Jurybericht

Zum Wettbewerb »DesignTalente Handwerk NRW 2018« gingen insgesamt 64 Bewerbungen ein. Davon entsprachen 59 den Wettbewerbsbedingungen und konnten zugelassen werden. Der Jury lagen dann insgesamt 102 Arbeiten zur Entscheidung vor.

Rückfragen der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Anmeldevorgang oder weiteren Einzelheiten der Teilnahmebedingungen gab es nur vereinzelt. Das zeigt, dass sich die Internetseite des Wettbewerbs »DesignTalente Handwerk NRW« mit den dort hinterlegten Anmeldeformularen etabliert hat. Ebenso wurde die eigens für den Wettbewerb erstellte App für Android und iOS gut angenommen.

Die Unterteilung in sechs Themenbereiche (MÖBEL, SKULPTUREN, SCHMUCK, KLEIDUNG, MEDIEN und WOHNEN) wurde in diesem Wettbewerbsjahr zum zweiten Mal vorgenommen.

Erfreulich hoch war beim diesjährigen Wettbewerb der Anteil der Arbeiten aus den Themenbereichen MÖBEL und WOHNEN.

Die eingereichten Arbeiten zeigten erneut, dass das Schaffen gestalterisch hochwertiger, kreativer sowie kundenorientierter Lösungen und Designprodukte in allen Werkbereichen die besondere Bedeutung dieses Wettbewerbs ausmacht.

Durch die direkte Förderung der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer können deren Werke neue Impulse für das Handwerk geben und zugleich der Öffentlichkeit die Vielseitigkeit, Innovationskraft sowie das gestalterische Können des Handwerks präsentieren.

Die Jury setzte sich wie folgt zusammen:


Prof. Martin Klein-Wiele
Tischlergeselle, Professor an der Peter Behrens School of Arts/HSD Düsseldorf

 
Rupert Franzen
Kostümbildner und Objektkünstler

Hauke Schmidt
selbstständiger Tischlermeister, Werkdozent und Objektkünstler

 
Klemens Kordt
selbstständiger Dipl.-Fotodesigner für Stills, Werbe- und Industriefotografie


Katrin Brusius
selbstständige Goldschmiedin, Mitglied der Angewandten Kunst Köln und im Forum für Schmuck und Design

 
Mi Ja Rheu-Ellinghoven

Dipl.-Designerin



Verlauf der Jurysitzung

Der Wettbewerb fand in diesem Jahr wieder in den Themenbereichen MÖBEL, SKULPTUREN, SCHMUCK, KLEIDUNG, MEDIEN und WOHNEN statt. Wie schon in den vorangegangenen Wettbewerben war grundsätzlich ein Preis pro Themenbereich zuzüglich eines möglichen Sonderpreises vorgesehen.

In von der Fachjury zu begründenden Fällen können in einzelnen Themenbereichen maximal zwei Preise vergeben werden, soweit einzelne Themenbereiche nicht vertreten sind oder preiswürdige Arbeiten aus einzelnen Themenbereichen nicht hervorgegangen sind.

Den Themenbereichen konnte die Jury die nachfolgende Anzahl von Arbeiten zuordnen:

MÖBEL 37
SKULPTUREN 7
SCHMUCK 9
KLEIDUNG                             8
MEDIEN                8
WOHNEN                          33

 

Die Arbeiten der Preisträgerinnen und Preisträger sowie eine Übersicht der Wettbewerbsbeiträge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich für die Ausstellung qualifiziert haben, sind in diesem Katalog aufgenommen. 

Die Jury entschied sich, in zwei Durchgängen sämtliche Arbeiten eines Themenbereichs zu sichten, zu besprechen und, soweit möglich, schon direkt über die Frage der Aufnahme in die Ausstellung zu entscheiden. Aus dem Kreis der Ausstellungsteilnehmer/innen sollten dann in einem weiteren Durchgang die Preisträger/innen ermittelt werden.

Im ersten Durchgang wurden 49 Arbeiten sofort für die Ausstellung empfohlen. Die letzten 5 Wettbewerbsarbeiten konnten, nach kontroverser Diskussion, erst im dritten Durchgang ermittelt werden.

Bei der Beurteilung der handwerklich und gestalterisch hochwertigen Arbeiten fanden neben den Aspekten Kreativität, Ästhetik, Design und Innovation insbesondere die Qualität, Funktionalität, die verwendeten Materialien und die Verhältnismäßigkeit der eingesetzten Mittel Berücksichtigung.

