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Richtiger Biss

Julia Kleine-Ruse, Betriebswirtin des Handwerks, im elterlichen Handwerksbetrieb im münsterländischen Gronau tätig, Vorstandsmitglied im »Verein der Betriebswirte des Handwerks« bei der Handwerkskammer Münster

Zahnärztin war mal kurzfristig ein Berufswunsch, …

… doch dann entschied sich Julia Kleine-Ruse doch für eine kaufmännische Ausbildung und den Einstieg in den elterlichen Handwerksbetrieb im münsterländischen Gronau. Die Firma ist im Bereich Sanitär-Heizung-Klima aktiv und hat sich durch individuelle Badgestaltung einen Namen weit über die Region hinaus gemacht. Den richtigen «Biss« braucht sie auch als junge Unternehmerin - und den hat die junge Frau auf jeden Fall. Das lässt sich beim Gespräch schnell erkennen und es ist positiv gemeint.

Nach der Ausbildung war Weiterbildung angesagt:

Bürofachwirtin in Teilzeit, dann Betriebswirtin des Handwerks in Vollzeit. Diese Qualifikation war der Start in die ehrenamtliche Tätigkeit. Julia Kleine-Ruse wurde Mitglied im »Verein der Betriebswirte des Handwerks« bei der Handwerkskammer Münster und bei der nächsten Mitgliederversammlung in den Vorstand gewählt. Dort ist sie zuständig für Öffentlichkeitsarbeit »und für so manche Dinge, die damit auch zu tun haben,« sagt sie schmunzelnd. 200 Mitglieder aus unterschiedlichen Branchen gehören zum Betriebswirte-Verein bei der Handwerkskammer Münster. Erfahrungen sammeln, miteinander ins Gespräch kommen, an Seminaren teilnehmen – das ist Kern der Zusammenkünfte. »Man kann tolle neue Kontakte knüpfen,« sagt Julia Kleine-Ruse. Voraussetzung sei natürlich, dass man sich in das Geschehen einbringe. Und die Vorstandsarbeit sei nicht mal eben nebenbei zu erledigen, sondern durchaus »mit einigen Stunden Arbeit« verbunden.

Warum engagiert sich eine 26 Jahre junge Frau, …

… die ihre Karriere im Betrieb vor Augen hat, auch ehrenamtlich? »Ehrenamt ist im weitesten Sinn Einsatz für unsere Gesellschaft,« davon ist Julia Kleine-Ruse fest überzeugt. So könne sie zum Beispiel ein bisschen dazu beitragen, die Betriebswirte des Handwerks bekannt zu machen und damit auch die Bedeutung des Handwerks insgesamt – für die Ausbildung, für die Schaffung von Arbeitsplätzen, als Wirtschaftsmacht.

Ehrenamtlicher Einsatz sei auf ganz unterschiedlichen Ebenen möglich – …

»… und er ist notwendig, ob im Sportverein, im sozialen Bereich, in der Politik.« Beispiele gibt es reichlich. Ganz wichtig aus ihrer Sicht: Ehrenamtliches Engagement sollte mehr gefördert werden. Damit meint die junge Frau keine finanzielle Förderung, sondern mehr gesellschaftliche Anerkennung für alle, die sich für die Gesellschaft einsetzen. Das könne auch im Betrieb beginnen.

In der Firma Kleine-Ruse ist ein Teil der etwa 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ganz unterschiedlichen Bereichen ehrenamtlich – und damit in der Freizeit – unterwegs: zum Beispiel in der Feuerwehr, im Technischen Hilfswerk, in der Kommunalpolitik und in der Kirche. Und wenn es dann mal notwendig ist, dass die Arbeitszeit wegen des Ehrenamts flexibel sein muss, dann findet sich ein Weg. »Wir können nicht nur sagen, dass wir uns über ehrenamtliche Betätigung unserer Leute freuen, wir stehen voll dahinter,« sagt die Junior-Chefin. Und sie nennt dafür gern ein Beispiel. Ein junger Mann, der gerade mit der Ausbildung begonnen hatte, brauchte bereits kurze Zeit später Urlaub, um in der kirchlichen Jugendarbeit eine Fahrt durchführen zu können, die er verantwortlich organisiert hatte. Das wurde ermöglicht.

»Ausbildung,« sagt Julia Kleine-Ruse, »ist auch so soziale Verantwortung.« Und: »Das motiviert auch dazu, sich im Berufsleben einzusetzen.«

 

Produktionsdatum: 11/2017 | Text: Hubertus Kost | Foto: Hubertus Kost