Skip to main content

Ein Hörgerät. Eine Spende. Für Indien.

Marcus Brungs, selbstständiger Hörgeräte­akustikermeister, Ehrenamt: Über den Verein MedicalAid India e.V. hilft Marcus Brungs Menschen mit Hörschwäche in Indien

Marcus Brungs, selbstständiger Hörgeräte­akustikermeister aus Kreuztal und Siegen, Ehrenamt: Über den Verein MedicalAid India e.V. hilft Marcus Brungs Menschen mit Hörschwäche in Indien. Ausgediente Hörgeräte werden in Deutschland über Spendenaufrufe gesammelt, funktionsfähig aufbereitet und dann in Indien individuell durch Marcus Brungs angepasst.

»Engagement zu bündeln, heißt, intensiver helfen zu können.«

Marcus Brungs

Indien

Marcus Brungs: »Mit 1,3 Milliarden Einwohnern gehört Indien zu den Schwellenländern der Erde. Ein funktionierendes Gesundheitssystem gibt es praktisch nicht. Eine medizinische Versorgung bleibt denen vorbehalten, die sie sich leisten können. Das Gesundheitssystem ist weitgehend in privater Hand. Es ist das Geld, welches über die Art und die Qualität medizinischer Versorgung entscheidet. Ein Notstand, den ein immenser Ärztemangel zusätzlich verstärkt.

Indien besitzt das am weitesten privatisierte Gesundheitssystem. Der Großteil der Bevölkerung ist daher auf Behandlungen angewiesen, die spendenfinanziert sind und weitgehend von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern übernommen werden. Meist handelt es sich um eher dürftig ausgestattete medizinische Anlaufstellen. Verschlimmert wird diese Situation durch bedenkliche hygienische Bedingungen. Vor allem in den Slums der Großstädte sind die Verhältnisse aus europäischer Sicht katastrophal. Hinzu kommt ein blühender Markt mit gefälschten Medikamenten, mit verheerenden Folgen für die Patienten. Besonders für Kinder und Jugendliche dramatisch. Wenn diese körperlich eingeschränkt sind und aufgrund einer Hörschwäche beispielsweise kaum sprechen können, haben sie kaum eine echte Lebensperspektive. In der Schule nicht und beim Einstieg in den Beruf erst recht nicht. Was ihnen bleibt, sind einfachste Helferjobs unter schwierigsten bis bedenklichen Bedingungen.«

MedicalAid India e.V.

»Der Verein MedicalAid India e.V. unterstützt mit dem Hörgeräteprojekt vor allem Kinder und Jugendliche in der Kleinstadt Penukonda, Südindien. Vorsitzende des Vereins ist Frau Dr. Wagener aus Krefeld, HNO-Ärztin. Im letzten Jahr wurde ich auf ihr Engagement und den Verein aufmerksam. Und da ich bereits 2010 über ein ähnliches Projekt Hörgeräte gesammelt und diese nach Indien gebracht habe, war ich froh, Gleichgesinnte zu treffen. Ohne ein funktionierendes Netzwerk und einen zuverlässigen Partner vor Ort, lässt sich nach meiner Erfahrung echte Hilfe nur bedingt bewältigen. Man braucht mehr als zwei Hände, um tatsächlich etwas zu bewegen. Engagement zu bündeln, heißt für mich, wesentlich intensiver helfen und unterstützen zu können.«

Konzept

»Unser Ansatz ist einfach. Über den Verein MedicalAid India e.V. und die angeschlossenen Partner, Zulieferer und Unterstützer, rufen wir in Deutschland dazu auf, ausgediente Hörgeräte zu spenden. Diese werden von Privatleuten, von Ärzten oder auch von Hörgeräteakustikern an die Vereinsadresse nach Krefeld geschickt oder auch direkt hier zu mir nach Kreuztal. Da es sich um ausrangierte Geräte handelt, die einige Jahre alt sind, sind sie für die Besitzer meist wertlos. Zudem ist die digitale Entwicklung in unserer Branche so rasant, dass Altgeräte kaum mehr zum Einsatz kommen und in irgendwelchen Schubladen vergessen werden. In Indien lässt sich hiermit allerdings eine Menge Gutes tun. Die meisten älteren Geräte sind zwar einfach von der Technik, können aber trotzdem schnell und genau angepasst werden.  Das ist notwendig, um möglichst zuverlässig zu helfen.

