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Das Wissen geteilt

Heike Kaszub, Fachabitur, Malermeisterin, selbstständig, Dozentin an der Meisterschule, Ehrenamt u.a. Mitglied des Meisterprüfungsausschusses im Maler- und Lackiererhandwerk bei der HWK Dortmund

Heike Kaszub, Fachabitur, Malermeisterin, selbstständig, Dozentin an der Meisterschule, Ehefrau und Mutter einer Tochter, Familienmensch, Campingliebhaberin; Ehrenamt: Mitglied des Meisterprüfungsausschusses im Maler- und Lackiererhandwerk bei der Handwerkskammer Dortmund, Vorstandsmitglied und Schatzmeisterin im Deutschen Campingclub Landesverband Südwestfalen, Vertreterin der Elternpflegschaft und Mitglied in der Schulpflegschaft

»Weil Ehrenamt glücklich macht.«

Heike Kaszub

Der Weg

Heike Kaszub: »Mit 20 habe ich mich entschieden eine Ausbildung zu machen. Obwohl mir viele davon abrieten, weil der Maler- und Lackierer-Beruf ja nichts für Mädchen sei. Ich habe mich zum Glück trotzdem dafür entschieden und auf Anhieb einen Ausbildungsbetrieb gefunden.

Um beruflich weiterzukommen, besuchte ich nach einigen Gesellenjahren 2012 dann die Meisterschule in Dortmund. Mit dem Meisterbrief in der Tasche gründete ich 2013 meinen Ein-Frau-Betrieb. Hauptgrund: Ich wollte zeitlich flexibler sein, mich mehr um meine Familie kümmern. Und da meine Kunden hauptsächlich Privatleute sind, lässt sich das gut vereinbaren und ich kann die Termine so abstimmen, dass es passt. Ein weiterer Bonus ist, dass mein Mann auch Maler und Lackierer ist und mich unterstützt, wenn die Aufträge mal wieder größer werden als im Vorfeld besprochen.«

Erfolgsrezept

»Ein perfektes ‘Wie-werde-ich-ein-erfolgreicher-Maler-Rezept‘ ha­be ich nicht. Dadurch, dass ich bis heute von meinen Kunden immer weiterempfohlen werde, scheint es allerdings eine gewisse Zufriedenheit mit mir und meiner Arbeit zu geben. Was ich mache, unterscheidet sich schließlich nicht wesentlich von dem, was andere Maler auch machen. Weißer bekomme ich die Wände schließlich nicht.

Der Unterschied liegt vielleicht darin, wie ich mit Kunden kommuniziere und welches Selbstverständnis ich von meiner Arbeit habe. Ich möchte nicht nur eine selbstverständlich gute Leistung abliefern, mir ist es auch wichtig, dass der persönliche Kontakt zu den Kunden stimmt. Höflichkeit und Verlässlichkeit sind hierfür die Grundvoraussetzungen. Nur so kann etwas wie Sympathie und Vertrauen entstehen. Tugenden, auf die vor allem Privatkunden doppelt Wert legen.

Vielleicht liegt ja gerade hier der Grund dafür, dass mich so viele Frauen beauftragen. Sie legen wesentlich mehr Wert darauf, dass es menschlich passt und sie sich gut aufgehoben fühlen. Das jedenfalls höre ich von meinen Kundinnen. Mich macht es zufrieden und zuversichtlich. Vor allem weil es zeigt, dass es neben dem Preis und der Leistung noch mehr gibt.«

Meisterprüferin

»Mein ehemaliger Dozent und Leiter der Meisterschule hatte mich damals angesprochen und gefragt, ob ich nicht im Meisterprüfungsausschuss mitwirken wolle. Auf die Rolle als Prüferin haben mich dann der Schulleiter und der Vorsitzende des Prüfungsausschusses gemeinsam gut vorbereitet. Und trotzdem hat sich mein erster Einsatz angefühlt wie ein Sprung in den Eisbach.

