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WHKT-REPORT 08/2018

Mehr Mittel für Berufsbildung? ZDH kritisiert neuen Bundeshaushalt

Der Bundestag hatte noch vor der Sommerpause den Haushalt verabschiedet. Das Handwerk ist enttäuscht, denn es gibt bislang kein erkennbares »Mehr« an Mitteln für den Bereich der beruflichen Bildung. Gleichwohl wurde im Koalitionsvertrag angekündigt, die berufliche Bildung stärken zu wollen. Im Bundeshaushalt finden sich, laut ZDH-Auskunft, erkennbar keine zusätzlichen Mittel für überbetriebliche Bildungsstätten und Berufsschulen. Der Zustand der Berufsschulen hängt von der Finanzkraft der Schulträger ab. Die ist sehr unterschiedlich und das ist problematisch.

Über Jahrzehnte hinweg ist insgesamt zu wenig Geld in die berufliche Bildung investiert worden, in die Hochschulen dagegen schon. Immer wieder wird die Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung politisch betont, aber hinsichtlich der Haushaltsansätze des Bundes läßt sich nicht erkennen, dass man sie herstellen möchte.
     

Zwei Beispiele dazu: Für die Begabtenförderung bekommen die Unternehmen in Deutschland 50 Millionen Euro im Jahr, die Universitäten 265 Millionen Euro. Für Hochschulpakt und Exzellenzförderung gibt der Bund jährlich rund 2,3 Milliarden Euro. Vergleichbares fehlt im Bereich berufliche Bildung gänzlich.

ERASMUS+ 2014–2020: ERASMUS+ Antragsrunde erneut erfolgreich verlaufen

Seit vielen Jahren engagiert sich der Westdeutsche Handwerkskammertag im Rahmen des Förderprogramms ERASMUS+ in handwerks- und wirtschaftsbezogenen Themen der Berufsbildung und Erwachsenenbildung. Auch in der aktuellen Antragsrunde konnte der WHKT bereits erneut einige Erfolge verzeichnen und erhielt für mehrere Vorhaben eine Förderzusage.

Mit dem Projekt »Austausch von interkulturellen Kompetenzen zur sozialen Inklusion« (AVIK) setzt der WHKT seine Aktivitäten im Bereich der Integration von Zugewanderten fort. Das Projekt AVIK beginnt im September 2018 und wird sich unter Koordinierung des WHKT zwei Jahre lang mit der praktischen Erprobung und Anwendung einiger Integrationsinstrumente in den Regionen Innsbruck, Mugla, Thessaloniki, Coimbra, Silla, Rom und Düsseldorf befassen.

»Innovative Training in VET. Professional capacity building of VET-business key actors for qualitative WBL experiences« (InnoTrain) lautet der Titel eines weiteren Projekts unter Leitung einer österreichischen Einrichtung. Diese strategische Partnerschaft mit Beteiligung des WHKT zielt darauf ab, ein systematischeres Engagement von Berufsbildungsanbietern und -unternehmen zu schaffen, neue Synergien für die Förderung von Work-Based Learning zu erforschen, zu konzipieren und umzusetzen und nachhaltige politische Reformen in Bildung und Beschäftigung anzuregen. Die Laufzeit dieses Vorhabens beträgt 30 Monate, das Vorhaben wird von Partnereinrichtungen aus Spanien, Griechenland, Italien, Österreich und Deutschland realisiert.

In einem weiteren Projekt übernimmt die Servicegesellschaft des WHKT die Koordination für dritte Projektpartner als Dienstleistung.

Die Umsetzung der vorgenannten Partnerschaften erfolgt mit Unterstützung durch das Programm Erasmus+ der Europäischen Union. Erasmus+ ist das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport (2014–2020). Im Zentrum von Erasmus+ steht die Förderung der Mobilität zu Lernzwecken und der transnationalen Zusammenarbeit. Das Programm soll Kompetenzen und Beschäftigungsfähigkeit verbessern und die Modernisierung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung voranbringen.

In der Antragsrunde 2018 erhielten im Zuständigkeitsbereich der NA-BiBB 54 Strategische Partnerschaften in der Berufsbildung und 56 Strategische Partnerschaften in der Erwachsenenbildung eine Förderzusage.

Validierungsverfahren für non-formal und informell erworbene Kompetenzen: Anmeldung zur Abschlussveran­staltung des Projekts »ValiKom« jetzt möglich

Unter dem Titel »Talente sichtbar machen – Validierung als neuer Weg in der Berufsbildung« findet am 08. Oktober 2018 im Tagungswerk in Berlin die Abschlussveranstaltung des Projekts »ValiKom« statt.