Bei den Wettbewerbsbeiträgen, die das Votum der Jury für eine Aufnahme in die Ausstellung nicht fanden, war es häufig einer der letztgenannten Gesichtspunkte, der in der Arbeit nicht ausreichend berücksichtigt war.

Gewürdigt wurden Arbeiten, in denen Idee, Funktion, Formensprache, Material, Ästhetik sowie die Qualität der Ausführung zu einem überzeugenden Ganzen entwickelt waren.

Insgesamt wurden 55 Arbeiten zur Ausstellung zugelassen. Die eingereichten Wettbewerbsarbeiten hatten ein hohes Niveau und eine hohe Qualität. Die Jury konnte insgesamt eine Wettbewerbsarbeit weniger in die Ausstellung aufnehmen als im Wettbewerb 2016.

Die von der Jury ausgezeichneten Arbeiten erfüllten die genannten Voraussetzungen hervorragend und zeichneten sich im Einzelnen zusätzlich durch die Eigenständigkeit der Idee aus. Insgesamt wurden von der Jury 7 Arbeiten mit einem Preis in Höhe von jeweils 3.000 EUR ausgezeichnet:

1 Arbeit im Themenbereich MÖBEL
1 Arbeit im Themenbereich SKULPTUREN
1 Arbeit im Themenbereich SCHMUCK
1 Arbeit im Themenbereich KLEIDUNG
1 Arbeit im Themenbereich MEDIEN
1 Arbeit im Themenbereich WOHNEN
1 Arbeit als Sonderpreis im Themenbereich WOHNEN

Die Themenbereiche

MÖBEL

Der Themenbereich MÖBEL war in diesem Wettbewerbsjahr am stärksten vertreten. Es wurden insgesamt 37 Arbeiten eingereicht. 22 Projekte schafften es in die Ausstellung. Eine Arbeit überzeugte die Jury ganz besonders und erhielt somit einen Preis in diesem Themenbereich.

Den Preis erhielt Clara Simon für ihren Sitzhocker aus Ahorn. Seine elegante Gestalt erhält der Hocker durch gekonnt gesetzte Einschnitte in den Seitenflächen, welche durch das Einsetzen feiner Holzleisten aufgefächert werden. Die gewählte Formgebung verleiht dem Hocker einen hohen funktionalen Wert. Das Spiel mit der Spannung des Holzes, der geringe Materialeinsatz, die exzellente handwerkliche Ausführung und die hohe Eigenständigkeit begeisterte die Jury.

 

SKULPTUREN

Der Themenbereich SKULPTUREN war mit nur 7 eingereichten Wettbewerbsarbeiten relativ schwach vertreten. Gleichwohl konnten von der Jury hiervon doch insgesamt 4 Wettbewerbsarbeiten zur Ausstellung zugelassen werden. Zudem wurde von der Jury in diesem Themenbereich ein Preis vergeben.

Bei der ausgezeichneten Skulptur von Philipp Wolf handelt es sich um zwei Winkel aus Stahl, die mit ihren Öffnungen einander zugewandt, aber nicht verbunden aufgestellt sind. An ihren oberen Enden machen sie den 90-Grad-Winkel auf, biegen sich weg und wieder einander zu. Man sieht die Spannung, mit der beide Teile aufeinander wirken, wie sie sich gegenseitig wegschieben und anziehen. Überdies sind ihre Flächen unbearbeitet, roh und mit Flugrost versehen, die Kanten hingegen hochfein poliert und spiegelglänzend. Diese beiden Stücke leblosen Materials werden ein Paar, und sie verhalten sich wie ein Paar, wie ein menschliches Paar.

Alles Ringen um Gemeinschaft, Individualität, Verschmelzung und Selbstbehauptung ist in ihnen abzulesen, und der Kraft, die diese Skulptur ausstrahlt, kann man sich daher nicht entziehen. Hier ist das Metall Fleisch geworden. Ein würdiger Preisträger.


SCHMUCK

Im Themenbereich SCHMUCK wurden 9 Wettbewerbsarbeiten eingereicht und von der Jury 4 zur Ausstellung zugelassen. Die Jury konnte auch in diesem Themenbereich einen Preis vergeben.

