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Zwischen Schützen und Schinken

René Matzner, Abitur, Fleischerausbildung, 2009 Meisterbrief, Juniorchef Fleischerei Matzner, Ehrenamt: Major und 1. Vorsitzender des Neusser Jägerkorps von 1823

René Matzner, Abitur, Fleischerausbildung, 2009 Meisterbrief, Juniorchef in 5. Generation im familieneigenen Betrieb in Neuss und Düsseldorf, Firma: Fleischerei Matzner, Ehrenamt: Major und 1. Vorsitzender des Neusser Jägerkorps von 1823 und damit mitverantwortlich für über 850 Korps-Mitglieder

Das Neusser Bürger-Schützenfest ist das weltweit größte, welches ein Schützenverein alleine organisiert. Jährlich pilgern über eine Million Gäste in die Rheinstadt. Die Gründe: Paraden, Umzüge und festliche Ballveranstaltungen, das Königsschießen und selbstverständlich der Kirmestrubel. Hierfür ist das jeweils letzte Augustwochenende fest geplant, ein Highlight im Stadtkalender.

Dafür sorgen nicht nur die zahlreichen Prominenten aus Wirtschaft und Politik, Kirche und Kultur, sondern gerade die Bürgerinnen und Bürger aus Neuss, der Umgebung und erst recht diejenigen, die von weit her kommen. Zum Schützenfest wird angereist. Man trifft sich, man feiert, freut sich und verabschiedet sich mit den Worten: »Bis nächstes Jahr.« Damit das so bleibt, sorgen knapp 6.000 aktive Mitglieder des Neusser Bürger-Schützen-Vereins e.V. seit 1823 für einen reibungslosen Ablauf. Für den korrekten Takt sind 2.000 Musikerinnen und Musiker im Rahmen des Schützenfestes im Einsatz.

Warum das alles? Der frisch gebackene Major des Jägerkorps und Fleischermeister Matzner ist von Kindesbeinen an dabei. Er kennt das Korpsleben und die Musik, seine Schützen und das Warum.

 

 

»Vereine sind Treffpunkte der Gesellschaft. Hier findet man zueinander.«

René Matzner

Herr Matzner, was heißt Schützenkultur?

René Matzner: »Ursprünglich ging es bei den Schützentreffen um jährliche Wehr- und Schießübungen. Damit sollten die Bürger in die Lage versetzt werden, im Notfall sich und ihre Stadt militärisch zu verteidigen. Einmal jährlich wurden hierfür Übungen auf der Schützenwiese abgehalten. Den damaligen Volksfest- und Gemeinschaftscharakter haben die Schützenvereine in ihre Tradition übernommen. Dazu zählen die Uniformen, die Musik und Teile der Organisationsstruktur. So gibt es bis heute ein Regiment, verschiedene Korps, Züge und Dienstränge, einen Schützenkönig und viele Schützenbrüder. Eine Gemeinschaft, bei der nicht zählt wer man ist oder was man hat, sondern nur, dass man dazugehört und sich gemeinsam einbringt.«

Ihr Dienstrang: Major. Was heißt das?

»Das Neusser Jägerkorps hat insgesamt 850 Mitglieder. Als Major bin ich Mitglied und zugleich Vorsitzender des 9-köpfigen Vorstands. Hier wird alles diskutiert, entschieden und vorbereitet, was das Vereinsleben, das Schützenfest und die Vertretung des Korps nach außen anbetrifft. Den Rang eines Majors habe ich allerdings erst seit kurzem. Für mich ist es eine große Ehre. Ich verbinde viel Vertrauen der Mitglieder damit und viel Verantwortung.«

So bereite ich mich auf das Schützenfest vor:

»Neben vielen anderen Dingen, muss ich Reiten lernen. Der Major des Jägerkorps führt den Zug per Pferde an. Einige Reitstunden hatte ich bereits. Ich muss sagen, ein schönes Hobby. Und ein prima Pferd habe ich auch. Ich freu mich aufs weitere Training.«

Welche Rolle spielt das Ehrenamt im Schützenwesen?

»Das gesamte Schützenwesen ist ehrenamtlich organisiert. Wir alle sind dabei, weil wir die Geselligkeit und die Gemeinschaft schätzen und weil wir Wert darauf legen, dass die Menschen in Neuss zusammenstehen. Jeder soll die Möglichkeit haben, sich zu beteiligen, mitzumachen, Freunde zu finden und Freundschaften zu pflegen. Darin besteht ein wichtiger Wert unserer Schützenkultur und der Kultur des ehrenamtlichen Vereinswesens insgesamt. Gerade in einer Zeit, in der soziale Medien dafür sorgen, dass wir uns immer mehr zurückziehen und isolieren, werden Vereine zu Treffpunkten der Gesellschaft. Hier findet Miteinander statt und unsere Kinder lernen das Füreinander. Ohne Ehrenamt hätten wir also nicht nur kein Neusser Schützenfest, langfristig würden auch Bürgerinnen und Bürger nicht mehr zueinander finden.«

Ehrenamt braucht:

»Junge überzeugte Menschen, die sich gerne auch für die Gemeinschaft stark machen. Menschen, die in Ämter drängen und Orden sammeln, sind weniger nötig.«

Wie passt der Major und der selbstständige Fleischermeister René Matzner zusammen?

»Ich bin seit Kindesbeinen im Schützenverein. Familientradition. Gleiches gilt für unsere Fleischerei. Familientradition. Mit beidem bin ich aufgewachsen. Für mich gehört es zusammen. Ohne den Rückhalt meiner Familie in der Fleischerei und bei mir zu Hause könnte ich das Ehrenamt im Neusser Schützenverein allerdings kaum ausüben. Zum Ehrenamt gehören immer auch die, die es in zweiter Reihe mittragen. Ob nun privat oder beruflich, Ehrenamt ist Mannschaftssport. Auch wenn man immer nur einen kleinen Teil der Mannschaft sieht.«

Ehrenamt …

»… heißt Freunde treffen.«

In Uniform …

»… sind alle gleich. Wir bilden eine Gemeinschaft. Herkunft ist Nebensache.«

Schinken oder Schützenbruderschaft?

»Für mich muss es „und“ heißen.«

 

Produktionsdatum: 11/2017 | Foto: WHKT