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Gisela Kohl-Vogel, seit 1997 gemeinsam mit ihrer Schwester, ihrem Ehemann und ihrem Schwager Geschäftsführerin und Mitgesellschafterin der Firma KOHL automobile GmbH in Aachen, in 2. Generation, Ehrenamt: Vizepräsidentin und Mitglied des Handelsausschusses für die Region der IHK Aachen, Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe Aachen e.V.

Unternehmerin. Überzeugerin. Unterstützerin.

Gisela Kohl-Vogel, Geschäftsführerin und Mitgesellschafterin der Firma KOHL automobile GmbH in Aachen, ihr Ehrenamt: Vizepräsidentin und Mitglied des Handelsausschusses für die Region der IHK Aachen, Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe Aachen e.V.

Frau Kohl-Vogel, wie kam es dazu, dass Sie sich als Unternehmerin ehrenamtlich in der IHK engagieren? Warum dieses Engagement?

Gisela Kohl-Vogel: »Gestartet bin ich im Juniorenkreis der IHK Aachen. Vor etwa vier Jahren wurde ich dann gefragt, ob ich nicht zur Wahl in die Vollversammlung der IHK antreten wolle. Kurz danach stand ich dann auf der Wahlliste zur Vizepräsidentin und wurde Mitglied des Präsidiums der IHK Aachen. Eine große Ehre für mich. Viel Verantwortung kam auch hinzu. Warum ich diese gerne übernehme? Weil gerade wir regionale und mittelständische Unternehmen von der Region profitieren. Bei den Fachkräften und Kunden angefangen, über die Infrastruktur, bis hin zu den Netzwerken und kommunalen Strukturen, wir Unternehmen sind fester Bestandteil einer Region und sollten uns daher für die Region auch einsetzen. Es kann nur richtig sein, wenn Selbstständige ihre Zugänge und Netzwerke dafür nutzen, sich außerhalb ihres Betriebs für ihr Umfeld – ihre Heimat – einzusetzen. Davon profitieren alle. Die Lebensqualität steigt. Dies wäre ohne den ehrenamtlichen Einsatz aller Helfer und Unterstützer, Begleiter und Trainer nicht möglich. Uns würde viel an gesellschaftlichem Zusammenhalt fehlen. Ob im Sport, in der Wirtschaft, der Kultur oder der Bildung, das Ehrenamt übernimmt Verantwortung, vereint und stiftet Identität. Es prägt den Charakter einer Gesellschaft in der jeweiligen Region.«

Als Geschäftsführerin der Firma Kohl oder als Vizepräsidentin der IHK Aachen, in beiden Funktionen haben Sie die Aufgabe, zu vereinen und Entscheidungen zu treffen. Gibt es Unterschiede?

»Unterschiede gibt es. Und die liegen vor allem darin, dass ich als Geschäftsführerin der Firma Kohl die Verantwortung alleine übernehme und mich nur mit meiner Familie abzustimmen habe. Als ehrenamtliche Vizepräsidentin sitze ich mit meinen sechs Vizekolleginnen und -kollegen sowie Herrn Präsident Wirtz zusammen im Präsidium der IHK Aachen. Gemeinsam haben wir zu entscheiden, welchen Vorschlag wir beispielsweise in die Vollversammlung zur Abstimmung geben oder wie wir uns als IHK gegenüber Vorhaben der Kommune positionieren. Die Entscheidungswege in der Kammer sind länger, die Diskussionen sind intensiver, mehr Menschen sind beteiligt. Anfangs musste ich mich sehr daran gewöhnen. Mir ging alles nicht schnell genug. Mittlerweile bin ich aber überzeugt, dass es gut und wichtig ist, in den Gremien der Kammer die Vorhaben von sehr verschiedenen Seiten zu erörtern. Nur so kann es gelingen, für möglichst alle Mitglieder die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen oder Forderungen gegenüber der Politik zu formulieren.«

Haben Sie ein persönliches Grundprinzip, nach dem Sie Ihre Entscheidungen abwägen und treffen? Eine Maxime?

