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WHKT-REPORT 06/2017

Neuanfang für NRW: Koalitionsvertrag ist ausverhandelt

Die Sieger der Landtagswahl vom 14. Mai 2017, CDU und FDP, haben ihren Koalitionsvertrag ausgehandelt. Bis zum heutigen Tag stimmen die Mitglieder der nordrhein-westfälischen FDP online über den Koalitionsvertrag ab, die CDU hat morgen einen kleinen Parteitag.

Festzustellen ist, dass es in der Vergangenheit keinen Koalitionsvertrag gegeben hat, der in derart starkem Maße Bezug auf das Handwerk genommen hat. Auch ein Bekenntnis zu den Handwerkskammern und zum Großen Befähigungsnachweis fehlt nicht.

Eine Vielzahl von Ergebnissen der Enquete-Kommission zur Zukunft von Handwerk und Mittelstand in NRW findet sich wieder und es wird ausdrücklich erklärt, dass sich die Politik für Handwerk und Mittelstand auf den Ergebnissen der Enquete-Kommission und deren Empfehlungen gründen wird.

So ist denn viel Licht zu erkennen, aber auch Schatten ist nicht zu leugnen. Öffentlich-private Partnerschaften zum Bau von Verkehrsinfrastruktur sind vorgesehen, obwohl der Landesrechnungshof gerade das ÖPP-Projekt der letzten schwarz-gelben Landesregierung aus dem Jahr 2006 nach Prüfung als mittelstandsunfreundlich und unwirtschaftlich beurteilt hat.

Auch Hinweise zur Modularisierung von Ausbildungen sieht das Handwerk mit Sorge und hofft, hier bei der konkreten Ausgestaltung noch Kompromisse erzielen zu können.

Doch wie jeder neuen Landesregierung will das nordrhein-westfälische Handwerk auch dieser zunächst die Chance geben, durch konkrete Taten zu beweisen, dass Bekenntnissen zum Handwerk und Mittelstand und Lob für den Meister und das duale Bildungssystem auch konkrete Taten folgen und an diesen wird das Handwerk die Landesregierung dann messen.

Erfolgreich durchgeführt: IQ Partnerforum zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten in NRW am Deutschen Diversity-Tag in Düsseldorf

Im Rahmen des 3. IQ Partnerforums am 30.05.2017 – anlässlich des Deutschen Diversity-Tages – konnten sich über 150 Teilnehmende über die wichtigsten Voraussetzungen und Rahmenbedingungen sowie gelungene Beispiele und innovative Ideen in Bezug auf die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten austauschen.

Veranstaltet wurde das Treffen vom IQ Netzwerk NRW, Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)«. Das inhaltliche Programm ist in enger Kooperation mit den IvAF-Netzwerken NRW (Integration von Asylsuchenden und Flüchtlingen) entstanden. Als Partnerorganisationen des Forums beteiligten sich: Ministerium für Inneres und Kommunales NRW (MIK), Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB), Regionaldirektion in NRW der BA, Kommunale Integrationszentren (KI), Freie Wohlfahrtspflege NRW u.v.a.m.

Die Grußworte und den thematischen Einstieg übernahmen Jürgen Schröder und Nilgün Öksüz vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie Corina Christen von der Charta der Vielfalt. Michaela Padberg, WDR-Journalistin, moderierte die Veranstaltung. In den Impulsvorträgen von Dr. Carola Burkert (IAB) und Prof. Dr. Dietrich Thränhardt ging es, auf Grundlage aktueller Zahlen aus der migrations- und integrationsbezogenen Arbeitsmarktforschung, vor allem um die betriebliche Integration von Geflüchteten. Auf den anschließenden Podien diskutierten die Vertreterinnen und Vertreter von Wissenschaft, Kammern, Arbeitsverwaltung, Politik und Unternehmen entlang der Leitfrage »Braucht Vielfalt ein Handbuch?«. Eine große Herausforderung in diesem Zusammenhang: die Balance zwischen nötiger Bürokratie und flexibler Gestaltungsfreiheit. Iva Krtalic (Beauftragte für Integration und interkulturelle Vielfalt des WDR) und Ekrem Şenol (Chefredakteur des MiGAZIN) sprachen im Talk mit Michaela Padberg über Erfahrungen im journalistischen Alltag und persönliche Eindrücke im Hinblick auf geflüchtete Menschen und deren Chancen am deutschen Arbeitsmarkt.

