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WHKT-REPORT 07/2017

20. Aus- und Weiterbildungskongress glänzte mit Thema, Referenten und Live-Stream

Themenauswahl und Referenten waren sehr gelungen, so das Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 20. Aus- und Weiterbildungskongress am 5. Juli 2017 in Bonn. Der Kongress mit rund 240 Teilnehmenden griff die Berufsorientierung von Schülerinnen und Schüler auf und den Übergang von der allgemein bildenden Schule über Ausbildung oder Studium in den Beruf.

Die Experten waren sich einig: Es bedarf eines systemischen Ansatzes, um in diesem Themenfeld Schülerinnen und Schüler, besser und effizienter auf das Berufsleben vorbereiten zu können. Die reflektierte Entwicklung der eigenen beruflichen Perspektiven und damit die passenden nächsten Schritte einschließlich Alternativen nach Verlassen der Schule muss flächendeckend zur Kernaufgabe des Bildungssystems werden.

Der vom WHKT durchgeführte Kongress war nach Ankündigung des Themas (Save the Date) ohne Versendung von Einladungen – bereits einen Monat vor dem Termin ausgebucht. Viele Interessenten konnten nicht als Teilnehmende aufgenommen werden.

Deshalb beschlossen die drei Veranstalter Westdeutscher Handwerkskammertag, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)  sowie Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS), dass der Kongress per Live-Stream ins Internet übertragen wird. So konnte jeder auf seinem PC oder mobilem Endgerät, das Youtube-Videos abspielen kann, den Kongress verfolgen. Alleine über die Website www.weiterbildungskongress.de haben mehr als 220 Personen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht. BIBB und MAGS boten den Stream zusätzlich über ihre Websites an. Zugriffe gab es sogar aus Nachbarstaaten (Ostbelgien), wo der Kongress für mehrere Besucher über einen Konferenzraum übertragen wurde.

Auf der Kongresswebsite www.weiterbildungskongress.de sind für erste Eindrücke von der Veranstaltung Fotos eingestellt sowie die Präsentationen zum Download bereit gestellt. In Kürze lassen sich auch die gestreamten Filme ansehen.

Enquete-Kommission: Umsetzungsbarometer des WHKT stößt bei Handwerksorganisationen auf großes Interesse

Mit dem vom WHKT programmierten und herausgegebenen Umsetzungsbarometer zur Enquete-Kommission zu Handwerk und Mittelstand in NRW ist ein Online-Tool entstanden, das auf großes Interesse stößt. Bereits über 30 Handwerksorganisationen haben das Logo beim WHKT angefordert, um von ihrer Seite aus auf das Barometer zu verlinken – Tendenz steigend.

Das Umsetzungsbarometer gibt online den Sachstand der Umsetzung der vom Landtag beschlossenen 171 Handlungsempfehlungen per Farbampel wieder und zeigt momentan eine erste Empfehlung auf »grün« sowie sechs auf »gelb«. 

Auf einstimmigen Beschluss des nordrhein-westfälischen Landtags hatte von 2015 bis 2017 eine Enquete-Kommission »Zukunft für Handwerk und Mittelstand in Nordrhein-Westfalen gestalten – Qualifikation und Fachkräftenachwuchs für Handwerk 4.0 sichern, Chancen der Digitalisierung nutzen, Gründungskultur und Wettbewerbsfähigkeit stärken« – kurz »Zukunft von Handwerk und Mittelstand in NRW« bestanden. Die Kommission hatte ihren Abschlussbericht einstimmig beschlossen und bei Einbringung des Berichts in den Landtag ist auf Antrag aller seinerzeitigen fünf Fraktionen bereits die erste von 171 Handlungsempfehlungen einstimmig durch den Landtag beschlossen worden.

Das Umsetzungsbarometer finden Sie unter der Adresse www.umsetzungsbarometer.de.