»Mein Vater hat mir in einer wichtigen Phase meines Lebens den Rat gegeben, entscheide mit gesundem Menschenverstand! Daran versuche ich mich stets zu erinnern. Auch wenn es manchmal schwierig ist und viele Beratende anderer Meinung sind. Wenn man mit seiner Vernunft und seiner Erfahrung von etwas überzeugt ist, sollte man sich dafür einsetzen. Nicht immer ganz einfach und bequem schon gar nicht. Wer aber die Auseinandersetzung mit Argumenten scheut, kann nach meiner Auffassung nicht wirklich von seiner Position überzeugt sein. Das gilt fürs Ehrenamt besonders. Gerade hier zählt Überzeugung.«

»Mit anderen für andere – die Lebenshilfe in Aachen.
Eine wichtige Stütze für die Teilhabe.«

Gisela Kohl-Vogel

Warum ist es wichtig, dass das Ehrenamt in der wirtschaftlichen Selbstverwaltung mitwirkt?

»Wir müssen rechtzeitig erkennen, wohin sich unsere Märkte, die Politik und die Verwaltung entwickeln. Nur so sind wir darauf vorbereitet und können rechtzeitig agieren. Für uns als Betrieb heißt das: Wir müssen hinhören! Im Gespräch mit unseren Kunden oder im Austausch mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wer hier als Betrieb nicht aufmerksam ist, entwickelt sich in eine falsche Richtung. In der Folge wandern Fachkräfte ab und wir sind nicht mehr wettbewerbsfähig. Wenn wir aber gut darin sind, sichern wir Arbeitsplätze und Existenzen. Genau diese Sicherheit brauchen wir auch in der wirtschaftlichen Selbstverwaltung. Das Ehrenamt sorgt dafür, dass bei den Kammern genau das ankommt, was uns Betriebe heute und morgen beschäftigt. Das Ehrenamt in den Kammern ist damit ein Stabilisator für die Region.«

Sie setzen sich außerdem für die Lebenshilfe Aachen e.V. ein. Welcher Art ist hier Ihre Unterstützung?

»Ein Motto der Lebenshilfe lautet: Es ist normal, verschieden zu sein! Viele Menschen können allerdings wegen ihrer Verschiedenheit nicht normal leben. Sie brauchen Unterstützung, um beispielsweise arbeiten oder zur Schule gehen zu können. Die Lebenshilfe bietet mit ihren Projekten genau diese Hilfestellung an. Nicht nur finanziell, vor allem auch seelisch ist der Verein damit eine wichtige Stütze für viele Familien. Damit der Verein dies leisten kann, sind wir auf Spendengelder und auf die Mitwirkung von Ehrenamtlichen angewiesen. Den Namen »Kohl Automobile« setze ich hierfür gerne ein. Ich kann Türen öffnen, Unterstützerin sein, andere überzeugen und dafür sorgen, dass die Arbeit der Lebenshilfe die nötige Aufmerksamkeit erhält. Ich bewundere die Menschen, die sich hier mit anderen für andere einsetzen.«

Ein Aufruf für das Engagement im Ehrenamt der Kammer­organisationen

»Wenn einzelne Betriebe ihre Wünsche an die Politik formulieren oder sich damit an die Verwaltungsbehörden wenden, ist dies meist nur bedingt erfolgreich. Wer etwas bewegen möchte, sollte sich mit anderen zusammenschließen und ehrenamtlich in die Gremien und Ausschüsse der Kammern einbringen. Hier werden Meinungen gebündelt und so eingebracht, dass sie gehört und berücksichtigt werden.«

Ich fahre

»Gegenwärtig einen BMW, vorher einen Mini. Ich möchte die Modelle selbst gefahren haben, die wir verkaufen. Prospekte und Präsentationen der Hersteller können noch so gut sein, um ein Gefühl für ein Auto zu bekommen, muss man es selbst fahren. Nur so kann ich auch hier mit Überzeugung beraten.«

Elektroantrieb

»Ein richtiges und zugleich schwieriges Thema. Was wir aktuell mehr brauchen, sind klare Signale aus der Politik, mehr Planungssicherheit – für uns Autohäuser und vor allem für unsere Kunden.«

Ausgleich

»Sport. Fahrrad oder Laufschuhe, Hauptsache draußen und in Bewegung.«

Wichtiger als Betrieb und Ehrenamt

»Die Familie.«

 

Produktionsdatum: 11/2017 | Foto: WHKT