Der Nachmittag bot in drei praxisorientierten Foren die Möglichkeit des fachlichen Austauschs: 1. Kommunales Integrationsmanagement; 2. Das Gründungspotenzial Geflüchteter erkennen und heben; 3. Geflüchtete, Unternehmen und Beratungsfachkräfte im Spannungsfeld unterschiedlicher Erwartungen.

Mehr Informationen finden Sie unter www.iq-netzwerk-nrw.de, www.netzwerk-iq.de    

Das Förderprogramm »Integration durch Qualifizierung (IQ)« zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Validierungsverfahren für non-formal und informell erworbene Kompetenzen: ValiKom-Website in englischer Sprache verfügbar

Seit Ende Mai ist die Projektwebsite (www.validierungsverfahren.de) auch in englischer Sprache verfügbar. Die Validierung von non-formal und informell erworbenen Kompetenzen ist aktuell europaweit von Bedeutung. Durch die Übersetzung der ValiKom-Website soll der Austausch über nationale und sprachliche Grenzen hinweg erleichtert werden. Es wird ausführlich über Hintergrund und Ziel des Projekts, die Projektpartner, das entwickelte Validierungsverfahren und die aktuelle Erprobungsphase informiert. Auch die Projektbroschüre liegt bereits seit Ende 2016 in englischer Sprache vor.

Während der Erprobungsphase des Validierungsverfahrens wird außerdem auf zahlreichen Veranstaltungen über das Verfahren, erste Erkenntnisse aus der Erprobungsphase und damit einhergehende Zukunftsfragen informiert. Zuletzt wurde das Verfahren Mitte Juni durch Andreas Oehme (WHKT) auf der Bundestagung für die Berufsbildungsreferentinnen und -referenten der Handwerksammern vorgestellt. Auch in Zukunft werden die Projektbeteiligten über das Projekt informieren, um Fragen und Anregungen der Praxis aufzunehmen und in das Projekt zu integrieren.

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt ValiKom sind die Handwerkskammern Dresden, Hannover, München und Oberbayern, Münster sowie die Industrie- und Handelskammern Halle-Dessau, Köln, München und Oberbayern, Stuttgart und das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln (FBH) sowie der WHKT beteiligt. Der WHKT hat die Projektleitung inne.

Weitere Informationen zum Projektvorhaben gibt es auf der Website www.validierungsverfahren.de.

Aktualisierung und Neustart: Überarbeitung des Programms Gebäude-Check Energie

Nach vielen erfolgreichen Jahren und tausenden Checks, die von qualifizierten Handwerkerinnen und Handwerkern durchgeführt wurden, hat die EnergieAgentur.NRW in enger Abstimmung mit den beteiligten Handwerkskammern und Verbänden sowie dem Westdeutschen Handwerkskammertag und der GFWH GmbH den »Gebäude-Check Energie« modernisiert.

Der Check wird gegenwärtig den aktuellen Gegebenheiten im Bereich energetischer Gebäudesanierung angepasst, die Datenerfassung und -auswertung wird modernisiert, die Zugangs- und Förderbedingungen werden überarbeitet sowie die Abrechnungsmodalitäten stark vereinfacht. Wie bisher gilt auch weiterhin, dass das gecheckte Gebäude in Nordrhein-Westfalen stehen muss.