Prototyping Transfer: Zwölf Expertenschulungen bundesweit erfolgreich durchgeführt

In Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) erfolgten im Rahmen des Projektes »Prototyping Transfer-Berufsanerkennung mit Qualifikationsanalysen« bundesweit zwölf eintägige Seminare für die an diesem Transferprojekt teilnehmenden Kammern in ihren Transferregionen, in deren Verlauf Fragen zu rechtlichen Grundlagen sowie zur Planung und Durchführung von Qualifikationsanalysen geklärt wurden. Im Zeitraum des ersten und zweiten Quartals 2017 erfolgten die letzten vier Schulungen.

Die Datenerhebung zu den von den Teilnehmenden präferierten Themen und die Organisation der Seminare erfolgte durch den WHKT.

Bezog sich das im ersten Prototyping-Projekt (Laufzeit 08/2011–01/2014) entwickelte Seminarkonzept der ZWH noch primär auf berufsfachliche Expertinnen und Experten aus dem Umfeld der Handwerkskammern, so erfolgte nach den ersten drei Seminaren im Jahr 2015 ab 2016 zunehmend eine Anpassung aufgrund der WHKT-Evaluationen für die Bedarfe der IHKn insofern, dass nun u.a. auch eine regelmäßige Teilnahme der IHK FOSA erfolgte. Die Weiterentwicklung des Konzepts führte 2016 erstmalig auch zur Teilnahme von Anerkennungsberaterinnen und Anerkennungsberatern aus dem IQ-Landesnetzwerk im Saarland.

Großes Interesse rief insbesondere die Möglichkeit in allen zwölf Seminaren hervor, Erfahrungen aus anderen zuständigen Stellen zum Ablauf von Qualifikationsanalysen, ob sie nun in unterschiedlichen oder identischen Referenzqualifikationen durchgeführt worden waren, zu erhalten und im offenen Diskurs auszutauschen.

Infolge der insgesamt positiven Rückmeldungen lässt sich abschließend konstatieren, dass sich die Expertenseminare grundsätzlich bewährt und dazu beigetragen haben, das Instrument Qualifikationsanalyse und seine Durchführung transparenter und in der Öffentlichkeit bekannter zu machen.

Das Projekt »Prototyping Transfer-Berufsanerkennung mit Qualifikationsanalysen« wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) koordiniert. 

Validierungsverfahren für non-formal und informell erworbene Kompetenzen: Fachtagung in Vorbereitung

Am 14. Dezember 2017 findet im Tagungswerk in Berlin die Fachtagung »Können« sichtbar machen – Berufliche Kompetenzen validieren« im Rahmen des Projekts ValiKom statt.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht der Einblick in das Validierungsverfahren des Verbundprojekts, das derzeit von acht Handwerkskammern sowie Industrie- und Handelskammern erprobt wird. Projektmitarbeitende und Personen, die an einem Validierungsverfahren teilgenommen haben, werden über ihre Erfahrungen berichten und für Fragen zur Verfügung stehen.

Außerdem wird es Impulse des BMBF, der Kammerdachverbände sowie der Wissenschaft zur Validierung beruflicher Kompetenzen geben und eine Diskussion zur Einführung von Validierungsverfahren in der Beruflichen Bildung mit Stakeholdern aus der Berufsbildungs- und Arbeitsmarktpolitik.

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt ValiKom sind die Handwerkskammern Dresden, Hannover, München und Oberbayern, Münster sowie die Industrie- und Handelskammern Halle-Dessau, Köln, München und Oberbayern, Stuttgart und das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln (FBH) sowie der WHKT beteiligt. Der WHKT hat die Projektleitung inne.

Weitere Informationen zum Projektvorhaben gibt es auf der Webseite www.validierungsverfahren.de.

