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Netzwerkerin

Tatjana Lanvermann, Firma Lanvermann, Heizung und Sanitär in Borken, Ehrenamt: seit 1998 bei den Unternehmerfrauen im Handwerk e.V. (UFH)

Tatjana Lanvermann, Ausbildung zur Hauswirtschafterin sowie Groß- und Außenhandelskauffrau und Betriebswirtin im Handwerk, Firma Lanvermann, Heizung und Sanitär in Borken; Ehrenamt: seit 1998 bei den Unternehmerfrauen im Handwerk e.V. (UFH) aktiv und seit sieben Jahren Landesvorsitzende der UFH in NRW

Frau Lanvermann, was ist das Geheimnis Ihres Erfolges? Wie bekommen Sie Ehrenamt, Betrieb und Familie so organisiert, dass am Ende des Tages die Aufgaben erledigt und die Nerven noch beisammen sind?

Tatjana Lanvermann: »Mein Mann und ich führen den Betrieb in zweiter Generation. Er ist für das Technisch-Handwerkliche und ich für das Kaufmännische zuständig. Eine klare Aufgabenverteilung. Jeder hat seinen Platz. Jeder weiß, was wann und wie zu tun oder zu entscheiden ist. Ansonsten geht’s nicht voran. Eher im Gegenteil. Man sorgt für Verunsicherung. Man muss aber auch sagen, dass unser Betrieb so funktioniert wie er funktioniert, weil wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, die qualifiziert sind, die mitdenken, Verantwortung übernehmen und auf die man sich komplett verlassen kann. Darauf sind wir sehr stolz.

Was das Ehrenamt anbetrifft, so bin ich bei den Unternehmerfrauen seit sieben Jahren zwar Vorsitzende für NRW, letztlich aber auch nur ein einfaches Mitglied, wie alle anderen auch. Wie im Betrieb sind wir im Verein gemeinsam dafür verantwortlich, dass es klappt und wir die Interessen aller Frauen in handwerklichen Führungspositionen gut vertreten. Der Zusammenhalt ist hier unsere Stärke.
Wenn Betriebe und Ehrenamt zusammenstehen, ist es leicht, Verantwortung zu übernehmen. Von nervlicher Belastung kann dann keine Rede sein.

Die Unternehmerfrauen im Handwerk e.V. (UFH) sind bundesweit organisiert. Ihr Ziel ist, all jenen Frauen eine Plattform zu bieten, die gemeinsam mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin ein Unternehmen führen oder aber in leitender Position Verantwortung übernehmen. Deutschlandweit hat der Verein 6.500 Mitgliederinnen, 850 davon in NRW.«

Die UFH

»Unsere Mitgliederinnen können an verschiedensten Weiterbildungen teilnehmen. Es geht um Betriebs- und Personalführung, um Marketing, um die Umsetzung gesetzlicher Rahmenbedingungen, aber auch um Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um Stressbewältigung oder Gesundheitsförderung. Wir verstehen uns aber auch als Sprachrohr für die Interessen der Unternehmerfrauen im Handwerk gegenüber der Wirtschaft, der Politik und der Gesellschaft. Wir organisieren runde Tische, laden Vertretungen von Wirtschaftsverbänden ein oder diskutieren mit der Politik, wie die Leistungen von Unternehmerfrauen sichtbarer werden und die nötige Anerkennung erhalten. Eine weitere Facette unserer Arbeit ist der Erfahrungsaustausch. Insbesondere jüngere Mitgliederinnen profitieren davon, dass sie im persönlichen Gespräch mit anderen Mitgliederinnen Tipps für sehr alltägliche Dinge im Unternehmen bekommen. Letzteres erfordert viel Vertrauen untereinander und eine Menge gegenseitigen Respekt. Zwei Dinge, die ich am Ehrenamt am meisten schätze.«

»Die Qualität des Handwerks ist sein Nachwuchs. Das gilt fürs Ehrenamt gleichermaßen.«

Tatjana Lanvermann

Erlebnisse

»Besondere Momente gibt es einige. Für mich ist es immer besonders, wenn erfahrenere Unternehmerfrauen durch ihre Kontakte und viele Jahre Berufspraxis gerade jüngeren Mitgliederinnen sehr konkret helfen können. Kompetenzen werden weitergereicht und Wissen geteilt. Davon profitieren alle. Ganz unkompliziert und nicht nur auf irgendwelchen offiziellen Veranstaltungen. Wir telefonieren, mailen oder helfen uns per WhatsApp. Ein beruhigendes Gefühl. Wie Frauen eben in solchen Dingen sind – sehr pragmatisch.«

Momente

»Wenn es um einen einzelnen besonderen Moment geht, so war es für mich sicherlich der Auftritt als UFH-Vorsitzende bei der Enquetekommission des Handwerks im NRW-Landtag. Ich war aufgeregt ohne Ende. Hier haben wir aber an vorderster Stelle das einbringen können, was gerade Unternehmerfrauen wichtig ist. Ein Beispiel ist die Absicherung des Betriebes, wenn dieser von beiden Partnern gemeinsam geleitet wird und einer kurzfristig ausfällt. Eine Situation, die Existenzen bedroht. Arbeits- und Ausbildungsplätze gehen verloren. Gerade kleinere Handwerksbetriebe brauchen in diesen Fällen Unterstützung und schnelle praktische Lösungen.«

Zukunft

»Die beiden zentralen Punkte für mich sind Netzwerkarbeit und Nachwuchsförderung. Bei der Netzwerkarbeit müssen wir als UFH noch sehr viel intensiver als bisher die gesamte Landschaft an Initiativen und Projekten zusammenbringen, die das Thema ‚Frauen als Führungskräfte’ behandeln. Hier findet nach wie vor zu viel nebeneinander statt. In der Nachwuchsförderung gilt es, junge Unternehmerfrauen anzusprechen, zu interessieren und sie für die UFH und das Ehrenamt zu begeistern. Die Qualität des Handwerks ist letztlich sein Nachwuchs. Das gilt fürs Ehrenamt erst recht. Es ist von Menschen für Menschen da. Und dabei fragt niemand: Was habe ich persönlich davon? Ein wichtiger Wert, den es so nicht nur im Handwerk, sondern in der Gesellschaft insgesamt zu erhalten gilt. Ansonsten würde kein Sport, keine Kultur und kein Miteinander funktionieren.«

Lieblingszeit

»Nordsee.«

Lieblingsausgleich

»Yoga.«

Lieblingsplatz

»Garten.«

 

Produktionsdatum: 11/2017 | Foto: WHKT