht: den Bürokratieabbau über die »Entfesselungspakete «, die Agenda zur Stärkung der beruflichen Bildung und den Modernisierungspakt für die handwerklichen Bildungsstätten oder die Einführung des landesweiten Azubi-Tickets. Für die zweite »Halbzeit« hat das Handwerk noch einige Erwartungen an das, was die Landesregierung noch anpacken sollte: eine Entlastung bei der unverständlich hohen Grunderwerbsteuer, die Nutzung einer landeseigenen Option für eine bürokratiearme Grundsteuer, eine stärkere mittelstandspolitische Ausrichtung der langfristigen Strategien zur Energieversorgung oder zur Zukunftsfähigkeit der Region Ruhr und des Rheinischen Reviers. Nordrhein-Westfalen laboriert seit langem an einem zu großen Zutrauen in große Strukturen von Industrie und öffentlicher Hand und sollte sich grundsätzlich mehr auf die unternehmerische Kraft mittelständischer Strukturen und auf die berufliche Bildung besinnen.

Wir danken den insgesamt 5.242 Betrieben, die sich landesweit an der Umfrage beteiligt haben. Jede Antwort hat dazu beigetragen, ein differenziertes und aussagekräftiges Bild von der wirtschaftlichen Lage des Handwerks zu zeichnen.

Hans Hund, WHKT-Präsident
Matthias Heidmeier, WHKT-Hauptgeschäftsführer


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