Starthelfende Ausbildungsmanagement: Neue Starthelfer/innen mit Schwerpunkt »Flüchtlinge« ziehen erste Bilanz

Seit einem halben Jahr sind die fünf neuen Starthelfer/innen jetzt bei drei Handwerkskammern sowie zwei Industrie- und Handelskammern im Einsatz. Ihr Aufgabenschwerpunkt liegt auf der Beratung und Unterstützung von Flüchtlingen bis hin zu dem Zeitpunkt, an dem diese sowohl sprachlich als auch schulisch so weit vorbereitet sind, dass sie mit einer dualen Berufsausbildung beginnen können. Anhand der Zahlen des ersten Halbjahres lassen sich nun erste Zwischenergebnisse ablesen: So fanden im Zeitraum Januar bis Juni mehr als 460 Beratungsgespräche mit Flüchtlingen statt. Wie erwartet, stammt die große Mehrheit (mehr als 70%) aus den Hauptherkunftsländern Syrien, Afghanistan, Eritrea, Iran und Irak.

Knapp 160 Flüchtlinge wurden im ersten Halbjahr kontinuierlich von den Starthelfer/innen begleitet. In diesem Zeitraum konnten mehr als 90 Flüchtlinge in Praktika vermittelt werden, knapp 40 hatten die Möglichkeit, bei sogenannten Betriebserkundungen erste Eindrücke von bestimmten Berufsbildern und Arbeitsabläufen im Betrieb zu sammeln. Natürlich waren die Starthelfer/innen auch in den Bereichen Sprachförderung und Schule aktiv und vermittelten Flüchtlinge in Sprach- und Integrationskurse sowie in Maßnahmen zum Nachholen eines Schulabschlusses oder der Berufsorientierung.

Sehr deutlich wird beim Blick auf die Zahlen, dass Flüchtlinge dringend auf Hilfestellung bei der Bewältigung alltäglicher Probleme angewiesen sind: So unterstützen die Starthelfer/innen in hohem Maße bei der Bearbeitung und dem Verständnis von Dokumenten und Formularen sowie beim Umgang mit Ämtern und Behörden, halfen bei allgemeinen rechtlichen Fragen weiter oder leisteten Hilfestellung bei der Wohnungssuche. 

Beim ersten Erfahrungsaustausch, der im Juni beim WHKT stattfand, zeigten sich die neuen Starthelfer/innen zufrieden mit der Entwicklung der ersten Monate und waren sich einig, dass ihr Angebot an der richtigen Stelle ansetzt. Dafür spricht nicht nur die hohe Zahl von Flüchtlingen, die Beratung im Rahmen des Projekts suchen. Auch andere Akteure, wie Ehrenamtliche, Betriebe und Schulen, begrüßen das Projekt zur Unterstützung junger Flüchtlinge auf dem Weg zur Ausbildungsreife.

Der kostenlose Beratungs- und Vermittlungsservice im Rahmen des Projekts »Starthelfende Ausbildungsmanagement« wird durch Mittel des Europäischen Sozialfonds und des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

»Integration von Flüchtlingen in Arbeit und Ausbildung«: Flüchtlingsdaten vom Arbeitsmarkt

Der Beirat der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen »Integration von Flüchtlingen in Arbeit und Ausbildung« hat für NRW eine beispielhafte Funktion, um alle Akteure zu dem Thema auf Landesebene zusammenzubringen. In seiner neunten Sitzung wurden u. a. einige interessante Daten und Fakten (Stand Mai 2017) erörtert:

