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Macher mit Meinung

Hans Peter Wollseifer, Maler- und Lackierermeister, seit 2014 Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks

Hans Peter Wollseifer, Maler- und Lackierermeister, 1976 Übernahme des elterlichen Betriebs in Hürth. Danach Gründung weiterer Unternehmen, darunter eine Facility Management Gesellschaft und ein Einzelunternehmen im Handwerk, seit 1986 Vorstandsmitglied in der Maler- und Lackierer-Innung Rhein-Erft, seit 1987 Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft Rhein-Erft, 1992–1995 stv. Kreishandwerksmeister, 1995–2000 Vizepräsident der Handwerkskammer zu Köln, 2000–2010 Kreishandwerksmeister, seit 2010 Präsident der Handwerkskammer zu Köln, seit 2014 Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks

»Rund 40.000 Handwerkerinnen und Handwerker engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich. Sieht das nach Krise aus? Ich bin sehr dankbar für alle Betriebsinhaber, Meister und Gesellen, die sich einbringen.«

Hans Peter Wollseifer

Herr Wollseifer, steckt das Ehrenamt in der Krise?

Hans Peter Wollseifer: »Deutschlandweit engagieren sich rund 40.000 Handwerker ehrenamtlich in den Prüfungsausschüssen für die berufliche Aus- und Weiterbildung – sieht das nach Krise aus? Ich bin sehr dankbar für die vielen Betriebsinhaber, Meister und Gesellen, die ein Ehrenamt wahrnehmen, egal ob im Prüfungsausschuss, im Innungsvorstand oder in den IKK- und Kammergremien.«

Aber junge Handwerker lassen sich nicht gerne in die Pflicht nehmen?

»Ehrenamt ist keine Frage des Alters. In den vergangenen Monaten hatten wir in der Zeitung unserer Handwerkskammer einen 73-jährigen Glasmalermeister vorgestellt, dessen Mitarbeit im Gesellenprüfungsausschuss weiterhin gebraucht wird, weil es in diesem seltenen Beruf nur wenige Nachwuchskräfte gibt. In dieser Reihe von Unternehmensportraits ist auch ein 23-jähriger Installateur- und Heizungsbaumeister vertreten, der gemeinsam mit seinem Vater ein Unternehmen mit 15 Mitarbeitern leitet und sich sowohl in der Kommunalpolitik als auch im Meisterprüfungsausschuss engagiert. Richtig ist allerdings, dass es schwieriger geworden ist, jüngere Meisterinnen und Meister zur Mitarbeit zu gewinnen.«

Sind die Handwerksorganisationen nicht attraktiv genug für die jüngere Generation?

»Die Innungs- und Kammerarbeit hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt und sieht sich auf der Höhe der Zeit. Allerdings merken wir, dass es schwer ist, tradierte Rollenbilder aufzubrechen und das moderne Selbstverständnis des Handwerks in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern. Daher setzen wir verstärkt auf den Einsatz sozialer Medien und spannender Aktionstage, wie den jährlichen »Tag des Handwerks« im September. So wollen wir mehr junge Köpfe erreichen: Natürlich einerseits, um sie von den Vorzügen eines Handwerksberufs zu überzeugen. Aber auch um deutlich zu machen, dass Macher mit eigener Meinung im Handwerk willkommen sind. Anschließend geht es dann darum, ihnen die Tür zur operativen Arbeit im Ehrenamt zu öffnen.«

Wie schafft es Ihre Handwerkskammer, auf jüngere Unter­nehmer zuzugehen?

»Wir haben vor einigen Jahren den »Businessclub Handwerksjunioren« ins Leben gerufen, der Betriebsinhabern und Führungskräften bis 40 Jahren ein attraktives Programm bietet. Die Veranstaltungen sind auf diese Zielgruppe zugeschnitten, am Jahresempfang nahmen mehr als 200 Besucher teil.«

Was macht Kammerpräsident Wollseifer, wenn das Ehrenamt mal Pause hat?

»Dann kommt die Familie an erster Stelle. Ich bin glücklich verheiratet, habe zwei erwachsene Kinder. Um fit zu bleiben, ziehe ich regelmäßig meine Bahnen im Schwimmbad. Und wenn dann noch Zeit ist, dann sitze ich auf dem Motorradsattel und genieße die Kurven in der Eifel oder im Bergischen.«

 

Produktionsdatum: 11/2017 | Interview: Handwerkskammer zu Köln | Foto: ZDH