Das im Projekt entwickelte Verfahren zur Feststellung non-formal und informell erworbener beruflicher Kompetenzen wird ausführlich vorgestellt, wobei der Schwerpunkt auf den Ergebnissen der Erprobung liegt. Vertreterinnen und Vertreter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, des Deutschen Handwerkskammertages sowie der Wissenschaft ziehen Bilanz und geben politische Impulse zur Verankerung von Validierungsverfahren im System der Beruflichen Bildung. In mehreren Diskussions- und Informationsforen werden diese grundlegenden Einblicke vertieft und erweitert.

Interessierte können sich online anmelden unter: www.valikom.de/abschlusstagung/content/online-anmeldung/ 

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt sind die Handwerkskammern Dresden, Hannover, München und Oberbayern, Münster sowie die Industrie- und Handelskammern Halle-Dessau, Köln, München und Oberbayern, Stuttgart und das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln (FBH) sowie der WHKT (Projektleitung) beteiligt. Weitere Informationen zum Projektvorhaben gibt es auf der Webseite www.validierungsverfahren.de.

»Starthelfende Ausbildungsmanagement«: Auch Starthelfende mit Flüchtlingsschwerpunkt sind zufrieden mit erstem Halbjahr 2018

Im ersten Halbjahr 2018 suchten 420 Flüchtlinge die Erstberatung der Starthelfenden auf. Wie erwartet, stammten die meisten der Ratsuchenden (75%) aus den fünf Hauptherkunftsländern Syrien (31%), Afghanistan (26%), Irak, Iran und Eritrea. Aktuell beschäftigen sich vier Starthelfer/innen speziell mit Flüchtlingen. Diese setzen mit ihrer Beratung zu einem sehr frühen Zeitpunkt an, denn wie die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt hat, sind für Flüchtlinge zahlreiche Hürden zu überwinden, bevor die Aufnahme einer dualen Ausbildung in Betracht gezogen werden kann.    

Der Kontakt zur Zielgruppe entstand in der Regel über Besuche Internationaler Förderklassen, über Ehrenamtliche und zunehmend auch durch Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Geflüchteten selbst. Aus etwa jeder dritten Erstberatung entwickelte sich eine kontinuierliche Begleitung, in deren Rahmen die Starthelfer/innen umfassend über das duale Ausbildungssystem, die Bandbreite an Ausbildungsberufen sowie die beruflichen Möglichkeiten, die mit einer abgeschlossenen Ausbildung einhergehen, informierten. Nach einem ausführlichen Gespräch zur schulischen, fachlichen und sprachlichen Qualifikation der Geflüchteten wird ein individueller Plan erarbeitet, welche Schritte notwendig sind, um eine Ausbildung aufnehmen und erfolgreich absolvieren zu können.    

Zu diesen ersten Schritten gehörten bei jedem Dritten der Geflüchteten Maßnahmen bei Trägern, z.B. Maßnahmen zur Ausbildungsvorbereitung, zum Nachholen eines Schulabschlusses oder, mit Abstand am häufigsten, die Teilnahme an Sprachkursen. Genauso wichtig wie die Grundbildung ist das Kennenlernen der beruflichen Praxis. Fällt es schon vielen Jugendlichen, die in Deutschland geboren sind, schwer, konkrete Berufsvorstellungen zu entwickeln, so ist es für Flüchtlinge ungleich schwieriger, da viele Berufsbilder in den Herkunftsländern nicht existieren. Von daher ist es sehr positiv zu bewerten, dass zwei Drittel aller Flüchtlinge im Programm bereits in die berufliche Praxis vermittelt werden konnten. Die Bandbreite reichte von Betriebserkundungen, die in wenigen Stunden einen ersten Eindruck eines Berufs und der praktischen Abläufe im Betrieb vermittelten, über Praktika bis hin zu Einstiegsqualifizierungen.

Die Starthelfenden ziehen eine durchweg positive Bilanz für das erste Halbjahr 2018 und sehen sich darin bestärkt, bei der Zielgruppe der Flüchtlinge an der richtigen Stelle anzusetzen. Dafür sprechen nicht nur die guten Vermittlungszahlen und die hohe Anzahl an Geflüchteten, die das Unterstützungsangebot in Anspruch nimmt, sondern auch die vielen positiven Rückmeldungen von anderen Akteuren, wie Schulen, Betriebe und Ehrenamtliche, mit denen sich eine enge und kontinuierliche Zusammenarbeit entwickelt hat.

Der kostenlose Beratungs- und Vermittlungsservice im Rahmen des Programms »Starthelfende Ausbildungsmanagement« wird durch Mittel des Europäischen Sozialfonds und des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Prototyping Transfer: Noch rund 15 Qualifikationsanalysen in 2018 förderbar

Im Sonderfonds Qualifikationsanalysen stehen für das Jahr 2018 noch Mittel zur Förderung der Kosten von Qualifikationsanalysen im Rahmen der Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren ausländischer Berufsabschlüsse zur Verfügung. Der Erfahrung nach können damit rund 15 Qualifikationsanalysen gefördert werden.