Die Hörgeräte, die wir auf diesem Wege gespendet bekommen, werden von uns gereinigt, gewartet und repariert. Auch defekte Geräte sind daher für uns interessant. Und wenn eine Reparatur nicht möglich ist, sind sie als Ersatzteile brauchbar. Der Rest wird ökologisch sicher entsorgt.«

Vor Ort

»Anfang 2017 war ich mit einer HNO-Ärztin und einem Allgemeinmediziner in Indien. Es wurden 450 Patienten untersucht. Wir hatten 360 Hörgeräte im Gepäck. Alle haben einen Menschen glücklich gemacht und dafür gesorgt, dass sie oder er wieder aktiv am Leben teilhaben kann.

In Penukonda ist die Situation so, dass unser Partner, das Medical Center, eine Art Krankenstation, zuvor bereits mit den Patienten Termine für unser Kommen vereinbart. Diese werden dann zunächst von meinen Kollegen HNO-ärztlich und medizinisch untersucht. Wenn deren Diagnose dann so aussieht, dass sich mit einem Hörgerät etwas erreichen lässt, nehme ich die individuelle Anpassung eines geeigneten Gerätes vor. Nach einem abschließenden Hörtest und einer Einweisung in die Nutzung des Geräts, ist unser Einsatz beendet. Meist sitzen uns dann strahlende Gesichter gegenüber.«

Nachhaltigkeit

»Zur Zeit bereiten wir den nächsten Einsatz in Penukonda vor. Am wichtigsten ist, dass wir rechtzeitig genügend Hörgeräte gespendet bekommen, um sie warten und gegebenenfalls reparieren zu können. Einige haben wir bereits. Ich hoffe, dass es noch sehr viele mehr werden. Wir freuen uns jedenfalls über jedes einzelne und sehen in jedem Hörgerät ein glückliches Gesicht.«

Ehrenamt

»Für mich am wichtigsten ist, dass man selbst aktiv wird, dass man Verantwortung übernimmt und gemeinsam dafür sorgt, Missstände zu beseitigen – vor der Haustür, aber auch in Schwellenländern wie Indien.

Wie sehr mich die Zeit in Indien prägt, merke ich daran, dass ich von der einen Woche in Penukonda so viel erzähle, als ob ich mehrere Monate weg gewesen wäre. Mehr noch als die Kultur und die Landschaft beeindrucken mich dabei die Menschen. Und genau für diese hoffe ich, dass wir noch viele Male dort hinreisen werden und helfen können. Abhängig ist dies vor allem davon, genügend Hörgeräte zu bekommen. Eine Spende, die direkt beim Menschen ankommt und jedem einzelnen eine neue Lebensqualität bietet.«

Ehrenamt sind …

»… Menschen, die Menschen helfen.«

Ein Ziel

»Das Medical Camp in Penukonda auszubauen, um dadurch Menschen zu helfen, die diese Hilfe dringend brauchen und mehr als verdient haben.«

Ein Wunsch

»Hörgerätespenden.«

Hier bin ich auch gerne

»Bei meiner Familie und auf dem Rücken meines Pferdes.«

 

Hörgeräte spenden an: www.medicalaid-india.org oder an www.hoergeraete-brungs.de

In der Mediathek des WDR ist ein Fernsehbeitrag über das Engagement des Herrn Brungs unter dem Titel »Hörgeräte für Indien« zu sehen.

 

Produktionsdatum: 11/2017 | Foto: WHKT