  • 10,5 Prozent (130.282) der Arbeitssuchenden in Nordrhein-Westfalen (insgesamt 1,2 Mio.) sind Personen im Kontext der Flüchtlingsmigration. Davon sind 83 Prozent im Rechtskreis SGB II, die verbleibenden 17% im SGB III, weil sie noch in Asylverfahren sind oder ggf. einen Ablehnungsbescheid erhalten haben. 75.771 (58,2%) davon sind nicht arbeitslos, sondern aktuell in Maßnahmen.
  • In der Arbeitssuchendenstatistik der Bundesagentur ist kein Flüchtling mit Beschäftigungsverbot (z. B. bei sicheren Herkunftsländern) aufgeführt.
  • Von den Arbeitslosen (54.511) haben 51,2% die syrische und 12,9%, als zweitgrößte Gruppe, die irakische Staatsangehörigkeit.
  • Nur 15,9% der Arbeitslosen streben eine Tätigkeit auf Fachkräfteniveau an. Im Fokus der anderen stehen Helfertätigkeiten. Das große Ziel bleibt deshalb, die Sprachkenntnisse und die berufliche Qualifikation der Arbeitslosen zu verbessern.
  • Daten aus Februar und Mai 2017 zeigten, dass rund 75.000 Geflüchtete in Maßnahmen zur sprachlichen und beruflichen Weiterbildung sind. Von der Bundesagentur für Arbeit werden Maßnahmen für rund 25.000 Geflüchtete gefördert. Hinzu kommen 44.500 insbesondere in Integrationskursen, ESF-geförderte berufsspezifische Sprachkurse sowie Basissprachkurse vom Land NRW und 5.600 in Sprachförderangebote der zweiten Stufe aus dem Programm »DeuFöV« vom BAMF.
  • Unter den von der Bundesagentur für Arbeit geförderten Maßnahmen bildet die Hauptgruppe die Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung wie PerF, PerjuF, Förderzentrum für Flüchtlinge und KompAS mit 72% aller Teilnehmer (18.002).
  • Der Beirat hat sich auch mit der »Flüchtlingsintegrationsmaßnahme (FIM)« befasst und die Frage erörtert, inwieweit die Zielgruppe ausgedehnt werden müsste. Von den 12.500 Plätzen für NRW im Jahr 2017 sind bislang knapp 5.400 bewilligt, aber ein Großteil noch nicht besetzt worden. Gerade die kommunalen Vertreter haben den Wunsch einer Öffnung für die Teilgruppe der Geduldeten zum Ausdruck gebracht. Der Beirat wird das Thema weiter erörtern.

Die Beurteilung von Vor- und Nachteilen der einzelnen Maßnahmen im Kontext aller Angebote wird nochmal eine neue Dynamik erhalten, wenn die Landesregierung ihre in der Koalitionsvereinbarung festgeschriebene Schulpflichterweiterung für Flüchtlinge bis 25 Jahre realisiert.

EZ-Scout: WHKT begleitet das Wirtschafts­ministerium NRW auf einer Reise nach Ghana, Elfenbeinküste und Guinea

Das Wirtschaftsministerium hat im April eine Unternehmerreise nach Ghana, in die Elfenbeinküste und nach Guinea organisiert, woran der EZ-Scout des WHKT teilnahm. Bei der Reise ging es darum, wirtschaftliche Potentiale für Unternehmen und Betriebe aus NRW zu identifizieren sowie dafür das Kooperationspotential mit der Entwicklungszusammenarbeit (bspw. in Form von Förderprogrammen) zu nutzen. Die Reise wurde initiiert auf Grundlage der Partnerschaft des Bundeslandes NRW mit Ghana, engeren Beziehungen des Ministeriums mit Guinea und der allgemeinen politischen Aufbruch-Stimmung hinsichtlich der wirtschaftlichen Potentiale in Afrika. Die Reise bettet sich ein in Initiativen auf nationaler Ebene bspw. des BMZ, BMWI und der Bundesregierung – insbesondere des gerade eben ausgerichteten G20-Treffens, welches  eines seiner Schwerpunkte Afrika gewidmet hatte und ebenfalls zu dem Ergebnis kam, dass unternehmerische Aktivitäten in Afrika unterstützt werden sollen.

Für den WHKT reiht sich die Reise ebenfalls in eine Reihe von Aktivitäten ein, welche Handwerksorganisationen und Betriebe dabei unterstützen sollen sich international zu engagieren. Bei der Reise hat sich unter anderem eine sehr starke Nachfrage nach Kompetenzen aus den Bereichen berufliche Bildung, Förderung von Kleinstunternehmen, Erneuerbaren Energien und Mechanisierung von Landwirtschaft abgezeichnet.

Personalia

Am 11. Juli 2017 hat die Vollversammlung der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld Frau Dr. Maribel Illig zur neuen Geschäftsführerin Berufsbildungsstätten der Handwerkskammer gewählt.

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