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»Ehrenamt ist Ehrensache für das Handwerk.«

Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks

Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks / Foto: ZDH/Schüring

Die Bedeutung des Ehrenamts im Handwerk wird in Politik und Gesellschaft immer wieder betont. Was macht ehrenamtliches Engagement im Handwerk aus?

Holger Schwannecke: »Deutschland ist Land des Ehrenamts. 25 Millionen Bundesbürger sind ehrenamtlich engagiert. An vorderster Front stehen dabei die Handwerkerinnen und Handwerker: Sie und ihre Betriebe sind tief in Region und sozialem Umfeld verwurzelt. Ehrenamt ist für sie Ehrensache. Sport- und Brauchtumsvereine, Kirchengemeinden, Freiwillige Feuerwehren und THW: Für Handwerker entsteht Ehrenamt vor Ort aus einem Gefühl von Verantwortung und dem Bedürfnis, mitzugestalten. Von Sachleistungen bis zur Vermittlung von Know-how – Handwerk ist mit Ehrenamt untrennbar verbunden.«

Ehrenamt und Hauptamt im Handwerk – Gegensätze ziehen sich an? Oder ist das alles harmonisch? Wo gibt es Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede?

»Das Selbstverwaltungsprinzip des Handwerks ist jahrhundertealt. Es basiert auf ehrenamtlichem Engagement und bindet Betriebsinhaber und Arbeitnehmer gleichermaßen ein. Bei der Weitergabe von Wissen an die nächste Generation und bei der Besetzung der wichtigen Prüfungsausschüsse ist das Know-how der Profis aus der Praxis unverzichtbar. Gleichzeitig müssen die Anliegen unserer Betriebe und ihrer Mitarbeiter an die Politik vermittelt werden: Was ist uns wichtig, welche politischen Rahmenbedingungen braucht ein leistungsstarkes Handwerk? Dafür brauchen wir die Polit-Profis aus dem Hauptamt. Ehrenamt und Hauptamt, das sind zwei Seiten einer Medaille.«

Warum sollten sich Menschen in der Gesellschaft ehrenamtlich engagieren?

»Gesellschaftliches Engagement heißt immer: Ich interessiere mich für mein Umfeld, ich möchte es mitgestalten. Es liegt oft am Einsatz Einzelner, ob ein Fußballfest stattfinden kann oder in welchem baulichen Zustand die Vereinsräume sind. Ohne diese Einzelnen, die zusammen Deutschland zu einem Land des Ehrenamts machen, wäre gerade im Dorf oft „tote Hose“. Insofern liegt es auch an jedem selbst, wie lebenswert er seine Umgebung macht.«

Wenn es das Ehrenamt nicht gäbe, dann …

»… würden wir ein gutes Stück Lebensqualität verlieren. Im Übrigen löst die ehrenamtliche Tätigkeit ein Wohlgefühl auch bei den Aktiven aus: mit anzupacken, Wissen vermitteln zu können, Erfahrungen weiterzugeben. Kurz: gebraucht zu werden. In Deutschland übrigens genauso wie anderswo auf der Welt: Gerade in Afrika sind zahlreiche Handwerkerinnen und Handwerker aus Deutschland tätig – zum Beispiel beim Aufbau von Berufsbildungszentren und der Ausbildung von beruflichen Führungskräften.«

 

Produktionsdatum: 11/2017 | Interview: Hubertus Kost | Fotos: WHKT (wenn nicht anders angegeben)