Kammern im ganzen Bundesgebiet, die förderungsbedürftige Antragstellende beraten, die eine Qualifikationsanalyse machen wollen, sollten rechtzeitig und damit kurzfristig diese Personen zur Förderung beim WHKT vorschlagen.

Details zur Förderung und zum Ablauf des Verfahrens sind zu finden unter www.whkt.de/prototyping-transfer.   

Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und koordiniert vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Europa: Vorschau auf den Beratungsfahrplan im Herbst

Im kommenden Jahr ist Europawahl. Zudem endet die Amtszeit der aktuellen Kommission. Neue Gesetzgebungsvorschläge gibt es nun keine mehr. Jedenfalls planmäßig. Dafür sind die Mitgesetzgeber umso emsiger damit beschäftigt, laufende Gesetzgebungsverfahren voranzutreiben, um sie nach Möglichkeit noch vor Mai 2019 abzuschließen. Auf den heißen Sommer folgt europapolitisch voraussichtlich ein »heißer Herbst«.

Die enge Taktung des Beratungsfahrplans im Europäischen Parlament zeigt sich beispielhaft an den Förderprogrammen für die Periode 2021–2027, also Erasmus (Bildung), EFRE, ESF, ELER (Strukturförderung), LIFE (Umwelt, Klima, Energie), Horizon (Forschung und Innovation), für das Binnenmarktprogramm, die Digitalförderung u.a.

Vergleichsweise kürzlich, Ende Mai/Anfang Juni 2018, hat die Europäische Kommission die Vorschläge für die neue Programmgeneration veröffentlicht. Sie werden im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren verabschiedet, dass heißt, Rat und Europäisches Parlament müssen sich auf einen Text einigen. Mitte Juli, noch vor der Sommerpause, legten mehrere Berichterstatter bereits ihre Vorschläge für die Positionierung des Europäischen Parlaments vor. Das betrifft den ESF+, Horizon und Digital Europe. Für diese Programme endet die Frist für Änderungsanträge, die von anderen Abgeordneten gestellt werden können, bereits in der zweiten Septemberwoche. Angesichts der Sommerpause ist das sportlich oder taktisch klug, je nach Sichtweise. Ende November sollen die Ausschusspositionen für die Programme nach Möglichkeit stehen, damit ausreichend Zeit bleibt für Verhandlungen mit dem Rat und den Abschluss des förmlichen Verfahrens.

Der »heiße Herbst« betrifft aber nicht nur die Programme, sondern auch diverse andere Gesetzgebungsvorhaben. Das Warenverkehrspaket geht im September in die Ausschussabstimmung. Bei Verbraucherrechten und Sammelklage stehen die Abstimmungen für November an. Beim Tacho bleibt abzuwarten, ob der Berichterstatter im September tatsächlich erneut einen Berichtsentwurf vorlegt, nachdem der Erste im Frühsommer vom Plenum kassiert wurde. Im Bereich Umwelt stehen Trinkwasser und Einwegplastik auf der Agenda, im Bereich Soziales unter anderem die Nachweisrichtlinie, die europäische Arbeitsbehörde, Arbeitsschutz (Kanzerogene) und das europäische Altersvorsorgeprodukt PEPP.

Personalia

Der Vizepräsident des Deutschen Handwerkskammertages und dienstältester Vizepräsident einer Handwerkskammer (Dortmund), der auch von 1998 bis 2010 Arbeitnehmer-Vizepräsident des Westdeutschen Handwerkskammertages war, Klaus Feuler, ist am 02.08.2018 mit dem Bundesverdienstorden am Bande durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ausgezeichnet worden.

Terminvorschau

01./02.09.2017 | Aachen: Europamarkt der Kunsthandwerker

06.09.2018 | Raesfeld: Abschlusspräsentation des HPI-Gutachtens »Regionale Analyse zur Zukunft der überbetrieblichen Bildungsstätten des Handwerks in NRW«

06.09.2018 | Raesfeld: Arbeitstagung der Vizepräsidenten AN

06.09.2018 | Raesfeld: Kamingespräch der Arbeitnehmer-Vizepräsidenten der NRW-Handwerkskammern mit ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer 

08.09.2018 | Raesfeld: 4. Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW mit NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart und unter Moderation der WDR-Redakteurin Michaela Padberg

11.09.2018: Karrieretag für Gesellen der Handwerkskammer zu Köln

12.09.2018 | Düsseldorf: Kamingespräch der Arbeitnehmer-Vizepräsidenten der NRW-Handwerkskammern mit dem nordrhein-westfälischen Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann

14.09.2018 | Arnsberg: Jahresempfang der Handwerkskammer Südwestfalen

15.09.2018: Tag des Handwerks

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