Der neue Gebäude-Check Energie kann voraussichtlich ab Spätsommer 2017 mit Unterstützung durch eine App für mobile Endgeräte mit den Betriebssystemen Android und iOS durchgeführt werden. Sobald der neue Gebäude-Check Energie eingeführt ist, können keine Gebäude-Checks mehr nach dem bisherigen Verfahren abgewickelt werden.

Sowohl Gebäude-Checks als auch Solar-Checks, die nach dem alten Verfahren durchgeführt wurden, können noch bis zum 31.07.2018 zur Abrechnung bei der GFWH GmbH eingereicht werden.

Aufgrund der umfassenden Änderungen an den Rahmenbedingungen ist die Teilnahme an einer Abendschulung für alle Personen, die den neuen Gebäude-Check durchführen möchten, obligatorisch. Weitere Informationen über die aktuellen Rahmenbedingungen, Zugangsvoraussetzungen für Interessentinnen und Interessenten, Schulungstermine u.v.m. werden in Kürze veröffentlicht.

Partnerschaftsprojekt in Tansania: WHKT engagiert sich in der Entwicklungszusammenarbeit

In Zusammenarbeit mit der nationalen Institution für Aus- und Weiterbildung (VETA) startete der WHKT im April dieses Jahres ein Berufsbildunsprojekt in Tansania.

Mit einem Wachstum von jährlich 6 bis 7 Prozent gehört Tansania zu den dynamischsten Märkten in der Region Subsahara Afrika – gleichzeitig ist das Land eines der am wenigsten industrialisierten der Welt. Der wirtschaftliche Schwerpunkt liegt vielmehr auf dem Tourismus, dem Bau- und Transportgewerbe sowie dem Agrarsektor. Letzterer zeichnet sich durch einen hohen Anteil an Subsistenzwirtschaft aus. So werden trotz einer auch hier hohen Wachstumsquote die Chancen zur Entwicklung und Etablierung der Landwirtschaft auf dem Weltmarkt bisher nicht vollständig ausgeschöpft: zumeist werden lediglich Roh­erzeugnisse verkauft, zudem kommt es durch falsche Pflege und Lagerung zu hohen Nachernteverlusten. Hinzu kommt, dass nur etwa 12% der Landwirte Traktoren einsetzen, diese sind außerdem oftmals veraltet und reparaturbedürftig.

Um diesen Tatsachen entgegenzuwirken, hat sich die tansanische Regierung zum Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen für kleinere und mittlere Unternehmen zu verbessern und den Mechanisierungsgrad in der Landwirtschaft zu steigern. Zu diesem Zweck werden VETA und der WHKT in Zusammenarbeit mit weiteren öffentlichen, privaten sowie kirchlichen Trainingseinrichtungen und Unternehmen in den kommenden drei Jahren der ersten Projektphase an ausgewählten Standorten in Tansania den dualen Ausbildungsgang »Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik« einführen sowie durch praxisorientierte Ausbildungsmodule in Nacherntetechnik und Mechanik die Qualifizierung von Mechanikern und Landwirten verbessern.

Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Europa: Änderung der Energiekennzeichnung in Aussicht

Am 13. Juni 2017 hat das Plenum des Europäischen Parlaments den im Trilog erzielten Kompromiss zur Energiekennzeichnungsverordnung angenommen. Rat, Parlament und Kommission hatten sich am 21. März 2017 auf eine gemeinsame Textfassung verständigt. Die Annahme im Rat ist für den 26. Juni zu erwarten. Anschließend folgt die Veröffentlichung im Amtsblatt. Damit ist das Verfahren abgeschlossen. Schon bald könnten also neue Regeln gelten.

Am 15. Juli 2015 hatte die Europäische Kommission einen Vorschlag für eine Verordnung veröffentlicht, der die geltende Energieverbrauchskennzeichnungsrichtlinie ersetzen soll. Der Vorschlag sieht insbesondere vor, die im Zuge der letzten Revision der Energiekennzeichnungsrichtlinie eingeführten Zusatzklassen A+ bis A+++ schrittweise wieder abzuschaffen, die produktspezifische Einstufung regelmäßig anzupassen und eine zentrale, von der Europäischen Kommission betreute Produktdatenbank zu schaffen.

