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Lebensraum gestalten

Egon Schladoth, Tischlermeister aus Brilon leitet den handwerklichen Familienbetrieb und seit 4 Jahren Obermeister der Tischler-Innung Hochsauerland

»Lassen Sie uns gemeinsam Ihren Lebensraum gestalten!«

Mit dieser Aussage wirbt die Tischlerei Schladoth im Internet für ihre Leistungen. Da stecken zwei Begriffe drin, die Egon Schladoth auch gern in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit verwendet und die ihn immer wieder herausfordern: »Gemeinsam« und »Gestalten«. Der Tischlermeister aus Brilon leitet den handwerklichen Familienbetrieb in der vierten Generation und ist seit 4 Jahren Obermeister der Tischler-Innung Hochsauerland. »Nicht von Anfang an aus Begeisterung,« so gibt er ehrlich zu, aber er wurde auch nicht gedrängt und wollte die Gemeinschaft weiter festigen, als sein Vorgänger für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung stand. Zwei Zahlen verdeutlichen anschaulich, was damit gemeint ist: Etwa 100 Betriebe gehören zur Innung, zu den Innungsversammlungen kommen etwa ein Drittel der Mitglieder. Und dabei geht es dann um aktuelle Themen wie zum Beispiel Marketing und Datensicherheit.

»Keiner kommt mehr wegen Schnitzel und Bier,«

sagt der Obermeister. Wer in dieser oft sehr schnelllebigen Zeit in der Innung mitmache, der möchte einen Mehrwert haben: Durch Informationen, durch Gespräche, durch gemeinsame Teilnahme an Veranstaltungen. »Und das müssen wir noch mehr und immer wieder bekannt machen,« betont Schladoth. Die Innung als Dienstleister, als eine Keimzelle der Handwerksorganisation. »Die Leistungen, die eine Innung ihren Mitgliedern anbietet, werden eigentlich zu wenig in Anspruch genommen.«

Als Beispiel nennt Egon Schladoth die Ausbildung. »Bei der Sicherung des handwerklichen Berufsnachwuchses sind die Betriebe vor Ort gefragt.« Der Innungsobermeister setzt verstärkt auf gemeinsame Werbung um Lehrlinge. Auch die Sicherung des Fachkräftebedarfs sei längst ein Thema für Innungen.

Lehrlinge und Fachkräfte – hier verbinden sich die Begriffe »Gemeinsam« und »Gestalten«. Und was die Gemeinsamkeit und auch die Gestaltung betrifft, da sieht der Unternehmer zum Beispiel auch die Aufgabe der handwerklichen Fachverbände und verweist auf erfolgreiche gemeinsame Aktionen seines Fachverbandes »Tischler NRW«.

Ein weiteres Stichwort: die Struktur der Handwerksorganisation.

Die Gliederung sei einerseits eine Stärke des Handwerks, denn sie unterstreiche auf allen Ebenen das Engagement des Ehrenamts. Andererseits erschwere die organisatorische Vielfalt ein einheitliches Bild des Handwerks in der Öffentlichkeit. Kaum ein Kunde wisse, was eine Innung, eine Kreishandwerkerschaft oder eine Handwerkskammer sei. Kunden interessierten sich dafür auch nicht, sondern für die Leistungen des Handwerks. Und deshalb müssten die Leistungen besser dargestellt und hervorgehoben werden. Ein Beispiel dafür sei die Imagekampagne. »Gemeinsam« ist dabei wieder das Thema.

Was bedeutet ehrenamtliche Arbeit aus der Sicht des Innungsobermeisters?

Zusammenarbeit mit anderen und – was sich daraus ergibt – auch Arbeit für andere. Natürlich müsse dafür Zeit eingesetzt werden. Und deshalb solle keiner ein Ehrenamt annehmen, wenn er dazu gedrängt werde, so nach dem Motto »Du kannst das doch mal machen.« Man müsse Freude daran haben, sich ehrenamtlich zu engagieren. Dann könne man auch etwas gestalten. Am besten gemeinsam.

 

Produktionsdatum: 11/2017 | Text: Hubertus Kost | Foto: WHKT