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Für Menschen. Für Lösungen. Fürs Ehrenamt.

Berthold Schröder, Zimmerermeister und Gebäudeenergieberater, Inhaber und Geschäftsführer der Firma Georg Schröder Schreinerei und Holzbau GmbH; Ehrenamt: seit 2014 Präsident der Handwerkskammer Dortmund

Berthold Schröder, Zimmerermeister und Gebäudeenergieberater aus Hamm, Inhaber und Geschäftsführer der Firma Georg Schröder Schreinerei und Holzbau GmbH in 3. Generation; Ehrenamt: seit 2004 Aufsichtsratsvorsitzender der Spar- und Darlehnskasse Bockum-Hövel eG | von 1999–2014 stv. Obermeister der Tischler-Innung Hamm | seit 2014 Präsident der Handwerkskammer Dortmund und 2016 Wahl zum Vizepräsidenten auf NRW-Landesebene beim Westdeutschen Handwerkskammertag

»Ehrenamt ist Überzeugungsarbeit.«

Berthold Schröder

Herr Schröder, als Präsident der Handwerkskammer Dortmund und Aufsichtsratsvorsitzender einer genossenschaftlichen Spar- und Darlehnskasse stehen Sie weit oben in der Verantwortung. Wie funktioniert für Sie Erfolg im Ehrenamt?

Berthold Schröder: »Erfolg im Ehrenamt lässt sich nicht an Ämtern festmachen. Wichtig ist, dass man von der Sache überzeugt ist, dass man sich einbringt, Verantwortung übernimmt und gemeinsam mit Gleichgesinnten etwas erreichen möchte. Ob für den Berufsstand des Handwerks, die Mitglieder einer Genossenschaft oder eines Sport-, Kultur-, Musik- oder Bürgervereins, was im Mittelpunkt steht, ist das Unterstützen und Verbessern, die Leidenschaft. Und je länger und intensiver man diese betreibt, umso mehr wächst man an und mit ihr. Genau hier könnte man von Erfolg sprechen.«

Wie hat bei Ihnen das Ehrenamts-Wachstum stattgefunden?

»In der Kirchengemeinde ging es für mich los. Als Jugendgruppe haben wir zum Beispiel Fahrten und Veranstaltungen organisiert. Danach war ich beim Kolpingwerk aktiv, habe zusätzlich 10 Jahre einen Schützenverein geleitet und bin der genossenschaftlichen Spar- und Darlehnskasse beigetreten. Im Handwerk hat für mich alles mit der Übernahme des Betriebes und der Mitgliedschaft bei der Tischler-Innung begonnen.«

Was begeistert Sie am Ehrenamt?

»Die Menschen. Im Ehrenamt besitzen sie eine starke Überzeugung und stehen genau hierfür ein. Sie wollen etwas bewegen, etwas gestalten. Selbst wenn die Meinungen oft unterschiedlich und die Diskussionen heftig sind. Einigkeit besteht darin, dass man sich für die Gemeinschaft einsetzt. Keiner fragt, was habe ich davon oder lohnt es sich für mich überhaupt. Im Handwerk ist genau daraus eine Kommunikationskultur des Miteinanders geworden. Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite stehen im Ehrenamt eng zusammen. Zwar werden wichtige Entscheidungen auch hier kontrovers diskutiert, immer aber geht es sachlich und mit einem freundschaftlichen Respekt füreinander zu. Wichtig ist, allen ist klar, nicht persönlicher Erfolg zählt, sondern die beste Lösung für die Handwerkerinnen und Handwerker insgesamt.«

Beispiel

»In Dortmund ist es uns gelungen, das weit verzweigte Bildungsangebot des Handwerks unter dem Dach der Handwerkskammer zusammenzuführen. Dadurch ist nicht nur die Qualität insgesamt gestiegen, sondern auch die Transparenz für die Handwerkerinnen und Handwerker im Kammerbezirk. Hinzu kommt, dass die zahlreichen Qualifizierungen besser zu koordinieren sind und daher besser aneinander anknüpfen. Eine Lösung, die sehr viel mit der Kultur des Miteinanders im Ehrenamt zu tun hat.«

Zentrale Themen

»Die Sicherung des Fachkräftenachwuchses ist und bleibt eines der Kernthemen im Handwerk. Darum müssen wir uns kümmern, hierfür müssen wir gemeinsam gute Wege finden. Junge Menschen brauchen ein junges Handwerk. Hierzu zählt eine moderne Ausbildung, klare berufliche Perspektiven und ein erstrebenswertes Arbeitsumfeld. Daran müssen wir kontinuierlich arbeiten. Die Technologie, die Gesellschaft, die Menschen, alles ist in Bewegung – ständig. Das Handwerk von heute ist daher auch niemals das von morgen. Damit es allerdings morgen attraktiv für junge Menschen bleibt und weiterhin wirtschaftlich weit vorne zu finden ist, müssen wir heute die passenden Lösungen finden. In diesem Zusammenhang sind Digitalisierung und Handwerk 4.0 wichtige Arbeitsfelder.«

Ohne Ehrenamt

»Ohne Ehrenamt würde es wohl unseren Mittelstand in Deutschland nur bedingt geben. Die inhabergeführten kleinen und mittleren Unternehmen würden kaum ihren Beitrag leisten und Ausbildungsverantwortung übernehmen können. Für einen stabilen Mittelstand brauchen wir ein stabiles Ehrenamt. In den Ausschüssen, Beiräten und Vollversammlungen sorgen wir dafür, dass die enge Bindung zur betrieblichen Praxis Bestand hat. Wenn diese Tradition verloren ginge, würde unser duales Berufsbildungssystem kaum auf dem aktuell hohen Niveau stattfinden können.«

Eine Prognose

»Ich bin vorsichtig zuversichtlich. Auf allen Ebenen setzen sich Handwerkerinnen und Handwerker ehrenamtlich ein. Auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite gibt es eine funktionierende Kultur, den Nachwuchs ans Ehrenamt heranzuführen. Aber auch hier sind engagierte junge Menschen sehr gefragt. Wer also das Ehrenamt in seinem Handwerk kennenlernen möchte, ist herzlich eingeladen, auf die Innungen und Handwerkskammern zuzugehen.«

Meine Musik

»Die Beatles, John Lennon. Großer Künstler mit großer Überzeugung. Auch er hat sich für das eingesetzt, was ihm wichtig war.«

Lesen

»Patricia Highsmith. In ihren Krimis geht es weniger um das Verbrechen an sich, viel wichtiger sind ihr die menschlichen Hintergründe, die dieses ausgelöst haben. Eine ganz andere Art von Spannung.«

Urlaub ist …

»Norderney, Beatles hören, einen Krimi lesen und für meine Familie Frikadellen braten.«

Ein Motto

»Nutze den Tag.«

 

Produktionsdatum: 11/2017 | Foto: WHKT