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Prototyping Transfer – Berufsanerkennung mit Qualifikationsanalysen (Laufzeit: 01.01.2015–31.12.2018)

Hintergrund:

Die im Kontext zur Einordnung in das Beratungs- und Anerkennungsverfahren etablierte Praxis, um im Ausland erworbene Berufsqualifikationen in Deutschland anerkennen zu lassen, ist – nach der Einstiegsberatung und der Antragstellung auf Gleichwertigkeitsfeststellung – eine Dokumentenanalyse. Das bedeutet, dass Zeugnisse und Diplome mit den Anforderungen an den deutschen Referenzberuf einem Vergleich unterzogen werden. Doch nicht immer ist es Personen, insbesondere aufgrund politischer Entwicklungen in Krisenregionen möglich oder zumutbar, die entsprechenden Unterlagen einzureichen oder sie sind nicht aussagefähig. 
 
Damit sowohl EU- als auch Nicht-EU Bürger/innen einen Anspruch auf ein Verfahren zur Prüfung der Gleichwertigkeit ihrer Berufsqualifikation mit einem deutschen Abschluss haben, trat am 1. April 2012 das »Gesetz zur Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen« in Kraft. Der erste Artikel umfasst dabei das Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (BQFG). In § 14 BQFG und § 50 b Abs. 4 HwO (»sonstige geeignete Verfahren«) wurde infolge einer Qualifikationsanalyse explizit die Möglichkeit geschaffen, im Ausland erworbene berufliche Kompetenzen feststellen und für den deutschen Arbeitsmarkt anerkennen zu lassen.

Durch sechs verschiedene, zur Feststellung der Kompetenzen geschaffener Instrumente, wie einer Arbeitsprobe, einem Fachgespräch oder der Probearbeit im Betrieb, erhalten die Antragstellenden die Möglichkeit, ihre Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (FKF) nachzuweisen, welche sie nicht oder nicht ausreichend durch schriftliche Dokumente belegen können. Die Qualifikationsanalyse bietet eine gute zusätzliche Möglichkeit, vorhandene Kompetenzen zu zeigen.

Noch wird dieses Verfahren eher in geringem Umfang realisiert, weil zuständige Stellen es nicht offensiv verbreiten und Antragstellende häufig nicht teilnehmen wollen oder aufgrund von Sprachdefiziten oder mangels Finanzierungsmöglichkeiten nicht teilnehmen können. Weil die Qualifikationsanalyse zudem auf die jeweiligen Antragstellenden immer individuell abgestimmt werden muss, ist die Entwicklung derselben für die Experten/innen der Kammern entsprechend zeitintensiv. Aus diesem Grund fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Projekt »Prototyping Transfer – Berufsanerkennung mit Qualifikationsanalysen«. 

Ziele:

Das Ziel ist, ein gesteigertes Bewusstsein für dieses wegweisende Verfahren hervorzurufen und im Bundesgebiet Qualifikationsanalysen in erhöhtem Umfang durchzuführen. Dabei sollen die zuständigen Stellen (Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, Landwirtschaftskammern, Kammern der Freien Berufe sowie die anderen für die BQFG-Umsetzung zuständigen Behörden und Einrichtungen) bei der Vorbereitung und Durchführung von Qualifikationsanalysen je nach Bedarf u.a. durch weitere Muster-Qualifikationsanalysen, individuelle Beratung und finanzielle Unterstützung der Antragsteller/innen unterstützt werden. Analog dazu erfolgt der Aufbau eines Wissensmanagements, um den Transfer der Qualifikationsanalysen in die Praxis zu unterstützen.

Maßnahmen:

Das Projekt wird in dem Zeitraum von 2015 bis 2017 vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) koordiniert. Die Projektarbeit wird im Rahmen eines Verbundprojektes von folgenden sieben Partnern umgesetzt:

  • Westdeutscher Handwerkskammertag (WHKT)
  • Handwerkskammer Hamburg (HWK Hamburg)
  • Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald (HWK Mannheim)
  • IHK FOSA
  • Industrie- und Handelskammer zu Köln (IHK Köln)
  • Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK München)
  • saar.is - saarland.innovation&standort e. V.

Die Verbundpartner tragen aufgrund der vereinbarten regionalen Aufteilung und Zuständigkeit dazu bei, dass weitere zuständige Stellen deutschlandweit Hilfestellungen zur Durchführung von Qualifikationsanalysen erhalten. So wird der WHKT federführend u.a. für alle Handwerkskammern in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen und Saarland zuständig sein. Dies beinhaltet in diesem Zusammenhang auch eine Abklärung der bisherigen Umsetzung der Qualifikationsanalyse bei den beteiligten Kammern und eine Ermittlung eines Handlungs- und Unterstützungsbedarfes.

Im Rahmen des Förderprojekts kommt durch den WHKT darüber hinaus deutschlandweit ein Sonderfonds Qualifikationsanalysen zum Einsatz mit dem Ziel, Personen eine Qualifikationsanalyse im Rahmen von Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren zu ermöglichen, die sie ohne finanzielle Unterstützung nicht realisieren könnten.

Konkret bedeutet dies, dass die Handwerkskammern zuerst vor Ort die Authentizität jedes Falls prüfen, da die Handwerkskammer immer der erste Ansprechpartner für die antragstellende Person ist. Dem WHKT wiederum obliegt in diesem Zusammenhang die Prüfung der Förderkriterien. Ein Kriterium zur Auszahlung der Mittel aus dem Sonderfonds Qualifikationsanalysen des Projekts »Prototyping Transfer – Berufsanerkennung mit Qualifikationsanalysen« bezieht sich z.B. auf Antragstellende, die keine Förderung durch die Arbeitsagentur, das Jobcenter oder andere Institutionen für die Durchführung der Qualifikationsanalysen erhalten.

Der WKHT wird zudem eine Arbeitsgruppe im Kreis der Handwerkskammern, ggf. unter Hinzuziehung weiterer, nicht im Projekt aktiv beteiligter Handwerkskammern, einrichten und zumindest für Teil III der Meisterprüfung eine spezielle Muster-Qualifikationsanalyse entwickeln und abstimmen. Es sind über die Projektlaufzeit sechs Arbeitsgruppensitzungen in Düsseldorf vorgesehen.

Das Projekt schließt an das Verbundprojekt »Prototyping« an, welches von 2011 bis 2014 vom Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) koordiniert und vom Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln (FBH) wissenschaftlich begleitet wurde.

Förderung:

Gefördert vom



 

Kontakt:

Westdeutscher Handwerkskammertag
Volmerswerther Straße 79 | 40221 Düsseldorf
Joachim Ritzerfeld , Tel.: 0211/3007-712 | E-Mail: joachim.ritzerfeld(at)whkt.de