Bei den von Anna Katharina Wunderlich eingereichten Anhängern »Fadenspiel« aus Silber, Bergkristall und Faden verbindet letzterer im wahrsten Sinne des Wortes die Silberrahmen so miteinander, dass die Steine gehalten werden. Gleichzeitig ist er Kette und sowohl Verzierung als auch funktionales Element. Die klaren, präzise gearbeiteten geometrischen Formen im Zusammenspiel mit den farbigen Fäden überzeugen durch ihre ungewöhnliche Verbindung. Das Faden- und Farbenspiel bereichert die schlichte Formensprache mit Lebendigkeit und Leichtigkeit.


KLEIDUNG

Im Themenbereich KLEIDUNG wurden insgesamt 8 Arbeiten eingereicht. 5 Arbeiten wurden zur Ausstellung zugelassen und die Jury konnte in diesem Themenbereich einen Preis vergeben.

Hugo Duina hat mit »EMERSION« eine textile Raumbekleidung geschaffen. Aus einem Gewebe herausgelöste Fäden legen die Leinwandbindung frei, und es entsteht eine im Raum schwebende Zeichnung. Die Färbung mit blauer Tinte erinnert an Indigo; ihre subtilen Nuancen verleihen der Arbeit malerische Anmutung und bewegte Lebendigkeit. Eine überzeugende Arbeit: Das experimentelle Wagnis der Dekonstruktion führt zu einem Bild puristisch poetischer Kraft.


MEDIEN

Im Themenbereich MEDIEN wurden ebenfalls 8 Wettbewerbsarbeiten eingereicht und 4 Arbeiten zur Ausstellung zugelassen. Ein Preis konnte in diesem Themenbereich von der Jury vergeben werden.   

Die Jury entschied sich für die Arbeit von Theresa Wedemeyer. Die konzeptionelle klare Struktur der Interpretation von Rainer Maria Rilkes 12-versigem Gedicht »Der Panther« in 12 handgebundenen Heften – präsentiert in einer Buchkapsel – überzeugte die Mehrheit der Juroren.

Die sinnbildliche Umsetzung des Textes in minimalistische Strichätzungen, der Einsatz von haptisch und optisch sinnlichem Material sowie die Verbindung der handwerklichen Traditionen des Drucks und der Buchbinderei ergeben eine inhaltlich wie formal überzeugende Komposition. Ein Moment des Innehaltens im Fluss des digitalen Zeitalters.


WOHNEN

Der Themenbereich WOHNEN war in diesem Wettbewerbsjahr mit 33 eingereichten Wettbewerbsarbeiten am zweitstärksten vertreten. Insgesamt konnten von der Jury 16 Wettbewerbsarbeiten zur Ausstellung zugelassen werden. 2 Wettbewerbsarbeiten haben die Jury besonders überzeugt, sodass in diesem Themenbereich ein Preis und ein Sonderpreis vergeben werden konnte.

Pia Kampstein erhielt den Preis für ihr Regal aus Corian. Corian ist ein mineralischer Werkstoff. Dieses optisch fugenlose Material ermöglicht kreative und innovative Gestaltungen. Fotografisch dargestellt ergibt sich aus der runden, weißen Gürtelform durch Biegung ein ovales, weiches, schalenförmiges Regal. Hier werden freie gestalterische Gedanken verwirklicht.

Die durchdachte ovale Form auf der Wand wird als Regal umfunktioniert. Dadurch entsteht der Eindruck der Leichtigkeit, von unbeschränkter Gestaltungsfreiheit, Individualität und Spannung.

Die Arbeit überzeugt auf Grund ihrer spielerischen, ungewöhnlich irritierender Materialität bei einer gleichzeitig gut gelungenen Materialfügung, der Umwandlung von Grundform zu einer experimentalistischen Umgebung.

 

Sonderpreis

Den Sonderpreis erhielt Wladimir Rommel für seinen Schuhanzieher »Selli«. Der Schuhanzieher ist inspiriert von einer aus der Staude herausgelösten Selleriestange. Hier gilt: »function follows form« anstatt »form follows function«. Wladimir Rommel schnitzt per Hand aus Ahorn einen vermeintlich banalen Gebrauchsgegenstand; und es entsteht eine in Biegung und Wölbung spannungsreich ausbalancierte Skulptur, die gleichermaßen in Funktionalität und hoher ästhetischer Qualität überzeugt.