Für das Handwerk barg der Kommissionsvorschlag eine Reihe Fragen. So zum Beispiel: Welche Pflichten haben Handwerker, wenn ein Produkt reskaliert wird? Wie geht man um mit Lagerbeständen? Wie viel Zeit bleibt zum Umetikettieren?

Am Ende des Prozesses ist zu konstatieren, dass zum Beispiel die Abgrenzung der Hersteller- und Händlerpflichten klarer geworden ist und ein Abwälzen von Pflichten auf den Händler schwieriger. Der Hersteller ist verpflichtet, dem Produkt ein korrektes Energielabel und ein Produktinformationsblatt beizufügen und zwar grundsätzlich beides in Papierform. Fehlen Unterlagen und fordert der Händler diese beim Hersteller an, muss Letzterer binnen fünf Tagen gedruckte Dokumente liefern. Der Handwerker ist also nicht – wie ursprünglich angedacht – verpflichtet, sich diese aus dem Internet auszudrucken.

Für das erste Rescaling – also die produktspezifische Anpassung der Energieklassen - sind produktabhängig unterschiedliche Fristen vorgesehen. Für Heizkessel und Warmwasserbereiter, die erst seit relativ kurzer Zeit gelabelt werden, soll die Europäische Kommission acht Jahre nach Inkrafttreten einen Prüfbericht vorlegen. Allgemein sollen Rescalings stattfinden, wenn mindestens 30% der in der EU verkauften Produkte einer Produktgruppe in die Klasse A oder 50% in die Klassen A und B fallen und weitere technologische Entwicklungen zu erwarten sind.

Hat ein Rescaling stattgefunden, sind Hersteller verpflichtet, Händlern ab vier Monate vor dem im delegierten Rechtsakt bezeichneten Zeitpunkt neue Energielabels und Produktinformationsblätter mitzuliefern. Händler sind verpflichtet, binnen 14 Arbeitstagen nach dem im delegierten Rechtsakt bezeichneten Zeitpunkt die Ausstellungsstücke – physisch im Geschäft und online – umzuetikettieren.

Personalia

Veränderungen gibt es zum 01.07.2017 bei der Handwerkskammer Dortmund. Die Aufgabe des stv. Hauptgeschäftsführers übernimmt Diplom-Wirtschaftsingenieur Carsten Harder in Nachfolge von Diplom-Kaufmann Wilhelm Hicking, der zum 30.06.2017 in den Ruhestand tritt. Neu als Geschäftsführerin wurde durch die Vollversammlung Frau Olesja Mouelhi-Ort berufen.

Neuer Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Münster ist Thomas Banasiewicz. Der 50jährige Volkswirt wurde am 22.06. einstimmig durch die Vollversammlung der Handwerkskammer gewählt.

WHKT-Hauptgeschäftsführer Reiner Nolten ist als geschäftsführender Vorstand von Schloss Raesfeld Bildungsstätte des Handwerks e.V. gewählt worden.

Terminvorschau

26.06.2017 | Mainz: WHKT-Hauptgeschäftsführer Reiner Nolten berichtet vor der Vollversammlung der Handwerkskammer Rheinhessen über die Ergebnisse der Enquete-Kommission zur Zukunft von Handwerk und Mittelstand in NRW

04./05.07.2017 | Kammerbezirk Bielefeld: WHKT-Hauptgeschäftsführer-Konferenz

05.07.2017 | Bonn: 20. Aus- und Weiterbildungskongress zum Thema »Von der Schule in den Beruf – Fachkräftesicherung in KMU« – Für einen systemischen Ansatz der Berufsorientierung und der Übergangsgestaltung

13.07.2017 | Dortmund: LGH-Vorstandssitzung 

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