Ich war fürchterlich aufgeregt und fast nervöser als die Prüflinge. Ich hatte Sorge, etwas Falsches zu sagen oder zu machen. Heute ist die Aufregung weg und nur noch die Freude da. Die Freude darauf, junge Menschen zu treffen, die ihren Beruf genauso lieben wie ich. Sie wollen etwas aus sich machen und zeigen, was sie können und wissen. Das macht mich immer wieder glücklich.«

Ablauf

»Die Prüfungen laufen so ab, dass die Meisterschülerinnen und Meisterschüler in den sechs Tagen zuvor ein Meisterprojekt mit verschiedenen, selbstgewählten Techniken auf repräsentativen Mustertafeln vorbereiten und die jeweiligen Arbeitsschritte in einer Dokumentation festhalten. Am siebten Tag präsentieren die Teilnehmenden dem Meisterprüfungsausschuss die fachliche Entstehung und Intention der Arbeit. Auf diese Weise entwickelt sich dann ein Gespräch unter Fachleuten, in dessen Verlauf wir Fragen stellen und uns mit den Prüflingen zum Beispiel über Methoden und Techniken austauschen. Einen festen Fragenkatalog oder so etwas gibt es also nicht. Wir wollen feststellen, ob jemand das Wissen und das Können hat, sein Handwerk als Meister auszuüben. Dabei geht es um Handlungs- und Lösungskompetenzen und darum, ob jemand sich in der beruflichen Praxis als Meister behaupten kann. Hier sehe ich auch einen Hauptgrund dafür, warum Handwerksmeister aus der Betriebspraxis in den Prüfungen dabei sein müssen.«

Verantwortung

»Die ehrenamtliche Verantwortung in den Ausschüssen ist riesig. Wir entscheiden darüber, ob jemand Meisterin oder Meister wird. Die Prüflinge haben schließlich nicht nur viel Zeit und Geld investiert, sondern auch ihr berufliches Fortkommen hängt davon ab. Auf der anderen Seite müssen wir berücksichtigen, dass sich Dritte darauf verlassen, dass der- oder diejenige mit Meistertitel, auch die nötigen Kompetenzen mitbringt. Zum einen sind es die Kunden, die sich auf die Qualität und Seriosität verlassen, zum anderen sind es die Auszubildenden, die darauf vertrauen, über ihren Ausbildungsmeister bestmöglich den Beruf zu erlernen. Nicht zuletzt tragen selbstständige Meisterinnen und Meister in ihren Betrieben viel Verantwortung für ihre Beschäftigten und sorgen in ihrer Region dafür, dass der Mittelstand funktioniert. Wenn wir in den Prüfungsausschüssen also leichtfertig verfahren würden, würde das nicht nur dem Ansehen des Meisters schaden, sondern vor allem der wirtschaftlichen Stabilität. Zudem würde die starke Ausbildungsleistung des Handwerks leiden und damit die duale Ausbildung insgesamt. Daher ist es nicht nur wichtig, dass sich Ehrenamtliche im Handwerk engagieren, sondern auch, dass wir alles dafür tun, leistungsstarke Nachwuchskräfte für die Ausbildungsgänge und das Ehrenamt zu interessieren.«

Motto

»Unser Ausbildungssystem baut darauf, dass in den Betrieben erfahrene Meisterinnen und Meister ihre Zeit in die betriebliche Ausbildung investieren und ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben. Sie vermehren ihr Können und Wissen, indem sie es teilen. Mein Motto lautet daher: Vermittle dein Wissen, mitnehmen kannst du es ohnehin nicht.«

Wichtig

»Familienleben.«

Für das Gleichgewicht

»Nordic Walking und 80er Jahre Musik.«

Leidenschaft

»Camping.«

Ehrenamt

»Als Prüferin habe ich einen neuen Blick auf meinen Beruf erhalten. Eine wertvolle Erfahrung und immer wieder eine Bestätigung – für meinen Beruf und für mich.«

 

Produktionsdatum: 11/2017 | Foto: WHKT